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| ==WELTALL==
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| *'''zuletzt 774'''
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| *'''993–994:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Miyake-Ereignis Miyake-Ereignis] In den Jahren 993–994 n. Chr. ereignet sich ein weiteres starkes Miyake‑Ereignis, das erneut zu einem klar erkennbaren Anstieg kosmogener Isotope führt. Energieträchtige Teilchen aus dem Weltraum verstärken die Bildung von C14 in der Erdatmosphäre und verursachen so einen charakteristischen Peak im Radiokohlenstoff‑Profil von Baumringen, der für diese Jahre deutlich hervortritt. Bei Untersuchungen japanischer Zedern identifizieren Forschende einen zweiten, vom Ereignis 774–775 n. Chr. unabhängigen Peak, der die Jahre 993–994 n. Chr. markiert und damit ein weiteres, zeitlich scharf begrenztes Strahlungssignal liefert. Dieses Ereignis ergänzt die wachsende Liste bekannter Miyake‑Ereignisse und bestätigt, dass solche Ausbrüche in der jüngeren Erdgeschichte wiederholt und mit erheblicher Intensität auftreten. Für die heutige Forschung bildet der Peak von 993–994 n. Chr. zusammen mit dem von 774–775 n. Chr. ein wichtiges Instrument der Feindatierung, da sich archäologische Hölzer an zwei verschiedenen, unabhängig überprüfbaren Radiokohlenstoff‑Signaturen ausrichten lassen.
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| *[[2012#WELTALL | Fortsetzung 2012]]
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| *'''2012:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Miyake-Ereignis Miyake-Ereignis] Im Jahr 2012 veröffentlicht die japanische Astronomin Fusa Miyake an der Universität Nagoya erste Ergebnisse über derartige Strahlungsausbrüche in der Fachzeitschrift Nature und etabliert damit den Begriff Miyake‑Ereignis. Sie analysiert den C14‑Gehalt in den Jahresringen japanischer Zedern und entdeckt dabei starke Anstiege für die Jahre 774–775 n. Chr. und 993–994 n. Chr., die sich deutlich von der Hintergrundvariation abheben. Mit Hilfe der Beschleuniger‑Massenspektrometrie weist sie die winzigen Mengen an Radiokohlenstoff nach und rekonstruiert den zeitlichen Verlauf der Peaks mit hoher Genauigkeit. In der Folge setzen sich die Bezeichnungen Miyake‑Ereignis und Miyake event als Fachtermini für solche kurzzeitigen, extremen Anstiege kosmogener Isotopproduktion durch, die in Baumringen und Eisbohrkernen erkennbar sind. Die Veröffentlichung löst eine Reihe weiterer Studien aus, in denen Forschende zusätzliche Ereignisse identifizieren und die Bedeutung dieser Strahlungsausbrüche für die Chronologie‑Forschung und das Verständnis der Sonnen‑ und Weltraumphysik untersuchen.
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| *'''2022:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Miyake-Ereignis Miyake-Ereignis] Im Jahr 2022 legt Fusa Miyake mit ihrem Team eine weitere Studie vor, in der sie hochpräzise C14‑Daten aus Baumringen eines Alaskanischen Baumes für den Zeitraum 1844–1876 n. Chr. auswertet und darin keine Signatur eines extremen solaren Teilchenereignisses findet. Diese Ergebnisse erscheinen unter dem Titel „No signature of extreme solar energetic particle events in high‑precision 14C data from the Alaskan tree for 1844–1876 CE“ und dienen als wichtiger Referenzdatensatz für die Abgrenzung normaler solaren Aktivität von extremen Ausbrüchen. Parallel dazu untersucht die Arbeitsgruppe Eisbohrkerne aus Alaska und der Antarktis sowie weitere Baumring‑Serien und identifiziert zusätzliche Ausbrüche kosmischer Strahlung um 7176 v. Chr., 5410 v. Chr. und 5259 v. Chr. Diese Funde erweitern die bekannte Liste der Miyake‑Ereignisse deutlich in die ferne Vergangenheit und zeigen, dass solche Ereignisse im Mittel ungefähr alle tausend Jahre auftreten, auch wenn die tatsächlichen Abstände stark schwanken können.
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| *'''2023:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Miyake-Ereignis Miyake-Ereignis] Im Jahr 2023 wird ein weiteres, besonders extremes Ereignis beschrieben, das um das Jahr 12 350 v. Chr. stattfindet und sich im Nachhinein als das stärkste bekannte Miyake‑Ereignis herausstellt. Neue hochauflösende Analysen von Baumringen und anderen natürlichen Archiven machen den außergewöhnlich hohen Peak in der C14‑Konzentration sichtbar und erlauben eine genauere Rekonstruktion von Dauer und Intensität des Ausbruchs. Forschende erkennen, dass dieses Ereignis alle zuvor dokumentierten Miyake‑Ereignisse an Stärke übertrifft und damit neue Fragen nach den zugrunde liegenden astrophysikalischen Mechanismen aufwirft. Die Veröffentlichung des Ergebnisses verankert 12 350 v. Chr. als neuen Extremfall in der Statistik solcher Strahlungsausbrüche und verdeutlicht, welches Potential Miyake‑Ereignisse als natürliche Experimente für das Verständnis kosmischer Strahlung besitzen.
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| *'''zuletzt 774'''
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| *'''zuletzt 764'''
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| ==MAYA== | | ==MAYA== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/K%27inich_K%27uk%27_Bahlam_II. Ajaw K'inich K'uk' Bahlam II. (764–nach 783)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/K%27inich_K%27uk%27_Bahlam_II. Ajaw K'inich K'uk' Bahlam II. (764–nach 783)] <br /> |
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| *'''783:''' Etwa um das Jahr 783 endet die Regierungszeit von K’inich K’uk’ Bahlam II. Über die genauen Umstände seines Todes oder die letzten Jahre seines Lebens gibt es keine gesicherten Angaben. Sein Nachfolger wird Janaab Pakal III, der vermutlich ebenfalls der königlichen Dynastie entstammt. Nach dem Tod von K’inich K’uk’ Bahlam II verliert Palenque zunehmend an politischer Bedeutung. Die kunstvollen Inschriften und Monumente, die unter seiner Herrschaft entstehen, gelten jedoch als letzter großer Ausdruck der klassischen Periode in dieser einst mächtigen Stadt.
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| *[[799#MAYA | Fortsetzung 799]]
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| *'''799:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Janaab_Pakal_III. '''Ajaw Janaab Pakal III. (799)''']
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| *'''zuletzt 764'''
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| '''Calakmul''' | | '''Calakmul''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Ukit_Kan_Lek_Tok Ajaw Ukit Kan Lek Tok (770-801)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Ukit_Kan_Lek_Tok Ajaw Ukit Kan Lek Tok (770-801)] <br /> |
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| *'''801:''' Im Jahr 801 endet das Leben von Ukit Kan Lek Tok, der als bedeutendster Herrscher von Ek Balam in der Späten Klassik gilt. Spätere Herrscher der Stadt, darunter Kan Bohb Tok, der 814 stirbt, Ukit Jol Ahkul, der 830 stirbt, und Kinich Junpik Tok Kuh, der 870 stirbt, verehren ihn offensichtlich als Dynastiestifter. Seine Regierungszeit bleibt als Neuanfang in Erinnerung, an dem sich die nachfolgenden Fürsten orientieren und mit dem sie ihre eigene Legitimität verbinden. Die späteren Inschriften der Stadt greifen seinen Namen und seine Taten auf und verankern ihn dauerhaft im kollektiven Gedächtnis von Ek Balam. So lebt die Erinnerung an Ukit Kan Lek Tok als zentrale Figur der Geschichte Talols in den Monumenten, Inschriften und dem städtischen Layout von Ek Balam fort.
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| '''Tikal''' | | '''Tikal''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Nuun_Ahiin_II Ajaw Yax Nuun Ahiin II. (768-794)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Nuun_Ahiin_II Ajaw Yax Nuun Ahiin II. (768-794)] <br /> |
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| *'''794:''' Um das Jahr 794 endet die Regierungszeit von Yax Nuun Ahiin II., sehr wahrscheinlich durch seinen Tod in Tikal. Mit diesem ungefähren Todesdatum schließt sich seine Herrschaftsspanne, die mit der Thronbesteigung im Jahr 768 begonnen hat und vermutlich ohne längere Unterbrechung andauert. Nach seinem Tod folgt Nuun Ujol K’inich als nächster Herrscher auf den Thron von Tikal und führt die Dynastie weiter. Yax Nuun Ahiin II. bleibt in der späteren Überlieferung vor allem durch seine verschiedenen Namen – Yax Nuun Ahiin II., Herrscher C und Chitam – sowie durch die mit ihm verbundenen Monumente im Stadtbild von Tikal präsent. [https://en.wikipedia.org/wiki/Nuun_Ujol_K%CA%BCinich '''Ajaw Nuun Ujol Kʼinich (794-810?)''']
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| *[[810#MAYA | Fortsetzung 810]]
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| *'''zuletzt 768'''
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| '''Quiriguá''' | | '''Quiriguá''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Pasaj_Chan_Yopaat Ajaw Yax Pasaj Chan Yopaat (763-810)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Pasaj_Chan_Yopaat Ajaw Yax Pasaj Chan Yopaat (763-810)] <br /> |
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| *'''810:''' In den Quellen wird Yax Pasaj Chan Yopaat bis 810 oder sogar noch etwas länger als Herrscher aufgeführt. Nach seinem Tod gerät Copán in eine Phase des Niedergangs; Teile der Bevölkerung verlassen Copán wandern und in andere Stadtstaaten ab.
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| *[[822#MAYA | Fortsetzung 822]]
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| *'''822:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Ukit_Took '''Ajaw Ukit Took (822-830)'''] (letzter Herrscher von Copán)
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| *'''zuletzt 763'''
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| ==PRÄ-INKAS==
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| *'''zuletzt 700'''
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| ==PIKTEN== | | ==PIKTEN== |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Ciniod_I König Ciniod I. (763–775)] <br />Im Jahr 775 verzeichnen mehrere unabhängige Quellen den Tod Ciniods. Die Annalen nennen ihn dabei als "Cinadhon, König der Pikten". Es sind keine Söhne Ciniods namentlich überliefert, allerdings wird für das Jahr 778 der Tod einer "Eithne ingen Cinadhon", also von Eithne, Tochter Ciniods, erwähnt. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Ciniod_I König Ciniod I. (763–775)] <br />Im Jahr 775 verzeichnen mehrere unabhängige Quellen den Tod Ciniods. Die Annalen nennen ihn dabei als "Cinadhon, König der Pikten". Es sind keine Söhne Ciniods namentlich überliefert, allerdings wird für das Jahr 778 der Tod einer "Eithne ingen Cinadhon", also von Eithne, Tochter Ciniods, erwähnt. |
| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Alp%C3%ADn_II_of_the_Picts '''König Alpín II. (775–778)'''] <br />Auf Ciniod folgt Alpin, Sohn des Uuroid, als neuer König der Pikten. Aufgrund der Namensformen gehen manche Gelehrte davon aus, dass Alpin der Bruder seines Vorgängers Ciniod ist, weil beide Väter patronymische Namen tragen, die als piktische Entsprechung des altirischen Namens Feredach gelten, doch bleibt dieser Verwandtschaftszusammenhang unsicher und ohne eindeutige Belege. In den piktischen Königlisten erscheint Alpin als "Alpin, Sohn des Uuroid", und er gehört damit vermutlich zu einer adeligen Sippe, die möglicherweise mit dem nordschottischen Geschlecht der Cenél Loairn in Verbindung steht, auch wenn dies nur eine angenommene, nicht gesicherte Zuordnung ist. Die piktischen Chroniken und späteren Listen der Könige datieren seine Regierungszeit explizit von 775 bis 778. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Alp%C3%ADn_II_of_the_Picts '''König Alpín II. (775–778)'''] <br />Auf Ciniod folgt Alpin, Sohn des Uuroid, als neuer König der Pikten. Aufgrund der Namensformen gehen manche Gelehrte davon aus, dass Alpin der Bruder seines Vorgängers Ciniod ist, weil beide Väter patronymische Namen tragen, die als piktische Entsprechung des altirischen Namens Feredach gelten, doch bleibt dieser Verwandtschaftszusammenhang unsicher und ohne eindeutige Belege. In den piktischen Königlisten erscheint Alpin als "Alpin, Sohn des Uuroid", und er gehört damit vermutlich zu einer adeligen Sippe, die möglicherweise mit dem nordschottischen Geschlecht der Cenél Loairn in Verbindung steht, auch wenn dies nur eine angenommene, nicht gesicherte Zuordnung ist. Die piktischen Chroniken und späteren Listen der Könige datieren seine Regierungszeit explizit von 775 bis 778. |
| *[[778#PIKTEN | Fortsetzung 778]] | | *[[778#PIKTEN | Fortsetzung 778]] [[Kategorie:Pikten]] |
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| *'''778:''' Im Jahr 778 verzeichnet die überlieferte Königsliste das Ende der aktiven Regierungszeit Alpins und den Beginn der Herrschaft seines Nachfolgers Talorc, Sohn des Drest. Die Standardrekonstruktion gibt Alpins Regierungszeit mit 775 bis 778 an, sodass die Chronisten des Mittelalters und die heutige Forschung dieses Jahr als Zeitpunkt des Thronwechsels zwischen Alpin und Talorc ansetzen. In der Liste der piktischen Könige folgt Talorc II. direkt auf Alpin, wobei dort ausdrücklich vermerkt ist, dass Talorcs Regierungszeit von 778 bis 782 reicht und damit unmittelbar an das Ende von Alpins aktivem Königtum anschließt. Alpin bleibt im Jahr 778 jedoch weiterhin am Leben; er verliert lediglich seine Stellung als amtierender König, sodass für die Jahre nach 778 eine Phase vorliegt, in der ein früherer Herrscher noch lebt, während bereits ein neuer König auf dem Thron sitzt. Die Details dieses Übergangs bleiben unklar, denn die frühmittelalterlichen Annalen liefern keine direkte Notiz über einen gewaltsamen Sturz, eine Abdankung oder eine institutionalisierte Mit‑Regentschaft; dennoch legt der einsetzende Eintrag „Talorc, Sohn des Drest“ für 778 nahe, dass die Macht spätestens in diesem Jahr auf einen anderen Angehörigen der piktischen Führungsschicht übergeht. In der retrospektiven Lesart scheint Alpin von 775 bis zu diesem Einschnitt 778 die öffentlichen Funktionen eines Königs auszuüben, bevor Talorc II. als neuer Herrscher die Rolle übernimmt, während Alpin bis 780 weiterlebt. Die Annalen von Ulster, die im Zusammenhang mit Alpins Tod später zitiert werden, enthalten für die späten 770er Jahre keinen Eintrag, der diesen Machtwechsel präzisiert, doch die Kombination aus piktischer Königsliste und irischen Annalen erlaubt es, das Jahr 778 als markanten Schwerpunkt im dynastischen Ablauf zu betrachten. Auf der Grundlage dieser Konstruktion entsteht ein Bild, in dem Alpin 778 im Schatten eines Nachfolgers steht, während er selbst in der Geschichtsschreibung weiterhin als „König der Pikten“ für die vorangegangenen Jahre geführt wird und sein Name in den Quellen präsent bleibt. [https://fr.wikipedia.org/wiki/Talorgan_mac_Unuist König Talorgan mac Unuist (780-782)] (diesmal frz Wikipedia, die stimmiger ist, danach wieder engl. Wikipedia)
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| *[[780#PIKTEN | Fortsetzung 780]]
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| *'''780:''' Im Jahr 780 endet das Leben Alpins, Sohn des Uuroid, und damit die historische Spur dieses piktischen Königs. Die Annalen von Ulster berichten zu diesem Jahr einen Todeseintrag, den sie in irischer Form als „Eilpín, König der Sachsen“ wiedergeben, eine Formulierung, die in der modernen Forschung als offensichtlicher Fehler gilt, weil kein sächsischer König namens Ælfwine oder ähnlich für diesen Zeitpunkt bekannt ist, während Alpin als piktischer Herrscher im gleichen Zeitraum sicher belegt ist. Die Annalen von Clonmacnoise korrigieren diese Fehlzuschreibung, indem sie den Verstorbenen ausdrücklich als „Alpin, König der Pikten“ bezeichnen, was heute als die zutreffende Lesart anerkannt ist. Auf dieser Grundlage setzen Historiker den Tod Alpins in das Jahr 780 und lesen den Eintrag der Annalen von Ulster nicht als Nachricht über einen sächsischen König, sondern als piktisches Ereignis, bei dem der frühere König Alpin sein Leben verliert. Damit ergibt sich für das Jahr 780 ein klares, wenn auch knapp überliefertes Bild: Alpin lebt nach dem Ende seiner aktiven Regierungszeit noch einige Jahre weiter und stirbt schließlich, während Talorc II. bereits seit 778 als König der Pikten regiert. Die Kombination von annalistischen Notizen und Königsliste zeigt, dass Alpins Todesjahr zwei Jahre nach dem Beginn der Herrschaft Talorcs liegt, wodurch eine genauere Einordnung der piktischen Chronologie des späten 8. Jahrhunderts möglich ist. Der Eintrag in den Annalen von Clonmacnoise bestätigt zugleich Alpins Rang als König der Pikten in der Wahrnehmung irischer Geschichtsschreiber, die die politische Entwicklung im piktischen Raum aufmerksam beobachten und bedeutenden Herrschern bei ihrem Tod einen eigenen Notizpunkt widmen. Obwohl keine Quellen zum genauen Ort, zu den Umständen oder zur Art seines Todes erhalten sind, steht das Jahr 780 somit als fest verankerter Endpunkt sowohl für die Biografie Alpins als auch für die Rekonstruktion des dynastischen Verlaufs, der vom Tod Ciniods über Alpins Herrschaft bis hin zur Regierung Talorcs reicht.
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| *'''zuletzt 775'''
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| ==KELTEN== | | ==KELTEN== |
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| *Reihenfolge der Irischen Königreiche: <br />Ulster (Northern Uí Néill) <br />Ulaid <br />Argyll / Oriel <br />Brefni <br />Connacht <br />Meath (Southern Uí Néill) <br />Dubh Linn <br />Leinster <br />Wexford <br />Waterford <br />Ossory <br />Munster <br />Limerick <br />Cork
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| '''Uí Néill''' | | '''Uí Néill''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach Hochkönig Niall Frossach (763-765/778)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach Hochkönig Niall Frossach (763-765/778)] <br /> |
| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Donnchad_Midi Hochkönig Donnchad Midi (766/778-793/797)] <br />Donnchad Midi übernimmt die Kontrolle über das Kloster Clonard an der Grenze zu Leinster, zudem beginnt er seinen Feldzug nach Munster, verursacht "große Verwüstung" im Gebiet der Munsterleute und bringt zahlreiche Krieger aus Munster ums Leben. | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Donnchad_Midi Hochkönig Donnchad Midi (766/778-793/797)] <br />Donnchad Midi übernimmt die Kontrolle über das Kloster Clonard an der Grenze zu Leinster, zudem beginnt er seinen Feldzug nach Munster, verursacht "große Verwüstung" im Gebiet der Munsterleute und bringt zahlreiche Krieger aus Munster ums Leben. |
| *[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]] | | *[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Uí Néill]] |
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| *'''776:''' Donnchad Midi: 776 wiederholt er diesen Vorstoß nach Munster und stützt sich dabei ausdrücklich auf die Gemeinschaft des Klosters Durrow, sodass kirchliche Verbündete seine militärischen Aktionen begleiten.
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| *[[777#KELTEN | Fortsetzung 777]]
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| *'''777:''' Donnchad Midi: 777 stört er erneut das óenach von Tailtiu, diesmal mit dem erklärten Ziel, die Ciannachta beziehungsweise den nördlichen Zweig der Síl nÁedo Sláine zu treffen, was in den Annalen ausdrücklich mit seinem Krieg gegen Congalach mac Conaing, König von Knowth in Brega, verbunden wird.
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| *'''778:''' Donnchad Midi: 778 proklamiert Donnchad gemeinsam mit Bressal, dem Abt von Iona, das „Gesetz des Columba“, während Hochkönig Niall Frossach noch lebt, was als Hinweis gilt, dass Donnchad bereits vor Niells Tod als Hochkönig im Hintergrund agiert. Noch im selben Jahr stirbt Niall auf Iona, und Donnchad tritt nun offen als Hochkönig hervor.
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| *'''779:''' Donnchad Midi: 779 führt er einen Feldzug gegen die nördlichen Uí Néill, zwingt Domnall, Sohn Áed Muindergs und „König des Nordens“, zur Unterwerfung und bestätigt damit seine Stellung als überlegenes Oberhaupt der Uí‑Néill‑Gruppen. In den 780er Jahren setzt Donnchad seine Politik der militärischen Dominanz gegenüber Leinster, Munster und den nördlichen Uí Néill fort und greift weiterhin auf kirchliche Bündnisse und die Kontrolle über Klöster zurück, um seine Macht im Zentrum Irlands zu sichern. Er etabliert Clann Cholmáin dauerhaft als führenden Zweig der Uí Néill im mittleren Irland und verdrängt konkurrierende Linien, etwa in Brega, durch wiederholte Feldzüge und Eingriffe in regionale Königreiche. Donnchad ist in dieser Zeit als Kriegerkönig bekannt, der Versammlungen wie das óenach von Tailtiu stört, um Gegner politisch und symbolisch zu treffen, und der sein Königtum von Mide als Basis für das Hochkönigtum nutzt.
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| *'''795:''' Domnall: Domnalls Tochter Eithne wird am 6. Mai 795 zusammen mit ihrem Gemahl Bran Ardchenn, König von Leinster, in Cell Cúile Dumai nahe dem heutigen Abbeyleix von Fínsnechta Cetharderc, einem Rivalen um den Leinster‑Thron, ermordet. Zu den späteren Nachkommen Domnalls zählen mehrere Hochkönige von Irland, darunter Conchobar mac Donnchada, Máel Sechnaill mac Máele Ruanaid, Flann Sinna, Donnchad Donn und Máel Sechnaill mac Domnaill.
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| *'''797:''' Donnchad Midi: Seine Herrschaft endet am 6. Februar 797, als er in Clonard stirbt, nachdem er fast drei Jahrzehnte lang zuerst als König von Mide und dann als Hochkönig die irische Politik geprägt hat. Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn Domnall als König von Mide nach, wird aber schon 799 von Verwandten ermordet, während andere Söhne wie Conchobar und Máel Ruanaid in der Folgezeit selbst Könige von Mide und Vorfahren späterer Hochkönige werden, sodass Donnchads Dynastie bis zu Máel Sechnaill mac Máele Ruanaid und weiter zu Máel Sechnaill mac Domnaill im 10.–11. Jahrhundert an der Spitze Irlands bleibt.
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_High_Kings_of_Ireland Liste der Hochkönige]
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| *'''Zuletzt 775'''
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| '''Ailech''' | | '''Ailech''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1el_D%C3%BAin_mac_%C3%81edo_All%C3%A1in König Máel Dúin mac Áedo Alláin (770-788)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1el_D%C3%BAin_mac_%C3%81edo_All%C3%A1in König Máel Dúin mac Áedo Alláin (770-788)] <br /> |
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| *'''779–787:''' – Vormacht der Cenél Conaill und Machtkampf im Norden: In der Zeit der Herrschaft Donnchad Midis verschiebt sich die tatsächliche Macht im Norden zeitweise zugunsten eines Rivalengeschlechts. Die Autorität im Norden liegt nun offenbar bei den Cenél Conaill, repräsentiert durch Domnall mac Áeda Muindeirg. Domnall trägt im Jahr 779 in den Annalen ausdrücklich den Titel „König im Norden“, was zeigt, dass er zu diesem Zeitpunkt als Oberherr des Nordens gilt und damit den Anspruch von Máel Dúin und den Cenél nEógain auf die führende Stellung in Frage stellt. Der Norden ist damit zwischen zwei mächtigen Linien, Cenél nEógain und Cenél Conaill, umkämpft, während Donnchad Midi als Hochkönig weiterhin die Gesamtoberherrschaft beansprucht.
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| *[[787#KELTEN | Fortsetzung 787]]
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| *'''787–788:''' – Sieg über Domnall und Oberherrschaft im Norden: Im Jahr 787 wendet sich das Kräfteverhältnis zugunsten von Máel Dúin. In einer Schlacht besiegt er Domnall mac Áeda Muindeirg und die Cenél Conaill und entreißt ihnen die Oberherrschaft im Norden. Mit diesem Sieg setzt sich Máel Dúin endgültig als führender Herrscher des Nordens durch und beendet die Phase, in der Domnall als „König im Norden“ gilt. In den Quellen erscheint Máel Dúin nun als König von In Fochla, was als König des Nordens verstanden wird, und seine Stellung als Oberherr des nördlichen Irlands ist damit klar anerkannt.
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| *'''788:''' – Tod und Titel: Im Jahr 788 endet die Herrschaft Máel Dúins mit seinem Tod. In seinem Todesnachtrag wird er mit den Titeln König von In Fochla beziehungsweise König des Nordens bezeichnet, was seinen Status als dominierender Herrscher im nördlichen Irland festhält. Seine Regierungszeit über Ailech reicht von etwa 770 bis 788, sodass er knapp zwei Jahrzehnte lang als König von Ailech und schließlich als Oberherr des Nordens regiert. Nach seinem Tod setzt sich seine Linie zunächst fort: Sein Sohn Murchad mac Máele Dúin wird König von Ailech und stirbt im Jahr 823. Gleichzeitig zeigt die Nachfolge, dass die Königswürde innerhalb der Cenél nEógain zwischen verschiedenen Zweigen rotiert: Als König von Ailech folgt schließlich sein Cousin Áed Oirdnide, der 819 stirbt und im Jahr 797 selbst zum Hochkönig von Irland aufsteigt. Damit bleibt die Königsherrschaft im Norden auch nach Máel Dúins Tod fest in den Händen des Cenél nEógain, dessen Mitglieder weiterhin sowohl das Königtum von Ailech als auch die Hochkönigswürde beanspruchen.
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| *'''zuletzt 771'''
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| '''Ulaid''' | | '''Ulaid''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Fiachnae_mac_%C3%81edo_R%C3%B3in König Fiachnae mac Áedo Róin (750–789)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Fiachnae_mac_%C3%81edo_R%C3%B3in König Fiachnae mac Áedo Róin (750–789)] <br /> |
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| *'''776:''' Fiachnae: 776 erleiden die Uí Echach Cobo eine weitere Niederlage, diesmal durch die Airthir, einen Airgialla-Stamm im Gebiet des heutigen County Armagh. Fiachnae: 776 und 783 geraten die eigentlichen Dál nAraidi in innere Bürgerkriege, die ihre Position in Nordostirland schwächen. In einem dieser Konflikte im Jahr 776 unterstützt Fiachnaes Sohn Eochaid den Thronprätendenten Tommaltach mac Indrechtaig; gemeinsam schlagen sie in der Schlacht von Drong den König der Dál nAraidi, Cinaed Ciarrge mac Cathussaig, sowie seinen Verbündeten Dúngal, König der Uí Tuirtri westlich des Lough Neagh, und töten beide. In den 770er Jahren wächst Fiachnaes Macht so stark, dass der Hochkönig Donnchad Midi ein persönliches Treffen mit ihm auf Inis na Ríg im Osten von Brega anstrebt. Wegen gegenseitigen Misstrauens bleibt Fiachnae auf dem Schiff und Donnchad an Land, sodass das Treffen scheitert; vermutlich soll die Zusammenkunft Einflusssphären klären, insbesondere Angelegenheiten der Uí Echach Coba, der Airthir und der Grenzregion der Conailli Muirtheimne im heutigen County Louth. Während Fiachnaes Regierungszeit beginnt die Expansion der Dál Fiatach nach Norden bis an die Ufer des Lough Neagh, wodurch die eigentlichen Dál nAraidi von ihren Verwandten, den Uí Echach Coba im Süden, räumlich abgeschnitten werden. Fiachnae gewährt dem Kloster Bangor, traditionell ein Dál-nAraidi-Kloster, seine Patronage und etabliert oder bestätigt Downpatrick als königliches Kloster, was die religiöse und politische Stellung seiner Dynastie weiter stärkt.
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| *[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]]
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| *'''789:''' Fiachnae: 789 endet Fiachnaes Regierungszeit mit seinem Tod, nachdem er fast vier Jahrzehnte als König von Ulaid geherrscht hat. Seine Söhne Eochaid mac Fiachnai und Cairell mac Fiachnai werden später Könige von Ulster, während ein weiterer Sohn, Loingsech mac Fiachnai, als Abt von Downpatrick wirkt und sein Neffe Diarmait Ua Áedo Róin 812 das Kloster Diseart Diarmad in Castledermot gründet und als Céli-Dé-Reformer die Verbindung Bangors mit Leinster erneuert. [https://en.wikipedia.org/wiki/Tommaltach_mac_Indrechtaig '''König Tommaltach mac Indrechtaig (789–790)''']
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Ulster Liste der Könige]
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| *'''zuletzt 761'''
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| '''Connacht''' | | '''Connacht''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Flaithr%C3%AD_mac_Domnaill König Flaithrí mac Domnaill (773–777)] <br />In diesem Jahr kommt es zur Schlacht von Achad Liac bei Cluain Acha Liag, dem später Killeroran genannten Ort, der als Inaugurationsstätte der Uí Maine gilt. In dieser Schlacht besiegt die Sippe Síl Cellaig die Uí Maine; nach dem Sieg wird das Gesetz des heiligen Ciarán von Clonmacnoise erneut in Connacht durchgesetzt, sodass kirchliche Ordnung und Abgabenpflicht zugunsten der großen Klostergemeinschaft wieder Geltung erlangen. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Flaithr%C3%AD_mac_Domnaill König Flaithrí mac Domnaill (773–777)] <br />In diesem Jahr kommt es zur Schlacht von Achad Liac bei Cluain Acha Liag, dem später Killeroran genannten Ort, der als Inaugurationsstätte der Uí Maine gilt. In dieser Schlacht besiegt die Sippe Síl Cellaig die Uí Maine; nach dem Sieg wird das Gesetz des heiligen Ciarán von Clonmacnoise erneut in Connacht durchgesetzt, sodass kirchliche Ordnung und Abgabenpflicht zugunsten der großen Klostergemeinschaft wieder Geltung erlangen. |
| *[[777#KELTEN | Fortsetzung 777]] | | *[[777#KELTEN | Fortsetzung 777]] [[Kategorie:Connacht]] |
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| *'''777:''' Im Jahr 777 endet Flaithrís belegte Regierungszeit über Connacht. Die Annalen vermerken in diesem Jahr seinen Tod, sodass seine Herrschaft von 773 bis 777 reicht. Mit seinem Tod verliert die Sippe Síl Cellaig ihren regierenden König, doch ihr Einfluss innerhalb der Uí Briúin bleibt durch das ererbte Prestige und die vorangegangenen Siege bestehen. Andere Historiker gehen davon aus, dass Flaithrí nicht 777 stirbt, sondern zunächst abdankt und erst 779 sein Leben beendet. In dieser Darstellung legt er das Königtum vor seinem Tod nieder, sodass seine letzten Jahre außerhalb der aktiven Herrschaft verlaufen. Der Unterschied zwischen den Annalen und der späteren Forschung zeigt, wie unsicher die genaue Chronologie der irischen Frühmittelaltergeschichte bleibt und wie stark sie von der Interpretation der Quellen abhängt.
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| *[[777#KELTEN | Fortsetzung 777]]
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Connacht Liste der Könige]
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| *'''zuletzt 775'''
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| '''Meath'''
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| *'''797:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Domnall_mac_Donnchada_Midi '''König Domnall mac Donnchada Midi (797-799)''']
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| *[[797#KELTEN | Fortsetzung unter Meath 797]]
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| '''Leinster''' | | '''Leinster''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Cellach_mac_D%C3%BAnchada König Cellach mac Dúnchada (760–776)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Cellach_mac_D%C3%BAnchada König Cellach mac Dúnchada (760–776)] <br /> |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Leinster Könige von Leinster]
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| *[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]]
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| *'''zuletzt 770'''
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| '''Uí Mháine''' | | '''Uí Mháine''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Dunchadh_ua_Daimhine König Dunchadh ua Daimhine (767–780)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Dunchadh_ua_Daimhine König Dunchadh ua Daimhine (767–780)] <br /> |
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| *'''780:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Conall_mac_Fidhghal '''König Conall mac Fidhghal (780–782)''']
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| *[[780#KELTEN | Fortsetzung 780]]
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| *'''zuletzt 770'''
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| '''Dalriada''' | | '''Dalriada''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%81ed_Find König Áed Find (768–778)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%81ed_Find König Áed Find (768–778)] <br /> |
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| *'''778:''' Die Annalen von Ulster verzeichnen Áeds Tod im Jahr 778 und überliefern damit das Ende seiner Herrschaft über Dál Riata. Nach dieser Tradition folgt ihm sein Bruder Fergus mac Echdach auf den Thron, was die Fortführung der dynastischen Linie der Cenél nGabráin in der Königswürde von Dál Riata erkennen lässt. Áeds Stellung in der Überlieferung bleibt damit eng an die familiäre Kontinuität gebunden, da die Herrschaft innerhalb derselben Sippe weitergegeben wird. In der „Chronik der Könige von Alba“ erscheint später ein Hinweis auf die sogenannten „Gesetze Áeds, des Sohnes Eochaids“, die zur Zeit von Áeds vermeintlichem Urenkel Domnall mac Ailpín (Donald MacAlpin) erwähnt werden. Dort heißt es, dass in dessen Zeit die Gaelen gemeinsam mit ihrem König in Forteviot die Rechte und Gesetze des Königreiches schaffen, die als Gesetze Áeds, des Sohnes Eochaids, bezeichnet werden. Was genau diese Gesetze regeln, ist nicht überliefert, doch legt die Erwähnung nahe, dass Áed in späterer Erinnerung mit einer wichtigen rechtlichen oder verfassungsmäßigen Tradition verknüpft wird. Diese Zuschreibung verstärkt zugleich den genealogischen Anspruch der späteren Könige, sich auf eine ältere, legitime Herrscherlinie und deren Normen zurückzuführen. In der modernen Popkultur erscheint Áed Find als spielbare Figur im Computerspiel „Crusader Kings II“, in dessen „Charlemagne“-Erweiterung er im Startjahr 769 unter dem Herrschernamen Áed III als unabhängiger Herzog geführt wird. In diesem Szenario sind auch sein Sohn Eochaid und sein Bruder Fergus als Mitglieder seines Hofes präsent. Ohne Eingreifen der Spielenden wird sein Herrschaftsgebiet dort in der Regel rasch durch das benachbarte Piktenreich erobert, was die historische Schwäche und Gefährdung von Dál Riata in dieser Epoche nachzeichnet. [https://en.wikipedia.org/wiki/Fergus_mac_Echdach '''König Fergus mac Echdach (778–781)''']
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| *[[781#KELTEN | Fortsetzung 781]]
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| *'''Zuletzt 768'''
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| '''Gwynedd''' | | '''Gwynedd''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Caradog_ap_Meirion König Caradog ap Meirion (754-798)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Caradog_ap_Meirion König Caradog ap Meirion (754-798)] <br /> |
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| *'''796:''' Im Jahr 796 kommt es bei den Rhuddlan‑Mooren (walisisch Morfa Rhuddlan) zu einer Schlacht, deren Parteien wie auch deren Ausgang in den Quellen nicht genannt werden. Das Werk Brut Aberpergwm, das lange als mittelalterlicher walisischer Text gilt und deshalb von den Herausgebern der Myvyrian Archaiology als echt akzeptiert wird, berichtet, Caradog falle in dieser Schlacht von 796. Später stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei Brut Aberpergwm um eine Fälschung von Iolo Morganwg handelt, wobei Thomas Stephens als Erster die Echtheit dieses Textes anzweifelt.
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| *[[798#KELTEN | Fortsetzung 798]]
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| *'''798:''' Die einzigen gesicherten Hinweise auf Caradog in der historischen Überlieferung sind zum einen das Auftauchen seines Namens in Genealogien, etwa in der Handschrift Jesus College MS. 20, und zum anderen der Eintrag zu seinem Tod in den Annales Cambriae (bei Phillimore unter dem Jahr 798), der berichtet, dass er von Angelsachsen, vermutlich den Merciern, getötet bzw. "die Kehle durchgeschnitten" wird. Die Genealogie in Jesus College MS. 20 hält fest, dass der spätere König Hywel (Regierungszeit etwa 816 bis 825) der Sohn Caradogs ist. Demgegenüber vertreten historische Darstellungen wie die von John Edward Lloyd die Auffassung, Hywel sei der Sohn von Caradogs Vorgänger und der Bruder seines Nachfolgers, König Cynan (Regierungszeit etwa 798 bis 816), ohne dass Lloyd für diese Behauptung Quellen nennt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Cynan_Dindaethwy '''König Cynan Dindaethwy (798-816)''']
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| *'''Zuletzt 768'''
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| '''Königreich Powys''' | | '''Königreich Powys''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Cadell_ap_Brochfael König Cadell ap Brochfael (773–808)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Cadell_ap_Brochfael König Cadell ap Brochfael (773–808)] <br /> |
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| *'''778:''' Erste belegte Feldzüge Offas: Im Jahr 778 unternimmt Offa, der entschlossene König von Mercia, einen der in den walisischen Chroniken verzeichneten Feldzüge nach Wales, die Powys unmittelbar treffen. Cadell regiert zu diesem Zeitpunkt seit wenigen Jahren und sieht sich gezwungen, sein Königreich gegen wiederkehrende Angriffe aus dem Osten zu verteidigen, während die Grenzgebiete bereits unter Druck geraten. Die Auseinandersetzungen verlaufen nicht einseitig, denn aus der Tradition geht hervor, dass auch Cadell und andere walisische Fürsten Gegenangriffe führen und damit zeigen, dass Powys trotz Übermacht des Gegners militärisch handlungsfähig bleibt. In dieser Phase der Herrschaft Cadells verschärft sich der Gegensatz zwischen Powys und Mercia, und die Grenzregionen entwickeln sich zu einem dauernden Konfliktraum, in dem Besitzverhältnisse immer wieder neu ausgefochten werden.
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| *[[784#KELTEN | Fortsetzung 784]]
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| *'''784:''' Fortdauernde Kämpfe mit Mercia: Im Jahr 784 kommt es erneut zu einem dokumentierten Feldzug Offas von Mercia nach Wales, der die anhaltende Bedrohung für Powys verdeutlicht. Cadell muss nun seit mehr als einem Jahrzehnt ständig mit Angriffen aus Mercia rechnen und seine Ressourcen sowohl für die Verteidigung als auch für gelegentliche Vorstöße gegen den östlichen Nachbarn einsetzen. Die wiederkehrenden Angriffe führen zu weiteren Landverlusten an der Grenze, doch die Quellen deuten zugleich an, dass Powys und andere walisische Herrschaften nicht kampflos weichen, sondern mit eigenen militärischen Aktionen antworten. Cadell behauptet sich damit in einem Umfeld, in dem Mercia seine Hegemonie über andere angelsächsische Reiche erneut festigt und seinen Einfluss bis tief nach Wales hinein auszudehnen versucht.
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| *'''796:''' Späte Feldzüge Offas und angespannte Lage: Im Jahr 796 wird ein weiterer Feldzug Offas gegen Wales überliefert, der erneut Powys stark belastet. Cadell regiert nun bereits über zwei Jahrzehnte und erlebt, wie Mercia seine Machtposition im angelsächsischen Raum konsolidiert, während Powys als unmittelbarer westlicher Nachbar besonders oft Ziel von Vorstößen wird. Die Grenzkonflikte bleiben dabei wechselseitig, denn neben Landverlusten der Powysier zeigen die Berichte auch, dass Überfälle und Angriffe von walisischer Seite auf mercische Gebiete stattfinden. In dieser späten Phase von Offas Herrschaft entsteht der große Grenzwall, der als Offa’s Dyke bekannt wird und gegen Ende des 8. Jahrhunderts die Grenze zwischen England und Wales – mit gewissen Abweichungen – langfristig vorgibt. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts lässt Offa von Mercia einen langen Grenzwall anlegen, der später Offa’s Dyke genannt wird und die Trennlinie zwischen Mercia und den walisischen Königreichen markiert. Cadell herrscht während der Errichtung dieses Walles in Powys und erlebt, wie eine bauliche Grenze entsteht, die militärische, politische und symbolische Bedeutung besitzt und den jahrzehntelangen Druck Mercia auf Wales in eine dauerhafte Linie aus Erdwällen und Gräben übersetzt. Der Dyke verläuft über weite Strecken entlang der späteren Grenze zwischen England und Wales und spiegelt die Ergebnisse der Grenzkonflikte wider, bei denen Powys Land verliert, aber als eigenständiges Königreich bestehen bleibt. Für Cadell bedeutet diese Entwicklung, dass die Konfliktlinie zu Mercia zwar befestigt, sein Reich jedoch nicht vollständig unterworfen wird, sodass er seine innere Herrschaft und die Beziehung zu den übrigen walisischen Fürstentümern weiterhin aktiv gestalten kann.
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| *'''808:''' Tod Cadells und dynastischer Übergang: Im Jahr 808 verzeichnen die Annales Cambriae den Tod Cadells, den die Forschung über eine Rekonstruktion der Chronologie dorthin datiert. Er stirbt nach einer mehr als dreißigjährigen Herrschaft, in der er die Unabhängigkeit von Powys trotz ständiger Rivalität mit den walisischen Nachbarn und des massiven Drucks durch Mercia wahrt. Auf Cadell folgt sein Sohn Cyngen ap Cadell als König von Powys, der bis 855 regiert und als letzter Herrscher der Cadelling‑Dynastie – also der Linie des Vortigern – gilt, die seit dem 5. Jahrhundert die Geschicke Powys’ bestimmt hat. In der Erinnerung an Cadell spiegelt sich ein Herrscher, der in einer von Machtkämpfen geprägten Zeit sein Reich behauptet und dessen Name sogar auf der Säule des Eliseg (als „Cattell“) eingraviert wird, die sein Sohn um 850 zu Ehren des Großvaters Elisedd errichten lässt.
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| *'''820:''' (Lebenszeit des Enkels Rhodri Mawr) Um 820 wird Rhodri Mawr, der Enkel Cadells über dessen Tochter Nest, geboren, der später als König von Gwynedd und Erbe von Powys eine herausragende Stellung in Wales einnimmt. Nest, Cadells Tochter, heiratet Merfyn Frych, König von Gwynedd von 825 bis 844, und verbindet dadurch das Haus Powys mit der Dynastie von Gwynedd. Rhodri wächst somit in einem Umfeld auf, in dem die Tradition Powys’ und Gwynedds zusammenfließen, und erlangt später als „der Große“ bedeutende Macht über große Teile von Wales. Diese Entwicklung zeigt, dass Cadells Herrschaft und seine Nachkommen langfristig die politische Landschaft von Wales prägen, indem sie durch Heirat und Erbfolge Königreiche verbinden, die zuvor Rivalen gewesen sind.
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| *'''850:''' Säule des Eliseg als dynastisches Denkmal: Um das Jahr 850 lässt Cyngen ap Cadell, Sohn Cadells und damaliger König von Powys, die Säule des Eliseg errichten, die seinem Großvater Elisedd ap Gwylog gewidmet ist. Dieses Monument trägt eine Inschrift, in der auch Cadell unter der Namensform „Cattell“ erwähnt wird und die die Abstammungslinie der Herrscher von Powys bis zurück zu Vortigern und darüber hinaus zu Magnus Maximus nachzeichnet. Cyngen nutzt die Säule, um den dynastischen Anspruch seiner Familie zu betonen und die Kontinuität der Herrschaft von Powys trotz der andauernden Bedrohungen durch Mercia und interne walisische Konflikte sichtbar zu machen. Damit setzt er dem Wirken seines Vaters Cadell und dessen Vorfahren ein dauerhaftes Zeichen in der Landschaft, das zugleich politische Propaganda und Familiendenkmal ist.
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| *'''855:''' Ende der Cadelling‑Herrschaft über Powys: Im Jahr 855 stirbt Cyngen ap Cadell im Exil in Rom, und mit seinem Tod endet die direkte Herrschaft der Cadelling‑Dynastie über Powys. Das Königreich geht an Rhodri Mawr, den Sohn von Nest ferch Cadell und Merfyn Frych, über, der bereits König von Gwynedd ist und nun auch die Herrschaft über Powys übernimmt. Rhodri vereinigt damit zentrale walisische Herrschaftsgebiete in einer Hand und gilt als erster Herrscher in Wales, der den Beinamen „der Große“ erhält, was die langfristige Bedeutung der von Cadell ausgehenden Linie für die Geschichte des Landes unterstreicht. Die Ereignisse von 855 zeigen rückblickend, dass Cadells Politik der Bewahrung der Unabhängigkeit Powys’ und die dynastischen Verbindungen seiner Nachkommen die Grundlage für eine spätere größere Einheit innerhalb Wales bilden.
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| *'''zuletzt 773'''
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| ==ANGELSACHSEN== | | ==ANGELSACHSEN== |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Alchmund_of_Hexham Bischof Alchmund (767–780/781)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Alchmund_of_Hexham Bischof Alchmund (767–780/781)] <br /> |
| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Lindisfarne Bischof Cynewulf (Lindisfarne, 740–780)] <br /> | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Lindisfarne Bischof Cynewulf (Lindisfarne, 740–780)] <br /> |
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| *'''778:''' Æthelred I.: Im Jahr 778 greift Æthelred hart gegen den Adel durch und lässt die drei gerēfas (Grafen) Ealdwulf, Cynewulf und Ecga ermorden, um seine Herrschaft zu sichern. Diese Gewalttat verstärkt jedoch die Gegnerschaft innerhalb der Führungsschicht, und Æthelred regiert nicht unangefochten, sondern sieht sich zunehmender Unzufriedenheit und Intrigen ausgesetzt. Um 778/779 verliert Æthelred sein Amt, denn er wird vom Thron abgesetzt, und die Krone geht an die Eatingas zurück, deren Vertreter Ælfwald I., ein Enkel König Eadberhts, nun König wird. Æthelred muss Northumbria verlassen und tritt ein Exil an, in dem er die Regierungszeiten Ælfwalds und anschließend Osreds II. überdauert. [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86lfwald_I. '''König Ælfwald I. (778/779–788)''']
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| *[[780#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 780]]
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| *'''780:''' Æthelberht: Einige Jahre vor seinem Tod zieht sich Æthelberht aus dem aktiven Leitungsamt zurück und weiht Eanbald zu seinem Nachfolger, auch wenn das genaue Datum unsicher bleibt. Alkuin gibt einen Zeitpunkt an, der entweder auf Juli 777 oder Juli 778 zu deuten ist, und es ist gut möglich, dass Eanbald zunächst als mitwirkender Bischof an der Seite Æthelberhts fungiert, während der ältere Erzbischof sein Amt faktisch bis zum Lebensende mit ihm teilt. Æthelberht erlebt noch die Vollendung der von ihm initiierten Kirche „Alma Sophia“ und nimmt selbst die Weihe dieses neuen Gotteshauses vor. Zehn Tage nach dieser Kirchweihe stirbt er am 8. November 780, nachdem er ein langes Leben als Gelehrter, Lehrer, Missionförderer, Bauherr und kirchlicher Politiker geführt hat. [https://en.wikipedia.org/wiki/Eanbald_(died_796) Erzbischof Eanbald (York, 780)''']
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| *'''780:''' Alchmund: Im Jahr 780 oder 781 stirbt Alchmund am 7. September und wird außerhalb der Kirche von Hexham neben Acca bestattet. Sein Grab liegt damit unmittelbar an dem Ort, den er als Bischof betreut hat, und er wird schon bald nach seinem Tod als einer der Heiligen von Hexham verehrt. Obwohl später „fast nichts“ mehr über sein Leben bekannt ist, bleibt seine geistliche Bedeutung durch diese lokale Verehrung erhalten. Die Erinnerung an ihn knüpft sich vor allem an sein Grab und seine Stellung als Bischof, nicht an ausführlich erzählte Taten oder Wunder. Über die nachfolgenden Bischöfe sind nur die Namen und die ungefähren Amtszeiten bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt. Erst 813 folgt mit Tidfrith ein Bischof, über den wieder mehr bekannt ist.
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| *'''780:''' Im Jahr 780 legt Cynewulf sein Bischofsamt nieder. Er zieht sich in die Einsiedelei auf den Farne-Inseln zurück.
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| *'''783:''' In den Jahren 782 oder 783 stirbt Cynewulf in dieser Einsiedelei, wobei das Todesjahr meist mit 783 angegeben wird. Möglicherweise ist Cynewulf mit dem etwa zur selben Zeit lebenden Dichter Cynewulf identisch.
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| *'''788:''' Æthelred I.: Während der Regierungszeit Ælfwalds I. und Osreds II. bleibt Æthelred im Exil. Osred II. regiert von 788 bis 790, doch seine Stellung ist offenbar ebenso unsicher, und in der northumbrischen Oberschicht formieren sich Kreise, die eine Rückkehr Æthelreds vorbereiten.
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| *'''790:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(Northumbria) König Æthelred I. (2. Amtszeit 790–796)] Im Jahr 790 wird Osred II. seines Amtes enthoben und ebenfalls ins Exil geschickt, sodass der Weg für Æthelreds Rückkehr frei wird. Æthelred wird erneut als König inthronisiert und beginnt seine zweite Amtszeit auf dem Thron von Northumbria. In dieser frühen Phase seiner zweiten Herrschaft orientieren sich Æthelreds Münzprägungen zunächst an den Münzen seiner Vorgänger. Bald darauf ersetzt er jedoch die Tierdarstellungen auf der Rückseite durch den Namen des Münzmeisters, und unter seiner Herrschaft endet die Prägung der sogenannten sceattas.
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| *'''791:''' Æthelred I.: Im Jahr 791 lässt Æthelred den Ealdorman und späteren König Eardwulf gefangen nehmen, der in Ripon vor den Toren des Klosters hingerichtet werden soll, die Hinrichtung jedoch überlebt. Der gescheiterte Mordanschlag zeigt die Härte und Brutalität von Æthelreds Herrschaft, steigert aber zugleich die Unzufriedenheit im Adel, da mächtige Familien um ihr Leben und ihren Einfluss fürchten.
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| *'''792:''' Æthelred I.: 792 wächst die Unzufriedenheit mit Æthelreds Regierung so stark, dass Osred II. aus seinem Exil auf der Isle of Man zurückgerufen wird, um den Thron zurückzuerobern. Als Osred 792 versucht, seine Königsherrschaft zurückzugewinnen, wird er von Æthelreds Kräften besiegt, gefangen genommen und am 14. September hingerichtet, wodurch Æthelred seinen gefährlichsten Rivalen ausschaltet. Im selben Jahr erhält Æthelred bedeutende politische Unterstützung durch König Offa von Mercia und festigt dieses Bündnis durch eine Heirat. Am 29. September 792 heiratet er in Catterick Offas Tochter Ælfflæd und gewinnt damit Rückhalt bei der mächtigen Nachbarmacht Mercia sowie bei Teilen des Adels von Deira; außerdem pflegt er diplomatische Kontakte zu Karl dem Großen, von dem er Geschenke empfängt.
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| *'''796:''' Æthelred I.: Am 18. April 796 erreicht eine von den Ealdormen Ealdred und Wada angeführte Verschwörung ihr Ziel, denn Æthelred fällt in Cobre (dem späteren Corbridge) einem Attentat zum Opfer. Nach seiner Ermordung zieht sich seine Witwe Ælfflæd in ein Kloster zurück, während in den anschließenden Wirren Osbald, vermutlich ein Angehöriger des northumbrischen Königshauses, zum neuen König erhoben wird.
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| *'''813:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Tidfrith_of_Hexham '''Bischof Tidfrith (Hexham, 813-821/822)]
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| *'''875:''' Mönche fliehen wegen Wikingerüberfällen aus Lindisfarne und nehmen Cuthberts Gebeine mit.
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| *'''995:''' Nach einer langen Odyssee ruhen Cuthberts Gebeine in der Kathedrale von Durham.
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| *'''998:''' Weihe einer steinernen Kirche in Durham als Ruhestätte der Heiligen
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| *'''Zuletzt 774'''
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| '''Mercia''' | | '''Mercia''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Offa_von_Mercia König Offa (757–796)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Offa_von_Mercia König Offa (757–796)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Milred Bischof Milred (Worcester, 743/745–775)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Milred Bischof Milred (Worcester, 743/745–775)] <br /> |
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| *'''776:''' Offa: Gegen Kent schreitet er ebenfalls militärisch ein, und die Angelsächsische Chronik verzeichnet für das Jahr 776 eine Schlacht bei Otford, ohne allerdings den Sieger zu nennen. Aus der späteren Entwicklung geht jedoch hervor, dass Offa seinen Einfluss in Kent behauptet und Kent wie eine gewöhnliche Provinz seines Reiches behandelt.
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| *[[779#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 779]]
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| *'''779:''' Offa: Nachdem Offa seine Stellung im Südosten gefestigt hat, wendet er sich stärker dem großen Rivalen Wessex zu. Zu diesem Zeitpunkt stellt Mercia bereits wieder eine beherrschende Macht unter den angelsächsischen Reichen südlich des Humber dar. Im Jahr 779 kommt es zur Schlacht von Bensington in Oxfordshire, in der Offa König Cynewulf von Wessex schlägt und die Grafschaft Berkshire zurückerobert, die früher zu Mercia gehört. Nach dieser Niederlage gerät Wessex erneut in den mercischen Einflussbereich, auch wenn an der Grenze zwischen Mercia und Wessex offenbar eine Phase relativer Ruhe einsetzt. An der gemeinsamen Grenze, etwa beim Bau einer Brücke in Oxford, verzichtet man auf zusätzliche Befestigungen, was auf ein eher stabiles Verhältnis hindeutet. Dagegen entstehen im walisischen Grenzraum – etwa in Hereford – neue Befestigungsanlagen, was zeigt, wo Offa militärische Gefährdung erwartet.
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| *'''779:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Hygeberht '''Bischof Hygeberht (Lichfield, 779–787, Erzbischof Hygeberht (Lichfield, 787–799)''']
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| *'''780:''' Offa: An seiner Westgrenze ist Offa fast ständig in Kämpfe mit den Walisern verwickelt. Bereits 760 findet ein Gefecht bei Hereford statt, und weitere Feldzüge sind für die Jahre 778, 784 und 796 belegt. Um diese Grenze dauerhaft zu sichern, lässt Offa den nach ihm benannten Grenzwall errichten, den sogenannten Offa’s Dyke. Diese Anlage verläuft etwa 270 Kilometer entlang der walisisch‑mercischen Grenze und erreicht eine Höhe von ungefähr 2,50 Metern, wodurch sie sowohl militärischer Schutz als auch sichtbares Symbol seines Machtanspruchs ist.
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| *'''781:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Unwona '''Bischof Unwona (Leicester, 781/785-801/803)''']
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| *'''787:''' Offa: Um die Nachfolge zu sichern, lässt Offa im Jahr 787 seinen Sohn Ecgfrith in einer feierlichen Handlung zum Mitkönig krönen. Durch diese Maßnahme will er verhindern, dass nach seinem Tod erneut Thronstreitigkeiten wie nach Æthelbalds Ermordung ausbrechen.
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| *'''789:''' Offa: Während Offa im Inneren und an seinen Grenzfronten kämpft, pflegt er zugleich Außenbeziehungen zum Frankenreich unter Karl dem Großen. In Briefen spricht Karl ihn als „Bruder“ an, ordnet ihn aber dennoch nicht völlig auf gleicher Rangstufe mit sich selbst ein. Karl bietet 789 an, einen seiner Söhne mit Offas Tochter Aelfflaed zu verheiraten, was die Nähe der Reiche betont. Als Offa dagegen vorschlägt, eine Tochter Karls mit seinem eigenen Sohn Ecgfrith zu vermählen, lehnt Karl dieses Gegenangebot ab, was die Grenzen der politischen Gleichstellung deutlich macht.
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| *'''794:''' Offa: Im Jahr 794 erreicht Offa einen weiteren Machtzuwachs, als der König von East Anglia, Æthelberht II., stirbt, den Offa nach der Überlieferung der Angelsächsischen Chronik selbst töten lässt. Offa gliedert das Reich von East Anglia in das Königreich Mercia ein, wodurch sein Herrschaftsgebiet nochmals deutlich wächst.
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| *'''796:''' Offa: Am 26. Juli 796 stirbt Offa nach fast vierzigjähriger Regierung als König von Mercia. Sein Sohn Ecgfrith tritt die Nachfolge an, stirbt jedoch bereits nach wenigen Monaten, sodass mit Cenwulf ein anderer Adliger König wird und die mühsam gesicherte dynastische Kontinuität zerbricht. [http://de.wikipedia.org/wiki/Ecgfrith_(Mercia) '''König Ecgfrith (787–796)''']
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| *'''928:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Koenwald '''Bischof Koenwald (Worcester, 928/929–958/959)''']
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| *'''1046:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Ealdred_(Erzbischof_von_York) '''Bischof Ealdred (Hereford 1056–1060, Worcester 1046–1062), Erzbischof Ealdred (York, 1060–1069)''']
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| *'''Zuletzt 774'''
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| '''East Anglia''' | | '''East Anglia''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(East_Anglia) König Æthelred I. (um 760–um 780)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(East_Anglia) König Æthelred I. (um 760–um 780)] <br /> |
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| *'''780:''' Nach Æthelreds Tod oder Absetzung übernimmt Æthelberht II. die Königsherrschaft in East Anglia, etwa ab „um 780“. [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelberht_II._(East_Anglia) '''König Æthelberht II. (780–794)''']
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| *[[794#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 794]]
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| *'''Zuletzt 760'''
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| '''Königreich Wessex''' | | '''Königreich Wessex''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Wessex König Cynewulf (757–786)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Wessex König Cynewulf (757–786)] <br /> |
| *[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Bischof Æthelhard (Winchester, 765?–793)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Bischof Æthelhard (Winchester, 765?–793)] <br /> |
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| *'''779:''' Cynewulf: Nach der Phase der Schwäche in Mercia setzt sich der machtbewusste König Offa durch und stellt das Übergewicht seines Reiches wieder her; damit entsteht ein direkter Gegensatz zwischen Wessex unter Cynewulf und Mercia unter Offa. Im Jahr 779 kommt es zur Schlacht bei Bensington: Offa besiegt Cynewulf militärisch, nimmt dem Westsachsenkönig die Grafschaft Berkshire und vermutlich auch die Kontrolle über London. Trotz dieser Niederlage behält Cynewulf seine Königswürde und bleibt formell unabhängig; es gibt keine Hinweise darauf, dass er nach 779 als Unterkönig Offas regiert, doch die merkische Macht ist im Südosten klar spürbar. In den 780er Jahren setzt er seine Kämpfe und seine Politik gegenüber Adel und Kirche fort, bis sich ein alter Konflikt mit Cyneheard, dem Bruder des abgesetzten Sigeberht, zuspitzt.
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| *[[786#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 786]]
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| *'''786:''' Cynewulf: Im Jahr 786 will Cynewulf Cyneheard endgültig aus dem Reich drängen; als der König sich in Meretun – wohl in der Nähe des späteren Merton – bei einer Geliebten aufhält, nutzt Cyneheard den Moment und überfällt ihn mit einer Gefolgschaft. Cynewulf wird in dem Gefecht in Meretun zusammen mit seinen anwesenden Gefolgsleuten getötet; Cyneheard kommt ebenfalls ums Leben, als die Männer des Königs und weitere Westsachsen zur Stelle eilen und ihn mit seinen Begleitern erschlagen. Die Schilderung dieses Kampfes in der Angelsächsischen Chronik stellt die Treue der Gefolgsleute in den Mittelpunkt: Die Männer Cynewulfs kämpfen weiter, obwohl ihnen angeboten wird, sich Cyneheard anzuschließen, und sterben lieber, als ihren gefallenen Herrn zu verraten. Nach Cynewulfs Tod folgt Beorhtric als neuer König von Wessex; die Herrschaft Cynewulfs bleibt in der Überlieferung vor allem durch seinen gewaltsamen Tod und seine Rolle im Ringen zwischen Wessex, Mercia und den walisischen Grenzgebieten präsent. [http://de.wikipedia.org/wiki/Beorhtric '''König Beorhtric (786–802)''']
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| *'''793:''' Æthelhard wird zum Erzbischof von Canterbury erhoben (siehe Kent); über die nachfolgenden Bischöfe von Winchester sind nur die Namen und die ungefähre (also nicht mal exakte) Amtszeiten bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt; erst mit Swithun tritt im Jahr 852 wieder ein Bischof in Erscheinung, über den wieder mehr bekannt ist.
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| *'''852:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Swithun '''Bischof Swithun (852–862)''']
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| *'''Zuletzt 765'''
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| '''Königreich Essex''' | | '''Königreich Essex''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Sigeric_I. König Sigerich I. (758-798)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Sigeric_I. König Sigerich I. (758-798)] <br /> |
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| *'''798:''' Sigerich Im Jahr 798 legt Sigerich sein Königsamt nieder; diese Abdankung wird ausdrücklich erwähnt und bildet den wichtigsten überlieferten Einschnitt in seinem Leben. Nach der Abdankung bricht er als Pilger nach Rom auf, das heißt, er gibt die weltliche Herrschaft auf, um eine religiös motivierte Reise in die Hauptstadt der lateinischen Christenheit zu unternehmen; sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Nach Sigerichs Abdankung übernimmt Sigered die Königswürde in Essex und führt die Herrschaft in diesem angelsächsischen Teilreich fort. [http://de.wikipedia.org/wiki/Sigered_(Essex) '''König Sigered (798?–nach 823)''']
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| *[[823#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 823]]
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| *'''Zuletzt 758'''
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| '''Königreich Kent''' | | '''Königreich Kent''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Heahberht_(Kent) König Heahberht (Ostkent, 764-772/776)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Heahberht_(Kent) König Heahberht (Ostkent, 764-772/776)] <br /> |
| *[http://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%A6nberht Erzbischof Jænberht (Canterbury, 765–792)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%A6nberht Erzbischof Jænberht (Canterbury, 765–792)] <br /> |
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| *'''776:''' Heahberht verschwindet jedoch bald aus den Quellen, während Ecgberht im Jahr 776 in der Schlacht von Otford einen Sieg über Offa erringt und sich dadurch als militärisch erfolgreicher Herrscher profiliert. Nach dem Sieg von 776 herrscht Ecgberht in den folgenden Jahren als unabhängiger König vermutlich über das gesamte Kent und löst sich weitgehend aus der unmittelbaren Abhängigkeit von Mercia. Spätestens seit 778 verfügt er souverän über seine Ländereien, sodass Schenkungen und Übertragungen keiner Bestätigung durch einen Mitkönig oder einen Oberherrscher mehr bedürfen. In dieser Phase überträgt er Besitz an Bischof Deora von Rochester, ohne Zustimmung anderer Herrscher einholen zu müssen. Der Einflussbereich Ecgberhts reicht wahrscheinlich über Kent hinaus und erstreckt sich auf Surrey sowie auf Teile von Essex und Sussex, was seine Stellung als regionaler Machtfaktor im Südosten Englands zeigt. Seine Herrschaft basiert nun zugleich auf militärischem Erfolg, territorialer Ausweitung und einer eigenständigen Münz- und Schenkungspolitik. Damit erscheint Ecgberht im späten 8. Jahrhundert als weitgehend autonomer König, der die zuvor dominante Stellung Mercias in Kent zumindest zeitweise zurückdrängt.
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| *'''776:''' Jænberht: 776 erhebt sich Kent, vermutlich auf Betreiben oder jedenfalls mit Unterstützung Jænberhts, gegen die mercische Oberherrschaft und erlangt vorübergehend seine Unabhängigkeit zurück.
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| *[[779#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 779]]
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| *'''779:''' Mit einer im Jahr 779 ausgestellten letzten Charta tritt Ecgberht ein letztes Mal in den schriftlichen Quellen auf, danach verschwindet er aus der Überlieferung. Sein Todesjahr bleibt unbekannt, doch er lebt nachweislich noch nach 779, bevor seine politische Rolle endet. [http://de.wikipedia.org/wiki/Ealhmund_(Kent) '''König Ealhmund (779/784–784/785)''']
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| *'''780:''' Jænberht: In den Jahren 780 und 781 nimmt Jænberht an von Offa geleiteten Kirchensynoden in Brentford teil, was zunächst auf ein funktionierendes Arbeitsverhältnis zwischen König und Erzbischof hindeutet. Gleichzeitig bleibt seine Bindung an die kentische Dynastie stark: Nach der Schlacht von Otford überträgt König Ecgberht II. mehrere Güter an die Kirche von Christ Church in Canterbury. Als Offa spätestens 785 die Kontrolle über Kent wieder festigt, zieht er diese Güter ein und vergibt sie an einige seiner Thegnen.
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| *'''784:''' Um 784 erscheint Ealhmund als sein Nachfolger in Kent, der möglicherweise als sein Bruder anzusehen ist. Es ist denkbar, dass Ealhmund bereits seit den 770er Jahren als Mitkönig oder Unterkönig unter Ecgberht fungiert und deshalb relativ reibungslos in die Nachfolge eintritt. Um 784/785 gerät Kent jedoch erneut unter die direkte Kontrolle Offas, der das Königreich bis zu seinem Tod im Jahr 796 persönlich regiert. Offa widerruft dabei Schenkungen und Verfügungen Ecgberhts, die er als „eigenmächtig“ und somit aus seiner Sicht als unrechtmäßig ansieht, womit er die frühere mercische Oberherrschaft über Kent wiederherstellt.
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| *'''787:''' Jænberht: In den späten 780er Jahren verschärft sich der Konflikt zwischen Jænberht und Offa. Offa versucht zunächst, den südenglischen Erzbischoffssitz von Canterbury nach London zu verlegen, doch der Papst verweigert seine Zustimmung. Daraufhin setzt Offa durch, dass 787 ein drittes Erzbistum auf den Britischen Inseln geschaffen wird: die Erzdiözese Lichfield unter dem Bischof Hygberht, die dem mercischen Kernbistum entspricht und somit klar unter Offas Einfluss steht. Der Konflikt hat mehrere Ursachen: Jænberht lehnt Offas Absetzung der kentischen Herrscherfamilie ab, beide beanspruchen bestimmte Ländereien, Jænberht weigert sich, Offas Sohn Ecgfrith zu krönen, und er lässt zudem in Canterbury eigene Münzen prägen, was Offas Autorität zusätzlich in Frage stellt. Später überliefert der Chronist Matthäus Paris im 13. Jahrhundert die Darstellung, Jænberht habe mit Karl dem Großen konspirieren wollen und sei bereit, diesem Canterbury zu öffnen, falls er Britannien angreife; ob diese Tradition auf echte Überlieferung aus St Albans zurückgeht oder eine spätere Ausschmückung darstellt, bleibt unklar. In Jænberhts Amtszeit kursiert außerdem ein falsches Gerücht, Offa plane gemeinsam mit Karl dem Großen, Papst Hadrian I. zu stürzen; der Historiker Simon Keynes hält es für möglich, dass Jænberht hinter dieser Behauptung steht. Offas Nachfolger gibt gegenüber dem Papst später zu, dass Offas Verhalten aus Hass auf Jænberht und das Volk von Kent motiviert ist. Im Jahr 787 sendet Papst Hadrian ein Pallium an Hygberht von Lichfield und erhebt Lichfield damit offiziell zum Erzbistum, zugleich wird Ecgfrith zum König gekrönt. Es gibt jedoch keine zeitgenössischen Belege dafür, dass Jænberht Hygberht jemals als Erzbischof anerkennt. Canterbury behält weiterhin die Bistümer Winchester, Sherborne, Selsey, Rochester und London als Suffragane, während die Diözesen Worcester, Hereford, Leicester, Lindsey, Dommoc und Elmham der neuen Erzdiözese Lichfield unterstellt werden. Nach der Erhebung Lichfields leitet Jænberht ein Konzil in London, an dem die meisten Bischöfe aus Südbritannien teilnehmen, was zeigt, dass er trotz der Konkurrenz durch Lichfield weiterhin eine zentrale Rolle in der Kirchenleitung spielt.
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| *'''792:''' Jænberht: Am 12. August 792 stirbt Jænberht und wird in der Klosterkirche der Abtei St Augustine in Canterbury bestattet. Nach seinem Tod erfährt er Verehrung als Heiliger, und sein Gedenktag wird auf den 12. August festgelegt.
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| *'''793:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard '''Erzbischof Æthelhard (1. Amtszeit 793–796)'''] Im Jahr 792 wird Æthelhard vom Bischofssitz Winchester auf den Erzbischofssitz von Canterbury versetzt und damit zum Metropoliten des südlichen England erhoben. Die feierliche Inthronisation als Erzbischof von Canterbury findet am 21. Juli 793 statt, wodurch er offiziell die Nachfolge der bisherigen Metropoliten übernimmt. Seine Ernennung verdankt er maßgeblich König Offa von Mercia, der damit seinen Einfluss auf die Kirche im Süden weiter absichert. Die Inthronisation wird vom damals ranghöchsten Bischof des Landes, Hygberht, dem Erzbischof von Lichfield, geleitet. Lichfield ist erst vor Kurzem zum Erzbistum erhoben worden, sodass Offa zuvor beim Gelehrten Alkuin von York nach der richtigen Vorgehensweise gefragt hat, wie das Verhältnis dieser beiden Metropolitansitze zu gestalten ist. Die Erhebung Lichfields schafft eine konkurrierende Erzdiözese im Süden, was das Verhältnis zwischen Canterbury, Lichfield und der Krone kompliziert und langfristig Konflikte anbahnt.
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| *'''796:''' Æthelhard: Um das Jahr 796 verschärft sich die politische Lage: König Offa stirbt, und in Kent gewinnt Eadberht III. Præn die Macht. Eadberht betrachtet Æthelhard als Vertreter der von Offa geprägten Kirchenpolitik und setzt ihn deshalb als Erzbischof von Canterbury ab. Æthelhard sieht sich gezwungen, aus Canterbury zu fliehen und sucht Zuflucht am Hof von Offas Sohn Ecgfrith von Mercia. Ecgfrith stirbt jedoch noch im Jahr 796, sodass ein entfernter Verwandter, Coenwulf, den merzischen Thron besteigt. Während Æthelhard im Exil bleibt, überlegt Alkuin von York, wie die Spannungen um Lichfield und Canterbury zu lösen sind, und er schlägt einen Kompromiss vor: Hygberht soll seinen Rang als Erzbischof lebenslang lediglich ehrenhalber behalten, während Canterbury wieder alleiniger Metropolitensitz südlich des Humber wird und Æthelhard dorthin zurückkehrt. Dieser Plan lässt sich jedoch nicht umsetzen, solange Eadberht in Kent an der Macht bleibt, weshalb Æthelhard weiter nicht nach Canterbury zurückkehren kann. Alkuin kritisiert Æthelhard für seine Flucht aus Canterbury, doch in Rom beurteilt man sein Verhalten anders. Papst Leo III. lobt Æthelhard dafür, dass er sich Eadberht nicht unterwirft und den Konflikt nicht eskalieren lässt; der Papst vergleicht Eadberht sogar mit dem römischen Kaiser Julian Apostata, einem Feind des Christentums. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass die kirchliche Gemeinschaft in Kent während Æthelhards Exil erwägt, einen anderen Erzbischof zu wählen, was seine Position zusätzlich gefährdet.
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| *'''797:''' Æthelhard: Da der Rang Lichfields als Erzbistum auf päpstlicher Entscheidung beruht, sind Änderungen nur mit Zustimmung des Papstes möglich. Coenwulf entsendet im Jahr 797 eine Gesandtschaft zu Papst Leo III., um die Herabstufung Lichfields zu erreichen und die kirchenpolitischen Probleme zwischen Lichfield und Canterbury zu lösen. In einem Schreiben an den Papst erinnert Coenwulf an einen älteren Plan Papst Gregors des Großen, der zwei Metropolitansitze in Britannien vorsieht, einen im Norden und einen im Süden, wobei der südliche Sitz in London liegen soll. Das Schreiben deutet an, dass Coenwulf überlegt, Æthelhards Metropolitansitz von Canterbury nach London zu verlegen, zugleich aber die grundsätzliche Ordnung der Kirche klären will. Die Gesandtschaft überbringt außerdem einen Brief Æthelhards, der jedoch nicht erhalten geblieben ist. Papst Leo III. lehnt die vorgeschlagene Lösung ab; in seiner Antwort betont er, dass der südliche Erzbischofssitz in Canterbury bleiben muss, und exkommuniziert Eadberht, wobei er auch dessen gewaltsame Entfernung aus Kent billigt, falls Eadberht weiter Æthelhards Rückkehr verhindert.
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| *'''798:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Erzbischof Æthelhard (2. Amtszeit 798–805)] Im Jahr 798 greift Coenwulf Kent an, nimmt Eadberht gefangen, blendet ihn und lässt ihn einkerkern. Nach diesem Eingriff in die weltliche Herrschaft Kents wird Æthelhard als Erzbischof nach Canterbury zurückgeführt und beginnt damit, die Besitzungen und Rechte seines Erzbistums wiederherzustellen. Er sichert sich Gehorsamserklärungen mehrerer südlicher Bischöfe, darunter Eadwulf von Lindsey und Tidferth von Dummoc, um die kirchliche Ordnung in seinem Sprengel neu zu festigen. Dennoch führt Hygberht auch im Jahr 799 weiterhin den Titel eines Erzbischofs, was zeigt, dass die Frage um Lichfield noch nicht abschließend geregelt ist. Da Papst Leo in den Jahren 799 und 800 durch Konflikte in Rom stark gebunden ist, unterbleiben vorerst weitere päpstliche Entscheidungen zu der englischen Streitfrage. Æthelhard entschließt sich schließlich, persönlich nach Rom zu reisen, um die Lage seiner Erzdiözese direkt mit dem Papst zu klären. Er begibt sich zusammen mit Bischof Cyneberht von Winchester nach Rom und nimmt zwei weitere Schreiben Coenwulfs an den Papst mit, in denen die Lage ausführlich geschildert wird. Nach Verhandlungen entscheidet sich Papst Leo III. für Canterbury: Er erkennt Æthelhards Vorrang an und stuft Lichfield wieder zu einem einfachen Bistum herab. Es gibt Hinweise, dass das Domkapitel von Canterbury die Erhebung Lichfields zum Erzbistum niemals wirklich akzeptiert hat und stets an der besonderen Stellung Canterburys festhält. Damit bereitet diese päpstliche Entscheidung die endgültige Wiederherstellung Canterburys als einzigem Metropolitensitz südlich des Humber vor.
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| *'''803:''' Æthelhard: Im Jahr 803 kehrt Æthelhard aus dem Ausland nach England zurück und nimmt seine Tätigkeit als Erzbischof von Canterbury voll wieder auf. Er beruft das Konzil von Clovesho ein, eine bedeutende Synode, auf der die kirchliche Ordnung im Süden Englands neu geregelt wird. Das Konzil beschließt, dass künftig kein weiterer erzbischöflicher Sitz im südlichen Britannien bestehen darf außer Canterbury, womit die Sonderstellung dieses Erzbistums dauerhaft festgeschrieben wird. Hygberht nimmt an dieser Synode teil, jedoch nicht mehr als Erzbischof, sondern als Abt, was deutlich macht, dass er vor dem Konzil auf sein Amt verzichtet hat. Æthelhard legt auf dem Konzil außerdem eine päpstliche Entscheidung vor, die die Freiheit der Kirchen von weltlicher Einmischung bekräftigt und so die Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen gegenüber der weltlichen Herrschaft stärkt. Er betont zugleich, dass die Papstkirche bei der Erhebung Lichfields getäuscht worden sei und bezeichnet die dahinterstehende Macht als „tyrannische“ Kraft, womit er Offas kirchenpolitisches Vorgehen kritisiert. Während seiner Amtszeit leitet Æthelhard mindestens elf, möglicherweise sogar zwölf Synoden, auf denen Fragen der Kirchenordnung, der Disziplin und der Besitzrechte beraten werden. Er tritt als aktiver Gestalter der kirchlichen Strukturen im südlichen England auf und setzt durch, dass Canterbury als geistliches Zentrum gestärkt aus den Auseinandersetzungen mit Lichfield und Kent hervorgeht. Seine letzten Amtsjahre stehen im Zeichen der Konsolidierung der erzbischöflichen Autorität und der Durchsetzung der neuen Ordnung, die das Konzil von Clovesho festgelegt hat.
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| *'''805:''' Æthelhard: Æthelhard stirbt am 12. Mai 805 und wird in Canterbury bestattet, wo er seine wichtigste Wirkungsstätte gehabt hat. In den Jahren und Jahrhunderten nach seinem Tod verehrt man ihn als Heiligen und setzt seinen Gedenktag auf den 12. Mai. Nach der normannischen Eroberung und den kirchlichen Reformen des 11. Jahrhunderts unterdrückt jedoch der römisch-katholische Erzbischof Lanfrank seinen Kult, der danach nicht wieder aufgenommen wird. In der Orthodoxen Kirche in England bleibt die Verehrung Æthelhards bestehen. Mehrere orthodoxe Gemeinden in England wählen ihn als Patron und erinnern an ihn als standhaften Erzbischof, der die Vorrangstellung Canterburys gegenüber politischen und kirchlichen Rivalen behauptet. So wirkt Æthelhards Lebenswerk über seinen Tod hinaus in liturgischer Erinnerung und in der Struktur der englischen Kirche weiter.
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| *'''1058:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Siward_(Bischof) '''Bischof Siward (Rochester, 1058–1075)''']
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| *'''zuletzt 772'''
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| ==FRÄNKISCHES REICH== | | ==FRÄNKISCHES REICH== |
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| Sortierung der Städte:
| | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe König Karl der Große (768–800)] <br />Januar: Auf einer Versammlung in der Königspfalz Quierzy beschließen die Franken unter Karl dem Großen (27) im Rahmen der Sachsenkriege einen zweiten Feldzug gegen die Sachsen; das Heer wird daraufhin im Frühjahr in Köln versammelt, von wo der Vormarsch entlang der so genannten Kaiser-Route erfolgt. Die sächsische Sigiburg über der Ruhr und die Eresburg werden von den Franken eingenommen. Während die Engern besiegt werden, bei Höxter die Weser überschritten wird und auch die Ostfalen geschlagen werden, erleidet ein fränkischer Verband gegen die Westfalen eine Niederlage. Karl stößt tief nach Sachsen vor, schlägt die Westfalen, erzwingt die Unterwerfung der Engern unter ihrem Anführer Bruno und der Ostfalen unter ihrem Anführer Hassio bzw. Hessi und bringt so weite Teile des Landes vorübergehend unter fränkische Kontrolle. Während dieses Feldzuges richtet er nach den hofnahen Reichsannalen drei schwere Blutbäder unter den Sachsen an, sodass seine Gegner selbst in den nordhumbrischen Annalen als Opfer seines Wütens erscheinen und sich zeigt, dass Karl nun auf brutalste Weise mit jedem Vertragsbruch der Sachsen antwortet. Karl lässt verkünden, dass es für die Sachsen nur noch Taufe oder Tod geben soll, und macht damit deutlich, dass er den Krieg nicht mehr nur als Grenzsicherung, sondern ausdrücklich als Werk der Mission betrachtet, das so lange andauert, bis sich die Sachsen dem christlichen Glauben unterwerfen oder ausgerottet sind, wie es in der überarbeiteten Fassung der Reichsannalen, den Einhardsannalen, festgehalten wird. |
| Metz, Frankreich (~49° 07′ N)
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| Utrecht, Niederlande (~52° 05′ N)
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| Lüttich, Belgien (Liège, ~50° 38′ N)
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| Bremen, ~53° 5′ N
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| Büraburg, Hessen (bei Fritzlar, ~51° 08′ N)
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| Lorsch, Hessen [~49° 39′ N)
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| Erfurt, Thüringen (~50° 58′ N)
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| Köln, Nordrhein-Westfalen (~50° 56′ N)
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| Mainz, Rheinland-Pfalz (~50° 00′ N)
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| Bistum Trier
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| *Trier, Rheinland.Pfalz (~49° 45′ N)
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| Bistum Würzburg
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| *Würzburg, Bayern, Unterfranken damals noch Herrschaft der Hedenen (~49° 47′ N)
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| *Reichskloster Lorsch
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| Konstanz, Baden-Württemberg (47° 40′ N)
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| Ordne den Text im folgenden Link möglichst vollständig streng chronologisch an auf Deutsch und in Präsens: Ein ausführlicher, aber rechtlich sicherer Abschnitt zum Jahr 749 in Präsens.
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| Erstelle in diesem Fall eine ausführliche Jahreschronik nur für das Jahr
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| Karl der Grosse geb. 748
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe König Karl der Große (768–800), Kaiser Karl der Große (800–814)] <br />Januar: Auf einer Versammlung in der Königspfalz Quierzy beschließen die Franken unter Karl dem Großen (27) im Rahmen der Sachsenkriege einen zweiten Feldzug gegen die Sachsen; das Heer wird daraufhin im Frühjahr in Köln versammelt, von wo der Vormarsch entlang der so genannten Kaiser-Route erfolgt. Die sächsische Sigiburg über der Ruhr und die Eresburg werden von den Franken eingenommen. Während die Engern besiegt werden, bei Höxter die Weser überschritten wird und auch die Ostfalen geschlagen werden, erleidet ein fränkischer Verband gegen die Westfalen eine Niederlage. Karl stößt tief nach Sachsen vor, schlägt die Westfalen, erzwingt die Unterwerfung der Engern unter ihrem Anführer Bruno und der Ostfalen unter ihrem Anführer Hassio bzw. Hessi und bringt so weite Teile des Landes vorübergehend unter fränkische Kontrolle. Während dieses Feldzuges richtet er nach den hofnahen Reichsannalen drei schwere Blutbäder unter den Sachsen an, sodass seine Gegner selbst in den nordhumbrischen Annalen als Opfer seines Wütens erscheinen und sich zeigt, dass Karl nun auf brutalste Weise mit jedem Vertragsbruch der Sachsen antwortet. Karl lässt verkünden, dass es für die Sachsen nur noch Taufe oder Tod geben soll, und macht damit deutlich, dass er den Krieg nicht mehr nur als Grenzsicherung, sondern ausdrücklich als Werk der Mission betrachtet, das so lange andauert, bis sich die Sachsen dem christlichen Glauben unterwerfen oder ausgerottet sind, wie es in der überarbeiteten Fassung der Reichsannalen, den Einhardsannalen, festgehalten wird. | |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Turpin_von_Reims Erzbischof Turpin (Reims, 748–794)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Turpin_von_Reims Erzbischof Turpin (Reims, 748–794)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Angilram_von_Metz Bischof, ab 787 Erzbischof Angilram (Metz, 768–791)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Angilram_von_Metz Bischof Angilram (Metz, 768–791)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Utrecht Bischof Gregor (Utrecht (754-775)] <br />Am 25. August stirbt Gregor in Utrecht. Er wird in der Abtei Susteren in der Nähe von Maastricht bestattet. Die Reliquie seines Hauptes befindet sich seit 1997 in einer unterirdischen Schatzkammer nahe der Kirche St. Amelberga (Basilica minor) in Susteren; als Reliquienhalter dient eine innen hohle Büste aus dem Jahr 1885, in deren Hohlraum sein Schädel aufbewahrt wird. Zusätzlich werden Knochenreliquien Gregors in der Außenkrypta derselben Kirche aufbewahrt. Gregor wird als Heiliger verehrt. Sein allgemeiner katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 25. August; im Bistum Trier wird seiner am 26. August gedacht, im Bistum Utrecht am 8. November. Die Kaufmannskirche in Erfurt ist ihm geweiht, und in Trier-Pfalzel trägt die örtliche Grundschule seinen Namen. <br />Kurz nach Gregors Tod verfasst der Diakon [http://de.wikipedia.org/wiki/Liudger Liudger] zu dessen Andenken die Vita Gregorii, eine Lebensbeschreibung seines Lehrers. 775/776 übernimmt Liudger einen ersten Missionsauftrag in Deventer, wo er über dem Grab des Friesenmissionars Lebuin die Kirche neu errichtet. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Utrecht Bischof Gregor (Utrecht (754-775)] <br />Am 25. August stirbt Gregor in Utrecht. Er wird in der Abtei Susteren in der Nähe von Maastricht bestattet. Die Reliquie seines Hauptes befindet sich seit 1997 in einer unterirdischen Schatzkammer nahe der Kirche St. Amelberga (Basilica minor) in Susteren; als Reliquienhalter dient eine innen hohle Büste aus dem Jahr 1885, in deren Hohlraum sein Schädel aufbewahrt wird. Zusätzlich werden Knochenreliquien Gregors in der Außenkrypta derselben Kirche aufbewahrt. Gregor wird als Heiliger verehrt. Sein allgemeiner katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 25. August; im Bistum Trier wird seiner am 26. August gedacht, im Bistum Utrecht am 8. November. Die Kaufmannskirche in Erfurt ist ihm geweiht, und in Trier-Pfalzel trägt die örtliche Grundschule seinen Namen. <br />Kurz nach Gregors Tod verfasst der Diakon [http://de.wikipedia.org/wiki/Liudger Liudger] zu dessen Andenken die Vita Gregorii, eine Lebensbeschreibung seines Lehrers. 775/776 übernimmt Liudger einen ersten Missionsauftrag in Deventer, wo er über dem Grab des Friesenmissionars Lebuin die Kirche neu errichtet. |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_I._von_Utrecht Verweser Alberich (Utrecht, 775–777)] <br />Alberich reist im Auftrag Karls des Großen nach Italien. Kurz nach seiner Rückkehr aus Italien stirbt der Abt Gregor von St. Martin, der zugleich der Onkel Alberichs ist. Nach dem Tod Gregors folgt Alberich seinem Onkel als Abt des Benediktinerklosters St. Martin in Utrecht nach. Wie sein Onkel übernimmt Alberich zugleich die Aufgabe des Verwesers der friesischen Kirche, deren Bischofssitz noch vakant ist. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_I._von_Utrecht Verweser Alberich (Utrecht, 775–777)] <br />Alberich reist im Auftrag Karls des Großen nach Italien. Kurz nach seiner Rückkehr aus Italien stirbt der Abt Gregor von St. Martin, der zugleich der Onkel Alberichs ist. Nach dem Tod Gregors folgt Alberich seinem Onkel als Abt des Benediktinerklosters St. Martin in Utrecht nach. Wie sein Onkel übernimmt Alberich zugleich die Aufgabe des Verwesers der friesischen Kirche, deren Bischofssitz noch vakant ist. |
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| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmius Abt Sturmius (Fulda, 2. Amtszeit 765–779)] <br /> | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmius Abt Sturmius (Fulda, 2. Amtszeit 765–779)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_II._von_Konstanz Bischof Johannes II. (Konstanz, 760–782)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_II._von_Konstanz Bischof Johannes II. (Konstanz, 760–782)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Tello_(Bischof) Bischof Tello (Chur, 759–765)] <br />
| | *[[776#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Fränkisches Reich]] |
| *[[776#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] | |
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| *'''776:''' Liudger: Ab 776 beginnt der Diakon Liudger im friesischen Ostergau mit der Friesenmission, die nach seiner Priesterweihe am 7. Juli 777 in Köln weitergeführt wird.
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| *[[777#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 777]]
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| *'''777:''' Angilram: Als Bischof von Metz wirkt Angilram sowohl in seiner Diözese als auch am fränkischen Königshof. Er nimmt 777 an der Reichsversammlung von Paderborn teil und zählt damit zum engeren Kreis der Bischöfe, die an der Reichspolitik unter Karl dem Großen mitwirken. In Metz setzt er die Reformen seines Vorgängers fort, stärkt die Disziplin des Domklerus und sorgt für eine geordnete Verwaltung der bischöflichen Güter. Seine Beziehungen zu Karl dem Großen sind von praktischem und politischem Vertrauen geprägt, da der König zuverlässige Bischöfe als Berater und Verwaltungsstützen benötigt. Angilram begleitet den Herrscher wiederholt auf Reisen und Reichsversammlungen und wirkt als Mittler zwischen der Metzer Kirche und dem königlichen Hof. In dieser Phase tritt er noch nicht offiziell als Erzkapellan auf, gewinnt aber bereits an Einfluss in der Hofgeistlichkeit.
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| *'''777:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_I._von_Utrecht Bischof Alberich (Utrecht, 777-784)] In den Jahren 777 oder 778 wird Alberich in Köln zum Bischof von Utrecht geweiht. Mit seiner Weihe zum Bischof von Utrecht wird das Bistum Utrecht vom Erzbistum Köln anerkannt. In der Folgezeit löst sich die friesische Kirche aus ihren alten angelsächsischen Bindungen und wird in das fränkische Kirchensystem überführt. Nach seiner Erhebung zum Bischof von Utrecht fördert Alberich die Mission unter den Friesen. In seinem Einflussbereich lässt er systematisch heidnische Kultstätten zerstören. Er entsendet Liudger, der später Bischof von Münster wird, in den Ostergau. Durch Liudger lässt Alberich die Kirche in Deventer wieder errichten. Alberich interessiert sich für die Wissenschaften und ist unter anderem mit Alkuin befreundet. In seinem Einflussgebiet reformiert er die Domschule in Utrecht.
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| *'''779:''' Sturmius: 779 begleitet Sturmius Karl den Großen auf einem Feldzug nach Sachsen, wo er erkrankt. Bald nach seiner Rückkehr nach Fulda stirbt er um den 17. Dezember 779 in Fulda. Sein Leben steht insgesamt in der Epoche der kontinentalen Mission des 8. Jahrhunderts, in der er als Schüler des angelsächsischen Missionars Bonifatius die kirchliche Organisation im mainfränkisch‑thüringischen Raum mitgestaltet und für die Unabhängigkeit Fuldas sowie die Sicherung der Bonifatius‑Reliquien kämpft. Nach seinem Tod wird Sturmius im Ostchor der Salvatorbasilika in Fulda bestattet; kurz darauf wird dort auch die Bonifatius‑Nichte Lioba beigesetzt, was einen Übergang von bloßem Totengedenken zur kultischen Verehrung erkennen lässt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Baugulf_von_Fulda '''Abt Baugulf (Fulda, 779–802)''']
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| *'''780:''' Lullus: Um 780/781 erhält Lullus von Papst Hadrian I. das Pallium und wird erster regulärer Erzbischof von Mainz. In diesem Zusammenhang lässt Lullus eine ältere päpstliche Urkunde zugunsten Kölns verfälschen, um die Metropolstellung von Mainz zu sichern, da es an einer klaren Rechtsgrundlage für eine Mainzer Kirchenprovinz fehlt. In seinen letzten Amtsjahren vollendet Lullus die Kirchenreform des Bonifatius im Frankenreich und trägt maßgeblich zur Christianisierung Hessens und Thüringens bei, wobei er enger mit den fränkischen Königen als mit Rom kooperiert.
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| *'''780:''' Wiomad: Im Jahr 780 erhebt Bischof Wiomad die Gebeine des heiligen Castor von Karden und überführt sie in die Paulinus-Kirche in Karden. Mit dieser feierlichen Erhebung erkennt er den Kult des heiligen Castor offiziell kirchlich an, was einer heutigen Seligsprechung entspricht. Dadurch stärkt er die Verehrung des Heiligen in der Region und fördert die lokale Pilgertradition.
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| *'''780:''' Ab 780 übernimmt [https://de.wikipedia.org/wiki/Willehad Willehad] im Auftrag Karls des Großen den Missionsauftrag an der Unterweser im Gau Wigmodi und richtet seine Arbeit stärker auf das sächsische Gebiet aus. Er bewegt sich in einem politisch angespannten Raum, in dem die fränkische Herrschaft noch nicht gesichert ist, und versucht dennoch, eine regelmäßige Seelsorge aufzubauen. Als 782 der Sachsenaufstand ausbricht, muss Willehad die Region verlassen, um sein Leben zu retten. Er begibt sich daraufhin auf eine Pilgerreise nach Rom, sucht dort geistliche Orientierung und Bestätigung seines Missionsauftrags und verbringt anschließend zwei Jahre im Kloster Echternach, wo er sich in monastischer Gemeinschaft sammelt und theologisch festigt.
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| *'''781:''' Megingaud: Eine weitere Urkunde von Karl dem Großen bestätigt den Besitz der Klostermark Neustadt am Main unter Abt Megingaud. Am 22. August weiht Megingaud die karolingische Klosteranlage mit der Abteikirche Peter und Paul in Neustadt am Main.
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| *'''781:''' Im August 781 stellt Karl der Große eine weitere Urkunde für das Kloster Neustadt aus, in der er den Besitz der Klostermark bestätigt. Am 22. August 781 erfolgt die Weihe der karolingischen Klosteranlage mit der Abteikirche Peter und Paul an der „neuen Stätte“ (Nivenstat, Nuovenstatt); Karl der Große nimmt daran teil. Auch die Bischöfe Willibald von Eichstätt und Lullus von Mainz sind bei dieser Weihe anwesend.
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| *'''782:''' Der Diakon Arn (und spätere Bischof) ist Benediktinermönch im Kloster des heiligen Amandus in Elno (später Saint-Amand-les-Eaux) in der Grafschaft Flandern. Am 26. Mai 782 übernimmt Arn das Amt des Abtes im Kloster Elno.
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| *'''782:''' Johannes bleibt bis zu seinem Tod Bischof von Konstanz sowie Abt von St. Gallen und Reichenau. Nach den Einträgen im Reichenauer Nekrolog stirbt er am 9. Februar 782 in Konstanz. [http://de.wikipedia.org/wiki/Egino_von_Konstanz '''Bischof Egino (782–811)], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ratpert_(Abt) '''Abt Ratpert (St. Gallen, 782)'''], [http://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_von_Reichenau '''Abt Petrus (Reichenau, 782–786)''']
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| *'''26. September 783:''' Abt Megingaud: Am 26. September 783 stirbt Megingaud in Neustadt am Main. Zunächst wird er in Neustadt bestattet, später wird sein Sarg in den Würzburger Salvator-Dom überführt, die spätere Neumünsterkirche. Im 14. Jahrhundert wird sein Sarkophag in der Neumünsterkirche sichtbar aufgestellt; die Versinschrift auf der Sargplatte gilt als die älteste erhaltene Monumentalinschrift Frankens nach der Römerzeit. Die Inschrift preist Megingoz als zweiten Leiter des Ortes, den Bonifatius selbst zu Bischofsehren geführt hat, als frommen Hirten und nennt ausdrücklich sein Sterbedatum, den sechsten Tag vor den Kalenden des Oktober, also den 26. September.
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| *'''783:''' Thomas: Thomas stirbt am 27. September 783 in Mailand. Seine Bestattung erfolgt in der Basilika San Lorenzo Maggiore, einer der bedeutenden Kirchen der Stadt. In der Ambrosianischen Kirche wird Thomas als Heiliger verehrt, auch wenn sein Name nicht im Römischen Martyrologium verzeichnet ist. Ein Gemälde, das ihn darstellt, befindet sich im Diözesanmuseum bei der Basilika Sant’Eustorgio in Mailand. [https://it.wikipedia.org/wiki/Pietro_I_(arcivescovo_di_Milano) '''Erzbischof Peter I. (783-801)''']
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| *'''783:''' Agilfrid: Zwischen 783 und 787 weiht Agilfrid nach neuerer Forschung wahrscheinlich die erste Kirche in Osnabrück. Diese erste Kirche besteht aus Holz und dient bei der Errichtung der Diözese Osnabrück als Bischofssitz. Mit dieser Kirchweihe trägt Agilfrid zur kirchlichen Organisation und Missionierung in den nördlichen Gebieten des Frankenreiches bei. Die Handlung steht im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Christentums und der festeren Einbindung der Region in das fränkische Reich.
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| *'''784:''' Angilram: Um 784 ernennt Karl der Große Angilram zum Erzkapellan (Erzkaplan) seines Hofes, also zum obersten Leiter der Hofkapelle und der am Hof tätigen Geistlichen. In dieser Funktion ist Angilram auch Beichtvater des Königs, berät ihn in kirchlichen Fragen und begleitet ihn regelmäßig auf militärische Feldzüge. Der Papst gewährt ihm eine Dispensation von der Residenzpflicht, damit Angilram dauerhaft am Hofe bleiben kann, obwohl er formal weiterhin Bischof von Metz bleibt.
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| *'''784:''' Liudger: 784 unterbricht die Sachsenerhebung unter Widukind seine Arbeit, und der Priester Liudger tritt eine Pilgerreise nach Rom an. Zwischen 784/785 und 787 hält er sich im Kloster Montecassino auf, bevor er nach Friesland zurückkehrt.
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| *'''784:''' Alberich: Im Jahr 784 stirbt Alberich, entweder am 21. August oder am 14. November. In Susteren werden seine sterblichen Überreste als Reliquien verehrt. Seine Festtage sind der 14. November, der 4. März und der 21. August. Über die drei nachfolgenden Bischöfe ist nur der Name und die Amtszeit bekannt, erst mit Friedrich I. folgt 826 ein Bischof, über den wieder mehr bekannt ist.
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| *'''785:''' Im Jahr 785, nach der Taufe des sächsischen Führers Widukind, sieht [https://de.wikipedia.org/wiki/Willehad Willehad] die Lage im Missionsgebiet verändert und nimmt seine Tätigkeit an der Weser wieder auf. Er kehrt sofort in die Region zurück, in der er zuvor gearbeitet hat, und knüpft an die unterbrochene Missionsarbeit an, um nun unter günstigeren politischen Bedingungen die Christianisierung der Sachsen voranzutreiben.
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| *'''786:''' Lullus: Am 16. Oktober 786 stirbt Lullus in Hersfeld und wird in der von ihm geförderten Abtei Hersfeld bestattet. Am 7. April 852 wird Lullus heiliggesprochen; sein Gedenktag ist der 16. Oktober. Zwischen 1063 und 1073 verfasst Lampert von Hersfeld die „Vita Lulli“, die Lullus’ Verehrung fördert und ihn zusammen mit Wigbert zum Hauptpatron der Abtei macht.
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| *'''787:''' Angilram: Spätestens seit 787 trägt er, ähnlich wie einst Chrodegang, den persönlichen Titel eines Erzbischofs. Dieser Titel erhöht sein Prestige, ohne dass Metz tatsächlich Sitz einer eigenen Kirchenprovinz wird.
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| *'''787:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Hildebold_von_K%C3%B6ln '''Bischof Hildebold von Köln, 787-795, Erzbischof 795–818)''']
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| *'''787:''' Liudger: 787 ernennt Karl der Große den Priester Liudger zum Missionsleiter für das mittlere Friesland und überträgt ihm Leitung und Besitz des Petrusklosters zu Lothusa (Leuze).
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| *'''787:''' Agilfrid: Am 13. Dezember 787 endet das Leben Agilfrids als Bischof von Lüttich. Er stirbt in seinem Amt, nachdem er seit 769 die Diözese geleitet hat. Nach seinem Tod folgt ihm Gerobald als neuer Bischof von Lüttich nach. Agilfrid hinterlässt das Bild eines angesehenen fränkischen Bischofs, der sowohl an Klosterreformen als auch an der Reichspolitik und der Missionstätigkeit beteiligt ist. [Gerobald: nur Name vorhanden]
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| *'''787:''' [[https://de.wikipedia.org/wiki/Willehad '''Bischof Willehad (Bremen, 787-789)'''] Am 13. Juli 787 wird Willehad in Worms in Anwesenheit Karls des Großen zum Bischof geweiht und erhält die Zuständigkeit für die Gauen Wigmodi, Laras, Riustri, Asterga, Nordendi und Wanga im Bereich der unteren Weser und der Küsten zwischen Weser- und Emsmündung. Mit dieser Weihe wird sein Missionsgebiet in eine geordnete Diözese überführt, und seine Stellung wandelt sich vom reisenden Missionar zum Bischof mit definierter kirchlicher Jurisdiktion.
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| *'''788:''' Angilram: Um 788 überträgt Karl der Große ihm zusätzlich die Abtei Herrenchiemsee (Chiemsee) im neu gewonnenen bairischen Gebiet, obwohl sie geographisch weit von Metz entfernt ist. Angilram nimmt damit zugleich die Rolle eines Abtes in mehreren Klöstern ein und vereinigt Bischofsamt, Erzkapellansamt und Abtswürde in seiner Person. Angilram interessiert sich besonders für Geschichtsschreibung und Liturgie und fördert entsprechende Projekte. Er veranlasst den Gelehrten Paulus Diakonus, das Werk „Liber de episcopis Mettensibus“, die Geschichte der Bischöfe von Metz, zu verfassen, das zum Vorbild vieler späterer mittelalterlicher Bischofsgeschichten wird. Außerdem lässt er Donatus das Leben des heiligen Trudo von Saint-Trond schreiben, wobei Donatus ihn ausdrücklich als seinen Lehrer bezeichnet. In der Liturgie greift Angilram in die „Regula canonicorum“ des Chrodegang ein und fügt drei neue Abschnitte hinzu, unter anderem zur Feier der Pfingstoktav. Die älteste Fassung der „Ordines Romani“, liturgischer Ordnungen römischer Prägung, wird in der Forschung ebenfalls seinem Einfluss zugeschrieben. Angilram lässt zudem eine großformatige, einbändige Bibel herstellen, die als eine der ersten einbändigen Bibeln der karolingischen Renaissance gilt, später aber im 20. Jahrhundert verloren geht. Im Jahr 788 begleitet Angilram Karl den Großen nach Regensburg, wo der König den bayerischen Herzog Tassilo III. absetzt. Kurz nach dieser Entmachtung erhält Angilram im Namen der Diözese Metz das Kloster Chiemsee im neu gewonnenen bayerischen Gebiet, was als besonderes Zeichen königlichen Vertrauens gilt. Durch diese Übertragung übernimmt er die Aufsicht über ein weit entferntes Kloster und dehnt den Einfluss des Bistums Metz in das östliche Reichsgebiet aus. Angilram wirkt zugleich als Abt von Senones und von Sint-Truiden und verwaltet damit mehrere bedeutende Klöster neben seinem Bischofsamt. Seine Beziehungen zum König bleiben vor allem praktisch und politisch orientiert, da er an der Reichskirchpolitik beteiligt ist und in königlichen Angelegenheiten als erfahrener Ratgeber dient. In seiner Diözese setzt er die Reformen für Klerus und Klosterwesen fort und prägt dadurch das kirchliche Leben im Raum Metz nachhaltig.
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| *'''788:''' Willehad: Am 14. Juli 788 errichtet Karl der Große nach altrömischer Sitte in Speyer das Bistum Bremen als Bistum für den nördlichen Teil Sachsens und verleiht diese neue Diözese im Auftrag von Papst Hadrian I. sowie nach Rat des Mainzer Erzbischofs Lullus und der anwesenden Bischöfe an Willehad. Willehad macht daraufhin Bremen zu seiner Residenz und gestaltet die Stadt zum Mittelpunkt seiner bischöflichen Tätigkeit und zum Missionszentrum der Region. Nach dem Vorbild des northumbrischen Kirchenwesens organisiert er die pastorale Versorgung der Sachsen im Gau Wigmodi durch reisende Priester, sodass zunächst nur wenige feste Kirchengründungen im Elbe-Weser-Raum entstehen, die Seelsorge aber dennoch gewährleistet ist.
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| *'''789:''' Willehad: An Allerheiligen, dem 1. November 789, weiht Willehad den ersten Dom zu Bremen, der als Holzbau errichtet ist und den neuen Bischofssitz sichtbar markiert. Der Dom wird zum liturgischen Zentrum der Diözese und zum Zeichen der kirchlichen Etablierung im ehemals heidnischen Gebiet. Eine Woche nach dieser Weihe, am 8. November 789, stirbt Willehad in Blexen an der Weser an einem heftigen Fieber, nachdem er noch einmal in seinem Missionsgebiet unterwegs ist. Er wird zunächst in einer Grabkapelle am Dom in Bremen bestattet, wo sein Grab bald als Stätte der Verehrung gilt und Gläubige anzieht. (nächster Bischof im Jahr 805)
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| *'''791:''' Liudger: Um 791 reist der Priester Liudger nach Helgoland, während weiter die Friesenmission läuft.
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| *'''791:''' Wiomad schließt sich Karl dem Großen nach 774 erneut an, als dieser gegen die Awaren zieht. Während dieses Feldzugs stirbt Wermad sehr wahrscheinlich; sein Tod wird für das Jahr 791 angenommen, das genaue Datum bleibt unbekannt. Nach seinem Tod folgt ihm Richbod als Bischof von Trier nach und führt die von ihm geprägte Bistumstradition fort. Sein Wirken bleibt vor allem durch seine Rolle als Bischof von Trier, als Mitgründer der Abtei Lorsch und durch die Förderung des Kultes des heiligen Castor in Erinnerung. [http://de.wikipedia.org/wiki/Richbod '''Erzbischof Richbod (791–804)''']
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| *'''791:''' Angilram: Angilram stirbt im Oktober 791, nach verschiedenen Überlieferungen am 23., 25. oder 26. Oktober, wobei in der deutschsprachigen Forschung meist der 26. Oktober angegeben wird. Mit seinem Tod endet eine lange und einflussreiche Amtszeit, in der er seit 768 Bischof von Metz und seit den 780er Jahren Erzkapellan am Hof Karls des Großen ist. Die Diözese Metz bleibt nach seinem Tod längere Zeit ohne regulären Bischof, während der König die bischöflichen Güter treuhänderisch verwaltet. Später übernimmt Drogo, ein unehelicher Sohn Karls des Großen, den Bischofsstuhl von Metz, nachdem die Phase der Vakanz beendet ist. Die „Capitula Angilramni“, die angeblich Papst Hadrian I. im Jahr 786 an Angilram übergibt, erweisen sich in der Forschung jedoch als spätere Fälschung aus dem Umfeld der Pseudoisidorischen Dekretalen und entstehen erst zwischen 847 und 853. In der römisch-katholischen Kirche gilt Angilram als Heiliger; sein Gedenktag ist der 25. Oktober, und in der hagiographischen Tradition zählt er zu den sieben heiligen Bischöfen von Metz, deren gemeinsamer Gedenktag am 28. Oktober gefeiert wird.
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| *'''792:''' Liudger: 792 kommt es zu einem Sachsen- und Friesenaufstand, der vermutlich dazu führt, dass Karl der Große den Priester Liudger die Missionsleitung im westlichen Sachsen überträgt. Um Münster entsteht daraufhin ein Missionsbistum mit ausgedehntem Pfarrsystem, ausgehend vom 793 von Liudger gegründeten Kanonikerstift. In Nottuln lässt er eine Kirche erbauen und fördert dort vermutlich die Gründung einer Gemeinschaft von Sanktimonialen, während er zugleich den Kontakt zu seinem friesischen Missionsgebiet bewahrt.
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| *'''794:''' Turpin: Am 1. September 794 stirbt Turpin in Reims, über die Jahre danach ist über das Erzbistum Reims nur sehr wenig bekannt, erst im Jahr 816 tritt wieder ein Erzbischof (Ebo) an, über den mehr bekannt ist.
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| *'''794:''' Berowelf bleibt von Anfang 769 bis zu seinem Tod Bischof von Würzburg. Sein Episkopat umfasst damit rund ein Vierteljahrhundert, in dem er das Bistum kirchlich, politisch und territorial nachhaltig prägt. Am 29. September 794 stirbt Berowelf. Mit seinem Tod endet eine Epoche, in der die Würzburger Kirche ihre Stellung im karolingischen Reich festigt und durch Mission, Erwerbungen und den Ausbau der Bischofsstadt neue Konturen erhält. Sein Nachfolger im Bischofsamt wird Gumbert, der die Leitung des Bistums übernimmt und auf den von Berowelf geschaffenen Strukturen aufbaut. In der Rückschau erscheint Berowelf als energischer, mitunter umstrittener Bischof, der gleichzeitig als Missionar, Organisator und Bauherr wirkt und die weitere Geschichte Würzburgs im frühen Mittelalter maßgeblich beeinflusst. [http://de.wikipedia.org/wiki/Gumbert_(W%C3%BCrzburg) '''Bischof Gumbert (794–795)''']
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| *'''796:''' Liudger: Seit 796 betreibt der Priester Liudger im Raum Werden systematisch Gütererwerb, um eine spätere Klostergründung vorzubereiten. Er plant, eine eigene geistliche Gemeinschaft zu errichten, und erhält dazu aus Rom Reliquien von Salvator, Maria und den Aposteln. Frühere Versuche von Klostergründungen in Wierum, Wichmond und an der Erft scheitern, doch an der unteren Ruhr gelingt ihm das Vorhaben
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| *'''798:''' Liudger: Zum Ende der Sachsenkriege begleitet Liudger 798 Karl den Großen einmal auf einem Feldzug nach Minden, bleibt ansonsten aber einer friedlichen Missionsweise verpflichtet.
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| *'''800:''' Liudger: Um 800 gründet der Priester Liudger auf seinem erworbenen Besitz das Eigenkloster Werden, das lange von seinen Verwandten, den Liudgeriden, geleitet wird; er ist zugleich der erste Abt des Klosters
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| *'''805:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Willerich_von_Bremen '''Bischof Willerich (Willerich, 805–837)''']
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| *'''805:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Liudger '''Bischof Liudger (805–809)'''] Parallel dazu entwickelt sich das künftige Bistum Münster weiter, und am 30. März 805 weiht Erzbischof Hildebold von Köln den Abt Liudger zum ersten Bischof von Münster, womit das Bistum sichtbar der Kölner Kirchenprovinz eingegliedert ist. In seiner Mission im westlichen Sachsen, dem Gebiet des heutigen westlichen Westfalen mit vielen kleinen Stämmen, setzt Liudger auf Predigt und Überzeugungsarbeit statt auf Zwangsbekehrung. Er vermeidet Kriegshandlungen, kehrt aber nach Eroberung neuer Gebiete dorthin zurück, um missionarisch zu wirken und so das christliche Territorium ohne Gewalt zu vergrößern. Sein Missionsstil unterscheidet sich damit deutlich von den zwangsweisen Maßnahmen Karls des Großen, der teilweise „mit Feuer und Schwert“ missionieren lässt. In seinen letzten Lebensjahren bereist Liudger seinen Bistumssprengel mehrfach.
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| *'''809:''' Liudger: Am Passionssonntag 809 feiert er in Billerbeck seine letzte heilige Messe, nachdem er von Coesfeld kommend auf dem Weg dorthin das Münsterland gesegnet hat, an einer Stelle, die später Ludgerirast heißt. In der Nacht zum 26. März 809 stirbt er in Billerbeck im Kreis seiner Brüder an der Stelle, wo sich heute der Südturm der Propsteikirche St. Ludgerus erhebt. Sein Leichnam wird zunächst nach Münster überführt und dort aufgebahrt. Am 28. April wird Liudger gemäß seinem letzten Willen nach Werden überführt und östlich der ersten Abteikirche außerhalb der Kirche in der Nähe des Hauptaltars bestattet. Ein inzwischen gefällter Baum markiert nach der Altfrid-Vita jene Stelle, von der aus Liudger zuvor die Bauarbeiten verfolgt hat, und im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts entsteht über diesem Grabort, dem locus arboris, die Krypta der Abteikirche.
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| *'''816:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Ebo_von_Reims '''Erzbischof Ebo (Reims, 816–835, Bischof von Hildesheim 845–851)''']
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| *'''816:''' [https://de.wikipedia.org/wiki/Gondulf_von_Metz '''Bischof Gondulf (Metz, 816–823)''']
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| *'''818:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Eigil_von_Fulda '''Abt Eigil (Fulda, 818–822)'''] Eigils Leben bis 818: Eigil wird um 750 in Bayern in eine bairische Adelsfamilie geboren, Er ist mit Abt Sturmius verwandt, der sein Onkel ist. Noch im Kindesalter übergeben ihn seine Eltern als Oblaten dem Kloster Fulda, wo er unter Sturmius Schüler wird. Er wird Propst und fungiert als Schöffe im Abtsgericht. Unter Abt Ratgar entsteht im Kloster Fulda eine existenzbedrohende Krise. Ratgar führt ein hartes, kompromissloses Regiment, greift in die überlieferten Consuetudines ein und betreibt ein forciertes Bauprogramm. Eigil gehört in dieser Krise zu den Gegnern Ratgars. Er zählt zu den Verfassern des gegen Ratgars Amtsführung gerichteten Beschwerdebriefs, des Supplex Libellus, und gehört zu einer Gruppe von Mönchen, die auf dem Höhepunkt des Streits aus dem Kloster flieht. Nach der Absetzung Ratgars beginnt ein Interregnum in Fulda. Auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen wird in dieser Zeit die Reform Benedikts von Aniane im Kloster eingeführt. Er folgt ihr jedoch nicht in allen Einzelheiten und lässt zum Beispiel weiterhin die Außenposten des Klosters von Mönchen und nicht – wie vorgeschrieben – von Laien verwalten. - Im Jahr 818 wird Eigil vierter Abt des Klosters Fulda. Er entwickelt einen kooperativen Führungsstil und setzt ausgleichende Maßnahmen ein. Eigil greift auf die integrativen Reformideen Benedikts von Aniane zurück. Er verbindet altmonastische Spiritualität, Askese, benediktinische Tradition und Reformgedanken und trägt so zur Überwindung der Krise bei. Unter seiner Leitung kommt es zu einer Versöhnung zweier Gruppen: der an einem idealen, asketischen Einsamkeitskloster festhaltenden Traditionalisten und der gegenüber den Neuerungen der karolingischen Renaissance in Bildung, Kunst und Kultur aufgeschlossenen Gruppierung. Obwohl er zuvor Gegner Ratgars ist, setzt sich Eigil als Abt später für dessen Begnadigung ein. Er bewirkt, dass Ratgar in das Fuldaer Nebenkloster Frauenberg zurückkehren darf. Wahrscheinlich ernennt Eigil den Leiter der Klosterschule, Hrabanus Maurus, mit dem er bei Bau- und liturgischen Projekten eng zusammenarbeitet, zum Propst und präsumptiven Nachfolger. Hrabanus repräsentiert den neuen geistigen Aufbruch im Kloster. Unter Eigils kurzem Abbatiat blüht das Klosterleben auf. Es entstehen die Voraussetzungen dafür, dass Fulda unter seinem Nachfolger Hrabanus Maurus zu einem der bedeutendsten Zentren geistiger Kultur aufsteigt. - Eigil verfasst im Vorfeld der 820 durchgeführten Translation der Gebeine des Gründerabtes Sturmi dessen Biographie. Dieses Werk trägt den Titel Vita Sturmi primi abbatis et fundatoris Fuldensis coenobii. Er veranlasst den Fuldaer Mönch Brun Candidus zur Abfassung der Vita des zweiten Fuldaer Abtes Baugulf. Damit begründet Eigil die Fuldaer Vitenreihe, die die ersten fünf Äbte Sturmi, Baugulf, Ratgar, Eigil und Rabanus Maurus sowie die Fuldaer Heiligen Bonifatius und Lioba umfasst. Fuldaschüler, die aus diesem geistigen Umfeld hervorgehen, sind unter anderem Ermenrich von Ellwangen, der den Sermo de Vita B. Soli über den Einsiedler Sola von Solnhofen verfasst, der Kaiserbiograf Einhard und Walahfrid Strabo. Walahfrid Strabo verfasst und ediert zahlreiche Viten wie die Vita S. Galli, Vita Mammae, Vita Blaithmaic, Vita S. Otmari sowie Einhards Vita Karoli und Thegans Gesta Hludowici. - Eigil vollendet die von seinen beiden Vorgängern begonnene Salvator-Basilika in Fulda. Diese Kirche heißt nach ihrem Erbauer später meist Ratgar-Basilika. Er lässt in diese Basilika nachträglich zwei Krypten einbauen, die zu den frühesten Hallenkrypten zählen. Zugleich fördert er damit die klösterliche Memoria und die liturgische Nutzung des Kirchenraums. Außerdem lässt Eigil eine Friedhofskapelle errichten, die Hrabanus Maurus konzipiert. Es entsteht die Michaelskirche, ein Zentralbau über acht Säulen mit Schlussstein in der Kuppel oder im Gewölbe und einer Krypta, die über einer Mittelsäule mit jonisierendem Kapitell gewölbt ist. - Um den Kult des Gründerabtes Sturmius, seines Verwandten, kümmert sich Eigil besonders. Er lässt dessen Grab im südlichen Seitenschiff der Salvator-Basilika neu anlegen, ordnet seine Translation und gestaltet seine liturgische Memoria neu. Zu dieser erneuerten Memoria zählt auch die Lesung der von Eigil verfassten Vita Sturmi während der Liturgie. Wahrscheinlich steht diese Einzelmaßnahme im Zusammenhang mit einer Liturgiereform, in deren Rahmen ein von Hrabanus Maurus kompiliertes Sakramentar, ein Gregorio-Gelasianum mixtum, in Fulda eingeführt wird. - Eigil beginnt außerdem mit dem Bau eines neuen Konventsgebäudes. Dieses Gebäude kann er jedoch vor seinem Tod nicht mehr fertigstellen.
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| *'''826:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._von_Utrecht '''Bischof Friedrich I. (Utrecht, 826-838)''']
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| *'''864:''' Überführung der Gebeine Rigoberts nach Reims.
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| *'''872:''' Beisetzung der Gebeine Rigoberts in der Kirche Saint-Thierry zu Reims; Teile der Reliquien gelangen später nach Paris. Gedenktag: 4. Januar.
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| *'''zuletzt 775'''
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| Herzogtum Gascogne | | Herzogtum Gascogne |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Lupus_II._(Gascogne) Herzog Lupus II. (768-778)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Lupus_II._(Gascogne) Herzog Lupus II. (768-778)] <br /> |
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| *'''778:''' Um das Jahr 778 stirbt Lupus II. vermutlich. Seine genaue Verwandtschaft zu den vorangegangenen Herzögen von Aquitanien‑Vasconia und zu seinen Nachfolgern ist nicht eindeutig zu klären. Dennoch erscheint es aufgrund der Patronyme plausibel, ihn mit den späteren gascognischen Herzögen in eine Familienlinie zu stellen. Aus den erhaltenen Nachrichten ergibt sich, dass er Vater mehrerer Söhne ist: Sancho, Seguin, Centulle und García (auch Garsand genannt). Bis auf García, der 819 in einer Schlacht gegen Berengar von Toulouse fällt, herrschen alle seine Söhne zu irgendeinem Zeitpunkt über die Gascogne. Centulle ist dabei der Vater von Lupus III., der den Namen des Großvaters weiterträgt und so die Namenslinie fortsetzt. Möglicherweise hat Lupo II. noch einen weiteren Sohn namens Adalric, der in der Regierungszeit des Chorso von Toulouse in den Quellen erscheint. So setzt seine Familie nach seinem Tod die herzogliche Herrschaft in der Gascogne fort, auch wenn die genauen genealogischen Zusammenhänge im Einzelnen umstritten bleiben.
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| *[[780#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 780]]
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| *'''800:''' [https://fr.wikipedia.org/wiki/Sanche_Ier_Loup_de_Vasconie '''Herzog Sancho I. (800-812)''']
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| *zuletzt 768'''
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| Herzogtum Baiern | | Herzogtum Baiern |
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| Reihenfolge der Städte:
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| Regensburg, Bayern, Oberpfalz (49° 01′ N)
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| Eichstätt, Bayern, Oberbayern (48° 53′ N)
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| Freising, Bayern, Oberbayern (48° 24′ N)
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| Passau, Bayern, Niederbayern (48° 34′ N)
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| Augsburg, Bayern, Schwaben (48° 22′ N)
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III. Herzog Tassilo III. (748–788)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III. Herzog Tassilo III. (748–788)] <br /> |
| Zeile 383: |
Zeile 136: |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Tozzo Bischof Tozzo (Augsburg, 772–778)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Tozzo Bischof Tozzo (Augsburg, 772–778)] <br /> |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Virgil_von_Salzburg Bischof Virgil (Salzburg, 746–784)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Virgil_von_Salzburg Bischof Virgil (Salzburg, 746–784)] <br /> |
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| *'''777:''' Tassilo: 777 gründet er das Stift Kremsmünster, das später zu einem wichtigen geistlichen und kulturellen Zentrum Baierns wird. Ebenfalls 777 entsteht der Legende nach das Kloster Neresheim, das ihm zugeschrieben wird, auch wenn die Überlieferung nicht eindeutig ist. Zwischen 777 und 784 erfolgt die Stiftung von Mattsee, das als weiteres Baustein seiner herzoglichen Klosterpolitik erscheint (Die Abtei Corbie im Tal der Somme (heutiges Frankreich) gehörte im Jahr 774 zum Bistum Amiens)
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| *'''777:''' Willibald: Am 24. September 777 erhebt Willibald die Gebeine seines Bruders Wunibald, der schon am 18. September 761 in Heidenheim in seiner Gegenwart stirbt
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| *'''777:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Waldrich_von_Passau '''Bischof Waldrich (Passau, 777–804)''']
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| *'''778:''' Willibald: am 24. September 778 weiht er die neue Klosterkirche in Heidenheim und beurkundet im gleichen Jahr das Testament des Straßburger Bischofs Remigius
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| *'''778:''' Tozzo: Um das Jahr 778 endet Tozzos Wirken als Bischof von Augsburg. Er stirbt in Augsburg und findet seine letzte Ruhestätte bei der Kirche Sankt Afra. Die Gläubigen verehren ihn als heiligen Bischof, dessen Gedenktag auf den 16. Januar festgelegt ist. In der Erinnerung der Kirche bleibt Tozzo als Mönch, Prediger und Bischof verankert, der im 8. Jahrhundert die Kirche von Augsburg prägt.
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| *'''778:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Simpert '''Bischof Simpert (Augsburg, 778–807)'''] Simpert wird um das Jahr 750 geboren, vermutlich in adeligen fränkisch‑bayerischen Kreisen, Simpert kann ein Neffe des Herrschers sein. Spätestens 778 überträgt Karl der Große Simpert das Amt des Bischofs von Augsburg, nachdem Bischof Tozzo, der aus dem Elsass an den Lech kommt, mutmaßlich in diesem Jahr gestorben ist. Augsburg liegt in dieser Zeit im Spannungsfeld der Kämpfe der Franken mit den Bayern und den weiter östlich lebenden Awaren. 788 setzt Karl der Große den Bayernherzog Tassilo III. wegen Treueverletzung ab und gliedert das Herzogtum Bayern in das Frankenreich ein, was die politische Lage von Simperts Bistum grundlegend verändert.
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| *'''779:''' Arbeo gründet das Kloster Schliersee in Oberbayern.
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| *'''779:''' Willibald: am 25. Februar 779 (unsicher datiert) bestattet er seine verstorbene Schwester Walburga in Heidenheim, woraufhin er zumindest zeitweise die Leitung beider Konvente übernimmt.
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| *'''780:''' Der 780 von Tassilo gestiftete Tassilokelch bleibt als kostbarster erhaltene Besitzgegenstand mit seinem Namen verbunden. Ihm und seiner Familie wird der sogenannte Tassilopsalter gewidmet, der sein geistliches Nachwirken unterstreicht.
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| *'''780:''' Willibald: Um 780 entsteht zu Lebzeiten Willibalds als viertes Kloster seines Bistums das Kloster Herrieden.
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| *'''781:''' Willibald: Am 22. August 781 nimmt Willibald an der Weihe der neuen Benediktinerabtei in Neustadt am Main teil, wo neben Karl dem Großen und Megingaud auch er und Lullus von Mainz in der Stiftungsurkunde erscheinen.
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| *'''781:''' Thomas: Thomas steht in enger Verbindung mit Karl dem Großen. Bereits vor 781 krönt er Karl im Dom von Monza zum König der Franken und salbt dessen Söhne Pippin und Ludwig zu Fürsten. Am 2. Juni 781 bittet Karl der Große, noch nicht als Kaiser gekrönt, Thomas darum, seine Tochter Gisela zu taufen. Karl nimmt persönlich an dieser Tauffeier teil, was die hohe Wertschätzung zeigt, die er dem Erzbischof von Mailand entgegenbringt. Im Gegenzug erkennt Karl der Große den Bischöfen von Mailand das Vorrecht zu, künftige fränkische Könige zu krönen. Dadurch gewinnt der mailändische Episkopat ein dauerhaftes politisch‑zeremonielles Gewicht im fränkischen Herrschaftsgebiet.
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| *'''782:''' Tassilo: 782 gründet Tassilo das Kloster Frauenchiemsee, das auf einer Insel im Chiemsee liegt und die Christianisierung und Erschließung des Raums fördert.
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| *'''784:''' Willibald: Am 25. März 784 beurkundet Willibald eine Schenkung der Äbtissin Emhilt von Milz an das Kloster Fulda.
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| *'''784:''' Arbeo stirbt am 4. Mai und wird in Freising beigesetzt. Sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 4. Mai und in Freising ist ihm die Aribostraße gewidmet. [http://de.wikipedia.org/wiki/Atto_von_Freising '''Bischof Atto (Freising, 783/784–810/811)''']
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| *'''784:''' Virgil: Nach fast vier Jahrzehnten im Bischofsamt stirbt Virgil am 27. November 784 in Salzburg und wird im Dom bestattet. Am 11. Februar 1181 stößt Erzbischof Konrad III. beim Bau des romanischen Doms auf ein vermauertes Grab, in dem sich Virgils Gebeine mit Bild und Inschrift befinden. Am 18. bzw. 10. Juni 1233 wird Virgil offiziell heiliggesprochen, und 1288 erhält er einen Altar im Salzburger Dom, über dem seine Gebeine neu beigesetzt werden. Seitdem verehrt man ihn als Diözesanpatron, feiert sein Gedächtnis vor allem am 27. November und stellt ihn meist als Bischof mit Kirchen- oder Dommodell dar.
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| *'''785:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Arn_von_Salzburg '''Bischof Arn von (Salzburg 785–798), Erzbischof Arn (Salzburg, 798-821)'''] 785 beruft Tassilo III. ihn als Nachfolger Virgils zum Bischof von Salzburg; am 11. Juni 785 empfängt er die Bischofsweihe. Arn wirkt gleichzeitig als Abt des Klosters Sankt Peter in Salzburg. Er entsendet einen Missionspriester namens Ingo mit 13 weiteren Priestern nach Karantanien, die dort von 785 bis 798 wirken. Arn fördert in Salzburg und im Kloster Saint-Amand Wissenschaft und Kunst. Er pflegt enge Freundschaften mit den Gelehrten Alkuin und Angilbert. Arn lässt in Salzburg eine Bibliothek anlegen und gibt die Aufzeichnung der Geschichte Salzburgs in den Annales Juvavenses maximi in Auftrag.
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| *'''786:''' Willibald: Am 8. Oktober 786 überträgt er weitere Besitztümer an das Kloster Fulda und stiftet für sich ein Totengedächtnis. Heinrich Wagner sieht darin ein starkes Indiz, dass der im Fuldaer Totenannalen des Jahres 788 genannte Bischof „Pacificus“ mit Bischof Willibald von Eichstätt identisch ist.
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| *'''787:''' Tassilo: 787 degradiert Karl den Großen Tassilo aus politischen Gründen zum Lehnsmann, wobei als Vorwürfe insbesondere das Bündnis mit den Langobarden zur Sicherung bayerischer Eigenständigkeit und später angebliche Verhandlungen mit den Awaren genannt werden.
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| *'''787:''' Am 7. Juli 787 oder 788 stirbt Willibald hochbetagt in Eichstätt und wird im Chor seines Domes bestattet; sein Nachfolger im Bischofsamt ist Gero/Gerhoh/Gerbo. Am 22. April 989 erhebt Bischof Reginold seine Gebeine, womit Willibald heiliggesprochen ist, und bestattet sie in einer westlich des Domes gelegenen neuen Außenkrypta. 1256 erfolgt unter Bischof Heinrich IV. eine Umbettung seiner Reliquien in das Schiff des Domes, 1269 die Bestattung in einem steinernen Schrein im Westchor, und 1745 werden die Reliquien erneut umgesetzt; seit der 1000-Jahr-Feier des Bistums 1745 ruhen sie in einem Glaskasten in einem Marmor-Hochsarkophag im Willibaldchor. 1514 schafft der Bildhauer Loy Hering eine Statue Willibalds vor dem Altar zum Mittelschiff des Domes hin. Über Jahrhunderte bleibt die Verehrung Willibalds im Unterschied zu Walburga im Wesentlichen auf seine Diözese beschränkt, und in der Kunst erscheinen als seine Attribute vor allem Bischofsstab, Buch (Regel Benedikts) und das erst später aufkommende Rationale. Im Spätmittelalter, in Zeiten von Seuchen und Hungersnöten, wird Willibald zusammen mit Walburga als Schutzheiliger neu entdeckt, und es entstehen zahlreiche ihm geweihte Wallfahrtskirchen und -kapellen. Seit 1712 findet bei der Wallfahrtskirche St. Willibald in Jesenwang jährlich der Willibald-Ritt mit Pferdesegnung statt, der an die nach Fürbitte Willibalds abgewendete Tierseuche erinnern soll; hier gilt er als Viehpatron. Darüber hinaus trägt eine Reihe von Gebäuden und Einrichtungen seinen Namen, darunter Willibaldsburg, Willibaldsbrunnen, das Willibald-Gymnasium und das Collegium Willibaldinum, und der Sedisvakanztaler des Bistums Eichstätt zeigt Willibald mit Walburga als Schutzpatrone auf den Wolken.
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| *'''787:''' Arn: 787 reist Arn nach Rom zu Papst Hadrian I. und versucht dort, zugunsten Herzog Tassilos zu vermitteln.
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| *'''788:''' Tassilo: Um 788 werden Kloster Münchsmünster und das Stift Niedermünster gegründet oder neu geordnet, was zeitlich bereits in die Phase seines politischen Niedergangs fällt. - 788 stellt Karl Tassilo in der Ingelheimer Pfalz in einem lehnsrechtlichen Prozess wegen der angeblichen Pflichtverletzung von 763 und wegen Hochverrats durch Kontakte zu den Awaren vor Gericht; anwesend sind auch seine eigenen Landsleute. Tassilo wird zunächst zum Tod verurteilt, dann begnadigt und endgültig in die Abtei Jumièges verbannt, was Karl ein gesichertes Aufmarschgebiet gegen die Awaren verschafft. Beweise für eine tatsächliche Schuld Tassilos lassen sich nicht erbringen; der Prozess erscheint als politisch motiviertes Instrument zur Ausschaltung eines mächtigen Verwandten.
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| *'''788:''' 788 kommt es in Ingelheim zum Sturz und zur Verurteilung Tassilos, die Arn nicht verhindern kann. Nach dem Sturz des Herzogs wird Arn ein Freund und Vertrauter Karls des Großen. Nach 788 lässt Arn die Notitia Arnonis anfertigen, ein Verzeichnis der Besitztümer Salzburgs, das Karl der Große 790 bestätigt.
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| *'''789:''' Simpert: Zwischen 789 und 792 ist ein „Sintpert“ als Abt des Klosters Murbach im Elsass bezeugt; wegen Namensgleichheit und der wenigen gleichnamigen Bischöfe gilt es als relativ wahrscheinlich, dass es sich um denselben Simpert von Augsburg handelt. Ab 789 übt Simpert angeblich gleichzeitig das Amt des Bischofs von Neuburg‑Staffelsee aus, und ein päpstliches Schreiben vom 11. April 800 bezeichnet ihn ausdrücklich als „Bischof von Staffelsee“. Er soll zudem Abt des Klosters Staffelsee auf der Insel Wörth sein, auch wenn zur Geschichte dieses Bistums nur wenige Dokumente erhalten sind.
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| *'''791:''' Tassilo: Karl der Große hält sich in den Wintern 791 bis 793 in der ehemaligen bayerischen Herzogsstadt Regensburg auf, um die Eingliederung Baierns in das Fränkische Reich zu sichern und seine Herrschaft vor Ort zu festigen. Als Nachfolger in der bayerischen Herrschaft setzt er seinen Schwager Gerold, einen fränkisch-alamannischen Grafen und Bruder seiner dritten Ehefrau Hildegard, als Präfekten ein (Die Abtei Corbie im Tal der Somme (heutiges Frankreich) gehörte im Jahr 774 zum Bistum Amiens)
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| *'''791:''' Arn: Seit 791 wirkt Arn als einer von zwölf erwählten Gesandten des Königs (missi dominici, Königsboten).
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| *'''791:''' Im August 791 bricht Simpert gemeinsam mit dem König Karl dem Großen, dem Bischof von Metz, Angilram, und dem Bischof von Freising, Atto, von Regensburg auf einen Feldzug gegen die Awaren auf. Damit nimmt er aktiv an einem militärischen Unternehmen teil, obwohl er von zeitgenössischen Quellen als friedliebend charakterisiert wird, was die enge Verbindung von geistlichem Amt und politisch‑militärischer Verantwortung in dieser Epoche zeigt. Auf diesem Feldzug findet Simpert am 29. September 791 den Tod, vermutlich im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen gegen die Awaren. Mit seinem Tod endet seine Amtszeit als Bischof von Regensburg, die von 768 bis 791 dauert, und auf ihn folgt Adalwin als neuer Bischof. Simpert hinterlässt das Bild eines hochadeligen Bischofs, der zwischen der Politik Tassilos III. und der Machtpolitik Karls des Großen steht und dennoch als friedfertige Gestalt in die Geschichte des Bistums Regensburg eingeht. [http://de.wikipedia.org/wiki/Adalwin_(Regensburg) '''Bischof Adalwin (Regensburg, 791–816)''']
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| *'''794:''' Tassilo: 794 holt man Tassilo, inzwischen Mönch, noch einmal aus der Klosterzelle und führt ihn vor die Reichssynode in Frankfurt am Main. Dort muss er erneut öffentlich Reue bekennen und für sich sowie seine Nachkommen auf alle Rechte am Herzogtum Baiern verzichten, was dem Urteil von 788 nachträglich einen Anschein von Rechtmäßigkeit gibt. (Die Abtei Corbie im Tal der Somme (heutiges Frankreich) gehörte im Jahr 774 zum Bistum Amiens)
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| *'''796:''' Tassilo: Die Lebensdaten Tassilos werden auf die Spanne von etwa 741 bis zum 11. Dezember 796 geschätzt; sowohl Todesjahr als auch Todesort sind jedoch unsicher. Wahrscheinlich verbringt er seine letzten Jahre als einfacher Mönch im Kloster Lorsch, wo ihm eine Grabinschrift den Weg vom Herrscher über den König zum Mönch zuschreibt. 1709 kommt seine Lebensgeschichte in der Oper „Tassilone“ von Agostino Steffani auf die Bühne und macht ihn zum Gegenstand barocker Geschichtsdarstellung. Später erinnern die Tassilolinde in Wessobrunn, die Tassiloquelle in Bad Hall, mehrere Schulen, Straßen und seit 1999 der Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung an seinen Namen. In der Überlieferung gilt Tassilo als Seliger, und sein Gedenktag ist der 11. Dezember, obwohl keine formelle Heiligsprechung erfolgt ist. (Die Abtei Corbie im Tal der Somme (heutiges Frankreich) gehörte im Jahr 774 zum Bistum Amiens)
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| *'''797:''' Arn: 797 reist Arn im Auftrag des Frankenkönigs nach Rom zu Papst Leo III.
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| *'''798:''' Arn: Am 20. April 798 erreicht er die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum; er selbst wird erster Erzbischof der neuen Erzdiözese. Der neuen Kirchenprovinz unterstehen als Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben.
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| *'''799:''' Arn: 799 begleitet Arn Papst Leo III., der vor seinen Gegnern zu Karl dem Großen geflohen ist, zurück nach Rom.
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| *'''799:''' Simpert: Im Jahr 799 nimmt Simpert als persönlicher Beauftragter Karls des Großen an der Provinzialsynode in Reisbach in Niederbayern teil. Auf dieser Synode diskutieren die Anwesenden unter anderem rechtliche Fragen des Klerus sowie die Teilnahme von Laien am Gottesdienst. In dieser Zeit wächst Simperts Ansehen, sodass er in Kirche und Reichspolitik als wichtige Persönlichkeit gilt.
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| *'''800:''' Arn: Am 25. Dezember 800 ist Arn bei der Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom anwesend.
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| *'''802:''' Simpert: Um 802 integriert Simpert das Bistum Neuburg‑Staffelsee in das Bistum Augsburg, das dadurch territorial und institutionell gestärkt wird. Unter seiner Amtsführung wird der Augsburger Dom vollendet und geweiht, was die religiöse Bedeutung der Stadt sichtbar erhöht. Simpert bestattet als Bischof den Abt Waldram des Klosters Benediktbeuern und weiht Eliland zu dessen Nachfolger. Er kümmert sich ebenso um das Gedeihen des Klosters Sankt Mang in Füssen und fördert so das monastische Leben im süddeutschen Raum. In den Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Franken wird Augsburg schwer in Mitleidenschaft gezogen, und Simpert trägt viel zum Wiederaufbau der Stadt bei. Er gilt in dieser Phase vermutlich als enger Vertrauter Karls des Großen, während Augsburg unter dessen Herrschaft massiv gefördert wird.
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| *'''807:''' Simpert: Simpert stirbt an einem 13. Oktober, vermutlich im Jahr 807, in Augsburg, nachdem er von 778 bis 807 als Bischof von Augsburg wirkt. Sein offizielles Sterbedatum wird später mit „13. Oktober 807“ angegeben, obwohl die Jahreszahl ursprünglich nicht sicher überliefert ist. Seit 1492 ruhen seine Reliquien in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg, nachdem Abt Konrad Mörlin sich nachhaltig für die Überführung eingesetzt und den Kult des Heiligen gefördert hat. In dieser Kirche entsteht später ein barockes Grabdenkmal Simperts, das dem Bildhauer Johann Jakob Herkomer (1652–1717) zugeschrieben wird. Der Gedenktag Simperts ist der 13. Oktober, der sich an seinem Sterbetag orientiert. Er ist dritter Schutzpatron von Stadt und Bistum Augsburg neben Ulrich und Afra.
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| *'''809:''' Arn: Er nimmt 809 am Konzil von Aachen teil und formuliert dort Beschlüsse, die Kaiser Karl annimmt und an den Papst weiterleitet.
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| *'''821:''' Arn stirbt am 24. Januar 821 in Salzburg. Die römisch-katholische Kirche verehrt ihn als Seligen; sein Gedenktag ist der 24. Januar.
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| *'''822:''' Eigil stirbt 822 hochbetagt im Kreis seiner Brüder im Kloster Fulda, wahrscheinlich am 15. Juni oder alternativ am 6. August. Sein Sterbeort ist Fulda. Sein Grab befindet sich in der als Abtsgrablege konzipierten Krypta der von ihm in Auftrag gegebenen Michaelskirche. Der Überlieferung nach gräbt Eigil dieses Grab nach dem Vorbild Benedikts von Nursia mit eigenen Händen. Um 840 verfasst der Fuldaer Mönch Brun Candidus eine Biographie Eigils. Dieses Werk entsteht als opus geminum in zwei Büchern, eines in Prosa (Buch I) und eines in Versen (Buch II). Der katholische Gedenktag Eigils ist am 15. Juni.
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| *'''zuletzt 772'''
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| Herzogzum Mailand | | Herzogzum Mailand |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Hrodgaud Herzog Hrodgaud (774-776)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Hrodgaud Herzog Hrodgaud (774-776)] <br /> |
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| *'''776:''' Hrodgaud: Im Jahr 776 geht Hrodgaud offen in die Offensive: Er beansprucht die langobardische Krone für sich und stellt sich damit direkt gegen Karl den Großen. Mehrere Städte schließen sich seinem Aufstand an, darunter Treviso, wo sein Schwiegervater Stabilinius eine bedeutende Stellung innehat und Hrodgauds Anspruch aktiv unterstützt. In Friaul und den verbündeten Städten formiert sich eine Widerstandsbewegung, die das Ziel verfolgt, die fränkische Oberherrschaft abzuschütteln und ein eigenständiges langobardisches Königtum zu erneuern. Karl der Große reagiert mit Eilmärschen nach Italien, führt sein Heer zügig nach Süden und trifft militärisch entschlossen auf Hrodgauds Aufstand. Der Aufstand bricht rasch zusammen, Hrodgaud wird in den Kämpfen besiegt und getötet, und mit seinem Tod erlischt das Herzogtum Friaul als langobardische Institution. An seiner Stelle entsteht nun eine fränkische Markgrafschaft, die das Gebiet enger an das Karolingerreich bindet, militärisch stärker kontrolliert und den Übergang von langobardischer zu karolingischer Herrschaftsordnung abschließt.bert der Frankenkönig Karl I. (Karl der Große) das Langobardenreich und setzt Hrodgaud als neuen Herzog von Friaul ein.
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| *'''803:''' ehemaliger Herzog Anselm: Am 3. März 803 stirbt der Abt [http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Nonantola Anselm] in seinem Kloster Nonantola. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger und als Schutzpatron der Stadt Nonantola verehrt, sein Gedenktag ist der 3. März
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| *'''Zuletzt 774'''
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| Herzogtum Spoleto | | Herzogtum Spoleto |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Hildeprand_of_Spoleto Herzog Hildeprand (774–789)] <br />Papst Hadrian behauptet, Hildeprand schließe sich einer Verschwörung von Hrodgaud von Friaul und Arechis II. von Benevent an. Für eine tatsächliche Beteiligung Hildeprands an dieser Verschwörung gibt es jedoch keine Belege. Von diesem Zeitpunkt an bleibt Hildeprand ein entschiedener Gegner des Papsttums. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Hildeprand_of_Spoleto Herzog Hildeprand (774–789)] <br />Papst Hadrian behauptet, Hildeprand schließe sich einer Verschwörung von Hrodgaud von Friaul und Arechis II. von Benevent an. Für eine tatsächliche Beteiligung Hildeprands an dieser Verschwörung gibt es jedoch keine Belege. Von diesem Zeitpunkt an bleibt Hildeprand ein entschiedener Gegner des Papsttums. |
| *[[776#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] | | *[[776#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Herzogtum Spoleto]] |
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| *'''776:''' Im Januar 776 tritt Hildeprand als „Hildeprandus gloriosus et summus dux ducatus Spoletani“ auf und macht eine Schenkung an die Abtei Farfa. Er datiert diese Schenkung nach dem Regierungsjahr Karls, was seine Ausrichtung auf die fränkische Königsherrschaft erkennen lässt. Der Streit um die Lehnshoheit über Spoleto entwickelt sich in den folgenden Jahren weiter und löst sich zugunsten der Franken.
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| *'''777:''' Im Jahr 777 setzt Hildeprand die Datierung seiner Urkunden nach der Herrschaft Karls fort. Die Formulierungen seiner Urkunden schließen nun implizit die päpstliche Oberhoheit aus und unterstreichen seine Orientierung auf die fränkische Königsmacht.
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| *'''779:''' Im Jahr 779 reist Hildeprand nach Virciniacum, dem heutigen Verzenay, vermutlich in der Nähe von Compiègne. Dort bekennt er gegenüber Karl dem Großen seine Treue. Er bringt Geschenke mit und erhält im Gegenzug Zusagen, dass der König seine Interessen gegenüber denen des Papstes schützen wird.
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| *'''788:''' Im Jahr 788 schließt sich Hildeprand fränkischen und langobardischen Truppen an, um einem byzantinischen Einfall Widerstand zu leisten. In diesem militärischen Zusammenhang steht er klar auf der Seite der fränkisch‑langobardischen Kräfte gegen die Byzantiner.
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| *'''789:''' Im Jahr 789 endet Hildeprands Leben; er stirbt als Herzog von Spoleto. Nach seinem Tod setzt man einen vom König ernannten Nachfolger ein, einen Franken namens Winiges. Damit geht das Herzogtum Spoleto in die Hand eines königlichen Amtsherzogs fränkischer Herkunft über. [https://en.wikipedia.org/wiki/Winigis '''Herzog Winigis (789–822)''']
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| *'''zuletzt 774'''
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| Herzogtum Benevent | | Herzogtum Benevent |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Arichis_II. Herzog Arichis II. (758–787)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Arichis_II. Herzog Arichis II. (758–787)] <br /> |
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| *'''787:''' Arichis: Nach 780 verschärft sich die politische Lage in Italien durch die fränkisch‑byzantinische Annäherung, sodass Arichis II. eine vorsichtige Politik gegenüber Papst Hadrian I. und Karl dem Großen betreibt. Er lässt in Salerno einen Palast errichten und verstärkt die Befestigungen der Stadt, um dort einen stark gesicherten Zweitsitz beziehungsweise Rückzugsort zu haben, der näher an der Küste und der byzantinischen Einflusssphäre liegt. Um 787 greift er das byzantinische Kastell Amalfi an, zieht sich jedoch zurück, als Hilfstruppen aus Neapel eintreffen, und schließt Frieden, womit er zeigt, dass er zwar offensiv agiert, aber direkte Konfrontationen mit der byzantinisch‑neapolitanischen Allianz meidet. Im Jahr 787 entsendet Arichis II. seinen Sohn Romuald mit Geschenken zu Karl den Großen, der sich in Rom aufhält, um seine Bündnistreue zu den Franken zu bekräftigen und eine Eskalation zu verhindern. Karl nimmt jedoch Romuald, wahrscheinlich auf Betreiben Papst Hadrians I., als Geisel, marschiert mit seinem Heer nach Süden und zieht nach Capua in das Gebiet von Benevent, während sich Arichis II. in das stark befestigte Salerno zurückzieht. Unter diesem Druck schickt Arichis seinen Sohn Grimoald zu Karl dem Großen und handelt einen Friedensvertrag aus, der einen persönlichen Treueid und einen jährlichen Tribut von 7000 solidi vorsieht und außerdem die Abtretung der Städte Arce, Aquino, Arpino, Sora, Teano und Capua an den Kirchenstaat verlangt, um einen Korridor zwischen Rom und Neapel zu schaffen. Grimoald III. folgt als Geisel seines Vaters Karl dem Großen ins Frankenreich, während Romuald freigelassen wird und damit in Benevent verbleiben kann. Inzwischen endet die fränkisch‑byzantinische Allianz, und Arichis II. nutzt die neue Lage, indem er die vereinbarte Abtretung der Städte an den Papst nicht ausführt und stattdessen offenbar ein Bündnis mit Byzanz und seinem im Exil lebenden Schwager Adelchis anstrebt. Auf diese Weise versucht er, zwischen den Großmächten zu manövrieren und die territoriale Integrität seines Fürstentums zu bewahren, obwohl sein Sohn weiterhin als Geisel im Frankenreich festgehalten wird. Am 26. August 787 stirbt Arichis II. in Salerno, kurz bevor eine Gesandtschaft der Kaiserin Irene eintrifft, die ihm den Titel eines Patrikios verleihen soll, was seine Stellung im byzantinischen Herrschaftsverständnis zusätzlich erhöht hätte. Er wird in der Kathedrale von Salerno bestattet, was die Bedeutung dieser Stadt als zweitem Machtzentrum bestätigt. Solange Karl der Große zögert, Grimoald III. aus der fränkischen Geiselhaft nach Benevent zu entlassen, übernimmt Adelperga für einige Monate die Regentschaft, bis Grimoald III. schließlich als Herzog von Benevent und Salerno nachfolgt und die von Arichis II. geschaffene prinzliche Herrschaft fortsetzt.
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| *[[788#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 788]]
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| *'''788:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Grimoald_III. '''Herzog Grimoald III. (788-806)''']
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| *'''Zuletzt 774'''
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| ==SPANIEN== | | ==SPANIEN== |
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| '''Königreich Asturien''' | | '''Königreich Asturien''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Silo_(Asturien) '''König Silo (774–783)'''] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Silo_(Asturien) König Silo (774–783)] <br /> |
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| *'''783:''' Im Jahr 783 stirbt Silo in Pravia und wird in der von ihm zu Lebzeiten gestifteten Kirche des heiligen Johannes des Apostels und Evangelisten in Santianes de Pravia bestattet, während die Primera Crónica General seine Herrschaftsdauer als acht Jahre angibt. Adosinda erreicht vor seinem Tod zunächst die Wahl ihres Neffen Alfons II. zum König, doch eine anschließende Erhebung führt Mauregato, einen unehelichen Sohn Alfons’ I. mit einer Sklavin galicischer Herkunft, auf den Thron und vereitelt so dauerhaft die von Silo und seiner Frau gewünschte Nachfolge. Im November 785 tritt die verwitwete Adosinda in Pravia in ein Kloster ein, das Silo selbst gegründet hatte, sodass sich sein politisches und religiöses Wirken in der Fortexistenz der Residenz Pravia und der dortigen monastischen Gemeinschaft fortsetzt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Mauregato_(Asturien) '''König Mauregato (783–788)''']
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| *[[788#SPANIEN | Fortsetzung 788]]
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| *'''zuletzt 768'''
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| ==KIRCHENSTAAT== | | ==KIRCHENSTAAT== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Hadrian_I. Papst Hadrian I. (772–795)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Hadrian_I. Papst Hadrian I. (772–795)] <br /> |
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| *'''787:''' Hadrian: Im Jahr 787 führt Hadrian militärische Unternehmungen zur Sicherung und Ausweitung des Kirchenstaates. Seine Truppen erobern Terracina, das zuvor zum byzantinischen Dukat Neapel gehört, wodurch sich der Papst erstmals aktiv in einen offensiven Krieg um territoriale Gewinne begibt. Dieser Angriffskrieg markiert einen Wendepunkt, denn die päpstliche Macht tritt nun nicht nur defensiv, sondern auch offensiv als territorialer Akteur auf. Hadrian festigt mit der Einnahme Terracinas die Position des Kirchenstaates im Süden und unterstreicht seinen Anspruch, eigenständig über die Grenzen des päpstlichen Territoriums zu bestimmen.
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| *[[788#KIRCHENSTAAT | Fortsetzung 788]]
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| *'''788:''' Hadrian: Im Jahr 788 setzt Hadrian seine Zusammenarbeit mit Karl dem Großen fort und beteiligt sich an der kirchlichen Neuordnung des Frankenreichs. In diesem Zusammenhang verleiht er Bischöfen im Reich das Pallium, das als Zeichen der metropolitanen Würde und enger Verbundenheit mit dem römischen Stuhl gilt. Durch solche Maßnahmen stärkt Hadrian die kirchliche Hierarchie und die Bindung wichtiger Bistümer an die römische Kirche. Zugleich verbessert er weiterhin die innere Verwaltung des Kirchenstaates, sodass Ordnung und Autorität der päpstlichen Institution gefestigt sind.
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| *'''795:''' Hadrian: Im Jahr 795 setzt Hadrian seine Politik der kirchlichen und territorialen Konsolidierung bis kurz vor seinem Tod fort. Auf Bitten Karls des Großen erhebt er in diesem Jahr das Bistum Köln zum Erzbistum, wodurch Köln zur kirchlichen Metropole mit Aufsicht über mehrere Suffraganbistümer im fränkischen Raum wird. Diese Entscheidung stärkt die kirchliche Organisation nördlich der Alpen und verdeutlicht, wie sehr Hadrian die fränkische Kirche als Teil eines größeren, von Rom geführten christlichen Gemeinwesens versteht. Am 25. Dezember 795 stirbt Hadrian in Rom im hohen Alter, nachdem er den Stuhl Petri fast 24 Jahre innegehabt hat, womit sein Pontifikat bis in die Neuzeit hinein eines der längsten der Papstgeschichte bleibt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_III._(Papst) Papst Leo III. (795–816)''']
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| *'''zuletzt 774'''
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| ==REPUBLIK VENEDIG== | | ==REPUBLIK VENEDIG== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Galbaio Doge Maurizio Galbaio (764–797)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Galbaio Doge Maurizio Galbaio (764–797)] <br /> |
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| *'''785:''' Um 785 erhebt Maurizio seinen Sohn Johannes zum Mitdogen, was die großen Familien in Venedig in Opposition bringt und als bedeutende Verfassungsänderung erscheint. Einige Jahre später wird sogar der Enkel Maurizio (II.) zum Mitdogen erhoben, was den Charakter des Amtes endgültig in Richtung einer quasi-dynastischen Herrschaft verschiebt. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche und politische Druck des Frankenreichs, das 787/788 Istrien besetzt und damit den Patriarchen von Grado erneut Teile seines Jurisdiktionsgebietes verlieren lässt.
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| *[[797#REPUBLIK_VENEDIG | Fortsetzung 797]]
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| *'''797:''' Nach langer Regierungszeit stirbt Maurizio eines natürlichen Todes, anders als mehrere seiner Vorgänger. Die moderne Forschung datiert seinen Tod auf das Jahr 797, während die venezianische Tradition lange 787 als Ende seiner Herrschaft angibt. Er hinterlässt zwei Töchter, Agata und Suria, und seinen Sohn und Mitdogen Johannes, der ihm im Dogenamt folgt und die durch Maurizio geschaffene Machtkonstellation weiterführt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Galbaio '''Doge Giovanni Galbaio (797–803)''']
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| *'''zuletzt 774'''
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| ==ERSTES BULGARISCHES REICH== | | ==ERSTES BULGARISCHES REICH== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Telerig Knjas Telerig (768–777)] <br />Konstantin V. unternimmt einen weiteren Feldzug gegen Bulgarien, stirbt jedoch im Verlauf des Unternehmens. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Telerig Knjas Telerig (768–777)] <br />Konstantin V. unternimmt einen weiteren Feldzug gegen Bulgarien, stirbt jedoch im Verlauf des Unternehmens. |
| *[[776#ERSTES_BULGARISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] | | *[[776#ERSTES_BULGARISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Erstes Bulgarisches Reich]] |
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| *'''776:''' Im Jahr 776 hat sich Telerig offenbar von seinen Niederlagen erholt, denn er schickt 20 000 Mann gegen Thessaloniki. Als die Bulgaren von der Entsendung einer starken kaiserlichen Flotte hören, brechen sie das Unternehmen ab und ziehen sich zurück.
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| *[[777#ERSTES_BULGARISCHES_REICH | Fortsetzung 777]]
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| *'''777:''' Im Jahr 777 täuscht Telerig den byzantinischen Kaiser Leo IV., indem er ihm mitteilt, er wolle nach Konstantinopel fliehen und bitte um Auskunft über die heimlichen bulgarischen Anhänger im Kaiserreich, auf deren Unterstützung er zählen könne. Leo IV. glaubt ihm, offenbart die Namen der im Reich lebenden bulgarischen Sympathisanten, und Telerig lässt alle diese Personen in Bulgarien töten. Trotz dieses scheinbaren Erfolgs sieht Telerig sich 777 gezwungen, tatsächlich zu Leo IV. zu fliehen. Die byzantinische Regierung gewährt ihm Asyl und verleiht ihm den Titel eines Patrikios, Telerig lässt sich taufen, nimmt den Namen Theophylaktos an und heiratet eine Cousine der Kaiserin Irene von Athen [http://de.wikipedia.org/wiki/Kardam_(Bulgarien) '''Knjas Kardam (777–803)''']
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| *'''Zuletzt 774'''
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| ==BYZANTINISCHES REICH== | | ==BYZANTINISCHES REICH== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Grado Patriarch Johannes (Grado, 766–802)] <br />Mit der Wahl Papst Hadrians I. ändert sich die Lage insofern, als der neue Papst im Oktober die Bemühungen des Patriarchen Johannes dem Frankenkönig Karl dem Großen offiziell zur Kenntnis bringt. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Grado Patriarch Johannes (Grado, 766–802)] <br />Mit der Wahl Papst Hadrians I. ändert sich die Lage insofern, als der neue Papst im Oktober die Bemühungen des Patriarchen Johannes dem Frankenkönig Karl dem Großen offiziell zur Kenntnis bringt. |
| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Niketas_I._(Konstantinopel) Patriarch Niketas I. (Konstantinopel, 766–780)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Niketas_I._(Konstantinopel) Patriarch Niketas I. (Konstantinopel, 766–780)] <br /> |
| *[[776#BYZANTINISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] | | *[[776#BYZANTINISCHES_REICH | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Byzantinisches Reich]] |
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| *'''776:''' Leo: Im Jahr 776 erhebt Leo seinen Sohn Konstantin zum Caesar und bestimmt ihn damit zu seinem Nachfolger. Kurz danach wird eine Verschwörung der Halbbrüder Nikephoros und Christophoros gegen Leo aufgedeckt; trotz einer öffentlichen Meinung, die ihre Hinrichtung fordert, begnadigt Leo sie, verbannt aber mehrere andere Verschwörer nach Cherson. Im selben Zeitraum, 776–777, sucht Khan Telerig von Bulgarien Zuflucht in Konstantinopel, wird in Anwesenheit Leos getauft und heiratet eine Verwandte der Kaiserin Irene von Athen, was die engen Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und den Bulgaren während der Herrschaft Leos zeigt. In den Jahren 776–777 setzt Leo die Umsiedlungspolitik seines Vaters fort, indem er Gefangene aus Städten an der arabischen Grenze – Germanikeia, Melitene und Theodosioupolis – in neu errichtete Militärlager oder Festungen (castra) in Thrakien umsiedelt. Im Jahr 776 beginnt Kalif al-Mahdi, der von 775 bis 785 regiert, einen Einfall der Abbasiden in das Byzantinische Reich und nimmt selbst daran teil.
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| *[[778#BYZANTINISCHES_REICH | Fortsetzung 778]]
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| *'''778:''' Leo: Im Jahr 778 reagiert das Byzantinische Reich mit einem Einfall in Syrien, an dem die Heere mehrerer Themen beteiligt sind: das Opsikion-Thema unter Gregorios, das Anatolikon-Thema unter Artabasdos, das Armeniakon-Thema unter Karisterotzes, das Bukellarier-Thema unter Tatzates und das Thrakesier-Thema unter Michael Lachanodrakon, dem bevorzugten Feldherrn der isaurischen Dynastie. Michael Lachanodrakon belagert Germanikeia eine Zeitlang, hebt die Belagerung dann – nach Theophanes dem Bekenner wird er dazu bestochen – auf, beginnt das Umland zu plündern und deportiert viele jakobitische Christen nach Thrakien. Die Abbasiden greifen Lachanodrakon während seiner Raubzüge an, werden aber von mehreren byzantinischen Heeren entscheidend geschlagen. Die byzantinischen Feldherren, die in dieser Schlacht Truppen geführt haben, erhalten bei ihrer Rückkehr nach Konstantinopel einen triumphalen Einzug.
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| *'''779:''' Leo: Im Jahr 779 wehrt Leo einen Angriff der Abbasiden auf Kleinasien erfolgreich ab.
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| *'''780:''' Leo: Am 8. September 780 stirbt Leo infolge eines heftigen Fiebers, das auf seine Tuberkulose zurückzuführen ist. Der neunjährige Konstantin VI. wird neuer Kaiser, während Irene als seine Regentin fungiert.
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| *'''780:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) Regentin Irene (780-790)] 780 stirbt Leo IV. überraschend, Konstantin VI. wird als Kind zum Kaiser ausgerufen, und Irene übernimmt als seine Mutter die Regentschaft. Noch 780 scheitert der Versuch des Logotheten Nikephoros, den Thron an sich zu reißen, und Irene lässt ihn scheren und in ein Kloster bringen.
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| *'''780:''' Niketas: Gegen Ende der 770er Jahre nähert sich das Wirken von Niketas seinem Abschluss. Er bleibt Patriarch von Konstantinopel bis zu seinem Tod im Jahr 780 und steht damit bis zuletzt an der Spitze der Kirche während der ersten ikonoklastischen Phase. Als byzantinischer Eunuch und Kirchenfürst des 8. Jahrhunderts gilt er in der Rückschau als typische Figur der Epoche, in der kaiserliche Religionspolitik und kirchliche Leitung eng miteinander verflochten sind. Seine Amtszeit verbindet entschlossene ikonoklastische Durchsetzung, Teilnahme an der Demütigung eines Vorgängers und anschließende Mitwirkung an einer Phase relativer Entspannung, wodurch er zu einer ambivalenten Gestalt der byzantinischen Kirchengeschichte wird. [http://de.wikipedia.org/wiki/Paulos_IV._(Konstantinopel) '''Patriarch Paulos IV. (780–784)''']
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| *'''781:''' Irene: 781 versucht der Stratēge Elpidios, sich in Sizilien zum Kaiser zu erheben; Irene lässt ihn absetzen und fliehen, und er schließt sich den Arabern an. 781/782 bricht Irene Verhandlungen über eine Heirat ihres Sohnes mit Rotrud, der Tochter Karls des Großen, ab, nachdem sie zunächst ein Verlöbnis eingeleitet hat.
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| *'''782:''' Irene: 782 führt Irene einen Feldzug gegen die Araber, der mit einer Niederlage der Byzantiner endet und sie zu einem Tributfrieden mit dem Kalifen Hārūn ar-Raschīd zwingt.
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| *'''783:''' Irene: 783 schickt sie den eunuchischen General Staurakios gegen Slawen und Bulgaren auf dem Balkan, wo dieser erfolgreich operiert und byzantinische Herrschaft festigt.
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| *'''784:''' Irene: 784 setzt Irene ihren Vertrauten Tarasios als Patriarchen von Konstantinopel ein, um die kirchliche Politik in ihrem Sinn zu lenken.
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| *'''784:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Tarasios '''Patriarch Tarasios (784–806)'''] Tarasios wird um 730 in Konstantinopel geboren und wächst dort als Sohn eines hochrangigen Richters in einer angesehenen Familie auf. Er hat einen älteren Bruder namens Sisinnios, der später bei einem Einfall in Kalabrien in den Jahren 788–789 gefangen genommen wird. Er schlägt zunächst eine weltliche Laufbahn ein, wird Senator und steigt schließlich zum kaiserlichen Sekretär (asekretis) für Kaiser Konstantin VI. und seine Mutter, die Kaiserin Irene von Athen, auf. Als Patriarch Paul IV. von Konstantinopel ins Kloster zurücktritt, empfiehlt dieser den Laienbeamten Tarasios als seinen Nachfolger. Tarasios zeigt eine ikonodulen Haltung und ist bereit, kaiserliche Anordnungen zu befolgen, solange sie dem Glauben nicht widersprechen, weshalb Irene ihn 784 zum Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel auswählt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch Laie ist. Er nimmt das Amt nur unter der Bedingung an, dass die Kircheneinheit mit Rom und den orientalischen Patriarchaten wiederhergestellt wird und ein Konzil zur Ikonoklastenfrage einberufen wird; dafür wird er zum Diakon, dann zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht. Vor seiner endgültigen Annahme des Patriarchenamtes fordert und erhält Tarasios das Versprechen, dass die Verehrung der Ikonen in der Kirche wiederhergestellt wird.
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| *'''785:''' Johannes: In dieser Phase arbeitet Johannes zunächst im Einverständnis mit dem venezianischen Dogen Johannes und dessen Sohn und Mitregenten Mauritius (II.), die die Politik des Patriarchen gegenüber Istrien und gegenüber den Langobarden unterstützen. Die wachsende Präsenz und der Druck der Karolinger im Raum der venezianischen Lagune führen jedoch dazu, dass sich dieses Einvernehmen langsam auflöst. Lokale kirchliche Magnaten und weltliche Eliten werden in das fränkische System einbezogen, manche profitieren davon und wenden sich von einer allzu engen Bindung an Grado ab. Gleichzeitig entstehen in den Inseln des Herzogtums Venedig neue kirchliche Ambitionen: Teile der insularen Gemeinschaft drängen auf die Errichtung zusätzlicher Bistümer und auf eine stärkere Selbstständigkeit von Grado. Johannes von Grado erkennt die Gefahr, dass neue Bischofssitze seine Metropolitangewalt weiter schwächen, und stellt sich diesen Plänen entgegen. Um 798 widersetzt er sich besonders deutlich dem Vorhaben seines Namensvetters im Dogenamt, einen jungen Griechen namens Cristoforo als Bischof des neu entstehenden Bistums Olivolo-Rialto einzusetzen. Die Situation spitzt sich seit dem Jahr 785 weiter zu, als auf Betreiben des Patriarchen alle venezianischen Kaufleute aus der Pentapolis – aus Rimini, Pesaro, Fano, Senigallia und Ancona – vertrieben werden. Diese Maßnahme gefährdet den Handel Venedigs in der Adria erheblich und verärgert die wirtschaftlich einflussreichen Kreise des Herzogtums, die dem Patriarchen fortan feindselig gegenüberstehen. Der Konflikt zwischen Grado und dem venezianischen Dogentum erhält damit eine deutliche wirtschaftliche Dimension, die die politischen Spannungen zusätzlich verschärft.
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| *'''787:''' Irene: 787 beruft sie das Zweite Konzil von Nicäa ein, auf dem die Verehrung von Ikonen wieder zugelassen und dogmatisch festgelegt wird, dass Ikonen geehrt, aber nicht angebetet werden dürfen. 787/788 verstärkt Irene ihren Einfluss am Hof und stützt sich auf eine Partei der Ikonodulen, während sie gleichzeitig aristokratische Gegner zurückdrängt. - Im Jahr 787 verwirft das Zweite Konzil von Nicäa das Konzil von Hiereia (754) und bezeichnet es als „Pseudosynode“. Die neuere Forschung, etwa von Leslie Brubaker sowie von Torsten Krannich, Christoph Schubert, Claudia Sode und Annette von Stockhausen, untersucht und bewertet die ikonoklastische Synode von Hiereia 754 im Kontext des byzantinischen Bilderstreits.
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| *'''787:''' Tarasios: Im Rahmen seiner Bemühungen um bessere Beziehungen zu Rom bewegt er Irene dazu, Papst Hadrian I. einzuladen, Gesandte zu einem neuen Konzil nach Konstantinopel zu schicken, das die Häresie verurteilen soll; nach einem gescheiterten Auftakt 786 in der Apostelkirche kommt das Konzil 787 in Nikaia erneut zusammen. Dieses Zweite Konzil von Nikaia verurteilt den Ikonoklasmus, billigt die Ikonenverehrung offiziell, und Tarasios führt anschließend eine gemäßigte Politik gegenüber ehemaligen Ikonoklasten, was ihm den Widerstand Theodoros des Studiten und seiner Anhänger einträgt.
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| *'''788:''' Irene: 788 löst sie die Verlobung Konstantins mit Rotrud endgültig und lässt für ihn eine neue Braut, Maria von Amnia, auswählen, um ihre außenpolitische Linie zu ändern.
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| *'''790:''' Irene: 790 erklärt Konstantin VI. seine Volljährigkeit und verlangt Alleinherrschaft; Irene versucht, ihre Regentschaft fortzuführen, was zu Unmut im Heer führt. 790 meutern armenische Truppen, rufen Konstantin zum alleinigen Basileus aus und zwingen Irene, ihre Ansprüche zeitweilig aufzugeben und sich aus der Politik zurückzuziehen.
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| *'''792:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) '''Mitkaiserin Irene (792-797), Kaiserin Irene (797-802)'''] 792 versöhnt sich Konstantin mit seiner Mutter, erhebt Irene wieder zur Mitkaiserin und setzt sie erneut an die Spitze der Regierungsgeschäfte. In den folgenden Jahren tritt Konstantin militärisch erfolglos gegen Bulgaren auf, was seinen Ruf im Heer weiter schwächt und Irenes Position stärkt.
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| *'''795:''' Irene: 795 verstößt Konstantin seine Gemahlin Maria von Amnia und heiratet Theodote, was einen Skandal auslöst und Teile von Klerus und Volk gegen ihn aufbringt. 795/796 nutzt Irene die Unzufriedenheit mit Konstantin, um ihre Anhänger im Palast und in der Verwaltung zu sammeln und einen Umsturz vorzubereiten.
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| *'''795:''' Tarasios: Etwa ein Jahrzehnt später gerät Tarasios in eine neue Auseinandersetzung, als Kaiser Konstantin VI. im Januar seine Frau Maria von Amnia verstößt und Tarasios diese Scheidung widerwillig hinnimmt. Viele Mönche empören sich darüber, und obwohl Tarasios sich weigert, der zweiten Eheschließung mit Theodote persönlich vorzustehen, wird ihm doch vorgeworfen, sie ermöglicht zu haben, sodass er schließlich unter starkem Druck von Theodoros dem Studiten den Priester exkommuniziert, der diese zweite Ehe geschlossen hat. In den folgenden Jahren dient Tarasios weiterhin loyal den aufeinanderfolgenden Herrschern Irene und Nikephoros I., wird aber wegen angeblicher Duldung von Simonie kritisiert. Seine Nachgiebigkeit gegenüber sehr unterschiedlichen Kaisern trägt jedoch dazu bei, dass er im Amt bleibt und bis zu seinem Tod am 25. Februar 806 Patriarch von Konstantinopel ist; spätere Ernennungen von Laien wie Nikephoros I. und Photios I. zu Patriarchen orientieren sich teilweise an seinem Beispiel.
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| *'''797:''' Irene: 797 lässt Irene eine Verschwörung gegen Konstantin durchführen; der Kaiser wird gefangen genommen, geblendet und stirbt später an den Folgen, wodurch Irene alleinige Herrscherin wird. Nach 797 lässt sie sich auf Münzen und Siegeln mit eigenen Titeln darstellen, meist als Basilissa oder Augusta, und verzichtet offiziell auf den männlichen Titel Basileus, auch wenn einige Quellen ihr die Form „Irene Basileus“ zuschreiben. Um 797 beginnt Irene, die Steuern zu senken, um Popularität bei Volk und Hauptstadtbevölkerung zu gewinnen, was jedoch die Finanzen des Reiches belastet. In den folgenden Jahren verschlechtern sich die Staatsfinanzen; Irene muss wertvolle Kirchenschätze und kaiserliche Güter veräußern, um Einnahmen zu erzielen. Zwischen ihren wichtigsten Höflingen, insbesondere Staurakios und Aëtios, entstehen heftige Rivalitäten um Einfluss, die die Regierungspolitik der Kaiserin schwächen. Einflussreiche Kreise des Hofes versuchen mehrmals, ihren Schwager Nikephoros, einen Sohn Konstantins V., auf den Thron zu bringen; Irene kann diese Pläne zunächst vereiteln.
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| *'''797:''' Johannes: Nach dem Tod des Dogen Mauritius I. im Jahr 797 führt dessen Sohn und Nachfolger Johannes die Auseinandersetzung mit dem Patriarchen Johannes von Grado konsequent fort. Die Ablehnung der Einsetzung des Griechen Cristoforo auf den Bischofssitz von Olivolo durch den Patriarchen gilt in Venedig als unzulässige Einmischung in die inneren Verhältnisse des Herzogtums. In einem Klima wachsenden fränkischen Drucks und innerer Spannungen zwischen Grado, dem Dogen und den Laguneninseln kulminiert der Konflikt nun in Gewalt. Der neue Doge Johannes verfolgt eine klare Anlehnungspolitik an das Frankenreich und versucht zugleich, stärker in die kirchlichen und politischen Verhältnisse der Lagune hineinzuregieren. Um den Widerstand des Patriarchen zu brechen, beauftragt er seinen Sohn Mauritius (II.) mit einem militärischen Unternehmen gegen Grado. Mauritius (II.) führt eine Flotte gegen die Stadt, besetzt sie und greift damit direkt die Person des Patriarchen an.
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| *'''800:''' Irene: 800 erklärt Papst Leo III., dass in Rom der Kaiserthron vakant sei, da Irene als Frau nach römischem Recht kein legitimes Oberkommando über das Heer führen kann, und krönt Karl den Großen am 25. Dezember in Rom zum Kaiser. Um 800 prüft Irene zeitweise Heiratspläne mit Karl dem Großen, die eine Vereinigung der beiden Reichshälften ermöglichen sollen, doch diese Pläne bleiben unausgeführt. In den letzten Regierungsjahren verschärft sich der innenpolitische Widerstand gegen Irene, vor allem im Heer und unter den Finanzbeamten, die ihre Politik als ruinös empfinden.
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| *'''802:''' Irene: 802 schmiedet der Logothete Nikephoros, der Finanzminister, einen Plan, Irene zu stürzen, und gewinnt dazu Unterstützung im Militär und in der Verwaltung. Am Morgen des 31. Oktober 802 dringt Nikephoros mit Anhängern in den Palast von Eleutherios ein, nimmt Irene gefangen und setzt sie ab. Noch am selben Tag wird Nikephoros ohne Blutvergießen in Konstantinopel zum neuen Kaiser gekrönt, während Irene in die Verbannung geschickt wird. 802/803 wird Irene auf die Insel Lesbos gebracht, wo sie in bescheidenen Verhältnissen lebt und keine politische Rolle mehr spielt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikephoros_I. '''Kaiser Nikephoros I. (802–811)''']
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| *'''802:''' Johannes: Im Zuge dieses Überfalls lässt Mauritius (II.) den Patriarchen Johannes von Grado töten, indem er ihn von einem hohen Turm stürzen lässt. Johannes erleidet so im Jahr 802 in Grado den Tod und wird als Märtyrer der politischen und kirchlichen Auseinandersetzungen zwischen Grado, Venedig, Rom und dem Frankenreich erinnert. Sein Tod markiert den vorläufigen Sieg der dogalen Politik über das traditionsreiche Patriarchat, dessen Einfluss im venezianischen Raum stark beschädigt wird. Die ältesten venezianischen Chroniken berichten übereinstimmend von der Beisetzung des ermordeten Patriarchen in der Gradenser Kirche Sant’Eufemia. Dazu gehören die „Chronica patriarcharum Gradensium“, die „Chronica de singulis patriarchis“, die „Origo civitatum“ und das „Chronicon Gradense“, die sein Begräbnis in der lokalen Hauptkirche verorten. Im 14. Jahrhundert schreibt hingegen Andrea Dandolo in seiner Chronik, der Patriarch sei in der Markusbasilika in Venedig bestattet, was eine spätere, stärker venezianisch geprägte Tradition widerspiegelt. Nach dem Tod des Johannes kann sein Neffe Fortunatus, der am 21. März 803 das Pallium erhält, das Patriarchenamt zunächst nicht antreten. Er flieht vor der Gefahr durch den Dogen und dessen Anhänger nach Treviso und stellt sich dort unter den Schutz des Frankenkönigs Karl. Erst im Jahr 810, sieben Jahre nach dem Sturz der beiden Dogen, gelingt Fortunatus die Rückkehr nach Grado, womit sich die Nachwirkungen der gewaltsamen Beseitigung des Patriarchen Johannes von Grado über ein ganzes Jahrzehnt hinziehen. [http://de.wikipedia.org/wiki/Fortunatus_II. '''Patriarch Fortunatus II. (803–820)''']
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| *'''803:''' Irene: Am 9. August 803 stirbt die ehemalige Kaiserin Irene auf Lesbos; die orthodoxe Kirche verehrt sie wegen ihrer Rolle in der Wiederherstellung der Ikonenverehrung später als Heilige.
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| *'''806:''' Tarasios: Nach seinem Tod wird Tarasios trotz mancher Kritik an seiner Schwäche gegenüber der kaiserlichen Macht in den Ostkirchen als Heiliger verehrt, weil er die Ikonen verteidigt und sich für Frieden und Einheit der Kirche einsetzt. Sein Gedenktag wird in den Ostkirchen am 25. Februar (nach julianischem Kalender mit entsprechendem gregorianischem Datum) und in der lateinischen Kirche am 18. Februar gefeiert.
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| *'''Zuletzt 775'''
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| ==IBERIEN== | | ==IBERIEN== |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Fürst Nerse (2. Amtszeit 775–779/80)] Nach dem Tod oder der Ablösung al-Mansurs übernimmt Kalif al-Mahdi die Herrschaft und verfügt die Freilassung Nerses. Im Jahr 775 kehrt Nerse nach Iberien zurück und wird in seinem Amt als Fürst wieder eingesetzt, womit seine zweite Regierungszeit beginnt. Trotz der Wiederherstellung seiner Position verschärfen sich die Spannungen mit den arabischen Autoritäten erneut, da Nerse weiterhin in Konflikte mit den Abbasiden gerät. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Fürst Nerse (2. Amtszeit 775–779/80)] <br />Nach dem Tod oder der Ablösung al-Mansurs übernimmt Kalif al-Mahdi die Herrschaft und verfügt die Freilassung Nerses. Im Jahr 775 kehrt Nerse nach Iberien zurück und wird in seinem Amt als Fürst wieder eingesetzt, womit seine zweite Regierungszeit beginnt. Trotz der Wiederherstellung seiner Position verschärfen sich die Spannungen mit den arabischen Autoritäten erneut, da Nerse weiterhin in Konflikte mit den Abbasiden gerät. |
| *[[779#IBERIEN | Fortsetzung 779]] | | *[[779#IBERIEN | Fortsetzung 779]] [[Kategorie:Iberien]] |
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| *'''779/780:''' Nerse sieht sich nach anhaltenden Schwierigkeiten mit den Arabern gezwungen, seine Heimat zu verlassen und flieht durch den Darial-Pass zu den Chasaren im Norden. Bei den Chasaren wird er ehrenvoll aufgenommen, doch es gelingt ihm nicht, von dort aus ausreichende militärische oder politische Unterstützung zu gewinnen, um seine Lage in Iberien nachhaltig zu verbessern. Daraufhin zieht er weiter nach Abchasien, wohin sich seine Familie bereits in Sicherheit gebracht hat, während in Iberien inzwischen die politische Neuordnung erfolgt. Das Kalifat überträgt das fürstliche Amt nun nicht mehr an Nerse, sondern an seinen Neffen Stephan III., den Sohn seiner Schwester, der damit als neuer Fürst von Iberien eingesetzt wird. Nerse akzeptiert diese vollzogene Veränderung und verzichtet auf weitere Ansprüche auf die aktive Herrschaft über Iberien, um größere Konflikte mit den Arabern zu vermeiden. Mit Zustimmung der arabischen Autoritäten kehrt er schließlich nach Iberien zurück, zieht sich jedoch aus der aktiven Politik zurück und lebt fortan ohne Regierungsamt. [http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_III_of_Iberia '''Fürst Stephan III. (779/80–786)''']
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| *[[786#IBERIEN | Fortsetzung 786]]
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| *'''786:''' Nerse: Bis zum Jahr 786 ist der ehemalige Fürst [[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Nerse] noch indirekt fassbar, als sein christlich gewordener arabischer Diener Abo als Märtyrer hingerichtet wird; zu diesem Zeitpunkt ist Nerse selbst bereits aus den schriftlichen Quellen verschwunden. Nach dieser Erwähnung verliert sich seine Spur, und es ist unklar, wann und unter welchen Umständen er stirbt, sodass sein weiteres Schicksal im Dunkeln bleibt.
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| *Zuletzt 772'''
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| ==ARABER== | | ==ARABER== |
| (157/158 - 10./11. November) | | (158/158 - 10./11. November) |
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| '''Abbasiden''' | | '''Abbasiden''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Mans%C5%ABr_(Abbaside) Kalif al-Mansūr (754–775)] <br />Al-Mansūr stirbt am 7. Oktober in Biʾr Maimūn nach einem Sturz von seinem Pferd. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Mans%C5%ABr_(Abbaside) Kalif al-Mansūr (754–775)] <br />Al-Mansūr stirbt am 7. Oktober in Biʾr Maimūn nach einem Sturz von seinem Pferd. |
| *'''775:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Mahdi_(Abbaside) '''Kalif al-Mahdi (775–785)'''] <br />Al-Mansūrs Sohn al‑Mahdi, dessen Beiname "rechtgeleitet" oder "Erlöser" bedeutet, wird als Kalif ausgerufen, als sein Vater im Sterben liegt, und seine friedliche Herrschaft setzt die Politik seiner Vorgänger fort. Der byzantinische Gesandte Tarath reist nach Bagdad, um al‑Mahdi zur Thronbesteigung zu gratulieren und ist so zufrieden mit der erfahrenen Gastfreundschaft, dass er anbietet, eine Mühle zu bauen, die jährlich 500'000 Dirham Gewinn abwirft, was den Baukosten entspricht. Nach Fertigstellung der Mühle bestätigt sich diese Prognose, und al‑Mahdi verfügt, dass die gesamten Gewinne dem Gesandten zufließen, auch nachdem Tarath Bagdad verlassen hat, offenbar bis zu dessen Tod im Jahr 780. <br />Im Jahr 775–776 entwickelt al‑Mahdi eine plötzliche Zuneigung zu Asma, der jüngeren Schwester al‑Khaizurans, die am Hof aufgewachsen ist. Er heiratet sie und setzt ihr eine Mitgift von einer Million Dirham aus. Nachdem al‑Khaizuran von der Pilgerfahrt zurückkehrt und von der Ehe erfährt, lässt al‑Mahdi sich von Asma scheiden und heiratet al‑Khaizuran als seine dritte Ehefrau. Im selben Jahr heiratet er seine vierte Ehefrau Umm Abdallah, eine vornehme arabische Frau, und im folgenden Jahr seine fünfte Ehefrau Ruqaiyah, eine Uthmanidin, die nach seinem Tod einen Aliden heiratet. Ebenfalls 775 wird al‑Fadl ibn Salih von al‑Mahdi zum Gouverneur der Region al‑Dschazira nördlich von Damaskus ernannt und zieht im selben Jahr dorthin. <br />Zu Beginn seiner Herrschaft lässt al‑Mahdi zahlreiche politische Gefangene frei, erweitert und schmückt die heiligen Stätten von Mekka und Medina und baut Brunnen und Unterkünfte für Pilger. Er erweitert den Postdienst, stärkt seinen Geheimdienst, befestigt Städte und erhöht die Zahl der Richter. Seine Wohltätigkeit ist bemerkenswert. Unter seiner Herrschaft kommt es zu einer Annäherung an die Aliden. Die Barmakiden, die seit Abu al‑Abbas als Wesire die Kalifen beraten, gewinnen unter al‑Mahdi noch mehr Einfluss und arbeiten eng mit ihm zusammen, um den Wohlstand des abbasidischen Staates zu sichern. <br />Al‑Mahdi regiert zehn Jahre und lässt seinen vertrautesten Wesir Yaqub ibn Daud inhaftieren. Er entlässt viele Umayyaden und Aliden aus dem Gefängnis und gibt ihnen ihr Vermögen und Eigentum zurück. Sein Sohn Harun verfolgt später ähnliche Maßnahmen, lässt viele von al‑Hadis Gefangenen aus den Reihen der Umayyaden und Aliden frei und verkündet eine Amnestie für alle politischen Gruppen der Quraisch. Die Stadt Bagdad blüht während al‑Mahdis Herrschaft zur kosmopolitischen Metropole auf. Sie zieht Einwanderer aus Arabien, Irak, Syrien, Persien, Afghanistan und Spanien an und beherbergt Christen, Juden und Zoroastrier neben der wachsenden muslimischen Bevölkerung; sie wird zur größten Stadt der Welt. Al‑Mahdi baut die abbasidische Verwaltung aus, schafft neue Diwane für Heer, Kanzlei und Besteuerung, beruft Qadis und hebt Gesetze gegen Nicht‑Araber auf. Die Barmakiden, ursprünglich buddhistische Perser, besetzen diese neuen Ämter; ihr kurzlebiges islamisches Vermächtnis wird ihnen unter Harun ar‑Raschid zum Nachteil gereichen. <br />Al‑Mahdi verfolgt zwei wichtige Religionspolitiken: die Verfolgung der Zanadiqa, also Dualisten, und die Festlegung der Orthodoxie. Er konzentriert sich auf die Verfolgung der Zanadiqa, um sein Ansehen bei schiitischen Puristen zu verbessern, die eine härtere Haltung gegen Häresien und synkretistische muslimisch‑polytheistische Sekten verlangen. Er erklärt, der Kalif habe die Fähigkeit und Pflicht, die orthodoxe Theologie der Muslime zu definieren, um die Umma vor Häresie zu schützen, und macht von dieser neuen Macht intensiven Gebrauch, die später in der Mihna al‑Ma'muns wichtig wird. <br />Obwohl al‑Mahdi die meisten seiner innen‑ und außenpolitischen Ziele erreicht, ist er nicht so sparsam wie sein Vater al‑Mansur. Er bezieht seine Frau al‑Khaizuran intensiv in die täglichen Regierungsangelegenheiten ein, und ihre Anordnungen und Verbote haben im Palast das gleiche Gewicht wie seine und wirken vielfach darüber hinaus. Er widerspricht ihr nicht und gewährt ihr einen relativ freien Zugriff auf den Bayt al‑Mal, die Staatskasse. Al‑Khaizuran hält einen eigenen Hof im Harem und in ihren Gemächern, wo sie männliche und weibliche Bittsteller empfängt, darunter Hofbeamte, Offiziere, Adlige und Kaufleute, die sie um Gefälligkeiten oder Fürsprache beim Kalifen bitten; über sie heißt es, sie sei in Mahdis Zeit dominierend gewesen und habe nach eigenem Ermessen befohlen, verboten, vermittelt, gehindert, abgelehnt und bestätigt. | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Mahdi_(Abbaside) '''Kalif al-Mahdi (775–785)'''] <br />Al-Mansūrs Sohn al‑Mahdi, dessen Beiname "rechtgeleitet" oder "Erlöser" bedeutet, wird als Kalif ausgerufen, als sein Vater im Sterben liegt, und seine friedliche Herrschaft setzt die Politik seiner Vorgänger fort. Der byzantinische Gesandte Tarath reist nach Bagdad, um al‑Mahdi zur Thronbesteigung zu gratulieren und ist so zufrieden mit der erfahrenen Gastfreundschaft, dass er anbietet, eine Mühle zu bauen, die jährlich 500'000 Dirham Gewinn abwirft, was den Baukosten entspricht. Nach Fertigstellung der Mühle bestätigt sich diese Prognose, und al‑Mahdi verfügt, dass die gesamten Gewinne dem Gesandten zufließen, auch nachdem Tarath Bagdad verlassen hat, offenbar bis zu dessen Tod im Jahr 780. <br />Im Jahr 775–776 entwickelt al‑Mahdi eine plötzliche Zuneigung zu Asma, der jüngeren Schwester al‑Khaizurans, die am Hof aufgewachsen ist. Er heiratet sie und setzt ihr eine Mitgift von einer Million Dirham aus. Nachdem al‑Khaizuran von der Pilgerfahrt zurückkehrt und von der Ehe erfährt, lässt al‑Mahdi sich von Asma scheiden und heiratet al‑Khaizuran als seine dritte Ehefrau. Im selben Jahr heiratet er seine vierte Ehefrau Umm Abdallah, eine vornehme arabische Frau, und im folgenden Jahr seine fünfte Ehefrau Ruqaiyah, eine Uthmanidin, die nach seinem Tod einen Aliden heiratet. Ebenfalls 775 wird al‑Fadl ibn Salih von al‑Mahdi zum Gouverneur der Region al‑Dschazira nördlich von Damaskus ernannt und zieht im selben Jahr dorthin. <br />Zu Beginn seiner Herrschaft lässt al‑Mahdi zahlreiche politische Gefangene frei, erweitert und schmückt die heiligen Stätten von Mekka und Medina und baut Brunnen und Unterkünfte für Pilger. Er erweitert den Postdienst, stärkt seinen Geheimdienst, befestigt Städte und erhöht die Zahl der Richter. Seine Wohltätigkeit ist bemerkenswert. Unter seiner Herrschaft kommt es zu einer Annäherung an die Aliden. Die Barmakiden, die seit Abu al‑Abbas als Wesire die Kalifen beraten, gewinnen unter al‑Mahdi noch mehr Einfluss und arbeiten eng mit ihm zusammen, um den Wohlstand des abbasidischen Staates zu sichern. <br />Al‑Mahdi regiert zehn Jahre und lässt seinen vertrautesten Wesir Yaqub ibn Daud inhaftieren. Er entlässt viele Umayyaden und Aliden aus dem Gefängnis und gibt ihnen ihr Vermögen und Eigentum zurück. Sein Sohn Harun verfolgt später ähnliche Maßnahmen, lässt viele von al‑Hadis Gefangenen aus den Reihen der Umayyaden und Aliden frei und verkündet eine Amnestie für alle politischen Gruppen der Quraisch. Die Stadt Bagdad blüht während al‑Mahdis Herrschaft zur kosmopolitischen Metropole auf. Sie zieht Einwanderer aus Arabien, Irak, Syrien, Persien, Afghanistan und Spanien an und beherbergt Christen, Juden und Zoroastrier neben der wachsenden muslimischen Bevölkerung; sie wird zur größten Stadt der Welt. Al‑Mahdi baut die abbasidische Verwaltung aus, schafft neue Diwane für Heer, Kanzlei und Besteuerung, beruft Qadis und hebt Gesetze gegen Nicht‑Araber auf. Die Barmakiden, ursprünglich buddhistische Perser, besetzen diese neuen Ämter; ihr kurzlebiges islamisches Vermächtnis wird ihnen unter Harun ar‑Raschid zum Nachteil gereichen. <br />Al‑Mahdi verfolgt zwei wichtige Religionspolitiken: die Verfolgung der Zanadiqa, also Dualisten, und die Festlegung der Orthodoxie. Er konzentriert sich auf die Verfolgung der Zanadiqa, um sein Ansehen bei schiitischen Puristen zu verbessern, die eine härtere Haltung gegen Häresien und synkretistische muslimisch‑polytheistische Sekten verlangen. Er erklärt, der Kalif habe die Fähigkeit und Pflicht, die orthodoxe Theologie der Muslime zu definieren, um die Umma vor Häresie zu schützen, und macht von dieser neuen Macht intensiven Gebrauch, die später in der Mihna al‑Ma'muns wichtig wird. <br />Obwohl al‑Mahdi die meisten seiner innen‑ und außenpolitischen Ziele erreicht, ist er nicht so sparsam wie sein Vater al‑Mansur. Er bezieht seine Frau al‑Khaizuran intensiv in die täglichen Regierungsangelegenheiten ein, und ihre Anordnungen und Verbote haben im Palast das gleiche Gewicht wie seine und wirken vielfach darüber hinaus. Er widerspricht ihr nicht und gewährt ihr einen relativ freien Zugriff auf den Bayt al‑Mal, die Staatskasse. Al‑Khaizuran hält einen eigenen Hof im Harem und in ihren Gemächern, wo sie männliche und weibliche Bittsteller empfängt, darunter Hofbeamte, Offiziere, Adlige und Kaufleute, die sie um Gefälligkeiten oder Fürsprache beim Kalifen bitten; über sie heißt es, sie sei in Mahdis Zeit dominierend gewesen und habe nach eigenem Ermessen befohlen, verboten, vermittelt, gehindert, abgelehnt und bestätigt. |
| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Humayd_ibn_Qahtaba Statthalter Humayd ibn Qahtaba (Chorasan 768-776)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Humayd_ibn_Qahtaba Statthalter Humayd ibn Qahtaba (Chorasan 768-776)] <br /> |
| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_ibn_Isma%27il '''Imam der Ismailiten: Muhammad ibn Isma'il (775-813)'''] <br />Die Angaben zur Amtszeit von Muhammad ibn Isma'il und dessen Vorgänger Ismāʿīl ibn Dschaʿfar erscheinen wirr und inkonsistent; erfolgte der Wechsel bereits im Jahr 665 oder erst 775? (die Artikel in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch lassen keine konsistenten Schlüsse ohne Widersprüche zu) Spätestens 775 scheint er aber Imam der Ismailiten gewesen zu sein. Einheitlich scheinen die Wikipedia-Artikel hinsichtlich des Endes der Amtszeit zu sein, die das Jahr 813 nennen. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_ibn_Isma%27il '''Imam der Ismailiten: Muhammad ibn Isma'il (775-813)'''] <br />Die Angaben zur Amtszeit von Muhammad ibn Isma'il und dessen Vorgänger Ismāʿīl ibn Dschaʿfar erscheinen wirr und inkonsistent; erfolgte der Wechsel bereits im Jahr 665 oder erst 775? (die Artikel in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch lassen keine konsistenten Schlüsse ohne Widersprüche zu) Spätestens 775 scheint er aber Imam der Ismailiten gewesen zu sein. Einheitlich scheinen die Wikipedia-Artikel hinsichtlich des Endes der Amtszeit zu sein, die das Jahr 813 nennen. |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_Mina_I_of_Alexandria Papst und Patriarch Mina I. (767-776)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_Mina_I_of_Alexandria Papst und Patriarch Mina I. (767-776)] <br /> |
| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Politianus_of_Alexandria Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (768–813)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Politianus_of_Alexandria Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (768–813)] <br /> |
| *[[776#ARABER | Fortsetzung 776]] | | *[[776#ARABER | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Abbasiden]] |
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| *'''776:''' Humayd: Nach seinem Tod folgt ihm für kurze Zeit sein Sohn Abdallah als Gouverneur von Chorasan nach. Abdallah spielt später eine bedeutende Rolle im Bürgerkrieg der Vierten Fitna.
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| *'''776:''' In den Jahren 775/76 wird Abu ʿAwn zum Gouverneur von Chorasan ernannt. Bereits im folgenden Jahr wird er jedoch seines Amtes enthoben, weil es ihm nicht gelingt, den Aufstand des al-Muqannaʿ niederzuschlagen, und Muʿāḏ ibn Muslim tritt an seine Stelle. Nach Hugh N. Kennedy stirbt Abu ʿAwn um 784/785.
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| *[[777#ARABER | Fortsetzung 777]]
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| *'''777:''' al-Mahdi: Im Jahr 777 (160 AH) schlägt al‑Mahdi den Aufstand von Yusuf ibn Ibrahim in Chorasan nieder. Im selben Jahr setzt er Isa ibn Musa als designierten Nachfolger ab, ernennt seinen eigenen Sohn Musa al‑Hadi an seiner Stelle und nimmt für ihn den Treueid der Vornehmen entgegen.
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| *'''777:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_John_IV_of_Alexandria '''Papst und Patriarch Johannes IV. (777–799)''']
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| *'''778:''' al-Mahdi: Kriege mit Byzanz, Hadath und erster Feldzug al‑Hasans. Im Jahr 778 erobern die Byzantiner unter Michael Lachanodrakon die Stadt Germanikeia (Ma'rasch), machen reiche Beute, nehmen viele syrische Christen gefangen und schlagen ein Heer unter dem abbasidischen General Thumama ibn al‑Walid. 779 nehmen und zerstören die Byzantiner die Festungsstadt Hadath, worauf al‑Mahdi den passiven Thumama durch den erfahrenen al‑Hasan ibn Qahtaba ersetzt. Hasan führt über 30.000 Mann in byzantinisches Gebiet, doch die Byzantiner ziehen sich in gut befestigte Städte und Zufluchten zurück, bis Versorgungsmangel Hasan zum ergebnislosen Rückzug zwingt.
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| *'''779:''' al-Mahdi: Al‑Mahdi unternimmt zwei bedeutende Kriegszüge, einen 779 und einen 781, zusammen mit seinem Sohn Harun. Die Gewinne aus der von Tarath gebauten Mühle fließen diesem offenbar bis zu seinem Tod im Jahr 780 weiter zu. Im Jahr 780 begleitet al‑Fadl ibn Salih al‑Mahdi als Mitglied seines Gefolges nach Jerusalem und kehrt danach nach Damaskus zurück.
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| *'''780:''' al-Mahdi: Am 12. März 780 bricht al‑Mahdi aus Bagdad auf, marschiert über Aleppo nach Hadath und lässt die Stadt wieder befestigen. Er rückt weiter nach Arabissos vor, verlässt dort das Heer und kehrt nach Bagdad zurück. Seinen Sohn und Thronerben Harun, besser bekannt unter dem Beinamen ar‑Raschid, lässt er mit der Hälfte des Heeres zurück, die das Armeniakon‑Thema verwüstet und das kleine Kastell Semaluos einnimmt, während Thumama mit der anderen Hälfte bis ins Thrakesion‑Thema vordringt und dort von Lachanodrakon schwer geschlagen wird.
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| *'''781:''' al-Mahdi: Im Juni 781 sammelt sich das arabische Invasionsheer unter Abd al‑Kabir bei Hadath, einem Ururenkel des Kalifen Umar, um den jährlichen Raubzug erneut zu beginnen. Kaiserin Irene zieht die Thema‑Heere Kleinasiens zusammen und stellt sie unter den Eunuchen und Sakellarios Johannes. Die Muslime überschreiten über den Pass von Hadath die Grenze nach kappadokischem Byzanz und werden bei Caesarea von den vereinigten byzantinischen Truppen unter Lachanodrakon gestellt; in der anschließenden Schlacht erleiden sie eine verlustreiche Niederlage und Abd al‑Kabir muss den Feldzug abbrechen und nach Syrien zurückweichen. Die Niederlage erzürnt al‑Mahdi, der daraufhin ein neues, als Machtdemonstration gedachtes Expeditionsheer vorbereitet. Dieses Heer ist das größte, das in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts gegen Byzanz gesandt wird, umfasst angeblich 95.793 Mann, kostet den abbasidischen Staat etwa 1,6 Millionen Nomismata, nahezu dem gesamten Jahreseinkommen des Byzantinischen Reiches entsprechend, und wird nominell von Harun geführt, dem erfahrene Offiziere beigegeben werden.
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| *'''782:''' al-Mahdi: Am 9. Februar 782 bricht Harun aus Bagdad auf, und die Araber überschreiten die Kilikischen Tore des Taurusgebirges und nehmen rasch die Grenzfestung Magida. Sie rücken über die Heerstraßen auf das anatolische Hochland nach Phrygien vor, wo Harun seinen Hadschib al‑Rabi ibn Yunus mit einem Teil des Heeres zur Belagerung von Nakoleia und zur Sicherung des Rückens zurücklässt und eine weitere Abteilung von angeblich 30.000 Mann unter al‑Barmaki, wahrscheinlich Yahya ibn Khalid aus der Barmakidenfamilie, zum Plündern der reichen Westküsten Kleinasiens entsendet. Harun selbst führt das Hauptheer in das Opsikion‑Thema vor. Nach Warren Treadgold leitet der Eunuch Staurakios, Irenes Hauptminister, die byzantinische Abwehr mit der Strategie, eine sofortige Großschlacht mit Haruns Heer zu vermeiden und die getrennten Teile einzeln zu bekämpfen. Die Thrakesier unter Lachanodrakon schlagen al‑Barmaki bei Darenos und fügen ihm schwere Verluste zu, je nach Quelle 10.000 bis 15.000 Mann. Über den Ausgang der Belagerung Nakoleias durch al‑Rabi ist nur bekannt, dass er wahrscheinlich geschlagen wird, wobei einige Quellen eine Einnahme, andere große arabische Verluste und das Scheitern der Eroberung berichten. Ein Teil des Hauptheeres unter Yazid ibn Mazyad asch‑Schaibani stößt bei Nikaia auf eine byzantinische Streitmacht unter einem Grafen der Grafen namens Niketas. Im folgenden Kampf wird Niketas im Zweikampf vom arabischen General aus dem Sattel gehoben und verwundet und zieht sich wahrscheinlich nach Nikomedia zurück, wo die kaiserlichen Tagmata unter dem Inhaber des Amtes Domestikos der Schulen, Antonius, versammelt sind. Harun ignoriert diese Truppe und marschiert weiter nach Chrysopolis gegenüber von Konstantinopel am Bosporus. Da er weder Schiffe zum Übergang noch die Absicht hat, Konstantinopel anzugreifen, dient der Vormarsch als demonstrative Machtausübung. Obwohl Harun bislang erfolgreich ist, wird seine Lage durch die Bedrohung seiner Verbindungslinien nach dem vermuteten Schlag gegen al‑Rabi gefährlich. Er bricht den Vormarsch ab, zieht nach Plünderung der asiatischen Vorstädte Konstantinopels das Heer durch das Tal des Sangarios östlich von Nikaia zurück und wird dabei von den Tagmata unter Antonius im Rücken und den Bucellariern unter ihrem Feldherrn Tatzates an der Front eingeschlossen. Tatzates, ein armenischer Fürst, der 760 aus seiner arabisch beherrschten Heimat zu den Byzantinern übergelaufen ist und dem ikonoklastischen Regime Konstantins V. nahesteht, nimmt heimlich Kontakt zu Harun auf und bietet ihm Hilfe gegen Vergebung und sichere Rückkehr mit Familie nach Armenien an. Seine Haltung erklärt Theophanes mit Feindschaft gegen Irene und Staurakios, während Ralph‑Johannes Lilie darin mangelnde Aufstiegschancen unter der neuen Regierung sieht. Als Harun Verhandlungen anbietet, entsendet Irene die hohen Würdenträger Antonius, den Magistros Peter und Staurakios, die wegen ihrer vermeintlich starken Position weder eigene Sicherheiten noch Geiseln verlangen und im arabischen Lager festgesetzt werden. Zusammen mit dem Abfall Tatzates und der Unzuverlässigkeit seiner Truppen zwingt dies Irene, über ihre Freilassung zu verhandeln, insbesondere über Staurakios. Beide Reiche schließen einen dreijährigen Waffenstillstand bei schwerer jährlicher Tributzahlung in Höhe von 70.000 bis 100.000 Goldnomismata, teils ergänzt um 10.000 Stück Seide. Nach at‑Tabari soll der Tribut bei „siebzig oder neunzigtausend Dinar“ liegen und jeweils Anfang April und im Juni gezahlt werden, außerdem stellen die Byzantiner Verpflegung und Führer für Haruns Rückmarsch und liefern Tatzates’ Frau und Besitz aus. Harun entlässt alle seine Gefangenen, nach Tabari 5.643 Menschen, behält aber die reiche Beute und kehrt im September 782 in das Kalifat zurück. Tabari berichtet, dass Haruns Heer 194.450 Dinar Gold und 21.414.800 Dirham Silber erbeutet, 54.000 Byzantiner in der Schlacht und 2.090 in Gefangenschaft tötet, über 20.000 Reittiere erbeutet und 100.000 Rinder und Schafe schlachtet, wobei die Beutepreise so niedrig sind, dass ein Arbeitspferd für einen Dirham, ein Maultier für weniger als zehn Dirham, ein Panzerhemd für weniger als einen Dirham und zwanzig Schwerter für einen Dirham verkauft werden, zu einer Zeit, in der ein bis zwei Dirham der übliche Tagelohn eines Arbeiters oder Soldaten sind.
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| *'''783:''' al-Mahdi: Im Jahr 167 AH/783 richtet al‑Mahdi eine offizielle Inquisition ein, die zur Hinrichtung mutmaßlicher Zindiqs führt. Er fördert Musik und Dichtung, unterstützt viele Musiker und Dichter im Kalifat und begünstigt musikalischen Ausdruck und Poesie, was sich darin widerspiegelt, dass sein Sohn Ibrahim ibn al‑Mahdi und seine Tochter Ulayya bint al‑Mahdi als bedeutende Dichter und Musikerinnen gelten.
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| *'''785:''' al-Mahdi: Im Jahr 785 (169 AH) wird al‑Mahdi von einer seiner Konkubinen, Hasanah, vergiftet. Hasanah ist eifersüchtig auf eine andere Sklavin, der sich al‑Mahdi zuwendet, und bereitet eine Süßspeise, deren Spitze sie mit einer vergifteten Birne krönt, deren Kern sie durch eine tödliche Paste ersetzt; sie sendet das Gericht durch einen Diener an ihre Rivalin, doch al‑Mahdi fängt den Teller ab, isst die Birne ohne Zögern, klagt kurz darauf über Bauchschmerzen und stirbt in derselben Nacht im Alter von 43 Jahren. Einer anderen Überlieferung zufolge stirbt al‑Mahdi durch einen Sturz vom Pferd während der Jagd. Sein älterer Sohn al‑Hadi, der ältere Bruder Harun ar‑Raschids, ist al‑Mahdi sehr teuer, wird mit 16 Jahren zu seinem ersten Erben bestimmt und zum Heerführer erhoben. Die Raubzüge Haruns gegen die Byzantiner stärken dessen politisches Ansehen, und nach seiner Rückkehr erhält er den Beinamen ar‑Raschid („der Rechtgeleitete“), wird in die Thronfolge als zweiter Erbe aufgenommen und für die Verwaltung der westlichen Reichsteile von Syrien bis Aserbaidschan eingesetzt. Nach al‑Mahdis Tod folgt al‑Hadi gemäß der von al‑Mahdi angelegten Thronfolge als Kalif, regiert ein Jahr und zwei Monate und wird dann von seinem Bruder Harun abgelöst.
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| *'''787:''' Elias: Im Jahr 787 tagt das 7. Ökumenische Konzil in Nicäa, das die Bilderverehrung in der Kirche bestätigt. Für die Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Jerusalem unterzeichnen nicht die Patriarchen selbst, sondern Bevollmächtigte: ein Priester namens Johannes und Thomas, der Abt des Klosters des heiligen Arsenius, unterschreiben im Namen dieser orientalischen Patriarchate. Dadurch zeigt sich, dass auch Elias II. als Patriarch von Jerusalem in die Entscheidungen des Konzils eingebunden ist, wenn auch nur durch Vertreter.
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| *'''795:''' Mūsā: Im Jahr 795/796 lässt der Kalif Hārūn ar-Raschīd Mūsā erneut von Medina nach Bagdad bringen und ihn dort im Haus von as-Sindī ibn Schāhik unter haftähnlichen Bedingungen festhalten. Dort verbringt Mūsā seine letzten Jahre, während einige seiner Anhänger die Erwartung entwickeln, er werde als endzeitlicher Qāʾim auftreten und einen Aufstand führen.
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| *'''795:''' Politianus: Im Jahr 795 reist Politianus nach Bagdad, das als Hauptstadt des Abbasidenkalifats ein Zentrum der Gelehrsamkeit und Übersetzungstätigkeit ist. Dort wirkt er als Arzt und behandelt eine Konkubine des Kalifen Hārūn ar-Raschīd, die er erfolgreich heilt, wodurch sein Ruf als fähiger Mediziner am Hof gestärkt wird. Im gleichen Jahr beteiligt er sich an einem bedeutenden Übersetzungsprojekt: Er wirkt an der Übertragung der „Sammlung landwirtschaftlicher Praktiken“ des Vindonius Anatolius von Berytos aus dem Griechischen ins Arabische mit, die für den einflussreichen Wesir Yahyā ibn Chālid angefertigt wird. Politianus bringt seine Sprachkenntnisse und sein Wissen in dieses Werk ein, das praktische landwirtschaftliche Kenntnisse systematisch zugänglich macht und so in die arabischsprachige Gelehrtenwelt Eingang findet.
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| *'''796:''' Politianus: Nach seiner Tätigkeit in Bagdad bleibt Politianus weiterhin Patriarch von Alexandria und steht bis zu seinem Tod im Jahr 813 an der Spitze des Patriarchats. Er gehört damit sowohl zu den Patriarchen des 8. als auch des 9. Jahrhunderts und lebt in engem Kontakt mit den politischen und kulturellen Entwicklungen im Abbasidenkalifat. Durch seine doppelte Rolle als Geistlicher und Arzt sowie als griechisch–arabischer Übersetzer ist er ein Beispiel für die Verflechtung von kirchlicher Führung, Wissenschaft und Kulturtransfer in dieser Epoche. Während seiner langen Amtszeit wirkt er als Vermittler zwischen den griechischen Traditionen Alexandrias und der arabischsprachigen Welt des Kalifats, in der er als Patriarch, Arzt und Gelehrter präsent ist.
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| *'''797:''' Elias: Gegen Ende der 790er Jahre verschärft sich die Lage der Mönche und Kirchen im Heiligen Land. Am 19. März 797 werden im Kloster des heiligen Sabas (Mar Saba) bei Jerusalem zwanzig Mönche getötet, während Elias II. das Patriarchenamt innehat. Dieses Ereignis macht deutlich, dass die Klöster Gewalt und Druck durch muslimische Machthaber oder lokale Gegner ausgesetzt sind. In derselben Zeit sucht Elias II. über seinen Synkellos Georgios Unterstützung im Westen. Georgios leitet eine Gesandtschaft an Karl den Großen, um Hilfe und einen gewissen Schutz der Franken für die Christen im Heiligen Land zu erbitten. Diese diplomatische Initiative stellt eine bewusste Öffnung des Jerusalemer Patriarchats zum fränkischen Reich dar und verknüpft die Lage der orientalischen Christen mit der Politik Karls des Großen. Im Jahr 797 endet das Patriarchat von Elias II., und er stirbt um dieses Jahr herum. Nach seinem Tod wird sein Synkellos Georgios zum neuen Patriarchen von Jerusalem gewählt, was die enge Zusammenarbeit der beiden im späten 8. Jahrhundert unterstreicht. In den Listen der griechisch-orthodoxen Patriarchen erscheint Elias II. daher als Patriarch von etwa 770 bis 797, gefolgt von Georgios als seinem unmittelbaren Nachfolger. [http://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_II. '''Patriarch Georgios II. (797–807)''']
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| *'''799:''' Mūsā: Am 1. September 799 stirbt Mūsā in Bagdad, ohne dass einer seiner Anhänger seinem Tod beiwohnt, was die Situation für die Gemeinde besonders unsicher macht. Bei seinem Tod hinterlässt er nach den Angaben der Überlieferung 18 Söhne und 15 Töchter, die alle von Sklavinnen stammen. Seine Bestattung erfolgt in al-Kazimiyya, einem später nach ihm benannten Vorort im Nordosten Bagdads, wo er zusammen mit seinem Enkel, dem späteren Imam Muhammad at-Taqī, begraben wird. Der Tod Mūsā al-Kāzims löst in der imamitischen Gemeinde eine erneute, tiefe Nachfolgekrise aus, weil viele Anhänger den Verlust des Imams nicht akzeptieren wollen. Eine große Zahl seiner Anhänger und Vertreter in verschiedenen Regionen ist der Überzeugung, dass Mūsā in Wahrheit nicht gestorben ist, sondern sich nur verborgen hält, um als Qāʾim bald in die Welt zurückzukehren. In diesem Umfeld tritt ein Klient der Banū Asad namens Muhammad ibn Baschīr hervor und behauptet, er sei der Stellvertreter und Bevollmächtigte Mūsās, also sein waṣī, und verfüge über besondere Vollmachten. Der imamitische Doxograph al-Qummī, der vor 905 sein Werk „Buch der Lehren und Sekten“ (Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq) verfasst, berichtet, dass Muhammad ibn Baschīr Taschenspielertricks und Gaukeleien einsetzt und sogar behauptet, Mūsā al-Kāzim sei Gott, der sich erst den Menschen gezeigt und sich dann ihren Blicken entzogen habe, obwohl er weiterhin unter ihnen weile. Diese Sichtweise führt zu einer Sektenbildung, die den Tod Mūsās leugnet und ihn zur göttlichen Gestalt erhebt. Parallel dazu erkennen einige von Mūsās Anhängern seinen Sohn ʿAlī ar-Ridā als rechtmäßigen Nachfolger und neuen Imam an. Die Anhänger Muhammad ibn Baschīrs bestreiten jedoch das Imamat ʿAlīs und bezeichnen seinen Anspruch als Lüge, da sie weiterhin an der fortdauernden Autorität Mūsās festhalten. Sie vertreten die Auffassung, Mūsā habe während seiner Abwesenheit Muhammad ibn Baschīr zu seinem Stellvertreter mit allen Vollmachten eingesetzt, weshalb dieser der wahre Imam nach ihm sei. Imamitische Autoren versuchen später, diese Spaltung ökonomisch zu erklären und argumentieren, dass Mūsās Vertreter in verschiedenen Städten zum Zeitpunkt seines Todes große Geldsummen angesammelt haben, die sie wegen seiner Gefangenschaft nicht an ihn übergeben konnten. Um diese Gelder behalten zu können, leugnen sie den Tod Mūsās und behaupten, er werde eines Tages zurückkehren, sodass jede Abrechnung mit einem neuen Imam hinausgeschoben wird. [https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAl%C4%AB_ibn_M%C5%ABs%C4%81_ar-Rid%C4%81 Imam der Zwölferschiiten: ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (799-818)]
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| *'''813:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Ahmad_al-Wafi Imam der Ismailiten: Ahmad al-Wafi (813–828)''']
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| *'''813:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Eustatius_of_Alexandria '''Griechisch-orthodoxer Patriarch Eustatios (Alexandria, 813–817)''']
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| *'''843:''' [https://de.wikipedia.org/wiki/Sergios_I._(Jerusalem) '''Patriarch Sergios I. (Jerusalem, 843–850)]''']
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| *'''Zuletzt 775'''
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| '''Emirat Noukour''' | | '''Emirat Noukour''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Sa%27id_I_ibn_Idris Emir Sa'id I ibn Idris (760–803)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Sa%27id_I_ibn_Idris Emir Sa'id I ibn Idris (760–803)] <br /> |
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| *'''803:''' Saʿid stirbt
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| *[[803#ARABER | Fortsetzung 803]]
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| '''Kalifat von Tlemcen''' | | '''Kalifat von Tlemcen''' |
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| *[http://fr.wikipedia.org/wiki/Abou_Qurra Kalif Abū Qurra (765-778)] <br /> | | *[http://fr.wikipedia.org/wiki/Abou_Qurra Kalif Abū Qurra (765-778)] <br /> |
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| *'''778:''' Um das Jahr 778 wird Abū Qurra als führender Imam von Ibn Rustum abgelöst, der daraufhin in Tahert ein eigenes Reich gründet. Ibn Rustum nutzt den Machtwechsel, um die in der Region verbliebenen abbasidischen Besitzungen zu konfiszieren und so seine neue Herrschaft materiell abzusichern. Während dieser Neuordnung lässt er Ibn Ḥafs al‑Azdi, einen abbasidischen Statthalter, der den Beinamen Hezarmard trägt, töten. Die Einnahme Kairouans und der Sieg über die abbasidischen Truppen markieren den Höhepunkt der sufritisch‑ibāditischen Berberrevolten dieser Zeit. Nach diesen Ereignissen ziehen sich Abū Qurra und die Banū Ifran in ihr Stammesgebiet um Tlemcen zurück, das bereits als ihr Machtzentrum gilt. Dort geben sie die unmittelbare Führung der großen Berberkoalition auf und verlassen auch die charidschitische Bühne des weiteren Ifriqiya‑Geschehens. Abū Qurra wendet sich in der Folge von der charidschitischen Lehre und dem aktiven Machtanspruch ab. Er reagiert damit auf tiefe innere Spannungen und Spaltungen innerhalb der berberischen Gruppen, die eine einheitliche Herrschaft zunehmend erschweren.
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| *[[790#ARABER | Fortsetzung 790]]
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| *'''790:''' Im Jahr 790 gründet Abū Qurra auf den Ruinen der römischen Stadt Pomaria die Stadt Agadir, das heutige Tlemcen. Er tut dies als Kalif der Banū Ifran und verleiht damit seinem Reich eine städtische und repräsentative Hauptstadt. Agadir entwickelt sich zur politischen und religiösen Hauptstadt der sufritischen Berber, von der aus sie ihre Unabhängigkeit gegenüber den Großkalifaten festigen. Abū Qurra lädt Idrīs I., den Begründer der Idrisiden‑Dynastie, ein, in Agadir zu verweilen, was die Bedeutung der Stadt als Zentrum berberisch‑islamischer Politik unterstreicht. In dieser Phase konzentriert sich Abū Qurra vor allem auf die Sicherung und Organisation seines Reiches um Tlemcen. Seine frühere Rolle als großräumiger Revolutionsführer tritt zugunsten der Herrschaft über ein gefestigtes, sufritisch geprägtes Berberreich zurück. Agadir/Tlemcen wird dauerhaft zum Bezugspunkt der regionalen Geschichte Nordwestafrikas im frühen Mittelalter. Abū Qurra bleibt dabei als Begründer sowohl des sufritischen Tlemcen‑Reiches als auch als Initiator eines eigenständigen berberisch‑charidschitischen Weges im Gedächtnis. Als Reaktion auf den Belagerungszug gegen Kairouan setzt Yazīd ibn Ḥātim, ein abbasidischer Statthalter, zu einem Vergeltungsfeldzug in den Maghreb an und bestraft die Aufständischen hart. Die Banū Ifran verlieren in diesen Kämpfen Hunderttausende von Reitern, was ihre militärische Stärke auf lange Zeit schwächt. Die Umayyaden und Abbasiden werden durch diese Verluste zugleich um viele ihrer besten Pferdezüchter und Reiter gebracht, da gerade die Banū Ifran einen hervorragenden Ruf in der Pferdehaltung besitzen. Damit haben die Unternehmungen Abū Qurras sowohl die Berberstämme als auch die arabischen Großmächte militärisch stark erschöpft. Nach Abū Qurras Zeit bleibt die Erinnerung an die sufritischen Revolten und an das Berberreich von Tlemcen im kollektiven Gedächtnis der Region lebendig. Etwa fünfzig Jahre später entsteht eine neue große charidschitische Erhebung: Abū Yazīd aus dem Stamm der Banū Ifran führt einen Aufstand, der sich nun gegen die Fatimiden richtet. Diese Bewegung knüpft an die Tradition des Widerstands an, den Abū Qurra und seine Gefolgsleute im 8. Jahrhundert begründet haben. So wirkt seine Rolle als früher sufritischer Imam und Staatsgründer noch lange über sein eigenes Leben hinaus in der politischen Geschichte des Maghreb nach.
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| *'''zuletzt 767'''
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| '''Emirat von Córdoba''' | | '''Emirat von Córdoba''' |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_ar-Rahman_I. Emir Abd ar-Rahman I. (Córdoba, 756–788)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_ar-Rahman_I. Emir Abd ar-Rahman I. (Córdoba, 756–788)] <br /> |
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| *'''788:''' Abd ar-Rahman stirbt in Córdoba, und sein Sohn Hischam I. folgt ihm unmittelbar auf den Thron, wobei die von ihm begründete Dynastie al-Andalus bis 1031 prägt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hischam_I. Emir Hischam I. (788–796)''']
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| *[[796#ARABER | Fortsetzung 796]]
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| *'''zuletzt 756'''
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| ==TURK-SCHAHI== | | ==TURK-SCHAHI== |
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| *'''775:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Khingala '''König Khingala (775–785)'''] <br />Chinesische Quellen erwähnen den Turk-Schahi Bo Fuzhun, der als Sohn von Fromo Kesaro bezeichnet wird und im Jahr 745 den Thron besteigt. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Bo Fuzhun mit dem in arabischen Quellen genannten Turk-Schahi Khinkhil identisch ist. Der dritte abbasidische Kalif Al-Mahdi regiert in den Jahren 775 bis 785. In dieser Zeit sendet er Gesandte zu verschiedenen Herrschern Zentralasiens, fordert deren Unterwerfung und erhält von den meisten die Anerkennung seiner Oberhoheit, darunter vom Kabul-Schah. In der Darstellung des muslimischen Historikers Yaqubi heißt dieser Kabul-Schah in einer Lesart "Hanhal", in einer späteren handschriftlichen Überlieferung jedoch "Khanjal", ein Name, der unterschiedlich als "Khinkhil", "Khinjil" oder "Khinjal" rekonstruiert wird. Der Historiker Rezakhani bewertet diesen bei Yaqubi genannten Namen als offensichtlichen Namensvetter des früheren Khingila aus dem 5. Jahrhundert. Angesichts der stilistisch wahrscheinlich mittleren Datierung des 8. Jahrhunderts für die Gardez-Ganesha könnte der in der Inschrift genannte Śrī-Ṣāhi Khiṃgāla mit dem in arabischen Quellen überlieferten Turk-Schahi-Herrscher von Kabul identisch sein, der sich laut Yaqubi Al-Mahdi in den Jahren 775–785 unterwirft. Im Jahr acht, am dreizehnten Tag der hellen Hälfte des Monats Jyeṣṭha, unter dem Mondhaus Viśākha und zu einem als günstig beschriebenen Zeitpunkt, als das Tierkreiszeichen Löwe am Horizont hell ist, wird die große Statue des Mahāvināyaka geweiht. Als Stifter der Statue nennt die Inschrift den „obersten Herrn, den großen König, den König der Könige, den Śrī-Ṣāhi Khiṃgāla, den Herrscher von Oḍyāna“. Über Khingalas Nachfolger sind keine Wikipedia-Artikel vorhanden, sodass die Chronik an dieser Stelle endet und der Eintrag für Khingala noch bis 785 als Link fortgesetzt wird. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Khingala '''König Khingala (775–785)'''] <br />Chinesische Quellen erwähnen den Turk-Schahi Bo Fuzhun, der als Sohn von Fromo Kesaro bezeichnet wird und im Jahr 745 den Thron besteigt. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Bo Fuzhun mit dem in arabischen Quellen genannten Turk-Schahi Khinkhil identisch ist. Der dritte abbasidische Kalif Al-Mahdi regiert in den Jahren 775 bis 785. In dieser Zeit sendet er Gesandte zu verschiedenen Herrschern Zentralasiens, fordert deren Unterwerfung und erhält von den meisten die Anerkennung seiner Oberhoheit, darunter vom Kabul-Schah. In der Darstellung des muslimischen Historikers Yaqubi heißt dieser Kabul-Schah in einer Lesart "Hanhal", in einer späteren handschriftlichen Überlieferung jedoch "Khanjal", ein Name, der unterschiedlich als "Khinkhil", "Khinjil" oder "Khinjal" rekonstruiert wird. Der Historiker Rezakhani bewertet diesen bei Yaqubi genannten Namen als offensichtlichen Namensvetter des früheren Khingila aus dem 5. Jahrhundert. Angesichts der stilistisch wahrscheinlich mittleren Datierung des 8. Jahrhunderts für die Gardez-Ganesha könnte der in der Inschrift genannte Śrī-Ṣāhi Khiṃgāla mit dem in arabischen Quellen überlieferten Turk-Schahi-Herrscher von Kabul identisch sein, der sich laut Yaqubi Al-Mahdi in den Jahren 775–785 unterwirft. Im Jahr acht, am dreizehnten Tag der hellen Hälfte des Monats Jyeṣṭha, unter dem Mondhaus Viśākha und zu einem als günstig beschriebenen Zeitpunkt, als das Tierkreiszeichen Löwe am Horizont hell ist, wird die große Statue des Mahāvināyaka geweiht. Als Stifter der Statue nennt die Inschrift den „obersten Herrn, den großen König, den König der Könige, den Śrī-Ṣāhi Khiṃgāla, den Herrscher von Oḍyāna“. Über Khingalas Nachfolger sind keine Wikipedia-Artikel vorhanden, sodass die Chronik an dieser Stelle endet und der Eintrag für Khingala noch bis 785 als Link fortgesetzt wird. [[Kategorie:Turk-Schahi]] |
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| ==UIGURISCHES KAGANAT== | | ==UIGURISCHES KAGANAT== |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6g%C3%BC_Qaghan Kagan Bögü (759–780)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6g%C3%BC_Qaghan Kagan Bögü (759–780)] <br /> |
| *um 775: Die Oghusen, die aus dem Osten von den Uiguren vertrieben wurden, siedeln am Aralsee und dem unteren Syrdarja. | | *um 775: Die Oghusen, die aus dem Osten von den Uiguren vertrieben wurden, siedeln am Aralsee und dem unteren Syrdarja. |
| *[[778#UIGURISCHES_KAGANAT | Fortsetzung 778]] | | *[[778#UIGURISCHES_KAGANAT | Fortsetzung 778]] [[Kategorie:Uigurisches Kaganat]] |
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| *'''778:''' Bögü: Eine Zuspitzung erfolgt, als uigurische Truppen am 22. Februar 778 in die Region Taiyuan einfallen und bei den Kämpfen fast 10'000 Tang‑Soldaten töten oder verwunden. Diese Ereignisse zeichnen das Bild eines uigurischen Kaganats unter Bögü, das einerseits als Beschützer gegen Rebellen und Tibeter fungiert, andererseits aber selbst zu einer massiven militärischen und ökonomischen Belastung für das Tang‑Reich wird.
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| *[[779#UIGURISCHES_KAGANAT | Fortsetzung 779]]
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| *'''779:''' Bögü: Innerhalb des uigurischen Hofes gewinnt die manichäische Partei an Einfluss, und Bögüs religiöse Berater drängen ihn nach dem Tod Daizongs im Jahr 779, die Gelegenheit zu nutzen und das Tang‑Reich anzugreifen. Diese Forderung nach einem neuen großen Krieg setzt jedoch andere Eliten unter Druck, insbesondere Anhänger der traditionellen tengristischen Religion und Pragmatiker, die einen Bruch mit der Tang‑Dynastie vermeiden wollen. Der führende Vertreter dieser oppositionellen Richtung ist Tun Baga Tarkhan, ein hochrangiger Heerführer und überzeugter Tengrist, der strikt gegen einen erneuten Feldzug gegen die Tang ist. Er betrachtet sowohl den Manichäismus als auch die Kriegspläne als Bedrohung für die Stabilität des uigurischen Reiches und beginnt, einen Staatsstreich zu planen.
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| *'''780:''' Bögü: Im Jahr 780 setzt Tun Baga Tarkhan seinen Plan in die Tat um und führt im uigurischen Hof einen blutigen Staatsstreich durch, um den Krieg gegen die Tang und die Dominanz des Manichäismus zu verhindern. In diesem Putsch lässt er Bögü Kagan zusammen mit etwa 2.000 bis 3.000 seiner Anhänger und Verwandten töten, wodurch die manichäische Hofpartei praktisch ausgelöscht wird. Nach seinem Tod erhält Bögü den postumen Titel Kün Tengrida Qut Bolmish El Tutmish Alp Külüg Bilge Kagan, wobei das zusätzliche Element „Kün Tengrida“ (in etwa „in der Sonnengottheit“) seine manichäische Prägung besonders hervorhebt. Parallel führen andere Traditionen weitere Ehrentitel: Die Tang‑Dynastie verleiht ihm den Investiturtitel Yingyi Kagan, und manichäische Kreise verehren ihn als Zahag‑i Mani, den „Emanation Manis“. In der Religionsgeschichte bleibt Bögü vor allem als erster Herrscher bekannt, der den Manichäismus ausdrücklich sowohl als persönliche Glaubensrichtung als auch als offizielle Staatsreligion übernimmt. Spätere manichäische Traditionen sehen in ihm einen besonders hoch verehrten, fast heiligen König, dessen Herrschaft als Beweis für die Durchsetzungskraft der Lehre Manis im zentralasiatischen Raum gilt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Tun_Baga_Tarkhan '''Kagan Tun Baga Tarkhan (780–789)''']
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| *'''zuletzt 775'''
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Kakustha_(Pratihara_dynasty) König Kakustha] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Devaraja_(Pratihara_dynasty) König Devaraja (nacheinander 760-780)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Kakustha_(Pratihara_dynasty) König Kakustha] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Devaraja_(Pratihara_dynasty) König Devaraja (nacheinander 760-780)] <br /> |
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| *'''780:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Vatsaraja '''König Vatsaraja (780–800 )''']
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| *[[800#INDIEN | Fortsetzung 800]]
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| *'''zuletzt 760'''
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| '''Malla'''
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| *'''994:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Jagat_Malla '''König Jagat Malla (994–1007)''']
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| *[[1007#INDIEN | Fortsetzung 1007]]
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| *zuletzt 757'''
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| '''Chauhan-Dynastie''' | | '''Chauhan-Dynastie''' |
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| [https://en.wikipedia.org/wiki/Gopendraraja König Gopendraraja (771–784)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Gopendraraja König Gopendraraja (771–784)] <br /> |
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| *'''784:''' Im Jahr 784 endet Gopendra-Radschas Regierungszeit, und die Quellen setzen seinen Tod in dieses Jahr. Mit seinem Ableben geht die Königswürde auf Durlabharadscha I. über, den Sohn Tschandraradschas I., sodass der Neffe nun als neuer Herrscher der Tschahamanas von Schakambhari auf dem Thron sitzt. Der Übergang bestätigt rückblickend die dynastische Struktur, in der Gopendra-Radscha als Bruder des vorherigen Königs und Onkel des Nachfolgers eine zentrale Verbindungsperson bildet. In späterer Erinnerung erscheint er als Königsfigur, die in etwa von 771 bis 784 regiert, militärische Erfolge gegen einen Sultan namens Beg Warisa erringt und die Stellung des Hauses in Nordwestindien stärkt. So bleibt sein Name in genealogischen und literarischen Traditionen lebendig, auch wenn die überlieferten Fakten spärlich sind und vor allem aus späteren Werken rekonstruiert werden. [http://en.wikipedia.org/wiki/Durlabharaja_I '''König Durlabharaja I. (784–809)''']
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| *[[809#INDIEN | Fortsetzung 809]]
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| *'''zuletzt 771'''
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| '''Östliche Chalukya''' | | '''Östliche Chalukya''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Vishnuvardhana_IV König Vishnuvardhana IV. (772–808)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Vishnuvardhana_IV König Vishnuvardhana IV. (772–808)] <br /> |
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| *'''784:''' Im Jahr 784 ist Vishnuvardhana IV bereits seit über einem Jahrzehnt König von Vengi und steht in engem Kontakt mit der Großmacht der Rashtrakutas. In diesem Jahr erlebt er eine empfindliche militärische Niederlage, denn der Rashtrakuta-Kaiser Dhruva Dharavarsha besiegt und demütigt ihn in einem Konflikt um die Vorherrschaft in Südindien. Um diese Niederlage politisch abzufedern und ein neues Gleichgewicht der Kräfte herzustellen, nutzt er die Heiratspolitik als Instrument und gibt seine Tochter Silabhattarika dem Kaiser Dhruva Dharavarsha zur Frau. Durch diese Eheschließung schafft Vishnuvardhana IV zugleich eine Verbindung zwischen den östlichen Chalukyas, den Rashtrakutas und der westlichen Ganga-Dynastie, denn die Heirat dient dazu, das Bündnis der Rashtrakutas mit den West-Gangas zu festigen. Auf diese Weise verwandelt er seine militärische Schwäche in einen diplomatischen Ausgleich, der seine Dynastie in ein weitreichendes Netz von Allianzen einbindet. In den Jahren nach 784 hält Vishnuvardhana IV seine Herrschaft über Vengi aufrecht und regiert weiterhin als anerkannter König der östlichen Chalukyas. Die bestehende Heiratsverbindung mit den Rashtrakutas bildet den Rahmen für eine vorsichtig austarierte Beziehung zu dieser Großmacht, in der er formal unterlegen, aber dynastisch verbunden ist. In seinem Reich sorgt er für die Kontinuität der Dynastie, sodass ein geregelter Übergang an einen Nachfolger möglich bleibt. Die Region Vengi bleibt in dieser Zeit ein wichtiger Schauplatz des Machtspiels zwischen den Chalukyas und ihren mächtigen Nachbarn, während Vishnuvardhana IV durch seine familiären Allianzen eine gewisse Sicherheit für sein Haus gewinnt.
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| *[[808#INDIEN | Fortsetzung 808]]
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| *'''808:''' Im Jahr 808 endet die Regierungszeit Vishnuvardhanas IV, und sein Nachfolger Vijayaditya II übernimmt die Herrschaft über das Reich der östlichen Chalukyas von Vengi. Zu diesem Zeitpunkt hat Vishnuvardhana IV mit seiner 36-jährigen Regierung seit 772 eine Phase relativer Kontinuität geschaffen, in der er das Königshaus durch geschickte Heiratspolitik mit den Rashtrakutas verknüpft. Der Übergang der Macht an Vijayaditya II sichert die Fortführung der Dynastie und zeigt, dass seine Herrschaft nicht in einer dynastischen Krise endet, sondern in einer geordneten Nachfolge. Damit hinterlässt er ein Reich, das in den größeren politischen Zusammenhang Südindiens eingebunden ist und in dem sein Name als zehnter König der östlichen Chalukyas weiterlebt. Über die nachfolgenden Könige ist kein Wikipedia-Artikel vorhanden, erst im Jahr 848 regiert ein König, über den Informationen vorhanden sind.
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| *'''848:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Vijayaditya_III '''König Vijayaditya III. (848–892)''']
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| *'''Zuletzt 772'''
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| '''Rashtrakuta''' | | '''Rashtrakuta''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Govinda_II König Gowinda II. (774–780)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Govinda_II König Gowinda II. (774–780)] <br /> |
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| *'''780:''' Zeit nach 780 n. Chr. (Entmachtung und gescheiterte Rückkehrversuche) Um 780 endet die Regierungszeit Govindas II; Dhruva Dharavarsha übernimmt nun offiziell den Thron und wird als Kaiser anerkannt. Dhruva bringt das Reich endgültig unter seine Kontrolle und setzt die von ihm bereits geführte expansive Politik nun als legitimer Herrscher fort. Govinda II verliert seine reale Machtposition, hält aber an dem Anspruch fest, die Autorität über das Rashtrakuta‑Reich zurückzugewinnen. In dieser Phase versucht Govinda II, seine alte Stellung wiederherzustellen, indem er Bündnisse mit benachbarten Herrschern schmiedet. Die Kupferplatten von Paithan berichten, dass er sich an die Könige von Malwa, an Nandivarman II von Kanchi und an Vishnuvardhana IV von Vengi wendet, also gerade an jene Mächte, mit denen die Rashtrakutas zuvor rivalisieren oder zeitweise kooperieren. Govinda II plant mit ihrer Hilfe einen Vorstoß gegen Dhruva, um die Kontrolle über das Reich zurückzuerlangen. Dieser Versuch scheitert jedoch vollständig; Dhruva schlägt die Herausforderung nieder und festigt seine Herrschaft. Der Aufstand oder Gegenversuch Govindas führt nicht zu einer Teilung oder Schwächung des Reiches, sondern bestätigt vielmehr die Machtbasis Dhruvas, der als legitimer Kaiser unangefochten bleibt. Govinda II bleibt damit dauerhaft entmachtet, und die weitere Entwicklung des Reiches steht unter der Führung Dhruvas und seiner Nachfolger, während Govinda II in den Quellen vor allem als früher Kaiser und als „Vallabha“ in Erinnerung bleibt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Dhruva_Dharavarsha '''König Dhruva Dharavarsha (780-793)''']
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| *[[783#INDIEN | Fortsetzung 783]]
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| *'''783:''' 705 Śaka (≈ 783/784 n. Chr.): Acharya Jinasena verfasst seine Jain‑Chronik Harivaṃśapurāṇa und beendet sie mit einer ausführlichen praśasti, einem lobenden Schlussvers. In dieser Schlussrede erklärt er, dass Govinda II, den er als „Shrivallabha“ bezeichnet, gegenwärtig auf dem Thron sitzt. Govinda II herrscht in diesem Moment über den Süden des indischen Subkontinents; er ist Rashtrakuta‑Kaiser und repräsentiert die Macht seines Geschlechts. Zur gleichen Zeit regiert Indradyumna den Norden, Vatsaraja übt seine Herrschaft im Osten aus, und Varaha bzw. Jayavaraha kontrolliert die Saura‑ bzw. Saurashtra‑Region im Westen. Indien ist damit in mehrere große Machtbereiche aufgeteilt, die sich gegenseitig beobachten und in einem fragilen Gleichgewicht stehen. Govinda II gilt in dieser Situation als der anerkannte Herrscher der südlichen Reiche, als „Vallabha“, wie die Rashtrakuta‑Könige allgemein genannt werden. Der Titel „Vallabhākhyaḥ“, den die Inschriften ihm geben, betont seine Stellung als zentraler Repräsentant der Dynastie.
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| *'''zuletzt 774'''
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| '''Westliche Ganga-Dynastie''' | | '''Westliche Ganga-Dynastie''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Sripurusha König Sripurusha (726–788)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Sripurusha König Sripurusha (726–788)] <br /> |
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| *'''788:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Shivamara_II '''König Shivamara II. (788-816)'''] [[788#INDIEN | Fortsetzung 788]]
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| *'''zuletzt 731'''
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| '''Pallava''' | | '''Pallava''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Nandivarman_II König Nandivarman II. (731–796)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Nandivarman_II König Nandivarman II. (731–796)] <br /> |
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| *'''796:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Dantivarman '''König Dantivarman (796–846)'''] [[796#INDIEN | Fortsetzung 796]]
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| *'''Zuletzt 731'''
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| '''Anuradhapura''' | | '''Anuradhapura''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VI König Aggabodhi VI. (741–781)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VI König Aggabodhi VI. (741–781)] <br /> |
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| *'''781:''' Im vierzigsten Jahr seiner Herrschaft stirbt Aggabodhi VI. Nach seinem Tod folgt ihm sein Vetter Aggabodhi VII. auf den Thron von Anuradhapura. [https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VII '''König Aggabodhi VII. (781-787)'''] [[787#INDIEN | Fortsetzung 787]]
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| *'''Zuletzt 741'''
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| ==TIBET== | | ==TIBET== |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Trisong_Detsen König Trisong Detsen (755–797)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Trisong_Detsen König Trisong Detsen (755–797)] <br /> |
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| *'''778:''' Trisong: 778 schließt der König ein Bündnis mit Nanzhao, um gemeinsam die Chinesen im Gebiet des heutigen Sichuan anzugreifen.
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| *[[779#TIBET | Fortsetzung 779]]
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| *'''779:''' Trisong: 779 initiiert Śāntarakṣita sieben Tibeter zu Mönchen, darunter vermutlich frühere Soldaten, und begründet damit eine erste ordensmäßige Sangha in Tibet. In dieser Zeit entwickelt sich unter Trisong Detsens Schirmherrschaft auch Sowa Rigpa, die traditionelle tibetische Medizin.
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| *'''779:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Samye '''Samye (Kloster)'''] Im „Hasenjahr“, das entweder dem Jahr 763 oder 775 entspricht, legt man den Grundstein des Tempels Samye. Unter der Herrschaft des tibetischen Königs Thrisong Detsen entsteht am Fuße des Berges Hepori das älteste buddhistische Kloster Tibets. Der Bau beginnt auf Initiative indischer Gelehrter, die der König nach Tibet holt, um den Buddhismus im Land zu festigen. Im „Schafjahr“, das dem Jahr 779 entspricht, ist der Hauptschrein von Samye vollendet und wird geweiht. Zu dieser Zeit ist Thrisong Detsen weiterhin König von Tibet und führt die Errichtung der Anlage als zentrales buddhistisches Kloster fort. Damit ist Samye als buddhistisches Kloster gegründet und bereit, als geistiges Zentrum des frühen tibetischen Buddhismus zu dienen.
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| *'''783:''' Trisong: 783 schließt Tibet mit China einen Friedensvertrag, in dem Tibet alle Gebiete im heutigen Qinghai zugesprochen werden. In der gleichen Epoche beginnt Trisong Detsen, Tibet westwärts bis an den Amu‑Darya auszuweiten und den Abbasiden‑Kalifen Hārūn ar‑Raschīd zu bedrohen. Der Kalif fühlt sich dadurch so beunruhigt, dass er ein Bündnis mit dem chinesischen Kaiser schließt, sodass Tibet im Westen mit arabischen Kriegen beschäftigt ist, während der Druck auf China im Osten und Norden nachlässt. - Bis spätestens Ende der 780er Jahre gilt Trisong Detsen als bedeutender Förderer der indo‑tibetischen Vajrayana‑Tradition, während parallel die chinesischen Chan‑Strömungen im Land präsent sind. In dieser Zeit etabliert sich die Vorstellung der drei Dharma‑Könige Songtsen Gampo, Trisong Detsen und Ralpachen, die als maßgebliche Stifter des tibetischen Buddhismus gelten. Trisong Detsen wird später außerdem traditionell mit dem Bau der Stupa von Boudhanath im Kathmandutal in Nepal verbunden.
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| *'''792:''' Trisong: Von 792 bis 794 veranstaltet Trisong Detsen bei Samye die berühmte zweijährige Debatte, die in westlicher Forschung als „Konzil von Lhasa“ bezeichnet wird. Dort diskutieren der Chan‑Meister Moheyan, der eine Form des chinesischen Chan vertritt, und der indische Gelehrte Kamalaśīla, Schüler Śāntarakṣitas, die Frage nach Weg und Methode zur Erleuchtung. Stein zufolge vertritt Kamalaśīla einen „allmählichen Weg“ mit Läuterungspraxen und Paramitas, siegt in der Debatte, und der König stellt sich auf seine Seite.
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| *'''794:''' Trisong: 794 bricht Nanzhao mit Tibet, führt die Schlacht von Shenchuan, um sich aus der tibetischen Umklammerung zu lösen, und erneuert anschließend das Bündnis mit dem Tang‑Reich. Unterdessen festigen die kombinierten Anstrengungen von Padmasambhava, Śāntarakṣita und Kamalaśīla sowohl die indisch‑buddhistische Philosophie als auch den tantrischen Buddhismus dauerhaft in Tibet. Gegen Ende seiner Herrschaft hat Trisong Detsen das Reich über frühere Grenzen hinaus erweitert, die Grenze zu China 783 neu festgelegt und zeitweise die chinesische Hauptstadt besetzt.
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| *'''797:''' Trisong: Trisong Detsen hat drei Söhne: Mutri, Muné Tsenpo (Murub) und Mutik Tsenpo (Sadnalegs); der älteste, Mutri Tsenpo, stirbt früh. 797 zieht sich Trisong Detsen in den Palast von Zungkar zurück, verfasst Dharmatexte und übergibt den Thron an seinen zweiten Sohn Muné Tsenpo. Muné Tsenpo verfolgt in etwa eineinhalb Jahren zahlreiche spirituelle und weltliche Ziele und besteht laut Testament von Ba darauf, dass das Begräbnis seines Vaters nach buddhistischen, nicht nach traditionellen Riten abläuft.
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| *'''Zuletzt 762'''
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| ==KHMER==
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| '''Chenla'''
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| *'''Zuletzt 716'''
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| ==CHAMPA==
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| *'''Zuletzt 686'''
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| ==CHINA== | | ==CHINA== |
| (57./58. Zyklus - Jahr des Holz-Tigers; am Beginn des Jahres Wasser-Büffel) | | (57./58. Zyklus - Jahr des Holz-Hasen; am Beginn des Jahres Holz-Tiger) |
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| '''Tang-Dynastie''' | | '''Tang-Dynastie''' |
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Emperor_Daizong_of_Tang Kaiser Daizong (762–779)] <br /> | | *[http://en.wikipedia.org/wiki/Emperor_Daizong_of_Tang Kaiser Daizong (762–779)] <br /> |
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| *'''778:''' Li Kuo: Die Aktivitäten Li Kuos als Kronprinz bleiben in den offiziellen Chroniken weitgehend unerwähnt, doch 778 erklärt Daizong nach der Hinrichtung des korrupten Kanzlers Yuan Zai, Li Kuo habe dessen Verfehlungen aufgedeckt.
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| *[[779#CHINA | Fortsetzung 779]]
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| *'''779:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Tang_Dezong '''Kaiser Tang Dezong (779–805)'''] 779 erkrankt Daizong schwer, Li Kuo regiert kurzzeitig als Regent und tritt nach Daizongs Tod noch im selben Jahr als Kaiser Dezong die Nachfolge an. Unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt 779 setzt Dezong eine Reihe markanter Akzente zur Abgrenzung von der Politik seines Vaters. Er verbannt den Kanzler Chang Gun, ersetzt ihn durch Cui Youfu und lässt auf Cuīs Empfehlung Yang Yan zum Kanzler ernennen. Den mächtigen Feldherrn Guo Ziyi drängt er, wenn auch mit vielen Ehrentiteln, in den Ruhestand und verteilt dessen Kommandos auf Li Huaiguang, Chang Qianguang und Hun Jian. Dezong lässt die Tiere des kaiserlichen Tiergartens freilassen, entlässt zahlreiche Palastdamen und verbietet Eunuchen in Kurierfunktion das Annehmen von Geschenken. Den lange halbautonomen Militärgouverneur Cui Ning von Xichuan lässt er nach Chang’an kommen und entzieht ihm de facto die Kontrolle über die Region. Auf Vorschlag Yang Yans reformiert er das Steuersystem grundlegend und führt das Gesetz der „Zwei Steuern“ (Liangshui fa) ein, das Grundeigentümer entlastet und nun auch Händler besteuert. Dezong nimmt die Suche nach seiner Mutter Shen wieder auf, ehrt sie in Abwesenheit als Kaiserinwitwe und beauftragt Beamte und Mitglieder des Shen‑Clans mit der Suche, die zugleich mit Titeln bedacht werden. 781 halten die Suchenden fälschlich eine Adoptivtochter des alten Eunuchen Gao Lishi für die Kaiserinwitwe, bringen sie nach Chang’an und ehren sie, bis ihr Bruder Gao Chengyue die Täuschung meldet und die Frau gesteht. Dezong verzichtet bewusst auf Bestrafung, um zukünftige Hinweise nicht zu ersticken; auch spätere angebliche „Kaiserinmütter Shen“ erweisen sich als Betrügerinnen, die echte Shen bleibt verschwunden.
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| *'''780:''' Dezong: Parallel erwägt Dezong auf Yang Yans Anregen Feldzüge zur Rückgewinnung der an Tibet verlorenen westlichen Präfekturen. Er setzt den für seine Härte berüchtigten Li Huaiguang als Oberkommandierenden ein, was 780 in Jingyuan eine Meuterei auslöst. Dezong lässt die Jingyuan‑Revolte zwar niederschlagen, bricht aber seine Tibet‑Pläne ab.
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| *'''781:''' Dezong: Beim Regierungsantritt Dezongs existieren vier große, faktisch autonome Militärbezirke: Pinglu unter Li Zhengji, Weibo unter Tian Yue, Chengde unter Li Baochen und Shannan Ost unter Liang Chongyi. Diese Gouverneure sind miteinander verbündet und wollen ihre Herrschaften erblich in der Familie weitergeben. 781 stirbt Li Baochen, sein Sohn Li Weiyue bittet formell um Bestätigung als Nachfolger, doch Dezong verweigert dies und nutzt den Fall zum Angriff auf das erblich gewordene Militärgouverneurswesen. Die vier Regionen rüsten daraufhin zum Krieg, und als noch im selben Jahr Li Zhengji stirbt, wird auch dessen Sohn Li Na nicht anerkannt. Dezong setzt Li Xilie von Huaixi gegen Shannan Ost ein, Ma Sui, Li Baozhen und Li Sheng gegen Weibo und Zhu Tao von Lulong gegen Chengde. Ma, Li Baozhen und Li Sheng schlagen Tian Yues Truppen, belagern dessen Hauptstadt Wei‑Zhou, Li Xilie treibt Liang Chongyi in den Selbstmord, und Zhu Tao gewinnt mit Hilfe von Zhang Xiaozhong, der Li Weiyue verrät, die Oberhand; Wang Wujun tötet Li Weiyue und ergibt sich, während Li Na bei Pu‑Zhou eingeschlossen wird.
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| *'''782:''' Dezong: Bis Frühjahr 782 scheint Dezong kurz vor dem Durchbruch zur Wiederherstellung der kaiserlichen Autorität zu stehen. Doch er verprellt Zhu Tao, indem er ihm nicht die gewünschte Präfektur Shen‑Zhou gibt, und beleidigt Wang Wujun, indem er ihn nur als untergeordneten Militärpräfekten einsetzt. Außerdem weist er Li Nas Kapitulation zurück. Zhu und Wang verbünden sich daraufhin mit Tian Yue, entsetzen Wei‑Zhou, schlagen die kaiserlichen Heere und ermöglichen Li Na die Flucht nach Yun‑Zhou; alle vier Kommandeure nehmen Fürstentitel an und distanzieren sich vom Tang‑Hof, behalten aber Dezongs Äranamen bei und ziehen schließlich auch Li Xilie auf ihre Seite. In dieser Phase stirbt Cui Youfu, Lu Qi rückt neben Yang Yan zum Kanzler auf, beeinflusst Dezong stark und überzeugt ihn von Yangs angeblichem Hochverrat, worauf Yang hingerichtet wird. Unter Lus Einfluss wird Dezong zunehmend hart, was Beamte und Volk gegen ihn einnimmt. Zur Finanzierung der Mehrfrontenkriege führt er neue Haus‑ und Verkehrsteuern ein, die die Bevölkerung schwer belasten und zur Denunziation bei Steuervergehen ermutigen; Beschwerden mehren sich im ganzen Reich. Der Gelehrte Lu Zhi warnt Dezong eindringlich vor weiteren Feldzügen und neuen Abgaben, da das Reich kurz vor einem Flächenaufstand steht, doch Dezong ignoriert ihn.
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| *'''783:''' Dezong: Am 2. November 783 meutern in Chang’an stationierte Soldaten aus Jingyuan, weil sie keine erwarteten Belohnungen erhalten und nur vegetarische Kost bekommen. Sie greifen den Palast an, zwingen Dezong zunächst zur Flucht nach Xianyang und weiter nach Fengtian. Die Aufständischen rufen Zhu Taoes Bruder Zhu Ci, einen früheren Militärgouverneur von Jingyuan, zu ihrem Anführer aus, der bald ein eigenes Qin‑Königtum proklamiert, zahlreiche Beamte gewinnt und andere zwingt, sich mit dem Kaiser nach Fengtian zurückzuziehen. Zhu Ci belagert Fengtian über einen Monat hinweg, die kleine Stadt steht kurz vor dem Fall. Li Huaiguang marschiert jedoch eilig vom Weibo‑Frontabschnitt heran, so dass Zhu die Belagerung verstärkt, die Stadt aber nicht einnimmt und sich mit Li Huaiguangs Nahen wieder nach Chang’an zurückzieht. Trotz Li Huaiguangs entscheidender Hilfe verweigert Dezong ihm eine persönliche Audienz und befiehlt ihm stattdessen, gemeinsam mit Li Sheng, Li Jianhui und Yang Huiyuan Chang’an zurückzuerobern. Lu Qi, der weiß, dass Li Huaiguang ihn hasst, hat diesen Rat gegeben, um seiner eigenen Anklage zu entgehen. Li Huaiguang entfremdet sich, reicht zwar Bittschriften zur Verbannung Lu Qis und seiner Gefolgsleute ein; Dezong verbannt Lu, Bai Zhizhen und Zhao Zan.
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| *'''784:''' Dezong: Auf Vorschlag Lu Zhis erlässt Dezong am Neujahrstag 27. Januar 784 einen großen Gnadenerlass, macht sich selbst für die Aufstände verantwortlich, begnadigt sämtliche Warlords und ihre Truppen mit Ausnahme von Zhu Ci und befreit die an der Anti‑Zhu‑Kampagne beteiligten Soldaten von Steuern. Wang Wujun, Tian Yue und Li Na legen daraufhin ihre Fürstentitel ab und erkennen die Tang‑Oberhoheit erneut an, Dezong bestätigt sie als Militärgouverneure ihrer Gebiete. Li Xilie dagegen ruft ein eigenes Reich Chu aus, während Zhu Tao nach Süden zieht, um sich Zhu Ci anzuschließen. Als Tian Yue sich weigert, sich Zhu Tao anzuschließen, wird Weibo angegriffen, hält aber stand. Nach Tian Yues Ermordung übernimmt sein Cousin Tian Xu, der zunächst die Nähe zu Zhu Tao sucht, dann aber mit Wang Wujun und Li Baozhen ein Bündnis eingeht und Zhu Tao militärisch schlägt, so dass dieser nach Lulong flieht. Unterdessen verhandelt der entfremdete Li Huaiguang heimlich mit Zhu Ci, der sein Reich inzwischen in Han umbenannt hat. Zhu verspricht, Li Huaiguang als älteren Bruder zu behandeln und mit ihm die Guanzhong‑Region zu teilen, beide jeweils als Kaiser eines eigenen Staates. Am 20. März 784 erhebt sich Li Huaiguang offen und schließt sich Zhu an, worauf Dezong von Fengtian nach Liang‑Zhou ausweicht. Mehrere wichtige Offiziere Li Huaiguangs – Han Yougui, Dai Xiuyan, Luo Yuanguang und Shang Kegu – verweigern den Aufstand und stellen sich unter Li Shengs Befehl, den Dezong zum Oberkommandierenden im Raum Guanzhong macht. Als Li Huaiguang geschwächt ist, behandelt Zhu Ci ihn nur noch als Untergeordneten, was Li verbittert und verängstigt; er zieht sich nach Hezhong zurück. Li Sheng bereitet den entscheidenden Angriff auf Chang’an vor, beginnt am 12. Juni 784 die Offensive und nimmt die Stadt am 20. Juni ein. Zhu Ci flieht Richtung Tibet, wird aber von eigenen Soldaten getötet, sein Staat Han endet. Am 3. August 784 kehrt Dezong nach Chang’an zurück. Dezong bemüht sich anschließend, Li Huaiguang zur Rückkehr in die Loyalität zu bewegen, und dessen erste Reaktion ist positiv. Doch als der Gesandte Kong Chaofu in Hezhong ankommt, empfinden Li Huaiguangs Soldaten sein Auftreten als respektlos, töten ihn offenbar mit stillschweigender Billigung ihres Befehlshabers, worauf Li Huaiguang weiter Widerstand leistet. Bis Herbst 785 zwingen ihn die vereinten Truppen von Ma Sui und Hun Jian, in Hezhong Selbstmord zu begehen; seine Armee unterwirft sich wieder Tang.
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| *'''786:''' Dezong: Li Xilie setzt seine Expansionsversuche fort, stößt jedoch mehrfach auf Widerstand kaiserlicher Generäle. Im Sommer 786, als Li Xilie erkrankt, vergiftet ihn sein General Chen Xianqi, tötet dessen Familie und unterstellt sich wieder Dezong, wird aber selbst kurz darauf von Wu Shaocheng ermordet, der nominell weiter dem Tang‑Hof huldigt. Nominal steht das Reich damit wieder vollständig unter Dezongs Oberhoheit. Gleichzeitig ist das Reich durch die jahrelangen Kriege schwer geschwächt, tibetische Heere nutzen die Lage und fallen wiederholt in Tang‑Gebiet ein. Der tibetische Kanzler Shang Jiezan ist überzeugt, die Tang erobern zu können, wenn er die drei Generäle Li Sheng, Ma Sui und Hun Jian ausschaltet. Dezong ist inzwischen von mächtigen Feldherren zunehmend verängstigt; Gerüchte Shangs und Intrigen des Kanzlers Zhang Yanshang wecken Misstrauen gegen Li Sheng, der zu dieser Zeit als Militärgouverneur von Fengxiang dient.
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| *'''787:''' Dezong: 787 ruft Dezong Li Sheng nach Chang’an zurück, beruft ihn zum Kanzler und nimmt ihm das Militärkommando. Shang bietet über Ma Sui einen Friedensvertrag an; Dezong glaubt an seine Aufrichtigkeit, missachtet Li Shengs Warnungen und stimmt zu. Auf Shangs Wunsch schickt er Hun Jian zur Vertragsunterzeichnung; am 8. Juli 787 gerät Hun in einen Hinterhalt, entgeht aber dank des Eingreifens von Luo Yuanguang und Han Yougui der Gefangennahme. Ma Sui, der den Frieden eingefädelt hat, wird zur Verantwortung gezogen, nach Chang’an beordert und seines Kommandos in Hedong enthoben. Nach diesem Debakel holt Dezong Li Mi aus der Provinz zurück und macht ihn zum Kanzler, der bald de facto alleiniger Regierungschef wird. Auf Li Mis Rat hin ermuntert der Hof Soldaten, sich in den Grenzgebieten zu Tibet anzusiedeln, und verspricht ihnen Land sowie Saatgut, um das Grenzland neu zu bevölkern und zu sichern. Li Mi plädiert außerdem für ein Heiratsbündnis mit dem Huige‑Herrscher Yaoluoge Dunmohe, was Dezong wegen seines alten Hasses zunächst ablehnt, dann aber auf Zustimmung von Li Sheng und Ma Sui doch akzeptiert. Da Huige inzwischen gegen Tibet kämpft und der Vasall Nanzhao sich von Tibets Feldzügen distanziert, ebbt der tibetische Druck ab und Tang‑Generäle erzielen wieder Erfolge. Inzwischen fordert Dezong regelmäßig Tribute von den Militärgouverneuren für seine private Schatzkammer. Li Mi versucht, diesen Schatzhunger zu zügeln, indem er eine feste Jahresdotation für den Kaiser einführt, die Dezong zunächst akzeptiert. Gleichwohl verlangt er weiter geheime Tribute und befiehlt den Gouverneuren, Li Mi nicht zu informieren; als Li Mi es dennoch erfährt, verfällt er in Resignation und wagt keine erneute Kritik.
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| *'''789:''' Dezong: 789 stirbt Li Mi, Dou Can, den dieser empfohlen hat, steigt für einige Zeit zum dominierenden Kanzler auf, verliert aber bald die kaiserliche Gunst, wird verbannt und schließlich zum Selbstmord gezwungen. Lu Zhi rückt zum Hauptkanzler auf und entwirft umfangreiche Reformpläne für Beamtenwesen, Nachschubsystem und Kontrolle der Militärprovinzen.
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| *'''792:''' Dezong: Dezong ist inzwischen so furchtsam gegenüber regionalen Kommandeuren, dass er neue Gouverneure nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der führenden Offiziere der jeweiligen Truppen einsetzt. So will er 792 nach dem Tod von Liu Xuanzuo in Xuanwu dessen Großonkel Wu Cou einsetzen, gibt diesen Plan aber auf, als die Soldaten Liu Xuanzuos Sohn Liu Shining ausrufen und akzeptiert ihn als Militärgouverneur. Lu Zhi gerät bald in Konflikt mit Dezongs Günstling Pei Yanling, der kaiserliche Gunst gewinnt, indem er angebliche neue Einnahmequellen erschließt. Bis 794 verliert Lu den Machtkampf und sein Kanzleramt, 795 folgt die Verbannung.
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| *'''794:''' Dezong: Nach dem Sturz des Kanzlers Lu misstraut Dezong Kanzlern generell immer stärker und nimmt die Auswahl von Beamten persönlich an sich. Da er nicht alle Kandidaten kennen kann, stützt er sich noch mehr auf Empfehlungen von Pei Yanling und anderen Favoriten wie Li Qiyun, Wang Shao, Li Shi, Wei Zhiyi und Wei Qumou. Deren Wort kann Karrieren zerstören oder befördern, und viele Beamte suchen ihren Aufstieg durch Schmeichelei bei diesen Männern. Gleichzeitig öffnet sich Dezong immer stärker für Tributzahlungen der Militärgouverneure. Die Regionalherren senden reiche Gaben nach Chang’an, um ihre Positionen zu sichern und kaiserliche Gunst zu gewinnen. Zugleich steigen eunuchische Kommandeure wie Dou Wenchang und Huo Xianming an die Spitze der Shence‑Garden‑Armee auf, aus deren Reihen viele Militärgouverneure hervorgehen, was die Macht dieser Hofeunuchen stark vergrößert.
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| *'''799:''' Dezong: 799 beginnt Wu Shaocheng, der nun Zhangyi (früher Huaixi) beherrscht, sein Umland zu plündern, ohne dass die Quellen klare Motive nennen. Dezong befiehlt die Militärgouverneure der Nachbarregionen – Yu Di (Shannan Ost), Han Hong (Xuanwu), Yi Shen (Anhuang) und Shangguan Shui (Chenxu) – zum gemeinsamen Angriff. Anfangs haben sie Erfolg, scheitern aber an mangelnder Koordination und brechen um die Jahreswende 800 plötzlich zusammen, wodurch Wu große Vorräte erbeutet. Darauf überträgt Dezong Han Quanyi von Xiasui den Oberbefehl, doch dieser wird mehrfach von Wu geschlagen. Auf Rat des Xichuan‑Gouverneurs Wei Gao und des Kanzlers Jia Dan stellt Dezong Wu Shaocheng Ende 800 eine Begnadigung in Aussicht und beendet so den erfolglosen Feldzug. Um diese Zeit haben Wei Gao und der Nanzhao‑König Yimouxun, der nach der Schlacht von Shenchuan wieder in das chinesische Tributsystem eingetreten ist, den Tibetern mehrere Niederlagen beigebracht. Tibet stellt nun eine deutlich geringere Bedrohung für die Sicherheit der Tang‑Grenzen dar.
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| *'''805:''' Dezong: Währenddessen ist der älteste Sohn Dezongs, Kronprinz Li Song, eng mit den jungen Beamten Wang Pi und Wang Shuwen befreundet. Wang Pi, Wang Shuwen und ihre Kreise – darunter Wei Zhiyi, Lu Chun, Lü Wen, Li Jingjian, Han Ye, Han Tai, Chen Jian, Liu Zongyuan und Liu Yuxi – entwerfen Reformpläne für die Zeit nach Li Songs Thronbesteigung und bilden faktisch eine Schattenregierung. Im Winter 804 erleidet Li Song einen Schlaganfall, wird teilweise gelähmt und stumm. Im Frühjahr 805 führt Li Songs Krankheit bei Dezong zu tiefer Depression und schließlich schwerer Erkrankung. Dezong stirbt am 25. Februar 805 in Chang’an, und trotz Spekulationen über die Regierungsfähigkeit des kranken Kronprinzen besteigt Li Song den Thron als Kaiser Shunzong.
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Hyegong_of_Silla König Hyegong (765–780)] <br />Im Jahr 775 folgen weitere Rebellionen, wiederum von hohen Beamten angeführt. | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Hyegong_of_Silla König Hyegong (765–780)] <br />Im Jahr 775 folgen weitere Rebellionen, wiederum von hohen Beamten angeführt. |
| *[[780#KOREA | Fortsetzung 780]] | | *[[780#KOREA | Fortsetzung 780]] [[Kategorie:Silla]] |
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| *'''780:''' Hyegong: Im Jahr 780 bricht eine neue, besonders gefährliche Rebellion aus. Angeführt wird sie von Kim Chi-jeong, der den Rang eines ichan innehat, also zu den höchsten Beamten des Reiches zählt. Der Aufstand richtet sich offen gegen Hyegong und die bestehende Ordnung. Die Lage eskaliert, sodass militärische Maßnahmen notwendig werden. Hyegong reagiert, indem er den ranghöchsten Beamten sangdaedeung Kim Yang-sang beauftragt, den Aufstand niederzuschlagen. Kim Yang-sang führt die loyalen Truppen gegen die Rebellen. Dennoch gelingt es den Aufständischen, die Palastanlage zu stürmen. Im Zuge dieses Angriffs wird Hyegong zusammen mit weiteren Mitgliedern der königlichen Familie ermordet. Mit seinem Tod im Jahr 780 endet nicht nur seine persönliche Herrschaft, sondern auch die Linie der Nachkommen König Muyeols auf dem Thron. In der Rückschau gilt Hyegongs Regierung deshalb als Abschluss der mittleren Periode des Silla‑Staates. Kim Yang-sang, der aus einer anderen königlichen Linie stammt und als elfter Generationen‑Nachkomme von König Naemul gilt, übernimmt nach diesen Ereignissen die Macht. Er besteigt als König Seondeok von Silla den Thron und leitet damit eine neue Phase der Silla‑Geschichte ein. Hyegong ist mit mindestens zwei Königinnen verheiratet. Eine seiner Gemahlinnen ist Königin Wi aus dem Wi‑Klan. Eine weitere Gemahlin ist Königin Changchang aus dem Kim‑Klan, Tochter von Kim Chang. Trotz dieser Verbindungen bleibt Hyegong der letzte Herrscher auf dem Silla‑Thron, der direkt von König Muyeol abstammt, sodass mit seinem Tod eine bedeutende dynastische Linie endet. [https://en.wikipedia.org/wiki/King_Seondeok_of_Silla '''König Seondeok (780–785)''']
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| *[[785#KOREA | Fortsetzung 785]]
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| '''Balhae''' | | '''Balhae''' |
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| *[https://en.wikipedia.org/wiki/Mun_of_Balhae König Mun (737–793)] <br /> | | *[https://en.wikipedia.org/wiki/Mun_of_Balhae König Mun (737–793)] <br /> |
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| *'''793:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Tae_W%C5%8Fn%C5%ADi '''König Tae Wŏnŭi (793)''']
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| *[[793#KOREA | Fortsetzung 793]]
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| *[http://en.wikipedia.org/wiki/Mu_of_Balhae Liste der Könige von Balhae]
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| *'''zuletzt 774'''
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| ==JAPAN== | | ==JAPAN== |
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| *[http://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dnin Tennō Kōnin (770–781)] <br /> | | *[http://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dnin Tennō Kōnin (770–781)] <br /> |
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| *'''781:''' Im Jahr 781, im ersten Jahr der Ära Ten’ō, legt Kōnin nach etwa elf Regierungsjahren sein Amt nieder und dankt zugunsten seines Sohnes Yamabe ab, der als Tennō Kanmu den Thron besteigt. Mit der Abdankung übergibt Kōnin seinem Sohn ein formal konsolidiertes, aber politisch im Wandel befindliches Reich, aus dem Kanmu wenig später durch die Verlegung der Hauptstadt nach Nagaoka und schließlich nach Heian eine neue Epoche formt. Im zwölften Monat desselben Jahres 781/782 (nach westlicher Zählung im Januar 782) stirbt Kōnin im Alter von etwa 73 Jahren und beendet damit ein Leben, das von einem späten, überraschenden Aufstieg zum Kaiser und von innerhofischen Machtkämpfen geprägt ist.
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| *'''781:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Kammu '''Tennō Kammu (781–806)'''] 781 besteigt Kammu im Alter von etwa 45 Jahren den Thron und wird der 50. Tennō von Japan. Seine Thronbesteigung stößt auf Widerstand, weil seine Mutter nicht-japanische Wurzeln hat; wichtiger politischer Förderer ist Fujiwara no Momokawa. Zu Beginn seiner Herrschaft versucht Kammu, die kaiserliche Macht zu stärken, Verwaltungsstrukturen zu ordnen und das Reich militärisch zu festigen. Er führt Feldzüge gegen die Emishi im Norden Honshūs, stützt sich dabei auf regionale Clans und etabliert in diesem Zusammenhang den Titel Shōgun.
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| *[[784#JAPAN | Fortsetzung 784]]
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| *'''784:''' Kammu verlegt die Hauptstadt von Heijō-kyō nach Nagaoka-kyō, um sich dem Einfluss der mächtigen buddhistischen Tempel von Nara zu entziehen. Kurz darauf kommt es zur Ermordung von Fujiwara no Tanetsugu, was politische Spannungen und Verdächtigungen am Hof auslöst. Kammus Bruder Prinz Sawara, zuvor Kronprinz, wird der Verwicklung in diesen Mord beschuldigt, verbannt und stirbt auf dem Weg ins Exil nach Awaji. Später wird er unter dem postumen Titel Sudō Tennō geehrt, weil sein unruhiger Geist nach damaligem Glauben Unglück über Kaiserhaus und Fujiwara bringt. Die Jahre in Nagaoka-kyō sind von Unglücken, Aufständen, Hungersnöten und der allgemeinen Belastung durch Wehrpflicht und Kriege geprägt. In religiöser Deutung erscheinen Himmelszeichen und ein Mondfinsternis-Omen als Hinweis, dass der Standort der Hauptstadt unheilvoll ist.
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| *'''794:''' Kammu lässt den Bau von Nagaoka-kyō abbrechen und verlegt die Hauptstadt nach Heian-kyō, das spätere Kyōto, womit die Heian-Zeit beginnt. In Heian-kyō richtet er unter anderem die Trainingshalle Butokuden ein, die als wichtige militärische und rituelle Einrichtung gilt. Kammu entsendet die Mönche Saichō und Kūkai nach China, damit sie Lehren des Buddhismus studieren, aus denen später in Japan Tendai- und Shingon-Schulen hervorgehen. Dadurch fördert er religiöse und kulturelle Entwicklungen, die die Heian-Zeit prägen. Während seiner Herrschaft entstehen auch Nebenlinien des Kaiserhauses: Kammu ist Vater der späteren Tennō Heizei, Saga und Junna und Ahnherr des Taira-Klans, dem zahlreiche Prinzen ohne Hofamt angehören. Gegen Ende seiner Regierungszeit nimmt der Einfluss der Fujiwara-Familie wieder zu, auch wenn Kammu zeitweise deren Macht begrenzt.
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| *'''806:''' Kammu stirbt in Heian-kyō
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| *'''Zuletzt 772'''
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| ==KALINGGA==
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| *'''Zuletzt 725'''
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| ==QUELLEN== | | ==QUELLEN== |