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813

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813 Chronik

NORDGERMANEN

Dänemark

  • König Harald Klak (1. Amtszeit, 812-813)
    Harald und Ragnfred kehren von Kämpfen gegen Rebellen in Vestfold in Norwegen in ihr Reich zurück. Nach ihrer Rückkehr werden sie von Gudfreds Söhnen und deren adeligen Gefolgsleuten angegriffen, die aus Schweden zurückgekehrt sind. Die fünf Brüder erhalten Unterstützung aus dem gesamten dänischen Reich, besiegen Harald und Ragnfred und vertreiben sie aus Dänemark. Auf diese Weise werden die Brüder zu dänischen Mit-Herrschern erhoben, wobei unklar bleibt, ob sie das Reich teilen oder gemeinsam regieren.
  • König Reginfrid (812-813)
    Zu Beginn des Jahres regiert Reginfrid als Mitkönig in Dänemark, sein Mitkönig ist Harald Klak. Beim Tod Hemmings I. sind zunächst nur Reginfrid und Harald in Dänemark anwesend. Beide rufen daraufhin ihren Bruder Hemming aus dem Frankenreich zurück, um ihn in die gemeinsame Herrschaft einzubeziehen. Nun regieren Reginfrid, Harald und Hemming als drei Mitkönige in Dänemark. Noch in diesem Jahr dringen die Söhne des früheren Königs Gudfred in das dänische Königreich ein. Diese Söhne Gudfreds verdrängen Reginfrid, Harald und Hemming und setzen die drei Mitkönige ab.
  • König Horik I. (813-854)
  • Fortsetzung 814

PIKTEN

KELTEN

  • Der König von Ailech ist gleichzeitig auch Hochkönig von Irland

Ailech

Ulster

Connacht

Meath

Leinster

Gwynedd

Powys

ANGELSACHSEN

Northumbria

  • König Eardwulf (2. Amtszeit 808-810/812/830)
  • König Eanred (810-840/841 oder 830-854)
  • Erzbischof Wulfsige (York, 808-837)
  • Bischof Egbert (Lindisfarne, 802–821)
  • Bischof Tidfrith (Hexham, 813-821/822)
    Tidfrith ist ein nordumbrischer Prälat des frühen 9. Jahrhunderts und wirkt als Bischof von Hexham. Er ist der letzte bekannte angelsächsische Bischof dieser Diözese, die – wie die Diözese von Whithorn – wahrscheinlich aufhört zu bestehen und wohl in die Zuständigkeit des Bischofs von Lindisfarne übergeht. Im Friedhof der Kirche von Monkwearmouth steht ein Kreuz mit runischer Inschrift, das vermutlich seinen Namen trägt. Heardreds Weihe zum Bischof lässt sich mit einem Eintrag der Angelsächsischen Chronik für das Jahr 797 synchronisieren, sofern beide Quellen an dieser Stelle zuverlässig sind. Aus dieser Synchronisation ergibt sich die Berechnung der Amtsübernahme Tidfriths einige Jahre später. Die Amtsübernahme Tidfriths als Bischof von Hexham wird teilweise mit dem Jahr 806 angegeben. Diese Datierung steht als alternative Angabe neben einer leicht späteren Einordnung. Auf Grundlage der überlieferten Bischofslisten erhalten Heardred und Eanberht drei beziehungsweise dreizehn Amtsjahre, wodurch sich für Tidfrith die Amtsübernahme ungefähr im Jahr 813 ergibt. Diese Berechnung setzt voraus, dass die Datierung von Heardreds Weihe und die Listen der Bischöfe von Hexham zutreffen.
  • Fortsetzung 821

Mercia

  • König Cenwulf (796–821)
  • Erzbischof Wulfred (Canterbury, 805-832)
    Bis 813 behauptet Wulfred bereits in einer Urkunde, er habe das heilige Kloster der Kirche von Canterbury durch Erneuerung, Wiederherstellung und Wiederaufbau belebt, und er stützt die Lebensordnung der Gemeinschaft möglicherweise auf die Regula canonicorum Chrodegangs oder auf die Regel Benedikts; er verlangt, dass die Geistlichen gemeinsam essen, ihr persönliches Eigentum dem Kapitel überlassen und die kanonischen Stunden im Rahmen der Liturgie einhalten, während er später Land an das Kapitel vergibt, dessen Gültigkeit an die Einhaltung der neuen Standards gebunden ist, und sein persönliches Vermögen zum Bau neuer Gebäude einsetzt.
  • Fortsetzung 814

Wessex

Essex

FRÄNKISCHES REICH

  • Kaiser Karl der Große (800–814)
    Karl der Große (65) erhebt seinen Sohn Ludwig zum Mitkaiser und Reichserben im Frankenreich.
  • Von der Synode in Mainz wird eine allgemeine öffentliche Weihnachtsfeier beschlossen (bis 1773 vier Feiertage).
  • Konzil von Tours
    Karl der Große beruft im Mai das Konzil von Tours in der Stadt Tours zur Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin ein und es werden insgesamt 51 Kanones beschlossen. Im 17. Kanon beschließen die versammelten Bischöfe, dass jeder Bischof Homilien besitzt, die notwendige Ermahnungen enthalten, durch die die Untergebenen unterrichtet werden, nämlich über den katholischen Glauben, die ewige Vergeltung der Guten und die ewige Verdammnis der Bösen, über die zukünftige Auferstehung und das Jüngste Gericht und über die Werke, durch die man das selige Leben verdienen oder verlieren kann. Der 17. Kanon bestimmt weiter, dass jeder bemüht ist, diese Homilien offen in die „rustica Romana lingua“ oder „Thiotisca“ zu übertragen, damit alle leichter verstehen können, was gesagt wird, und erlaubt damit in den Kapitularien, dass Bischöfe in der Kirche zu öffentlichen Zwecken eine für das Volk vor Ort verständliche Sprache für Predigten verwenden und nicht mehr nur Latein. Das Konzil festigt damit die von Karl dem Großen seit 789 und 794 erhobene Forderung nach Predigt in der Volkssprache und hebt die (gallo-)romanische „rustica Romana lingua“ beziehungsweise „vulgaris lingua“ und die germanische „lingua Thiotisca“, „lingua Teotisca“ beziehungsweise „lingua Theodisca“ aus der Taufe, indem es den Volkssprachen eigene Namen zuweist und den Weg frei macht für die Entstehung (gallo-)romanischer Schriftsprachen. Diese Entscheidung prägt eine Zeit lateinisch-romanischer Diglossie im romanischen Raum des Mittelalters beziehungsweise lateinisch-romanisch-germanischer Dreisprachigkeit, die mindestens die Amtszeiten Ludwigs des Frommen und Karls des Kahlen umfasst und wahrscheinlich noch bis ins 11. Jahrhundert andauert. Das Konzil von Tours gilt damit als Anerkennung der beiden großen geokulturellen Komponenten des Reiches Karls des Großen, nämlich der bis zum Rhein romanischen Welt der lateinischen Tradition und der germanischen Welt ab dem Rheinraum, und im Rat von Tours sind Bischöfe beider „Welten“ vertreten. Mit der amtskirchlichen Unterscheidung zwischen den lokalen Weiterentwicklungen des gesprochenen Vulgärlateins einerseits und dem geschriebenen Latein andererseits entsteht ein diglossisches Bewusstsein, also die allgemeine Anerkennung einer Sprachgemeinschaft, die zwei Sprachen für unterschiedliche Zwecke verwendet. Aus dieser Veränderung resultiert eine Neukonstruktion des lateinischen Varietätenraums: Wo zuvor nur ein stilistischer Unterschied zwischen einem „sermo rusticus“ und einem „sermo scholasticus“ wahrgenommen wird und beide Varianten in einem Diasystem integriert sind, wird nun eine „rustica romana lingua“ anerkannt und ausgegliedert. Die Anerkennung der Volkssprachen, wie sie in metasprachlichen Zeugnissen erläutert wird, erfolgt dabei nie mit Bezug auf die Distanzsprache Latein innerhalb der Diglossiesituation, sondern mit Bezug auf eine parallele Volkssprache beziehungsweise Nähesprache, die als verschieden kategorisiert wird, sodass die lokalen romanischen Sprechweisen nicht mehr pauschal als Spielarten des klassischen Lateins, sondern meist als „romanisch“ oder „romanz“ bezeichnet werden. Damit wird das Konzil von Tours in gewisser Weise zur Geburtsstunde der romanischen Sprachen und zum Vorbereiter für die Entstehung der deutschen Sprache, während im Frankenreich mit seinen verschiedenen Volksgruppen und Sprachen Mehrsprachigkeit auch in kleinen Regionen verbreitet ist und Soldaten wie Heerführer zwei- bis mehrsprachig sind. Das Lateinische ist außerhalb der Klöster und kirchlichen Bildungsstätten nicht weit verbreitet, bleibt aber als Schrift- und Zeremonialsprache der Messe erhalten und bildet weiterhin eine wichtige Sprache des Mittelalters, das Kirchenlatein.
  • König, nun Mitkaiser Ludwig der Fromme (Aquitanien, 781–814)
    Ludwig lässt auf einer Synode den Michaelstag anstelle eines Festes des germanischen Gottes Wotan festlegen, wodurch der Erzengel Michael zum Schutzpatron des sich bildenden Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands wird, und am 11. September krönt Karl der Große seinen Sohn Ludwig in Aachen während einer Reichsversammlung zum Mitkaiser.
  • König Bernhard (Italien, 810–818)
    Bernard wird erneut von Karl dem Großen in seinem Amt bestätigt.
  • Erzbischof Wulfar (Reims, 812-816)
    Wulfar organisiert das Konzil von Reims im Jahr 813.
  • Alkuin
  • Bischof Theodulf (Orléans, 798-818)
    Um 813 verfasst Theodulf in seiner Diözese ein zweites Bischofs-Kapitular. Beide Bischofs-Kapitularien, etwa um 800 und 813, entfalten große Wirkung. Darin fordert er von den Geistlichen Predigtpflicht und kostenlosen Unterricht für Kinder auf dem Land.
  • Bischof Waltcaud (Lüttich, 810/811-831)
    Karl der Große ist in Lüttich zu Gast.
  • Erzbischof Hildebold (Köln, 795–818)
    Hildebold leitet gemeinsam mit Erzbischof Richulf die Synode im Stift St. Alban vor Mainz. Er führt die Beratungen mit und wirkt an den kirchlichen Entscheidungen der Synode mit. Im selben Jahr salbt er Ludwig den Frommen, den Erben Kaiser Karls, zum fränkischen König. Er vollzieht die Salbung und Anerkennung des neuen Herrschers und trägt somit zur geordneten Nachfolge im Frankenreich bei. Zugleich bleibt er als Erzbischof von Köln und Vertrauter der Herrscherfamilie im Zentrum des politischen und kirchlichen Geschehens.
  • Bischof Willerich (Bremen, 805–837)
  • Erzbischof Richulf (Mainz, 787–813)
    Richulf ist an der Vorbereitung der Kirchenreformsynoden beteiligt, die parallel in Mainz, Reims, Tours, Chalon-sur-Saône und Arles stattfinden. Am 9. Juni leitet Richulf gemeinsam mit Erzbischof Hildebold von Köln die Synode von Mainz. Am 9. August stirbt er in Mainz. Er wird im Stift St. Alban vor Mainz bestattet, dem von ihm neu erbauten und geweihten Gotteshaus, in dem sich die Grablege der Mainzer Erzbischöfe befindet.
  • Erzbischof Haistulph (813–825)
    Haistulph tritt die Nachfolge seines Vorgängers Richulf als Erzbischof von Mainz an. Enge Beziehungen unterhält er zum Kloster Fulda und seinen Äbten.
  • Erzbischof Amalarius (Trier, 809–814)
    Amalarius reist im Auftrag Karls des Großen nach Konstantinopel und besucht Kaiser Michael I.
  • Bischof Wolfgar (Würzburg, 809–831)
  • Abt Ratgar (Fulda, 802–817)
  • Bischof Wolfleoz (Konstanz, 811–838/39)
  • Abt Waldo von Reichenau (Saint-Denis 806–814)
  • Bischof Haito (Basel, 805-823)
  • Fortsetzung 814

Grafschaft Aragón und Conflent

Grafschaft Barcelona

Grafschaft Urgell, Cerdaña und Osona

Herzogtum Gascogne

Grafschaft Toulouse

Abodriten

​ Herzogtum Sachsen

​ Herzogtum Baiern

Herzogtum Mailand

Herzogtum Treviso

Markgrafschaft Friaul

Markgrafschaft Toskana

Herzogtum Spoleto

Herzogtum Benevent

SPANIEN

Asturien

KIRCHENSTAAT

  • Papst Leo III. (795–816)
    Leo III. ist bei der Kaiserkrönung Ludwigs des Frommen in Aachen nicht anwesend. Der Text verbindet dies mit seiner Haltung, die Macht der fränkischen Kaiser über Rom nicht uneingeschränkt anzuerkennen.
  • Fortsetzung 814

REPUBLIK VENEDIG

WESTSLAWEN

Obodriten

SÜDSLAWEN

Pannonien

Kroatien

ERSTES BULGARISCHES REICH

  • Khan Krum (803–814)
  • Schlacht von Adrianopel
    Im Winter 812/813 bereitet sich das Byzantinische Reich trotz des strategischen Verlustes von Mesembria nicht auf Verhandlungen vor, sondern bleibt bei seiner Haltung und vermeidet einen Ausgleich. Khan Krum beginnt in dieser Zeit mit intensiven Aufgeboten und Rüstungen für einen Angriff auf das Byzantinische Reich, während Michael I. Verteidigungsmaßnahmen trifft und sein Heer stärkt. Im Februar führen bulgarische Truppen mehrere Erkundungsangriffe nach Thrakien durch, geraten in kleinere Gefechte mit byzantinischen Einheiten und ziehen sich danach rasch zurück. Kaiser Michael I. deutet diesen Rückzug als Sieg „nach Gottes Fügung“ und nutzt diese Interpretation, um zu einem Gegenangriff zu ermutigen. Daraufhin sammelt das Byzantinische Reich erneut ein Heer aus allen Themen des Reichs, einschließlich der Wachen der syrischen Pässe, doch Unruhen im Heer verzögern den Feldzug. Im Mai 813 bricht die Armee schließlich von Konstantinopel auf, begleitet von einem öffentlichen Zeremoniell, bei dem die Stadtbevölkerung und Kaiserin Prokopia die Truppen bis außerhalb der Stadtmauern begleiten, ihnen Geschenke überreichen und die Strategoi beschwören, den Kaiser zu schützen und für die Christen zu kämpfen.
    Mai – Bewegung vor der Schlacht:
    Die byzantinische Armee marschiert im Mai 813 nach Norden, versucht aber nicht, Mesembria zurückzuerobern. Am 4. Mai 813 tritt eine Sonnenfinsternis ein, die die byzantinischen Soldaten erschreckt und ihre Moral schwächt, während sie im Umland von Adrianopel Lager beziehen und lokale Siedlungen plündern. Im selben Monat zieht Khan Krum mit seinem Heer ebenfalls nach Adrianopel und nähert sich dem Raum der Stadt.
    Juni – Lager bei Versinikia:
    Im Juni schlagen beide Heere ihre Lager nahe der kleinen Festung Versinikia nördlich von Adrianopel auf, sodass die byzantinischen und bulgarischen Truppen in Sichtweite zueinander stehen. Der Chronist Johannes Skylitzes berichtet in der „Synopsis Historion“, dass das byzantinische Heer zahlenmäßig zehnmal größer als das bulgarische ist, woraufhin die Bulgaren eine defensive Stellung einnehmen. Trotz der zahlenmäßigen und logistischen Überlegenheit greift das byzantinische Heer nicht an, und beide Heere verharren dreizehn Tage im thrakischen Sommer, ohne die Entscheidung zu suchen. Schließlich beschließen die byzantinischen Befehlshaber, doch die Offensive zu wagen; einige Strategoi treten für den Angriff ein. Am 22. Juni 813 richtet der Strategos von Makedonien, Johannes Aplakes, das Wort an Michael I. und drängt auf den Angriff, indem er betont, dass man „zehnmal mehr“ als die Bulgaren sei, zuerst im Namen Gottes angreifen werde und der Kaiser mutig folgen solle, sodass der Sieg sicher sei.
    22. Juni – Schlacht von Adrianopel:
    Am 22. Juni eröffnet General Johannes Aplakes auf dem rechten Flügel der Byzantiner den Angriff gegen den linken Flügel der Bulgaren und fügt diesem Flügel Verluste zu, sodass die Bulgaren dort zunächst zurückgedrängt werden. Die byzantinische Mitte und der linke Flügel greifen jedoch nicht in die Schlacht ein und bleiben passiv, wodurch der Angriff Aplakes’ ungestützt bleibt. Als Khan Krum die Untätigkeit der byzantinischen Mitte und des linken Flügels erkennt, reagiert er und ordnet den Einsatz einer zweiten Linie slawischer Infanterie an, die den Verband Aplakes angreift, während bulgarische Bogenschützen zu Pferd und schwere Reiterei beide Flanken des Kontingents umfassen. Das Thema Anatolikon ist das erste, das sich zurückzieht, danach setzt der Rückzug der gesamten byzantinischen Armee ein. Die Soldaten des Johannes Aplakes werden im Feld zurückgelassen, die meisten fallen in der Schlacht, darunter Aplakes selbst, während das Heer insgesamt ungeordnet flieht. Als die Bulgaren bemerken, dass der auf höheren Positionen stehende Gegner den Rückzug antritt, vermuten sie zunächst einen Hinterhalt, verzichten auf die sofortige Verfolgung und rechnen nicht mit einem derart vollständigen Erfolg. Erst als sie sicher sind, dass der Feind tatsächlich flieht, setzt die bulgarische schwere Reiterei nach und verfolgt die Byzantiner. Einige byzantinische Soldaten kommen während dieser Flucht ums Leben, andere fliehen in unterschiedliche Festungen, von denen einige später von den Bulgaren erobert werden, während der Rest sich bis Konstantinopel retten kann. Zu den ersten Befehlshabern, die den Rückzug antreten, gehören Kaiser Michael I. Rangabe und Leo der Armenier (Leo V.), und die Bulgaren nehmen das byzantinische Heerlager mit dessen Waffen und Gold in Besitz. Spätere byzantinische Chronisten wie Genesius und Theophanes Continuatus machen Leo den Armenier hauptsächlich für die Niederlage verantwortlich und behaupten, er habe absichtlich den Rückzug der noch nicht eingesetzten Einheiten angeordnet. Einige Gelehrte wie J. B. Bury und Steven Runciman übernehmen diese Sicht, während andere, darunter Wassil Zlatarski und einige griechische Forscher, Leos Verantwortung bestreiten und auf alternative Berichte hinweisen, die Genesius und Theophanes Continuatus ebenfalls überliefern.
    Juni - direkt nach der Schlacht:
    Der Sieg bei Versinikia schwächt die Position des Byzantinischen Reiches weiter und gibt Khan Krum als Kanasubigi die Möglichkeit, Angriffe bis in die Nähe der Hauptstadt Konstantinopel zu tragen. Das Schicksal Kaiser Michaels I. Rangabe ist damit besiegelt: Er ist gezwungen abzudanken und sich in ein Kloster zurückzuziehen, während Leo V. der Armenier (regiert 813–820) den Thron besteigt und als entschlossener und straffer Herrscher gilt. Leo V. trifft unmittelbar nach seinem Regierungsantritt eilige Vorsichtsmaßnahmen zur Verteidigung Konstantinopels, da er mit einem bulgarischen Angriff rechnet. Der Weg nach Konstantinopel ist für das bulgarische Heer frei, und die Bulgaren marschieren ohne Widerstand auf die Stadt zu. Einige Festungen in Thrakien verbleiben noch in byzantinischer Hand, darunter Adrianopel, das von Krums Bruder belagert wird. Am 17. Juli erreicht Krum selbst mit seinem Heer die Mauern Konstantinopels und schlägt vor den Augen der Bürger sein Lager ohne Behinderung auf. Vor den Mauern der Stadt führt Krum als oberster Priester Opferhandlungen für den bulgarischen Gott Tangra aus, vollzieht heidnische Rituale und lässt Gräben entlang der Stadtmauern ausheben, während er zugleich Friedensangebote macht. Leo V. stimmt Verhandlungen zu, verfolgt jedoch die Absicht, Khan Krum zu töten und damit die bulgarische Bedrohung für das Byzantinische Reich zu beseitigen. Während der Verhandlungen eröffnet die byzantinische Seite den Angriff auf die bulgarische Delegation und beschießt sie mit Pfeilen. Dabei kommen mehrere Mitglieder der Delegation, darunter der Kavchan und andere hohe Amtsträger, ums Leben, Krum selbst bleibt jedoch unverletzt. Als Reaktion auf den Anschlag auf seine Gesandtschaft befiehlt Krum die Zerstörung aller Kirchen, Klöster und Paläste außerhalb Konstantinopels, lässt die gefangenen Byzantiner töten und sendet die Reichtümer aus den Palästen auf Wagen nach Bulgarien. Im Anschluss werden feindliche Festungen im Umfeld Konstantinopels und an der Marmarameerküste erobert und dem Erdboden gleichgemacht, die Burgen und Siedlungen im Hinterland Ostäthrakiens werden geplündert und die Region erleidet schwere Verwüstungen. Danach kehrt Krum erneut nach Adrianopel zurück und verstärkt die dortigen Belagerungskräfte. Mit Hilfe von Mangonellen und Rammböcken zwingt er die Stadt zur Kapitulation, die Bulgaren nehmen erneut 10.000 Menschen gefangen und siedeln sie in „Bulgarien jenseits der Donau“ an.
  • Fortsetzung 814

BYZANTINISCHES REICH

  • Kaiser Michael I. (811–813)
    Zu Beginn des Jahres bereitet Michael I. Rhangabe einen Gegenangriff vor, versammelt ein großes Heer, das auch Truppen aus den asiatischen Themen umfasst, da die arabische Grenze nicht gefährdet ist, und konzentriert diese Streitmacht bei Adrianopel, wo sie im Februar erfährt, dass Chrum einen Überraschungsangriff plant, worauf Michael die Initiative ergreift, die Bulgaren überrascht und zum Rückzug zwingt, dieses Geschehen als Sieg deutet und bereits Ende Februar nach Konstantinopel zurückkehrt, um den Erfolg mit großem Pomp zu feiern und eine noch größere Armee zusammenzustellen, in der viele junge Rekruten dienen, in der Absicht, wie Nikephoros I. zwei Jahre zuvor einen entscheidenden Sieg zu erringen. Im Mai 813 kommt das byzantinische Heer, das sich wegen Unzufriedenheit zahlreicher aus Kleinasien stammender Truppen, die nur ungern weit von ihren Besitzungen entfernt kämpfen, erst jetzt in Bewegung setzt und von einer als schlechtes Omen empfundenen Sonnenfinsternis begleitet wird, endlich vorwärts, während Michael, wie gewohnt, reichlich Geschenke und Geld verteilt, aber wenig Begeisterung bei den Soldaten hervorruft, kaum militärische Erfahrung nachweisen kann und nicht imstande ist, Disziplin und Loyalität nachhaltig zu verankern. Im Juni trifft Michael I. Rhangabe mit seiner Armee bei Adrianopel auf Chrum, nimmt eine passive Haltung ein und wartet auf die Schlacht, während Chrum sich seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit bewusst ist und die offene Entscheidung vermeidet, sodass die Heere bis in den Juni hinein einander gegenüberstehen, bevor Michael unter dem Druck seiner Generäle und wegen versiegender Vorräte dem Kampf zustimmt. Die Neigung zur Passivität setzt sich fort, denn während die Vorhut unter Johannes Aplakes die Bulgaren angreift, zögert Michael, mit der Hauptmacht zu folgen, gibt dem Gegner Zeit, sich neu zu formieren, und bald beginnen die aus Kleinasien stammenden Truppen unter dem Kommando Leons des Armeniers, das Schlachtfeld zu verlassen, wobei unklar bleibt, ob Leon seinen Kaiser bewusst verrät, da die gegen ihn gerichteten Quellen feindlich gesinnt sind, sich der Verdacht aber nicht ausräumen lässt. Michael erkennt, dass ihm der Sieg entgleitet, verlässt das Schlachtfeld, lässt das Korps unter Johannes Aplakes allein gegen die Bulgaren zurück, die dieses vernichten, und die Flucht eines großen Teils des byzantinischen Heeres begrenzt zwar die Verluste im Vergleich zu Pliska, bedeutet aber moralisch eine Katastrophe gleichen Ausmaßes. Nach der Niederlage von Versinikia ist sich Michael bewusst, dass sein Thron nur noch an einem seidenen Faden hängt, kehrt hastig nach Konstantinopel zurück, wo bereits vor der Schlacht feindselige Manifestationen stattgefunden haben, überlässt seine Armee faktisch Leon dem Armenier, was darauf hindeutet, dass er ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht des Umsturzwillens verdächtigt, und erlebt, wie die Soldaten Leon rasch zum Kaiser ausrufen, während er isoliert bleibt und erkennt, dass seine Lage aussichtslos ist. Ein kleines Lager treuer Anhänger, darunter seine Frau, der Domestikos der Scholen Stephanos und der Magister Theoktistos, bleibt zwar bei ihm und rät, an der Macht festzuhalten, doch Michael scheint sein Leben und das seiner Familie bewahren zu wollen und beschließt zu abdanken, während Leon bereits vor den Toren der Hauptstadt steht. Am 11. Juli endet die Regierungszeit Michaels I. Rhangabe, da er an diesem Tag abdankt, nachdem Leon der Armenier durch eine Verschwörung an die Spitze des Staates gelangt ist und ihn stürzt, wodurch Michael vom Kaiser zum Mönch wird. Er sucht mit seiner Familie Zuflucht in der Kirche der Gottesmutter vom Leuchter, erhält von Leon V. eine gewisse Milde, darf als Mönch in ein Kloster auf der Insel Proti unter dem Namen Athanasios eintreten, während Prokopija Nonne wird, seine Söhne kastriert und in Klöster verbannt werden und sein Besitz eingezogen wird, Leon V. ihm jedoch eine jährliche Rente gewährt. Die Kastration von Familienmitgliedern eines ehemaligen Kaisers ist im byzantinischen Umfeld eher ungewöhnlich, wenngleich die Kinder Leons V. einige Jahre später dem gleichen Schicksal begegnen, und dieser Vorgang symbolisiert in gewisser Weise die Stärkung eines entstehenden dynastischen Prinzips in der byzantinischen Politik sowie den Willen, eine potenziell rivalisierende Linie zu eliminieren. Nach seiner Abdankung lebt Michael I. Rhangabe zurückgezogen im Kloster auf Proti als Mönch Athanasios, erhält weiterhin eine Jahresrente, und der weitere Verlauf seines Schicksals bleibt unbekannt, außer der Tatsache, dass er viele Jahre später stirbt. Prokopija verbringt ihr Leben als Nonne, und die kastrierten Söhne Michaels bleiben in Klöstern, während seine Töchter Georgo und Theophano als Ordensfrauen leben, und sein Sohn Niketas später als Patriarch von Konstantinopel unter dem Namen Ignatios wirkt.
  • Kaiser Leo V, (813–820)
    Leo erhält den Auftrag, gegen die Bulgaren zu ziehen, in der Schlacht bei Adrianopel lässt er Kaiser Michael I. im Stich, nutzt die Unzufriedenheit der Truppen und verbündet sich mit den Generälen Michael Psellos und Thomas, gemeinsam führen sie eine erfolgreiche Revolte gegen Kaiser Michael I. und dessen Sohn Theophylaktos. Im selben Jahr findet die Schlacht von Adrianopel statt, Leo überlebt, indem er das Schlachtfeld verlässt, er nutzt die Niederlage Michaels I., um dessen Abdankung zu erzwingen, am 11. Juli 813 übernimmt er die Herrschaft, am 12. Juli 813 wird er als Kaiser gekrönt und beginnt seine Regierungszeit als Kaiser von Byzanz. Kurz nach seiner Thronbesteigung blockiert Khan Krum von Bulgarien sowohl Adrianopel als auch Konstantinopel, Leo verhandelt mit Krum und versucht, ihn bei einer persönlichen Begegnung ermorden zu lassen, der Plan scheitert, Krum plündert die Vororte von Konstantinopel und Städte in Südthrakien, bricht aber die Belagerung der Hauptstadt ab und nimmt Adrianopel ein, wo er die Bevölkerung vertreibt. In dieser Zeit verstößt Leo seine als ehebrecherisch betrachtete erste Frau und heiratet Theodosia, die Tochter des Patriziers Arsaber, eine angesehene armenische Adlige, er krönt ihren zehnjährigen Sohn Symbatios zum Mitkaiser und nennt ihn Konstantin zur Erinnerung an die militärisch erfolgreichen ikonoklastischen Kaiser Leo III. und Konstantin V., er legitimiert seine Herrschaft durch wiederholte Siege über die Bulgaren, die zwischen 814 und 817 vergeblich versuchen, Konstantinopel zu belagern.
  • Patriarch Fortunatus II. (Grado, 2. Amtszeit 809–820)
  • Patriarch Nikephoros I. (Konstantinopel, 806–815)
  • Fortsetzung 814

IBERIEN

  • Fürst Aschot I. (813–830)
    Um 813 übernimmt Aschot das väterliche Herzogtum in Klardschetien. Er setzt in Klardschetien die Festung von Artanudschi, die angeblich durch den iberischen König Wachtang I. Gorgassali im 5. Jahrhundert erbaut worden ist, wieder instand. Aschot vergrößert von Tao-Klardschetien aus seinen Machtbereich und stellt sich unter den Schutz der Byzantiner, um gegen die muslimischen Invasoren im Kaukasus zu kämpfen. Er erhält von Byzanz den Titel eines Kuropalates und wird als Fürst und Kuropalat von Iberien anerkannt; er wird daher auch Aschot I. Kuropalat genannt. Nach 813 ist Aschot der erste iberische Fürst von Tao-Klardschetien aus der Dynastie der Bagratiden. Um das von arabischen Invasoren und Choleraepidemien verwüstete Land wiederzubeleben, fördert er die örtlichen Klostergemeinden des Grigol Khandzteli und ermutigt die Georgier, sich in der Region anzusiedeln. Als dessen Ergebnis verlegt sich das politische und religiöse Zentrum Iberiens vom Zentrum in den Südwesten nach Tao-Klardschetien.
  • Fortsetzung 818

KACHETIEN

ARABER

(197/198 - 31. August/1. September)

Abbasiden

  • Kalif al-Amīn (809–813)
    Während der Belagerung versucht al-Amin zu fliehen, wird jedoch gefasst, gefangen genommen und schließlich hingerichtet. Sein Kopf wird am Anbar-Tor ausgestellt. Tahir berichtet al-Ma'mun über die Ereignisse und den eingetretenen Frieden in Bagdad. Nach al-Amins Tod geht die Herrschaft an al-Ma'mun über, da dieser al-Amins Sohn Musa nicht als Erben anerkennt.
  • Kalif al-Ma'mūn (813–833)
    In der Nacht zum 25. September ergibt sich al-Amīn, Tāhir nimmt ihn gefangen und lässt ihn am folgenden Morgen enthaupten. Al-Ma'mūn begründet die Beseitigung des Bruders in einer Proklamation damit, dass dieser Koran und Sunna nicht genügend beachtet und sich von der Religion und dem, was die Muslime vereint, abgewandt habe. Von nun an ist al-Ma'mūn faktisches und rechtliches Oberhaupt des Abbasidenreichs, bleibt jedoch mit al-Fadl ibn Sahl in Merw und setzt al-Hasan ibn Sahl als Verwalter über die von Tāhir eroberten Bezirke von Dschibāl, Fārs, Ahwāz, Basra, Kufa, Hedschas und Jemen ein. Tāhir erhält den Auftrag, nach ar-Raqqa zu gehen, gegen Nasr ibn Schabath zu kämpfen und wird zum Statthalter über Mossul, Dschazīra, Syrien und Maghreb eingesetzt.
    Zwischen etwa 813 und seinem Umzug nach Bagdad im Jahr 819 widmet sich al-Ma'mūn unter Einfluss al-Fadl ibn Sahls dem Studium der Astrologie, richtet Entscheidungen nach ihr aus, folgt Lehren der Sassanidenkönige wie Ardaschir I., vertieft sich in antike Bücher und erlangt Meisterschaft in deren Verständnis, bevor er sich nach dem Umzug nach Bagdad von diesen Studien abwendet und Kalām‑Gelehrte an seinen Hof holt, ihnen Unterhalt zahlt und ihre Zahl vergrößert. Er fördert Kalām-Diskussionen, in denen Abū l-Hudhail und an-Nazzām an seinem Hof wirken, und lässt in christlichen Kreisen überlieferte Disputationen etwa des melkitischen Theologen Theodor Abū Qurra mit Kalām‑Gelehrten in seiner Anwesenheit stattfinden, bleibt Christen als toleranter Herrscher in Erinnerung und formuliert in Anekdoten Richtlinien für Kalām‑Debatten, in denen er Beschimpfung als verbale Unfähigkeit und Unflätigkeit als niedere Gesinnung zurückweist und fordert, Grundlagen zu setzen und Ableitungen darauf zu beziehen. Während seiner gesamten Herrschaft hat er großes Interesse an griechischer Philosophie, das mit einem Traum motiviert wird, in dem er Aristoteles sieht und nach dem Guten fragt, worauf er als Antwort „das, was nach der Vernunft gut ist“ und sekundär „das, was nach dem offenbarten Gesetz gut ist“ erhält. Er lässt daraufhin Hunain ibn Ishāq holen, beauftragt ihn mit Übersetzungen griechischer Philosophen ins Arabische, entlohnt ihn reichlich, beauftragt al-Kindī mit der Prüfung älterer Übersetzungen, demonstriert physikalisches Denken mit einem Glasröhrchen‑Experiment zur Körperlichkeit der Luft und fördert Wissenschaftler wie al-Chwarizmi, der sein Kitāb al-Ǧabr wa-l-muqābala mit Lob auf al-Ma'mūns Bildungsinteresse und Förderung der Gelehrten einleitet. Der Kalif zeigt großes Interesse an Medizin und Diätetik, gibt Tischgenossen anhand der Humoralpathologie Essensratschläge, fördert Ärzte wie Yuhanna ibn Masawaih, und die schiitische Tradition schreibt ʿAlī ar-Ridā einen wahrscheinlich nicht authentischen medizinischen Traktat, das „goldene Sendschreiben“, zu, den er für al-Ma'mūn abgefasst haben soll. In seinen regelmäßigen Gesprächsrunden mit Rechtsgelehrten und Literaten, die er dienstags zum Fiqh und zu verschiedenen Lehren einlädt, bewirtet er sie reichlich, hält sie bis zum Abendessen, nennt ausgewählte Teilnehmer seine „Brüder“, und Yahyā ibn Aktham lobt seine Kenntnisse, indem er ihn mit Galenos, Hermes und ʿAlī ibn Abī Tālib vergleicht. Während seiner Bagdader Zeit verwendet er den Titel Imam auf Münzen und Inschriften, bevorzugt ʿAlī gegenüber al-ʿAbbās, verteidigt ʿAlīs Vorrang in Versammlungen, zeigt imamitische oder rāfiditische Neigung in einer Anekdote mit Qādī Ahmad ibn Abī Du'ād und bleibt insgesamt ein Herrscher, der religiöse Diskussionen und rationalistische Lehren aktiv fördert.
  • Imam der Ismailiten: Muhammad ibn Isma'il (775-813)
  • Imam der Ismailiten: Ahmad al-Wafi (813–828)
    Mit dem Tod von Muhammad ibn Ismaʿil im Jahr 197/813 nimmt die Bedrohungslage durch die Abbasiden noch einmal deutlich zu, und die ismailitischen Imame sehen sich gezwungen, ihre Verborgenheit zu verstärken. Als Muhammad ibn Ismaʿil im Begriff ist zu sterben, übergibt er „die Erde“ seinem Sohn ʿAbd Allah, macht ihn damit zu seinem Nachfolger und Treuhänder und überantwortet ihm die Führung. Von 197/813 bis 268/882 setzt nun der erste „dawr al-satr“, also eine Periode der Verborgenheit, ein, in der die Imame als „al-aʾimma al-masturin“, die „verborgenen Imame“, gelten. Während der Periode des „dawr al-satr“ von 765 bis 909 verbreitet sich die ismailitische Lehre von Jemen bis nach Ifriqiya, also das Gebiet des heutigen Tunesien und des östlichen Algerien, und findet unter anderem bei den Kutama-Berbern in Nordafrika besonders einflussreiche Anhänger. Später erinnert sich die Tradition daran, dass es sich bei den in dieser Verborgenheitsphase genannten Imamen um ʿAbd Allah (den achten Imam), Ahmad (den neunten Imam) und al-Husain (den zehnten Imam) handelt, wobei die Gemeinde weiterhin formal unter der Autorität von Muhammad ibn Ismaʿil steht, während die Identität des jeweils lebenden Imams zum Schutz verborgen bleibt. In dieser Logik gilt die Imamatszeit von ʿAbd Allah, des späteren Ahmad al-Wafi, ungefähr für den Zeitraum 193–212 AH bzw. 809–828 CE, in dem er als „verborgener Imam“ im Rahmen der ismailitischen Schia wirkt.
    Zu einem unbekannten Zeitpunkt in der ersten Hälfte des 3. / 9. Jahrhunderts sucht ʿAbd Allah angesichts der anhaltenden Verfolgung durch die Abbasiden Zuflucht in Syrien. Er reist zuvor durch verschiedene Teile von Persien und dem Mittleren Osten und hält seine wahre Identität verborgen, sodass nur einige wenige hochrangige ismailitische „hujjats“ und „daʿis“ über seine Person und seinen Aufenthaltsort Bescheid wissen. In Syrien nimmt ʿAbd Allah schließlich in Salamiyya Wohnsitz, wo er ein Haus baut, sich als haschimitischer Kaufmann ausgibt und unter diesen Umständen seine Verbindung zu Teilen der ismailitischen Gemeinschaft und zu seinen Missionaren wieder festigt. In Salamiyya leben zahlreiche bedeutende Haschimiten, von denen viele zur Nachkommenschaft von ʿAqil ibn Abi Talib gehören, während andere mit den Abbasiden verwandt sind; ʿAbd Allah gibt sich als Angehöriger dieser Gruppen aus und sichert sich so sein Überleben.
    Bereits zur Mitte des 9. Jahrhunderts beginnt ʿAbd Allah, von Askar Mukram aus, mit der Verkündigung der „wahren Religion“ und mit der Organisation seiner Mission, wobei er sich dabei als Kaufmann tarnt und später in Salamiyya von dort aus seine „daʿwa“ fortführt; in der Erinnerung an ʿAbdallāh al-Akbar wird diese Rolle des Gründervaters der ismailitischen Bewegung mit dem achten Imam der ismailitischen Schia verbunden.
    Die Bemühungen von ʿAbd Allah tragen in den 260er Jahren AH, also den 870er Jahren CE, zunehmend Früchte, als zahlreiche „daʿis“ in Irak und angrenzenden Regionen auftreten. Von Salamiyya aus werden die ersten Anhänger organisiert und als „Rufer“ ausgesandt, um weitere Gläubige für den verborgenen Mahdi zu gewinnen, für dessen Existenz ʿAbd Allah als lebender „Beweis“ einsteht. Noch zu seinen Lebzeiten entstehen erste ismailitische Gemeinden im Irak, und auch in Tabaristan und Daylam im nordpersischen Raum bilden sich weitere Gruppen, die der ismailitischen Lehre folgen.
  • Imam der Zwölferschiiten: ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (799-818)
  • Patriarch Thomas I. (Jerusalem, 807–821)
  • Papst und Patriarch Markus II. (Alexandria, 799–819)
  • Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (Alexandria, 768–813)
  • Griechisch-orthodoxer Patriarch Eustatios (Alexandria, 813–817)
  • Fortsetzung 815

Rustamiden

Idrisiden

Aghlabiden

Emirat von Córdoba

CHASAREN

UIGURISCHES KAGANAT

  • Kagan Baoyi (808–821)
    Baoyi Qaghan nutzt die Situation und besetzt im April 813 Tiquan. Der Ritenminister Li Jiang vermutet, dass Baoyi ein Bündnis mit dem Tibetischen Reich eingehen könnte, um China anzugreifen. Er schlägt vor, den Heiratsantrag anzunehmen, um das Bündnis zwischen Tang und Uiguren zu festigen, doch dieser Vorschlag wird nicht umgesetzt.
  • Fortsetzung 821

INDIEN

Pratihara

  • König Nagabhata II. (800–833)
    Die Chatsu-Inschrift seines Guhila-Lehnsmanns Baladitya berichtet, dass Shankaragana Guhila im Auftrag von Vatsraja Bhata, den Gauda-Herrscher, im Kampf besiegt und die Erde zu Füßen seines Herrn darbringt.
  • Fortsetzung 814

Chauhan-Dynastie

Östliche Chalukya

Rashtrakuta

  • König Govinda III. (793–814)
    Eine Inschrift aus dem Jahr 813, dass Govinda III. Lata, also südliches und zentrales Gujarat, erobert und seinen Bruder Indra als Herrscher dieses Gebietes eingesetzt hat. Dadurch wird das Gebiet faktisch zu einem Zweig des Rashtrakuta-Reiches.
  • Fortsetzung 814

Westliche Ganga-Dynastie

Pallava

Anuradhapura

TIBET

KHMER

CHINA

(58. (59.) Zyklus - Jahr der Wasser-Schlange; am Beginn des Jahres Wasser-Drache

Tang-Dynastie

KOREA

Silla

Balhae

JAPAN

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30.06.2023 Artikel eröffnet

28.08.2023 Grundstock erstellt

30.06.2026 Grundstock ergänzt

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