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(ab urbe condita DXXXVIII = 538) | (ab urbe condita DXXXVIII = 538) | ||
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Gaius_Terentius_Varro '''Konsul Gaius Terentius Varro'''] | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Gaius_Terentius_Varro '''Konsul Gaius Terentius Varro'''] <br />Gaius Terentius Varro erreicht als homo novus das Konsulat und wird mit Unterstützung seines Verwandten, des Volkstribunen Quintus Baebius Herennius, problemlos gewählt, während sein adliger Kollege Lucius Aemilius Paullus sich erst im zweiten Wahlgang durchsetzt. In der stark parteiischen Darstellung des Livius erscheint diese Wahl als Triumph der Volkspartei über die Nobilität, während der griechische Historiker Polybios die Vorgänge knapper und weniger tendenziös schildert. Senat und Konsuln beschließen, Hannibal mit einer massiven Übermacht in offenem Gelände zu stellen, um Hinterhalte zu vermeiden und durch zahlenmäßige Stärke den Sieg zu erzwingen. Dafür wird eine Streitmacht von acht Legionen und einer gleich großen Zahl bundesgenössischer Truppen vorgesehen; Varro und Paullus heben die fehlenden Soldaten aus, während die Konsuln des Vorjahres, Gnaeus Servilius Geminus und Marcus Atilius Regulus, vorerst kleinere Gefechte führen. Die Rüstungen dauern nahezu ein halbes Jahr, und in der späteren römischen Überlieferung wird diese Phase im Licht der Katastrophe von Cannae umgedeutet, indem Varro als treibende Kraft einer riskanten Entscheidungsschlacht gezeichnet wird. Tatsächlich bestehen in Rom weiterhin starke Gegensätze zwischen Patriziern und Plebejern sowie zwischen Anhängern der defensiven Taktik des Fabius und den Befürwortern einer offensiven, entscheidungssuchenden Kriegsführung. Gemäss Polybios treffen Varro und Paullus bei der römischen Armee wahrscheinlich in der Nähe von Arpi ein und marschieren innerhalb weniger Tage gegen Hannibal. Am ersten Tag des Kommandos hält Paullus eine Ansprache an das Heer, am folgenden Tag beginnt der Vormarsch, und am dritten Tag stoßen die römischen Truppen auf das Hauptheer Hannibals, der von Gerunium nach Cannae am Fluss Aufidus vorgerückt ist. Ende Juli schlagen die Römer etwa neun Kilometer vom Feind entfernt ein Lager auf, und nun treten nach Polybios erstmals deutliche Meinungsunterschiede zwischen den Konsuln hervor: Paullus hält das Gelände für ungeeignet, da die Ebene Hannibals Kavallerie begünstigt, während Varro – aus Sicht Polybios’ unerfahren – das Gegenteil vertritt und am Tag seines Oberbefehls das Heer näher an Hannibal heranführt. In einem Gefecht mit leichtbewaffneten Truppen und Reiterei behalten die Römer zunächst die Oberhand, doch verstärkt sich der Druck zur Entscheidungsschlacht. Paullus lässt am fünften Tag zwei Lager auf beiden Seiten des Aufidus anlegen und verweigert am siebten Tag eine Herausforderung Hannibals, worauf numidische Reiter das kleinere römische Lager beim Wasserholen bedrängen. Diese Belästigung steigert die Ungeduld der Soldaten und reizt Varro, der am achten Tag wieder den Oberbefehl innehat, dazu, die Schlacht anzunehmen. Am 2. August stellt Varro bei Sonnenaufgang die römischen Truppen auf der rechten Seite des Aufidus in Schlachtordnung auf. Er kommandiert den linken Flügel mit zwei Legionen und ebenso vielen bundesgenössischen Fußtruppen; vor ihm steht die Reiterei der Bundesgenossen der numidischen Kavallerie gegenüber. Im Verlauf des Kampfes wird die unter Varros Befehl stehende Kavallerie durch numidische Reiter so lange gebunden, bis die Entscheidung im Zentrum fällt, und als die Reiterei des karthagischen linken Flügels unter Hasdrubal heranstößt, lösen sich Varros Reiter schließlich auf und fliehen. Die römische Armee erleidet eine vernichtende Niederlage, während Varro mit etwa 70 Reitern nach Venusia entkommt und rund 300 weitere Reiter sich in benachbarte Orte retten. Spätere Überlieferung zeichnet seine Flucht als schmählich und stellt sie dem heroisierten Tod des Paullus gegenüber, doch erwähnt Florus, dass ungewiss sei, welcher Konsul größere Tatkraft und größeren Mut zeigt. Nach der Niederlage erfüllt Varro seine Pflichten, indem er etwa 4500 geflüchtete Soldaten in Venusia sammelt, die dort gastfreundlich aufgenommen werden. Er führt diese Truppen nach Canusium und vereint sie mit weiteren rund 10'000 Männern, die dorthin entkommen sind, und versucht, ihnen neuen Mut einzuflößen. Varro informiert den Senat in einem offiziellen Schreiben über die Lage, worauf der Prätor Marcus Claudius Marcellus nach Canusium kommt, das Kommando übernimmt und Varro nach Rom zurückberufen wird. Bei seiner Ankunft ziehen ihm viele Bürger entgegen und danken ihm, dass er den Staat nicht völlig aufgegeben hat. Gemäss Valerius Maximus wird Varro sogar die Übernahme der Diktatur angeboten, doch lehnt er dies ab, was als Ausdruck seiner Bescheidenheit und als ehrenvolles Verhalten gewertet wird. Sextus Iulius Frontinus berichtet ergänzend, Varro lehne weitere Ehren mit der Bemerkung ab, der Staat brauche glücklichere Magistrate, und lasse fortan Haar und Bart ungepflegt wachsen, was in der Familientradition als Zeichen seiner Demut überliefert wird. In Rom beteiligt sich Varro sofort an den neuen Rüstungen, die der Diktator Marcus Iunius Pera zur Fortführung des Krieges organisiert. Bald kehrt er zu seinem Heer in Apulien zurück, wird jedoch erneut nach Rom berufen, um auf Anordnung des Senats einen weiteren Diktator, Marcus Fabius Buteo, zu ernennen, dessen Aufgabe es ist, die stark dezimierte Zahl der Senatoren zu ergänzen. Nach der Ernennung Buteos kehrt Varro rasch und ohne weitere Rücksprache mit dem Senat zu seinen Truppen zurück, um einer Bindung in Rom während der anstehenden Wahlen zu entgehen. Da die Durchführung der Wahlen Diktator Iunius Pera übernimmt, verbleibt Varro bei seinem Heer, dessen Kommandogewalt ihm gegen Ende des Jahres für 215 bestätigt und in der bisherigen Stärke belassen wird. | ||
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Aemilius_Paullus_(Konsul_219_v._Chr.) Konsul Lucius Aemilius Paullus (2. Amtszeit)] <br />Lucius Aemilius Paullus wird nach 219 erneut zum Konsul gewählt, diesmal gemeinsam mit Gaius Terentius Varro; er kommt in der Schlacht bei Cannae ums Leben. Sein Sohn Lucius Aemilius Paullus Macedonicus wird später als erfolgreicher Feldherr im Dritten Makedonischen Krieg berühmt; seine Tocher Aemilia Paulla wird Publius Cornelius Scipio Africanus heiraten. | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Aemilius_Paullus_(Konsul_219_v._Chr.) Konsul Lucius Aemilius Paullus (2. Amtszeit)] <br />Lucius Aemilius Paullus wird nach 219 erneut zum Konsul gewählt, diesmal gemeinsam mit Gaius Terentius Varro; er kommt in der Schlacht bei Cannae ums Leben. Sein Sohn Lucius Aemilius Paullus Macedonicus wird später als erfolgreicher Feldherr im Dritten Makedonischen Krieg berühmt; seine Tocher Aemilia Paulla wird Publius Cornelius Scipio Africanus heiraten. | ||
* | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Postumius_Albinus_(Konsul_234_v._Chr.) Prätor Lucius Postumius Albinus (2. Amtszeit)] Der ehemalige Konsul Lucius Postumius Albinus wird nach 233 zum zweiten Mal zum Prätor gewählt und erhält die Provinz Gallia Cisalpina (Oberitalien) als Kommando; offenbar hält er sich nicht in Rom auf und wird in Abwesenheit gewählt. In Gallia Cisalpina übernimmt er das Kommando über ein Heer aus zwei Legionen mit Verstärkungen, um gegen die keltischen Boier vorzugehen, die sich erhoben haben und Hannibal unterstützen. Er führt das Heer gegen die aufständischen Boier und dringt in ihr Gebiet vor, um ihren Widerstand zu brechen. | ||
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Claudius_Marcellus_(Feldherr) Prätor Marcus Claudius Marcellus] <br />Marcus Claudius Marcellus wird Prätor und erhält die Provinz Sizilien zugewiesen. Er hält sich in Ostia auf und ist mit der Ausrüstung sowie der Aufstellung einer Flotte für dieses Kommando beschäftigt. Während Marcellus noch in Ostia rüstet, trifft die Nachricht von der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae ein. Der Senat überträgt Marcellus daraufhin den Oberbefehl über die Reste des bei Cannae besiegten Heeres, die sich in Canusium gesammelt haben; er bricht mit den von ihm bereits angeworbenen Truppen nach Apulien auf, um die versprengten Soldaten bei Canusium zu übernehmen. Er sammelt dort die Überlebenden und stellt aus ihnen ein kampffähiges Heer wieder her. Anschließend führt Marcellus dieses Heer nach Kampanien und nimmt mit seinen Truppen Stellung im Raum der Stadt Nola. Hannibal versucht nach Cannae, die Stadt Nola zu erobern, wird aber in der Ersten Schlacht von Nola durch Marcellus zurückgeschlagen. Marcellus bleibt den Rest des Jahres mit seinem Heer in Nola und vermeidet ein Ausrücken gegen Hannibal, obwohl dieser unter anderem Casilinum angreift. Am Ende des Jahres reist Marcellus nach Rom, um Bericht zu erstatten und an Beratungen über die weitere Kriegsstrategie teilzunehmen. | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Claudius_Marcellus_(Feldherr) Prätor Marcus Claudius Marcellus] <br />Marcus Claudius Marcellus wird Prätor und erhält die Provinz Sizilien zugewiesen. Er hält sich in Ostia auf und ist mit der Ausrüstung sowie der Aufstellung einer Flotte für dieses Kommando beschäftigt. Während Marcellus noch in Ostia rüstet, trifft die Nachricht von der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae ein. Der Senat überträgt Marcellus daraufhin den Oberbefehl über die Reste des bei Cannae besiegten Heeres, die sich in Canusium gesammelt haben; er bricht mit den von ihm bereits angeworbenen Truppen nach Apulien auf, um die versprengten Soldaten bei Canusium zu übernehmen. Er sammelt dort die Überlebenden und stellt aus ihnen ein kampffähiges Heer wieder her. Anschließend führt Marcellus dieses Heer nach Kampanien und nimmt mit seinen Truppen Stellung im Raum der Stadt Nola. Hannibal versucht nach Cannae, die Stadt Nola zu erobern, wird aber in der Ersten Schlacht von Nola durch Marcellus zurückgeschlagen. Marcellus bleibt den Rest des Jahres mit seinem Heer in Nola und vermeidet ein Ausrücken gegen Hannibal, obwohl dieser unter anderem Casilinum angreift. Am Ende des Jahres reist Marcellus nach Rom, um Bericht zu erstatten und an Beratungen über die weitere Kriegsstrategie teilzunehmen. | ||
*Der ehemalige Konsul Spurius Carvilius Maximus Ruga vertritt die Ansicht, man soll die stark gelichteten Reihen des Senats auffüllen, indem man aus jedem latinischen Stamm zwei Männer zu Senatoren wählt, um so zugleich die Latinergemeinden enger an Rom zu binden. Mit diesem Vorschlag stößt er jedoch im Senat auf entschiedene Ablehnung. | *Der ehemalige Konsul [http://de.wikipedia.org/wiki/Spurius_Carvilius_Maximus_Ruga Spurius Carvilius Maximus Ruga] vertritt die Ansicht, man soll die stark gelichteten Reihen des Senats auffüllen, indem man aus jedem latinischen Stamm zwei Männer zu Senatoren wählt, um so zugleich die Latinergemeinden enger an Rom zu binden. Mit diesem Vorschlag stößt er jedoch im Senat auf entschiedene Ablehnung. | ||
*Nach der Schlacht von Cannae 216 übernimmt der ehemalige Konsul Marcus Atilius Regulus weitere Aufgaben im Staat. Er gehört zusammen mit Lucius Aemilius Papus zu den IIIviri mensarii, einer Art Vorstufe der späteren IIIviri monetales, die finanz- und kreditpolitische Aufgaben wahrnehmen. | *Nach der Schlacht von Cannae 216 übernimmt der ehemalige Konsul [http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Atilius_Regulus_(Konsul_227_v._Chr.) Marcus Atilius Regulus] weitere Aufgaben im Staat. Er gehört zusammen mit Lucius Aemilius Papus zu den IIIviri mensarii, einer Art Vorstufe der späteren IIIviri monetales, die finanz- und kreditpolitische Aufgaben wahrnehmen. | ||
*Der ehemalige Konsul und Zensor Lucius Aemilius Papus wirkt als einer der IIIviri mensarii, deren genaue Aufgaben nicht eindeutig geklärt sind, die aber wahrscheinlich als Vorläufer der IIIviri monetales fungieren und finanz- beziehungsweise geldpolitische Zuständigkeiten haben. Das weitere Schicksal und das Todesjahr von Papus sind unbekannt. | *Der ehemalige Konsul und Zensor [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Aemilius_Papus_(Konsul) Lucius Aemilius Papus] wirkt als einer der IIIviri mensarii, deren genaue Aufgaben nicht eindeutig geklärt sind, die aber wahrscheinlich als Vorläufer der IIIviri monetales fungieren und finanz- beziehungsweise geldpolitische Zuständigkeiten haben. Das weitere Schicksal und das Todesjahr von Papus sind unbekannt. | ||
*Der ehemalige Konsul Publius Furius Philus wird zum Praetor urbanus gewählt. Die Römer erleiden in der Schlacht von Cannae eine verheerende Niederlage gegen Hannibal (siehe weiter unten). Furius und sein Amtskollege Marcus Pomponius Matho berufen daraufhin den Senat ein, um die zur Verteidigung Roms nötigen Maßnahmen zu beraten. Kurz danach übernimmt Furius den Oberbefehl über die Seestreitkräfte. Er segelt mit der Flotte nach Nordafrika, gerät nahe der Küste in ein Gefecht und wird schwer verwundet. Aufgrund dieser Verletzungen ist er gezwungen, nach Sizilien zurückzukehren. | *Der ehemalige Konsul [http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Furius_Philus_(Konsul_223_v._Chr.) Publius Furius Philus] wird zum Praetor urbanus gewählt. Die Römer erleiden in der Schlacht von Cannae eine verheerende Niederlage gegen Hannibal (siehe weiter unten). Furius und sein Amtskollege Marcus Pomponius Matho berufen daraufhin den Senat ein, um die zur Verteidigung Roms nötigen Maßnahmen zu beraten. Kurz danach übernimmt Furius den Oberbefehl über die Seestreitkräfte. Er segelt mit der Flotte nach Nordafrika, gerät nahe der Küste in ein Gefecht und wird schwer verwundet. Aufgrund dieser Verletzungen ist er gezwungen, nach Sizilien zurückzukehren. | ||
*Nach Ablauf ihres ordentlichen Konsulats behalten die vorjährigen Konsuln [http://de.wikipedia.org/wiki/Gnaeus_Servilius_Geminus Gnaeus Servilius Geminus] und Marcus Atilius Regulus ihr Imperium in verlängerter Form und bleiben in ihren Stellungen. Sie liefern den Feinden nur kleinere Gefechte und Scharmützel, vermeiden aber eine große Entscheidungsschlacht, bis die neuen Konsuln, Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro, bei ihnen eintreffen. Servilius nimmt nun als Prokonsul zusammen mit den amtierenden Konsuln an der folgenden großen Auseinandersetzung teil, der Schlacht von Cannae. Polybios berichtet, dass auch Atilius an dieser Schlacht teilnimmt, während Livius schildert, Atilius gehe aufgrund seines hohen Alters nach Rom zurück; der Althistoriker Friedrich Münzer hält Livius’ Version hier für glaubwürdiger. In der Schlacht bei Cannae befehligt Gaius Terentius Varro den linken Flügel und Lucius Aemilius Paullus den rechten Flügel des römischen Heeres. Das schwer bewaffnete Infanteriezentrum der Römer steht unter dem Befehl des Prokonsuls Servilius, der damit nach den beiden Konsuln der ranghöchste Kommandeur ist. In vielen erhaltenen Schlachtberichten erscheint Servilius nur am Rand, doch beim Historiker Appian spielt er eine deutlich größere Rolle. Bereits der Dichter Ennius schreibt Servilius in seinem historischen Epos eine bedeutende Rolle zu und lässt ihn gemeinsam mit Aemilius Paullus für eine eher zurückhaltende Taktik eintreten, auch wenn diese Darstellung der älteren Tradition widerspricht. Unstrittig ist, dass Servilius in der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae am 2. August fällt. Zusammen mit ihm sterben auch Aemilius Paullus, Marcus Minucius Rufus, der ehemalige Reiterführer des Diktators Fabius, sowie viele weitere hohe militärische Führer Roms; der Sterbeort des Servilius liegt im Feld bei Cannae. | *Nach Ablauf ihres ordentlichen Konsulats behalten die vorjährigen Konsuln [http://de.wikipedia.org/wiki/Gnaeus_Servilius_Geminus Gnaeus Servilius Geminus] und Marcus Atilius Regulus ihr Imperium in verlängerter Form und bleiben in ihren Stellungen. Sie liefern den Feinden nur kleinere Gefechte und Scharmützel, vermeiden aber eine große Entscheidungsschlacht, bis die neuen Konsuln, Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro, bei ihnen eintreffen. Servilius nimmt nun als Prokonsul zusammen mit den amtierenden Konsuln an der folgenden großen Auseinandersetzung teil, der Schlacht von Cannae. Polybios berichtet, dass auch Atilius an dieser Schlacht teilnimmt, während Livius schildert, Atilius gehe aufgrund seines hohen Alters nach Rom zurück; der Althistoriker Friedrich Münzer hält Livius’ Version hier für glaubwürdiger. In der Schlacht bei Cannae befehligt Gaius Terentius Varro den linken Flügel und Lucius Aemilius Paullus den rechten Flügel des römischen Heeres. Das schwer bewaffnete Infanteriezentrum der Römer steht unter dem Befehl des Prokonsuls Servilius, der damit nach den beiden Konsuln der ranghöchste Kommandeur ist. In vielen erhaltenen Schlachtberichten erscheint Servilius nur am Rand, doch beim Historiker Appian spielt er eine deutlich größere Rolle. Bereits der Dichter Ennius schreibt Servilius in seinem historischen Epos eine bedeutende Rolle zu und lässt ihn gemeinsam mit Aemilius Paullus für eine eher zurückhaltende Taktik eintreten, auch wenn diese Darstellung der älteren Tradition widerspricht. Unstrittig ist, dass Servilius in der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae am 2. August fällt. Zusammen mit ihm sterben auch Aemilius Paullus, Marcus Minucius Rufus, der ehemalige Reiterführer des Diktators Fabius, sowie viele weitere hohe militärische Führer Roms; der Sterbeort des Servilius liegt im Feld bei Cannae. | ||
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Punischer_Krieg Zweiter Punischer Krieg (218-201)] <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Cannae '''Schlacht von Cannae'''] <br />0802D: Der karthagische Feldherr Hannibal vernichtet ein aus 16 Legionen bestehendes römisches Heer unter dem Befehl von Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro in der Schlacht von Cannae, ohne dass er jedoch politisch davon profitieren kann, weil er militärisch nicht in der Lage ist, Rom direkt anzugreifen. Der vorjährige Magister Equitum und Diktator Marcus Minucius Rufus kämpft in der Schlacht von Cannae als einer der Befehlshaber im römischen Zentrum und stirbt in den Augen seiner Mitbürger einen Heldentod. <br />[http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-schlacht-von-cannae-100.html WDR ZeitZeichen 2025] <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Schlacht_von_Nola '''Erste Schlacht von Nola'''] <br />Im Anschluss versucht Hannibal, die Stadt Nola zu erobern, der Angriff wird aber von den Römern unter Marcus Claudius Marcellus in der Ersten Schlacht von Nola abgewehrt. <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Iunius_Pera Diktator Marcus Iunius Pera] <br />Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Cannae, wird der ehemalige Konsul Marcus Iunius Pera im Sommer zum Diktator zur Kriegsführung (rei gerundae causa) ernannt. Gleichzeitig wird Tiberius Sempronius Gracchus zu seinem Magister equitum bestimmt, sodass Pera den Oberbefehl in der Krisensituation erhält. Pera rekrutiert sehr junge, noch nicht wehrpflichtige Männer ab 17 Jahren, außerdem Straffällige und sogar 8000 Sklaven, die der römische Staat eigens zu diesem Zweck freikauft. Hannibal schickt inzwischen zehn Römer, die bei Cannae in karthagische Gefangenschaft geraten sind, nach Rom, um den Freikauf der Gefangenen zu erbitten. Diese Gesandten werden von Hannibals Bevollmächtigtem Karthalo begleitet, der in Rom die punischen Friedensbedingungen erläutern soll. Pera lässt Karthalo Karthalo jedoch auffordern, Rom sofort wieder zu verlassen, und verhandelt im Senat mit den Gesandten der gefangenen Römer, doch am Ende setzt der ehemalige Konsul Titus Manlius Torquatus, die festgehaltenen Landsleute nicht loszukaufen, ebenso und lehnt er ab, Latiner als Ersatz für verstorbene Senatoren aufzunehmen. Während Capua zu Hannibal überläuft, leistet das nahegelegene Casilinum, das den Übergang über den Apenninenfluss Volturnus beherrscht, Hannibal entschiedene Gegenwehr. Daraufhin zieht Pera im Herbst mit seinen neu ausgehobenen Truppen nach Kampanien, um Casilinum beizustehen, aber während er zwischendurch nach Rom zurückkehrt, um die Auspizien zu erneuern, fällt Casilinum gemäss der Darstellung des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius in die Hand der Karthager. Andere Autoren berichten, dass Pera einer Kriegslist Hannibals erlegen sei. Der Althistoriker Friedrich Münzer nimmt an, dass die geringen Erfolge des Marcus Iunius Pera dazu geführt haben, dass – entgegen der üblichen Praxis – am Jahresende Marcus Fabius Buteo als zweiter Diktator mit dem Aufgabenbereich der Senatsergänzung ernannt wird; Nach dieser Doppelernennung wird später nie wieder ein Diktator rei gerundae causa bestellt. Pera reist ein zweites Mal nach Rom, um die Wahlen für das folgende Jahr zu leiten, danach wird er in den Quellen nicht mehr erwähnt. | *[http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Punischer_Krieg Zweiter Punischer Krieg (218-201)] <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Cannae '''Schlacht von Cannae'''] <br />0802D: Der karthagische Feldherr Hannibal vernichtet ein aus 16 Legionen bestehendes römisches Heer unter dem Befehl von Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro in der Schlacht von Cannae, ohne dass er jedoch politisch davon profitieren kann, weil er militärisch nicht in der Lage ist, Rom direkt anzugreifen. Der vorjährige Magister Equitum und Diktator Marcus Minucius Rufus kämpft in der Schlacht von Cannae als einer der Befehlshaber im römischen Zentrum und stirbt in den Augen seiner Mitbürger einen Heldentod. <br />[http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-schlacht-von-cannae-100.html WDR ZeitZeichen 2025] <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Schlacht_von_Nola '''Erste Schlacht von Nola'''] <br />Im Anschluss versucht Hannibal, die Stadt Nola zu erobern, der Angriff wird aber von den Römern unter Marcus Claudius Marcellus in der Ersten Schlacht von Nola abgewehrt. <br />[http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Iunius_Pera Diktator Marcus Iunius Pera] <br />Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Cannae, wird der ehemalige Konsul Marcus Iunius Pera im Sommer zum Diktator zur Kriegsführung (rei gerundae causa) ernannt. Gleichzeitig wird Tiberius Sempronius Gracchus zu seinem Magister equitum bestimmt, sodass Pera den Oberbefehl in der Krisensituation erhält. Pera rekrutiert sehr junge, noch nicht wehrpflichtige Männer ab 17 Jahren, außerdem Straffällige und sogar 8000 Sklaven, die der römische Staat eigens zu diesem Zweck freikauft. Hannibal schickt inzwischen zehn Römer, die bei Cannae in karthagische Gefangenschaft geraten sind, nach Rom, um den Freikauf der Gefangenen zu erbitten. Diese Gesandten werden von Hannibals Bevollmächtigtem Karthalo begleitet, der in Rom die punischen Friedensbedingungen erläutern soll. Pera lässt Karthalo Karthalo jedoch auffordern, Rom sofort wieder zu verlassen, und verhandelt im Senat mit den Gesandten der gefangenen Römer, doch am Ende setzt der ehemalige Konsul Titus Manlius Torquatus, die festgehaltenen Landsleute nicht loszukaufen, ebenso und lehnt er ab, Latiner als Ersatz für verstorbene Senatoren aufzunehmen. Während Capua zu Hannibal überläuft, leistet das nahegelegene Casilinum, das den Übergang über den Apenninenfluss Volturnus beherrscht, Hannibal entschiedene Gegenwehr. Daraufhin zieht Pera im Herbst mit seinen neu ausgehobenen Truppen nach Kampanien, um Casilinum beizustehen, aber während er zwischendurch nach Rom zurückkehrt, um die Auspizien zu erneuern, fällt Casilinum gemäss der Darstellung des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius in die Hand der Karthager. Andere Autoren berichten, dass Pera einer Kriegslist Hannibals erlegen sei. Der Althistoriker Friedrich Münzer nimmt an, dass die geringen Erfolge des Marcus Iunius Pera dazu geführt haben, dass – entgegen der üblichen Praxis – am Jahresende Marcus Fabius Buteo als zweiter Diktator mit dem Aufgabenbereich der Senatsergänzung ernannt wird; Nach dieser Doppelernennung wird später nie wieder ein Diktator rei gerundae causa bestellt. Pera reist ein zweites Mal nach Rom, um die Wahlen für das folgende Jahr zu leiten, danach wird er in den Quellen nicht mehr erwähnt. | ||
Aktuelle Version vom 19. Januar 2026, 14:52 Uhr
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita DXXXVIII = 538)
- Konsul Gaius Terentius Varro
Gaius Terentius Varro erreicht als homo novus das Konsulat und wird mit Unterstützung seines Verwandten, des Volkstribunen Quintus Baebius Herennius, problemlos gewählt, während sein adliger Kollege Lucius Aemilius Paullus sich erst im zweiten Wahlgang durchsetzt. In der stark parteiischen Darstellung des Livius erscheint diese Wahl als Triumph der Volkspartei über die Nobilität, während der griechische Historiker Polybios die Vorgänge knapper und weniger tendenziös schildert. Senat und Konsuln beschließen, Hannibal mit einer massiven Übermacht in offenem Gelände zu stellen, um Hinterhalte zu vermeiden und durch zahlenmäßige Stärke den Sieg zu erzwingen. Dafür wird eine Streitmacht von acht Legionen und einer gleich großen Zahl bundesgenössischer Truppen vorgesehen; Varro und Paullus heben die fehlenden Soldaten aus, während die Konsuln des Vorjahres, Gnaeus Servilius Geminus und Marcus Atilius Regulus, vorerst kleinere Gefechte führen. Die Rüstungen dauern nahezu ein halbes Jahr, und in der späteren römischen Überlieferung wird diese Phase im Licht der Katastrophe von Cannae umgedeutet, indem Varro als treibende Kraft einer riskanten Entscheidungsschlacht gezeichnet wird. Tatsächlich bestehen in Rom weiterhin starke Gegensätze zwischen Patriziern und Plebejern sowie zwischen Anhängern der defensiven Taktik des Fabius und den Befürwortern einer offensiven, entscheidungssuchenden Kriegsführung. Gemäss Polybios treffen Varro und Paullus bei der römischen Armee wahrscheinlich in der Nähe von Arpi ein und marschieren innerhalb weniger Tage gegen Hannibal. Am ersten Tag des Kommandos hält Paullus eine Ansprache an das Heer, am folgenden Tag beginnt der Vormarsch, und am dritten Tag stoßen die römischen Truppen auf das Hauptheer Hannibals, der von Gerunium nach Cannae am Fluss Aufidus vorgerückt ist. Ende Juli schlagen die Römer etwa neun Kilometer vom Feind entfernt ein Lager auf, und nun treten nach Polybios erstmals deutliche Meinungsunterschiede zwischen den Konsuln hervor: Paullus hält das Gelände für ungeeignet, da die Ebene Hannibals Kavallerie begünstigt, während Varro – aus Sicht Polybios’ unerfahren – das Gegenteil vertritt und am Tag seines Oberbefehls das Heer näher an Hannibal heranführt. In einem Gefecht mit leichtbewaffneten Truppen und Reiterei behalten die Römer zunächst die Oberhand, doch verstärkt sich der Druck zur Entscheidungsschlacht. Paullus lässt am fünften Tag zwei Lager auf beiden Seiten des Aufidus anlegen und verweigert am siebten Tag eine Herausforderung Hannibals, worauf numidische Reiter das kleinere römische Lager beim Wasserholen bedrängen. Diese Belästigung steigert die Ungeduld der Soldaten und reizt Varro, der am achten Tag wieder den Oberbefehl innehat, dazu, die Schlacht anzunehmen. Am 2. August stellt Varro bei Sonnenaufgang die römischen Truppen auf der rechten Seite des Aufidus in Schlachtordnung auf. Er kommandiert den linken Flügel mit zwei Legionen und ebenso vielen bundesgenössischen Fußtruppen; vor ihm steht die Reiterei der Bundesgenossen der numidischen Kavallerie gegenüber. Im Verlauf des Kampfes wird die unter Varros Befehl stehende Kavallerie durch numidische Reiter so lange gebunden, bis die Entscheidung im Zentrum fällt, und als die Reiterei des karthagischen linken Flügels unter Hasdrubal heranstößt, lösen sich Varros Reiter schließlich auf und fliehen. Die römische Armee erleidet eine vernichtende Niederlage, während Varro mit etwa 70 Reitern nach Venusia entkommt und rund 300 weitere Reiter sich in benachbarte Orte retten. Spätere Überlieferung zeichnet seine Flucht als schmählich und stellt sie dem heroisierten Tod des Paullus gegenüber, doch erwähnt Florus, dass ungewiss sei, welcher Konsul größere Tatkraft und größeren Mut zeigt. Nach der Niederlage erfüllt Varro seine Pflichten, indem er etwa 4500 geflüchtete Soldaten in Venusia sammelt, die dort gastfreundlich aufgenommen werden. Er führt diese Truppen nach Canusium und vereint sie mit weiteren rund 10'000 Männern, die dorthin entkommen sind, und versucht, ihnen neuen Mut einzuflößen. Varro informiert den Senat in einem offiziellen Schreiben über die Lage, worauf der Prätor Marcus Claudius Marcellus nach Canusium kommt, das Kommando übernimmt und Varro nach Rom zurückberufen wird. Bei seiner Ankunft ziehen ihm viele Bürger entgegen und danken ihm, dass er den Staat nicht völlig aufgegeben hat. Gemäss Valerius Maximus wird Varro sogar die Übernahme der Diktatur angeboten, doch lehnt er dies ab, was als Ausdruck seiner Bescheidenheit und als ehrenvolles Verhalten gewertet wird. Sextus Iulius Frontinus berichtet ergänzend, Varro lehne weitere Ehren mit der Bemerkung ab, der Staat brauche glücklichere Magistrate, und lasse fortan Haar und Bart ungepflegt wachsen, was in der Familientradition als Zeichen seiner Demut überliefert wird. In Rom beteiligt sich Varro sofort an den neuen Rüstungen, die der Diktator Marcus Iunius Pera zur Fortführung des Krieges organisiert. Bald kehrt er zu seinem Heer in Apulien zurück, wird jedoch erneut nach Rom berufen, um auf Anordnung des Senats einen weiteren Diktator, Marcus Fabius Buteo, zu ernennen, dessen Aufgabe es ist, die stark dezimierte Zahl der Senatoren zu ergänzen. Nach der Ernennung Buteos kehrt Varro rasch und ohne weitere Rücksprache mit dem Senat zu seinen Truppen zurück, um einer Bindung in Rom während der anstehenden Wahlen zu entgehen. Da die Durchführung der Wahlen Diktator Iunius Pera übernimmt, verbleibt Varro bei seinem Heer, dessen Kommandogewalt ihm gegen Ende des Jahres für 215 bestätigt und in der bisherigen Stärke belassen wird. - Konsul Lucius Aemilius Paullus (2. Amtszeit)
Lucius Aemilius Paullus wird nach 219 erneut zum Konsul gewählt, diesmal gemeinsam mit Gaius Terentius Varro; er kommt in der Schlacht bei Cannae ums Leben. Sein Sohn Lucius Aemilius Paullus Macedonicus wird später als erfolgreicher Feldherr im Dritten Makedonischen Krieg berühmt; seine Tocher Aemilia Paulla wird Publius Cornelius Scipio Africanus heiraten. - Prätor Lucius Postumius Albinus (2. Amtszeit) Der ehemalige Konsul Lucius Postumius Albinus wird nach 233 zum zweiten Mal zum Prätor gewählt und erhält die Provinz Gallia Cisalpina (Oberitalien) als Kommando; offenbar hält er sich nicht in Rom auf und wird in Abwesenheit gewählt. In Gallia Cisalpina übernimmt er das Kommando über ein Heer aus zwei Legionen mit Verstärkungen, um gegen die keltischen Boier vorzugehen, die sich erhoben haben und Hannibal unterstützen. Er führt das Heer gegen die aufständischen Boier und dringt in ihr Gebiet vor, um ihren Widerstand zu brechen.
- Prätor Marcus Claudius Marcellus
Marcus Claudius Marcellus wird Prätor und erhält die Provinz Sizilien zugewiesen. Er hält sich in Ostia auf und ist mit der Ausrüstung sowie der Aufstellung einer Flotte für dieses Kommando beschäftigt. Während Marcellus noch in Ostia rüstet, trifft die Nachricht von der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae ein. Der Senat überträgt Marcellus daraufhin den Oberbefehl über die Reste des bei Cannae besiegten Heeres, die sich in Canusium gesammelt haben; er bricht mit den von ihm bereits angeworbenen Truppen nach Apulien auf, um die versprengten Soldaten bei Canusium zu übernehmen. Er sammelt dort die Überlebenden und stellt aus ihnen ein kampffähiges Heer wieder her. Anschließend führt Marcellus dieses Heer nach Kampanien und nimmt mit seinen Truppen Stellung im Raum der Stadt Nola. Hannibal versucht nach Cannae, die Stadt Nola zu erobern, wird aber in der Ersten Schlacht von Nola durch Marcellus zurückgeschlagen. Marcellus bleibt den Rest des Jahres mit seinem Heer in Nola und vermeidet ein Ausrücken gegen Hannibal, obwohl dieser unter anderem Casilinum angreift. Am Ende des Jahres reist Marcellus nach Rom, um Bericht zu erstatten und an Beratungen über die weitere Kriegsstrategie teilzunehmen. - Der ehemalige Konsul Spurius Carvilius Maximus Ruga vertritt die Ansicht, man soll die stark gelichteten Reihen des Senats auffüllen, indem man aus jedem latinischen Stamm zwei Männer zu Senatoren wählt, um so zugleich die Latinergemeinden enger an Rom zu binden. Mit diesem Vorschlag stößt er jedoch im Senat auf entschiedene Ablehnung.
- Nach der Schlacht von Cannae 216 übernimmt der ehemalige Konsul Marcus Atilius Regulus weitere Aufgaben im Staat. Er gehört zusammen mit Lucius Aemilius Papus zu den IIIviri mensarii, einer Art Vorstufe der späteren IIIviri monetales, die finanz- und kreditpolitische Aufgaben wahrnehmen.
- Der ehemalige Konsul und Zensor Lucius Aemilius Papus wirkt als einer der IIIviri mensarii, deren genaue Aufgaben nicht eindeutig geklärt sind, die aber wahrscheinlich als Vorläufer der IIIviri monetales fungieren und finanz- beziehungsweise geldpolitische Zuständigkeiten haben. Das weitere Schicksal und das Todesjahr von Papus sind unbekannt.
- Der ehemalige Konsul Publius Furius Philus wird zum Praetor urbanus gewählt. Die Römer erleiden in der Schlacht von Cannae eine verheerende Niederlage gegen Hannibal (siehe weiter unten). Furius und sein Amtskollege Marcus Pomponius Matho berufen daraufhin den Senat ein, um die zur Verteidigung Roms nötigen Maßnahmen zu beraten. Kurz danach übernimmt Furius den Oberbefehl über die Seestreitkräfte. Er segelt mit der Flotte nach Nordafrika, gerät nahe der Küste in ein Gefecht und wird schwer verwundet. Aufgrund dieser Verletzungen ist er gezwungen, nach Sizilien zurückzukehren.
- Nach Ablauf ihres ordentlichen Konsulats behalten die vorjährigen Konsuln Gnaeus Servilius Geminus und Marcus Atilius Regulus ihr Imperium in verlängerter Form und bleiben in ihren Stellungen. Sie liefern den Feinden nur kleinere Gefechte und Scharmützel, vermeiden aber eine große Entscheidungsschlacht, bis die neuen Konsuln, Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro, bei ihnen eintreffen. Servilius nimmt nun als Prokonsul zusammen mit den amtierenden Konsuln an der folgenden großen Auseinandersetzung teil, der Schlacht von Cannae. Polybios berichtet, dass auch Atilius an dieser Schlacht teilnimmt, während Livius schildert, Atilius gehe aufgrund seines hohen Alters nach Rom zurück; der Althistoriker Friedrich Münzer hält Livius’ Version hier für glaubwürdiger. In der Schlacht bei Cannae befehligt Gaius Terentius Varro den linken Flügel und Lucius Aemilius Paullus den rechten Flügel des römischen Heeres. Das schwer bewaffnete Infanteriezentrum der Römer steht unter dem Befehl des Prokonsuls Servilius, der damit nach den beiden Konsuln der ranghöchste Kommandeur ist. In vielen erhaltenen Schlachtberichten erscheint Servilius nur am Rand, doch beim Historiker Appian spielt er eine deutlich größere Rolle. Bereits der Dichter Ennius schreibt Servilius in seinem historischen Epos eine bedeutende Rolle zu und lässt ihn gemeinsam mit Aemilius Paullus für eine eher zurückhaltende Taktik eintreten, auch wenn diese Darstellung der älteren Tradition widerspricht. Unstrittig ist, dass Servilius in der katastrophalen Niederlage der Römer gegen Hannibal bei Cannae am 2. August fällt. Zusammen mit ihm sterben auch Aemilius Paullus, Marcus Minucius Rufus, der ehemalige Reiterführer des Diktators Fabius, sowie viele weitere hohe militärische Führer Roms; der Sterbeort des Servilius liegt im Feld bei Cannae.
- Zweiter Punischer Krieg (218-201)
Schlacht von Cannae
0802D: Der karthagische Feldherr Hannibal vernichtet ein aus 16 Legionen bestehendes römisches Heer unter dem Befehl von Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro in der Schlacht von Cannae, ohne dass er jedoch politisch davon profitieren kann, weil er militärisch nicht in der Lage ist, Rom direkt anzugreifen. Der vorjährige Magister Equitum und Diktator Marcus Minucius Rufus kämpft in der Schlacht von Cannae als einer der Befehlshaber im römischen Zentrum und stirbt in den Augen seiner Mitbürger einen Heldentod.
WDR ZeitZeichen 2025
Erste Schlacht von Nola
Im Anschluss versucht Hannibal, die Stadt Nola zu erobern, der Angriff wird aber von den Römern unter Marcus Claudius Marcellus in der Ersten Schlacht von Nola abgewehrt.
Diktator Marcus Iunius Pera
Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht von Cannae, wird der ehemalige Konsul Marcus Iunius Pera im Sommer zum Diktator zur Kriegsführung (rei gerundae causa) ernannt. Gleichzeitig wird Tiberius Sempronius Gracchus zu seinem Magister equitum bestimmt, sodass Pera den Oberbefehl in der Krisensituation erhält. Pera rekrutiert sehr junge, noch nicht wehrpflichtige Männer ab 17 Jahren, außerdem Straffällige und sogar 8000 Sklaven, die der römische Staat eigens zu diesem Zweck freikauft. Hannibal schickt inzwischen zehn Römer, die bei Cannae in karthagische Gefangenschaft geraten sind, nach Rom, um den Freikauf der Gefangenen zu erbitten. Diese Gesandten werden von Hannibals Bevollmächtigtem Karthalo begleitet, der in Rom die punischen Friedensbedingungen erläutern soll. Pera lässt Karthalo Karthalo jedoch auffordern, Rom sofort wieder zu verlassen, und verhandelt im Senat mit den Gesandten der gefangenen Römer, doch am Ende setzt der ehemalige Konsul Titus Manlius Torquatus, die festgehaltenen Landsleute nicht loszukaufen, ebenso und lehnt er ab, Latiner als Ersatz für verstorbene Senatoren aufzunehmen. Während Capua zu Hannibal überläuft, leistet das nahegelegene Casilinum, das den Übergang über den Apenninenfluss Volturnus beherrscht, Hannibal entschiedene Gegenwehr. Daraufhin zieht Pera im Herbst mit seinen neu ausgehobenen Truppen nach Kampanien, um Casilinum beizustehen, aber während er zwischendurch nach Rom zurückkehrt, um die Auspizien zu erneuern, fällt Casilinum gemäss der Darstellung des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius in die Hand der Karthager. Andere Autoren berichten, dass Pera einer Kriegslist Hannibals erlegen sei. Der Althistoriker Friedrich Münzer nimmt an, dass die geringen Erfolge des Marcus Iunius Pera dazu geführt haben, dass – entgegen der üblichen Praxis – am Jahresende Marcus Fabius Buteo als zweiter Diktator mit dem Aufgabenbereich der Senatsergänzung ernannt wird; Nach dieser Doppelernennung wird später nie wieder ein Diktator rei gerundae causa bestellt. Pera reist ein zweites Mal nach Rom, um die Wahlen für das folgende Jahr zu leiten, danach wird er in den Quellen nicht mehr erwähnt. - Die früher gebremste Haltung des vorjährigen Diktators Fabius erscheint nun im Rückblick als richtig und verschafft ihm allgemeine Anerkennung. In der angeschlagenen Stadt hilft er mit klugen Ratschlägen, Panik zu vermeiden und die militärische Organisation aufrechtzuerhalten. Noch im gleichen Jahr erfüllt Fabius sein Gelübde und weiht der Venus Erycina einen Tempel, außerdem wird er in das Kollegium der Pontifices aufgenommen. Er sitzt damit lange Jahre sowohl im Auguren- als auch im Pontifikalkollegium und erreicht damit eine religiöse Doppelstellung, die später nur noch Gaius Iulius Caesar annähernd erreicht. Diese Machtstellung nutzt er, um wiederholt seine Wahl zum Konsulat zu sichern, meist auf Kosten plebejischer Kandidaten.
- Fortsetzung 215
ILLYRER
- König Scerdilaidas (218–206)
Rom sendet Scerdilaidas Unterstützung (10 Schiffe) gegen Makedonien, was Philipp V. zum Rückzug veranlasst - Fortsetzung 214
GRIECHEN
(4. Jahr der 140. / 1. Jahr der 141. Olympiade)
Syrakus
Makedonien
Sparta
Bosporanisches Reich
Pergamon
Pontos
Bithynien
- König Prusias I. (228–182)
Sieg über die Aigosagen (keltischer Stamm) - Fortsetzung 215
Kappadokien
Seleukidenreich
- König Antiochos III. (223–187)
- König (Usurpator) Achaios (220-214/213)
Antiochos III. rückt gegen Achaios in Anatolien vor und belagert ihn in seiner Hauptstadt Sardes - Fortsetzung 214
Griechisch-Baktrisches Königreich
Ägypten
IBERIA
PARTHERREICH
MASSÄSYLIER
INDIEN
Maurya-Reich
Anuradhapura
XIONGNU
CHINA
(41/42. Zyklus - Jahr des Holz-Hahns; am Beginn des Jahres Holz-Affe)
Qin-Dynastie
JAPAN
QUELLEN
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07.12.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt
08.07.2025 Grundstock ergänzt