-410
Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCXLIV = 344)
- Konsul Manius Aemilius Mamercinus (1. Amtszeit)
Manius Aemilius Mamercinus bekleidet erstmals das Imperium als einer der beiden ordentlichen Konsuln. Sein Amtskollege ist Gaius Valerius Potitus Volusus. Die Konsuln führen erfolgreich Krieg gegen die Äquer und die Volsker, was zur Einnahme der Festung Arx Carventana führt. Einer der Konsuln, wahrscheinlich Valerius, erhält dafür eine Ovatio. Die weiteren Kriegsanstrengungen werden durch den Volkstribunen Marcus Menenius behindert, der eine geplante Aushebung per Veto verhindert und stattdessen ein neues Ackergesetz vorschlägt. - Konsul Gaius Valerius Potitus Volusus (2. Amtszeit)
Im Jahr 410 v. Chr. wird Gaius Valerius Potitus Volusus zusammen mit Manius Aemilius Mamercinus zum Konsul gewählt. In diesem Jahr führen die Römer Krieg gegen die Aequer und die Volsker, und Gaius Valerius führt eine Kampagne gegen Volsker und Aequer um die Festung Carventum, eine Stadt des latinischen Bundes, deren Rückeroberung den Römern nur für kurze Zeit gelingt, bevor sie wieder in die Hände der Aequer fällt. Die Konsuln wollen eine Heeresaushebung durchführen, die aber vom Volkstribun Marcus Menenius blockiert wird, was zu militärischen Rückschlägen für Rom führt; Menenius’ Vorschlag für ein Agrargesetz wird aufgrund der öffentlichen Stimmung und der Ablehnung durch andere Volkstribunen verworfen, obwohl es den Römern dennoch gelingt, die Festung Carventum (oder deren Besitz) zu erobern beziehungsweise wiederzuerobern. - Fortsetzung 409
GRIECHEN
(2./3. Jahr der 92. Olympiade)
Syrakus
- Hermokrates
Nach der Niederlage in der Schlacht von Kyzikos wird Hermokrates gemeinsam mit seinen Admiralskollegen von der inzwischen in Syrakus an die Macht gelangten demokratischen Partei abgelöst und verbannt. - Fortsetzung 408
Molosser / Epirus
Makedonien
- König Archelaos I. (413–399)
Die Stadt Pydna saft sich von Makedonien los; Archelaos zieht mit einer großen Streitmacht vor Pydna und belagert die Stadt. Unterstützung erhält er durch den athenischen Feldherrn Theramenes, der mit einem Flottenkontingent am Kriegsschauplatz erscheint. Als sich die Belagerung hinzieht, segelt Theramenes nach Thrakien, um sich Thrasybulos anzuschließen. Archelaos erobert Pydna schließlich, zerstört die Stadt und errichtet sie etwas landeinwärts neu.
Um 410: Archelaos I. verlegt die Hauptstadt Makedoniens von Aigai in das neugegründete Pella. - Fortsetzung 408
Athen
- Peloponnesischer_Krieg (431-404)
Schlacht von Kyzikos
Im März/April findet die Schlacht von Kyzikos als kombinierte See- und Landschlacht im Peloponnesischen Krieg statt, ausgetragen zwischen den Flotten Athens und Spartas vor Kyzikos in der Propontis, wobei im anschliessenden Landkampf auch Truppen des Achämenidenreichs eingreifen und die Schlacht mit einer klaren Niederlage der Spartaner endet, deren Flotte vollständig vernichtet wird. Mindaros verfügt nach der Schlacht von Abydos noch über sechzig Schiffe, mit denen er nach Kyzikos an der Nordküste Kleinasiens fährt, um von Pharnabazos, dem persischen Satrapen von Phrygien, neue Hilfsleistungen zu erbitten, doch das Übergewicht der Spartaner ist nur von kurzer Dauer, weil Thrasybul aus Thasos mit zwanzig Schiffen zurückkehrt und gleichzeitig der Stratege Theramenes mit zwanzig neuen Trieren aus Athen eintrifft, wodurch sich das Kräfteverhältnis zugunsten Athens verschiebt und die Rückkehr zur demokratischen Verfassung in Athen die Stimmung zusätzlich hebt.
Nachdem Thrasybul, Theramenes und Alkibiades erfahren, dass Mindaros und Pharnabazos das unbefestigte Kyzikos besetzt haben, segeln Thrasybul als Oberkommandierender, Theramenes als sein Stellvertreter und Alkibiades mit ihren Schiffen und den in Kardien verbliebenen vierzig Trieren nach Parion, und die vereinigte Flotte von nunmehr sechsundachtzig Schiffen erreicht bei Nacht Prokonnesos in der Propontis, um Kyzikos von einer unerwarteten Seite aus zu überfallen. Die Athener brechen im Dunkel der Nacht durch den Hellespont auf, damit die mit Sparta verbündete Hafenstadt Abydos die Zahl der vorbeifahrenden Schiffe nicht erkennen kann, und ein Verbot, auf die gegnerische Küste überzusetzen, bei dessen Missachtung die Todesstrafe droht, soll das Überraschungsmoment zusätzlich sichern. Am folgenden Morgen hält Alkibiades eine Ansprache an die Mannschaften, in der er die bevorstehende Schlacht mit dem Hinweis auf die zu erwartende Beute motiviert und darauf verweist, dass die Athener kein Geld haben, die Feinde aber im Überfluss vom Grosskönig, und von Prokonnesos fährt die attische Flotte in südöstlicher Richtung an der Küste der Halbinsel Arktonnesos vorbei nach Kyzikos. Während dieser Fahrt regnet es, doch bei der Ankunft vor der Stadt klart es plötzlich auf, und die Sonne beleuchtet die Bucht vor dem Hafen, in der Mindaros gerade ein Flottenmanöver abhält, begleitet von seinem Vizeadmiral Hippokrates, dem Strategen Klearchos und dem syrakusischen Feldherrn Hermokrates als Führer des sizilischen Kontingents. Vor Beginn der Seeschlacht schiffen die Athener unter dem Kommando des Chaireas ihre Hopliten auf dem Gebiet der Kyzikener aus, wobei als Territorium der Stadt nur die Halbinsel Arktonnesos gilt und die Annäherung der attischen Flotte von Nordwesten entlang der Küste der Halbinsel erfolgt, was eine Ausschiffung an der Südwestküste nahe dem natürlichen Hafen von Artake hinter dem Vorgebirge nahelegt. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Athener zunächst hinter dem Vorgebirge von Artake halten, dort ihre Landtruppen ausladen, von den Hügeln aus die Lage studieren und möglicherweise sogar einen Signalposten einrichten, um die Bewegungen von Flotte und Heer zu koordinieren, bevor eine kombinierte Operation zu Lande und zur See beginnt, bei der Chaireas die Stadt angreifen soll, während Alkibiades mit seinem Geschwader die peloponnesische Flotte von ihr weglockt und zwei weitere Geschwader unter Thrasybul und Theramenes zunächst hinter dem Vorgebirge bleiben, um den spartanischen Schiffen im geeigneten Moment den Rückzug in den Hafen zu verwehren. Alkibiades fährt mit zwanzig Trieren voraus und steuert nach dem Umrunden des Vorgebirges möglicherweise eine Zeit lang parallel zu den im Landesinneren vorrückenden Landtruppen, doch sobald die Spartaner seine Anfahrt bemerken, ergreift er in gespielter Überraschung die Flucht quer über die Bucht in Richtung Südwesten. Mindaros verkennt die Situation, befiehlt die Verfolgung des vermeintlich unterlegenen Gegners und setzt eine Flotte ein, die nach Xenophon sechzig, nach Diodor möglicherweise achtzig Trieren umfasst, während die Schiffe des Alkibiades sich ein Stück von der Stadt entfernen, dann überraschend wenden und den Grund für diesen Wagemut offenbaren, als hinter dem Vorgebirge von Artake die beiden übrigen athenischen Verbände unter Theramenes und Thrasybul erscheinen, die von Osten und Norden her den Rückzug nach Kyzikos abschneiden. Von drei Seiten bedrängt, fliehen die Spartaner in die einzige verbleibende Richtung nach Süden und setzen ihre Schiffe an der nahen Küste auf den Strand, wobei Mindaros im Südwesten von Kyzikos landet, unweit des Ortes Kleroi, wo Pharnabazos seine Armee versammelt hat. Es entspinnt sich ein Kampf um die auf den Strand gesetzten Schiffe, die die Athener mit Enterhaken zurück ins Wasser ziehen wollen; als das wegen des feindlichen Widerstands nicht gelingt, geht Alkibiades westlich der Spartaner an Land, um Mindaros gleichzeitig von Land und See her anzugreifen, während Thrasybul mit den Schützen an der östlichen Flanke der Feinde landet, um ihnen den Rückzug nach Kyzikos zu versperren. Mindaros stellt sich Alkibiades persönlich entgegen und schickt Klearchos gegen Thrasybul, und gegen den gleichzeitigen Angriff des Klearchos und einer rasch herbeigeeilten Einheit persischer Söldner geraten die Truppen Thrasybuls in eine schwierige Lage, sodass Thrasybul Theramenes befiehlt, sich mit den Truppen des Chaireas zu vereinen und dann Hilfe zu leisten. Chaireas steht zu diesem Zeitpunkt vermutlich bei Kyzikos, dessen Lage an der Landenge mit den drei Häfen und dem Kanal über die Landenge seinen Vormarsch erschwert, weil die Stadt zwar keine Mauer besitzt, der Kanal aber ohne Brücke den Weg sperrt, weshalb die Anweisung Thrasybuls an Theramenes, zuerst zu Chaireas zurückzufahren, als Hinweis darauf erscheint, dass Chaireas Hilfe beim Übersetzen über den Kanal benötigt, etwa in Form einer improvisierten Schiffsbrücke. Nach dieser beinahe fatalen Verzögerung trifft die Verstärkung ein, die Hopliten des Chaireas und die frischen Kräfte des Theramenes fallen den persischen Söldnern in die Flanke, schlagen nach ihnen die Spartaner des Klearchos in die Flucht und fallen anschließend Mindaros in den Rücken. Mindaros versucht, der neuen Bedrohung durch erneute Teilung seiner Kräfte zu begegnen, doch die durch den harten Abwehrkampf gegen Alkibiades erschöpften Truppen sind der doppelten Belastung nicht gewachsen, und als Mindaros heroisch kämpfend fällt, lassen die Peloponnesier ihre Boote im Stich und fliehen in die nahen Berge, wobei nur die Syrakuser rechtzeitig ihre Schiffe anzünden, bevor sie sich mit den anderen in das Lager des Pharnabazos retten. Die Athener erbeuten die gesamte spartanische Flotte, ziehen die noch schwimmfähigen Schiffe, etwa vierzig Trieren, wieder ins Wasser und stechen sofort in See, weil Pharnabazos von den Bergen seine restlichen Fusstruppen und zahlreiche Reiter heranführt. Sie fahren zur nahegelegenen Insel Polydoros, wo sie zwei Siegesmäler errichten, eines für die Seeschlacht und eines für die Landschlacht, und am nächsten Tag besetzen sie die von den Peloponnesiern verlassene Stadt Kyzikos, die keinen Widerstand leistet, während das peloponnesische Flottenkommando unter Hippokrates einen Bericht nach Sparta sendet, der von den Athenern abgefangen und wegen seiner gedrängten Verzweiflung als exemplarisch für den lakonischen Stil verspottet wird, da er nur meldet, dass die Boote verloren sind, Mindaros tot ist, die Männer Hunger haben und nicht wissen, was sie tun sollen.
Nach der Vernichtung der peloponnesischen Flotte in der Schlacht von Kyzikos konzentriert der attische Feldherr Alkibiades seine Kräfte auf die Rückgewinnung der verlorenen Position Athens an den Meerengen. Gleich nach der Schlacht fährt er nach Perinthos und Selymbria in Thrakien, wird jedoch nur in der ersten Stadt eingelassen, während die Bürger der zweiten Abgaben zahlen. Danach befestigt er den Ort Chrysopolis am Bosporus im Territorium der Chalkedonier, richtet dort eine Zollstation zur Erhebung des Sundzolls ein und lässt eine Garnison mit dreißig Trieren unter dem Kommando der Feldherren Theramenes und Eumachos zurück, die die durchkommenden Schiffe kontrollieren und den von Athen abgefallenen Städten schaden sollen. Alkibiades kehrt mit seiner Hauptmacht nach Lampsakos am Hellespont zurück, das er ebenfalls befestigen lässt. Chalkedon und Byzantion erhalten unterdessen Unterstützung durch den persischen Satrapen Pharnabazos und den spartanischen Feldherrn Klearchos, der die attische Blockade mit wenigen Schiffen durchbricht, um in Byzantion die Verteidigung zu übernehmen. - Tempel der Athena Nike
Um 410 wird der Tempel der Athena Nike vollendet, sodass der kleine, 5,44 Meter breite, 8,27 Meter lange und 6,90 Meter hohe, auf einer dreistufigen Krepis stehende ionische Tempel als tetrastyler Amphiprostylos mit je vier Säulen vor Front- und Rückseite vollständig ausgeführt vorliegt, auf Pronaos und Opisthodom zugunsten des knappen Platzes verzichtet wird, die Säulen sich auf attischen Basen ohne Plinthen erheben, monolithische Schäfte und schwere ionische Volutenkapitelle besitzen, der dreifach gegliederte attische Architrav und der darüber liegende mit figürlichen Reliefs geschmückte Fries die Götterversammlung um Athena, Zeus und Poseidon an der Ostseite sowie Kämpfe zwischen Griechen und Barbaren, wohl Persern, und innergriechische Kämpfe an den übrigen Seiten zeigen, die Spuren am Geison auf einst vorhandene, heute verlorene Giebelfiguren hinweisen, eine bemalte Sima mit bunten Blütenbändern den Abschluss bildet, die Stirnwand der 4,14 × 3,78 Meter großen Cella durch zwei freistehende Pfeiler mit dazwischen liegenden Balustraden oder Gittern gebildet wird, die Kultstatue aus Holz Athena mit Granatapfel in der Rechten und Helm in der Linken ohne Flügel zeigt, Pausanias sie als flügellose Nike beschreibt, woraus sich die Bezeichnung Niketempel und Nike apteros ergibt, vor dem Tempel ein Altar liegt und den Tempel an Süd-, West- und Nordseite eine etwa 1,05 Meter hohe, mit Reliefs geschmückte Balustrade mit Niken und Athenen umgibt, deren Reliefs dem Reichen Stil entstammen und zu den besten Vertretern des Kunstschaffens dieser Zeit zählen. - Platon
Etwa mit zwanzig Jahren begegnet Platon Sokrates, schließt sich ihm als Schüler an und bleibt rund ein Jahrzehnt bis zu dessen Tod bei ihm; Sokrates prägt seine - Fortsetzung 409
Sparta
- König der Eurypontiden: Agis II. (427–400)
Ein weiterer Vorstoß im Jahr 410/409 des Agis II. gegen Athen scheitert. In dieser Zeit entsendet er den spartanischen Flottenführer Klearchos mit 40 Schiffen nach Byzanz. - König der Agiaden: Pleistoanax (2. Amtszeit 426–408)
- Fortsetzung 409
Bosporanisches Reich
Salamis
- König Euagoras I. (411-374)
Euagoras kehrt Euagoras mit seinen etwa fünfzig Anhängern heimlich nach Salamis zurück. Er nutzt die Unzufriedenheit mit der phönizischen Herrschaft und die verbliebene Loyalität gegenüber seiner Familie, um die Macht im Stadtstaat an sich zu reißen und das Königtum wieder zu besetzen. Damit begründet er seine Herrschaft als König von Salamis, die bis 374 andauern wird. Zwischen 411 und 391 nutzt Euagoras seine Stellung, um seine Herrschaft in Salamis zu festigen und die innere Ordnung des Stadtstaates zu stabilisieren. Er stützt sich auf die lokale griechische Bevölkerung, fördert griechische Kultur und beginnt, seine Macht auf weitere Teile Zyperns auszudehnen, sodass er zunehmend als überragender Herrscher der Insel wahrgenommen wird. In dieser Phase pflegt er zunächst ein pragmatisches Verhältnis zum Perserreich, akzeptiert formal die Oberhoheit des Großkönigs, wahrt aber gleichzeitig weitgehende Autonomie für Salamis. In den Jahren nach seiner Throneroberung sucht Euagoras aktiv die Freundschaft Athens und positioniert sich als Verbündeter der Stadt im östlichen Mittelmeer. Er nimmt den athenischen Feldherrn Konon nach dessen Niederlage in der Seeschlacht von Aigospotamoi auf und gewährt ihm in Salamis Zuflucht, womit er seine Rolle als Schutzpatron griechischer Interessen unter Beweis stellt. Zugleich erhält er vom Perserkönig Artaxerxes II. Unterstützung für Athen gegen Sparta und trägt damit zur vorübergehenden Annäherung zwischen Persien und Athen bei, die vor allem auf gemeinsame Gegnerschaft gegen Sparta beruht. - Fortsetzung 394
ODRYSEN
- König Amadok I. (410–390)
Nach dem Tod von Seuthes I. wird das Reich der Odrysen in drei Teile aufgeteilt. - Fortsetzung 406
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Dareios II. (423–404)
- Satrap Ariobarzanes (Kios, 420-402)
- Satrap Tissaphernes (Lydien, 1. Amtszeit 415-408)
KUSCH
KARTHAGO
INDIEN
Shishunaga
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38. (39.) Zyklus, Jahr des Metall-Schafes; am Beginn des Jahres Metall-Pferd)
Jin
Qin
Zhou
Wei
Qi
Chu
JAPAN
QUELLEN
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30.05.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt
19.06.2026 Grundstock ergänzt