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Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCLXXVII = 377)
- Konsulartribun Servius Sulpicius Praetextatus (1. Amtszeit)
Servius Sulpicius Praetextatus stammt aus dem patrizischen Geschlecht der Sulpicier und bekleidet erstmals das Amt eines Konsulartribunen, eines Kollegialamtes, das anstelle von Konsuln mit mehreren gleichrangigen Amtsinhabern besetzt wird. In dieser Amtszeit führt er gemeinsam mit seinem Amtskollegen Lucius Quinctius Cincinnatus ein römisches Heer, um den Einwohnern der mit Rom verbündeten Stadt Tusculum zu Hilfe zu kommen. Tusculum ist von Latinern erobert worden; die tuskulischen Bewohner haben sich in die angrenzende Zitadelle zurückgezogen, um dort weiter Widerstand zu leisten. Praetextatus und Cincinnatus rücken mit der römischen Armee heran, schließen die Latiner in Tusculum ein und koordinieren ihren Angriff mit den Verteidigern in der Zitadelle. Während die Latiner von außen durch die römischen Truppen bedrängt werden, unternehmen die in der Zitadelle verschanzten Tusculaner gleichzeitig einen Ausfall. Durch diesen kombinierten Angriff geraten die Latiner in die Zange und werden schließlich vollständig aufgerieben. Der erfolgreiche militärische Einsatz festigt den Ruf des Praetextatus als fähigen Feldherrn und verankert ihn weiter im Kreis der führenden patrizischen Politiker Roms. Ebenfalls in dieses Jahr verlegt der römische Geschichtsschreiber Livius einen Familienzwist, der als Anlass für die später sogenannten leges Liciniae Sextiae dient, also jene Gesetzesvorhaben, die Plebejern den Zugang zum Konsulat eröffnen. Marcus Fabius Ambustus, ein Patrizier, hat zwei Töchter mit dem Namen Fabia; die ältere Fabia ist mit dem Patrizier Sulpicius verheiratet, während die jüngere Fabia den Plebejer Gaius Licinius Stolo zum Ehemann hat. Als die jüngere Fabia ihre ältere Schwester im Haus des Sulpicius besucht, unterhalten sich die beiden, als plötzlich die Heimkehr des Sulpicius durch das Schlagen der Rutenbündel des Liktors an die Tür angekündigt wird – ein Zeichen für das hohe Amt des Hausherrn. Die jüngere Fabia, die diesen Brauch aus ihrem eigenen Haushalt nicht kennt, erschrickt über das laute Geräusch, worauf die ältere Fabia sie auslacht, weil sie mit der Würde und den Insignien eines hohen Magistrats nicht vertraut ist. Die jüngere Fabia fühlt sich dadurch gedemütigt und erkennt, dass sie als geborene Patrizierin durch ihre Heirat mit einem Plebejer an gesellschaftlichem Prestige eingebüßt hat. Sie beklagt diesen Statusverlust gegenüber ihrem Vater Marcus Fabius Ambustus und macht ihm ihren Kummer deutlich. Ambustus nimmt sich die Beschwerden seiner Tochter zu Herzen und beginnt zusammen mit seinem plebejischen Schwiegersohn Licinius Stolo sowie Lucius Sextius Lateranus darauf hinzuarbeiten, gesetzliche Regelungen durchzusetzen, die Plebejern den Zugang zum Konsulat ermöglichen. Aus dieser Konstellation erwachsen die hartnäckig verfolgten leges Liciniae Sextiae, die sich gegen das patrizische Monopol auf die höchsten Staatsämter richten. - Konsulartribun Lucius Aemilius Mamercinus
Lucius Aemilius Mamercinus gehört zur patrizischen Familie der Ämilier, genauer zu dem Zweig der Aemilii Mamercini. Sein voller Name lautet Lucius Aemilius L.f. Mam.n. Mamercinus, er ist der Sohn eines Lucius Aemilius Mamercinus, der mehrfach Tribun mit konsularischer Gewalt gewesen ist, und wahrscheinlich der Enkel des Mamercus Aemilius Mamercinus. Möglicherweise ist er der Vater des Lucius Aemilius Mamercinus Privernas, der später in den Jahren 341 und 329 das Konsulat bekleiden wird. Im Jahr 377 erscheint Lucius Aemilius Mamercinus wohl als einer der Tribunen mit konsularischer Gewalt, die für dieses Jahr gewählt werden. Er steht dabei in einem Kollegium mit Publius Valerius Potitus, Lucius Quinctius Cincinnatus, Servius Sulpicius Praetextatus, Gaius Veturius Crassus und Gaius Quinctius Cincinnatus. In ihrer Amtszeit bedrohen die Volsker wie gewohnt Rom, doch diesmal haben sie sich mit den Latinern verbündet, was die Lage verschärft. Die tribunistische Führung beschließt, ein Heer auszuheben und in drei Teile zu gliedern: ein Teil schützt die Stadt Rom, ein weiterer den römischen Herrschaftsbereich und der größte Teil zieht gegen den Feind in den Krieg. Dieses Feldheer steht unter dem gemeinsamen Befehl von Mamercinus und Potitus, die den entscheidenden Angriff führen. Die römische Armee trifft die Volsker und Latiner bei Satricum und geht in der Schlacht in die Offensive. Mamercinus und Potitus gewinnen die Oberhand, sodass die Volsker sich schließlich nach Antium zurückziehen müssen. Dort kommt es zu Verhandlungen, in deren Folge die Volsker die Stadt Antium und ihr Territorium an Rom abtreten. Während die Volsker kapitulieren, wenden sich die Latiner gegen Satricum, setzen die Stadt in Brand und greifen Tusculum an, weil sie den Tusculanern verübeln, dass diese die römische Bürgerschaft angenommen haben. Während die Latiner die Stadt einnehmen, ziehen sich die Einwohner von Tusculum in ihre befestigte Burg zurück und rufen Rom um Hilfe an. Die römische Führung reagiert schnell und schickt ein weiteres Heer unter dem Kommando von Cincinnatus und Praetextatus nach Tusculum. Dieses Entsatzheer stößt auf die Latiner, zwingt sie zum Kampf und drängt sie schließlich von der Stadt ab. Die Belagerung endet mit der Zurückschlagung der Angreifer, sodass Tusculum befreit wird und die Stadt in römischer Hand bleibt. So tritt Lucius Aemilius in diesem Jahr als einer der militärischen Hauptakteure im Kampf gegen das Bündnis aus Volskern und Latinern hervor. - Fortsetzung 376
GRIECHEN
(3./4. Jahr der 100. Olympiade)
Syrakus
Molosser / Epirus
Makedonien
Pherai
Athen, nun Attischer Seebund
- Athen gründet den Zweiten Attischen Seebund, wobei die Athener darauf bedacht sind, Sorgen der Bündnispartner – Athen würde den Bund dominieren und ihre Autonomie gefährden – durch entsprechende Garantien zu zerstreuen. Sparta sieht in der Seebundpolitik allerdings seine eigene Hegemonialpolitik gefährdet und versucht, den Anschluss von Städten an den Bund zu verhindern.
- Platon (51)
- Fortsetzung 376
Sparta
Bosporanisches Reich
Bithynien
Salamis
ODRYSEN
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Artaxerxes II. (404–358)
- Satrap Mithridates I. (Kios, 401-362)
- Satrap Ariobarzanes (Phrygien, 388-362)
- Satrap Datames (Kappadokien, 380-362)
- [https://de.wikipedia.org/wiki/Hekatomnos Satrap Hekatomnos (Karien, 392-377)
Stephen Ruzicka datiert den Tod von Hekatomnos in die Jahre 377/376; er stirbt, bevor er eine von Isokrates überlieferte geplante Rebellion gegen den König des Achämenidenreiches ausführen kann. Er hinterlässt drei Söhne, Maussolos, Idrieus und Pixodaros, sowie zwei Töchter, Artemisia und Ada, die mit ihren Brüdern Maussolos und Idrieus verheiratet sind und Hekatomnos nacheinander als Herrscher folgen. - Satrap Mausolus (Karien, 377–353)
Mausolos ist der älteste Sohn des Karers Hekatomnos, der kurz nach dem Tod des Tissaphernes um 395–392 zum Satrapen von Karien im Achämenidenreich aufsteigt und damit die Dynastie der Hekatomniden begründet. Zwischen den frühen 370er Jahren und 377 teilt Mausolos möglicherweise bereits faktisch die Herrschaft über Karien mit seinem Vater; beide erscheinen gemeinsam auf dem Sarkophag des Hekatomnos und in einer Statuengruppe aus Kaunos. Nach dem Tod des Hekatomnos 377/376 übernimmt Mausolos offiziell das Satrapenamt in Karien. Früh in seiner Regierungszeit heiratet Mausolos seine Schwester Artemisia II. und bildet mit ihr ein Herrscherpaar ohne Kinder, was als symbolische Geschwisterehe gedeutet wird. Obwohl nur Mausolos formell Satrap genannt wird, übt Artemisia zugleich politische Autorität als gemeinsame Dynastin aus. Etwa in dieselbe frühe Phase fällt der Entschluss, die Hauptstadt von Mylasa nach Halikarnassos zu verlegen, wo Mausolos die Stadt auf einem neuen Rasterplan wiedergründet und durch Zusammenlegung umliegender karischer Dörfer (Theangela, Sibde, Medmasa, Euralium, Pedasos, Telmissos) stark vergrößert. Nach dem Korinthischen Krieg und dem Königsfrieden von Antalkidas 387 der die kleinasiatischen Griechenstädte den persischen Satrapen zuweist und zugleich die Autonomie der griechischen Inseln garantiert, wächst der Einfluss der Satrapen im Westen des Reiches. In den 370er und frühen 360er Jahren dominiert der Dynast Perikles von Limyra zeitweise ein unabhängiges Lykien und stellt sich offen gegen persische Herrschaft, wodurch er Teil der später sogenannten Satrapenrevolte ist. Diese eigenständige lykische Herrschaft endet um 362, als Autophradates von Lydien Lykien wieder für den Großkönig unterwirft und sich dort kurzzeitig selbst als König und Satrap einsetzt. - Fortsetzung 375
ÄGYPTEN
Spätzeit, 30. Dynastie
KUSCH
KARTHAGO
INDIEN
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Holz-Drachen; am Beginn des Jahres Wasser-Hase)
Qin
Zhou
Han
- Markgraf Wen (386–377)
Wen stirbt. Ihm folgt 376 sein Sohn Ai als neuer Markgraf des Staates Han nach. - Fortsetzung 376
Zhao
Wei
Qi
Chu
JAPAN
QUELLEN
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30.06.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt
04.03.2026 Grundstock ergänzt