-385
Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCLXIX = 369)
- Marcus Manlius Capitolinus
Marcus Manlius ist verbittert, weil seine eigene Standesschicht ihm nicht die Anerkennung zugesteht, die er für die Rettung des Kapitols zu verdienen glaubt, und weil er nicht in den Kreis der tribunii consularis für das Jahr 385 gewählt wird. Als erster Patrizier schließt er sich den plebejischen Magistraten an, um deren Forderungen voranzutreiben. Die Lage in der Stadt wird für die Patrizier zunehmend schwierig, nicht zuletzt wegen Manlius’ Vorwürfen, sie hätten das Gold der Gallier unterschlagen. Aus Furcht vor Unruhen in der Stadt, die sie als gefährlicher einschätzen als den äußeren Angriff der Volsker, veranlasst der Senat die Ernennung des Aulus Cornelius Cossus zum Diktator. Während Aulus Cornelius Cossus das Heer gegen die Volsker führt und zum Sieg, setzt Marco Manlius in Rom die plebejischen Forderungen durch und nutzt jede Gelegenheit, seine Popularität bei der Plebs zu steigern. Die Spannungen in Rom nehmen weiter zu. Auf Betreiben des Senats wird Aulus Cornelius Cossus aus dem Feldzug abberufen und nach Rom zurückgerufen, um die Gemüter der Römer zu beruhigen. Noch während seiner Amtszeit als Diktator lässt Aulus Cornelius Cossus den Senat hören und zitiert Marcus Manlius vor sich, um ihn zu zwingen, seine Anschuldigungen gegen die Senatoren zu beweisen. Marcus Manlius erscheint mit seinen Anhängern, wiederholt seine Beschuldigungen, weigert sich jedoch, der Aufforderung des Diktators Folge zu leisten. Daraufhin wird er inhaftiert. Die Plebejer unterstützen Marcus Manlius in dieser Situation entschieden. Sie begleiten ihn auf Versammlungen und bewachen Tag und Nacht das Gefängnis. Angesichts der drohenden Unruhen ordnet der Senat schließlich seine Freilassung an. Um seine Glaubwürdigkeit bei der Plebs zu untergraben, verbreitet man in Rom das Gerücht, er strebe nach dem Königstitel. In der republikanischen Ordnung Roms ist die Aspiration auf das Königtum ein Vorwurf, der jede politische Laufbahn zerstören kann. Marcus Manlius wird formell angeklagt, nach dem Königstitel zu streben. Die Vorwürfe, er wolle sich zum König machen und habe einen Teil des gallischen Goldes unterschlagen, haben sich somit zu einer politischen Anklage verdichtet, in der der Diktator Camillus als sein Gegner auftritt. - Konsulartribun Aulus Manlius Capitolinus (2. Amtszeit)
Aulus Manlius Capitolinus tritt erneut als Militärtribun mit konsularischer Gewalt auf und übernimmt wieder eine der höchsten militärisch‑politischen Funktionen des Staates. Rom steht in diesem Jahr im Konflikt mit den Volskern, einem seit langem verfeindeten italischen Volk südlich von Latium. Die Volsker erhalten diesmal Unterstützung von den Hernikern und anderen latinischen Gemeinden, sodass sich ein größerer Bund gegen Rom bildet. Aulus Manlius führt als Tribun römische Truppen gegen diese Koalition und beteiligt sich an Feldzügen, die darauf abzielen, die Allianz der Volsker, Herniker und Latiner zu schwächen. Er marschiert mit seinen Soldaten in feindliches Gebiet, sichert römische Verbündete und versucht, Aufstände in Latium zu verhindern. In den Beratungen mit seinen Mittribunen setzt er auf eine energische Kriegsführung, um die Autorität Roms über die latinischen Städte aufrechtzuerhalten und ein Übergreifen des Konflikts auf das römische Kerngebiet zu verhindern. Durch diese Aktivitäten festigt er seinen Ruf als verlässlicher Feldherr, der mehrfach in Krisenjahren Verantwortung übernimmt.
Weitere Konsulartribunen sind Titus Quinctius Cincinnatus Capitolinus, Lucius Quinctius Cincinnatus Capitolinus, Publius Cornelius, Lucius Papirius Cursor und Gnaeus Sergius Fidenas Coxo. - Fortsetzung 384
GRIECHEN
(3./4. Jahr der 98. Olympiade)
Syrakus
- Tyrann Dionysios I. (405–367)
Dionysios führt einen Feldzug nach Griechenland, um Alketas I. wieder als Herrscher von Epirus einzusetzen. - Hipparinos
Hipparinos wird um 385 in Syrakus geboren und ist Sohn von Dionysios I. und der Adligen Aristomache. Sein mütterlicher Großvater Hipparinos, nach dem er wahrscheinlich benannt ist, gehört zuvor als syrakusanischer Adliger zu den Mitkämpfern Dionysios’ I. Dionysios hat aus der Ehe mit Aristomache neben Hipparinos den jüngeren Sohn Nysaios sowie die älteren Töchter Sophrosyne und Arete. Aus einer anderen Ehe mit der Adligen Doris aus Lokroi stammen weitere Kinder, darunter der älteste Sohn Dionysios II., der später Sophrosyne heiratet und damit Schwager von Hipparinos und Nysaios wird. Zu den wichtigsten Vertrauten des Dynastiegründers Dionysios I. zählt Dions Bruder Aristomache, Hipparinos’ Onkel Dion, der durch die Ehe mit Arete zugleich Schwiegersohn von Dionysios I. ist. Dion steht in enger Freundschaft zum Philosophen Platon und wird von dessen Gedankengut geprägt. - Fortsetzung 384
Molosser / Epirus
- König Tharyps (430–385)
Tharyps stirbt. Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn Alketas als König der Molosser nach. - König Alketas I. (385–370)
Um 410 kommt Alketas in Epirus zur Welt, als Sohn des Königs Tharypas aus der Dynastie der Aiakiden. Er wächst als Molosserprinz auf und gehört damit zu einem Geschlecht, das seine Abstammung mythisch auf den Helden Achilleus zurückführt. Über seinen Großvater und Urgroßvater greift seine Familie wahrscheinlich bis zu Admetos zurück, der um 470 als König der Molosser herrscht. Alketas wächst in einer Welt auf, in der Epirus zwischen illyrischen Stämmen, makedonischem Einfluss und den mächtigen griechischen Stadtstaaten im Süden seinen Platz behaupten muss. Schon früh lernt er, dass seine Herrschaft später nicht nur von dynastischer Legitimation, sondern auch vom Wohlwollen der eigenen Untertanen und von wechselnden Bündnissen abhängt. Etwa um 390 oder 385 besteigt Alketas den Thron von Epirus und übernimmt formal die Königsherrschaft über die Molosser. Er tritt damit die Nachfolge seines Vaters Tharypas an und führt die Tradition der Aiakiden weiter, die Epirus über mehrere Generationen prägen. In dieser Phase stabilisiert er seine Stellung im Land, pflegt die aristokratischen Netzwerke im Molosseradel und versucht, Epirus im Geflecht der griechischen Mächte sichtbar zu machen. Seine Herrschaft ruht dabei auf der Zustimmung der Molosser, die in ihren Versammlungen und durch ihre Adelsfamilien Einfluss auf die Königsmacht ausüben. Zugleich beobachtet Alketas aufmerksam die Lage im westlichen Mittelmeerraum, insbesondere den Aufstieg des Tyrannen Dionysios des Älteren in Syrakus, dessen Machtpolitik an der Adria bald auch für Epirus wichtig wird. Im Verlauf seiner Herrschaft wenden sich die Molosser gegen ihren König, und Alketas wird von seinen eigenen Untertanen vom Thron vertrieben. Er sieht sich gezwungen, Epirus zu verlassen und sucht als Exilkönig Zuflucht am Hof des Tyrannen Dionysios I. von Syrakus auf Sizilien. In Syrakus tritt Alketas als verbannter Herrscher auf, der seine Rückkehr vorbereitet und um militärische Hilfe bittet, um seine Stellung in Epirus wiederzugewinnen. Dionysios erkennt in der Anwesenheit des Molosserkönigs eine strategische Chance und beginnt, seine Pläne zur Ausdehnung des syrakusanischen Einflusses an der Adria zu konkretisieren. Für Alketas bedeutet diese Zeit, dass sein persönliches Schicksal eng mit den Machtinteressen eines westgriechischen Tyrannen verknüpft wird, der Epirus weniger aus Loyalität als aus geopolitischem Kalkül unterstützt. Dionysios nutzt die Anwesenheit von Alketas, um sein Projekt voranzutreiben, entlang der adriatischen Küstenlinie neue Städte in Abhängigkeit von Syrakus zu gründen. Er will sichere Stationen schaffen, die seinen Flotten den Übergang über das Ionische Meer nach Epirus ermöglichen und ihm dort Häfen bieten, in denen er starke Seestreitkräfte stationieren kann. Ziel dieser Strategie ist es, eine solide militärische Basis zu errichten, von der aus Dionysios einen Raubzug gegen das reiche Heiligtum von Delphi unternehmen kann, dessen Schätze er im Auge hat. Um dieses Ziel zu erreichen, sucht er die Kooperation mit den nördlich von Epirus lebenden Illyrern, die bereits mit Alketas verbündet sind und seine Flucht nach Syrakus unterstützt haben. Dionysios verbindet also die Wiederherstellung von Alketas auf dem Molosserthron mit seinen eigenen Plänen, im Adriaraum eine syrakusanisch dominierte Machtsphäre aufzubauen. Um Alketas wieder als König der Molosser einzusetzen, stellt Dionysios den verbündeten Illyrern ein Kontingent von 2000 Soldaten zur Verfügung. Zusätzlich liefert er ihnen 500 vollständige Hoplitenrüstungen „nach griechischer Art“, die eine deutliche Aufrüstung ihrer Kampfkraft darstellen. Die illyrischen Führer wählen aus ihren Reihen die tapfersten Krieger aus und statten genau diese mit den schwereren griechischen Rüstungen aus, um einen Elitekern in ihren Reihen zu bilden. Die 2000 von Dionysios entsandten Männer werden auf die verschiedenen Truppenteile der Illyrer verteilt, sodass sie als Verstärkung und taktischer Rückhalt in das Heer integriert sind. In dieser vorbereitenden Phase verbindet sich der persönliche Anspruch des exilierten Königs Alketas mit einer professionell ausgerüsteten illyrisch‑syrakusanischen Streitmacht, die direkt auf eine Rückeroberung des Molosserreiches zielt. Nachdem die Illyrer alle ihre Kräfte gesammelt haben, setzen sie ihren Feldzug in Richtung Epirus in Gang. Sie durchqueren das Land und dringen in das Gebiet der Molosser vor, ohne zunächst auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Auf ihrem Marsch plündern sie das Land der Molosser und weiten die Verwüstungen auf das gesamte Gebiet von Epirus aus, sodass die Bevölkerung schwere Verluste und materielle Zerstörungen erleidet. Inmitten dieses Einfalls gelingt es ihnen, Alketas bis in seinen ehemaligen Königssitz zurückzubringen und ihn wieder in seinen Palast einzusetzen. Damit erlangt Alketas nominell seine Königswürde zurück, doch der Preis dafür ist eine tief verwüstete Heimat, deren Wunden noch lange nach dem Einfall der illyrischen und syrakusanischen Streitkräfte sichtbar bleiben. Nachdem Alketas wieder in seinem Palast sitzt, sammeln sich die Molosser zu einem Feldheer, um den Illyrern entgegenzutreten und ihre Heimat zu verteidigen. Es kommt zur offenen Schlacht, in der die Illyrer, unterstützt durch die griechische Bewaffnung und das syrakusanische Kontingent, den Sieg davontragen. In diesem Gefecht verlieren die molossischen und epeirotischen Truppen mehr als 15'000 Männer, was das Land militärisch und demographisch schwer erschüttert. Die Nachricht von den Verwüstungen in Epirus und den enormen Verlusten dringt bis nach Sparta, wo die Spartiaten auf die Notlage im Nordwesten der griechischen Welt reagieren. Sparta entsendet Hilfstruppen, die es schließlich schaffen, den Vorstoß der Illyrer zu stoppen und deren weitere Einfälle in Epirus zurückzuschlagen, sodass das Land allmählich wieder zu einer gewissen Stabilität findet. - Fortsetzung 370
Makedonien
- König Amyntas III. (2. Amtszeit 392–370)
Der illyrische Herrscher Bardylis greift mit seinen Truppen Epirus an, angefeuert und unterstützt von Dionysios I. von Syrakus, der damit die Rückkehr des molossischen Königs Alketas I. auf den Thron von Epirus anstrebt. - Fortsetzung 384
Chalkidischer Bund
- Mitte der 380er Jahre verstärken die Illyrer erneut den Druck auf ihre Nachbarn. 385/384 greifen sie auf Anstiftung des syrakusanischen Tyrannen Dionysios des Älteren Epirus an, um den verbannten König Alketas wieder auf den Thron zu setzen. In der Schlacht sterben etwa 15'000 Molosser, doch danach schicken die Spartaner ein Heer nach Epirus, um die Molosser zu vertreiben.
- Fortsetzung 383
Pherai
Athen
- Platon (43)
Gorgias (Dialog)
Gorgias in Athen und der politische Hintergrund: Im Jahr 427 kommt der sizilische Redner Gorgias von Leontinoi als Gesandter nach Athen und beeindruckt dort mit seiner Kunst der Rede die Athener Öffentlichkeit. In der Folgezeit verbreitet sich die von ihm vertretene sophistische Rhetorik in Athen, wo sie besonders in der demokratischen Volksversammlung und vor Gericht große Bedeutung gewinnt. Die attische Demokratie beruht in dieser Phase wesentlich auf der Überzeugungskraft mündlicher Reden, was der Rhetorik ein starkes politisches Gewicht verleiht. Parallel dazu verschärft der Peloponnesische Krieg, der 431 beginnt, die innenpolitischen Spannungen in Athen und führt zu einer starken Polarisierung zwischen demokratischen und oligarchischen Kräften. Am Ende dieses Konflikts kommt es zur Herrschaft der Dreißig Tyrannen, bevor 403 die Demokratie wiederhergestellt wird, wodurch Fragen nach Gerechtigkeit, Macht und politischer Verantwortung besonders drängend werden, die später im „Gorgias“ thematisch eine zentrale Rolle spielen.
Um 405–413 Fiktive Gesprächszeit des Dialogs: Platon lässt die Handlung des Gorgias in Athen im Haus des Kallikles stattfinden. Im Dialog selbst finden sich Hinweise, die das fiktive Gespräch einmal in das Jahr 405 verlegen, während andere Stellen eher auf eine frühere Zeit deuten. Es wird erwähnt, dass in Makedonien erst seit kurzem König Archelaos I. regiert, der frühestens 414, wahrscheinlich 413 an die Macht gekommen ist, wodurch eine Einordnung des fiktiven Geschehens in diese späte Phase des Peloponnesischen Krieges nahegelegt wird. Gleichzeitig wirkt die zeitliche Struktur im Dialog widersprüchlich, sodass sich keine eindeutige Datierung der dargestellten Diskussion ergibt. Platon nutzt hier seine literarische Freiheit, indem er die historischen Anspielungen so einsetzt, dass die Atmosphäre der späten Kriegsjahre und der politisch-moralischen Krise präsent ist, ohne sich strikt an eine kohärente Chronologie zu binden.
Ab 414/413 Hinweis auf Archelaos und die Reflexion der Macht: Die Erwähnung des makedonischen Königs Archelaos I., der frühestens 414, wahrscheinlich 413 den Thron besteigt, verankert den Dialoghintergrund in einer Epoche, in der Tyrannis und Machtpolitik im griechischen Raum besonders sichtbar sind. Im Gorgias wird Archelaos als Beispiel eines mächtigen Herrschers genannt, dessen Erfolg und Glück zur Diskussion stehen, um die Frage zu klären, ob ungerechte Machtentfaltung ein gutes Leben ermöglichen kann. Diese Bezugnahme auf einen zeitgenössischen Herrscher verbindet die philosophische Debatte über Gerechtigkeit und Unrecht mit konkreten politischen Konstellationen der späten Klassik. Dadurch erscheinen die Überlegungen über das Recht des Stärkeren, die von Figuren wie Kallikles vertreten werden, als Kommentar zu realen Machtverhältnissen im Griechenland des späten 5. Jahrhunderts.
Nachwirkungen des Krieges und Themen des Dialogs: Nach der Wiederherstellung der Demokratie im Jahr 403 steht Athen vor der Aufgabe, Verbrechen der Oligarchie aufzuarbeiten und das Verhältnis von Recht, Vergeltung und politischer Stabilität neu zu bestimmen. In dieser Atmosphäre werden die im Gorgias verhandelten Fragen – ob Unrecht tun schlimmer ist als Unrecht leiden, welche Rolle Strafe spielt und was Gerechtigkeit bedeutet – besonders aktuell. Die sophistische Rhetorik, wie Gorgias sie vertritt, wird im politischen Leben weiterhin genutzt, zugleich aber immer stärker philosophisch kritisiert. Platons Dialog greift diese Lage dadurch auf, dass Sokrates mit Gorgias, dessen Schüler Polos und dem politisch ambitionierten Kallikles über den moralischen Wert der Rhetorik und die Grundlagen eines guten Lebens streitet. So bildet die politisch-moralische Krise Athens nach dem Krieg einen wesentlichen historischen Hintergrund, vor dem die Entstehung des Dialogs zu denken ist.
387–385 Datierungsversuch der Entstehung des Gorgias: Wie bei vielen antiken Schriften lässt sich der genaue Entstehungszeitraum des Gorgias nicht mehr sicher bestimmen. Der Philologe Friedrich Schleiermacher ordnet das Werk unmittelbar nach Platons erster Sizilienreise in die Jahre 387 bis 385 ein. Damit steht der Dialog nach dieser Einschätzung am Übergang zwischen Platons Frühwerk und seiner späteren mittleren Schaffensphase. In der Forschung herrscht mehrheitlich die Auffassung vor, dass Gorgias zeitlich auf den Dialog Protagoras folgt. Inhaltlich weist er zahlreiche Bezüge zur Politeia auf, insbesondere hinsichtlich der Frage nach dem guten und glücklichen Leben, sodass der Dialog in eine Phase gehört, in der Platon seine ethisch-politische Theorie systematischer ausarbeitet.
Systematische Einordnung (Platons mittlere Schaffensperiode): Der Gorgias gilt in der Einordnung zur Redaktionszeit dieser Chronik überwiegend als Schrift aus Platons mittlerer Schaffensperiode. In dieser Phase verbindet Platon seine Auseinandersetzung mit den Sophisten mit einer umfassenderen Konzeption von Gerechtigkeit, Seelenordnung und dem guten Leben. Der Dialog nimmt inhaltlich eine Mittelstellung ein: Er knüpft an frühere, stärker elenktische Gespräche mit Sophisten wie Protagoras an, geht aber zugleich über sie hinaus, indem er Themen vorwegnimmt, die in der Politeia ausführlicher entfaltet werden. Auf diese Weise markiert Gorgias einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Platons Denken über Moral und Politik, ohne dass sich seine Entstehung auf ein exakt bestimmbares Jahr festlegen lässt.
Artikel des Tages: Der Gorgias ist ein in Dialogform verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon, zu dessen umfangreichsten Schriften er zählt. Den Inhalt bildet ein fiktives, literarisch gestaltetes Gespräch. Platons Lehrer Sokrates diskutiert mit dem berühmten Redner Gorgias von Leontinoi, nach dem der Dialog benannt ist, sowie dessen Schüler Polos und dem vornehmen Athener Kallikles.
getAbstract 2014: Seit Jahrtausenden beschäftigt die Menschen eine Frage: Wie soll man leben, um glücklich zu werden? Soll man möglichst viel Macht und Reichtum anhäufen, damit man sich jeden Wunsch erfüllen kann und keine Angst haben muss, für Vergehen bestraft zu werden? Wahrscheinlich sehen damals wie heute viele darin das Patentrezept zum Glücklichsein. Platon zufolge ist jedoch genau das der sichere Weg ins Unglück. In seinem dramatisch starken Dialog Gorgias lässt er Sokrates, lange vor Christentum, Humanismus oder modernen Lebensratgebern, für ein besonnenen Lebensstil und einen gerechten Umgang mit den Mitmenschen argumentieren. Bei der Abwägung des Für und Wider in dieser Frage kann die Dialogform ihr ganzes Potenzial entfalten, indem sie zur aktiven Teilnahme am philosophischen Gedankengang einlädt. Auch deshalb gilt Gorgias als der modernste unter Platons Dialogen – ein philosophisches Lehrstück, das anschaulich und mitreißend so vielfältige Themenfelder wie Politik, Redekunst, Ethik und Strafrecht behandelt und dabei zu Schlüssen kommt, die bis heute überzeugen. - Fortsetzung 380
Olympia
- Bei den Olympischen Spielen wird das Rennen mit einem Vierergespann mit Fohlen über acht Runden eingeführt.
Sparta
- König der Eurypontiden: Agesilaos II. (399–359/358)
- König der Agiaden: Agesipolis I. (395-380)
Agesipolis führt einen Feldzug gegen Mantineia, nachdem Agesilaos die Leitung dieses Unternehmens abgelehnt hat. Agesipolis besiegt die Mantineier in einer Schlacht, in der er durch ein böotisches Hilfskontingent unterstützt wird. In diesem Kampf werden die thebanischen Feldherren Epaminondas und Pelopidas schwer verletzt und entgehen nur knapp dem Tod. Anschließend belagert Agesipolis Mantineia und kann die Stadt schließlich durch eine Kriegslist erobern, die bereits Kimon bei der Erstürmung von Eion am Strymon angewendet hat. Er leitet den Fluss Ophis so um, dass dessen Wasser die aus ungebrannten Ziegeln bestehende Stadtmauer aufweicht und zum Einsturz bringt. Er zerstört die Stadt und siedelt die Einwohner in vier umliegende Dörfer um. Den Führern der demokratischen Partei gestattet er jedoch freien Abzug. - Fortsetzung 382
Bosporanisches Reich
Salamis
- König Euagoras I. (411-374)
385 beginnt ein großer persischer Feldzug gegen Euagoras, angeführt von den Generälen Tiribazos und Orontes, die mit einer gewaltigen Armee nach Zypern übersetzen. Während Euagoras persönlich nach Ägypten reist, um weitere Hilfe zu erbitten, überträgt er seinem jüngeren Sohn Pnytagoras die Verantwortung für die Verteidigung von Salamis. Trotz der zahlenmäßigen Übermacht gelingt es Euagoras zunächst, die persischen Truppen von ihren Nachschublinien abzuschneiden, sodass sie hungern und schließlich meutern, was die persische Position vorübergehend schwächt. Nach den ersten Erfolgen wendet sich der Krieg wieder gegen Euagoras, als seine Flotte bei der Seeschlacht von Kition geschlagen wird. Er muss sich nach Salamis zurückziehen, wo die Perser ihn eng einschließen und die Stadt über längere Zeit belagern. Trotz dieser Blockade hält Euagoras seine Stellung, nutzt die Rivalität zwischen Tiribazos und Orontes und sucht nach einer Gelegenheit, aus der militärisch schwierigen Lage politisch das Beste zu machen. - Fortsetzung 376
ODRYSEN
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Artaxerxes II. (404–358)
- Kadusier-Kampagne Artaxerxes’ II.
Im Jahr 385 führt König Artaxerxes II. von Persien eine militärische Kampagne gegen die Kadusier.
Anlass der Kampagne: Die Gründe dieser Kampagne sind in den Quellen nicht überliefert, doch sie gilt wahrscheinlich als Reaktion auf einen Aufstand der Kadusier und deren Weigerung, Tribut zu zahlen. Die Kadusier leben in einer gebirgigen Region von Media Atropatene am südwestlichen Ufer des Kaspischen Meeres zwischen den Parallelen von 39° und 37° nördlicher Breite. Dieses Gebiet heißt nach seinen Bewohnern Kadusien und liegt vermutlich zwischen dem Fluss Cyrus im Norden, dem heutigen Kura in Aserbaidschan, und dem Fluss Mardus im Süden, dem heutigen Sefid Rud, entsprechend den heutigen iranischen Provinzen Gilan und Ardabil. Strabon beschreibt die Kadusier als ein kriegerisches Bergvolk, das hauptsächlich zu Fuß kämpft und im Umgang mit kurzem Speer, Lanze beziehungsweise Wurfspeer geübt ist.
Vorbereitung des Feldzuges: Artaxerxes organisiert eine Expedition gegen die Kadusier. Nach Plutarch besteht das Heer aus 300'000 Infanteristen und 10'000 Kavalleriesoldaten, und Artaxerxes befehligt diesen Feldzug persönlich. Unter den Offizieren, die ihn begleiten, befinden sich Tiribazos und Datames.
Vormarsch und Versorgungskrise: Das Heer rückt in das Gebiet der Kadusier vor und dringt in feindliches Territorium ein. Schon bald beginnt die Armee unter Hunger zu leiden, weil die Verpflegung ausgeht. Das gebirgige Gelände bietet wenig Nahrung und liefert nur einige Birnen, Äpfel und andere Baumfrüchte, die für eine so große Zahl von Soldaten nicht ausreichen. Die Truppe ist gezwungen, zunächst die eigenen Lasttiere zu verzehren und später auch die Reittiere der Kavallerie, um zu überleben.
Verhandlungslösung des Tiribazos: Tiribazos sucht einen Ausweg, um die Kampagne zu beenden und das Heer des Königs zu retten. Er weiß, dass die Kadusier in zwei Lager unter rivalisierenden Häuptlingen gespalten sind. Tiribazos schickt seinen Sohn zu dem einen Häuptling, während er selbst mit dem anderen verhandelt. Beide, Tiribazos und sein Sohn, überzeugen die jeweiligen Kadusier-Häuptlinge davon, dass der andere bereits Gesandte zum persischen König geschickt habe und einen vorteilhaften Frieden anstrebe. Keiner der beiden Häuptlinge möchte von seinem Rivalen ausmanövriert werden, daher unterwerfen sich beide Artaxerxes.
Ende der Kampagne: Nach dem Abschluss der erfolgreichen Verhandlungen zieht sich das persische Heer aus dem Gebiet der Kadusier zurück. Mit diesem Rückzug ist der Feldzug beendet. - Satrap Mithridates I. (Kios, 401-362)
- Satrap Ariobarzanes (Phrygien, 388-362)
- Satrap Hekatomnos (Karien, 392-377)
- Fortsetzung 383
ÄGYPTEN
Spätzeit, 29./30. Dynastie
- Pharao Hakor (391–379)
Ab 385 greifen die Perser Ägypten an, und nach drei Jahren Krieg gelingt es den Ägyptern, die Invasoren zu besiegen; Isokrates erwähnt diesen Krieg vage und abfällig. - Fortsetzung 381
KUSCH
KARTHAGO
INDIEN
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Feuer-Affen; am Beginn des Jahres Holz-Schaf)
Qin
- Herzog Chuzi II. (386–385)
Chuzi II. weiterhin formal die Herrschaft über Qin aus, während seine Mutter Qin Xiaozhu die Regierung faktisch führt. - Ying Shixi
Im zweiten Regierungsjahr von Chuzi II. erhebt sich der Minister Jun Gai gegen Chuzi und die Herzogswitwe. Er führt ein Heer, um den im Staat Wei lebenden Prinzen Ying Shixi zurück nach Qin zu geleiten. Bei diesem Staatsstreich werden Chuzi II. und seine Mutter getötet, und Ying Shixi wird als Herzog Xian von Qin auf den Thron gesetzt. Seine offizielle Regierungszeit beginnt 384, doch faktisch hat der Machtwechsel bereits 385 seinen Höhepunkt. Chuzi II. ist zum Zeitpunkt seines Todes drei oder vier Jahre alt. - Fortsetzung 384
Zhou
Han
- Markgraf Wen (386–377)
Markgraf Wen greift den Staat Zheng an und nimmt Yangcheng ein. Im selben Jahr greift Han außerdem den Staat Song an, rückt bis Pengcheng vor und nimmt Herzog Dao von Song gefangen. - Fortsetzung 380
Zhao
- Markgraf Jing (400–375)
Im zweiten Jahr seiner tatsächlichen Regierung setzt sich Jing in einer Schlacht gegen den Staat Qi durch. Diese Schlacht findet in einem Gebiet statt, das zwischen dem späteren Kreis Gaotang und dem späteren Kreis Chiping liegt. - Fortsetzung 375
Wei
Qi
Chu
JAPAN
QUELLEN
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25.03.2009 Artikel eröffnet
23.06.2023 Grundstock erstellt
22.03.2026 Grundstock ergänzt