-412
Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCXLII = 342)
- Konsul Quintus Fabius Ambustus Vibulanus
Quintus Fabius Ambustus Vibulanus ist Konsul. Zu Beginn dieses Jahres tritt Lucius Icilius auf und erregt mit seinen Forderungen nach Agrargesetzen die Stadt, als ob die Aufwiegelung eine Pflicht seines Namens und seiner Familie wäre. Eine Seuche, die als bedrohlicher denn als tödlich beschrieben wird, lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen vom Forum und den öffentlichen Debatten ab und richtet sie wieder auf die Rettung der Familie und die Sorge um ihre Gesundheit. Die Darstellung hebt hervor, dass man allgemein glaubt, diese Seuche richte weniger Schaden an als eine fortgesetzte innere Unruhe, da sie die Stadt verlässt, nachdem sie viele erkranken lässt, jedoch nur wenige Opfer fordert. Über das weitere Schicksal und den Tod von Quintus Fabius Ambustus Vibulanus sind keine Informationen vorhanden. - Konsul Gaius Furius Pacilus
Gaius Furius Pacilus gehört zur gens Furia, einer patrizischen Familie, die zu dieser Zeit in der Republik auf dem Höhepunkt ihrer Macht steht. Er ist Sohn von Gaius Furius Pacilus Fusus, Konsul im Jahr 441. In diesem Jahr wird er selbst zum Konsul gewählt. Auch sein weiteres Schicksal und Todesjahr ist unbekannt. - Fortsetzung 411
GRIECHEN
(4. Jahr der 91. / 1. Jahr der 92. Olympiade)
Syrakus
- Hermokrates
Hermokrates wird als Admiral nach Kleinasien entsandt, trifft nach der Schlacht von Milet ein und kämpft mit einer syrakusischen Flotte auf spartanischer Seite. - Fortsetzung 411
Molosser / Epirus
Makedonien
Athen
- Peloponnesischer_Krieg (431-404)
In Verhandlungen mit dem persischen Satrapen Tissaphernes werden mehrere Vertragsentwürfe ausgehandelt. Sparta verpflichtet sich schließlich, Kleinasien an Persien abzutreten, und erhält im Gegenzug regelmäßige Geldzahlungen. Mehrere Mitglieder des Seebundes fallen von Athen ab, während die spartanische Flotte mit persischem Gold in der Ägäis operiert, ohne die athenische Flotte entscheidend zu schlagen. Tissaphernes betreibt zugleich eine wankelmütige Politik, um den Krieg zwischen Athen und Sparta zu verlängern.
Alkibiades, der sich in spartanischen Diensten befindet, wirkt als treibende Kraft hinter dem Abfall von Chios und Milet von Athen, wodurch er für Sparta zunächst erhebliche Erfolge an den Rändern des attischen Machtbereichs organisiert. Bald danach versucht Alkibiades jedoch, das spartanisch-persische Bündnis zu hintertreiben, indem er dem Satrapen Tissaphernes von Lydien rät, Sparta nicht zu sehr erstarken zu lassen und stattdessen die beiden griechischen Vormächte gegeneinander auszuspielen, was seine wechselhafte und eigennützige Bündnispolitik sichtbar macht.
Schlacht von Milet
Im Vorjahr ist das attische Expeditionsheer in Sizilien untergegangen. Die Untertanen Athens suchen daraufhin die Gelegenheit zu nutzen, um sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien. Führende Politiker aus Chios und Euboia nehmen Verbindung zu Sparta auf, um den Übertritt ihrer Inseln anzubieten. Auf Anraten des athenischen Überläufers Alkibiades entscheidet man in Sparta, zunächst das Angebot von Chios anzunehmen, dessen zentrale Position und keineswegs unbedeutende Flotte die Chance bietet, auch die übrigen Inseln und Städte Ioniens herüberzuziehen. Im Sommer 412 trifft eine kleine Hilfsflotte von nur fünf Schiffen unter Führung des Alkibiades und des Spartaners Chalkideus bei Chios ein. Chios fällt von Athen ab. Die Chier betreiben ihre Sache daraufhin energisch und bringen in rascher Folge die wichtigsten Nachbarn auf dem ionischen Festland zum Beitritt: Erythrai, Klazomenai und Teos. Mit einer von den Chiern auf 20 Schiffe verstärkten Flotte gelingt Chalkideus und Alkibiades anschließend ein gleicher Erfolg in Milet. Die Athener rüsten inzwischen eine neue Flotte von 19 Trieren aus und ziehen sie bei Samos zusammen. Nach Sichtung der vorbeifahrenden Chier nehmen sie die Verfolgung auf und erreichen Milet fast gleichzeitig, jedoch zu spät, um den Abfall noch zu verhindern. Von den Milesiern abgewiesen, landen die Feldherren Thrasykles und Strombichides auf der vorgelagerten Insel Lade und blockieren von dort die Chier im Hafen von Milet. Nach Ankunft des Chalkideus begibt sich der persische Satrap Tissaphernes von Lydien nach Milet. Dort kommt alsbald ein Bündnis zwischen Sparta und dem Großkönig Dareios II. zustande. Chalkideus soll die Früchte dieses Abkommens jedoch nicht lange genießen, da er wenig später bei der Abwehr eines Landeunternehmens der Athener unweit des Heiligtums von Didyma beim milesischen Panormos ums Leben kommt. Ende des Sommers stellen die Athener gegen den Abfall Ioniens eine Streitmacht von 48 Schiffen mit 3500 Schwerbewaffneten zusammen. Diese Streitmacht setzt von ihrer Basis in Samos auf das Festland über und lagert vor Milet. Befehlshaber der Athener, in deren Heer auch 1500 Argeier und 1000 sonstige Verbündete mitkämpfen, sind Phrynichos, Onomakles und Skironides. Gegen diese Streitmacht rücken die Milesier mit 800 Hopliten aus. Sie werden unterstützt durch die mit Chalkideus und Alkibiades eingetroffenen Peloponnesier und Chier sowie einige persische Soldtruppen und Reiter unter Führung des Tissaphernes. Die Milesier als Herren des Landes nehmen entsprechend der Militärtradition den rechten Flügel ein. Ihnen gegenüber auf dem athenischen linken Flügel stehen die Hopliten aus Argos, die sich als Dorer den Ioniern überlegen fühlen und deshalb ohne besondere Ordnung vorstürmen, sodass sie von den ortskundigen Milesiern überraschend besiegt werden und 300 Mann verlieren. Auf dem anderen Flügel überwiegen dagegen die Athener und ihre übrigen Verbündeten. Sie besiegen zuerst die Peloponnesier und drängen dann die persischen Söldner zurück. Bevor sie sich auch gegen die ungeschlagenen Milesier wenden können, haben diese sich jedoch hinter ihre Mauern zurückgezogen. Nach der Schlacht beginnen die Athener mit Belagerungsarbeiten, um die Stadt abzuriegeln, da sie meinen, dass ihnen nach der Rückeroberung Milets auch der Rest Ioniens bald wieder zufallen wird. Unterdessen hat Alkibiades, der bei der persischen Kavallerie mitkämpft, zur nächsten Bucht im Süden geritten. Im Hafen Teichiussa trifft er eine peloponnesisch-sizilische Hilfsflotte mit 55 Schiffen unter dem Kommando des Spartaners Therimenes und des Syrakusers Hermokrates an, denen er von der verlorenen Schlacht berichtet. Der attische Feldherr Phrynichos erhält in der gleichen Nacht ebenfalls Kunde von der Ankunft der feindlichen Flotte. Während seine Kollegen daraufhin eine sofortige Entscheidung zur See suchen wollen, setzt er sich im Rat der Feldherren mit der Ansicht durch, dass dies nach dem bereits Erreichten ein unnötiges Risiko darstellt und dass es besser ist, die Belagerung sofort abzubrechen, um einen sicheren Hafen anzulaufen. Als die peloponnesisch-syrakusische Flotte am nächsten Tag Milet erreicht, haben sich die Athener bereits unter Zurücklassung der Beute nach Samos zurückgezogen. Die Überlebenden aus Argos fahren „im Zorn über ihr Missgeschick“ in der Schlacht gleich weiter nach Hause. Therimenes und Tissaphernes bestätigen in Milet das spartanisch-persische Bündnis durch einen zweiten Vertrag. Nachdem sie die dortigen Schiffe aus Chios an sich gezogen haben, machen sie sich daran, die restlichen Städte Ioniens in ihre Gewalt zu bringen. Auf Wunsch des Tissaphernes fahren sie zuerst gegen Iasos in Karien, wo der lokale Machthaber Amorges, ein Bastardsohn des früheren Satrapen Pissouthnes, nach der Hinrichtung seines Vaters gegen die persische Herrschaft rebelliert hat. Da niemand es für möglich hält, dass die anrückende Flotte keine attische sein könnte, lassen die Verteidiger die Schiffe ungehindert in den Hafen. Die Stadt wird erobert und geplündert, Amorges wird gefangen genommen und an den persischen Großkönig ausgeliefert. Seine überwiegend vom Peloponnes stammenden Söldner reihen die Eroberer in ihr eigenes Heer ein und senden sie unter dem Befehl des Spartaners Pedaritos nach Erythrai zur Verteidigung von Chios. Für den Historiker Thukydides ist die Schlacht von Milet Ausdruck der völligen Umkehrung aller bisherigen Verhältnisse durch die Unwägbarkeiten des Krieges. Die Seemacht Athen siegt in der Landschlacht, wobei die blasierten Dorer auf beiden Seiten den vermeintlich minderwertigen Ioniern unterliegen, muss aber anschließend vor der neuen Flotte der bisherigen Landmacht Sparta weichen. Mit dem „halben Sieg“ von Milet verliert Athen endgültig seinen Einfluss auf die Geschicke Ioniens, das bis zum Kriegsende an der Seite Spartas kämpft. Argos fällt als Mitstreiter Athens ebenfalls aus. Thukydides attestiert dem 411 v. Chr. auf dem Markt von Athen ermordeten Strategen Phrynichos in der gegebenen Situation richtige Einsicht in die nurmehr begrenzten Möglichkeiten der attischen Flotte. Die Schlacht von Milet ist nach dem Abfall von Chios die zweite bedeutende Waffentat des Alkibiades im Dienste Spartas zum Schaden seiner Heimatstadt Athen. Danach besinnt er sich wieder seiner Abstammung und trachtet nach einer Möglichkeit zur Rückkehr. Hierzu sucht er insbesondere seine bei Milet begründete Freundschaft mit Tissaphernes zu nutzen, um das Bündnis Spartas mit dem Perserreich zu hintertreiben. Dabei setzt er auf die Tatsache, dass Tissaphernes mit der Niederschlagung des Aufstands in Karien sein Hauptziel bereits erreicht hat, ein Kalkül, das jedoch nach einem Jahr an den weiterreichenden Plänen des Großkönigs scheitert. - Peisandros wird Strategos in Athen.
- Fortsetzung 411
Sparta
- König der Eurypontiden: Agis II. (427–400)
Der spartanische Nauarch Astyochos erhält den Befehl, Alkibiades ermorden zu lassen, doch diesem gelingt die Flucht zum persischen Satrapen Tissaphernes. - König der Agiaden: Pleistoanax (2. Amtszeit 426–408)
- Fortsetzung 411
Bosporanisches Reich
Salamis
ODRYSEN
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Dareios II. (423–404)
- Satrap Ariobarzanes (Kios, 420-402)
- Satrap Tissaphernes (Lydien, 1. Amtszeit 415-408)
Tissaphernes unterliegt einem athenischen Expeditionskorps in der Schlacht von Milet. Er verwandelt die Niederlage jedoch in einen strategischen Erfolg, weil er ein Bündnis mit Sparta schließt, das ihm die Rückgewinnung der griechischen Küstenstädte in Ionien verspricht. In diese Zeit fällt auch seine Freundschaft mit dem athenischen Überläufer Alkibiades, der ihm rät, Spartaner und Athener gegeneinander auszuspielen, um den Krieg zu verlängern und beide Seiten zum Vorteil Persiens zu schwächen. - Fortsetzung 411
KUSCH
INDIEN
Shishunaga
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38. (39.) Zyklus, Jahr der Erde-Schlange; am Beginn des Jahres Erde-Drache)
Jin
Qin
Zhou
Wei
Qi
- Herzog Xuan (455–405)
Qi greift den Staat Lu an. - Fortsetzung 411
Chu
JAPAN
QUELLEN
Blaue Stichwörter verweisen stets direkt auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel; alle anderen Links sind nach der jeweiligen Quelle benannt.
28.05.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt
29.06.2026 Grundstock ergänzt