Zum Inhalt springen

770: Unterschied zwischen den Versionen

Aus WikiReneKousz
Neuer Grundstock erstellt
Kategorien ergänzt
 
Zeile 4: Zeile 4:
==WELTALL==
==WELTALL==


*[http://de.wikipedia.org/wiki/C/770_K1 '''C/770 K1 (Komet)'''] <br />0526D: In diesem Jahr wird ein ungewöhnlich heller Komet sichtbar, der später die Bezeichnung C/770 K1 erhält. In den chinesischen Chroniken Jiù Táng Shū, Táng Huì Yào und Xīn Táng Shū wird er als "Besenstern" beschrieben, was auf einen deutlich erkennbaren Schweif hinweist. Am 26. Mai erscheint dieser "Besenstern" zum ersten Mal am nördlichen Himmel, vermutlich am Morgen, und zeigt sich als weißes, sehr helles Objekt mit einem etwa 30 Grad langen Schweif. Die weiße Farbe der Erscheinung weist auf eine hohe Helligkeit hin, sodass der Komet leicht mit bloßem Auge zu sehen ist. Am 19. Juni wird der Komet erneut am Morgenhimmel beobachtet, wobei er sich scheinbar nach Osten über den Himmel bewegt. Er bleibt damit über mehrere Wochen ein auffälliges Himmelsobjekt, das wiederholt gesichtet wird. Am 9. Juli erfolgt eine weitere Sichtung, diesmal am Abendhimmel. Um den 10. Juli erreicht der Komet eine Helligkeit von etwa 1 bis 2 Größenklassen (mag), wodurch er zu den besonders auffälligen „Großen Kometen“ zählt. Gemäss späteren Berechnungen hat sich der Komet der Erde an diesem Tag bis auf etwa 44 Millionen Kilometer oder ungefähr 0,30 Astronomische Einheiten genähert. Am 25. Juli wird der "Besenstern" schließlich zum letzten Mal gesehen, wahrscheinlich wiederum in den Abendstunden, bevor er aus dem Blickfeld der Beobachter verschwindet. <br />Im koreanischen Geschichtswerk ''Samguk Sagi'' wird am Morgen des 9. Juli ebenfalls ein "Besenstern" erwähnt, dessen Beschreibung zeitlich zu den chinesischen Beobachtungen passt. Ob dieser Komet später wieder ins innere Sonnensystem zurückkehrt wird oder zurückgekehrt ist, lässt sich aufgrund mangelnder Daten nicht errechnen; er bleibt daher ein einmalig dokumentiertes astronomisches Objekt.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/C/770_K1 '''C/770 K1 (Komet)'''] <br />0526D: In diesem Jahr wird ein ungewöhnlich heller Komet sichtbar, der später die Bezeichnung C/770 K1 erhält. In den chinesischen Chroniken Jiù Táng Shū, Táng Huì Yào und Xīn Táng Shū wird er als "Besenstern" beschrieben, was auf einen deutlich erkennbaren Schweif hinweist. Am 26. Mai erscheint dieser "Besenstern" zum ersten Mal am nördlichen Himmel, vermutlich am Morgen, und zeigt sich als weißes, sehr helles Objekt mit einem etwa 30 Grad langen Schweif. Die weiße Farbe der Erscheinung weist auf eine hohe Helligkeit hin, sodass der Komet leicht mit bloßem Auge zu sehen ist. Am 19. Juni wird der Komet erneut am Morgenhimmel beobachtet, wobei er sich scheinbar nach Osten über den Himmel bewegt. Er bleibt damit über mehrere Wochen ein auffälliges Himmelsobjekt, das wiederholt gesichtet wird. Am 9. Juli erfolgt eine weitere Sichtung, diesmal am Abendhimmel. Um den 10. Juli erreicht der Komet eine Helligkeit von etwa 1 bis 2 Größenklassen (mag), wodurch er zu den besonders auffälligen „Großen Kometen“ zählt. Gemäss späteren Berechnungen hat sich der Komet der Erde an diesem Tag bis auf etwa 44 Millionen Kilometer oder ungefähr 0,30 Astronomische Einheiten genähert. Am 25. Juli wird der "Besenstern" schließlich zum letzten Mal gesehen, wahrscheinlich wiederum in den Abendstunden, bevor er aus dem Blickfeld der Beobachter verschwindet. <br />Im koreanischen Geschichtswerk ''Samguk Sagi'' wird am Morgen des 9. Juli ebenfalls ein "Besenstern" erwähnt, dessen Beschreibung zeitlich zu den chinesischen Beobachtungen passt. Ob dieser Komet später wieder ins innere Sonnensystem zurückkehrt wird oder zurückgekehrt ist, lässt sich aufgrund mangelnder Daten nicht errechnen; er bleibt daher ein einmalig dokumentiertes astronomisches Objekt. [[Kategorie:Weltall]]
 
*'''zuletzt 770'''
 
==KLIMA==
 
*'''zuletzt 764'''


==MAYA==
==MAYA==
Zeile 17: Zeile 11:


*[http://de.wikipedia.org/wiki/K%27inich_K%27uk%27_Bahlam_II. Ajaw K'inich K'uk' Bahlam II. (764–nach 783)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/K%27inich_K%27uk%27_Bahlam_II. Ajaw K'inich K'uk' Bahlam II. (764–nach 783)] <br />
*'''783:''' Etwa um das Jahr 783 endet die Regierungszeit von K’inich K’uk’ Bahlam II. Über die genauen Umstände seines Todes oder die letzten Jahre seines Lebens gibt es keine gesicherten Angaben. Sein Nachfolger wird Janaab Pakal III, der vermutlich ebenfalls der königlichen Dynastie entstammt. Nach dem Tod von K’inich K’uk’ Bahlam II verliert Palenque zunehmend an politischer Bedeutung. Die kunstvollen Inschriften und Monumente, die unter seiner Herrschaft entstehen, gelten jedoch als letzter großer Ausdruck der klassischen Periode in dieser einst mächtigen Stadt.
*[[799#MAYA | Fortsetzung 799]]
*'''799:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Janaab_Pakal_III. '''Ajaw Janaab Pakal III. (799)''']
*'''zuletzt 764'''
'''Calakmul'''
*'''771:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Bolon_K%CA%BCawiil_II '''Ajaw Bolon Kʼawiil II. (771-789)'''] (letzter König von Calakmul mit Wiki-Artikel)
*'''zuletzt 751'''


'''Talol'''
'''Talol'''


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Ukit_Kan_Lek_Tok '''Ajaw Ukit Kan Lek Tok (770-801)'''] <br />Ukit Kan Lek Tok wird um das Jahr 740 in Ek Balam im Norden der Halbinsel Yukatan geboren. Seine Eltern gehören dem lokalen Adel an: Sein Vater heißt Ukit Ahkan, seine Mutter ist eine Adlige, deren Emblemglyphe die Zahl Fünf trägt und in der Mayathan-Sprache „ho“ genannt wird. Im Jahr 770 ist Ukit Kan Lek Tok ungefähr dreißig Jahre alt und übernimmt am 26. Mai formell die Herrschaft über Ek Balam; sein Reich trägt in den Inschriften den historischen Namen Talol. Er lässt an der großen Akropolis der Stadt umfangreiche bauliche Neuerungen vornehmen. An der Treppe der Tempelpyramide entsteht eine Inschrift, die auf seine Bautätigkeit verweist und seine Rolle als Bauherr und religiöser Patron hervorhebt. Auf der vierten Ebene der Akropolis entsteht das Grabmal von Ukit Kan Lek Tok, das im sogenannten Chenes-Stil ausgeführt ist und als repräsentatives Beispiel der spätklassischen Maya-Architektur gilt. Die Fassade des Grabeingangs wird mit Stuck dekoriert, in dem sich eine Miniaturfigur des Maisgottes befindet, deren Gesichtsschädel stark deformiert dargestellt ist. Die Forscher deuten diese Miniatur als bewusste Identifikation des Herrschers mit dem Maisgott, wobei die auffälligen Deformationen des Schädels auf seine realen chronischen Kieferinfektionen und daraus resultierenden Veränderungen anspielen. In seinem Grab werden neben einundzwanzig Vasen mehr als siebentausend Objekte gefunden, darunter Jade, Keramik, Muscheln, Knochen und Pyrit, was auf erheblichen Reichtum und weitreichende Austauschbeziehungen hinweist. Die Fülle und Qualität der Beigaben spiegelt den hohen Status von Ukit Kan Lek Tok wider und unterstreicht seine Rolle als sakral legitimierter Herrscher von Talol.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Ukit_Kan_Lek_Tok '''Ajaw Ukit Kan Lek Tok (770-801)'''] <br />Ukit Kan Lek Tok wird um das Jahr 740 in Ek Balam im Norden der Halbinsel Yukatan geboren. Seine Eltern gehören dem lokalen Adel an: Sein Vater heißt Ukit Ahkan, seine Mutter ist eine Adlige, deren Emblemglyphe die Zahl Fünf trägt und in der Mayathan-Sprache „ho“ genannt wird. Im Jahr 770 ist Ukit Kan Lek Tok ungefähr dreißig Jahre alt und übernimmt am 26. Mai formell die Herrschaft über Ek Balam; sein Reich trägt in den Inschriften den historischen Namen Talol. Er lässt an der großen Akropolis der Stadt umfangreiche bauliche Neuerungen vornehmen. An der Treppe der Tempelpyramide entsteht eine Inschrift, die auf seine Bautätigkeit verweist und seine Rolle als Bauherr und religiöser Patron hervorhebt. Auf der vierten Ebene der Akropolis entsteht das Grabmal von Ukit Kan Lek Tok, das im sogenannten Chenes-Stil ausgeführt ist und als repräsentatives Beispiel der spätklassischen Maya-Architektur gilt. Die Fassade des Grabeingangs wird mit Stuck dekoriert, in dem sich eine Miniaturfigur des Maisgottes befindet, deren Gesichtsschädel stark deformiert dargestellt ist. Die Forscher deuten diese Miniatur als bewusste Identifikation des Herrschers mit dem Maisgott, wobei die auffälligen Deformationen des Schädels auf seine realen chronischen Kieferinfektionen und daraus resultierenden Veränderungen anspielen. In seinem Grab werden neben einundzwanzig Vasen mehr als siebentausend Objekte gefunden, darunter Jade, Keramik, Muscheln, Knochen und Pyrit, was auf erheblichen Reichtum und weitreichende Austauschbeziehungen hinweist. Die Fülle und Qualität der Beigaben spiegelt den hohen Status von Ukit Kan Lek Tok wider und unterstreicht seine Rolle als sakral legitimierter Herrscher von Talol.
*[[801#MAYA | Fortsetzung 801]]
*[[801#MAYA | Fortsetzung 801]] [[Kategorie:Talol]]
 
*'''801:''' Im Jahr 801 endet das Leben von Ukit Kan Lek Tok, der als bedeutendster Herrscher von Ek Balam in der Späten Klassik gilt. Spätere Herrscher der Stadt, darunter Kan Bohb Tok, der 814 stirbt, Ukit Jol Ahkul, der 830 stirbt, und Kinich Junpik Tok Kuh, der 870 stirbt, verehren ihn offensichtlich als Dynastiestifter. Seine Regierungszeit bleibt als Neuanfang in Erinnerung, an dem sich die nachfolgenden Fürsten orientieren und mit dem sie ihre eigene Legitimität verbinden. Die späteren Inschriften der Stadt greifen seinen Namen und seine Taten auf und verankern ihn dauerhaft im kollektiven Gedächtnis von Ek Balam. So lebt die Erinnerung an Ukit Kan Lek Tok als zentrale Figur der Geschichte Talols in den Monumenten, Inschriften und dem städtischen Layout von Ek Balam fort.


'''Tikal'''
'''Tikal'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Nuun_Ahiin_II Ajaw Yax Nuun Ahiin II. (768-794)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Nuun_Ahiin_II Ajaw Yax Nuun Ahiin II. (768-794)] <br />
*'''794:''' Um das Jahr 794 endet die Regierungszeit von Yax Nuun Ahiin II., sehr wahrscheinlich durch seinen Tod in Tikal. Mit diesem ungefähren Todesdatum schließt sich seine Herrschaftsspanne, die mit der Thronbesteigung im Jahr 768 begonnen hat und vermutlich ohne längere Unterbrechung andauert. Nach seinem Tod folgt Nuun Ujol K’inich als nächster Herrscher auf den Thron von Tikal und führt die Dynastie weiter. Yax Nuun Ahiin II. bleibt in der späteren Überlieferung vor allem durch seine verschiedenen Namen – Yax Nuun Ahiin II., Herrscher C und Chitam – sowie durch die mit ihm verbundenen Monumente im Stadtbild von Tikal präsent. [https://en.wikipedia.org/wiki/Nuun_Ujol_K%CA%BCinich '''Ajaw Nuun Ujol Kʼinich (794-810?)''']
*[[810#MAYA | Fortsetzung 810]]
*'''zuletzt 768'''


'''Quiriguá'''
'''Quiriguá'''
Zeile 50: Zeile 28:


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Pasaj_Chan_Yopaat Ajaw Yax Pasaj Chan Yopaat (763-810)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Yax_Pasaj_Chan_Yopaat Ajaw Yax Pasaj Chan Yopaat (763-810)] <br />
*'''810:''' In den Quellen wird Yax Pasaj Chan Yopaat bis 810 oder sogar noch etwas länger als Herrscher aufgeführt. Nach seinem Tod gerät Copán in eine Phase des Niedergangs; Teile der Bevölkerung verlassen Copán wandern und in andere Stadtstaaten ab.
*[[822#MAYA | Fortsetzung 822]]
*'''822:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Ukit_Took '''Ajaw Ukit Took (822-830)'''] (letzter Herrscher von Copán)
*'''zuletzt 763'''
==PRÄ-INKAS==
*'''zuletzt 700'''


==EUROPA==
==EUROPA==
Zeile 67: Zeile 36:
    
    
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Ciniod_I König Ciniod I. (763–775)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Ciniod_I König Ciniod I. (763–775)] <br />
*'''774:''' Ciniod: Im Jahr 774 wendet sich Alhred von Northumbria, nachdem er gestürzt wurde, an Ciniod und sucht Zuflucht an dessen Hof. Der Chronist Symeon von Durham berichtet, dass der entmachtete northumbrische König zu Ciniod flieht und dort Schutz findet. Diese Episode zeigt, dass Ciniods Hof im überregionalen politischen Netzwerk des Nordens anerkannt ist und als sicherer Zufluchtsort für gefallene Herrscher gilt. Die Aufnahme Alhreds unterstreicht Ciniods Ansehen über das Gebiet der Pikten hinaus. Sie deutet zugleich auf diplomatische oder zumindest persönliche Verbindungen zwischen der piktischen Herrscherfamilie und dem Königreich Northumbria.
*[[775#PIKTEN | Fortsetzung 775]]
*'''775:''' Ciniod: Im Jahr 775 verzeichnen mehrere unabhängige Quellen den Tod Ciniods. Die Annalen nennen ihn dabei als „Cinadhon, König der Pikten“, womit seine Stellung als legitimer Herrscher ausdrücklich bestätigt wird. Mit seinem Tod endet seine etwa zwölfjährige Regierungszeit, die durch militärische Auseinandersetzungen und internationale Kontakte geprägt ist. Es sind keine Söhne Ciniods namentlich überliefert. Allerdings berichtet die Annalenüberlieferung für das Jahr 778 vom Tod einer „Eithne ingen Cinadhon“, also von Eithne, Tochter Ciniods, was darauf hinweist, dass zumindest eine Tochter bekannt ist. Ihre Erwähnung zeigt, dass Ciniods Familie noch nach seinem Tod in den irisch-schottischen Annalen präsent bleibt und damit Teil des Erinnerungsraums der Region ist. [https://en.wikipedia.org/wiki/Alp%C3%ADn_II_of_the_Picts '''König Alpín II. (775–778)''']
*'''zuletzt 768'''


==KELTEN==
==KELTEN==
*Reihenfolge der Irischen Königreiche: <br />Ulster (Northern Uí Néill) <br />Ulaid <br />Argyll / Oriel <br />Brefni <br />Connacht <br />Meath (Southern Uí Néill) <br />Dubh Linn <br />Leinster <br />Wexford <br />Waterford <br />Ossory <br />Munster <br />Limerick <br />Cork


'''Uí Néill'''
'''Uí Néill'''
Zeile 81: Zeile 43:
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach Hochkönig Niall Frossach (763-765/778)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach Hochkönig Niall Frossach (763-765/778)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Donnchad_Midi Hochkönig Donnchad Midi (766/778-793/797)] <br />Donnchad zieht mit einem Heer nach Leinster, der dortige König Cellach mac Dúnchada verweigert die Feldschlacht, und Donnchad lagert eine Woche in Dún Ailinne, während seine Krieger das Land plündern. In dieser Zeit des Ausgreifens richtet sich seine Politik vor allem gegen Leinster, das traditionelle Ziel der Uí Néill, und bereitet eine noch aggressivere Phase seiner Herrschaft vor.
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Donnchad_Midi Hochkönig Donnchad Midi (766/778-793/797)] <br />Donnchad zieht mit einem Heer nach Leinster, der dortige König Cellach mac Dúnchada verweigert die Feldschlacht, und Donnchad lagert eine Woche in Dún Ailinne, während seine Krieger das Land plündern. In dieser Zeit des Ausgreifens richtet sich seine Politik vor allem gegen Leinster, das traditionelle Ziel der Uí Néill, und bereitet eine noch aggressivere Phase seiner Herrschaft vor.
*[[771#KELTEN | Fortsetzung 771]]
*[[771#KELTEN | Fortsetzung 771]] [[Kategorie:Uí Néill]]
 
*'''771:''' Niall Frossach: In den Jahren 771 und 772 zieht Donnchad mit Heereszügen nach Norden, was als gezielte Herausforderung der Autorität Nialls als Hochkönig verstanden werden kann.
*[[772#KELTEN | Fortsetzung 772]]
*'''772:''' Infolge dieses Drucks gilt es als wahrscheinlich, dass Niall Frossach zwischen 772 und 777 abdankt, möglicherweise sogar bereits um 770 (gemäss [https://fr.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach französischer] und [https://es.wikipedia.org/wiki/Niall_Frossach spanischer Wikipedia]. Er zieht sich aus der aktiven Politik zurück, und die Königswürde von Tara sowie das damit verbundene, oft als Hochkönigtum verstandene Amt geht wieder auf die Clann Cholmáin über, konkret auf Donnchad Midi. Für das Königreich Ailech folgt Niall nicht direkt ein Sohn, sondern sein Neffe Máel Dúin mac Áedo Alláin, der Sohn seines Bruders Áed Allán, der als König von Ailech bis zu seinem Tod 788 regiert. Niall selbst verbringt seine letzten Jahre offenbar in enger Verbindung mit Iona, einem wichtigen geistlichen Zentrum, und stirbt dort im Jahr 778. Sein Tod auf Iona deutet auf einen bewussten Rückzug in ein religiös geprägtes Umfeld hin, wie es für ehemalige Herrscher im frühmittelalterlichen Irland nicht untypisch ist. Sein Andenken bleibt in der Tradition lebendig, auch wenn seine friedliche Regierungszeit keine spektakulären Feldzüge hinterlässt. Jahrhunderte nach Nialls Tod bleibt sein Ruf als gerechter Herrscher im kulturellen Gedächtnis Irlands erhalten. Seine Urteile werden in dem etwa achthundert Jahre später verfassten Gedicht ''Labhram ar iongnaibh Éireann'' des Dichters Tuileagna Ó Maoil Chonaire erwähnt, was zeigt, dass seine Rechtsprechung als vorbildlich gilt.
*'''774:''' Donnchad Midi: Anfang der 770er Jahre intensiviert Donnchad seine Kriegszüge gegen Leinster und wendet sich zugleich erstmals auch systematisch gegen das große südliche Königreich Munster. 774 stört er das óenach von Tailtiu, eine wichtige Versammlung, ohne dass die Annalen einen Grund nennen.
*'''775:''' Donnchad Midi: 775 übernimmt er die Kontrolle über das Kloster Clonard an der Grenze zu Leinster und nutzt damit eine kirchliche Schlüsselinstitution zu seinem politischen Vorteil. Im selben Zeitraum beginnt er seinen Feldzug nach Munster, verursacht „große Verwüstung“ im Gebiet der Munsterleute und bringt zahlreiche Krieger aus Munster ums Leben.
*'''776:''' Donnchad Midi: 776 wiederholt er diesen Vorstoß nach Munster und stützt sich dabei ausdrücklich auf die Gemeinschaft des Klosters Durrow, sodass kirchliche Verbündete seine militärischen Aktionen begleiten.
*'''777:''' Donnchad Midi: 777 stört er erneut das óenach von Tailtiu, diesmal mit dem erklärten Ziel, die Ciannachta beziehungsweise den nördlichen Zweig der Síl nÁedo Sláine zu treffen, was in den Annalen ausdrücklich mit seinem Krieg gegen Congalach mac Conaing, König von Knowth in Brega, verbunden wird.
*'''778:''' Donnchad Midi: 778 proklamiert Donnchad gemeinsam mit Bressal, dem Abt von Iona, das „Gesetz des Columba“, während Hochkönig Niall Frossach noch lebt, was als Hinweis gilt, dass Donnchad bereits vor Niells Tod als Hochkönig im Hintergrund agiert. Noch im selben Jahr stirbt Niall auf Iona, und Donnchad tritt nun offen als Hochkönig hervor.
*'''779:''' Donnchad Midi: 779 führt er einen Feldzug gegen die nördlichen Uí Néill, zwingt Domnall, Sohn Áed Muindergs und „König des Nordens“, zur Unterwerfung und bestätigt damit seine Stellung als überlegenes Oberhaupt der Uí‑Néill‑Gruppen. In den 780er Jahren setzt Donnchad seine Politik der militärischen Dominanz gegenüber Leinster, Munster und den nördlichen Uí Néill fort und greift weiterhin auf kirchliche Bündnisse und die Kontrolle über Klöster zurück, um seine Macht im Zentrum Irlands zu sichern. Er etabliert Clann Cholmáin dauerhaft als führenden Zweig der Uí Néill im mittleren Irland und verdrängt konkurrierende Linien, etwa in Brega, durch wiederholte Feldzüge und Eingriffe in regionale Königreiche. Donnchad ist in dieser Zeit als Kriegerkönig bekannt, der Versammlungen wie das óenach von Tailtiu stört, um Gegner politisch und symbolisch zu treffen, und der sein Königtum von Mide als Basis für das Hochkönigtum nutzt.
*'''795:''' Domnall: Domnalls Tochter Eithne wird am 6. Mai 795 zusammen mit ihrem Gemahl Bran Ardchenn, König von Leinster, in Cell Cúile Dumai nahe dem heutigen Abbeyleix von Fínsnechta Cetharderc, einem Rivalen um den Leinster‑Thron, ermordet. Zu den späteren Nachkommen Domnalls zählen mehrere Hochkönige von Irland, darunter Conchobar mac Donnchada, Máel Sechnaill mac Máele Ruanaid, Flann Sinna, Donnchad Donn und Máel Sechnaill mac Domnaill.
*'''797:''' Donnchad Midi: Seine Herrschaft endet am 6. Februar 797, als er in Clonard stirbt, nachdem er fast drei Jahrzehnte lang zuerst als König von Mide und dann als Hochkönig die irische Politik geprägt hat. Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn Domnall als König von Mide nach, wird aber schon 799 von Verwandten ermordet, während andere Söhne wie Conchobar und Máel Ruanaid in der Folgezeit selbst Könige von Mide und Vorfahren späterer Hochkönige werden, sodass Donnchads Dynastie bis zu Máel Sechnaill mac Máele Ruanaid und weiter zu Máel Sechnaill mac Domnaill im 10.–11. Jahrhundert an der Spitze Irlands bleibt.
*[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_High_Kings_of_Ireland Liste der Hochkönige]
*'''Zuletzt 770'''


'''Ailech'''
'''Ailech'''


*[http://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1el_D%C3%BAin_mac_%C3%81edo_All%C3%A1in '''König Máel Dúin mac Áedo Alláin (770-788)'''] <br />Máel Dúin mac Áedo Alláin stammt aus dem nordirischen Königsgeschlecht der Cenél nEógain, einem Zweig der nördlichen Uí Néill. Sein Vater Áed Allán ist Hochkönig von Irland und starb im Jahr 743. Im Jahr 770 oder 772 verzichtet Niall Frossach auf das Amt des Hochkönigs und dankt ab. In dieser Situation steigt Máel Dúin zur Königswürde in Ailech auf und wird König von Ailech sowie Oberhaupt des Cenél nEógain.  
*[http://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1el_D%C3%BAin_mac_%C3%81edo_All%C3%A1in '''König Máel Dúin mac Áedo Alláin (770-788)'''] <br />Máel Dúin mac Áedo Alláin stammt aus dem nordirischen Königsgeschlecht der Cenél nEógain, einem Zweig der nördlichen Uí Néill. Sein Vater Áed Allán ist Hochkönig von Irland und starb im Jahr 743. Im Jahr 770 oder 772 verzichtet Niall Frossach auf das Amt des Hochkönigs und dankt ab. In dieser Situation steigt Máel Dúin zur Königswürde in Ailech auf und wird König von Ailech sowie Oberhaupt des Cenél nEógain.  
*[[771#KELTEN | Fortsetzung 771]]
*[[771#KELTEN | Fortsetzung 771]] [[Kategorie:Ailech]]
 
*'''771–772:''' – Konflikte mit Donnchad Midi und innerfamiliäre Gewalt: Kurz nach seinem Amtsantritt versucht der neue Hochkönig Donnchad Midi von Clann Cholmáin aus dem südlichen Zweig der Uí Néill, seine Autorität im Norden zu festigen. In den Jahren 771 und 772 führt Donnchad Midi Heerzüge in den Norden, um seine Oberherrschaft gegenüber den nördlichen Uí Néill, zu denen auch Máel Dúin gehört, durchzusetzen. Im Jahr 772 kommt es zudem zur Tötung von Máel Dúins Onkel Conchobar, ein Ereignis, das als innerfamiliäre Gewalt innerhalb des weit verzweigten Herrscherhauses der Uí Néill in den Annalen verzeichnet ist. Diese Jahre sind damit von Spannung zwischen Nord und Süd sowie von Konflikten innerhalb der erweiterten Verwandtschaft geprägt.
*[[779#KELTEN | Fortsetzung 779]]
*'''779–787:''' – Vormacht der Cenél Conaill und Machtkampf im Norden: In der Zeit der Herrschaft Donnchad Midis verschiebt sich die tatsächliche Macht im Norden zeitweise zugunsten eines Rivalengeschlechts. Die Autorität im Norden liegt nun offenbar bei den Cenél Conaill, repräsentiert durch Domnall mac Áeda Muindeirg. Domnall trägt im Jahr 779 in den Annalen ausdrücklich den Titel „König im Norden“, was zeigt, dass er zu diesem Zeitpunkt als Oberherr des Nordens gilt und damit den Anspruch von Máel Dúin und den Cenél nEógain auf die führende Stellung in Frage stellt. Der Norden ist damit zwischen zwei mächtigen Linien, Cenél nEógain und Cenél Conaill, umkämpft, während Donnchad Midi als Hochkönig weiterhin die Gesamtoberherrschaft beansprucht.
*'''787–788:''' – Sieg über Domnall und Oberherrschaft im Norden: Im Jahr 787 wendet sich das Kräfteverhältnis zugunsten von Máel Dúin. In einer Schlacht besiegt er Domnall mac Áeda Muindeirg und die Cenél Conaill und entreißt ihnen die Oberherrschaft im Norden. Mit diesem Sieg setzt sich Máel Dúin endgültig als führender Herrscher des Nordens durch und beendet die Phase, in der Domnall als „König im Norden“ gilt. In den Quellen erscheint Máel Dúin nun als König von In Fochla, was als König des Nordens verstanden wird, und seine Stellung als Oberherr des nördlichen Irlands ist damit klar anerkannt.
*'''788:''' – Tod und Titel: Im Jahr 788 endet die Herrschaft Máel Dúins mit seinem Tod. In seinem Todesnachtrag wird er mit den Titeln König von In Fochla beziehungsweise König des Nordens bezeichnet, was seinen Status als dominierender Herrscher im nördlichen Irland festhält. Seine Regierungszeit über Ailech reicht von etwa 770 bis 788, sodass er knapp zwei Jahrzehnte lang als König von Ailech und schließlich als Oberherr des Nordens regiert. Nach seinem Tod setzt sich seine Linie zunächst fort: Sein Sohn Murchad mac Máele Dúin wird König von Ailech und stirbt im Jahr 823. Gleichzeitig zeigt die Nachfolge, dass die Königswürde innerhalb der Cenél nEógain zwischen verschiedenen Zweigen rotiert: Als König von Ailech folgt schließlich sein Cousin Áed Oirdnide, der 819 stirbt und im Jahr 797 selbst zum Hochkönig von Irland aufsteigt. Damit bleibt die Königsherrschaft im Norden auch nach Máel Dúins Tod fest in den Händen des Cenél nEógain, dessen Mitglieder weiterhin sowohl das Königtum von Ailech als auch die Hochkönigswürde beanspruchen.


'''Ulaid'''
'''Ulaid'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Fiachnae_mac_%C3%81edo_R%C3%B3in König Fiachnae mac Áedo Róin (750–789)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Fiachnae_mac_%C3%81edo_R%C3%B3in König Fiachnae mac Áedo Róin (750–789)] <br />
*'''776:''' Fiachnae: 776 erleiden die Uí Echach Cobo eine weitere Niederlage, diesmal durch die Airthir, einen Airgialla-Stamm im Gebiet des heutigen County Armagh. Fiachnae: 776 und 783 geraten die eigentlichen Dál nAraidi in innere Bürgerkriege, die ihre Position in Nordostirland schwächen. In einem dieser Konflikte im Jahr 776 unterstützt Fiachnaes Sohn Eochaid den Thronprätendenten Tommaltach mac Indrechtaig; gemeinsam schlagen sie in der Schlacht von Drong den König der Dál nAraidi, Cinaed Ciarrge mac Cathussaig, sowie seinen Verbündeten Dúngal, König der Uí Tuirtri westlich des Lough Neagh, und töten beide. In den 770er Jahren wächst Fiachnaes Macht so stark, dass der Hochkönig Donnchad Midi ein persönliches Treffen mit ihm auf Inis na Ríg im Osten von Brega anstrebt. Wegen gegenseitigen Misstrauens bleibt Fiachnae auf dem Schiff und Donnchad an Land, sodass das Treffen scheitert; vermutlich soll die Zusammenkunft Einflusssphären klären, insbesondere Angelegenheiten der Uí Echach Coba, der Airthir und der Grenzregion der Conailli Muirtheimne im heutigen County Louth. Während Fiachnaes Regierungszeit beginnt die Expansion der Dál Fiatach nach Norden bis an die Ufer des Lough Neagh, wodurch die eigentlichen Dál nAraidi von ihren Verwandten, den Uí Echach Coba im Süden, räumlich abgeschnitten werden. Fiachnae gewährt dem Kloster Bangor, traditionell ein Dál-nAraidi-Kloster, seine Patronage und etabliert oder bestätigt Downpatrick als königliches Kloster, was die religiöse und politische Stellung seiner Dynastie weiter stärkt.
*[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]]
*'''789:''' Fiachnae: 789 endet Fiachnaes Regierungszeit mit seinem Tod, nachdem er fast vier Jahrzehnte als König von Ulaid geherrscht hat. Seine Söhne Eochaid mac Fiachnai und Cairell mac Fiachnai werden später Könige von Ulster, während ein weiterer Sohn, Loingsech mac Fiachnai, als Abt von Downpatrick wirkt und sein Neffe Diarmait Ua Áedo Róin 812 das Kloster Diseart Diarmad in Castledermot gründet und als Céli-Dé-Reformer die Verbindung Bangors mit Leinster erneuert. [https://en.wikipedia.org/wiki/Tommaltach_mac_Indrechtaig '''König Tommaltach mac Indrechtaig (789–790)''']
*[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Ulster Liste der Könige]
*'''zuletzt 761'''


'''Connacht'''
'''Connacht'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Donn_Cothaid_mac_Cathail König Donn Cothaid mac Cathail (768–773)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Donn_Cothaid_mac_Cathail König Donn Cothaid mac Cathail (768–773)] <br />
*'''773:''' Donn Cothaid mac Cathail stirbt Nach seinem Tod bleibt Donn Cothaid mac Cathail über seine Nachkommen weiter in der irischen Adelsgeschichte präsent. Sein Sohn Connmhach mac Duinn Cothaid ist später König der Uí Fiachrach und stirbt 787, wodurch die Familie im engeren Stammeskönigtum weiter herrschaftlich verankert bleibt, auch wenn sie den Thron von Connacht nicht mehr erreicht. Aus der Linie Connmhachs geht der Enkel Dubda mac Conmac hervor, der wiederum Großvater von Aed Ua Dubhda ist. Aed Ua Dubhda wird zum Eponymen und Ahnherrn der O’Dowd‑Häuptlinge, sodass sich aus der Linie Donn Cothaid mac Cathails ein später bedeutendes Adelsgeschlecht entwickelt, das im irischen Spätmittelalter unter dem Namen O’Dowd in Erscheinung tritt.
*[[773#KELTEN | Fortsetzung 773]]
*[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Connacht Liste der Könige]
*'''zuletzt 768'''
'''Meath'''
*'''797:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Domnall_mac_Donnchada_Midi '''König Domnall mac Donnchada Midi (797-799)''']
*[[797#KELTEN | Fortsetzung unter Meath 797]]


'''Leinster'''
'''Leinster'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Cellach_mac_D%C3%BAnchada König Cellach mac Dúnchada (760–776)] <br />Cellach besiegt in der Schlacht von Áth Orc in der späteren Grafschaft Offaly Cináed mac Flainn von den Uí Failge und Cathnio mac Bécce von den Fothairt, die beide fallen. Im selben Jahr führt der Hochkönig Donnchad Midi von Clann Cholmáin ein Heer der Uí Néill gegen Leinster, doch die Laigin entziehen sich zunächst einem entscheidenden Treffen; daraufhin bleibt Donnchad sieben Tage bei der alten Festung Ráith Ailenn in der Grafschaft Kildare und verwüstet das Land mit Feuer, bis die Männer von Leinster sich ihm unterwerfen. Ebenfalls 770 dringen zwei Sippen des Zweiges Síl nÁedo Sláine der südlichen Uí Néill an der Grenze nach Leinster vor. Die Sippe Uí Chonaing besiegt bei Áth Cliath in Cualu im Süden des heutigen County Dublin die Uí Théig und richtet ein Blutbad unter den Laigin an, doch viele der Sieger ertrinken auf dem Heimweg bei starkem Hochwasser. Die Sippe Uí Chernaig erleidet dagegen eine Niederlage in der Schlacht von Bolg Bóinne, was die Grenzlage Leinsters etwas stabilisiert.
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Cellach_mac_D%C3%BAnchada König Cellach mac Dúnchada (760–776)] <br />Cellach besiegt in der Schlacht von Áth Orc in der späteren Grafschaft Offaly Cináed mac Flainn von den Uí Failge und Cathnio mac Bécce von den Fothairt, die beide fallen. Im selben Jahr führt der Hochkönig Donnchad Midi von Clann Cholmáin ein Heer der Uí Néill gegen Leinster, doch die Laigin entziehen sich zunächst einem entscheidenden Treffen; daraufhin bleibt Donnchad sieben Tage bei der alten Festung Ráith Ailenn in der Grafschaft Kildare und verwüstet das Land mit Feuer, bis die Männer von Leinster sich ihm unterwerfen. Ebenfalls 770 dringen zwei Sippen des Zweiges Síl nÁedo Sláine der südlichen Uí Néill an der Grenze nach Leinster vor. Die Sippe Uí Chonaing besiegt bei Áth Cliath in Cualu im Süden des heutigen County Dublin die Uí Théig und richtet ein Blutbad unter den Laigin an, doch viele der Sieger ertrinken auf dem Heimweg bei starkem Hochwasser. Die Sippe Uí Chernaig erleidet dagegen eine Niederlage in der Schlacht von Bolg Bóinne, was die Grenzlage Leinsters etwas stabilisiert.
*[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]]
*[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]] [[Kategorie:Leinster]]
 
*[https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_kings_of_Leinster Könige von Leinster]
*[[776#KELTEN | Fortsetzung 776]]
*'''zuletzt 770'''


'''Uí Mháine'''
'''Uí Mháine'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Dunchadh_ua_Daimhine König Dunchadh ua Daimhine (767–780)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Dunchadh_ua_Daimhine König Dunchadh ua Daimhine (767–780)] <br />In den 770er Jahren kommt es zu wiederholten Grenzkonflikten mit den Connachta Die Connachta, insbesondere mit Zweig der Uí Briúin Ai. Im Jahr 770 kommt es zur Schlacht von Achadh Liag bei Cluain Acha Liag, dem später Killeroran genannten Ort, der als Inaugurationsstätte der Könige von Uí Maine dient. In dieser Schlacht besiegen die Uí Briúin die Uí Maine, und die Provinz trägt fortan ihren Namen Connacht. Gegen Ende des Jahrhunderts bleibt Uí Maine zwar im Wesentlichen politisch unabhängig, doch die Stellung des Reiches ist geschwächt und herabgesetzt. Es beginnt eine lange Phase, in der Uí Maine von größeren Nachbarreichen als Staat zweiter oder dritter Ordnung behandelt wird, zunächst von den Königen von Connacht, später vom Earl of Ulster, vom Clanricarde und schließlich vom Earl of Clanricarde. Das Gebiet Thomond westlich des Flusses wird von den Vorfahren der Dál gCais an das Königreich Munster angegliedert.  
 
*[[780#KELTEN | Fortsetzung 780]] [[Kategorie:Uí Mháine]]
*'''770:''' In den 770er Jahren kommt es zu wiederholten Grenzkonflikten mit den Connachta Die Connachta, insbesondere mit Zweig der Uí Briúin Ai. Im Jahr 770 kommt es zur Schlacht von Achadh Liag bei Cluain Acha Liag, dem später Killeroran genannten Ort, der als Inaugurationsstätte der Könige von Uí Maine dient. In dieser Schlacht besiegen die Uí Briúin die Uí Maine, und die Provinz trägt fortan ihren Namen Connacht. Gegen Ende des Jahrhunderts bleibt Uí Maine zwar im Wesentlichen politisch unabhängig, doch die Stellung des Reiches ist geschwächt und herabgesetzt. Es beginnt eine lange Phase, in der Uí Maine von größeren Nachbarreichen als Staat zweiter oder dritter Ordnung behandelt wird, zunächst von den Königen von Connacht, später vom Earl of Ulster, vom Clanricarde und schließlich vom Earl of Clanricarde. Das Gebiet Thomond westlich des Flusses wird von den Vorfahren der Dál gCais an das Königreich Munster angegliedert. Diese Angliederung festigt die Zugehörigkeit Thomonds zu Munster, die bis in die Gegenwart fortbesteht.  
*[[780#KELTEN | Fortsetzung 780]]
 
*'''780:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Conall_mac_Fidhghal '''König Conall mac Fidhghal (780–782)''']
*[[780#KELTEN | Fortsetzung 780]]
*'''zuletzt 770'''


'''Dalriada'''
'''Dalriada'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%81ed_Find König Áed Find (768–778)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%81ed_Find König Áed Find (768–778)] <br />
*'''778:''' Die Annalen von Ulster verzeichnen Áeds Tod im Jahr 778 und überliefern damit das Ende seiner Herrschaft über Dál Riata. Nach dieser Tradition folgt ihm sein Bruder Fergus mac Echdach auf den Thron, was die Fortführung der dynastischen Linie der Cenél nGabráin in der Königswürde von Dál Riata erkennen lässt. Áeds Stellung in der Überlieferung bleibt damit eng an die familiäre Kontinuität gebunden, da die Herrschaft innerhalb derselben Sippe weitergegeben wird. In der „Chronik der Könige von Alba“ erscheint später ein Hinweis auf die sogenannten „Gesetze Áeds, des Sohnes Eochaids“, die zur Zeit von Áeds vermeintlichem Urenkel Domnall mac Ailpín (Donald MacAlpin) erwähnt werden. Dort heißt es, dass in dessen Zeit die Gaelen gemeinsam mit ihrem König in Forteviot die Rechte und Gesetze des Königreiches schaffen, die als Gesetze Áeds, des Sohnes Eochaids, bezeichnet werden. Was genau diese Gesetze regeln, ist nicht überliefert, doch legt die Erwähnung nahe, dass Áed in späterer Erinnerung mit einer wichtigen rechtlichen oder verfassungsmäßigen Tradition verknüpft wird. Diese Zuschreibung verstärkt zugleich den genealogischen Anspruch der späteren Könige, sich auf eine ältere, legitime Herrscherlinie und deren Normen zurückzuführen. In der modernen Popkultur erscheint Áed Find als spielbare Figur im Computerspiel „Crusader Kings II“, in dessen „Charlemagne“-Erweiterung er im Startjahr 769 unter dem Herrschernamen Áed III als unabhängiger Herzog geführt wird. In diesem Szenario sind auch sein Sohn Eochaid und sein Bruder Fergus als Mitglieder seines Hofes präsent. Ohne Eingreifen der Spielenden wird sein Herrschaftsgebiet dort in der Regel rasch durch das benachbarte Piktenreich erobert, was die historische Schwäche und Gefährdung von Dál Riata in dieser Epoche nachzeichnet. [https://en.wikipedia.org/wiki/Fergus_mac_Echdach '''König Fergus mac Echdach (778–781)''']
*[[781#KELTEN | Fortsetzung 781]]
*'''Zuletzt 768'''


'''Gwynedd'''
'''Gwynedd'''
   
   
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Caradog_ap_Meirion König Caradog ap Meirion (754-798)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Caradog_ap_Meirion König Caradog ap Meirion (754-798)] <br />
*'''796:''' Im Jahr 796 kommt es bei den Rhuddlan‑Mooren (walisisch Morfa Rhuddlan) zu einer Schlacht, deren Parteien wie auch deren Ausgang in den Quellen nicht genannt werden. Das Werk Brut Aberpergwm, das lange als mittelalterlicher walisischer Text gilt und deshalb von den Herausgebern der Myvyrian Archaiology als echt akzeptiert wird, berichtet, Caradog falle in dieser Schlacht von 796. Später stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei Brut Aberpergwm um eine Fälschung von Iolo Morganwg handelt, wobei Thomas Stephens als Erster die Echtheit dieses Textes anzweifelt.
*[[798#KELTEN | Fortsetzung 798]]
*'''798:''' Die einzigen gesicherten Hinweise auf Caradog in der historischen Überlieferung sind zum einen das Auftauchen seines Namens in Genealogien, etwa in der Handschrift Jesus College MS. 20, und zum anderen der Eintrag zu seinem Tod in den Annales Cambriae (bei Phillimore unter dem Jahr 798), der berichtet, dass er von Angelsachsen, vermutlich den Merciern, getötet bzw. "die Kehle durchgeschnitten" wird. Die Genealogie in Jesus College MS. 20 hält fest, dass der spätere König Hywel (Regierungszeit etwa 816 bis 825) der Sohn Caradogs ist. Demgegenüber vertreten historische Darstellungen wie die von John Edward Lloyd die Auffassung, Hywel sei der Sohn von Caradogs Vorgänger und der Bruder seines Nachfolgers, König Cynan (Regierungszeit etwa 798 bis 816), ohne dass Lloyd für diese Behauptung Quellen nennt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Cynan_Dindaethwy '''König Cynan Dindaethwy (798-816)''']
*'''Zuletzt 768'''


'''Königreich Powys'''
'''Königreich Powys'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Brochfael_ab_Elisedd König Brochfael ab Elisedd (755–773)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Brochfael_ab_Elisedd König Brochfael ab Elisedd (755–773)] <br />
*'''773:''' Nach dem Tod von Brochfael übernimmt sein Sohn Cadell ap Brochfael die Königswürde von Powys und setzt damit die dynastische Linie fort. [https://en.wikipedia.org/wiki/Cadell_ap_Brochfael '''König Cadell ap Brochfael (773–808)'''] [[773#KELTEN | Fortsetzung 773]]
*'''zuletzt 754'''


==ANGELSACHSEN==
==ANGELSACHSEN==
Zeile 184: Zeile 88:
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Alchmund_of_Hexham Bischof Alchmund (767–780/781)] <br />  
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Alchmund_of_Hexham Bischof Alchmund (767–780/781)] <br />  
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Lindisfarne Bischof Cynewulf (Lindisfarne, 740–780)] <br />  
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Lindisfarne Bischof Cynewulf (Lindisfarne, 740–780)] <br />  
*[[773#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 773]]
*[[773#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 773]] [[Kategorie:Northumbria]]
 
*'''773:''' Ealchred schreibt einen Brief an den Mainzer Erzbischof Lul, in dem er den Wunsch nach einer Annäherung an das Frankenreich ausdrückt. Ebenfalls 773 entsendet er eine Gesandtschaft an den Hof Karls des Großen, der seit 768 König der Franken ist, um die Beziehungen politisch zu vertiefen. Um 773 kommt es in York zu Unruhen, die möglicherweise bereits mit dem späteren Sturz Ealchreds in Verbindung stehen.
*'''773:''' Æthelberht: Im Jahr 773 erhält er vom Papst Hadrian I. das Pallium, das seine Stellung als Metropolit bestätigt. Nach seinem Amtsantritt beruft er Alkuin als Leiter der Kathedralschule, sodass die von ihm aufgebaute Bildungsarbeit in enger Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Schüler weitergeführt wird. Alkuin zeichnet Æthelberht in seinem Gedicht über die Heiligen und Vorsteher der Kirche von York als vorbildlichen Bischof, der anderen Bischöfen als Leitbild dienen soll, und lobt besonders, wie Æthelberht und Ecgberht die Kirchen von York ausschmücken und den Dom mit kostbaren liturgischen Geräten versehen. In seiner Amtszeit als Erzbischof erteilt Æthelberht den Auftrag zum Bau einer neuen Kirche in York, der Basilika „Alma Sophia“, der Kirche der Heiligen Weisheit. Er betraut Eanbald und Alkuin mit der Aufsicht über den Bau. Die Kirche entsteht als hoher Bau mit zahlreichen Säulen und Bögen, einer eingelegten, reich gestalteten Decke und verglasten Fenstern. Um den Kernbau herum liegen Kapellen und Emporen, und das Gotteshaus verfügt über dreißig Altäre, was auf eine komplexe liturgische Nutzung und eine große Anzahl von Reliquien und Altardiensten schließen lässt. In der Gelehrtenwelt gibt es später die Vermutung, dass „Alma Sophia“ sich entweder in unmittelbarer Nähe der vor-normannischen Kathedrale oder an einem anderen Platz in der Stadt, etwa jenseits des Flusses Ouse bei Bishopshill oder Holy Trinity in Micklegate, befindet, doch spätere Quellen erwähnen die Kirche nicht mehr, und archäologische Reste werden nicht gefunden. Als geistlicher Leiter Northumbrias engagiert sich Æthelberht stark in der Mission unter den Heiden Nordeuropas. Er sendet Missionare zu den heidnischen Völkern im Norden und Osten, darunter Alubert und Liudger, die nach Norddeutschland gehen. Liudger, der zuvor Schüler an der Schule von York ist, wird später der erste Bischof von Münster, was zeigt, wie weit der Einfluss der Schule und der York’schen Kirche reicht. Æthelberht unterstützt die Missionare nicht nur personell, sondern auch geistig, indem er ihnen Bücher aus der Bibliothek von York zur Verfügung stellt. In diesem Zusammenhang erhält er Briefe vom Mainzer Erzbischof Lull, der in seinen Schreiben einen Erzbischof „Coena“ um die Werke Bedas bittet; die Mehrheit der Historiker hält diesen „Coena“ für Æthelberht, sodass diese Korrespondenz seine Rolle als Ansprechpartner für gelehrte Missionare auf dem Kontinent bestätigt.
*[[773#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 773]]
*'''774:''' Æthelberht: Auch in der weltlichen Politik Northumbrias spielt Æthelberht eine aktive Rolle. Im Jahr 774 beruft er eine Synode ein, auf der König Alhred von Northumbria abgesetzt und ins Exil zu den Pikten geschickt wird. Die Gründe hängen möglicherweise mit der Missionspolitik zusammen, in der es Spannungen zwischen König und Kirche geben kann. Der König Alhred wird durch Æthelred ersetzt, doch auch dieser Herrscher verliert später den Rückhalt Æthelberhts und wird 778 durch Ælfwald, den Sohn Oswulfs, abgelöst. Der Historiker D. P. Kirby meint, Æthelberht habe Alhred schon vor der Absetzung nicht unterstützt und sieht in Æthelberhts Entzug der Unterstützung einen entscheidenden Faktor bei der Entmachtung Æthelreds; mittelalterliche Chronisten betonen zudem, dass Æthelberht „böse Könige nicht verschont“.
*'''774:''' Ealchred: Zur Osterzeit des Jahres 774 tritt erneut der Witenagemot in York zusammen und beschließt, Ealchred als König abzusetzen und zu verbannen. Die Gründe bleiben unklar: Zum einen hat Ealchred offenbar Konflikte mit Erzbischof Æthelberht, der seit 767 das Erzbistum York leitet, zum anderen drängt Æthelred I., der Sohn seines Vorgängers Æthelwald Moll, an die Macht. Nach seiner Absetzung flieht Ealchred zunächst nach Bamburgh im Norden seines ehemaligen Königreichs. Anschließend findet er Asyl bei Ciniod mac Uuredech, dem König der Pikten, der von 763 bis 775 regiert. Über Ealchreds weiteres Leben im Exil und sein Todesjahr ist nichts überliefert; er lebt jedoch sicher noch eine Zeit nach 774. [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(Northumbria) '''König Æthelred I. (1. Amtszeit 774–778/779)''']
*'''780:''' Æthelberht: Einige Jahre vor seinem Tod zieht sich Æthelberht aus dem aktiven Leitungsamt zurück und weiht Eanbald zu seinem Nachfolger, auch wenn das genaue Datum unsicher bleibt. Alkuin gibt einen Zeitpunkt an, der entweder auf Juli 777 oder Juli 778 zu deuten ist, und es ist gut möglich, dass Eanbald zunächst als mitwirkender Bischof an der Seite Æthelberhts fungiert, während der ältere Erzbischof sein Amt faktisch bis zum Lebensende mit ihm teilt. Æthelberht erlebt noch die Vollendung der von ihm initiierten Kirche „Alma Sophia“ und nimmt selbst die Weihe dieses neuen Gotteshauses vor. Zehn Tage nach dieser Kirchweihe stirbt er am 8. November 780, nachdem er ein langes Leben als Gelehrter, Lehrer, Missionförderer, Bauherr und kirchlicher Politiker geführt hat. [https://en.wikipedia.org/wiki/Eanbald_(died_796) Erzbischof Eanbald (York, 780)''']
*'''780:''' Alchmund: Im Jahr 780 oder 781 stirbt Alchmund am 7. September und wird außerhalb der Kirche von Hexham neben Acca bestattet. Sein Grab liegt damit unmittelbar an dem Ort, den er als Bischof betreut hat, und er wird schon bald nach seinem Tod als einer der Heiligen von Hexham verehrt. Obwohl später „fast nichts“ mehr über sein Leben bekannt ist, bleibt seine geistliche Bedeutung durch diese lokale Verehrung erhalten. Die Erinnerung an ihn knüpft sich vor allem an sein Grab und seine Stellung als Bischof, nicht an ausführlich erzählte Taten oder Wunder. Über die nachfolgenden Bischöfe sind nur die Namen und die ungefähren Amtszeiten bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt. Erst 813 folgt mit Tidfrith ein Bischof, über den wieder mehr bekannt ist.
*'''780:''' Im Jahr 780 legt Cynewulf sein Bischofsamt nieder. Er zieht sich in die Einsiedelei auf den Farne-Inseln zurück.
*'''783:''' In den Jahren 782 oder 783 stirbt Cynewulf in dieser Einsiedelei, wobei das Todesjahr meist mit 783 angegeben wird. Möglicherweise ist Cynewulf mit dem etwa zur selben Zeit lebenden Dichter Cynewulf identisch.
*'''790:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(Northumbria) König Æthelred I. (2. Amtszeit 790–796)]
*'''813:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Tidfrith_of_Hexham '''Bischof Tidfrith (Hexham, 813-821/822)]
*'''875:''' Mönche fliehen wegen Wikingerüberfällen aus Lindisfarne und nehmen Cuthberts Gebeine mit.
*'''995:''' Nach einer langen Odyssee ruhen Cuthberts Gebeine in der Kathedrale von Durham.
*'''998:''' Weihe einer steinernen Kirche in Durham als Ruhestätte der Heiligen
*'''Zuletzt 770'''


'''Mercia'''
'''Mercia'''
Zeile 206: Zeile 94:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Offa_von_Mercia König Offa (757–796)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Offa_von_Mercia König Offa (757–796)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Milred Bischof Milred (Worcester, 743/745–775)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Milred Bischof Milred (Worcester, 743/745–775)] <br />
*'''772:''' Offa: Zu Beginn der 770er Jahre erhebt sich im Südosten Widerstand gegen die mercische Vorherrschaft, an dem sich auch die Könige von Sussex beteiligen. In den Quellen tauchen die Herrscher von Sussex aber ab 772 nur noch mit dem Titel dux auf, was zeigt, dass Offa sich dort militärisch und politisch durchsetzt und ihre Königswürde bricht.
*[[772#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 772]]
*'''774:''' Offa: Im Jahr 774 bezeichnet Offa sich zusammen mit Königin Cynethryth als König bzw. Königin von England, womit er als erster Angelsachse diesen Herrschertitel verwendet. Gegen Ende seiner Regierungszeit beherrscht er tatsächlich nahezu das gesamte Gebiet Englands südlich des Humber und erreicht damit den Höhepunkt der mercischen Machtentfaltung.
*'''774:''' Milred: Im Jahr 774 endet Milreds Amtszeit, als er stirbt; sein Todesjahr wird in kirchlichen Listen und Quellen teilweise auch mit 775 angegeben. Über seine Nachfolger ist nur der Name und die ungefähre Amtszeit bekannt, sodass sich eine Au; erst mit Koenwald tritt im Jahr 928 wieder ein Bischof auf, über den mehr bekannt ist.
*'''776:''' Offa: Gegen Kent schreitet er ebenfalls militärisch ein, und die Angelsächsische Chronik verzeichnet für das Jahr 776 eine Schlacht bei Otford, ohne allerdings den Sieger zu nennen. Aus der späteren Entwicklung geht jedoch hervor, dass Offa seinen Einfluss in Kent behauptet und Kent wie eine gewöhnliche Provinz seines Reiches behandelt.
*'''779:''' Offa: Nachdem Offa seine Stellung im Südosten gefestigt hat, wendet er sich stärker dem großen Rivalen Wessex zu. Zu diesem Zeitpunkt stellt Mercia bereits wieder eine beherrschende Macht unter den angelsächsischen Reichen südlich des Humber dar. Im Jahr 779 kommt es zur Schlacht von Bensington in Oxfordshire, in der Offa König Cynewulf von Wessex schlägt und die Grafschaft Berkshire zurückerobert, die früher zu Mercia gehört. Nach dieser Niederlage gerät Wessex erneut in den mercischen Einflussbereich, auch wenn an der Grenze zwischen Mercia und Wessex offenbar eine Phase relativer Ruhe einsetzt. An der gemeinsamen Grenze, etwa beim Bau einer Brücke in Oxford, verzichtet man auf zusätzliche Befestigungen, was auf ein eher stabiles Verhältnis hindeutet. Dagegen entstehen im walisischen Grenzraum – etwa in Hereford – neue Befestigungsanlagen, was zeigt, wo Offa militärische Gefährdung erwartet.
*'''779:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Hygeberht '''Bischof Hygeberht (Lichfield, 779–787, Erzbischof Hygeberht (Lichfield, 787–799)''']
*'''780:''' Offa: An seiner Westgrenze ist Offa fast ständig in Kämpfe mit den Walisern verwickelt. Bereits 760 findet ein Gefecht bei Hereford statt, und weitere Feldzüge sind für die Jahre 778, 784 und 796 belegt. Um diese Grenze dauerhaft zu sichern, lässt Offa den nach ihm benannten Grenzwall errichten, den sogenannten Offa’s Dyke. Diese Anlage verläuft etwa 270 Kilometer entlang der walisisch‑mercischen Grenze und erreicht eine Höhe von ungefähr 2,50 Metern, wodurch sie sowohl militärischer Schutz als auch sichtbares Symbol seines Machtanspruchs ist.
*'''781:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Unwona '''Bischof Unwona (Leicester, 781/785-801/803)''']
*'''787:''' Offa: Um die Nachfolge zu sichern, lässt Offa im Jahr 787 seinen Sohn Ecgfrith in einer feierlichen Handlung zum Mitkönig krönen. Durch diese Maßnahme will er verhindern, dass nach seinem Tod erneut Thronstreitigkeiten wie nach Æthelbalds Ermordung ausbrechen.
*'''789:''' Offa: Während Offa im Inneren und an seinen Grenzfronten kämpft, pflegt er zugleich Außenbeziehungen zum Frankenreich unter Karl dem Großen. In Briefen spricht Karl ihn als „Bruder“ an, ordnet ihn aber dennoch nicht völlig auf gleicher Rangstufe mit sich selbst ein. Karl bietet 789 an, einen seiner Söhne mit Offas Tochter Aelfflaed zu verheiraten, was die Nähe der Reiche betont. Als Offa dagegen vorschlägt, eine Tochter Karls mit seinem eigenen Sohn Ecgfrith zu vermählen, lehnt Karl dieses Gegenangebot ab, was die Grenzen der politischen Gleichstellung deutlich macht.
*'''794:''' Offa: Im Jahr 794 erreicht Offa einen weiteren Machtzuwachs, als der König von East Anglia, Æthelberht II., stirbt, den Offa nach der Überlieferung der Angelsächsischen Chronik selbst töten lässt. Offa gliedert das Reich von East Anglia in das Königreich Mercia ein, wodurch sein Herrschaftsgebiet nochmals deutlich wächst.
*'''796:''' Offa: Am 26. Juli 796 stirbt Offa nach fast vierzigjähriger Regierung als König von Mercia. Sein Sohn Ecgfrith tritt die Nachfolge an, stirbt jedoch bereits nach wenigen Monaten, sodass mit Cenwulf ein anderer Adliger König wird und die mühsam gesicherte dynastische Kontinuität zerbricht. [http://de.wikipedia.org/wiki/Ecgfrith_(Mercia) '''König Ecgfrith (787–796)''']
*'''928:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Koenwald '''Bischof Koenwald (Worcester, 928/929–958/959)''']
*'''1046:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Ealdred_(Erzbischof_von_York) '''Bischof Ealdred (Hereford 1056–1060, Worcester 1046–1062), Erzbischof Ealdred (York, 1060–1069)''']
*'''Zuletzt 758'''


'''East Anglia'''
'''East Anglia'''


*[http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(East_Anglia) König Æthelred I. (um 760–um 780)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelred_I._(East_Anglia) König Æthelred I. (um 760–um 780)] <br />
*'''780:''' Nach Æthelreds Tod oder Absetzung übernimmt Æthelberht II. die Königsherrschaft in East Anglia, etwa ab „um 780“. [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelberht_II._(East_Anglia) '''König Æthelberht II. (780–794)''']
*[[794#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 794]]
*'''Zuletzt 760'''


'''Königreich Wessex'''
'''Königreich Wessex'''
Zeile 236: Zeile 103:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Wessex König Cynewulf (757–786)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Cynewulf_von_Wessex König Cynewulf (757–786)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Bischof Æthelhard (Winchester, 765?–793)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Bischof Æthelhard (Winchester, 765?–793)] <br />
*'''779:''' Cynewulf: Nach der Phase der Schwäche in Mercia setzt sich der machtbewusste König Offa durch und stellt das Übergewicht seines Reiches wieder her; damit entsteht ein direkter Gegensatz zwischen Wessex unter Cynewulf und Mercia unter Offa. Im Jahr 779 kommt es zur Schlacht bei Bensington: Offa besiegt Cynewulf militärisch, nimmt dem Westsachsenkönig die Grafschaft Berkshire und vermutlich auch die Kontrolle über London. Trotz dieser Niederlage behält Cynewulf seine Königswürde und bleibt formell unabhängig; es gibt keine Hinweise darauf, dass er nach 779 als Unterkönig Offas regiert, doch die merkische Macht ist im Südosten klar spürbar. In den 780er Jahren setzt er seine Kämpfe und seine Politik gegenüber Adel und Kirche fort, bis sich ein alter Konflikt mit Cyneheard, dem Bruder des abgesetzten Sigeberht, zuspitzt.
*[[786#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 786]]
*'''786:''' Cynewulf: Im Jahr 786 will Cynewulf Cyneheard endgültig aus dem Reich drängen; als der König sich in Meretun – wohl in der Nähe des späteren Merton – bei einer Geliebten aufhält, nutzt Cyneheard den Moment und überfällt ihn mit einer Gefolgschaft. Cynewulf wird in dem Gefecht in Meretun zusammen mit seinen anwesenden Gefolgsleuten getötet; Cyneheard kommt ebenfalls ums Leben, als die Männer des Königs und weitere Westsachsen zur Stelle eilen und ihn mit seinen Begleitern erschlagen. Die Schilderung dieses Kampfes in der Angelsächsischen Chronik stellt die Treue der Gefolgsleute in den Mittelpunkt: Die Männer Cynewulfs kämpfen weiter, obwohl ihnen angeboten wird, sich Cyneheard anzuschließen, und sterben lieber, als ihren gefallenen Herrn zu verraten. Nach Cynewulfs Tod folgt Beorhtric als neuer König von Wessex; die Herrschaft Cynewulfs bleibt in der Überlieferung vor allem durch seinen gewaltsamen Tod und seine Rolle im Ringen zwischen Wessex, Mercia und den walisischen Grenzgebieten präsent. [http://de.wikipedia.org/wiki/Beorhtric '''König Beorhtric (786–802)''']
*'''793:''' Æthelhard wird zum Erzbischof von Canterbury erhoben (siehe Kent); über die nachfolgenden Bischöfe von Winchester sind nur die Namen und die ungefähre (also nicht mal exakte) Amtszeiten bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt; erst mit Swithun tritt im Jahr 852 wieder ein Bischof in Erscheinung, über den wieder mehr bekannt ist.
*'''852:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Swithun '''Bischof Swithun (852–862)''']
*'''Zuletzt 765'''


'''Königreich Essex'''
'''Königreich Essex'''
   
   
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Sigeric_I. König Sigerich I. (758-798)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Sigeric_I. König Sigerich I. (758-798)] <br />
*'''798:''' Sigerich Im Jahr 798 legt Sigerich sein Königsamt nieder; diese Abdankung wird ausdrücklich erwähnt und bildet den wichtigsten überlieferten Einschnitt in seinem Leben. Nach der Abdankung bricht er als Pilger nach Rom auf, das heißt, er gibt die weltliche Herrschaft auf, um eine religiös motivierte Reise in die Hauptstadt der lateinischen Christenheit zu unternehmen; sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Nach Sigerichs Abdankung übernimmt Sigered die Königswürde in Essex und führt die Herrschaft in diesem angelsächsischen Teilreich fort. [http://de.wikipedia.org/wiki/Sigered_(Essex) '''König Sigered (798?–nach 823)''']
*[[823#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 823]]
*'''Zuletzt 758'''


'''Königreich Kent'''
'''Königreich Kent'''
Zeile 257: Zeile 113:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Heahberht_(Kent) König Heahberht (Ostkent, 764-772/776)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Heahberht_(Kent) König Heahberht (Ostkent, 764-772/776)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%A6nberht Erzbischof Jænberht (Canterbury, 765–792)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/J%C3%A6nberht Erzbischof Jænberht (Canterbury, 765–792)] <br />
*'''772:''' Im Jahr 772 bestätigt Ecgberht eine Landschenkung Offas, was zeigt, dass die Verflechtung zwischen der mercischen Oberherrschaft und dem kentischen Königshaus fortbesteht. Gleichzeitig wird deutlich, dass Ecgberht als wichtiger regionaler Akteur auftritt, der bei großen Transaktionen im südenglischen Raum beteiligt ist. In dieser Zeit beginnt er, sich zusammen mit Heahberht zunehmend gegen die Vorherrschaft Mercias zu stellen. Ecgberht und Heahberht lassen in Canterbury neue Münzen prägen, die sich am Vorbild der karolingischen Denare orientieren und neben ihrer wirtschaftlichen Funktion als politisches Symbol gegen die mercische Hegemonie dienen. Erzbischof Jænberht von Canterbury (Amtszeit 765–792) erkennt offenbar das Autonomiestreben der beiden Könige an und unterstützt oder duldet ihre eigenständigere Linie.
*[[776#ANGELSACHSEN | Fortsetzung 776]]
*'''776:''' Heahberht verschwindet jedoch bald aus den Quellen, während Ecgberht im Jahr 776 in der Schlacht von Otford einen Sieg über Offa erringt und sich dadurch als militärisch erfolgreicher Herrscher profiliert. Nach dem Sieg von 776 herrscht Ecgberht in den folgenden Jahren als unabhängiger König vermutlich über das gesamte Kent und löst sich weitgehend aus der unmittelbaren Abhängigkeit von Mercia. Spätestens seit 778 verfügt er souverän über seine Ländereien, sodass Schenkungen und Übertragungen keiner Bestätigung durch einen Mitkönig oder einen Oberherrscher mehr bedürfen. In dieser Phase überträgt er Besitz an Bischof Deora von Rochester, ohne Zustimmung anderer Herrscher einholen zu müssen. Der Einflussbereich Ecgberhts reicht wahrscheinlich über Kent hinaus und erstreckt sich auf Surrey sowie auf Teile von Essex und Sussex, was seine Stellung als regionaler Machtfaktor im Südosten Englands zeigt. Seine Herrschaft basiert nun zugleich auf militärischem Erfolg, territorialer Ausweitung und einer eigenständigen Münz- und Schenkungspolitik. Damit erscheint Ecgberht im späten 8. Jahrhundert als weitgehend autonomer König, der die zuvor dominante Stellung Mercias in Kent zumindest zeitweise zurückdrängt.
*'''776:''' Jænberht: 776 erhebt sich Kent, vermutlich auf Betreiben oder jedenfalls mit Unterstützung Jænberhts, gegen die mercische Oberherrschaft und erlangt vorübergehend seine Unabhängigkeit zurück.
*'''779:''' Mit einer im Jahr 779 ausgestellten letzten Charta tritt Ecgberht ein letztes Mal in den schriftlichen Quellen auf, danach verschwindet er aus der Überlieferung. Sein Todesjahr bleibt unbekannt, doch er lebt nachweislich noch nach 779, bevor seine politische Rolle endet. [http://de.wikipedia.org/wiki/Ealhmund_(Kent) '''König Ealhmund (779/784–784/785)''']
*'''780:''' Jænberht: In den Jahren 780 und 781 nimmt Jænberht an von Offa geleiteten Kirchensynoden in Brentford teil, was zunächst auf ein funktionierendes Arbeitsverhältnis zwischen König und Erzbischof hindeutet. Gleichzeitig bleibt seine Bindung an die kentische Dynastie stark: Nach der Schlacht von Otford überträgt König Ecgberht II. mehrere Güter an die Kirche von Christ Church in Canterbury. Als Offa spätestens 785 die Kontrolle über Kent wieder festigt, zieht er diese Güter ein und vergibt sie an einige seiner Thegnen.
*'''784:''' Um 784 erscheint Ealhmund als sein Nachfolger in Kent, der möglicherweise als sein Bruder anzusehen ist. Es ist denkbar, dass Ealhmund bereits seit den 770er Jahren als Mitkönig oder Unterkönig unter Ecgberht fungiert und deshalb relativ reibungslos in die Nachfolge eintritt. Um 784/785 gerät Kent jedoch erneut unter die direkte Kontrolle Offas, der das Königreich bis zu seinem Tod im Jahr 796 persönlich regiert. Offa widerruft dabei Schenkungen und Verfügungen Ecgberhts, die er als „eigenmächtig“ und somit aus seiner Sicht als unrechtmäßig ansieht, womit er die frühere mercische Oberherrschaft über Kent wiederherstellt.
*'''787:''' Jænberht: In den späten 780er Jahren verschärft sich der Konflikt zwischen Jænberht und Offa. Offa versucht zunächst, den südenglischen Erzbischoffssitz von Canterbury nach London zu verlegen, doch der Papst verweigert seine Zustimmung. Daraufhin setzt Offa durch, dass 787 ein drittes Erzbistum auf den Britischen Inseln geschaffen wird: die Erzdiözese Lichfield unter dem Bischof Hygberht, die dem mercischen Kernbistum entspricht und somit klar unter Offas Einfluss steht. Der Konflikt hat mehrere Ursachen: Jænberht lehnt Offas Absetzung der kentischen Herrscherfamilie ab, beide beanspruchen bestimmte Ländereien, Jænberht weigert sich, Offas Sohn Ecgfrith zu krönen, und er lässt zudem in Canterbury eigene Münzen prägen, was Offas Autorität zusätzlich in Frage stellt. Später überliefert der Chronist Matthäus Paris im 13. Jahrhundert die Darstellung, Jænberht habe mit Karl dem Großen konspirieren wollen und sei bereit, diesem Canterbury zu öffnen, falls er Britannien angreife; ob diese Tradition auf echte Überlieferung aus St Albans zurückgeht oder eine spätere Ausschmückung darstellt, bleibt unklar. In Jænberhts Amtszeit kursiert außerdem ein falsches Gerücht, Offa plane gemeinsam mit Karl dem Großen, Papst Hadrian I. zu stürzen; der Historiker Simon Keynes hält es für möglich, dass Jænberht hinter dieser Behauptung steht. Offas Nachfolger gibt gegenüber dem Papst später zu, dass Offas Verhalten aus Hass auf Jænberht und das Volk von Kent motiviert ist. Im Jahr 787 sendet Papst Hadrian ein Pallium an Hygberht von Lichfield und erhebt Lichfield damit offiziell zum Erzbistum, zugleich wird Ecgfrith zum König gekrönt. Es gibt jedoch keine zeitgenössischen Belege dafür, dass Jænberht Hygberht jemals als Erzbischof anerkennt. Canterbury behält weiterhin die Bistümer Winchester, Sherborne, Selsey, Rochester und London als Suffragane, während die Diözesen Worcester, Hereford, Leicester, Lindsey, Dommoc und Elmham der neuen Erzdiözese Lichfield unterstellt werden. Nach der Erhebung Lichfields leitet Jænberht ein Konzil in London, an dem die meisten Bischöfe aus Südbritannien teilnehmen, was zeigt, dass er trotz der Konkurrenz durch Lichfield weiterhin eine zentrale Rolle in der Kirchenleitung spielt.
*'''792:''' Jænberht: Am 12. August 792 stirbt Jænberht und wird in der Klosterkirche der Abtei St Augustine in Canterbury bestattet. Nach seinem Tod erfährt er Verehrung als Heiliger, und sein Gedenktag wird auf den 12. August festgelegt.
*'''793:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard '''Erzbischof Æthelhard (1. Amtszeit 793–796)'''] Im Jahr 792 wird Æthelhard vom Bischofssitz Winchester auf den Erzbischofssitz von Canterbury versetzt und damit zum Metropoliten des südlichen England erhoben. Die feierliche Inthronisation als Erzbischof von Canterbury findet am 21. Juli 793 statt, wodurch er offiziell die Nachfolge der bisherigen Metropoliten übernimmt. Seine Ernennung verdankt er maßgeblich König Offa von Mercia, der damit seinen Einfluss auf die Kirche im Süden weiter absichert. Die Inthronisation wird vom damals ranghöchsten Bischof des Landes, Hygberht, dem Erzbischof von Lichfield, geleitet. Lichfield ist erst vor Kurzem zum Erzbistum erhoben worden, sodass Offa zuvor beim Gelehrten Alkuin von York nach der richtigen Vorgehensweise gefragt hat, wie das Verhältnis dieser beiden Metropolitansitze zu gestalten ist. Die Erhebung Lichfields schafft eine konkurrierende Erzdiözese im Süden, was das Verhältnis zwischen Canterbury, Lichfield und der Krone kompliziert und langfristig Konflikte anbahnt.
*'''796:''' Æthelhard: Um das Jahr 796 verschärft sich die politische Lage: König Offa stirbt, und in Kent gewinnt Eadberht III. Præn die Macht. Eadberht betrachtet Æthelhard als Vertreter der von Offa geprägten Kirchenpolitik und setzt ihn deshalb als Erzbischof von Canterbury ab. Æthelhard sieht sich gezwungen, aus Canterbury zu fliehen und sucht Zuflucht am Hof von Offas Sohn Ecgfrith von Mercia. Ecgfrith stirbt jedoch noch im Jahr 796, sodass ein entfernter Verwandter, Coenwulf, den merzischen Thron besteigt. Während Æthelhard im Exil bleibt, überlegt Alkuin von York, wie die Spannungen um Lichfield und Canterbury zu lösen sind, und er schlägt einen Kompromiss vor: Hygberht soll seinen Rang als Erzbischof lebenslang lediglich ehrenhalber behalten, während Canterbury wieder alleiniger Metropolitensitz südlich des Humber wird und Æthelhard dorthin zurückkehrt. Dieser Plan lässt sich jedoch nicht umsetzen, solange Eadberht in Kent an der Macht bleibt, weshalb Æthelhard weiter nicht nach Canterbury zurückkehren kann. Alkuin kritisiert Æthelhard für seine Flucht aus Canterbury, doch in Rom beurteilt man sein Verhalten anders. Papst Leo III. lobt Æthelhard dafür, dass er sich Eadberht nicht unterwirft und den Konflikt nicht eskalieren lässt; der Papst vergleicht Eadberht sogar mit dem römischen Kaiser Julian Apostata, einem Feind des Christentums. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass die kirchliche Gemeinschaft in Kent während Æthelhards Exil erwägt, einen anderen Erzbischof zu wählen, was seine Position zusätzlich gefährdet.
*'''797:''' Æthelhard: Da der Rang Lichfields als Erzbistum auf päpstlicher Entscheidung beruht, sind Änderungen nur mit Zustimmung des Papstes möglich. Coenwulf entsendet im Jahr 797 eine Gesandtschaft zu Papst Leo III., um die Herabstufung Lichfields zu erreichen und die kirchenpolitischen Probleme zwischen Lichfield und Canterbury zu lösen. In einem Schreiben an den Papst erinnert Coenwulf an einen älteren Plan Papst Gregors des Großen, der zwei Metropolitansitze in Britannien vorsieht, einen im Norden und einen im Süden, wobei der südliche Sitz in London liegen soll. Das Schreiben deutet an, dass Coenwulf überlegt, Æthelhards Metropolitansitz von Canterbury nach London zu verlegen, zugleich aber die grundsätzliche Ordnung der Kirche klären will. Die Gesandtschaft überbringt außerdem einen Brief Æthelhards, der jedoch nicht erhalten geblieben ist. Papst Leo III. lehnt die vorgeschlagene Lösung ab; in seiner Antwort betont er, dass der südliche Erzbischofssitz in Canterbury bleiben muss, und exkommuniziert Eadberht, wobei er auch dessen gewaltsame Entfernung aus Kent billigt, falls Eadberht weiter Æthelhards Rückkehr verhindert.
*'''798:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%86thelhard Erzbischof Æthelhard (2. Amtszeit 798–805)] Im Jahr 798 greift Coenwulf Kent an, nimmt Eadberht gefangen, blendet ihn und lässt ihn einkerkern. Nach diesem Eingriff in die weltliche Herrschaft Kents wird Æthelhard als Erzbischof nach Canterbury zurückgeführt und beginnt damit, die Besitzungen und Rechte seines Erzbistums wiederherzustellen. Er sichert sich Gehorsamserklärungen mehrerer südlicher Bischöfe, darunter Eadwulf von Lindsey und Tidferth von Dummoc, um die kirchliche Ordnung in seinem Sprengel neu zu festigen. Dennoch führt Hygberht auch im Jahr 799 weiterhin den Titel eines Erzbischofs, was zeigt, dass die Frage um Lichfield noch nicht abschließend geregelt ist. Da Papst Leo in den Jahren 799 und 800 durch Konflikte in Rom stark gebunden ist, unterbleiben vorerst weitere päpstliche Entscheidungen zu der englischen Streitfrage. Æthelhard entschließt sich schließlich, persönlich nach Rom zu reisen, um die Lage seiner Erzdiözese direkt mit dem Papst zu klären. Er begibt sich zusammen mit Bischof Cyneberht von Winchester nach Rom und nimmt zwei weitere Schreiben Coenwulfs an den Papst mit, in denen die Lage ausführlich geschildert wird. Nach Verhandlungen entscheidet sich Papst Leo III. für Canterbury: Er erkennt Æthelhards Vorrang an und stuft Lichfield wieder zu einem einfachen Bistum herab. Es gibt Hinweise, dass das Domkapitel von Canterbury die Erhebung Lichfields zum Erzbistum niemals wirklich akzeptiert hat und stets an der besonderen Stellung Canterburys festhält. Damit bereitet diese päpstliche Entscheidung die endgültige Wiederherstellung Canterburys als einzigem Metropolitensitz südlich des Humber vor.
*'''803:''' Æthelhard: Im Jahr 803 kehrt Æthelhard aus dem Ausland nach England zurück und nimmt seine Tätigkeit als Erzbischof von Canterbury voll wieder auf. Er beruft das Konzil von Clovesho ein, eine bedeutende Synode, auf der die kirchliche Ordnung im Süden Englands neu geregelt wird. Das Konzil beschließt, dass künftig kein weiterer erzbischöflicher Sitz im südlichen Britannien bestehen darf außer Canterbury, womit die Sonderstellung dieses Erzbistums dauerhaft festgeschrieben wird. Hygberht nimmt an dieser Synode teil, jedoch nicht mehr als Erzbischof, sondern als Abt, was deutlich macht, dass er vor dem Konzil auf sein Amt verzichtet hat. Æthelhard legt auf dem Konzil außerdem eine päpstliche Entscheidung vor, die die Freiheit der Kirchen von weltlicher Einmischung bekräftigt und so die Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen gegenüber der weltlichen Herrschaft stärkt. Er betont zugleich, dass die Papstkirche bei der Erhebung Lichfields getäuscht worden sei und bezeichnet die dahinterstehende Macht als „tyrannische“ Kraft, womit er Offas kirchenpolitisches Vorgehen kritisiert. Während seiner Amtszeit leitet Æthelhard mindestens elf, möglicherweise sogar zwölf Synoden, auf denen Fragen der Kirchenordnung, der Disziplin und der Besitzrechte beraten werden. Er tritt als aktiver Gestalter der kirchlichen Strukturen im südlichen England auf und setzt durch, dass Canterbury als geistliches Zentrum gestärkt aus den Auseinandersetzungen mit Lichfield und Kent hervorgeht. Seine letzten Amtsjahre stehen im Zeichen der Konsolidierung der erzbischöflichen Autorität und der Durchsetzung der neuen Ordnung, die das Konzil von Clovesho festgelegt hat.
*'''805:''' Æthelhard: Æthelhard stirbt am 12. Mai 805 und wird in Canterbury bestattet, wo er seine wichtigste Wirkungsstätte gehabt hat. In den Jahren und Jahrhunderten nach seinem Tod verehrt man ihn als Heiligen und setzt seinen Gedenktag auf den 12. Mai. Nach der normannischen Eroberung und den kirchlichen Reformen des 11. Jahrhunderts unterdrückt jedoch der römisch-katholische Erzbischof Lanfrank seinen Kult, der danach nicht wieder aufgenommen wird. In der Orthodoxen Kirche in England bleibt die Verehrung Æthelhards bestehen. Mehrere orthodoxe Gemeinden in England wählen ihn als Patron und erinnern an ihn als standhaften Erzbischof, der die Vorrangstellung Canterburys gegenüber politischen und kirchlichen Rivalen behauptet. So wirkt Æthelhards Lebenswerk über seinen Tod hinaus in liturgischer Erinnerung und in der Struktur der englischen Kirche weiter.
*'''1058:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Siward_(Bischof) '''Bischof Siward (Rochester, 1058–1075)''']
*'''zuletzt 765'''


==FRÄNKISCHES REICH==
==FRÄNKISCHES REICH==


Sortierung der Städte:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe König Karl der Große (768–800)] <br />Karl (22) heiratet die – in den Quellen namenlos gebliebene – Tochter Desiderius’, womit er sich demonstrativ von seiner bisherigen Gefährtin Himiltrud abwendet und zugleich das Einverständnis mit der langobardischen Macht im Norden Italiens bekundet. Gleichzeitig verschärft diese Verbindung den Konflikt mit Rom: Das Papsttum betrachtet das langobardische Königtum unter Desiderius als Bedrohung und erwartet von den Karolingern Schutz, nicht Verschwägerung. Die Ehe mit der Langobardenprinzessin bleibt nur von kurzer Dauer, denn schon 771 wird Karl sie wieder lösen und sich neu verheiraten.
Metz, Frankreich (~49° 07′ N)
Utrecht, Niederlande (~52° 05′ N)
Lüttich, Belgien (Liège, ~50° 38′ N)
Büraburg, Hessen (bei Fritzlar, ~51° 08′ N)
Erfurt, Thüringen (~50° 58′ N)
Köln, Nordrhein-Westfalen (~50° 56′ N)
Mainz, Rheinland-Pfalz (~50° 00′ N)
Trier, Rheinland.Pfalz (~49° 45′ N)
Würzburg, Bayern, Unterfranken damals noch Herrschaft der Hedenen (~49° 47′ N)
Konstanz, Baden-Württemberg (47° 40′ N)
 
Ordne den Text im folgenden Link möglichst vollständig streng chronologisch an auf Deutsch und in Präsens: Ein ausführlicher, aber rechtlich sicherer Abschnitt zum Jahr 749 in Präsens.
Erstelle in diesem Fall eine ausführliche Jahreschronik nur für das Jahr
 
Karl der Grosse geb. 748
 
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe König Karl der Große (768–800), Kaiser Karl der Große (800–814)] <br />Karl (22) heiratet die – in den Quellen namenlos gebliebene – Tochter Desiderius’, womit er sich demonstrativ von seiner bisherigen Gefährtin Himiltrud abwendet und zugleich das Einverständnis mit der langobardischen Macht im Norden Italiens bekundet. Gleichzeitig verschärft diese Verbindung den Konflikt mit Rom: Das Papsttum betrachtet das langobardische Königtum unter Desiderius als Bedrohung und erwartet von den Karolingern Schutz, nicht Verschwägerung. Die Ehe mit der Langobardenprinzessin bleibt nur von kurzer Dauer, denn schon 771 wird Karl sie wieder lösen und sich neu verheiraten.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstag_zu_Worms_(770) '''Reichstag zu Worms'''] <br />Karl beruft eine Reichsversammlung nach Worms ein; dies ist seine erste Reichsversammlung als König. Die politische Lage ist angespannt, denn Karl und Karlmann stehen sich misstrauisch gegenüber, und ihre Mutter Bertrada verhandelt gleichzeitig mit König Karlmann in Seltz, etwa 100 Kilometer südlich von Worms im späteren Elsass, um einen Ausgleich zu erreichen, bleibt damit aber erfolglos. Die Wahl von Worms als Versammlungsort hängt möglicherweise mit dieser Konstellation zusammen: Karl entscheidet sich für einen Ort, an dem er seine Herrschaft demonstriert und sich zugleich räumlich und politisch von seinem Bruder absetzt. In Worms existiert zu dieser Zeit eine Königspfalz, die als königliche Residenz- und Regierungsstätte dient und das Zentrum der Reichsversammlung bildet. Diese Pfalz wird später im Jahr 790 durch einen Brand zerstört, ist aber im Jahr 770 ein wichtiger Stützpunkt der königlichen Macht und symbolisiert die Präsenz des Königs im mittleren Rheinraum. Über die konkrete Tagesordnung, die Beschlüsse oder die Teilnehmer der Versammlung ist nichts überliefert; weder Namen noch Zahl der anwesenden Großen, Geistlichen oder sonstigen Reichsangehörigen sind bekannt. Die einzige Quelle, die den Reichstag erwähnt, sind die ''Annales regni Francorum'', die Annalen des Fränkischen Reiches. Dort wird die Versammlung sowohl als allgemeine Reichsversammlung ("conventum generalem in Wormacia civitate") als auch als Synode bezeichnet. Über den Ablauf, die Beratungen und die konkreten Ergebnisse schweigen die Quellen jedoch vollständig.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstag_zu_Worms_(770) '''Reichstag zu Worms'''] <br />Karl beruft eine Reichsversammlung nach Worms ein; dies ist seine erste Reichsversammlung als König. Die politische Lage ist angespannt, denn Karl und Karlmann stehen sich misstrauisch gegenüber, und ihre Mutter Bertrada verhandelt gleichzeitig mit König Karlmann in Seltz, etwa 100 Kilometer südlich von Worms im späteren Elsass, um einen Ausgleich zu erreichen, bleibt damit aber erfolglos. Die Wahl von Worms als Versammlungsort hängt möglicherweise mit dieser Konstellation zusammen: Karl entscheidet sich für einen Ort, an dem er seine Herrschaft demonstriert und sich zugleich räumlich und politisch von seinem Bruder absetzt. In Worms existiert zu dieser Zeit eine Königspfalz, die als königliche Residenz- und Regierungsstätte dient und das Zentrum der Reichsversammlung bildet. Diese Pfalz wird später im Jahr 790 durch einen Brand zerstört, ist aber im Jahr 770 ein wichtiger Stützpunkt der königlichen Macht und symbolisiert die Präsenz des Königs im mittleren Rheinraum. Über die konkrete Tagesordnung, die Beschlüsse oder die Teilnehmer der Versammlung ist nichts überliefert; weder Namen noch Zahl der anwesenden Großen, Geistlichen oder sonstigen Reichsangehörigen sind bekannt. Die einzige Quelle, die den Reichstag erwähnt, sind die ''Annales regni Francorum'', die Annalen des Fränkischen Reiches. Dort wird die Versammlung sowohl als allgemeine Reichsversammlung ("conventum generalem in Wormacia civitate") als auch als Synode bezeichnet. Über den Ablauf, die Beratungen und die konkreten Ergebnisse schweigen die Quellen jedoch vollständig.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Karlmann_I. König Karlmann I. (768-771)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Karlmann_I. König Karlmann I. (768-771)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Turpin_von_Reims Erzbischof Turpin (Reims, 748–794)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Turpin_von_Reims Erzbischof Turpin (Reims, 748–794)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Angilram_von_Metz Bischof, ab 787 Erzbischof Angilram (Metz, 768–791)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Angilram_von_Metz Bischof Angilram (Metz, 768–791)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Utrecht Bischof Gregor (Utrecht (754-775)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Utrecht Bischof Gregor (Utrecht (754-775)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Agilfrid Bischof Agilfried (Lüttich, 769–787)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Agilfrid Bischof Agilfried (Lüttich, 769–787)] <br />
Zeile 309: Zeile 130:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Damenstift_Buchau '''Damenstift Buchau'''] <br />Um 770 gründet Adelindis zusammen mit ihrem Ehemann, dem fränkischen Grafen Warin, auf der Insel Buchau im Federsee ein Frauenkloster. Das Kloster entsteht im Bistum Konstanz und dient der politischen Sicherung und geistlichen Durchdringung des neu gewonnenen Herzogtums Alemannien. Die Gründungslegende erzählt, dass Adelindis, eine hochadelige Frau aus dem Umfeld des karolingischen Hofes, nach dem Tod ihres Mannes an der Stelle, an der er im Kampf gefallen ist, eine Kapelle und ein Kloster errichten lässt und dort später als erste Äbtissin stirbt. In dieser Überlieferung erscheint sie als fromme Stifterin, die ihr Witwenleben in den Dienst Gottes stellt und im Kloster eine Gemeinschaft frommer Frauen um sich sammelt. Neuere Forschungen datieren diese Adelindis um etwa hundert Jahre später, halten aber an der Tatsache fest, dass eine gleichnamige Adelindis, verheiratet mit Graf Warin, als Stifterin des Klosters Buchau gilt und damit die lokale Tradition bestätigt. Auf einer Inschrift über dem Choreingang der Stiftskirche ist die Gründung um 770 ausdrücklich festgehalten, sodass sowohl die schriftliche Überlieferung als auch die kirchliche Erinnerung den frühkarolingischen Ursprung des Klosters hervorheben.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Damenstift_Buchau '''Damenstift Buchau'''] <br />Um 770 gründet Adelindis zusammen mit ihrem Ehemann, dem fränkischen Grafen Warin, auf der Insel Buchau im Federsee ein Frauenkloster. Das Kloster entsteht im Bistum Konstanz und dient der politischen Sicherung und geistlichen Durchdringung des neu gewonnenen Herzogtums Alemannien. Die Gründungslegende erzählt, dass Adelindis, eine hochadelige Frau aus dem Umfeld des karolingischen Hofes, nach dem Tod ihres Mannes an der Stelle, an der er im Kampf gefallen ist, eine Kapelle und ein Kloster errichten lässt und dort später als erste Äbtissin stirbt. In dieser Überlieferung erscheint sie als fromme Stifterin, die ihr Witwenleben in den Dienst Gottes stellt und im Kloster eine Gemeinschaft frommer Frauen um sich sammelt. Neuere Forschungen datieren diese Adelindis um etwa hundert Jahre später, halten aber an der Tatsache fest, dass eine gleichnamige Adelindis, verheiratet mit Graf Warin, als Stifterin des Klosters Buchau gilt und damit die lokale Tradition bestätigt. Auf einer Inschrift über dem Choreingang der Stiftskirche ist die Gründung um 770 ausdrücklich festgehalten, sodass sowohl die schriftliche Überlieferung als auch die kirchliche Erinnerung den frühkarolingischen Ursprung des Klosters hervorheben.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Tello_(Bischof) Bischof Tello (Chur, 759–765)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Tello_(Bischof) Bischof Tello (Chur, 759–765)] <br />
*[[771#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 771]]
*[[771#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 771]] [[Kategorie:Fränkisches Reich]]
 
*'''771:''' Karlmann: Am 4. Dezember 771 stirbt Karlmann überraschend in der Königspfalz Samoussy und wird in Reims bestattet. Nach seinem Tod flieht seine Witwe Gerberga mit den beiden Söhnen zu Desiderius nach Italien, während Karl die Herrschaft über den gesamten fränkischen Raum übernimmt und zum Alleinherrscher wird.
*'''771:''' Turpin: 771 wird König Karlmann I. im Kloster Saint-Remi in einem römischen Sarkophag beigesetzt; als zuständiger Bischof leitet Turpin sehr wahrscheinlich die Bestattungsfeier. Während der langen Alleinregierung Karls des Großen bleibt das Verhältnis zwischen Reims und dem Hof eher kühl, auch wenn Karl mehrere Stiftungen seines Bruders zugunsten von Saint-Remi bestätigt.
*[[772#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 772]]
*'''Mai 772:''' Karl der Große stellt dem Kloster Neustadt unter Abt Megingaud eine Urkunde mit Königsschutz und Immunität aus.​
*'''772:''' Karl der Große beginnt seine Sachsenfeldzüge im Jahr 772, nachdem sein Bruder Karlmann im Dezember 771 stirbt. Karl braucht Missionare und Ausbildungsstätten und nutzt dazu unter anderem das Kloster Neustadt; die fünfzig Mönche aus Würzburg sollen dort für die Mission vorbereitet werden. Im Mai 772 stellt Karl der Große dem Kloster Neustadt am Main unter Abt Megingaud eine Urkunde aus, die Königsschutz und Immunität gewährt.
*'''772:''' Liudger: Konflikte zwischen Angeln und Friesen veranlassen den Diakon Liudger schließlich, von England an das Utrechter Martinsstift zurückzukehren, das er erst nach dem Tod seines Lehrers Gregor von Utrecht im Jahr 775 verlässt.
*'''1. September 774:''' Abt Megingaud wohnt der Weihe der Nazariusbasilika in Lorsch bei und assistiert gemeinsam mit anderen Bischöfen, während Karl der Große anwesend ist.​
*'''774:''' Am 1. September 774 weiht der Mainzer Bischof Lull die Nazariusbasilika in Lorsch, Karl der Große ist anwesend und macht auf seinem Weg von Rom nach Fritzlar dort Station. Bei dieser Weihe assistiert nicht der Würzburger Bischof Berowelf, sondern Megingaud; mit ihm wirken die geistlichen Größen Weomad von Trier und der Hofbischof Angilram von Metz.
*'''774:''' Sturmius: 774 stellt Karl der Große die Abtei Fulda unter Königsschutz und verleiht ihr den Status eines königlichen Eigenklosters beziehungsweise einer Reichsabtei. Im selben Jahr weist Karl der Große der Abtei ein Missionsgebiet an Diemel und Weser zu, in dem Sturmius wirkt. In diesem Zusammenhang gründet Sturmius das Stift St. Bonifatii in Hameln; auch Minden gehört zu diesem Missionsgebiet.
*'''774:''' Wiomad begleitet Karl den Großen auf dessen Feldzug gegen die Langobarden nach Italien.
*'''774:''' Agilfrid: Im Jahr 774 wird Agilfrid laut den Annales Laubacenses von Karl dem Großen mit einer politischen und persönlichen heiklen Aufgabe betraut. Er soll die Haft des langobardischen Königs Desiderius und dessen Frau Ansa organisieren und überwachen. Damit übernimmt Agilfrid eine Rolle, die kirchliche Autorität und königlichen Auftrag miteinander verbindet. Seine Stellung als vertrauenswürdiger Vertrauter Karls zeigt sich darin, dass ihm die Bewachung eines gestürzten Königs anvertraut wird.
*'''775:''' Liudger: Kurz nach Gregors Tod verfasst der Diakon Liudger zu dessen Andenken die Vita Gregorii, eine Lebensbeschreibung seines Lehrers. 775/776 übernimmt Liudger einen ersten Missionsauftrag in Deventer, wo er über dem Grab des Friesenmissionars Lebuin die Kirche neu errichtet.
*'''775:''' Gregor: Am 25. August stirbt Gregor in Utrecht. Er wird in der Abtei Susteren in der Nähe von Maastricht bestattet. Die Reliquie seines Hauptes befindet sich seit 1997 in einer unterirdischen Schatzkammer nahe der Kirche St. Amelberga (Basilica minor) in Susteren; als Reliquienhalter dient eine innen hohle Büste aus dem Jahr 1885, in deren Hohlraum sein Schädel aufbewahrt wird. Zusätzlich werden Knochenreliquien Gregors in der Außenkrypta derselben Kirche aufbewahrt. Gregor wird als Heiliger verehrt. Sein allgemeiner katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 25. August; im Bistum Trier wird seiner am 26. August gedacht, im Bistum Utrecht am 8. November. Die Kaufmannskirche in Erfurt ist ihm geweiht, und in Trier-Pfalzel trägt die örtliche Grundschule seinen Namen. [http://de.wikipedia.org/wiki/Alberich_I._von_Utrecht '''Bischof Alberich (Utrecht, 775–784)''']
*'''775:''' Lullus: 775 stellt er das Kloster Hersfeld unter den Schutz Karls des Großen und damit unter den Schutz der karolingischen Dynastie.
*'''776:''' Liudger: Ab 776 beginnt der Diakon Liudger im friesischen Ostergau mit der Friesenmission, die nach seiner Priesterweihe am 7. Juli 777 in Köln weitergeführt wird.
*'''August 781:''' Eine weitere Urkunde von Karl dem Großen bestätigt den Besitz der Klostermark Neustadt am Main unter Abt Megingaud.​ Am 22. August weiht Megingaud die karolingische Klosteranlage mit der Abteikirche Peter und Paul in Neustadt am Main.​
*'''777:''' Angilram: Als Bischof von Metz wirkt Angilram sowohl in seiner Diözese als auch am fränkischen Königshof. Er nimmt 777 an der Reichsversammlung von Paderborn teil und zählt damit zum engeren Kreis der Bischöfe, die an der Reichspolitik unter Karl dem Großen mitwirken. In Metz setzt er die Reformen seines Vorgängers fort, stärkt die Disziplin des Domklerus und sorgt für eine geordnete Verwaltung der bischöflichen Güter. Seine Beziehungen zu Karl dem Großen sind von praktischem und politischem Vertrauen geprägt, da der König zuverlässige Bischöfe als Berater und Verwaltungsstützen benötigt. Angilram begleitet den Herrscher wiederholt auf Reisen und Reichsversammlungen und wirkt als Mittler zwischen der Metzer Kirche und dem königlichen Hof. In dieser Phase tritt er noch nicht offiziell als Erzkapellan auf, gewinnt aber bereits an Einfluss in der Hofgeistlichkeit.
*'''779:''' Sturmius: 779 begleitet Sturmius Karl den Großen auf einem Feldzug nach Sachsen, wo er erkrankt. Bald nach seiner Rückkehr nach Fulda stirbt er um den 17. Dezember 779 in Fulda. Sein Leben steht insgesamt in der Epoche der kontinentalen Mission des 8. Jahrhunderts, in der er als Schüler des angelsächsischen Missionars Bonifatius die kirchliche Organisation im mainfränkisch‑thüringischen Raum mitgestaltet und für die Unabhängigkeit Fuldas sowie die Sicherung der Bonifatius‑Reliquien kämpft. Nach seinem Tod wird Sturmius im Ostchor der Salvatorbasilika in Fulda bestattet; kurz darauf wird dort auch die Bonifatius‑Nichte Lioba beigesetzt, was einen Übergang von bloßem Totengedenken zur kultischen Verehrung erkennen lässt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Baugulf_von_Fulda '''Abt Baugulf (Fulda, 779–802)''']
*'''780:''' Lullus: Um 780/781 erhält Lullus von Papst Hadrian I. das Pallium und wird erster regulärer Erzbischof von Mainz. In diesem Zusammenhang lässt Lullus eine ältere päpstliche Urkunde zugunsten Kölns verfälschen, um die Metropolstellung von Mainz zu sichern, da es an einer klaren Rechtsgrundlage für eine Mainzer Kirchenprovinz fehlt. In seinen letzten Amtsjahren vollendet Lullus die Kirchenreform des Bonifatius im Frankenreich und trägt maßgeblich zur Christianisierung Hessens und Thüringens bei, wobei er enger mit den fränkischen Königen als mit Rom kooperiert.
*'''780:''' Wiomad: Im Jahr 780 erhebt Bischof Wiomad die Gebeine des heiligen Castor von Karden und überführt sie in die Paulinus-Kirche in Karden. Mit dieser feierlichen Erhebung erkennt er den Kult des heiligen Castor offiziell kirchlich an, was einer heutigen Seligsprechung entspricht. Dadurch stärkt er die Verehrung des Heiligen in der Region und fördert die lokale Pilgertradition.
*'''781:''' Im August 781 stellt Karl der Große eine weitere Urkunde für das Kloster Neustadt aus, in der er den Besitz der Klostermark bestätigt. Am 22. August 781 erfolgt die Weihe der karolingischen Klosteranlage mit der Abteikirche Peter und Paul an der „neuen Stätte“ (Nivenstat, Nuovenstatt); Karl der Große nimmt daran teil. Auch die Bischöfe Willibald von Eichstätt und Lullus von Mainz sind bei dieser Weihe anwesend.
*'''782:''' Der Diakon Arn (und spätere Bischof) ist Benediktinermönch im Kloster des heiligen Amandus in Elno (später Saint-Amand-les-Eaux) in der Grafschaft Flandern. Am 26. Mai 782 übernimmt Arn das Amt des Abtes im Kloster Elno.
*'''782:''' Johannes bleibt bis zu seinem Tod Bischof von Konstanz sowie Abt von St. Gallen und Reichenau. Nach den Einträgen im Reichenauer Nekrolog stirbt er am 9. Februar 782 in Konstanz. [http://de.wikipedia.org/wiki/Egino_von_Konstanz '''Bischof Egino (782–811)], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ratpert_(Abt) '''Abt Ratpert (St. Gallen, 782)'''], [http://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_von_Reichenau '''Abt Petrus (Reichenau, 782–786)''']
*'''26. September 783:''' Abt Megingaud: Am 26. September 783 stirbt Megingaud in Neustadt am Main. Zunächst wird er in Neustadt bestattet, später wird sein Sarg in den Würzburger Salvator-Dom überführt, die spätere Neumünsterkirche. Im 14. Jahrhundert wird sein Sarkophag in der Neumünsterkirche sichtbar aufgestellt; die Versinschrift auf der Sargplatte gilt als die älteste erhaltene Monumentalinschrift Frankens nach der Römerzeit. Die Inschrift preist Megingoz als zweiten Leiter des Ortes, den Bonifatius selbst zu Bischofsehren geführt hat, als frommen Hirten und nennt ausdrücklich sein Sterbedatum, den sechsten Tag vor den Kalenden des Oktober, also den 26. September.
*'''783:''' Thomas: Thomas stirbt am 27. September 783 in Mailand. Seine Bestattung erfolgt in der Basilika San Lorenzo Maggiore, einer der bedeutenden Kirchen der Stadt. In der Ambrosianischen Kirche wird Thomas als Heiliger verehrt, auch wenn sein Name nicht im Römischen Martyrologium verzeichnet ist. Ein Gemälde, das ihn darstellt, befindet sich im Diözesanmuseum bei der Basilika Sant’Eustorgio in Mailand. [https://it.wikipedia.org/wiki/Pietro_I_(arcivescovo_di_Milano) '''Erzbischof Peter I. (783-801)''']
*'''783:''' Agilfrid: Zwischen 783 und 787 weiht Agilfrid nach neuerer Forschung wahrscheinlich die erste Kirche in Osnabrück. Diese erste Kirche besteht aus Holz und dient bei der Errichtung der Diözese Osnabrück als Bischofssitz. Mit dieser Kirchweihe trägt Agilfrid zur kirchlichen Organisation und Missionierung in den nördlichen Gebieten des Frankenreiches bei. Die Handlung steht im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Christentums und der festeren Einbindung der Region in das fränkische Reich.
*'''784:''' Angilram: Um 784 ernennt Karl der Große Angilram zum Erzkapellan (Erzkaplan) seines Hofes, also zum obersten Leiter der Hofkapelle und der am Hof tätigen Geistlichen. In dieser Funktion ist Angilram auch Beichtvater des Königs, berät ihn in kirchlichen Fragen und begleitet ihn regelmäßig auf militärische Feldzüge. Der Papst gewährt ihm eine Dispensation von der Residenzpflicht, damit Angilram dauerhaft am Hofe bleiben kann, obwohl er formal weiterhin Bischof von Metz bleibt.
*'''784:''' Liudger: 784 unterbricht die Sachsenerhebung unter Widukind seine Arbeit, und der Priester Liudger tritt eine Pilgerreise nach Rom an. Zwischen 784/785 und 787 hält er sich im Kloster Montecassino auf, bevor er nach Friesland zurückkehrt.
*'''786:''' Lullus: Am 16. Oktober 786 stirbt Lullus in Hersfeld und wird in der von ihm geförderten Abtei Hersfeld bestattet. Am 7. April 852 wird Lullus heiliggesprochen; sein Gedenktag ist der 16. Oktober. Zwischen 1063 und 1073 verfasst Lampert von Hersfeld die „Vita Lulli“, die Lullus’ Verehrung fördert und ihn zusammen mit Wigbert zum Hauptpatron der Abtei macht.
*'''787:''' Angilram: Spätestens seit 787 trägt er, ähnlich wie einst Chrodegang, den persönlichen Titel eines Erzbischofs. Dieser Titel erhöht sein Prestige, ohne dass Metz tatsächlich Sitz einer eigenen Kirchenprovinz wird.
*'''787:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Hildebold_von_K%C3%B6ln '''Bischof Hildebold von Köln, 787-795, Erzbischof 795–818)''']
*'''787:''' Liudger: 787 ernennt Karl der Große den Priester Liudger zum Missionsleiter für das mittlere Friesland und überträgt ihm Leitung und Besitz des Petrusklosters zu Lothusa (Leuze).
*'''787:''' Agilfrid: Am 13. Dezember 787 endet das Leben Agilfrids als Bischof von Lüttich. Er stirbt in seinem Amt, nachdem er seit 769 die Diözese geleitet hat. Nach seinem Tod folgt ihm Gerobald als neuer Bischof von Lüttich nach. Agilfrid hinterlässt das Bild eines angesehenen fränkischen Bischofs, der sowohl an Klosterreformen als auch an der Reichspolitik und der Missionstätigkeit beteiligt ist. [Gerobald: nur Name vorhanden]
*'''788:''' Angilram: Um 788 überträgt Karl der Große ihm zusätzlich die Abtei Herrenchiemsee (Chiemsee) im neu gewonnenen bairischen Gebiet, obwohl sie geographisch weit von Metz entfernt ist. Angilram nimmt damit zugleich die Rolle eines Abtes in mehreren Klöstern ein und vereinigt Bischofsamt, Erzkapellansamt und Abtswürde in seiner Person. Angilram interessiert sich besonders für Geschichtsschreibung und Liturgie und fördert entsprechende Projekte. Er veranlasst den Gelehrten Paulus Diakonus, das Werk „Liber de episcopis Mettensibus“, die Geschichte der Bischöfe von Metz, zu verfassen, das zum Vorbild vieler späterer mittelalterlicher Bischofsgeschichten wird. Außerdem lässt er Donatus das Leben des heiligen Trudo von Saint-Trond schreiben, wobei Donatus ihn ausdrücklich als seinen Lehrer bezeichnet. In der Liturgie greift Angilram in die „Regula canonicorum“ des Chrodegang ein und fügt drei neue Abschnitte hinzu, unter anderem zur Feier der Pfingstoktav. Die älteste Fassung der „Ordines Romani“, liturgischer Ordnungen römischer Prägung, wird in der Forschung ebenfalls seinem Einfluss zugeschrieben. Angilram lässt zudem eine großformatige, einbändige Bibel herstellen, die als eine der ersten einbändigen Bibeln der karolingischen Renaissance gilt, später aber im 20. Jahrhundert verloren geht. Im Jahr 788 begleitet Angilram Karl den Großen nach Regensburg, wo der König den bayerischen Herzog Tassilo III. absetzt. Kurz nach dieser Entmachtung erhält Angilram im Namen der Diözese Metz das Kloster Chiemsee im neu gewonnenen bayerischen Gebiet, was als besonderes Zeichen königlichen Vertrauens gilt. Durch diese Übertragung übernimmt er die Aufsicht über ein weit entferntes Kloster und dehnt den Einfluss des Bistums Metz in das östliche Reichsgebiet aus. Angilram wirkt zugleich als Abt von Senones und von Sint-Truiden und verwaltet damit mehrere bedeutende Klöster neben seinem Bischofsamt. Seine Beziehungen zum König bleiben vor allem praktisch und politisch orientiert, da er an der Reichskirchpolitik beteiligt ist und in königlichen Angelegenheiten als erfahrener Ratgeber dient. In seiner Diözese setzt er die Reformen für Klerus und Klosterwesen fort und prägt dadurch das kirchliche Leben im Raum Metz nachhaltig.
*'''791:''' Liudger: Um 791 reist der Priester Liudger nach Helgoland, während weiter die Friesenmission läuft.
*'''791:''' Wiomad schließt sich Karl dem Großen nach 774 erneut an, als dieser gegen die Awaren zieht. Während dieses Feldzugs stirbt Wermad sehr wahrscheinlich; sein Tod wird für das Jahr 791 angenommen, das genaue Datum bleibt unbekannt. Nach seinem Tod folgt ihm Richbod als Bischof von Trier nach und führt die von ihm geprägte Bistumstradition fort. Sein Wirken bleibt vor allem durch seine Rolle als Bischof von Trier, als Mitgründer der Abtei Lorsch und durch die Förderung des Kultes des heiligen Castor in Erinnerung. [http://de.wikipedia.org/wiki/Richbod '''Erzbischof Richbod (791–804)''']
*'''791:''' Angilram: Angilram stirbt im Oktober 791, nach verschiedenen Überlieferungen am 23., 25. oder 26. Oktober, wobei in der deutschsprachigen Forschung meist der 26. Oktober angegeben wird. Mit seinem Tod endet eine lange und einflussreiche Amtszeit, in der er seit 768 Bischof von Metz und seit den 780er Jahren Erzkapellan am Hof Karls des Großen ist. Die Diözese Metz bleibt nach seinem Tod längere Zeit ohne regulären Bischof, während der König die bischöflichen Güter treuhänderisch verwaltet. Später übernimmt Drogo, ein unehelicher Sohn Karls des Großen, den Bischofsstuhl von Metz, nachdem die Phase der Vakanz beendet ist. Die „Capitula Angilramni“, die angeblich Papst Hadrian I. im Jahr 786 an Angilram übergibt, erweisen sich in der Forschung jedoch als spätere Fälschung aus dem Umfeld der Pseudoisidorischen Dekretalen und entstehen erst zwischen 847 und 853. In der römisch-katholischen Kirche gilt Angilram als Heiliger; sein Gedenktag ist der 25. Oktober, und in der hagiographischen Tradition zählt er zu den sieben heiligen Bischöfen von Metz, deren gemeinsamer Gedenktag am 28. Oktober gefeiert wird.
*'''792:''' Liudger: 792 kommt es zu einem Sachsen- und Friesenaufstand, der vermutlich dazu führt, dass Karl der Große den Priester Liudger die Missionsleitung im westlichen Sachsen überträgt. Um Münster entsteht daraufhin ein Missionsbistum mit ausgedehntem Pfarrsystem, ausgehend vom 793 von Liudger gegründeten Kanonikerstift. In Nottuln lässt er eine Kirche erbauen und fördert dort vermutlich die Gründung einer Gemeinschaft von Sanktimonialen, während er zugleich den Kontakt zu seinem friesischen Missionsgebiet bewahrt.
*'''794:''' Turpin: Am 1. September 794 stirbt Turpin in Reims, über die Jahre danach ist über das Erzbistum Reims nur sehr wenig bekannt, erst im Jahr 816 tritt wieder ein Erzbischof (Ebo) an, über den mehr bekannt ist.
*'''794:''' Berowelf bleibt von Anfang 769 bis zu seinem Tod Bischof von Würzburg. Sein Episkopat umfasst damit rund ein Vierteljahrhundert, in dem er das Bistum kirchlich, politisch und territorial nachhaltig prägt. Am 29. September 794 stirbt Berowelf. Mit seinem Tod endet eine Epoche, in der die Würzburger Kirche ihre Stellung im karolingischen Reich festigt und durch Mission, Erwerbungen und den Ausbau der Bischofsstadt neue Konturen erhält. Sein Nachfolger im Bischofsamt wird Gumbert, der die Leitung des Bistums übernimmt und auf den von Berowelf geschaffenen Strukturen aufbaut. In der Rückschau erscheint Berowelf als energischer, mitunter umstrittener Bischof, der gleichzeitig als Missionar, Organisator und Bauherr wirkt und die weitere Geschichte Würzburgs im frühen Mittelalter maßgeblich beeinflusst. [http://de.wikipedia.org/wiki/Gumbert_(W%C3%BCrzburg) '''Bischof Gumbert (794–795)''']
*'''796:''' Liudger: Seit 796 betreibt der Priester Liudger im Raum Werden systematisch Gütererwerb, um eine spätere Klostergründung vorzubereiten. Er plant, eine eigene geistliche Gemeinschaft zu errichten, und erhält dazu aus Rom Reliquien von Salvator, Maria und den Aposteln. Frühere Versuche von Klostergründungen in Wierum, Wichmond und an der Erft scheitern, doch an der unteren Ruhr gelingt ihm das Vorhaben
*'''798:''' Liudger: Zum Ende der Sachsenkriege begleitet Liudger 798 Karl den Großen einmal auf einem Feldzug nach Minden, bleibt ansonsten aber einer friedlichen Missionsweise verpflichtet.
*'''800:''' Liudger: Um 800 gründet der Priester Liudger auf seinem erworbenen Besitz das Eigenkloster Werden, das lange von seinen Verwandten, den Liudgeriden, geleitet wird; er ist zugleich der erste Abt des Klosters
*'''805:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Liudger '''Bischof Liudger (805–809)'''] Parallel dazu entwickelt sich das künftige Bistum Münster weiter, und am 30. März 805 weiht Erzbischof Hildebold von Köln den Abt Liudger zum ersten Bischof von Münster, womit das Bistum sichtbar der Kölner Kirchenprovinz eingegliedert ist. In seiner Mission im westlichen Sachsen, dem Gebiet des heutigen westlichen Westfalen mit vielen kleinen Stämmen, setzt Liudger auf Predigt und Überzeugungsarbeit statt auf Zwangsbekehrung. Er vermeidet Kriegshandlungen, kehrt aber nach Eroberung neuer Gebiete dorthin zurück, um missionarisch zu wirken und so das christliche Territorium ohne Gewalt zu vergrößern. Sein Missionsstil unterscheidet sich damit deutlich von den zwangsweisen Maßnahmen Karls des Großen, der teilweise „mit Feuer und Schwert“ missionieren lässt. In seinen letzten Lebensjahren bereist Liudger seinen Bistumssprengel mehrfach.
*'''809:''' Liudger: Am Passionssonntag 809 feiert er in Billerbeck seine letzte heilige Messe, nachdem er von Coesfeld kommend auf dem Weg dorthin das Münsterland gesegnet hat, an einer Stelle, die später Ludgerirast heißt. In der Nacht zum 26. März 809 stirbt er in Billerbeck im Kreis seiner Brüder an der Stelle, wo sich heute der Südturm der Propsteikirche St. Ludgerus erhebt. Sein Leichnam wird zunächst nach Münster überführt und dort aufgebahrt. Am 28. April wird Liudger gemäß seinem letzten Willen nach Werden überführt und östlich der ersten Abteikirche außerhalb der Kirche in der Nähe des Hauptaltars bestattet. Ein inzwischen gefällter Baum markiert nach der Altfrid-Vita jene Stelle, von der aus Liudger zuvor die Bauarbeiten verfolgt hat, und im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts entsteht über diesem Grabort, dem locus arboris, die Krypta der Abteikirche.
*'''816:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Ebo_von_Reims '''Erzbischof Ebo (Reims, 816–835, Bischof von Hildesheim 845–851)''']
*'''816:''' [https://de.wikipedia.org/wiki/Gondulf_von_Metz '''Bischof Gondulf (Metz, 816–823)''']
*'''818:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Eigil_von_Fulda '''Abt Eigil (Fulda, 818–822)'''] Eigils Leben bis 818: Eigil wird um 750 in Bayern in eine bairische Adelsfamilie geboren, Er ist mit Abt Sturmius verwandt, der sein Onkel ist. Noch im Kindesalter übergeben ihn seine Eltern als Oblaten dem Kloster Fulda, wo er unter Sturmius Schüler wird. Er wird Propst und fungiert als Schöffe im Abtsgericht. Unter Abt Ratgar entsteht im Kloster Fulda eine existenzbedrohende Krise. Ratgar führt ein hartes, kompromissloses Regiment, greift in die überlieferten Consuetudines ein und betreibt ein forciertes Bauprogramm. Eigil gehört in dieser Krise zu den Gegnern Ratgars. Er zählt zu den Verfassern des gegen Ratgars Amtsführung gerichteten Beschwerdebriefs, des Supplex Libellus, und gehört zu einer Gruppe von Mönchen, die auf dem Höhepunkt des Streits aus dem Kloster flieht. Nach der Absetzung Ratgars beginnt ein Interregnum in Fulda. Auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen wird in dieser Zeit die Reform Benedikts von Aniane im Kloster eingeführt. Er folgt ihr jedoch nicht in allen Einzelheiten und lässt zum Beispiel weiterhin die Außenposten des Klosters von Mönchen und nicht – wie vorgeschrieben – von Laien verwalten. - Im Jahr 818 wird Eigil vierter Abt des Klosters Fulda. Er entwickelt einen kooperativen Führungsstil und setzt ausgleichende Maßnahmen ein. Eigil greift auf die integrativen Reformideen Benedikts von Aniane zurück. Er verbindet altmonastische Spiritualität, Askese, benediktinische Tradition und Reformgedanken und trägt so zur Überwindung der Krise bei. Unter seiner Leitung kommt es zu einer Versöhnung zweier Gruppen: der an einem idealen, asketischen Einsamkeitskloster festhaltenden Traditionalisten und der gegenüber den Neuerungen der karolingischen Renaissance in Bildung, Kunst und Kultur aufgeschlossenen Gruppierung. Obwohl er zuvor Gegner Ratgars ist, setzt sich Eigil als Abt später für dessen Begnadigung ein. Er bewirkt, dass Ratgar in das Fuldaer Nebenkloster Frauenberg zurückkehren darf. Wahrscheinlich ernennt Eigil den Leiter der Klosterschule, Hrabanus Maurus, mit dem er bei Bau- und liturgischen Projekten eng zusammenarbeitet, zum Propst und präsumptiven Nachfolger. Hrabanus repräsentiert den neuen geistigen Aufbruch im Kloster. Unter Eigils kurzem Abbatiat blüht das Klosterleben auf. Es entstehen die Voraussetzungen dafür, dass Fulda unter seinem Nachfolger Hrabanus Maurus zu einem der bedeutendsten Zentren geistiger Kultur aufsteigt. - Eigil verfasst im Vorfeld der 820 durchgeführten Translation der Gebeine des Gründerabtes Sturmi dessen Biographie. Dieses Werk trägt den Titel Vita Sturmi primi abbatis et fundatoris Fuldensis coenobii. Er veranlasst den Fuldaer Mönch Brun Candidus zur Abfassung der Vita des zweiten Fuldaer Abtes Baugulf. Damit begründet Eigil die Fuldaer Vitenreihe, die die ersten fünf Äbte Sturmi, Baugulf, Ratgar, Eigil und Rabanus Maurus sowie die Fuldaer Heiligen Bonifatius und Lioba umfasst. Fuldaschüler, die aus diesem geistigen Umfeld hervorgehen, sind unter anderem Ermenrich von Ellwangen, der den Sermo de Vita B. Soli über den Einsiedler Sola von Solnhofen verfasst, der Kaiserbiograf Einhard und Walahfrid Strabo. Walahfrid Strabo verfasst und ediert zahlreiche Viten wie die Vita S. Galli, Vita Mammae, Vita Blaithmaic, Vita S. Otmari sowie Einhards Vita Karoli und Thegans Gesta Hludowici. - Eigil vollendet die von seinen beiden Vorgängern begonnene Salvator-Basilika in Fulda. Diese Kirche heißt nach ihrem Erbauer später meist Ratgar-Basilika. Er lässt in diese Basilika nachträglich zwei Krypten einbauen, die zu den frühesten Hallenkrypten zählen. Zugleich fördert er damit die klösterliche Memoria und die liturgische Nutzung des Kirchenraums. Außerdem lässt Eigil eine Friedhofskapelle errichten, die Hrabanus Maurus konzipiert. Es entsteht die Michaelskirche, ein Zentralbau über acht Säulen mit Schlussstein in der Kuppel oder im Gewölbe und einer Krypta, die über einer Mittelsäule mit jonisierendem Kapitell gewölbt ist. - Um den Kult des Gründerabtes Sturmius, seines Verwandten, kümmert sich Eigil besonders. Er lässt dessen Grab im südlichen Seitenschiff der Salvator-Basilika neu anlegen, ordnet seine Translation und gestaltet seine liturgische Memoria neu. Zu dieser erneuerten Memoria zählt auch die Lesung der von Eigil verfassten Vita Sturmi während der Liturgie. Wahrscheinlich steht diese Einzelmaßnahme im Zusammenhang mit einer Liturgiereform, in deren Rahmen ein von Hrabanus Maurus kompiliertes Sakramentar, ein Gregorio-Gelasianum mixtum, in Fulda eingeführt wird. - Eigil beginnt außerdem mit dem Bau eines neuen Konventsgebäudes. Dieses Gebäude kann er jedoch vor seinem Tod nicht mehr fertigstellen.
*'''864:''' Überführung der Gebeine Rigoberts nach Reims.
*'''872:''' Beisetzung der Gebeine Rigoberts in der Kirche Saint-Thierry zu Reims; Teile der Reliquien gelangen später nach Paris. Gedenktag: 4. Januar.
*'''zuletzt 770'''


Herzogtum Gascogne
Herzogtum Gascogne


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Lupus_II._(Gascogne) Herzog Lupus II. (768-778)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Lupus_II._(Gascogne) Herzog Lupus II. (768-778)] <br />
*'''778:''' Um das Jahr 778 stirbt Lupus II. vermutlich. Seine genaue Verwandtschaft zu den vorangegangenen Herzögen von Aquitanien‑Vasconia und zu seinen Nachfolgern ist nicht eindeutig zu klären. Dennoch erscheint es aufgrund der Patronyme plausibel, ihn mit den späteren gascognischen Herzögen in eine Familienlinie zu stellen. Aus den erhaltenen Nachrichten ergibt sich, dass er Vater mehrerer Söhne ist: Sancho, Seguin, Centulle und García (auch Garsand genannt). Bis auf García, der 819 in einer Schlacht gegen Berengar von Toulouse fällt, herrschen alle seine Söhne zu irgendeinem Zeitpunkt über die Gascogne. Centulle ist dabei der Vater von Lupus III., der den Namen des Großvaters weiterträgt und so die Namenslinie fortsetzt. Möglicherweise hat Lupo II. noch einen weiteren Sohn namens Adalric, der in der Regierungszeit des Chorso von Toulouse in den Quellen erscheint. So setzt seine Familie nach seinem Tod die herzogliche Herrschaft in der Gascogne fort, auch wenn die genauen genealogischen Zusammenhänge im Einzelnen umstritten bleiben.
*[[780#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 780]]
*'''800:''' [https://fr.wikipedia.org/wiki/Sanche_Ier_Loup_de_Vasconie '''Herzog Sancho I. (800-812)''']
*zuletzt 768'''


Herzogtum Baiern
Herzogtum Baiern
Reihenfolge der Städte:
Regensburg, Bayern, Oberpfalz (49° 01′ N)
Eichstätt, Bayern, Oberbayern (48° 53′ N)
Freising, Bayern, Oberbayern (48° 24′ N)
Passau, Bayern, Niederbayern (48° 34′ N)
Augsburg, Bayern, Schwaben (48° 22′ N)


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III. Herzog Tassilo III. (748–788)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Tassilo_III. Herzog Tassilo III. (748–788)] <br />
Zeile 390: Zeile 147:
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikterp Bischof Wikterp (Augsburg, 739-772)] <br />
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikterp Bischof Wikterp (Augsburg, 739-772)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Virgil_von_Salzburg Bischof Virgil (Salzburg, 746–784)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Virgil_von_Salzburg Bischof Virgil (Salzburg, 746–784)] <br />
*[[772#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 772]]​
*[[772#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 772]]​ [[Kategorie:Herzogtum Baiern]]
 
*'''772:''' Tassilo: 772 taufen Papst Hadrian I. in Rom Tassilos Sohn Theodo und salben ihn, was den hohen Rang der Familie und die Einbindung in die päpstliche Politik zeigt. 772 unterwirft Tassilo die Karantanen im Osten und erweitert damit seinen Machtbereich, zugleich dient diese Expansion der Missionierung der Slawen.​ Über das südliche Tirol, das er wohl als Mitgift seiner Frau Liutberga erhält, gewinnt er die Herrschaft und erlangt die Kontrolle über das Bistum Säben; damit verfügt er über Gebiete außerhalb des fränkischen Machtbereichs. - 772 folgt die Gründung des Stifts Niedernburg in Passau, das seine kirchenpolitische Präsenz an der Donau stärkt.
*'''772:''' Willibald: Beim Bau der Vierungskirche des Klosters Neustadt am Main in den Jahren 772 bis 781 dient Willibalds Bischofskirche in Eichstätt als architektonisches Vorbild.​
*'''772:''' Arbeo verlegt das Kloster Scharnitz nach Schlehdorf am Kochelsee.
*'''772:''' Nach einer Überlieferung stirbt Wikterp am 18. April 771 in Augsburg, andere Angaben setzen seinen Tod allgemein in die Zeit um 772 bzw. zwischen 749 und 752 an; die exakte Datierung bleibt unsicher. Bekannt ist, dass er in Epfach bestattet wird, was die Verbindung zu seinem mutmaßlichen Herkunftsort unterstreicht. [http://de.wikipedia.org/wiki/Tozzo '''Bischof Tozzo (Augsburg, 772–778)''']
*[[774#FRÄNKISCHES_REICH | Fortsetzung 774]]​
*'''774:''' Tassilo: Mit der Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen 774 verliert Tassilo seinen wichtigsten Bündnispartner, was seine außenpolitische Lage deutlich schwächt.​ Herzog bleibt er zunächst, doch Karl nutzt die politische Lage, um den bayerischen Handlungsspielraum zu begrenzen und die fränkische Oberhoheit durchzusetzen.
*'''777:''' Tassilo: 777 gründet er das Stift Kremsmünster, das später zu einem wichtigen geistlichen und kulturellen Zentrum Baierns wird. Ebenfalls 777 entsteht der Legende nach das Kloster Neresheim, das ihm zugeschrieben wird, auch wenn die Überlieferung nicht eindeutig ist.​ Zwischen 777 und 784 erfolgt die Stiftung von Mattsee, das als weiteres Baustein seiner herzoglichen Klosterpolitik erscheint
*'''777:''' Willibald: Am 24. September 777 erhebt Willibald die Gebeine seines Bruders Wunibald, der schon am 18. September 761 in Heidenheim in seiner Gegenwart stirbt
*'''777:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Waldrich_von_Passau '''Bischof Waldrich (Passau, 777–804)''']
*'''778:''' Willibald: am 24. September 778 weiht er die neue Klosterkirche in Heidenheim und beurkundet im gleichen Jahr das Testament des Straßburger Bischofs Remigius
*'''778:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Simpert '''Bischof Simpert (Augsburg, 778–807)'''] Simpert wird um das Jahr 750 geboren, vermutlich in adeligen fränkisch‑bayerischen Kreisen, Simpert kann ein Neffe des Herrschers sein. Spätestens 778 überträgt Karl der Große Simpert das Amt des Bischofs von Augsburg, nachdem Bischof Tozzo, der aus dem Elsass an den Lech kommt, mutmaßlich in diesem Jahr gestorben ist. Augsburg liegt in dieser Zeit im Spannungsfeld der Kämpfe der Franken mit den Bayern und den weiter östlich lebenden Awaren. 788 setzt Karl der Große den Bayernherzog Tassilo III. wegen Treueverletzung ab und gliedert das Herzogtum Bayern in das Frankenreich ein, was die politische Lage von Simperts Bistum grundlegend verändert.
*'''779:''' Arbeo gründet das Kloster Schliersee in Oberbayern.​
*'''779:''' Willibald: am 25. Februar 779 (unsicher datiert) bestattet er seine verstorbene Schwester Walburga in Heidenheim, woraufhin er zumindest zeitweise die Leitung beider Konvente übernimmt.
*'''780:''' Der 780 von Tassilo gestiftete Tassilokelch bleibt als kostbarster erhaltene Besitzgegenstand mit seinem Namen verbunden.​ Ihm und seiner Familie wird der sogenannte Tassilopsalter gewidmet, der sein geistliches Nachwirken unterstreicht.
*'''780:''' Willibald: Um 780 entsteht zu Lebzeiten Willibalds als viertes Kloster seines Bistums das Kloster Herrieden.
*'''781:''' Willibald: Am 22. August 781 nimmt Willibald an der Weihe der neuen Benediktinerabtei in Neustadt am Main teil, wo neben Karl dem Großen und Megingaud auch er und Lullus von Mainz in der Stiftungsurkunde erscheinen.
*'''781:''' Thomas: Thomas steht in enger Verbindung mit Karl dem Großen. Bereits vor 781 krönt er Karl im Dom von Monza zum König der Franken und salbt dessen Söhne Pippin und Ludwig zu Fürsten. Am 2. Juni 781 bittet Karl der Große, noch nicht als Kaiser gekrönt, Thomas darum, seine Tochter Gisela zu taufen. Karl nimmt persönlich an dieser Tauffeier teil, was die hohe Wertschätzung zeigt, die er dem Erzbischof von Mailand entgegenbringt. Im Gegenzug erkennt Karl der Große den Bischöfen von Mailand das Vorrecht zu, künftige fränkische Könige zu krönen. Dadurch gewinnt der mailändische Episkopat ein dauerhaftes politisch‑zeremonielles Gewicht im fränkischen Herrschaftsgebiet.
*'''782:''' Tassilo: 782 gründet Tassilo das Kloster Frauenchiemsee, das auf einer Insel im Chiemsee liegt und die Christianisierung und Erschließung des Raums fördert.
*'''784:''' Willibald: Am 25. März 784 beurkundet Willibald eine Schenkung der Äbtissin Emhilt von Milz an das Kloster Fulda.
*'''784:''' Arbeo stirbt am 4. Mai und wird in Freising beigesetzt.​ Sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 4. Mai und in Freising ist ihm die Aribostraße gewidmet. [http://de.wikipedia.org/wiki/Atto_von_Freising '''Bischof Atto (Freising, 783/784–810/811)''']
*'''784:''' Virgil: Nach fast vier Jahrzehnten im Bischofsamt stirbt Virgil am 27. November 784 in Salzburg und wird im Dom bestattet. Am 11. Februar 1181 stößt Erzbischof Konrad III. beim Bau des romanischen Doms auf ein vermauertes Grab, in dem sich Virgils Gebeine mit Bild und Inschrift befinden. Am 18. bzw. 10. Juni 1233 wird Virgil offiziell heiliggesprochen, und 1288 erhält er einen Altar im Salzburger Dom, über dem seine Gebeine neu beigesetzt werden. Seitdem verehrt man ihn als Diözesanpatron, feiert sein Gedächtnis vor allem am 27. November und stellt ihn meist als Bischof mit Kirchen- oder Dommodell dar.
*'''785:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Arn_von_Salzburg '''Bischof Arn von (Salzburg 785–798), Erzbischof Arn (Salzburg, 798-821)'''] 785 beruft Tassilo III. ihn als Nachfolger Virgils zum Bischof von Salzburg; am 11. Juni 785 empfängt er die Bischofsweihe. Arn wirkt gleichzeitig als Abt des Klosters Sankt Peter in Salzburg. Er entsendet einen Missionspriester namens Ingo mit 13 weiteren Priestern nach Karantanien, die dort von 785 bis 798 wirken. Arn fördert in Salzburg und im Kloster Saint-Amand Wissenschaft und Kunst. Er pflegt enge Freundschaften mit den Gelehrten Alkuin und Angilbert. Arn lässt in Salzburg eine Bibliothek anlegen und gibt die Aufzeichnung der Geschichte Salzburgs in den Annales Juvavenses maximi in Auftrag.
*'''786:''' Willibald: Am 8. Oktober 786 überträgt er weitere Besitztümer an das Kloster Fulda und stiftet für sich ein Totengedächtnis.​ Heinrich Wagner sieht darin ein starkes Indiz, dass der im Fuldaer Totenannalen des Jahres 788 genannte Bischof „Pacificus“ mit Bischof Willibald von Eichstätt identisch ist.
*'''787:''' Tassilo: 787 degradiert Karl den Großen Tassilo aus politischen Gründen zum Lehnsmann, wobei als Vorwürfe insbesondere das Bündnis mit den Langobarden zur Sicherung bayerischer Eigenständigkeit und später angebliche Verhandlungen mit den Awaren genannt werden.
*'''787:''' Am 7. Juli 787 oder 788 stirbt Willibald hochbetagt in Eichstätt und wird im Chor seines Domes bestattet; sein Nachfolger im Bischofsamt ist Gero/Gerhoh/Gerbo. Am 22. April 989 erhebt Bischof Reginold seine Gebeine, womit Willibald heiliggesprochen ist, und bestattet sie in einer westlich des Domes gelegenen neuen Außenkrypta.​ 1256 erfolgt unter Bischof Heinrich IV. eine Umbettung seiner Reliquien in das Schiff des Domes, 1269 die Bestattung in einem steinernen Schrein im Westchor, und 1745 werden die Reliquien erneut umgesetzt; seit der 1000-Jahr-Feier des Bistums 1745 ruhen sie in einem Glaskasten in einem Marmor-Hochsarkophag im Willibaldchor.​ 1514 schafft der Bildhauer Loy Hering eine Statue Willibalds vor dem Altar zum Mittelschiff des Domes hin. Über Jahrhunderte bleibt die Verehrung Willibalds im Unterschied zu Walburga im Wesentlichen auf seine Diözese beschränkt, und in der Kunst erscheinen als seine Attribute vor allem Bischofsstab, Buch (Regel Benedikts) und das erst später aufkommende Rationale.​ Im Spätmittelalter, in Zeiten von Seuchen und Hungersnöten, wird Willibald zusammen mit Walburga als Schutzheiliger neu entdeckt, und es entstehen zahlreiche ihm geweihte Wallfahrtskirchen und -kapellen.​ Seit 1712 findet bei der Wallfahrtskirche St. Willibald in Jesenwang jährlich der Willibald-Ritt mit Pferdesegnung statt, der an die nach Fürbitte Willibalds abgewendete Tierseuche erinnern soll; hier gilt er als Viehpatron. Darüber hinaus trägt eine Reihe von Gebäuden und Einrichtungen seinen Namen, darunter Willibaldsburg, Willibaldsbrunnen, das Willibald-Gymnasium und das Collegium Willibaldinum, und der Sedisvakanztaler des Bistums Eichstätt zeigt Willibald mit Walburga als Schutzpatrone auf den Wolken.
*'''787:''' Arn: 787 reist Arn nach Rom zu Papst Hadrian I. und versucht dort, zugunsten Herzog Tassilos zu vermitteln.
*'''788:''' Tassilo: Um 788 werden Kloster Münchsmünster und das Stift Niedermünster gegründet oder neu geordnet, was zeitlich bereits in die Phase seines politischen Niedergangs fällt. - 788 stellt Karl Tassilo in der Ingelheimer Pfalz in einem lehnsrechtlichen Prozess wegen der angeblichen Pflichtverletzung von 763 und wegen Hochverrats durch Kontakte zu den Awaren vor Gericht; anwesend sind auch seine eigenen Landsleute.​ Tassilo wird zunächst zum Tod verurteilt, dann begnadigt und endgültig in die Abtei Jumièges verbannt, was Karl ein gesichertes Aufmarschgebiet gegen die Awaren verschafft.​ Beweise für eine tatsächliche Schuld Tassilos lassen sich nicht erbringen; der Prozess erscheint als politisch motiviertes Instrument zur Ausschaltung eines mächtigen Verwandten.​
*'''788:''' 788 kommt es in Ingelheim zum Sturz und zur Verurteilung Tassilos, die Arn nicht verhindern kann. Nach dem Sturz des Herzogs wird Arn ein Freund und Vertrauter Karls des Großen. Nach 788 lässt Arn die Notitia Arnonis anfertigen, ein Verzeichnis der Besitztümer Salzburgs, das Karl der Große 790 bestätigt.
*'''789:''' Simpert: Zwischen 789 und 792 ist ein „Sintpert“ als Abt des Klosters Murbach im Elsass bezeugt; wegen Namensgleichheit und der wenigen gleichnamigen Bischöfe gilt es als relativ wahrscheinlich, dass es sich um denselben Simpert von Augsburg handelt. Ab 789 übt Simpert angeblich gleichzeitig das Amt des Bischofs von Neuburg‑Staffelsee aus, und ein päpstliches Schreiben vom 11. April 800 bezeichnet ihn ausdrücklich als „Bischof von Staffelsee“. Er soll zudem Abt des Klosters Staffelsee auf der Insel Wörth sein, auch wenn zur Geschichte dieses Bistums nur wenige Dokumente erhalten sind.
*'''791:''' Tassilo: Karl der Große hält sich in den Wintern 791 bis 793 in der ehemaligen bayerischen Herzogsstadt Regensburg auf, um die Eingliederung Baierns in das Fränkische Reich zu sichern und seine Herrschaft vor Ort zu festigen. Als Nachfolger in der bayerischen Herrschaft setzt er seinen Schwager Gerold, einen fränkisch-alamannischen Grafen und Bruder seiner dritten Ehefrau Hildegard, als Präfekten ein
*'''791:''' Arn: Seit 791 wirkt Arn als einer von zwölf erwählten Gesandten des Königs (missi dominici, Königsboten).
*'''791:''' Im August 791 bricht Simpert gemeinsam mit dem König Karl dem Großen, dem Bischof von Metz, Angilram, und dem Bischof von Freising, Atto, von Regensburg auf einen Feldzug gegen die Awaren auf. Damit nimmt er aktiv an einem militärischen Unternehmen teil, obwohl er von zeitgenössischen Quellen als friedliebend charakterisiert wird, was die enge Verbindung von geistlichem Amt und politisch‑militärischer Verantwortung in dieser Epoche zeigt. Auf diesem Feldzug findet Simpert am 29. September 791 den Tod, vermutlich im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen gegen die Awaren. Mit seinem Tod endet seine Amtszeit als Bischof von Regensburg, die von 768 bis 791 dauert, und auf ihn folgt Adalwin als neuer Bischof. Simpert hinterlässt das Bild eines hochadeligen Bischofs, der zwischen der Politik Tassilos III. und der Machtpolitik Karls des Großen steht und dennoch als friedfertige Gestalt in die Geschichte des Bistums Regensburg eingeht. [http://de.wikipedia.org/wiki/Adalwin_(Regensburg) '''Bischof Adalwin (Regensburg, 791–816)''']
*'''794:''' Tassilo: 794 holt man Tassilo, inzwischen Mönch, noch einmal aus der Klosterzelle und führt ihn vor die Reichssynode in Frankfurt am Main.​ Dort muss er erneut öffentlich Reue bekennen und für sich sowie seine Nachkommen auf alle Rechte am Herzogtum Baiern verzichten, was dem Urteil von 788 nachträglich einen Anschein von Rechtmäßigkeit gibt.​
*'''796:''' Tassilo: Die Lebensdaten Tassilos werden auf die Spanne von etwa 741 bis zum 11. Dezember 796 geschätzt; sowohl Todesjahr als auch Todesort sind jedoch unsicher.​ Wahrscheinlich verbringt er seine letzten Jahre als einfacher Mönch im Kloster Lorsch, wo ihm eine Grabinschrift den Weg vom Herrscher über den König zum Mönch zuschreibt. 1709 kommt seine Lebensgeschichte in der Oper „Tassilone“ von Agostino Steffani auf die Bühne und macht ihn zum Gegenstand barocker Geschichtsdarstellung.​ Später erinnern die Tassilolinde in Wessobrunn, die Tassiloquelle in Bad Hall, mehrere Schulen, Straßen und seit 1999 der Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung an seinen Namen.​ In der Überlieferung gilt Tassilo als Seliger, und sein Gedenktag ist der 11. Dezember, obwohl keine formelle Heiligsprechung erfolgt ist.
*'''797:''' Arn: 797 reist Arn im Auftrag des Frankenkönigs nach Rom zu Papst Leo III.
*'''798:''' Arn: Am 20. April 798 erreicht er die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum; er selbst wird erster Erzbischof der neuen Erzdiözese. Der neuen Kirchenprovinz unterstehen als Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben.
*'''799:''' Arn: 799 begleitet Arn Papst Leo III., der vor seinen Gegnern zu Karl dem Großen geflohen ist, zurück nach Rom.
*'''799:''' Simpert: Im Jahr 799 nimmt Simpert als persönlicher Beauftragter Karls des Großen an der Provinzialsynode in Reisbach in Niederbayern teil. Auf dieser Synode diskutieren die Anwesenden unter anderem rechtliche Fragen des Klerus sowie die Teilnahme von Laien am Gottesdienst. In dieser Zeit wächst Simperts Ansehen, sodass er in Kirche und Reichspolitik als wichtige Persönlichkeit gilt.
*'''800:''' Arn: Am 25. Dezember 800 ist Arn bei der Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom anwesend.
*'''802:''' Simpert: Um 802 integriert Simpert das Bistum Neuburg‑Staffelsee in das Bistum Augsburg, das dadurch territorial und institutionell gestärkt wird. Unter seiner Amtsführung wird der Augsburger Dom vollendet und geweiht, was die religiöse Bedeutung der Stadt sichtbar erhöht. Simpert bestattet als Bischof den Abt Waldram des Klosters Benediktbeuern und weiht Eliland zu dessen Nachfolger. Er kümmert sich ebenso um das Gedeihen des Klosters Sankt Mang in Füssen und fördert so das monastische Leben im süddeutschen Raum. In den Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Franken wird Augsburg schwer in Mitleidenschaft gezogen, und Simpert trägt viel zum Wiederaufbau der Stadt bei. Er gilt in dieser Phase vermutlich als enger Vertrauter Karls des Großen, während Augsburg unter dessen Herrschaft massiv gefördert wird.
*'''807:''' Simpert: Simpert stirbt an einem 13. Oktober, vermutlich im Jahr 807, in Augsburg, nachdem er von 778 bis 807 als Bischof von Augsburg wirkt. Sein offizielles Sterbedatum wird später mit „13. Oktober 807“ angegeben, obwohl die Jahreszahl ursprünglich nicht sicher überliefert ist. Seit 1492 ruhen seine Reliquien in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg, nachdem Abt Konrad Mörlin sich nachhaltig für die Überführung eingesetzt und den Kult des Heiligen gefördert hat. In dieser Kirche entsteht später ein barockes Grabdenkmal Simperts, das dem Bildhauer Johann Jakob Herkomer (1652–1717) zugeschrieben wird. Der Gedenktag Simperts ist der 13. Oktober, der sich an seinem Sterbetag orientiert. Er ist dritter Schutzpatron von Stadt und Bistum Augsburg neben Ulrich und Afra.
*'''809:''' Arn: ​Er nimmt 809 am Konzil von Aachen teil und formuliert dort Beschlüsse, die Kaiser Karl annimmt und an den Papst weiterleitet.
*'''821:''' Arn stirbt am 24. Januar 821 in Salzburg. Die römisch-katholische Kirche verehrt ihn als Seligen; sein Gedenktag ist der 24. Januar.
*'''822:''' Eigil stirbt 822 hochbetagt im Kreis seiner Brüder im Kloster Fulda, wahrscheinlich am 15. Juni oder alternativ am 6. August. Sein Sterbeort ist Fulda. Sein Grab befindet sich in der als Abtsgrablege konzipierten Krypta der von ihm in Auftrag gegebenen Michaelskirche. Der Überlieferung nach gräbt Eigil dieses Grab nach dem Vorbild Benedikts von Nursia mit eigenen Händen. Um 840 verfasst der Fuldaer Mönch Brun Candidus eine Biographie Eigils. Dieses Werk entsteht als opus geminum in zwei Büchern, eines in Prosa (Buch I) und eines in Versen (Buch II). Der katholische Gedenktag Eigils ist am 15. Juni.
*'''zuletzt 770'''


==LANGOBARDENREICH==
==LANGOBARDENREICH==
Zeile 442: Zeile 153:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Desiderius_(K%C3%B6nig) König Desiderius (757–774)] <br />Karl der Große heiratet eine namenlose Tochter des Desiderius, die in der Forschung "Desiderata" genannt wird, nachdem seine Mutter Bertrada die Ehe zur Absicherung des fränkischen Südens ausgehandelt hat.
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Desiderius_(K%C3%B6nig) König Desiderius (757–774)] <br />Karl der Große heiratet eine namenlose Tochter des Desiderius, die in der Forschung "Desiderata" genannt wird, nachdem seine Mutter Bertrada die Ehe zur Absicherung des fränkischen Südens ausgehandelt hat.
*[https://it.wikipedia.org/wiki/Tomaso_(arcivescovo_di_Milano) Erzbischof Tomaso (Mailand, 759-783)] <br />
*[https://it.wikipedia.org/wiki/Tomaso_(arcivescovo_di_Milano) Erzbischof Tomaso (Mailand, 759-783)] <br />
*'''771:''' Desiderius: Nach dem Tod Karlmanns 771 flieht dessen Witwe Gerperga mit ihren Söhnen zu Desiderius nach Italien, und Desiderius setzt in Rom langobardenfreundliche Berater durch.
*'''772:''' Desiderius: Nachdem Karl 772 seine langobardische Gemahlin verstößt, bildet der Hof des Desiderius ein Zentrum der Opposition gegen den Frankenkönig. Im Frühjahr 772 besetzt Desiderius Faenza, Ferrara und Comacchio, verwüstet das Umland von Ravenna und drängt Papst Hadrian I., die Söhne Karlmanns zu fränkischen Königen zu salben. Hadrian I. verweigert diese Salbung, entlässt seine pro‑langobardischen Ratgeber, und Desiderius besetzt daraufhin weitere Städte wie Senigallia, Jesi, Urbino, Gubbio und Otricoli und brandschatzt im römischen Dukat. Er marschiert gegen Rom, lässt sich angeblich nur durch die angedrohte Exkommunikation von einem Angriff abhalten, worauf Hadrian die Franken zu Hilfe ruft.
*'''773:''' Desiderius: Die Franken überschreiten im Sommer 773 die Alpen, und Desiderius verschanzte sich in Pavia, das ab September 773 belagert wird.
*'''774:''' Desiderius: Nach rund neun Monaten kapituliert er am 4. Juni 774, übergibt die Stadt, wird mit seiner Gemahlin ins Frankenreich deportiert und verbringt den Rest seines Lebens in Klosterhaft in der Abtei Corbie, während sein Sohn Adelchis nach Konstantinopel entkommt. Mit der Gefangennahme des Desiderius geht das langobardische Königtum auf Karl über, der sich in Pavia krönen lässt, während das Herzogtum Benevent im Süden als relativ selbstständiger, aber abhängiger Satellit des Frankenreiches weiterbesteht. Karl bestätigt außerdem die Pippinische Schenkung an die Kirche, aus der sich später der Kirchenstaat entwickelt, und Desiderius ist letztmals 786 bezeugt, sein Todesjahr bleibt unbekannt.
*Fortsetzung unter FRÄNKISCHES REICH


Herzogtum Friaul
Herzogtum Friaul


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_(Friaul) Herzog Petrus (751–774)] <br />  
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_(Friaul) Herzog Petrus (751–774)] <br />  
*'''774:''' ehemaliger Herzog Anselm: Nach der Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen kann der ehemlaige Herzog [http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Nonantola Anselm] 774 sein Amt als Abt von Nonantola wieder aufnehmen. Über seine weitere Tätigkeit ist fast nichts überliefert, doch ist bekannt, dass König Karl nach der Eroberung Pavias und der Absetzung Desiderius’ auf Widerstand des Herzogs von Brescia, eines Neffen des Königs, trifft. Der fränkische König versucht nach vergeblichen Drohungen durch Vermittlung Anselms, den Rebellen zur Aufgabe zu bewegen, doch bleibt diese Gesandtschaft erfolglos. Anselm wirkt damit auch in der Spätphase seines Lebens als politischer und kirchlicher Vermittler.
*'''752:''' ehemaliger Herzog Anselm: Am 3. März 803 stirbt der Abt [http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Nonantola Anselm] in seinem Kloster Nonantola. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger und als Schutzpatron der Stadt Nonantola verehrt, sein Gedenktag ist der 3. März
*'''774:''' 774 erobert der Frankenkönig Karl I. (Karl der Große) das Langobardenreich und setzt Hrodgaud als neuen Herzog von Friaul ein.


Herzogtum Spoleto
Herzogtum Spoleto


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Theodicius_of_Spoleto Herzog Theodicius (763–773)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Theodicius_of_Spoleto Herzog Theodicius (763–773)] <br />
*'''774:''' Im Jahr 773 beginnt der Feldzug des fränkischen Königs Karl gegen das Langobardenreich, der zur Belagerung von Pavia und zum Sturz König Desiderius führt. Mit der Niederlage der Langobarden im Jahr 774 bricht auch die politische Grundlage von Teodicios Herrschaft zusammen, und die Einwohner Spoletos erkennen die Oberhoheit des Papstes an. Sie unterstellen sich Papst Hadrian I. und lassen sich von ihm einen neuen Herzog, Hildebrand, bestätigen, sodass Teodicio sein Amt verliert. Häufig wird in der älteren Literatur behauptet, Teodicio falle bereits bei den Kämpfen um Pavia, doch belegen Urkunden, dass er am 9. Juni 776 noch am Leben ist, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Herzog von Spoleto ist. Über sein weiteres Schicksal nach 776 schweigen die Quellen, sodass weder sein Todesjahr noch sein Aufenthaltsort bekannt sind. [https://en.wikipedia.org/wiki/Hildeprand_of_Spoleto '''Herzog Hildeprand (774–789)''']


Herzogtum Benevent
Herzogtum Benevent


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Arichis_II. Herzog Arichis II. (758–787)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Arichis_II. Herzog Arichis II. (758–787)] <br />
*'''774:''' Arichis: Gleichzeitig pflegt er kulturelle und kirchliche Stiftungen: Er gründet das Kloster Santa Sofia in Benevent und setzt im November 774 seine Schwester als erste Äbtissin ein, womit er seine Familie auch geistlich und institutionell verankert. Im Jahr 774 erobert Karl der Große das Langobardenreich, setzt König Desiderius ab und nimmt selbst den Titel eines Königs der Langobarden an, womit die bisherige politische Ordnung in Italien zusammenbricht. Arichis II. reagiert auf die neue Lage, indem er mit Karl dem Großen ein Bündnis schließt, das die fränkische Oberhoheit formell anerkennt, Benevent aber faktisch selbstständig lässt. Noch im Jahr 774 nimmt Arichis II. den Titel eines princeps an und regiert mit königsgleicher Macht, wobei er sein Principat als Fortsetzung des langobardischen Königtums versteht und damit die Eigenständigkeit Benevents gegenüber dem nun fränkisch beherrschten Norden demonstriert. Nach 774 greift Arichis II. in Bereiche, die bisher dem Königtum vorbehalten sind, und nimmt das königliche Recht in Anspruch, Gesetze zu erlassen. Er novelliert den Edictus Rothari, das langobardische Gesetzeswerk, und tritt damit bewusst als gesetzgebender Herrscher auf, um seinen prinzlichen Rang zu untermauern. In der Darstellung seines Herrschertums orientiert er sich überwiegend an byzantinischen Vorbildern und verbindet langobardische Traditionen mit byzantinischer Repräsentation, um seine Stellung zwischen Franken und Byzanz symbolisch zu festigen.
*'''787:''' Arichis: Nach 780 verschärft sich die politische Lage in Italien durch die fränkisch‑byzantinische Annäherung, sodass Arichis II. eine vorsichtige Politik gegenüber Papst Hadrian I. und Karl dem Großen betreibt. Er lässt in Salerno einen Palast errichten und verstärkt die Befestigungen der Stadt, um dort einen stark gesicherten Zweitsitz beziehungsweise Rückzugsort zu haben, der näher an der Küste und der byzantinischen Einflusssphäre liegt. Um 787 greift er das byzantinische Kastell Amalfi an, zieht sich jedoch zurück, als Hilfstruppen aus Neapel eintreffen, und schließt Frieden, womit er zeigt, dass er zwar offensiv agiert, aber direkte Konfrontationen mit der byzantinisch‑neapolitanischen Allianz meidet. Im Jahr 787 entsendet Arichis II. seinen Sohn Romuald mit Geschenken zu Karl den Großen, der sich in Rom aufhält, um seine Bündnistreue zu den Franken zu bekräftigen und eine Eskalation zu verhindern. Karl nimmt jedoch Romuald, wahrscheinlich auf Betreiben Papst Hadrians I., als Geisel, marschiert mit seinem Heer nach Süden und zieht nach Capua in das Gebiet von Benevent, während sich Arichis II. in das stark befestigte Salerno zurückzieht. Unter diesem Druck schickt Arichis seinen Sohn Grimoald zu Karl dem Großen und handelt einen Friedensvertrag aus, der einen persönlichen Treueid und einen jährlichen Tribut von 7000 solidi vorsieht und außerdem die Abtretung der Städte Arce, Aquino, Arpino, Sora, Teano und Capua an den Kirchenstaat verlangt, um einen Korridor zwischen Rom und Neapel zu schaffen. Grimoald III. folgt als Geisel seines Vaters Karl dem Großen ins Frankenreich, während Romuald freigelassen wird und damit in Benevent verbleiben kann. Inzwischen endet die fränkisch‑byzantinische Allianz, und Arichis II. nutzt die neue Lage, indem er die vereinbarte Abtretung der Städte an den Papst nicht ausführt und stattdessen offenbar ein Bündnis mit Byzanz und seinem im Exil lebenden Schwager Adelchis anstrebt. Auf diese Weise versucht er, zwischen den Großmächten zu manövrieren und die territoriale Integrität seines Fürstentums zu bewahren, obwohl sein Sohn weiterhin als Geisel im Frankenreich festgehalten wird. Am 26. August 787 stirbt Arichis II. in Salerno, kurz bevor eine Gesandtschaft der Kaiserin Irene eintrifft, die ihm den Titel eines Patrikios verleihen soll, was seine Stellung im byzantinischen Herrschaftsverständnis zusätzlich erhöht hätte. Er wird in der Kathedrale von Salerno bestattet, was die Bedeutung dieser Stadt als zweitem Machtzentrum bestätigt. Solange Karl der Große zögert, Grimoald III. aus der fränkischen Geiselhaft nach Benevent zu entlassen, übernimmt Adelperga für einige Monate die Regentschaft, bis Grimoald III. schließlich als Herzog von Benevent und Salerno nachfolgt und die von Arichis II. geschaffene prinzliche Herrschaft fortsetzt.
*'''788:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Grimoald_III. '''Herzog Grimoald III. (788-806)''']
[[771#LANGOBARDENREICH | Fortsetzung 771]]
[[771#LANGOBARDENREICH | Fortsetzung 771]]
*'''Zuletzt 770'''


==SPANIEN==
==SPANIEN==
Zeile 479: Zeile 173:


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Aurelio_(Asturien) König Aurelio (768–774)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Aurelio_(Asturien) König Aurelio (768–774)] <br />
*'''774:''' Im Jahr 774 endet Aurelios Herrschaft, als er an einer Krankheit stirbt. Sein Tod führt zu einem erneuten Herrscherwechsel innerhalb der königlichen Familie. Nach ihm folgt Silo als König von Asturien, der als Schwiegersohn von Alfons I. ebenfalls eng mit der bisherigen Dynastie verbunden ist. Damit setzt sich die Tradition fort, dass der asturische Thron innerhalb des weit verzweigten Verwandtschaftsnetzes der Familie Alfons’ I. weitergegeben wird, während Aurelio selbst ohne klar nachweisbare Nachkommen bleibt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Silo_(Asturien) '''König Silo (774–783)''']
*[[768#SPANIEN | Fortsetzung 768]]
*'''zuletzt 768'''


==KIRCHENSTAAT==
==KIRCHENSTAAT==
   
   
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_III._(Papst) Papst Stephan III. (768–772)] <br /> Die Lage verschiebt sich, als Karl der Große durch eine politische Heirat mit einer Tochter des Langobardenkönigs Desiderius ein Bündnis mit dem langobardischen Königreich eingeht. Stephan versucht, diese Verbindung zu verhindern, weil er darin eine Bedrohung für die Interessen des Papsttums und das bisherige fränkisch‑päpstliche Bündnis erkennt. Als das Heiratsbündnis dennoch zustande kommt, wendet  er sich von der frankenfreundlichen Partei ab und beginnt, sich an die Anhängerschaft der Langobarden anzulehnen. Stephan lässt die frankenfreundlichen Christophorus und Sergius entmachten und beide schließlich ermorden; die frankenfreundliche Partei wird damit "zur Rechenschaft gezogen" und verliert ihre führenden Köpfe.  
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_III._(Papst) Papst Stephan III. (768–772)] <br /> Die Lage verschiebt sich, als Karl der Große durch eine politische Heirat mit einer Tochter des Langobardenkönigs Desiderius ein Bündnis mit dem langobardischen Königreich eingeht. Stephan versucht, diese Verbindung zu verhindern, weil er darin eine Bedrohung für die Interessen des Papsttums und das bisherige fränkisch‑päpstliche Bündnis erkennt. Als das Heiratsbündnis dennoch zustande kommt, wendet  er sich von der frankenfreundlichen Partei ab und beginnt, sich an die Anhängerschaft der Langobarden anzulehnen. Stephan lässt die frankenfreundlichen Christophorus und Sergius entmachten und beide schließlich ermorden; die frankenfreundliche Partei wird damit "zur Rechenschaft gezogen" und verliert ihre führenden Köpfe.  
*[[771#KIRCHENSTAAT | Fortsetzung 771]]
*[[771#KIRCHENSTAAT | Fortsetzung 771]] [[Kategorie:Kirchenstaat]]
 
*'''771:''' Stephan: Die politische Lage ändert sich erneut, als Karl der Große seine langobardische Gemahlin verstößt. Mit diesem Schritt löst sich das Bündnis zwischen Karl und Desiderius auf und die Beziehungen zwischen Franken und Langobarden kippen in offene Feindschaft. Für Stephan bedeutet dies, dass seine an Desiderius angelehnte Politik ihre Grundlage verliert. Da Karl nun wieder als möglicher Gegenspieler Desiderius’ auftritt, erscheinen die Entscheidungen Stephans, sich von der frankenfreundlichen Partei abzuwenden und deren Führer auszuschalten, in einem grellen Licht. Die päpstliche Politik wirkt gescheitert, weil der Papst weder stabile Unterstützung bei den Franken noch eine verlässliche Absicherung durch die Langobarden besitzt. Stephan steht am Ende seines Pontifikats zwischen den Fronten, ohne dass seine Entscheidungen eine dauerhafte Sicherung der Stellung des Papsttums bewirken.
*[[772#KIRCHENSTAAT | Fortsetzung 772]]
*'''772:''' Am 24. Januar 772 stirbt Stephan in Rom. Er soll im Vatikan beerdigt sein, doch der genaue Ort seines Grabes ist nicht bekannt. Auf ihn folgt Hadrian I. als Papst, während Paul I. als sein direkter Vorgänger gilt. In einer alternativen Zählweise wird ein früherer Stephan, ein zum Papst gewählter, aber vor seiner Bischofsweihe verstorbener Priester, als Papst Stephan II. mitgezählt. In dieser Tradition verschiebt sich die Nummerierung aller späteren Päpste mit dem Namen Stephan um eins nach oben. Stephan III. erscheint daher in dieser Zählung als Stephan IV., sodass in der Fachliteratur zur Klarstellung oft die Schreibweise Stephan III. (IV.) verwendet wird. [http://de.wikipedia.org/wiki/Hadrian_I. '''Papst Hadrian I. (772–795)''']
*'''zuletzt 770'''


==REPUBLIK VENEDIG==
==REPUBLIK VENEDIG==


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Galbaio Doge Maurizio Galbaio (764–797)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Galbaio Doge Maurizio Galbaio (764–797)] <br />
*'''772:''' Schon vor dem Zusammenbruch des Langobardenreichs verschärfen sich die Spannungen: Maurizio, der sich am byzantinischen Lager orientiert, steht mit dem Papst in Konflikt, der sein Herrschaftsgebiet auf Kosten Venedigs und des Byzantinischen Reichs ausweiten will. Der König Desiderius betrachtet die byzanzfreundliche Politik des Dogen mit Misstrauen und lässt Johannes, den Sohn des Dogen, der in späterer Tradition Giovanni Galbaio genannt wird, gefangen nehmen, nachdem dieser auf Seiten der Byzantiner in Istrien gegen die Langobarden kämpft. Johannes dient etwa ab 772/773 als Geisel am langobardischen Hof, wie der Liber pontificalis berichtet, während die venezianischen Quellen diese Geiselnahme verschweigen.
*[[774#REPUBLIK_VENEDIG | Fortsetzung 774]]
*'''774:''' Einen Schwerpunkt bildet die Kirchenpolitik: Maurizio setzt in Olivolo (dem späteren Castello) im Osten des heutigen Venedig das erste eigene Bistum der Lagune durch. Auf den neuen Bischofssitz setzt er einen Kleriker aus einer tribunizischen Familie Metamaucums, Obelierio (Obeliabatus), und nutzt diesen Bischofsstuhl, um zwischen tribunizischen Familien Macht auszugleichen. Der Doge beansprucht erstmals für sich, darüber zu entscheiden, wer Bischof im venezianischen Dukat wird; mit dieser Einflussnahme auf höchste geistliche Ämter verknüpft er weltliche Rechte und Einkünfte mit dem politischen Ausgleich in der Lagune. Damit entsteht zugleich eine scharfe kirchenrechtliche Grenze zum Frankenreich, weil die Besetzung von Bischofsstühlen in das Spannungsfeld zwischen Patriarchen von Aquileia, Papst und byzantinischem Kaiser gerät. Papst Hadrian I., der sich des ehemaligen Exarchats von Ravenna bemächtigt, richtet ein Schreiben an König Karl und bewirkt, dass allen venezianischen Kaufleuten der Zugang zur Pentapolis und zum Ravennatischen verboten wird; sie sollen vertrieben und ihres Besitzes beraubt werden, offiziell wegen des Handels mit Sklaven und Eunuchen. Diese Maßnahme trifft Venedig wirtschaftlich hart und verschärft den Gegensatz zu den Franken. Um einen Gegenpol zu schaffen, sucht Maurizio erneut die Nähe zu Byzanz und erreicht, dass der Kaiser seinen Sohn Johannes als Nachfolger im Dogenamt bestätigt. Ziel ist es offensichtlich, die Volkswahl des Dogen abzuschaffen und das Amt erblich zu machen, was die inneren Kämpfe in den Lagunenstädten in den kommenden Jahrzehnten prägt.
*'''785:''' Um 785 erhebt Maurizio seinen Sohn Johannes zum Mitdogen, was die großen Familien in Venedig in Opposition bringt und als bedeutende Verfassungsänderung erscheint. Einige Jahre später wird sogar der Enkel Maurizio (II.) zum Mitdogen erhoben, was den Charakter des Amtes endgültig in Richtung einer quasi-dynastischen Herrschaft verschiebt. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche und politische Druck des Frankenreichs, das 787/788 Istrien besetzt und damit den Patriarchen von Grado erneut Teile seines Jurisdiktionsgebietes verlieren lässt.
*'''797:''' Nach langer Regierungszeit stirbt Maurizio eines natürlichen Todes, anders als mehrere seiner Vorgänger. Die moderne Forschung datiert seinen Tod auf das Jahr 797, während die venezianische Tradition lange 787 als Ende seiner Herrschaft angibt. Er hinterlässt zwei Töchter, Agata und Suria, und seinen Sohn und Mitdogen Johannes, der ihm im Dogenamt folgt und die durch Maurizio geschaffene Machtkonstellation weiterführt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Galbaio '''Doge Giovanni Galbaio (797–803)''']
*'''zuletzt 764'''
==KARANTANIEN==
*'''772:''' Erst 772 kann Herzog Tassilo III. von Baiern militärisch in Karantanien eingreifen, die Aufstände niederschlagen und Valhun als Herrscher einsetzen, wodurch die fränkisch-bairische Oberherrschaft erneut gefestigt wird. Die Christianisierung Karantaniens wird danach nicht mehr primär durch eine feste Diözesenstruktur, sondern vor allem durch Wanderpriester fortgesetzt, die weiterhin im Land missionieren.
*'''zuletzt 769'''


==ERSTES BULGARISCHES REICH==
==ERSTES BULGARISCHES REICH==
   
   
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Telerig Knjas Telerig (768–777)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Telerig Knjas Telerig (768–777)] <br />
*'''774:''' Im Mai 774 beginnt der byzantinische Kaiser Konstantin V. einen groß angelegten Angriff auf das bulgarische Reich und versucht, Bulgarien militärisch entscheidend zu schwächen. Er lässt eine Flotte von etwa zweitausend Schiffen zusammenstellen, die in Richtung Donaudelta segelt, um dort eine große Streitmacht anlanden zu lassen, welche die nördlichen Gebiete Bulgariens erobern soll. Gleichzeitig führt der Kaiser persönlich eine weitere Armee, die von Süden her in das bulgarische Territorium eindringt und dort einige südliche Gebiete des Reiches erobert. Obwohl die Flotte die Truppen erfolgreich in der Nähe von Warna an Land setzt und die byzantinische Offensive zunächst Erfolg verspricht, zieht sich Konstantin aus nicht erklärten Gründen wieder zurück, sodass die geplante Zerschlagung des bulgarischen Reiches erneut scheitert. Nach dem überraschenden Rückzug Konstantins V. sieht Telerig das Byzantinische Reich als geschwächt an und beginnt mit einer Armee von etwa 12.000 Mann einen Gegenfeldzug gegen Byzanz. Er rechnet damit, die byzantinischen Truppen in die Defensive zu zwingen, doch seine Kriegsvorbereitungen werden von Spionen in seinem näheren Umfeld an den Kaiser verraten. Der vorgewarnte Konstantin V. kann rechtzeitig reagieren und stellt Telerig bei Berzitia eine überlegene Streitmacht von etwa 80.000 Mann gegenüber, die die bulgarische Armee in der Schlacht vernichtend schlägt. Trotz dieses Sieges gelingt es den Byzantinern jedoch nicht, Bulgarien entscheidend zu schwächen, da die Bulgaren sich zurückziehen und weitere Verluste verhindert werden, während die byzantinische Flotte wegen ungünstiger Winde ihre geplanten Landepunkte nicht erreichen kann.
*[[775#ERSTES_BULGARISCHES_REICH | Fortsetzung 775]]
*'''775:''' Nach der Niederlage bei Berzitia wächst in Telerig der Verdacht, dass sich Spione in seiner unmittelbaren Umgebung befinden und seine militärischen Pläne an Byzanz verraten. Er fasst den Plan, diese Spione mit einer List zu enttarnen, und lässt Kaiser Konstantin V. wissen, er wolle abdanken und nach Konstantinopel ins Exil gehen, wie es andere bulgarische Herrscher vor ihm bereits getan haben. Telerig gibt vor, zur Sicherheit der ihm treu ergebenen Personen die Namen jener Bulgaren zu benötigen, die als byzantinische Informanten tätig sind, angeblich um sie nach seiner Abdankung in Sicherheit bringen zu können. Konstantin V. glaubt dieser Darstellung, lässt Telerig die Liste mit den Namen der Spione zukommen, woraufhin Telerig nicht abdankt, sondern die enttarnten Informanten im eigenen Reich umgehend exekutieren lässt. Trotz der Ausschaltung der Spione fühlt sich Telerig weiterhin nicht sicher, auch weil die Niederlage bei Berzitia seine Position geschwächt hat und die Gefahr byzantinischer Eingriffe bestehen bleibt. Nach dem Tod Konstantins V. im Jahr 775 wendet er sich an dessen Nachfolger, Kaiser Leo IV., und bittet ihn erneut um Asyl im Byzantinischen Reich. Leo IV. gewährt ihm das erbetene Asyl, und Telerig flieht aus Bulgarien nach Konstantinopel, womit seine Herrschaft als Khan Bulgarien in den Jahren 768 bis 777 endet. In Konstantinopel nimmt er den christlichen Glauben an, erhält als Patrizier den Namen Theophylaktos und heiratet eine Cousine der Kaiserin Irene, wodurch er in den byzantinischen Hochadel integriert wird. Im Jahr 2005 wird in der Antarktis ein Nunatak auf Greenwich Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln nach Telerig benannt, der den Namen Telerig-Nunatak trägt und an seine historische Bedeutung als bulgarischer Herrscher erinnert. [http://de.wikipedia.org/wiki/Kardam_(Bulgarien) '''Knjas Kardam (777–803)''']
*'''Zuletzt 768'''


==BYZANTINISCHES REICH==
==BYZANTINISCHES REICH==
Zeile 524: Zeile 192:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Grado Patriarch Johannes (Grado, 766–802)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Grado Patriarch Johannes (Grado, 766–802)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Niketas_I._(Konstantinopel) Patriarch Niketas I. (Konstantinopel, 766–780)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Niketas_I._(Konstantinopel) Patriarch Niketas I. (Konstantinopel, 766–780)] <br />
*'''771:''' Irene: Im Januar 771 bringt [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) Irene] ihren Sohn Konstantin zur Welt, den späteren Kaiser Konstantin VI.
*[[774#BYZANTINISCHES_REICH | Fortsetzung 774]]
*'''774:''' Johannes: Trotz dieser päpstlichen Intervention setzen die istrischen Bischöfe ihre Loslösung von Grado fort, als das Frankenreich das Langobardenreich bis 774 erobert und seine Herrschaft bis nach Istrien ausdehnt. Innerhalb des fränkischen Herrschaftssystems erhalten die Bischöfe neue Aufgaben und Privilegien, was ihre Bereitschaft verstärkt, sich dauerhaft der Kontrolle des Patriarchats von Grado zu entziehen. Johannes sieht, dass sich die kirchlichen Strukturen der Region unter fränkischem Einfluss neu ordnen, und versucht, dem mit weiteren Kontakten nach Rom und mit der Einbindung weltlicher Verbündeter entgegenzuwirken.
*'''775:''' Der bulgarische Herrscher Telerig kontaktiert Konstantin, um Hilfe zu erbitten, woraufhin der Kaiser seine Geheimagenten preisgibt, die daraufhin in Bulgarien aufgedeckt und getötet werden. Constantine bricht erneut zu einem Kriegszug gegen Bulgarien auf, erkrankt unterwegs an Karbunkeln und stirbt auf dem Rückweg nach Konstantinopel am 14. September 775.​ Konstantin hinterlässt eine starke Verwaltung und Armee, wohlhabenden Staat und gefestigte Zentralmacht. Er ignoriert Randgebiete wie Italien, verliert diese letztlich durch politische Entwicklungen und die Ablehnung der Ikonoklasmuspolitik in Rom und Italien. Durch seine ikonoklastische Haltung wird er von späteren und zeitgenössischen byzantinischen Autoren verteufelt; die Bevölkerung und das Heer hingegen sehen ihn als erfolgreichen und prophezeihenden Herrscher. Nach seinem Tod entfernt man auf Initiative der Ikonodulen seine Gebeine aus der Kaisergruft. Spätere militärische Niederlagen der Byzantiner führen dazu, dass Soldaten des Tagmata an seinem Grab um neue Führung beten. Die Überlieferungen zur Regierungszeit Konstantins stammen fast ausschließlich von ikonodulen Autoren und gelten daher als tendenziös und in Bezug auf seine Motive und die Ausmaß der Unterdrückung nur eingeschränkt zuverlässig.
*'''775:''' Johannes: Mit der Wahl Papst Hadrians I. ändert sich die Lage insofern, als der neue Papst im Oktober 775 die Bemühungen des Patriarchen Johannes dem Frankenkönig Karl dem Großen offiziell zur Kenntnis bringt. Hadrian stellt damit den Konflikt um die Unterstellung der istrischen Bischöfe in einen größeren, zwischenfränkischen und papstkirchlichen Rahmen und macht aus der regionalen Auseinandersetzung eine Frage, die auch die Beziehungen zwischen Rom und dem König beeinflusst. Johannes agiert in diesem Jahrzehnt als kirchlicher Grenzpolitiker, der versucht, die konkurrierenden Großmächte und den Papsthof so zu nutzen, dass Grado seine Metropolitangewalt in Istrien nicht völlig verliert.
*'''775:''' Niketas: Nach dem Tod von Konstantin V., der am 14. September 775 stirbt, geht die Herrschaft auf seinen ältesten Sohn Leon IV. den Chasaren über. Unter Leon IV. zeichnet sich in der Religionspolitik eine gewisse Mäßigung ab, ohne dass die ikonoklastische Grundhaltung formell aufgegeben wird. Der neue Kaiser verfolgt eine Politik der Beruhigung und lässt verfolgte Mönche, darunter Platon von Sakkudion, wieder in der Hauptstadt erscheinen, wo sie offen als Märtyrer der vorangegangenen Verfolgungszeit auftreten. Äbte werden erneut auf wichtige Bischofssitze berufen, und einige von ihnen werden sich später als Anhänger der Ikonenverehrung erweisen, was einen schrittweisen Stimmungswandel im kirchlichen Umfeld ankündigt. Niketas bleibt auch in dieser Phase im Amt und dient der milderen Religionspolitik Leons IV. ebenso bereitwillig, wie er zuvor die scharfe ikonoklastische Linie Konstantins V. vertreten hat, sodass er sich als anpassungsfähiger Funktionsträger zwischen verschiedenen kaiserlichen Programmen zeigt.
*'''775:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_IV._(Byzanz) '''Kaiser Leo IV. (775–780)'''] Am 14. September 775 stirbt Konstantin V. während eines Feldzuges gegen das Bulgarische Reich, und Leo tritt als alleiniger Kaiser die Herrschaft an. Zu diesem Zeitpunkt leidet Leo an Tuberkulose, und die Jugend seines Sohnes Konstantin VI. ermutigt seine Halbbrüder Nikephoros und Christophoros, als caesares auf den Thron zu hoffen.
*'''775:''' Irene: 775 stirbt Konstantin V.; Leo besteigt als Leo IV. den Thron, [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) Irene] ist nun kaiserliche Gemahlin ohne eigene formale Macht.
*'''776:''' Leo IV: 776 erhebt Leo seinen Sohn Konstantin zum Caesar und erklärt ihn damit ausdrücklich zu seinem Nachfolger, was die Hoffnungen der Halbbrüder zunichtemacht. Kurz darauf wird eine Verschwörung der Halbbrüder Nikephoros und Christophoros gegen Leo entdeckt; trotz der öffentlichen Meinung, die ihre Hinrichtung fordert, begnadigt Leo sie und verbannt lediglich mehrere andere Mitverschwörer nach Cherson. In den Jahren 776–777 sucht der bulgarische Khan Telerig in Konstantinopel Zuflucht, wird im Beisein Leos getauft und heiratet eine Verwandte der Kaiserin Irene. Dieses Ereignis zeigt enge Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und den Bulgaren unter Leo, die auf den erfolgreichen Feldzügen Konstantins V. gegen Bulgarien zwischen 760 und 775 beruhen und eine Phase des Friedens begründen. Leo setzt die Umsiedlungspolitik seines Vaters fort und lässt Gefangene aus Städten an der arabischen Grenze, darunter Germanikeia, Melitene und Theodosioupolis, in neu errichtete Militärlager oder Festungen (castra) in Thrakien übersiedeln. 775–785 regiert Kalif al-Mahdi das Abbasidenkalifat, und 776 beginnt er persönlich einen Einfall in das Byzantinische Reich
*'''776:''' Leo IV: 778 reagiert Byzanz mit einem Gegenschlag und fällt mit einem Heer aus mehreren Themen in Syrien ein: dem Opsikion-Thema unter Gregorios, dem Anatolikon-Thema unter Artabasdos, dem Armeniakon-Thema unter Karisterotzes, dem Bukellarier-Thema unter Tatzates und dem Thrakesion-Thema unter dem bevorzugten Feldherrn der isaurischen Dynastie, Michael Lachanodrakon. Lachanodrakon belagert zunächst Germanikeia, hebt die Belagerung dann jedoch wieder auf – laut Theophanes den Bekenner, weil er bestochen wird – und beginnt, das Umland zu plündern und zahlreiche jakobitische Christen nach Thrakien zu deportieren. Die Abbasiden greifen Lachanodrakon während dieser Plünderungen an, werden jedoch von mehreren byzantinischen Heeren entscheidend geschlagen, und die beteiligten byzantinischen Feldherren erhalten bei ihrer Rückkehr nach Konstantinopel einen triumphalen Einzug.
*'''776:''' Leo IV: 779 gelingt es Leo, einen weiteren Angriff der Abbasiden auf Kleinasien erfolgreich zurückzuschlagen.
*'''776:''' Leo IV: Am 8. September 780 stirbt Leo in Konstantinopel an einem heftigen Fieber infolge seiner Tuberkulose. Sein etwa neunjähriger Sohn Konstantin VI. folgt ihm als Kaiser nach, während Irene als Regentin die tatsächliche Regierungsgeschäfte übernimmt.
*'''780:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) Regentin Irene (780-790)] 780 stirbt Leo IV. überraschend, Konstantin VI. wird als Kind zum Kaiser ausgerufen, und Irene übernimmt als seine Mutter die Regentschaft. Noch 780 scheitert der Versuch des Logotheten Nikephoros, den Thron an sich zu reißen, und Irene lässt ihn scheren und in ein Kloster bringen.
*'''780:''' Niketas: Gegen Ende der 770er Jahre nähert sich das Wirken von Niketas seinem Abschluss. Er bleibt Patriarch von Konstantinopel bis zu seinem Tod im Jahr 780 und steht damit bis zuletzt an der Spitze der Kirche während der ersten ikonoklastischen Phase. Als byzantinischer Eunuch und Kirchenfürst des 8. Jahrhunderts gilt er in der Rückschau als typische Figur der Epoche, in der kaiserliche Religionspolitik und kirchliche Leitung eng miteinander verflochten sind. Seine Amtszeit verbindet entschlossene ikonoklastische Durchsetzung, Teilnahme an der Demütigung eines Vorgängers und anschließende Mitwirkung an einer Phase relativer Entspannung, wodurch er zu einer ambivalenten Gestalt der byzantinischen Kirchengeschichte wird. [http://de.wikipedia.org/wiki/Paulos_IV._(Konstantinopel) '''Patriarch Paulos IV. (780–784)''']
*'''781:''' Irene: 781 versucht der Stratēge Elpidios, sich in Sizilien zum Kaiser zu erheben; Irene lässt ihn absetzen und fliehen, und er schließt sich den Arabern an. 781/782 bricht Irene Verhandlungen über eine Heirat ihres Sohnes mit Rotrud, der Tochter Karls des Großen, ab, nachdem sie zunächst ein Verlöbnis eingeleitet hat.
*'''782:''' Irene: 782 führt Irene einen Feldzug gegen die Araber, der mit einer Niederlage der Byzantiner endet und sie zu einem Tributfrieden mit dem Kalifen Hārūn ar-Raschīd zwingt.
*'''783:''' Irene: 783 schickt sie den eunuchischen General Staurakios gegen Slawen und Bulgaren auf dem Balkan, wo dieser erfolgreich operiert und byzantinische Herrschaft festigt.
*'''784:''' Irene: 784 setzt Irene ihren Vertrauten Tarasios als Patriarchen von Konstantinopel ein, um die kirchliche Politik in ihrem Sinn zu lenken.
*'''784:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Tarasios '''Patriarch Tarasios (784–806)'''] Tarasios wird um 730 in Konstantinopel geboren und wächst dort als Sohn eines hochrangigen Richters in einer angesehenen Familie auf. Er hat einen älteren Bruder namens Sisinnios, der später bei einem Einfall in Kalabrien in den Jahren 788–789 gefangen genommen wird.​ Er schlägt zunächst eine weltliche Laufbahn ein, wird Senator und steigt schließlich zum kaiserlichen Sekretär (asekretis) für Kaiser Konstantin VI. und seine Mutter, die Kaiserin Irene von Athen, auf. Als Patriarch Paul IV. von Konstantinopel ins Kloster zurücktritt, empfiehlt dieser den Laienbeamten Tarasios als seinen Nachfolger.​ Tarasios zeigt eine ikonodulen Haltung und ist bereit, kaiserliche Anordnungen zu befolgen, solange sie dem Glauben nicht widersprechen, weshalb Irene ihn 784 zum Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel auswählt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch Laie ist. Er nimmt das Amt nur unter der Bedingung an, dass die Kircheneinheit mit Rom und den orientalischen Patriarchaten wiederhergestellt wird und ein Konzil zur Ikonoklastenfrage einberufen wird; dafür wird er zum Diakon, dann zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht.​ Vor seiner endgültigen Annahme des Patriarchenamtes fordert und erhält Tarasios das Versprechen, dass die Verehrung der Ikonen in der Kirche wiederhergestellt wird.
*'''785:''' Johannes: In dieser Phase arbeitet Johannes zunächst im Einverständnis mit dem venezianischen Dogen Johannes und dessen Sohn und Mitregenten Mauritius (II.), die die Politik des Patriarchen gegenüber Istrien und gegenüber den Langobarden unterstützen. Die wachsende Präsenz und der Druck der Karolinger im Raum der venezianischen Lagune führen jedoch dazu, dass sich dieses Einvernehmen langsam auflöst. Lokale kirchliche Magnaten und weltliche Eliten werden in das fränkische System einbezogen, manche profitieren davon und wenden sich von einer allzu engen Bindung an Grado ab. Gleichzeitig entstehen in den Inseln des Herzogtums Venedig neue kirchliche Ambitionen: Teile der insularen Gemeinschaft drängen auf die Errichtung zusätzlicher Bistümer und auf eine stärkere Selbstständigkeit von Grado. Johannes von Grado erkennt die Gefahr, dass neue Bischofssitze seine Metropolitangewalt weiter schwächen, und stellt sich diesen Plänen entgegen. Um 798 widersetzt er sich besonders deutlich dem Vorhaben seines Namensvetters im Dogenamt, einen jungen Griechen namens Cristoforo als Bischof des neu entstehenden Bistums Olivolo-Rialto einzusetzen. Die Situation spitzt sich seit dem Jahr 785 weiter zu, als auf Betreiben des Patriarchen alle venezianischen Kaufleute aus der Pentapolis – aus Rimini, Pesaro, Fano, Senigallia und Ancona – vertrieben werden. Diese Maßnahme gefährdet den Handel Venedigs in der Adria erheblich und verärgert die wirtschaftlich einflussreichen Kreise des Herzogtums, die dem Patriarchen fortan feindselig gegenüberstehen. Der Konflikt zwischen Grado und dem venezianischen Dogentum erhält damit eine deutliche wirtschaftliche Dimension, die die politischen Spannungen zusätzlich verschärft.
*'''787:''' Irene: 787 beruft sie das Zweite Konzil von Nicäa ein, auf dem die Verehrung von Ikonen wieder zugelassen und dogmatisch festgelegt wird, dass Ikonen geehrt, aber nicht angebetet werden dürfen. 787/788 verstärkt Irene ihren Einfluss am Hof und stützt sich auf eine Partei der Ikonodulen, während sie gleichzeitig aristokratische Gegner zurückdrängt. - Im Jahr 787 verwirft das Zweite Konzil von Nicäa das Konzil von Hiereia (754) und bezeichnet es als „Pseudosynode“. Die neuere Forschung, etwa von Leslie Brubaker sowie von Torsten Krannich, Christoph Schubert, Claudia Sode und Annette von Stockhausen, untersucht und bewertet die ikonoklastische Synode von Hiereia 754 im Kontext des byzantinischen Bilderstreits.
*'''787:''' Tarasios: Im Rahmen seiner Bemühungen um bessere Beziehungen zu Rom bewegt er Irene dazu, Papst Hadrian I. einzuladen, Gesandte zu einem neuen Konzil nach Konstantinopel zu schicken, das die Häresie verurteilen soll; nach einem gescheiterten Auftakt 786 in der Apostelkirche kommt das Konzil 787 in Nikaia erneut zusammen. Dieses Zweite Konzil von Nikaia verurteilt den Ikonoklasmus, billigt die Ikonenverehrung offiziell, und Tarasios führt anschließend eine gemäßigte Politik gegenüber ehemaligen Ikonoklasten, was ihm den Widerstand Theodoros des Studiten und seiner Anhänger einträgt.​
*'''788:''' Irene: 788 löst sie die Verlobung Konstantins mit Rotrud endgültig und lässt für ihn eine neue Braut, Maria von Amnia, auswählen, um ihre außenpolitische Linie zu ändern.
*'''790:''' Irene: 790 erklärt Konstantin VI. seine Volljährigkeit und verlangt Alleinherrschaft; Irene versucht, ihre Regentschaft fortzuführen, was zu Unmut im Heer führt. 790 meutern armenische Truppen, rufen Konstantin zum alleinigen Basileus aus und zwingen Irene, ihre Ansprüche zeitweilig aufzugeben und sich aus der Politik zurückzuziehen.
*'''792:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_(Kaiserin) '''Mitkaiserin Irene (792-797), Kaiserin Irene (797-802)'''] 792 versöhnt sich Konstantin mit seiner Mutter, erhebt Irene wieder zur Mitkaiserin und setzt sie erneut an die Spitze der Regierungsgeschäfte. In den folgenden Jahren tritt Konstantin militärisch erfolglos gegen Bulgaren auf, was seinen Ruf im Heer weiter schwächt und Irenes Position stärkt.
*'''795:''' Irene: 795 verstößt Konstantin seine Gemahlin Maria von Amnia und heiratet Theodote, was einen Skandal auslöst und Teile von Klerus und Volk gegen ihn aufbringt. 795/796 nutzt Irene die Unzufriedenheit mit Konstantin, um ihre Anhänger im Palast und in der Verwaltung zu sammeln und einen Umsturz vorzubereiten.
*'''795:''' Tarasios: Etwa ein Jahrzehnt später gerät Tarasios in eine neue Auseinandersetzung, als Kaiser Konstantin VI. im Januar seine Frau Maria von Amnia verstößt und Tarasios diese Scheidung widerwillig hinnimmt. Viele Mönche empören sich darüber, und obwohl Tarasios sich weigert, der zweiten Eheschließung mit Theodote persönlich vorzustehen, wird ihm doch vorgeworfen, sie ermöglicht zu haben, sodass er schließlich unter starkem Druck von Theodoros dem Studiten den Priester exkommuniziert, der diese zweite Ehe geschlossen hat.​ In den folgenden Jahren dient Tarasios weiterhin loyal den aufeinanderfolgenden Herrschern Irene und Nikephoros I., wird aber wegen angeblicher Duldung von Simonie kritisiert. Seine Nachgiebigkeit gegenüber sehr unterschiedlichen Kaisern trägt jedoch dazu bei, dass er im Amt bleibt und bis zu seinem Tod am 25. Februar 806 Patriarch von Konstantinopel ist; spätere Ernennungen von Laien wie Nikephoros I. und Photios I. zu Patriarchen orientieren sich teilweise an seinem Beispiel.​
*'''797:''' Irene: 797 lässt Irene eine Verschwörung gegen Konstantin durchführen; der Kaiser wird gefangen genommen, geblendet und stirbt später an den Folgen, wodurch Irene alleinige Herrscherin wird. Nach 797 lässt sie sich auf Münzen und Siegeln mit eigenen Titeln darstellen, meist als Basilissa oder Augusta, und verzichtet offiziell auf den männlichen Titel Basileus, auch wenn einige Quellen ihr die Form „Irene Basileus“ zuschreiben. Um 797 beginnt Irene, die Steuern zu senken, um Popularität bei Volk und Hauptstadtbevölkerung zu gewinnen, was jedoch die Finanzen des Reiches belastet. In den folgenden Jahren verschlechtern sich die Staatsfinanzen; Irene muss wertvolle Kirchenschätze und kaiserliche Güter veräußern, um Einnahmen zu erzielen. Zwischen ihren wichtigsten Höflingen, insbesondere Staurakios und Aëtios, entstehen heftige Rivalitäten um Einfluss, die die Regierungspolitik der Kaiserin schwächen. Einflussreiche Kreise des Hofes versuchen mehrmals, ihren Schwager Nikephoros, einen Sohn Konstantins V., auf den Thron zu bringen; Irene kann diese Pläne zunächst vereiteln.
*'''797:''' Johannes: Nach dem Tod des Dogen Mauritius I. im Jahr 797 führt dessen Sohn und Nachfolger Johannes die Auseinandersetzung mit dem Patriarchen Johannes von Grado konsequent fort. Die Ablehnung der Einsetzung des Griechen Cristoforo auf den Bischofssitz von Olivolo durch den Patriarchen gilt in Venedig als unzulässige Einmischung in die inneren Verhältnisse des Herzogtums. In einem Klima wachsenden fränkischen Drucks und innerer Spannungen zwischen Grado, dem Dogen und den Laguneninseln kulminiert der Konflikt nun in Gewalt. Der neue Doge Johannes verfolgt eine klare Anlehnungspolitik an das Frankenreich und versucht zugleich, stärker in die kirchlichen und politischen Verhältnisse der Lagune hineinzuregieren. Um den Widerstand des Patriarchen zu brechen, beauftragt er seinen Sohn Mauritius (II.) mit einem militärischen Unternehmen gegen Grado. Mauritius (II.) führt eine Flotte gegen die Stadt, besetzt sie und greift damit direkt die Person des Patriarchen an.
*'''800:''' Irene: 800 erklärt Papst Leo III., dass in Rom der Kaiserthron vakant sei, da Irene als Frau nach römischem Recht kein legitimes Oberkommando über das Heer führen kann, und krönt Karl den Großen am 25. Dezember in Rom zum Kaiser. Um 800 prüft Irene zeitweise Heiratspläne mit Karl dem Großen, die eine Vereinigung der beiden Reichshälften ermöglichen sollen, doch diese Pläne bleiben unausgeführt. In den letzten Regierungsjahren verschärft sich der innenpolitische Widerstand gegen Irene, vor allem im Heer und unter den Finanzbeamten, die ihre Politik als ruinös empfinden.
*'''802:''' Irene: 802 schmiedet der Logothete Nikephoros, der Finanzminister, einen Plan, Irene zu stürzen, und gewinnt dazu Unterstützung im Militär und in der Verwaltung. Am Morgen des 31. Oktober 802 dringt Nikephoros mit Anhängern in den Palast von Eleutherios ein, nimmt Irene gefangen und setzt sie ab. Noch am selben Tag wird Nikephoros ohne Blutvergießen in Konstantinopel zum neuen Kaiser gekrönt, während Irene in die Verbannung geschickt wird. 802/803 wird Irene auf die Insel Lesbos gebracht, wo sie in bescheidenen Verhältnissen lebt und keine politische Rolle mehr spielt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikephoros_I. '''Kaiser Nikephoros I. (802–811)''']
*'''802:''' Johannes: Im Zuge dieses Überfalls lässt Mauritius (II.) den Patriarchen Johannes von Grado töten, indem er ihn von einem hohen Turm stürzen lässt. Johannes erleidet so im Jahr 802 in Grado den Tod und wird als Märtyrer der politischen und kirchlichen Auseinandersetzungen zwischen Grado, Venedig, Rom und dem Frankenreich erinnert. Sein Tod markiert den vorläufigen Sieg der dogalen Politik über das traditionsreiche Patriarchat, dessen Einfluss im venezianischen Raum stark beschädigt wird. Die ältesten venezianischen Chroniken berichten übereinstimmend von der Beisetzung des ermordeten Patriarchen in der Gradenser Kirche Sant’Eufemia. Dazu gehören die „Chronica patriarcharum Gradensium“, die „Chronica de singulis patriarchis“, die „Origo civitatum“ und das „Chronicon Gradense“, die sein Begräbnis in der lokalen Hauptkirche verorten. Im 14. Jahrhundert schreibt hingegen Andrea Dandolo in seiner Chronik, der Patriarch sei in der Markusbasilika in Venedig bestattet, was eine spätere, stärker venezianisch geprägte Tradition widerspiegelt. Nach dem Tod des Johannes kann sein Neffe Fortunatus, der am 21. März 803 das Pallium erhält, das Patriarchenamt zunächst nicht antreten. Er flieht vor der Gefahr durch den Dogen und dessen Anhänger nach Treviso und stellt sich dort unter den Schutz des Frankenkönigs Karl. Erst im Jahr 810, sieben Jahre nach dem Sturz der beiden Dogen, gelingt Fortunatus die Rückkehr nach Grado, womit sich die Nachwirkungen der gewaltsamen Beseitigung des Patriarchen Johannes von Grado über ein ganzes Jahrzehnt hinziehen. [http://de.wikipedia.org/wiki/Fortunatus_II. '''Patriarch Fortunatus II. (803–820)''']
*'''803:''' Irene: Am 9. August 803 stirbt die ehemalige Kaiserin Irene auf Lesbos; die orthodoxe Kirche verehrt sie wegen ihrer Rolle in der Wiederherstellung der Ikonenverehrung später als Heilige.
*'''806:''' Tarasios: Nach seinem Tod wird Tarasios trotz mancher Kritik an seiner Schwäche gegenüber der kaiserlichen Macht in den Ostkirchen als Heiliger verehrt, weil er die Ikonen verteidigt und sich für Frieden und Einheit der Kirche einsetzt. Sein Gedenktag wird in den Ostkirchen am 25. Februar (nach julianischem Kalender mit entsprechendem gregorianischem Datum) und in der lateinischen Kirche am 18. Februar gefeiert.
*'''Zuletzt 769'''


==IBERIEN==
==IBERIEN==


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Fürst Nerse (1. Amtszeit 760–772)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Fürst Nerse (1. Amtszeit 760–772)] <br />
*'''772:''' Nerse widersetzt sich der Hegemonie der Abbasiden und sucht offenbar, die relative Selbständigkeit Iberiens zu bewahren. Kalif al-Mansur lässt Nerse nach Bagdad vorladen, wo dieser festgenommen und in Haft gehalten wird, womit seine erste Regierungsphase abrupt endet.
*[[775#IBERIEN | Fortsetzung 775]]
*'''775:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Fürst Nerse (2. Amtszeit 775–779/80)] Nach dem Tod oder der Ablösung al-Mansurs übernimmt Kalif al-Mahdi die Herrschaft und verfügt die Freilassung Nerses. Im Jahr 775 kehrt Nerse nach Iberien zurück und wird in seinem Amt als Fürst wieder eingesetzt, womit seine zweite Regierungszeit beginnt. Trotz der Wiederherstellung seiner Position verschärfen sich die Spannungen mit den arabischen Autoritäten erneut, da Nerse weiterhin in Konflikte mit den Abbasiden gerät.
*'''779/780:''' Nerse sieht sich nach anhaltenden Schwierigkeiten mit den Arabern gezwungen, seine Heimat zu verlassen und flieht durch den Darial-Pass zu den Chasaren im Norden. Bei den Chasaren wird er ehrenvoll aufgenommen, doch es gelingt ihm nicht, von dort aus ausreichende militärische oder politische Unterstützung zu gewinnen, um seine Lage in Iberien nachhaltig zu verbessern. Daraufhin zieht er weiter nach Abchasien, wohin sich seine Familie bereits in Sicherheit gebracht hat, während in Iberien inzwischen die politische Neuordnung erfolgt. Das Kalifat überträgt das fürstliche Amt nun nicht mehr an Nerse, sondern an seinen Neffen Stephan III., den Sohn seiner Schwester, der damit als neuer Fürst von Iberien eingesetzt wird. Nerse akzeptiert diese vollzogene Veränderung und verzichtet auf weitere Ansprüche auf die aktive Herrschaft über Iberien, um größere Konflikte mit den Arabern zu vermeiden. Mit Zustimmung der arabischen Autoritäten kehrt er schließlich nach Iberien zurück, zieht sich jedoch aus der aktiven Politik zurück und lebt fortan ohne Regierungsamt. [http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_III_of_Iberia '''Fürst Stephan III. (779/80–786)''']
*'''786:''' Nerse: Bis zum Jahr 786 ist der ehemalige Fürst [[https://en.wikipedia.org/wiki/Nerse_of_Iberia Nerse] noch indirekt fassbar, als sein christlich gewordener arabischer Diener Abo als Märtyrer hingerichtet wird; zu diesem Zeitpunkt ist Nerse selbst bereits aus den schriftlichen Quellen verschwunden. Nach dieser Erwähnung verliert sich seine Spur, und es ist unklar, wann und unter welchen Umständen er stirbt, sodass sein weiteres Schicksal im Dunkeln bleibt.
*Zuletzt 760'''


==ARABER==
==ARABER==
Zeile 584: Zeile 209:
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_Mina_I_of_Alexandria Papst und Patriarch Mina I. (767-776)] <br />  
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_Mina_I_of_Alexandria Papst und Patriarch Mina I. (767-776)] <br />  
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Politianus_of_Alexandria Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (768–813)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Politianus_of_Alexandria Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (768–813)] <br />
*[[775#ARABER | Fortsetzung 775]]
*[[775#ARABER | Fortsetzung 775]] [[Kategorie:Abbasiden]]
 
*'''775:'' al-Mansūr: Al-Mansūr stirbt am 7. Oktober 775 in Biʾr Maimūn nach einem Sturz von seinem Pferd. Sein als Thronfolger bestimmter Sohn al-Mahdi folgt ihm als Kalif nach und regiert von 775 bis 785. Die von al-Mansūr gegründete Stadt Bagdad entwickelt sich rasch zur bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Metropole der muslimischen Welt. In den Personendaten wird sein Geburtsdatum mit August 714 und sein Sterbedatum mit dem 7. Oktober 775 angegeben.
*'''775:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Mahdi_(Abbaside) '''Kalif Al-Mahdi (775–785)'''] Im Jahr 775 übernimmt er als dritter Kalif der Abbasiden die Herrschaft von seinem Vater al-Mansur. Er setzt den Ausbau der Reichsverwaltung fort, hält am politischen Kurs al-Mansurs fest und stützt sich vorwiegend auf abbasidische Familienmitglieder. Er misst dem religiösen Aspekt seines Amtes besonderes Gewicht bei, was sich im Herrschernamen al-Mahdi („der Rechtgeleitete“) zeigt. Das Reich ist weitgehend befriedet; nur der Aufstand des Muqanna in Chorassan 775/76–779 sowie andauernde Unruhen der Charidschiten in Ifrīqiya/Maghreb und im Iran stören die Ordnung. Gegenüber den Aliden verfolgt er eine Versöhnungspolitik und erreicht, dass es während seiner Regierungszeit keine größeren alidischen Erhebungen gibt. Im Gegensatz zur „bescheidenen“ Hofhaltung al-Mansurs führt er in Bagdad nach persischen, besonders sassanidischen Vorbildern einen prachtvollen Hofstaat. Er fördert Kultur und Wissenschaft; der gelehrte syrische Christ Theophilos von Edessa wirkt als Astrologe an seinem Hof und erhält seine Unterstützung. Mit der Sklavin al-Chaizuran zeugt er mehrere Kinder: al-Hadi (um 764–786), Harun ar-Raschid (766–809), Isa ibn al-Mahdi sowie als jüngstes Kind und einzige Tochter Banuka bint al-Mahdi (um 766–782/3). Im Jahr 775 entlässt er al-Chaizuran aus der Sklaverei, heiratet sie und ernennt ihren Sohn al-Hadi zum Thronerben, womit er die gesellschaftliche Konvention durchbricht, dass der Sohn einer (ehemaligen) Sklavin nicht Thronfolger sein soll.
*'''775:''' In den Jahren 775/76 wird Abu ʿAwn zum Gouverneur von Ḫurasan ernannt. Bereits im folgenden Jahr wird er jedoch seines Amtes enthoben, weil es ihm nicht gelingt, den Aufstand des al-Muqannaʿ niederzuschlagen, und Muʿāḏ ibn Muslim tritt an seine Stelle. Nach Hugh N. Kennedy stirbt Abu ʿAwn um 784/785.
*'''775:''' Ismāʿīl: Die genaue Zeit und die Umstände von Ismails Tod bleiben unklar, und die Quellen widersprechen sich. Nach ismailitischer Tradition stirbt er 158/775 und wird im syrischen Salamiyya im sogenannten Maqam al-Imam beigesetzt, während andere, nicht-ismailitische Berichte behaupten, er sterbe in Medina und werde im Friedhof al-Baqi begraben. Mehrere Überlieferungen betonen, dass Dschafar beim Trauerzug das Gesicht seines verstorbenen Sohnes den Anwesenden zeigt, während dieselben oder andere Quellen erzählen, Ismail sei kurz darauf in Basra gesehen worden, wo er einen Gelähmten im Markt heilt. Einige Gruppen glauben daher, Ismail sei nicht gestorben, sondern in die Verborgenheit gegangen und werde als erwarteter Mahdi zurückkehren; zwölfer Heresiographen nennen diese Richtung „die reinen Ismailiten“ oder „die Waqifa bei Ismail“, weil sie die Imamlinie bei ihm enden lassen. Spätere ismailitische und nicht-ismailitische Autoren berichten noch im 15. und 19. Jahrhundert von Besuchen an einem Ismail zugeschriebenen Grab, das schließlich zusammen mit anderen Gräbern im Baqi von den Wahhabiten zerstört wird. Ismail hat außer seinem Sohn Muhammad einen weiteren Sohn namens Ali, der 130/748 geboren wird, sowie eine Tochter namens Fatima. Spätere genealogische Listen führen diese Kinder als Teil der Nachkommenschaft Ismails und verankern dadurch die spätere ismailitische Imamlinie in seinem Haushalt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_ibn_Isma%27il '''Imam der Ismailiten: Muhammad ibn Isma'il (775-813)''']
*[[776#ARABER | Fortsetzung 776]]
*'''776:''' Humayd: Nach seinem Tod folgt ihm für kurze Zeit sein Sohn Abdallah als Gouverneur von Chorasan nach. Abdallah spielt später eine bedeutende Rolle im Bürgerkrieg der Vierten Fitna.
*'''777:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_John_IV_of_Alexandria '''Papst und Patriarch Johannes IV. (777–799)''']
*'''780:''' Al-Mahdi: Unter Prinz Harun beginnen 780 als Reaktion auf feindliche Übergriffe neue Feldzüge gegen Byzanz.
*'''782:''' Al-Mahdi: Die muslimischen Truppen stoßen 782 weiter auf byzantinisches Gebiet vor und erzwingen byzantinische Tributzahlungen. Im Jahr 782 macht er auf Betreiben al-Chaizurans auch ihren Sohn Harun ar-Raschid zum zweiten Thronerben. Zu seiner Tochter Banuka bint al-Mahdi pflegt er eine besonders enge väterliche Beziehung und missachtet erneut gesellschaftliche Normen. Er lässt Banuka ihn auf Reisen begleiten und verkleidet sie als Mann, um Gerede zu vermeiden; in Basra wird die Tarnung durch ihren wachsenden Busen enttarnt. Als Banuka 782/783 stirbt, ist er untröstlich und fordert das Volk auf, ihm Beileid zu bekunden, was in großer Zahl geschieht; geistliche Würdenträger und Literaten kritisieren später diese außergewöhnliche Ehrung für eine Frau und Tochter einer früheren Sklavin.
*'''785:''' Al-Mahdi: Gegen Ende seiner Regierung gewinnen Haremsintrigen an Bedeutung, als die berberische Haremsdame Haizuran Einfluss gewinnt und für die Thronfolge ihres Sohnes Harun eintritt. Al-Mahdi bestätigt jedoch die Thronfolge seines Sohnes Musa (al-Hadi) und legt Hārūn ar-Raschīd als dessen Nachfolger fest. Im Jahr 785 stirbt al-Mahdi unerwartet; sein Tod wird mit einer mutmaßlichen Vergiftung durch seine Sängersklavin Hasana in Verbindung gebracht.
*'''787:''' Elias: Im Jahr 787 tagt das 7. Ökumenische Konzil in Nicäa, das die Bilderverehrung in der Kirche bestätigt. Für die Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Jerusalem unterzeichnen nicht die Patriarchen selbst, sondern Bevollmächtigte: ein Priester namens Johannes und Thomas, der Abt des Klosters des heiligen Arsenius, unterschreiben im Namen dieser orientalischen Patriarchate. Dadurch zeigt sich, dass auch Elias II. als Patriarch von Jerusalem in die Entscheidungen des Konzils eingebunden ist, wenn auch nur durch Vertreter.
*'''795:''' Mūsā: Im Jahr 795/796 lässt der Kalif Hārūn ar-Raschīd Mūsā erneut von Medina nach Bagdad bringen und ihn dort im Haus von as-Sindī ibn Schāhik unter haftähnlichen Bedingungen festhalten. Dort verbringt Mūsā seine letzten Jahre, während einige seiner Anhänger die Erwartung entwickeln, er werde als endzeitlicher Qāʾim auftreten und einen Aufstand führen.
*'''795:''' Politianus: Im Jahr 795 reist Politianus nach Bagdad, das als Hauptstadt des Abbasidenkalifats ein Zentrum der Gelehrsamkeit und Übersetzungstätigkeit ist. Dort wirkt er als Arzt und behandelt eine Konkubine des Kalifen Hārūn ar-Raschīd, die er erfolgreich heilt, wodurch sein Ruf als fähiger Mediziner am Hof gestärkt wird. Im gleichen Jahr beteiligt er sich an einem bedeutenden Übersetzungsprojekt: Er wirkt an der Übertragung der „Sammlung landwirtschaftlicher Praktiken“ des Vindonius Anatolius von Berytos aus dem Griechischen ins Arabische mit, die für den einflussreichen Wesir Yahyā ibn Chālid angefertigt wird. Politianus bringt seine Sprachkenntnisse und sein Wissen in dieses Werk ein, das praktische landwirtschaftliche Kenntnisse systematisch zugänglich macht und so in die arabischsprachige Gelehrtenwelt Eingang findet.
*'''796:''' Politianus: Nach seiner Tätigkeit in Bagdad bleibt Politianus weiterhin Patriarch von Alexandria und steht bis zu seinem Tod im Jahr 813 an der Spitze des Patriarchats. Er gehört damit sowohl zu den Patriarchen des 8. als auch des 9. Jahrhunderts und lebt in engem Kontakt mit den politischen und kulturellen Entwicklungen im Abbasidenkalifat. Durch seine doppelte Rolle als Geistlicher und Arzt sowie als griechisch–arabischer Übersetzer ist er ein Beispiel für die Verflechtung von kirchlicher Führung, Wissenschaft und Kulturtransfer in dieser Epoche. Während seiner langen Amtszeit wirkt er als Vermittler zwischen den griechischen Traditionen Alexandrias und der arabischsprachigen Welt des Kalifats, in der er als Patriarch, Arzt und Gelehrter präsent ist.
*'''797:''' Elias: Gegen Ende der 790er Jahre verschärft sich die Lage der Mönche und Kirchen im Heiligen Land. Am 19. März 797 werden im Kloster des heiligen Sabas (Mar Saba) bei Jerusalem zwanzig Mönche getötet, während Elias II. das Patriarchenamt innehat. Dieses Ereignis macht deutlich, dass die Klöster Gewalt und Druck durch muslimische Machthaber oder lokale Gegner ausgesetzt sind. In derselben Zeit sucht Elias II. über seinen Synkellos Georgios Unterstützung im Westen. Georgios leitet eine Gesandtschaft an Karl den Großen, um Hilfe und einen gewissen Schutz der Franken für die Christen im Heiligen Land zu erbitten. Diese diplomatische Initiative stellt eine bewusste Öffnung des Jerusalemer Patriarchats zum fränkischen Reich dar und verknüpft die Lage der orientalischen Christen mit der Politik Karls des Großen. Im Jahr 797 endet das Patriarchat von Elias II., und er stirbt um dieses Jahr herum. Nach seinem Tod wird sein Synkellos Georgios zum neuen Patriarchen von Jerusalem gewählt, was die enge Zusammenarbeit der beiden im späten 8. Jahrhundert unterstreicht. In den Listen der griechisch-orthodoxen Patriarchen erscheint Elias II. daher als Patriarch von etwa 770 bis 797, gefolgt von Georgios als seinem unmittelbaren Nachfolger. [http://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_II. '''Patriarch Georgios II. (797–807)''']
*'''799:''' Mūsā: Am 1. September 799 stirbt Mūsā in Bagdad, ohne dass einer seiner Anhänger seinem Tod beiwohnt, was die Situation für die Gemeinde besonders unsicher macht. Bei seinem Tod hinterlässt er nach den Angaben der Überlieferung 18 Söhne und 15 Töchter, die alle von Sklavinnen stammen. Seine Bestattung erfolgt in al-Kazimiyya, einem später nach ihm benannten Vorort im Nordosten Bagdads, wo er zusammen mit seinem Enkel, dem späteren Imam Muhammad at-Taqī, begraben wird. Der Tod Mūsā al-Kāzims löst in der imamitischen Gemeinde eine erneute, tiefe Nachfolgekrise aus, weil viele Anhänger den Verlust des Imams nicht akzeptieren wollen. Eine große Zahl seiner Anhänger und Vertreter in verschiedenen Regionen ist der Überzeugung, dass Mūsā in Wahrheit nicht gestorben ist, sondern sich nur verborgen hält, um als Qāʾim bald in die Welt zurückzukehren. In diesem Umfeld tritt ein Klient der Banū Asad namens Muhammad ibn Baschīr hervor und behauptet, er sei der Stellvertreter und Bevollmächtigte Mūsās, also sein waṣī, und verfüge über besondere Vollmachten. Der imamitische Doxograph al-Qummī, der vor 905 sein Werk „Buch der Lehren und Sekten“ (Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq) verfasst, berichtet, dass Muhammad ibn Baschīr Taschenspielertricks und Gaukeleien einsetzt und sogar behauptet, Mūsā al-Kāzim sei Gott, der sich erst den Menschen gezeigt und sich dann ihren Blicken entzogen habe, obwohl er weiterhin unter ihnen weile. Diese Sichtweise führt zu einer Sektenbildung, die den Tod Mūsās leugnet und ihn zur göttlichen Gestalt erhebt. Parallel dazu erkennen einige von Mūsās Anhängern seinen Sohn ʿAlī ar-Ridā als rechtmäßigen Nachfolger und neuen Imam an. Die Anhänger Muhammad ibn Baschīrs bestreiten jedoch das Imamat ʿAlīs und bezeichnen seinen Anspruch als Lüge, da sie weiterhin an der fortdauernden Autorität Mūsās festhalten. Sie vertreten die Auffassung, Mūsā habe während seiner Abwesenheit Muhammad ibn Baschīr zu seinem Stellvertreter mit allen Vollmachten eingesetzt, weshalb dieser der wahre Imam nach ihm sei. Imamitische Autoren versuchen später, diese Spaltung ökonomisch zu erklären und argumentieren, dass Mūsās Vertreter in verschiedenen Städten zum Zeitpunkt seines Todes große Geldsummen angesammelt haben, die sie wegen seiner Gefangenschaft nicht an ihn übergeben konnten. Um diese Gelder behalten zu können, leugnen sie den Tod Mūsās und behaupten, er werde eines Tages zurückkehren, sodass jede Abrechnung mit einem neuen Imam hinausgeschoben wird. [https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAl%C4%AB_ibn_M%C5%ABs%C4%81_ar-Rid%C4%81 Imam der Zwölferschiiten: ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (799-818)]
*'''813:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Patriarch_Eustatius_of_Alexandria '''Griechisch-orthodoxer Patriarch Eustatios (Alexandria, 813–817)''']
*'''843:''' [https://de.wikipedia.org/wiki/Sergios_I._(Jerusalem) '''Patriarch Sergios I. (Jerusalem, 843–850)]''']
*'''Zuletzt 770'''


'''Emirat Noukour'''
'''Emirat Noukour'''


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Sa%27id_I_ibn_Idris Emir Sa'id I ibn Idris (760–803)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Sa%27id_I_ibn_Idris Emir Sa'id I ibn Idris (760–803)] <br />
*'''803:''' Saʿid stirbt
*[[803#ARABER | Fortsetzung 803]]


'''Kalifat von Tlemcen'''
'''Kalifat von Tlemcen'''


*[http://fr.wikipedia.org/wiki/Abou_Qurra Kalif Abū Qurra (765-778)] <br />
*[http://fr.wikipedia.org/wiki/Abou_Qurra Kalif Abū Qurra (765-778)] <br />
*'''778:''' Um das Jahr 778 wird Abū Qurra als führender Imam von Ibn Rustum abgelöst, der daraufhin in Tahert ein eigenes Reich gründet. Ibn Rustum nutzt den Machtwechsel, um die in der Region verbliebenen abbasidischen Besitzungen zu konfiszieren und so seine neue Herrschaft materiell abzusichern. Während dieser Neuordnung lässt er Ibn Ḥafs al‑Azdi, einen abbasidischen Statthalter, der den Beinamen Hezarmard trägt, töten. Die Einnahme Kairouans und der Sieg über die abbasidischen Truppen markieren den Höhepunkt der sufritisch‑ibāditischen Berberrevolten dieser Zeit. Nach diesen Ereignissen ziehen sich Abū Qurra und die Banū Ifran in ihr Stammesgebiet um Tlemcen zurück, das bereits als ihr Machtzentrum gilt. Dort geben sie die unmittelbare Führung der großen Berberkoalition auf und verlassen auch die charidschitische Bühne des weiteren Ifriqiya‑Geschehens. Abū Qurra wendet sich in der Folge von der charidschitischen Lehre und dem aktiven Machtanspruch ab. Er reagiert damit auf tiefe innere Spannungen und Spaltungen innerhalb der berberischen Gruppen, die eine einheitliche Herrschaft zunehmend erschweren.
*[[790#ARABER | Fortsetzung 790]]
*'''790:''' Im Jahr 790 gründet Abū Qurra auf den Ruinen der römischen Stadt Pomaria die Stadt Agadir, das heutige Tlemcen. Er tut dies als Kalif der Banū Ifran und verleiht damit seinem Reich eine städtische und repräsentative Hauptstadt. Agadir entwickelt sich zur politischen und religiösen Hauptstadt der sufritischen Berber, von der aus sie ihre Unabhängigkeit gegenüber den Großkalifaten festigen. Abū Qurra lädt Idrīs I., den Begründer der Idrisiden‑Dynastie, ein, in Agadir zu verweilen, was die Bedeutung der Stadt als Zentrum berberisch‑islamischer Politik unterstreicht. In dieser Phase konzentriert sich Abū Qurra vor allem auf die Sicherung und Organisation seines Reiches um Tlemcen. Seine frühere Rolle als großräumiger Revolutionsführer tritt zugunsten der Herrschaft über ein gefestigtes, sufritisch geprägtes Berberreich zurück. Agadir/Tlemcen wird dauerhaft zum Bezugspunkt der regionalen Geschichte Nordwestafrikas im frühen Mittelalter. Abū Qurra bleibt dabei als Begründer sowohl des sufritischen Tlemcen‑Reiches als auch als Initiator eines eigenständigen berberisch‑charidschitischen Weges im Gedächtnis. Als Reaktion auf den Belagerungszug gegen Kairouan setzt Yazīd ibn Ḥātim, ein abbasidischer Statthalter, zu einem Vergeltungsfeldzug in den Maghreb an und bestraft die Aufständischen hart. Die Banū Ifran verlieren in diesen Kämpfen Hunderttausende von Reitern, was ihre militärische Stärke auf lange Zeit schwächt. Die Umayyaden und Abbasiden werden durch diese Verluste zugleich um viele ihrer besten Pferdezüchter und Reiter gebracht, da gerade die Banū Ifran einen hervorragenden Ruf in der Pferdehaltung besitzen. Damit haben die Unternehmungen Abū Qurras sowohl die Berberstämme als auch die arabischen Großmächte militärisch stark erschöpft. Nach Abū Qurras Zeit bleibt die Erinnerung an die sufritischen Revolten und an das Berberreich von Tlemcen im kollektiven Gedächtnis der Region lebendig. Etwa fünfzig Jahre später entsteht eine neue große charidschitische Erhebung: Abū Yazīd aus dem Stamm der Banū Ifran führt einen Aufstand, der sich nun gegen die Fatimiden richtet. Diese Bewegung knüpft an die Tradition des Widerstands an, den Abū Qurra und seine Gefolgsleute im 8. Jahrhundert begründet haben. So wirkt seine Rolle als früher sufritischer Imam und Staatsgründer noch lange über sein eigenes Leben hinaus in der politischen Geschichte des Maghreb nach.
*'''zuletzt 767'''


'''Emirat von Córdoba'''
'''Emirat von Córdoba'''


*[http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_ar-Rahman_I. Emir Abd ar-Rahman I. (Córdoba, 756–788)] <br />
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Abd_ar-Rahman_I. Emir Abd ar-Rahman I. (Córdoba, 756–788)] <br />
*'''788:''' Abd ar-Rahman stirbt in Córdoba, und sein Sohn Hischam I. folgt ihm unmittelbar auf den Thron, wobei die von ihm begründete Dynastie al-Andalus bis 1031 prägt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hischam_I. Emir Hischam I. (788–796)''']
*[[796#ARABER | Fortsetzung 796]]
*'''zuletzt 756'''
==TURK-SCHAHI==
*'''775:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Khingala '''König Khingala (775–785)''']
*[[785#TURK-SCHAHI | Fortsetzung 785]]
*'''zuletzt 745'''


==UIGURISCHES KAGANAT==
==UIGURISCHES KAGANAT==


*[https://en.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6g%C3%BC_Qaghan Kagan Bögü (759–780)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6g%C3%BC_Qaghan Kagan Bögü (759–780)] <br />
*'''778:''' Bögü: Eine Zuspitzung erfolgt, als uigurische Truppen am 22. Februar 778 in die Region Taiyuan einfallen und bei den Kämpfen fast 10'000 Tang‑Soldaten töten oder verwunden. Diese Ereignisse zeichnen das Bild eines uigurischen Kaganats unter Bögü, das einerseits als Beschützer gegen Rebellen und Tibeter fungiert, andererseits aber selbst zu einer massiven militärischen und ökonomischen Belastung für das Tang‑Reich wird.
*[[779#UIGURISCHES_KAGANAT | Fortsetzung 779]]
*'''779:''' Bögü: Innerhalb des uigurischen Hofes gewinnt die manichäische Partei an Einfluss, und Bögüs religiöse Berater drängen ihn nach dem Tod Daizongs im Jahr 779, die Gelegenheit zu nutzen und das Tang‑Reich anzugreifen. Diese Forderung nach einem neuen großen Krieg setzt jedoch andere Eliten unter Druck, insbesondere Anhänger der traditionellen tengristischen Religion und Pragmatiker, die einen Bruch mit der Tang‑Dynastie vermeiden wollen. Der führende Vertreter dieser oppositionellen Richtung ist Tun Baga Tarkhan, ein hochrangiger Heerführer und überzeugter Tengrist, der strikt gegen einen erneuten Feldzug gegen die Tang ist. Er betrachtet sowohl den Manichäismus als auch die Kriegspläne als Bedrohung für die Stabilität des uigurischen Reiches und beginnt, einen Staatsstreich zu planen.
*'''780:''' Bögü: Im Jahr 780 setzt Tun Baga Tarkhan seinen Plan in die Tat um und führt im uigurischen Hof einen blutigen Staatsstreich durch, um den Krieg gegen die Tang und die Dominanz des Manichäismus zu verhindern. In diesem Putsch lässt er Bögü Kagan zusammen mit etwa 2.000 bis 3.000 seiner Anhänger und Verwandten töten, wodurch die manichäische Hofpartei praktisch ausgelöscht wird. Nach seinem Tod erhält Bögü den postumen Titel Kün Tengrida Qut Bolmish El Tutmish Alp Külüg Bilge Kagan, wobei das zusätzliche Element „Kün Tengrida“ (in etwa „in der Sonnengottheit“) seine manichäische Prägung besonders hervorhebt. Parallel führen andere Traditionen weitere Ehrentitel: Die Tang‑Dynastie verleiht ihm den Investiturtitel Yingyi Kagan, und manichäische Kreise verehren ihn als Zahag‑i Mani, den „Emanation Manis“. In der Religionsgeschichte bleibt Bögü vor allem als erster Herrscher bekannt, der den Manichäismus ausdrücklich sowohl als persönliche Glaubensrichtung als auch als offizielle Staatsreligion übernimmt. Spätere manichäische Traditionen sehen in ihm einen besonders hoch verehrten, fast heiligen König, dessen Herrschaft als Beweis für die Durchsetzungskraft der Lehre Manis im zentralasiatischen Raum gilt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Tun_Baga_Tarkhan '''Kagan Tun Baga Tarkhan (780–789)''']
*'''zuletzt 769'''


==INDIEN==
==INDIEN==
Zeile 651: Zeile 232:


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Kakustha_(Pratihara_dynasty) König Kakustha] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Devaraja_(Pratihara_dynasty) König Devaraja (nacheinander 760-780)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Kakustha_(Pratihara_dynasty) König Kakustha] und [https://en.wikipedia.org/wiki/Devaraja_(Pratihara_dynasty) König Devaraja (nacheinander 760-780)] <br />
*'''780:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Vatsaraja '''König Vatsaraja (780–800 )''']
*[[800#INDIEN | Fortsetzung 800]]
*'''zuletzt 760'''
'''Malla'''
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Kanu_Malla König Kanu Malla (757–764)] <br />
*'''994:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Jagat_Malla '''König Jagat Malla (994–1007)''']
*[[1007#INDIEN | Fortsetzung 1007]]
*zuletzt 757'''


'''Chauhan-Dynastie'''
'''Chauhan-Dynastie'''


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Chandraraja_I König Chandraraja I. (759–771)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Chandraraja_I König Chandraraja I. (759–771)] <br />
*'''771:''' Gegen Ende seiner Regierungszeit bereitet Chandraraja I die Nachfolge innerhalb der Familie vor, sodass nach seinem Tod zunächst sein Bruder Gopendraraja auf den Thron gelangt. Gopendraraja führt daraufhin die Herrschaft der Chahamana fort, ehe wiederum Chandrarajas Sohn Durlabharaja I König wird und damit die direkte Linie Chandrarajas in der Herrscherfolge erneut an die Spitze des Reiches tritt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Gopendraraja '''König Gopendraraja (771–784)''']
*'''zuletzt 759'''
'''Östliche Chalukya'''
*'''772:''' [http://en.wikipedia.org/wiki/Vishnuvardhana_IV '''König Vishnuvardhana IV. (772–808)'''] [[772#INDIEN | Fortsetzung 772]]
*'''Zuletzt 682'''


'''Rashtrakuta'''
'''Rashtrakuta'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Krishna_I König Krishna I. (756-774)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Krishna_I König Krishna I. (756-774)] <br />
*'''774:''' Sein ältester Sohn Govinda II. tritt als designierter Nachfolger auf und übernimmt nach Krishnas Tod die Herrschaft. Krishna I stirbt im Jahr 774, nachdem er von 756 bis 774 als Kaiser der Rashtrakutas regiert hat und eine gefestigte Großmacht im Dekkan hinterlässt. [https://en.wikipedia.org/wiki/Govinda_II '''König Gowinda II. (774–780)''']
*[[780#INDIEN | Fortsetzung 780]]
*'''zuletzt 756'''


'''Westliche Ganga-Dynastie'''
'''Westliche Ganga-Dynastie'''


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Sripurusha König Sripurusha (726–788)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Sripurusha König Sripurusha (726–788)] <br />
*'''788:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Shivamara_II '''König Shivamara II. (788-816)'''] [[788#INDIEN | Fortsetzung 788]]
*'''zuletzt 731'''


'''Pallava'''
'''Pallava'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Nandivarman_II König Nandivarman II. (731–796)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Nandivarman_II König Nandivarman II. (731–796)] <br />
*'''796:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Dantivarman '''König Dantivarman (796–846)'''] [[796#INDIEN | Fortsetzung 796]]
*'''Zuletzt 731'''


'''Anuradhapura'''
'''Anuradhapura'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VI König Aggabodhi VI. (741–781)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VI König Aggabodhi VI. (741–781)] <br />
*'''781:''' Im vierzigsten Jahr seiner Herrschaft stirbt Aggabodhi VI. Nach seinem Tod folgt ihm sein Vetter Aggabodhi VII. auf den Thron von Anuradhapura. [https://en.wikipedia.org/wiki/Aggabodhi_VII '''König Aggabodhi VII. (781-787)'''] [[787#INDIEN | Fortsetzung 787]]
*'''Zuletzt 741'''


==TIBET==
==TIBET==
   
   
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Trisong_Detsen König Trisong Detsen (755–797)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Trisong_Detsen König Trisong Detsen (755–797)] <br />
*'''778:''' Trisong: 778 schließt der König ein Bündnis mit Nanzhao, um gemeinsam die Chinesen im Gebiet des heutigen Sichuan anzugreifen.
*[[779#TIBET | Fortsetzung 779]]
*'''779:''' Trisong: 779 initiiert Śāntarakṣita sieben Tibeter zu Mönchen, darunter vermutlich frühere Soldaten, und begründet damit eine erste ordensmäßige Sangha in Tibet. In dieser Zeit entwickelt sich unter Trisong Detsens Schirmherrschaft auch Sowa Rigpa, die traditionelle tibetische Medizin.
*'''783:''' Trisong: 783 schließt Tibet mit China einen Friedensvertrag, in dem Tibet alle Gebiete im heutigen Qinghai zugesprochen werden. In der gleichen Epoche beginnt Trisong Detsen, Tibet westwärts bis an den Amu‑Darya auszuweiten und den Abbasiden‑Kalifen Hārūn ar‑Raschīd zu bedrohen. Der Kalif fühlt sich dadurch so beunruhigt, dass er ein Bündnis mit dem chinesischen Kaiser schließt, sodass Tibet im Westen mit arabischen Kriegen beschäftigt ist, während der Druck auf China im Osten und Norden nachlässt. - Bis spätestens Ende der 780er Jahre gilt Trisong Detsen als bedeutender Förderer der indo‑tibetischen Vajrayana‑Tradition, während parallel die chinesischen Chan‑Strömungen im Land präsent sind. In dieser Zeit etabliert sich die Vorstellung der drei Dharma‑Könige Songtsen Gampo, Trisong Detsen und Ralpachen, die als maßgebliche Stifter des tibetischen Buddhismus gelten. Trisong Detsen wird später außerdem traditionell mit dem Bau der Stupa von Boudhanath im Kathmandutal in Nepal verbunden.
*'''792:''' Trisong: Von 792 bis 794 veranstaltet Trisong Detsen bei Samye die berühmte zweijährige Debatte, die in westlicher Forschung als „Konzil von Lhasa“ bezeichnet wird. Dort diskutieren der Chan‑Meister Moheyan, der eine Form des chinesischen Chan vertritt, und der indische Gelehrte Kamalaśīla, Schüler Śāntarakṣitas, die Frage nach Weg und Methode zur Erleuchtung. Stein zufolge vertritt Kamalaśīla einen „allmählichen Weg“ mit Läuterungspraxen und Paramitas, siegt in der Debatte, und der König stellt sich auf seine Seite.
*'''794:''' Trisong: 794 bricht Nanzhao mit Tibet, führt die Schlacht von Shenchuan, um sich aus der tibetischen Umklammerung zu lösen, und erneuert anschließend das Bündnis mit dem Tang‑Reich. Unterdessen festigen die kombinierten Anstrengungen von Padmasambhava, Śāntarakṣita und Kamalaśīla sowohl die indisch‑buddhistische Philosophie als auch den tantrischen Buddhismus dauerhaft in Tibet. Gegen Ende seiner Herrschaft hat Trisong Detsen das Reich über frühere Grenzen hinaus erweitert, die Grenze zu China 783 neu festgelegt und zeitweise die chinesische Hauptstadt besetzt.
*'''797:''' Trisong: Trisong Detsen hat drei Söhne: Mutri, Muné Tsenpo (Murub) und Mutik Tsenpo (Sadnalegs); der älteste, Mutri Tsenpo, stirbt früh. 797 zieht sich Trisong Detsen in den Palast von Zungkar zurück, verfasst Dharmatexte und übergibt den Thron an seinen zweiten Sohn Muné Tsenpo. Muné Tsenpo verfolgt in etwa eineinhalb Jahren zahlreiche spirituelle und weltliche Ziele und besteht laut Testament von Ba darauf, dass das Begräbnis seines Vaters nach buddhistischen, nicht nach traditionellen Riten abläuft.
*'''Zuletzt 762'''
==KHMER==
'''Chenla'''
*'''Zuletzt 716'''
==CHAMPA==
*'''Zuletzt 686'''


==CHINA==
==CHINA==
Zeile 734: Zeile 263:


*[http://en.wikipedia.org/wiki/Emperor_Daizong_of_Tang Kaiser Daizong (762–779)] <br />
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Emperor_Daizong_of_Tang Kaiser Daizong (762–779)] <br />
*'''778:''' Li Kuo: Die Aktivitäten Li Kuos als Kronprinz bleiben in den offiziellen Chroniken weitgehend unerwähnt, doch 778 erklärt Daizong nach der Hinrichtung des korrupten Kanzlers Yuan Zai, Li Kuo habe dessen Verfehlungen aufgedeckt.
*[[779#CHINA | Fortsetzung 779]]
*'''779:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Tang_Dezong '''Kaiser Tang Dezong (779–805)'''] 779 erkrankt Daizong schwer, Li Kuo regiert kurzzeitig als Regent und tritt nach Daizongs Tod noch im selben Jahr als Kaiser Dezong die Nachfolge an. Unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt 779 setzt Dezong eine Reihe markanter Akzente zur Abgrenzung von der Politik seines Vaters. Er verbannt den Kanzler Chang Gun, ersetzt ihn durch Cui Youfu und lässt auf Cuīs Empfehlung Yang Yan zum Kanzler ernennen. Den mächtigen Feldherrn Guo Ziyi drängt er, wenn auch mit vielen Ehrentiteln, in den Ruhestand und verteilt dessen Kommandos auf Li Huaiguang, Chang Qianguang und Hun Jian. Dezong lässt die Tiere des kaiserlichen Tiergartens freilassen, entlässt zahlreiche Palastdamen und verbietet Eunuchen in Kurierfunktion das Annehmen von Geschenken. Den lange halbautonomen Militärgouverneur Cui Ning von Xichuan lässt er nach Chang’an kommen und entzieht ihm de facto die Kontrolle über die Region. Auf Vorschlag Yang Yans reformiert er das Steuersystem grundlegend und führt das Gesetz der „Zwei Steuern“ (Liangshui fa) ein, das Grundeigentümer entlastet und nun auch Händler besteuert. Dezong nimmt die Suche nach seiner Mutter Shen wieder auf, ehrt sie in Abwesenheit als Kaiserinwitwe und beauftragt Beamte und Mitglieder des Shen‑Clans mit der Suche, die zugleich mit Titeln bedacht werden. 781 halten die Suchenden fälschlich eine Adoptivtochter des alten Eunuchen Gao Lishi für die Kaiserinwitwe, bringen sie nach Chang’an und ehren sie, bis ihr Bruder Gao Chengyue die Täuschung meldet und die Frau gesteht. Dezong verzichtet bewusst auf Bestrafung, um zukünftige Hinweise nicht zu ersticken; auch spätere angebliche „Kaiserinmütter Shen“ erweisen sich als Betrügerinnen, die echte Shen bleibt verschwunden.
*'''780:''' Dezong: Parallel erwägt Dezong auf Yang Yans Anregen Feldzüge zur Rückgewinnung der an Tibet verlorenen westlichen Präfekturen. Er setzt den für seine Härte berüchtigten Li Huaiguang als Oberkommandierenden ein, was 780 in Jingyuan eine Meuterei auslöst. Dezong lässt die Jingyuan‑Revolte zwar niederschlagen, bricht aber seine Tibet‑Pläne ab.
*'''781:''' Dezong: Beim Regierungsantritt Dezongs existieren vier große, faktisch autonome Militärbezirke: Pinglu unter Li Zhengji, Weibo unter Tian Yue, Chengde unter Li Baochen und Shannan Ost unter Liang Chongyi. Diese Gouverneure sind miteinander verbündet und wollen ihre Herrschaften erblich in der Familie weitergeben. 781 stirbt Li Baochen, sein Sohn Li Weiyue bittet formell um Bestätigung als Nachfolger, doch Dezong verweigert dies und nutzt den Fall zum Angriff auf das erblich gewordene Militärgouverneurswesen. Die vier Regionen rüsten daraufhin zum Krieg, und als noch im selben Jahr Li Zhengji stirbt, wird auch dessen Sohn Li Na nicht anerkannt. Dezong setzt Li Xilie von Huaixi gegen Shannan Ost ein, Ma Sui, Li Baozhen und Li Sheng gegen Weibo und Zhu Tao von Lulong gegen Chengde. Ma, Li Baozhen und Li Sheng schlagen Tian Yues Truppen, belagern dessen Hauptstadt Wei‑Zhou, Li Xilie treibt Liang Chongyi in den Selbstmord, und Zhu Tao gewinnt mit Hilfe von Zhang Xiaozhong, der Li Weiyue verrät, die Oberhand; Wang Wujun tötet Li Weiyue und ergibt sich, während Li Na bei Pu‑Zhou eingeschlossen wird.
*'''782:''' Dezong: Bis Frühjahr 782 scheint Dezong kurz vor dem Durchbruch zur Wiederherstellung der kaiserlichen Autorität zu stehen. Doch er verprellt Zhu Tao, indem er ihm nicht die gewünschte Präfektur Shen‑Zhou gibt, und beleidigt Wang Wujun, indem er ihn nur als untergeordneten Militärpräfekten einsetzt. Außerdem weist er Li Nas Kapitulation zurück. Zhu und Wang verbünden sich daraufhin mit Tian Yue, entsetzen Wei‑Zhou, schlagen die kaiserlichen Heere und ermöglichen Li Na die Flucht nach Yun‑Zhou; alle vier Kommandeure nehmen Fürstentitel an und distanzieren sich vom Tang‑Hof, behalten aber Dezongs Äranamen bei und ziehen schließlich auch Li Xilie auf ihre Seite. In dieser Phase stirbt Cui Youfu, Lu Qi rückt neben Yang Yan zum Kanzler auf, beeinflusst Dezong stark und überzeugt ihn von Yangs angeblichem Hochverrat, worauf Yang hingerichtet wird. Unter Lus Einfluss wird Dezong zunehmend hart, was Beamte und Volk gegen ihn einnimmt. Zur Finanzierung der Mehrfrontenkriege führt er neue Haus‑ und Verkehrsteuern ein, die die Bevölkerung schwer belasten und zur Denunziation bei Steuervergehen ermutigen; Beschwerden mehren sich im ganzen Reich. Der Gelehrte Lu Zhi warnt Dezong eindringlich vor weiteren Feldzügen und neuen Abgaben, da das Reich kurz vor einem Flächenaufstand steht, doch Dezong ignoriert ihn.
*'''783:''' Dezong: Am 2. November 783 meutern in Chang’an stationierte Soldaten aus Jingyuan, weil sie keine erwarteten Belohnungen erhalten und nur vegetarische Kost bekommen. Sie greifen den Palast an, zwingen Dezong zunächst zur Flucht nach Xianyang und weiter nach Fengtian. Die Aufständischen rufen Zhu Taoes Bruder Zhu Ci, einen früheren Militärgouverneur von Jingyuan, zu ihrem Anführer aus, der bald ein eigenes Qin‑Königtum proklamiert, zahlreiche Beamte gewinnt und andere zwingt, sich mit dem Kaiser nach Fengtian zurückzuziehen. Zhu Ci belagert Fengtian über einen Monat hinweg, die kleine Stadt steht kurz vor dem Fall. Li Huaiguang marschiert jedoch eilig vom Weibo‑Frontabschnitt heran, so dass Zhu die Belagerung verstärkt, die Stadt aber nicht einnimmt und sich mit Li Huaiguangs Nahen wieder nach Chang’an zurückzieht. Trotz Li Huaiguangs entscheidender Hilfe verweigert Dezong ihm eine persönliche Audienz und befiehlt ihm stattdessen, gemeinsam mit Li Sheng, Li Jianhui und Yang Huiyuan Chang’an zurückzuerobern. Lu Qi, der weiß, dass Li Huaiguang ihn hasst, hat diesen Rat gegeben, um seiner eigenen Anklage zu entgehen. Li Huaiguang entfremdet sich, reicht zwar Bittschriften zur Verbannung Lu Qis und seiner Gefolgsleute ein; Dezong verbannt Lu, Bai Zhizhen und Zhao Zan.
*'''784:''' Dezong: Auf Vorschlag Lu Zhis erlässt Dezong am Neujahrstag 27. Januar 784 einen großen Gnadenerlass, macht sich selbst für die Aufstände verantwortlich, begnadigt sämtliche Warlords und ihre Truppen mit Ausnahme von Zhu Ci und befreit die an der Anti‑Zhu‑Kampagne beteiligten Soldaten von Steuern. Wang Wujun, Tian Yue und Li Na legen daraufhin ihre Fürstentitel ab und erkennen die Tang‑Oberhoheit erneut an, Dezong bestätigt sie als Militärgouverneure ihrer Gebiete. Li Xilie dagegen ruft ein eigenes Reich Chu aus, während Zhu Tao nach Süden zieht, um sich Zhu Ci anzuschließen. Als Tian Yue sich weigert, sich Zhu Tao anzuschließen, wird Weibo angegriffen, hält aber stand. Nach Tian Yues Ermordung übernimmt sein Cousin Tian Xu, der zunächst die Nähe zu Zhu Tao sucht, dann aber mit Wang Wujun und Li Baozhen ein Bündnis eingeht und Zhu Tao militärisch schlägt, so dass dieser nach Lulong flieht. Unterdessen verhandelt der entfremdete Li Huaiguang heimlich mit Zhu Ci, der sein Reich inzwischen in Han umbenannt hat. Zhu verspricht, Li Huaiguang als älteren Bruder zu behandeln und mit ihm die Guanzhong‑Region zu teilen, beide jeweils als Kaiser eines eigenen Staates. Am 20. März 784 erhebt sich Li Huaiguang offen und schließt sich Zhu an, worauf Dezong von Fengtian nach Liang‑Zhou ausweicht. Mehrere wichtige Offiziere Li Huaiguangs – Han Yougui, Dai Xiuyan, Luo Yuanguang und Shang Kegu – verweigern den Aufstand und stellen sich unter Li Shengs Befehl, den Dezong zum Oberkommandierenden im Raum Guanzhong macht. Als Li Huaiguang geschwächt ist, behandelt Zhu Ci ihn nur noch als Untergeordneten, was Li verbittert und verängstigt; er zieht sich nach Hezhong zurück. Li Sheng bereitet den entscheidenden Angriff auf Chang’an vor, beginnt am 12. Juni 784 die Offensive und nimmt die Stadt am 20. Juni ein. Zhu Ci flieht Richtung Tibet, wird aber von eigenen Soldaten getötet, sein Staat Han endet. Am 3. August 784 kehrt Dezong nach Chang’an zurück. Dezong bemüht sich anschließend, Li Huaiguang zur Rückkehr in die Loyalität zu bewegen, und dessen erste Reaktion ist positiv. Doch als der Gesandte Kong Chaofu in Hezhong ankommt, empfinden Li Huaiguangs Soldaten sein Auftreten als respektlos, töten ihn offenbar mit stillschweigender Billigung ihres Befehlshabers, worauf Li Huaiguang weiter Widerstand leistet. Bis Herbst 785 zwingen ihn die vereinten Truppen von Ma Sui und Hun Jian, in Hezhong Selbstmord zu begehen; seine Armee unterwirft sich wieder Tang.
*'''786:''' Dezong: Li Xilie setzt seine Expansionsversuche fort, stößt jedoch mehrfach auf Widerstand kaiserlicher Generäle. Im Sommer 786, als Li Xilie erkrankt, vergiftet ihn sein General Chen Xianqi, tötet dessen Familie und unterstellt sich wieder Dezong, wird aber selbst kurz darauf von Wu Shaocheng ermordet, der nominell weiter dem Tang‑Hof huldigt. Nominal steht das Reich damit wieder vollständig unter Dezongs Oberhoheit. Gleichzeitig ist das Reich durch die jahrelangen Kriege schwer geschwächt, tibetische Heere nutzen die Lage und fallen wiederholt in Tang‑Gebiet ein. Der tibetische Kanzler Shang Jiezan ist überzeugt, die Tang erobern zu können, wenn er die drei Generäle Li Sheng, Ma Sui und Hun Jian ausschaltet. Dezong ist inzwischen von mächtigen Feldherren zunehmend verängstigt; Gerüchte Shangs und Intrigen des Kanzlers Zhang Yanshang wecken Misstrauen gegen Li Sheng, der zu dieser Zeit als Militärgouverneur von Fengxiang dient.
*'''787:''' Dezong: 787 ruft Dezong Li Sheng nach Chang’an zurück, beruft ihn zum Kanzler und nimmt ihm das Militärkommando. Shang bietet über Ma Sui einen Friedensvertrag an; Dezong glaubt an seine Aufrichtigkeit, missachtet Li Shengs Warnungen und stimmt zu. Auf Shangs Wunsch schickt er Hun Jian zur Vertragsunterzeichnung; am 8. Juli 787 gerät Hun in einen Hinterhalt, entgeht aber dank des Eingreifens von Luo Yuanguang und Han Yougui der Gefangennahme. Ma Sui, der den Frieden eingefädelt hat, wird zur Verantwortung gezogen, nach Chang’an beordert und seines Kommandos in Hedong enthoben. Nach diesem Debakel holt Dezong Li Mi aus der Provinz zurück und macht ihn zum Kanzler, der bald de facto alleiniger Regierungschef wird. Auf Li Mis Rat hin ermuntert der Hof Soldaten, sich in den Grenzgebieten zu Tibet anzusiedeln, und verspricht ihnen Land sowie Saatgut, um das Grenzland neu zu bevölkern und zu sichern. Li Mi plädiert außerdem für ein Heiratsbündnis mit dem Huige‑Herrscher Yaoluoge Dunmohe, was Dezong wegen seines alten Hasses zunächst ablehnt, dann aber auf Zustimmung von Li Sheng und Ma Sui doch akzeptiert. Da Huige inzwischen gegen Tibet kämpft und der Vasall Nanzhao sich von Tibets Feldzügen distanziert, ebbt der tibetische Druck ab und Tang‑Generäle erzielen wieder Erfolge. Inzwischen fordert Dezong regelmäßig Tribute von den Militärgouverneuren für seine private Schatzkammer. Li Mi versucht, diesen Schatzhunger zu zügeln, indem er eine feste Jahresdotation für den Kaiser einführt, die Dezong zunächst akzeptiert. Gleichwohl verlangt er weiter geheime Tribute und befiehlt den Gouverneuren, Li Mi nicht zu informieren; als Li Mi es dennoch erfährt, verfällt er in Resignation und wagt keine erneute Kritik.
*'''789:''' Dezong: 789 stirbt Li Mi, Dou Can, den dieser empfohlen hat, steigt für einige Zeit zum dominierenden Kanzler auf, verliert aber bald die kaiserliche Gunst, wird verbannt und schließlich zum Selbstmord gezwungen. Lu Zhi rückt zum Hauptkanzler auf und entwirft umfangreiche Reformpläne für Beamtenwesen, Nachschubsystem und Kontrolle der Militärprovinzen.
*'''792:''' Dezong: Dezong ist inzwischen so furchtsam gegenüber regionalen Kommandeuren, dass er neue Gouverneure nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der führenden Offiziere der jeweiligen Truppen einsetzt. So will er 792 nach dem Tod von Liu Xuanzuo in Xuanwu dessen Großonkel Wu Cou einsetzen, gibt diesen Plan aber auf, als die Soldaten Liu Xuanzuos Sohn Liu Shining ausrufen und akzeptiert ihn als Militärgouverneur. Lu Zhi gerät bald in Konflikt mit Dezongs Günstling Pei Yanling, der kaiserliche Gunst gewinnt, indem er angebliche neue Einnahmequellen erschließt. Bis 794 verliert Lu den Machtkampf und sein Kanzleramt, 795 folgt die Verbannung.
*'''794:''' Dezong: Nach dem Sturz des Kanzlers Lu misstraut Dezong Kanzlern generell immer stärker und nimmt die Auswahl von Beamten persönlich an sich. Da er nicht alle Kandidaten kennen kann, stützt er sich noch mehr auf Empfehlungen von Pei Yanling und anderen Favoriten wie Li Qiyun, Wang Shao, Li Shi, Wei Zhiyi und Wei Qumou. Deren Wort kann Karrieren zerstören oder befördern, und viele Beamte suchen ihren Aufstieg durch Schmeichelei bei diesen Männern. Gleichzeitig öffnet sich Dezong immer stärker für Tributzahlungen der Militärgouverneure. Die Regionalherren senden reiche Gaben nach Chang’an, um ihre Positionen zu sichern und kaiserliche Gunst zu gewinnen. Zugleich steigen eunuchische Kommandeure wie Dou Wenchang und Huo Xianming an die Spitze der Shence‑Garden‑Armee auf, aus deren Reihen viele Militärgouverneure hervorgehen, was die Macht dieser Hofeunuchen stark vergrößert.
*'''799:''' Dezong: 799 beginnt Wu Shaocheng, der nun Zhangyi (früher Huaixi) beherrscht, sein Umland zu plündern, ohne dass die Quellen klare Motive nennen. Dezong befiehlt die Militärgouverneure der Nachbarregionen – Yu Di (Shannan Ost), Han Hong (Xuanwu), Yi Shen (Anhuang) und Shangguan Shui (Chenxu) – zum gemeinsamen Angriff. Anfangs haben sie Erfolg, scheitern aber an mangelnder Koordination und brechen um die Jahreswende 800 plötzlich zusammen, wodurch Wu große Vorräte erbeutet. Darauf überträgt Dezong Han Quanyi von Xiasui den Oberbefehl, doch dieser wird mehrfach von Wu geschlagen. Auf Rat des Xichuan‑Gouverneurs Wei Gao und des Kanzlers Jia Dan stellt Dezong Wu Shaocheng Ende 800 eine Begnadigung in Aussicht und beendet so den erfolglosen Feldzug. Um diese Zeit haben Wei Gao und der Nanzhao‑König Yimouxun, der nach der Schlacht von Shenchuan wieder in das chinesische Tributsystem eingetreten ist, den Tibetern mehrere Niederlagen beigebracht. Tibet stellt nun eine deutlich geringere Bedrohung für die Sicherheit der Tang‑Grenzen dar.
*'''805:''' Dezong: Währenddessen ist der älteste Sohn Dezongs, Kronprinz Li Song, eng mit den jungen Beamten Wang Pi und Wang Shuwen befreundet. Wang Pi, Wang Shuwen und ihre Kreise – darunter Wei Zhiyi, Lu Chun, Lü Wen, Li Jingjian, Han Ye, Han Tai, Chen Jian, Liu Zongyuan und Liu Yuxi – entwerfen Reformpläne für die Zeit nach Li Songs Thronbesteigung und bilden faktisch eine Schattenregierung. Im Winter 804 erleidet Li Song einen Schlaganfall, wird teilweise gelähmt und stumm. Im Frühjahr 805 führt Li Songs Krankheit bei Dezong zu tiefer Depression und schließlich schwerer Erkrankung. Dezong stirbt am 25. Februar 805 in Chang’an, und trotz Spekulationen über die Regierungsfähigkeit des kranken Kronprinzen besteigt Li Song den Thron als Kaiser Shunzong.
*'''zuletzt 764'''


==KOREA==
==KOREA==
Zeile 757: Zeile 269:
   
   
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Hyegong_of_Silla König Hyegong (765–780)] <br />In diesem Jahr flammt der Widerstand gegen Hyegong erneut auf, wiederum getragen von hochrangigen Funktionsträgern.  
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Hyegong_of_Silla König Hyegong (765–780)] <br />In diesem Jahr flammt der Widerstand gegen Hyegong erneut auf, wiederum getragen von hochrangigen Funktionsträgern.  
*[[775#KOREA | Fortsetzung 775]]
*[[775#KOREA | Fortsetzung 775]] [[Kategorie:Silla]]
 
*'''775:''' Hyegong: Im Jahr 775 folgen weitere Rebellionen, wiederum von hohen Beamten angeführt. Die Häufung von Aufständen innerhalb weniger Jahre offenbart, dass Hyegongs Herrschaftszeit von andauernden inneren Kämpfen und struktureller Instabilität geprägt ist. Der Hof bleibt von Misstrauen und Fraktionsbildung durchzogen, und die königliche Autorität verliert Stück für Stück an Bindekraft. Diese Entwicklungen bereiten letztlich den Boden für den entscheidenden Aufstand, der wenige Jahre später zum Sturz des Königs führt.
*[[780#KOREA | Fortsetzung 780]]
 
*'''780:''' Hyegong: Im Jahr 780 bricht eine neue, besonders gefährliche Rebellion aus. Angeführt wird sie von Kim Chi-jeong, der den Rang eines ichan innehat, also zu den höchsten Beamten des Reiches zählt. Der Aufstand richtet sich offen gegen Hyegong und die bestehende Ordnung. Die Lage eskaliert, sodass militärische Maßnahmen notwendig werden. Hyegong reagiert, indem er den ranghöchsten Beamten sangdaedeung Kim Yang-sang beauftragt, den Aufstand niederzuschlagen. Kim Yang-sang führt die loyalen Truppen gegen die Rebellen. Dennoch gelingt es den Aufständischen, die Palastanlage zu stürmen. Im Zuge dieses Angriffs wird Hyegong zusammen mit weiteren Mitgliedern der königlichen Familie ermordet. Mit seinem Tod im Jahr 780 endet nicht nur seine persönliche Herrschaft, sondern auch die Linie der Nachkommen König Muyeols auf dem Thron. In der Rückschau gilt Hyegongs Regierung deshalb als Abschluss der mittleren Periode des Silla‑Staates. Kim Yang-sang, der aus einer anderen königlichen Linie stammt und als elfter Generationen‑Nachkomme von König Naemul gilt, übernimmt nach diesen Ereignissen die Macht. Er besteigt als König Seondeok von Silla den Thron und leitet damit eine neue Phase der Silla‑Geschichte ein. Hyegong ist mit mindestens zwei Königinnen verheiratet. Eine seiner Gemahlinnen ist Königin Wi aus dem Wi‑Klan. Eine weitere Gemahlin ist Königin Changchang aus dem Kim‑Klan, Tochter von Kim Chang. Trotz dieser Verbindungen bleibt Hyegong der letzte Herrscher auf dem Silla‑Thron, der direkt von König Muyeol abstammt, sodass mit seinem Tod eine bedeutende dynastische Linie endet. [https://en.wikipedia.org/wiki/King_Seondeok_of_Silla '''König Seondeok (780–785)''']
*'''Zuletzt 770'''


'''Balhae'''
'''Balhae'''


*[https://en.wikipedia.org/wiki/Mun_of_Balhae König Mun (737–793)] <br />
*[https://en.wikipedia.org/wiki/Mun_of_Balhae König Mun (737–793)] <br />
*'''774:''' Ab 774 verwendet Mun zusätzlich die Ära-Bezeichnung Poryŏk, die mindestens bis 781 in Gebrauch bleibt. Die Tang-Dynastie erkennt ihn offiziell als König an, während Balhae ihn im eigenen Herrschaftsdiskurs mit Titeln wie „Taehŭng poryŏk hyogam kŭmnyun sŏngbŏp Taewang“, „Kadokpu“, „Seongwang“ und „Kiha“ als himmlischen Nachkommen und kaiserliche Gestalt darstellt. [[793#KOREA | Fortsetzung 793]]
*'''793:''' [https://en.wikipedia.org/wiki/Tae_W%C5%8Fn%C5%ADi '''König Tae Wŏnŭi (793)''']
*[http://en.wikipedia.org/wiki/Mu_of_Balhae Liste der Könige von Balhae]
*'''zuletzt 737'''


==JAPAN==
==JAPAN==
Zeile 780: Zeile 281:
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Kimii-dera '''Kimii-dera (Tempel)'''] <br />Ein chinesischer Mönch namens Ikō (auch Ikō Shōnin genannt) hat gemäss der Legende eine Vision oder nimmt ein Licht auf dem Berg wahr und folgt diesem Zeichen, bis er an einer geeigneten Stelle ankommt, wo er die Gegenwart der Kannon-Bodhisattva als besonders stark empfindet; er wählt einen Hang des Berges über der Bucht von Wakanoura als Ort für die Errichtung einer neuen Kultstätte. An diesem Platz richtet er zunächst eine Art Einsiedelei ein, in der ein Kannon-Bild verehrt wird, und legt damit den Grundstein für den späteren Tempel Kimii-dera, der bald als zweiter Tempel des Saigoku-Pilgerweges gilt. Der Name "Kimii-dera" (Tempel der drei Quellen von Ki) bezieht sich auf drei Quellen oder Brunnen, die sich auf dem Tempelgelände befinden und von den Gläubigen als heilig angesehen werden. Diese drei Wasserstellen gelten als unversiegbar und werden mit Reinheit, Glück und Heilkraft in Verbindung gebracht. So entsteht im Jahr 770 ein eigenständiger buddhistischer Tempel, der in seiner offiziellen Bezeichnung Kimiisan Gōhōji Gokokuin heißt, aber im Volksmund einfach Kimii-dera genannt wird. Siehe auch [https://www.kanpai-japan.com/wakayama/kimii-dera kanpai-japan]
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Kimii-dera '''Kimii-dera (Tempel)'''] <br />Ein chinesischer Mönch namens Ikō (auch Ikō Shōnin genannt) hat gemäss der Legende eine Vision oder nimmt ein Licht auf dem Berg wahr und folgt diesem Zeichen, bis er an einer geeigneten Stelle ankommt, wo er die Gegenwart der Kannon-Bodhisattva als besonders stark empfindet; er wählt einen Hang des Berges über der Bucht von Wakanoura als Ort für die Errichtung einer neuen Kultstätte. An diesem Platz richtet er zunächst eine Art Einsiedelei ein, in der ein Kannon-Bild verehrt wird, und legt damit den Grundstein für den späteren Tempel Kimii-dera, der bald als zweiter Tempel des Saigoku-Pilgerweges gilt. Der Name "Kimii-dera" (Tempel der drei Quellen von Ki) bezieht sich auf drei Quellen oder Brunnen, die sich auf dem Tempelgelände befinden und von den Gläubigen als heilig angesehen werden. Diese drei Wasserstellen gelten als unversiegbar und werden mit Reinheit, Glück und Heilkraft in Verbindung gebracht. So entsteht im Jahr 770 ein eigenständiger buddhistischer Tempel, der in seiner offiziellen Bezeichnung Kimiisan Gōhōji Gokokuin heißt, aber im Volksmund einfach Kimii-dera genannt wird. Siehe auch [https://www.kanpai-japan.com/wakayama/kimii-dera kanpai-japan]
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Kokawa-dera '''Kokawa-dera (Tempel)'''] <br />Der Legende nach ist in der Provinz Kii ein Jäger namens Otomo no Kujiko in den Bergen unterwegs und empfindet einem bestimmten Ort als von überirdischem Licht erfüllt; er erkennt ihn als heiligen Ort und beginnt, an genau dieser Stelle eine erste bescheidene Kultstätte zu errichten, die als Keimzelle des späteren Tempels Kokawa-dera gilt.  
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Kokawa-dera '''Kokawa-dera (Tempel)'''] <br />Der Legende nach ist in der Provinz Kii ein Jäger namens Otomo no Kujiko in den Bergen unterwegs und empfindet einem bestimmten Ort als von überirdischem Licht erfüllt; er erkennt ihn als heiligen Ort und beginnt, an genau dieser Stelle eine erste bescheidene Kultstätte zu errichten, die als Keimzelle des späteren Tempels Kokawa-dera gilt.  
*[[772#JAPAN | Fortsetzung 772]]
*[[772#JAPAN | Fortsetzung 772]] [[Kategorie:Japan]]
 
*'''772:''' Kōnin erhebt seine Gemahlin Prinzessin Inoe, eine Tochter des früheren Tennō Shōmu, zur Kaiserin und macht den gemeinsamen Sohn Prinz Osabe zum Kronprinzen. Am Hof bildet sich jedoch ein Lager um Prinz Yamabe, einen Sohn Kōnins mit der Konkubine Takano no Niigasa, das auf eine Änderung der Nachfolge drängt. 772 erhebt der Hof gegen Kaiserin Inoe die Anklage der Hochverratsmagie, sie soll durch Fluchzauber den Kaiser und andere Mitglieder der kaiserlichen Familie geschädigt haben; zugleich verliert Osabe seine Stellung als Kronprinz und wird herabgesetzt. Die beiden werden im folgenden Jahr unter Hausarrest gestellt und sterben bald darauf unter ungeklärten, als "unnatürlich" beschriebenen Umständen, was den Verdacht auf eine politisch motivierte Ausschaltung nährt. Nach dem Sturz Inoes und Osabes verliert auch Kōnins Gemahlin Ikami (Inoe) ihren Rang, sie erkrankt und stirbt kurze Zeit später, sodass die alte Thronfolgelinie endgültig ausgeschaltet ist. Am Hof setzt sich nun das Lager um Prinz Yamabe durch; Historiker vermuten später eine gezielte Intrige Yamabes und seiner Verbündeten hinter den Vorwürfen gegen Inoe und Osabe. Kōnin ernennt schließlich Yamabe zum neuen Kronprinzen und bereitet damit die spätere Thronbesteigung vor, durch die der spätere Kaisers Kanmu an die Macht kommt. In dieser späten Phase seiner Herrschaft konzentriert sich Kōnin weiterhin auf die Stabilisierung der Verwaltung, während die Weichen für eine umfassende politische Neuausrichtung unter seinem Sohn gestellt werden. Siehe auch [https://religion-in-japan.univie.ac.at/kami/K%C5%8Dnin_Tenn%C5%8D#:~:text=nicht%20der%20Linie%20der%20Regenten%2C%20da%20Tenn%C5%8D%20Tenmu religion-in-japan]
*[[781#JAPAN | Fortsetzung 781]]
*'''781:''' Im Jahr 781, im ersten Jahr der Ära Ten’ō, legt Kōnin nach etwa elf Regierungsjahren sein Amt nieder und dankt zugunsten seines Sohnes Yamabe ab, der als Tennō Kanmu den Thron besteigt. Mit der Abdankung übergibt Kōnin seinem Sohn ein formal konsolidiertes, aber politisch im Wandel befindliches Reich, aus dem Kanmu wenig später durch die Verlegung der Hauptstadt nach Nagaoka und schließlich nach Heian eine neue Epoche formt. Im zwölften Monat desselben Jahres 781/782 (nach westlicher Zählung im Januar 782) stirbt Kōnin im Alter von etwa 73 Jahren und beendet damit ein Leben, das von einem späten, überraschenden Aufstieg zum Kaiser und von innerhofischen Machtkämpfen geprägt ist.
*'''781:''' [http://de.wikipedia.org/wiki/Kammu '''Tennō Kammu (781–806)'''] 781 besteigt Kammu im Alter von etwa 45 Jahren den Thron und wird der 50. Tennō von Japan. Seine Thronbesteigung stößt auf Widerstand, weil seine Mutter nicht-japanische Wurzeln hat; wichtiger politischer Förderer ist Fujiwara no Momokawa.​ Zu Beginn seiner Herrschaft versucht Kammu, die kaiserliche Macht zu stärken, Verwaltungsstrukturen zu ordnen und das Reich militärisch zu festigen. Er führt Feldzüge gegen die Emishi im Norden Honshūs, stützt sich dabei auf regionale Clans und etabliert in diesem Zusammenhang den Titel Shōgun.​
*'''784:''' Kammu verlegt die Hauptstadt von Heijō-kyō nach Nagaoka-kyō, um sich dem Einfluss der mächtigen buddhistischen Tempel von Nara zu entziehen. Kurz darauf kommt es zur Ermordung von Fujiwara no Tanetsugu, was politische Spannungen und Verdächtigungen am Hof auslöst.​ Kammus Bruder Prinz Sawara, zuvor Kronprinz, wird der Verwicklung in diesen Mord beschuldigt, verbannt und stirbt auf dem Weg ins Exil nach Awaji. Später wird er unter dem postumen Titel Sudō Tennō geehrt, weil sein unruhiger Geist nach damaligem Glauben Unglück über Kaiserhaus und Fujiwara bringt.​ Die Jahre in Nagaoka-kyō sind von Unglücken, Aufständen, Hungersnöten und der allgemeinen Belastung durch Wehrpflicht und Kriege geprägt. In religiöser Deutung erscheinen Himmelszeichen und ein Mondfinsternis-Omen als Hinweis, dass der Standort der Hauptstadt unheilvoll ist.​
*'''794:''' Kammu lässt den Bau von Nagaoka-kyō abbrechen und verlegt die Hauptstadt nach Heian-kyō, das spätere Kyōto, womit die Heian-Zeit beginnt. In Heian-kyō richtet er unter anderem die Trainingshalle Butokuden ein, die als wichtige militärische und rituelle Einrichtung gilt.​ Kammu entsendet die Mönche Saichō und Kūkai nach China, damit sie Lehren des Buddhismus studieren, aus denen später in Japan Tendai- und Shingon-Schulen hervorgehen. Dadurch fördert er religiöse und kulturelle Entwicklungen, die die Heian-Zeit prägen.​ Während seiner Herrschaft entstehen auch Nebenlinien des Kaiserhauses: Kammu ist Vater der späteren Tennō Heizei, Saga und Junna und Ahnherr des Taira-Klans, dem zahlreiche Prinzen ohne Hofamt angehören. Gegen Ende seiner Regierungszeit nimmt der Einfluss der Fujiwara-Familie wieder zu, auch wenn Kammu zeitweise deren Macht begrenzt.​
*'''806:''' Kammu stirbt in Heian-kyō
*'''Zuletzt 770'''
 
==KALINGGA==
 
*'''Zuletzt 725'''


==QUELLEN==
==QUELLEN==

Aktuelle Version vom 18. Februar 2026, 20:43 Uhr

767 | 768 | 769 | 770 | 771 | 772 | 773

WELTALL

  • C/770 K1 (Komet)
    0526D: In diesem Jahr wird ein ungewöhnlich heller Komet sichtbar, der später die Bezeichnung C/770 K1 erhält. In den chinesischen Chroniken Jiù Táng Shū, Táng Huì Yào und Xīn Táng Shū wird er als "Besenstern" beschrieben, was auf einen deutlich erkennbaren Schweif hinweist. Am 26. Mai erscheint dieser "Besenstern" zum ersten Mal am nördlichen Himmel, vermutlich am Morgen, und zeigt sich als weißes, sehr helles Objekt mit einem etwa 30 Grad langen Schweif. Die weiße Farbe der Erscheinung weist auf eine hohe Helligkeit hin, sodass der Komet leicht mit bloßem Auge zu sehen ist. Am 19. Juni wird der Komet erneut am Morgenhimmel beobachtet, wobei er sich scheinbar nach Osten über den Himmel bewegt. Er bleibt damit über mehrere Wochen ein auffälliges Himmelsobjekt, das wiederholt gesichtet wird. Am 9. Juli erfolgt eine weitere Sichtung, diesmal am Abendhimmel. Um den 10. Juli erreicht der Komet eine Helligkeit von etwa 1 bis 2 Größenklassen (mag), wodurch er zu den besonders auffälligen „Großen Kometen“ zählt. Gemäss späteren Berechnungen hat sich der Komet der Erde an diesem Tag bis auf etwa 44 Millionen Kilometer oder ungefähr 0,30 Astronomische Einheiten genähert. Am 25. Juli wird der "Besenstern" schließlich zum letzten Mal gesehen, wahrscheinlich wiederum in den Abendstunden, bevor er aus dem Blickfeld der Beobachter verschwindet.
    Im koreanischen Geschichtswerk Samguk Sagi wird am Morgen des 9. Juli ebenfalls ein "Besenstern" erwähnt, dessen Beschreibung zeitlich zu den chinesischen Beobachtungen passt. Ob dieser Komet später wieder ins innere Sonnensystem zurückkehrt wird oder zurückgekehrt ist, lässt sich aufgrund mangelnder Daten nicht errechnen; er bleibt daher ein einmalig dokumentiertes astronomisches Objekt.

MAYA

Palenque

Talol

  • Ajaw Ukit Kan Lek Tok (770-801)
    Ukit Kan Lek Tok wird um das Jahr 740 in Ek Balam im Norden der Halbinsel Yukatan geboren. Seine Eltern gehören dem lokalen Adel an: Sein Vater heißt Ukit Ahkan, seine Mutter ist eine Adlige, deren Emblemglyphe die Zahl Fünf trägt und in der Mayathan-Sprache „ho“ genannt wird. Im Jahr 770 ist Ukit Kan Lek Tok ungefähr dreißig Jahre alt und übernimmt am 26. Mai formell die Herrschaft über Ek Balam; sein Reich trägt in den Inschriften den historischen Namen Talol. Er lässt an der großen Akropolis der Stadt umfangreiche bauliche Neuerungen vornehmen. An der Treppe der Tempelpyramide entsteht eine Inschrift, die auf seine Bautätigkeit verweist und seine Rolle als Bauherr und religiöser Patron hervorhebt. Auf der vierten Ebene der Akropolis entsteht das Grabmal von Ukit Kan Lek Tok, das im sogenannten Chenes-Stil ausgeführt ist und als repräsentatives Beispiel der spätklassischen Maya-Architektur gilt. Die Fassade des Grabeingangs wird mit Stuck dekoriert, in dem sich eine Miniaturfigur des Maisgottes befindet, deren Gesichtsschädel stark deformiert dargestellt ist. Die Forscher deuten diese Miniatur als bewusste Identifikation des Herrschers mit dem Maisgott, wobei die auffälligen Deformationen des Schädels auf seine realen chronischen Kieferinfektionen und daraus resultierenden Veränderungen anspielen. In seinem Grab werden neben einundzwanzig Vasen mehr als siebentausend Objekte gefunden, darunter Jade, Keramik, Muscheln, Knochen und Pyrit, was auf erheblichen Reichtum und weitreichende Austauschbeziehungen hinweist. Die Fülle und Qualität der Beigaben spiegelt den hohen Status von Ukit Kan Lek Tok wider und unterstreicht seine Rolle als sakral legitimierter Herrscher von Talol.
  • Fortsetzung 801

Tikal

Quiriguá

Copan

EUROPA

  • um 770: Die Pest verschwindet für fast 600 Jahre aus Europa und dem Mittelmeerraum.

PIKTEN

KELTEN

Uí Néill

  • Hochkönig Niall Frossach (763-765/778)
  • Hochkönig Donnchad Midi (766/778-793/797)
    Donnchad zieht mit einem Heer nach Leinster, der dortige König Cellach mac Dúnchada verweigert die Feldschlacht, und Donnchad lagert eine Woche in Dún Ailinne, während seine Krieger das Land plündern. In dieser Zeit des Ausgreifens richtet sich seine Politik vor allem gegen Leinster, das traditionelle Ziel der Uí Néill, und bereitet eine noch aggressivere Phase seiner Herrschaft vor.
  • Fortsetzung 771

Ailech

  • König Máel Dúin mac Áedo Alláin (770-788)
    Máel Dúin mac Áedo Alláin stammt aus dem nordirischen Königsgeschlecht der Cenél nEógain, einem Zweig der nördlichen Uí Néill. Sein Vater Áed Allán ist Hochkönig von Irland und starb im Jahr 743. Im Jahr 770 oder 772 verzichtet Niall Frossach auf das Amt des Hochkönigs und dankt ab. In dieser Situation steigt Máel Dúin zur Königswürde in Ailech auf und wird König von Ailech sowie Oberhaupt des Cenél nEógain.
  • Fortsetzung 771

Ulaid

Connacht

Leinster

  • König Cellach mac Dúnchada (760–776)
    Cellach besiegt in der Schlacht von Áth Orc in der späteren Grafschaft Offaly Cináed mac Flainn von den Uí Failge und Cathnio mac Bécce von den Fothairt, die beide fallen. Im selben Jahr führt der Hochkönig Donnchad Midi von Clann Cholmáin ein Heer der Uí Néill gegen Leinster, doch die Laigin entziehen sich zunächst einem entscheidenden Treffen; daraufhin bleibt Donnchad sieben Tage bei der alten Festung Ráith Ailenn in der Grafschaft Kildare und verwüstet das Land mit Feuer, bis die Männer von Leinster sich ihm unterwerfen. Ebenfalls 770 dringen zwei Sippen des Zweiges Síl nÁedo Sláine der südlichen Uí Néill an der Grenze nach Leinster vor. Die Sippe Uí Chonaing besiegt bei Áth Cliath in Cualu im Süden des heutigen County Dublin die Uí Théig und richtet ein Blutbad unter den Laigin an, doch viele der Sieger ertrinken auf dem Heimweg bei starkem Hochwasser. Die Sippe Uí Chernaig erleidet dagegen eine Niederlage in der Schlacht von Bolg Bóinne, was die Grenzlage Leinsters etwas stabilisiert.
  • Fortsetzung 776

Uí Mháine

  • König Dunchadh ua Daimhine (767–780)
    In den 770er Jahren kommt es zu wiederholten Grenzkonflikten mit den Connachta Die Connachta, insbesondere mit Zweig der Uí Briúin Ai. Im Jahr 770 kommt es zur Schlacht von Achadh Liag bei Cluain Acha Liag, dem später Killeroran genannten Ort, der als Inaugurationsstätte der Könige von Uí Maine dient. In dieser Schlacht besiegen die Uí Briúin die Uí Maine, und die Provinz trägt fortan ihren Namen Connacht. Gegen Ende des Jahrhunderts bleibt Uí Maine zwar im Wesentlichen politisch unabhängig, doch die Stellung des Reiches ist geschwächt und herabgesetzt. Es beginnt eine lange Phase, in der Uí Maine von größeren Nachbarreichen als Staat zweiter oder dritter Ordnung behandelt wird, zunächst von den Königen von Connacht, später vom Earl of Ulster, vom Clanricarde und schließlich vom Earl of Clanricarde. Das Gebiet Thomond westlich des Flusses wird von den Vorfahren der Dál gCais an das Königreich Munster angegliedert.
  • Fortsetzung 780

Dalriada

Gwynedd

Königreich Powys

ANGELSACHSEN

Northumbria

Mercia

East Anglia

Königreich Wessex

Königreich Essex

Königreich Kent

FRÄNKISCHES REICH

  • König Karl der Große (768–800)
    Karl (22) heiratet die – in den Quellen namenlos gebliebene – Tochter Desiderius’, womit er sich demonstrativ von seiner bisherigen Gefährtin Himiltrud abwendet und zugleich das Einverständnis mit der langobardischen Macht im Norden Italiens bekundet. Gleichzeitig verschärft diese Verbindung den Konflikt mit Rom: Das Papsttum betrachtet das langobardische Königtum unter Desiderius als Bedrohung und erwartet von den Karolingern Schutz, nicht Verschwägerung. Die Ehe mit der Langobardenprinzessin bleibt nur von kurzer Dauer, denn schon 771 wird Karl sie wieder lösen und sich neu verheiraten.
  • Reichstag zu Worms
    Karl beruft eine Reichsversammlung nach Worms ein; dies ist seine erste Reichsversammlung als König. Die politische Lage ist angespannt, denn Karl und Karlmann stehen sich misstrauisch gegenüber, und ihre Mutter Bertrada verhandelt gleichzeitig mit König Karlmann in Seltz, etwa 100 Kilometer südlich von Worms im späteren Elsass, um einen Ausgleich zu erreichen, bleibt damit aber erfolglos. Die Wahl von Worms als Versammlungsort hängt möglicherweise mit dieser Konstellation zusammen: Karl entscheidet sich für einen Ort, an dem er seine Herrschaft demonstriert und sich zugleich räumlich und politisch von seinem Bruder absetzt. In Worms existiert zu dieser Zeit eine Königspfalz, die als königliche Residenz- und Regierungsstätte dient und das Zentrum der Reichsversammlung bildet. Diese Pfalz wird später im Jahr 790 durch einen Brand zerstört, ist aber im Jahr 770 ein wichtiger Stützpunkt der königlichen Macht und symbolisiert die Präsenz des Königs im mittleren Rheinraum. Über die konkrete Tagesordnung, die Beschlüsse oder die Teilnehmer der Versammlung ist nichts überliefert; weder Namen noch Zahl der anwesenden Großen, Geistlichen oder sonstigen Reichsangehörigen sind bekannt. Die einzige Quelle, die den Reichstag erwähnt, sind die Annales regni Francorum, die Annalen des Fränkischen Reiches. Dort wird die Versammlung sowohl als allgemeine Reichsversammlung ("conventum generalem in Wormacia civitate") als auch als Synode bezeichnet. Über den Ablauf, die Beratungen und die konkreten Ergebnisse schweigen die Quellen jedoch vollständig.
  • König Karlmann I. (768-771)
  • Erzbischof Turpin (Reims, 748–794)
  • Bischof Angilram (Metz, 768–791)
  • Bischof Gregor (Utrecht (754-775)
  • Bischof Agilfried (Lüttich, 769–787)
  • Erzbischof Lullus (Mainz, 754-786)
  • Bischof Wiomad (Trier, 762-791)
  • Bischof Berowelf (Würzburg, 769–794)
  • Abt Sturmius (Fulda, 2. Amtszeit 765–779)
  • Bischof Johannes II. (Konstanz, 760–782)
  • Damenstift Buchau
    Um 770 gründet Adelindis zusammen mit ihrem Ehemann, dem fränkischen Grafen Warin, auf der Insel Buchau im Federsee ein Frauenkloster. Das Kloster entsteht im Bistum Konstanz und dient der politischen Sicherung und geistlichen Durchdringung des neu gewonnenen Herzogtums Alemannien. Die Gründungslegende erzählt, dass Adelindis, eine hochadelige Frau aus dem Umfeld des karolingischen Hofes, nach dem Tod ihres Mannes an der Stelle, an der er im Kampf gefallen ist, eine Kapelle und ein Kloster errichten lässt und dort später als erste Äbtissin stirbt. In dieser Überlieferung erscheint sie als fromme Stifterin, die ihr Witwenleben in den Dienst Gottes stellt und im Kloster eine Gemeinschaft frommer Frauen um sich sammelt. Neuere Forschungen datieren diese Adelindis um etwa hundert Jahre später, halten aber an der Tatsache fest, dass eine gleichnamige Adelindis, verheiratet mit Graf Warin, als Stifterin des Klosters Buchau gilt und damit die lokale Tradition bestätigt. Auf einer Inschrift über dem Choreingang der Stiftskirche ist die Gründung um 770 ausdrücklich festgehalten, sodass sowohl die schriftliche Überlieferung als auch die kirchliche Erinnerung den frühkarolingischen Ursprung des Klosters hervorheben.
  • Bischof Tello (Chur, 759–765)
  • Fortsetzung 771

Herzogtum Gascogne

Herzogtum Baiern

  • Herzog Tassilo III. (748–788)
  • Synode von Dingolfing
    Die Synode von Dingolfing findet im bairischen Herzogtum unter Tassilo III. statt und wird in die Jahre zwischen etwa 765 und 777 eingeordnet, meist um 770/776.
    Teilnehmer: An der Synode nimmt Herzog Tassilo III. als weltlicher Herrscher teil. Es wirken sechs Bischöfe mit: Manno von Niuvenburg, Alim (Alienus) vom Bistum Säben, Virgilius von Salzburg, Viserich von Passau, Simpert von Regensburg und Herres (auch Haeres Cyrinus/Aribo/Erbe) von Freising. Dazu kommen dreizehn Äbte: Oportunus (Mondsee), Wolfprecht (Niederaltaich), Adalprecht (Tegernsee), Ato (Schlehdorf), Uto (Metten), Landfrit (Benediktbeuern), Albuin (Mattsee), Ruothart (wohl Wessobrunn), Ernest (nicht zuordenbar), Reginprecht (Moosburg), Volkanhart (Kloster Berg im Donaugau, wohl Bogenberg), Perkos (Schliersee) und Sigido (wohl Weltenburg oder Münchsmünster). Außerdem ist davon auszugehen, dass auch die Großen der Bojaren anwesend sind, deren Namen aber nicht überliefert sind.
    Beschlüsse: Die Synode beschließt zwölf Kanones. Im kirchlichen Bereich erinnert sie zunächst an das Verbot der Sonntagsarbeit; für Freie und Knechte gelten dabei unterschiedliche und im Wiederholungsfall sehr strenge Rechtsfolgen. Bischöfe und Äbte werden an die geltenden Regeln ihres Amtes gemahnt, und es erfolgt eine ausdrückliche Erinnerung daran, dass Gott geweihte Jungfrauen nicht geheiratet werden dürfen. Die Synode regelt auch wichtige weltliche Fragen: Kirchenschenkungen müssen durch eine Urkunde und drei glaubwürdige, adlige Zeugen bekräftigt werden, was das Zeugnisrecht an eine bestimmte soziale Schicht bindet und das Testierrecht praktisch auf Adelige beschränkt. Der Text unterscheidet ausdrücklich zwischen Adel (nobiles), Freien (liberi) und Knechten/Sklaven (servi) und bestätigt Adeligen, Freien und Adalschalken ihr Recht auf Recht (ius ad legem), also ihren gesicherten Rechtsstatus. Adalschalken erhalten ein eigenes Wergeld, also eine festgelegte Entschädigung im Fall ihrer Verletzung oder Tötung. Vererbtes Eigentum wird grundsätzlich garantiert, außer der Besitzer macht sich eines Kapitalverbrechens wie Raub, Mord oder Vergewaltigung schuldig; diese Liste wird um den Totschlag an einem Mann des Fürsten erweitert. Die Ehefrau eines Adeligen bleibt von den Rechtsfolgen solcher Verbrechen ausgenommen. Der Herzog erkennt die Erblichkeit herzoglicher Prästarien – also überlassener Fiskal- oder Kirchengüter – in den Händen von Adeligen an, sofern diese ihm treu dienen. Heiratet eine adlige Frau unwissentlich einen Sklaven, so kann sie sich von ihm trennen und ihren Status als Freie wiedererlangen. Wird jemand eines Vergehens beschuldigt, soll er versuchen, sich mit dem Kläger gütlich zu einigen, bevor er zu einem gerichtlichen Zweikampf (Vuehadink) greift.
    Mess‑ und Totenbund: An die Kanones schließt sich ein Mess‑ oder Totenbund an, der das liturgische Gedenken der Mitglieder regelt. Stirbt einer der beteiligten Bischöfe oder Äbte, soll jeder der noch lebenden Bischöfe oder Äbte in seiner Dom- oder Klosterkirche hundert Privatmessen lesen oder lesen lassen. Wenn Geistliche oder Mönche sterben, verpflichtet der Bund den jeweiligen Bischof oder Abt, für jeden von ihnen dreißig Privatmessen zu lesen.
    Denkmal: In Dingolfing steht vor der Bibliothek am Spitalplatz eine Granitplastik von Gerhard Kadletz, die an die Synode erinnert. Aus einem Granitblock gestaltet der Künstler ein Buch mit sechzehn Seiten, das symbolisch auf die schriftlich fixierten Kanones verweist und die zentrale Bedeutung der Synode für die Weiterentwicklung des geschriebenen Rechts hervorhebt.
  • Bischof Simpert (Regensburg, 768–791)
  • Bischof Willibald (Eichstätt, 741–787)
  • Bischof Arbeo (Freising, 764–784)
  • Bischof Anthelm (Passau, 763-764/770)
    Spätestens bis etwa 770 legt er das Bischofsamt nieder oder wird durch einen Nachfolger abgelöst, ohne dass der Zeitpunkt seines Todes überliefert ist. Damit bleibt Anthelm eine historische Gestalt mit klar bezeugtem Bischofsamt, aber weitgehend unbekannter Biographie und unklarem Todesjahr, das nur allgemein „nach 764“ angegeben wird.
  • Bischof Wisurich (Passau, 770–777)
    Wie sein Vorgänger ist Wisurich Deutscher; er nimmt an der Synode von Dingolfing teil und erwirbt materielle Güter für sein Bistum. Während seines Pontifikats werden die Gebeine des Heiligen Valentin von Rätien nach Passau überführt.
  • Bischof Wikterp (Augsburg, 739-772)
  • Bischof Virgil (Salzburg, 746–784)
  • Fortsetzung 772

LANGOBARDENREICH

Herzogtum Friaul

Herzogtum Spoleto

Herzogtum Benevent

Fortsetzung 771

SPANIEN

Königreich Asturien

KIRCHENSTAAT

  • Papst Stephan III. (768–772)
    Die Lage verschiebt sich, als Karl der Große durch eine politische Heirat mit einer Tochter des Langobardenkönigs Desiderius ein Bündnis mit dem langobardischen Königreich eingeht. Stephan versucht, diese Verbindung zu verhindern, weil er darin eine Bedrohung für die Interessen des Papsttums und das bisherige fränkisch‑päpstliche Bündnis erkennt. Als das Heiratsbündnis dennoch zustande kommt, wendet er sich von der frankenfreundlichen Partei ab und beginnt, sich an die Anhängerschaft der Langobarden anzulehnen. Stephan lässt die frankenfreundlichen Christophorus und Sergius entmachten und beide schließlich ermorden; die frankenfreundliche Partei wird damit "zur Rechenschaft gezogen" und verliert ihre führenden Köpfe.
  • Fortsetzung 771

REPUBLIK VENEDIG

ERSTES BULGARISCHES REICH

BYZANTINISCHES REICH

IBERIEN

ARABER

(152/153/154 - 3./4. Januar // 23./24. Dezember)

Abbasiden

Emirat Noukour

Kalifat von Tlemcen

Emirat von Córdoba

UIGURISCHES KAGANAT

INDIEN

Pratihara

Chauhan-Dynastie

Rashtrakuta

Westliche Ganga-Dynastie

Pallava

Anuradhapura

TIBET

CHINA

(57./58. Zyklus - Jahr des Metall-Hundes; am Beginn des Jahres Erde-Hahn)

Tang-Dynastie

KOREA

Silla

Balhae

JAPAN

  • Tennō Shōtoku (2. Amtszeit 764–770)
    Dōkyō wird zum buddhistischen König "Hō-ō" ernannt und erhält ein eigenes Regierungspalais. Die Machtkonzentration auf Tempelbesitz und Mönche löst Unmut im Adel aus. Shōtoku veranlasst den Bau der Hyakumantō Darani, einer Million kleiner Holz-Stupas mit buddhistischen Gebeten, verteilt sie 770 an Nara-Tempel; es handelt sich dabei um eine frühe Form des Holztafeldrucks (Blockdruck), bei dem Textzeichen in Holz oder Metall geschnitten werden. Lange gelten diese Gebetsrollen als die ältesten Drucke der Welt, aber das Mugujeonggwang daedaranigyeong (Pure Light Dharani Sutra) aus Korea ist bereits zwischen 704 und 751 gedruckt worden und ist somit noch älter. In Yuge erkrankt Shōtoku an den Pocken, kehrt nach Nara zurück und stirbt im achten Monat ohne Nachfolger zu ernennen.
  • Tennō Kōnin (770–781)
    Shirakabe wird am 18. November 708 geboren, sein Vater ist Prinz Shiki, seine Mutter Ki no Tochihime. Er entstammt damit einer Nebenlinie des kaiserlichen Hauses und gehört zunächst nicht zum engsten Kreis der Thronanwärter, da die Nachfolge eigentlich in der Linie von Tennō Tenmu vorgesehen ist. Nach Shōtoku Tod versucht ihr Favorit, der Mönch Dōkyō, selbst an die Macht zu kommen; ein Orakel aus Usa hat ihm 769 prophezeit, er solle Kaiser werden. Ein Botschafter entlarvt dies als unzulässig und verhindert Dōkyōs Ernennung. Hofkreise berufen sich auf ein angebliches Schreiben der Kaiserin, in dem Prinz Shirakabe als Nachfolger genannt wird, und setzen ihn als neuen Tennō durch. Am 23. Oktober besteigt Shirakabe als Tennō unter dem Namen Kōnin den Thron, und die Regierungsdevise wird auf Hōki geändert. Kurz nach seiner Thronbesteigung verbannt Kōnin den Mönch Dōkyō aus der Hauptstadt, um den Einfluss der buddhistischen Klöster auf die Thronfolge zu brechen, und holt den zuvor verbannten Minister Wake no Kiyomaro zurück, der sich gegen Dōkyō gestellt hat. Kōnin versucht nun, die unter Kōken/Shōtoku beschädigten Staatsfinanzen und den Verwaltungsapparat zu sanieren, er ordnet Steuereinzug und Beamtenwesen neu und bemüht sich, Korruption und Vetternwirtschaft einzudämmen.
  • Kimii-dera (Tempel)
    Ein chinesischer Mönch namens Ikō (auch Ikō Shōnin genannt) hat gemäss der Legende eine Vision oder nimmt ein Licht auf dem Berg wahr und folgt diesem Zeichen, bis er an einer geeigneten Stelle ankommt, wo er die Gegenwart der Kannon-Bodhisattva als besonders stark empfindet; er wählt einen Hang des Berges über der Bucht von Wakanoura als Ort für die Errichtung einer neuen Kultstätte. An diesem Platz richtet er zunächst eine Art Einsiedelei ein, in der ein Kannon-Bild verehrt wird, und legt damit den Grundstein für den späteren Tempel Kimii-dera, der bald als zweiter Tempel des Saigoku-Pilgerweges gilt. Der Name "Kimii-dera" (Tempel der drei Quellen von Ki) bezieht sich auf drei Quellen oder Brunnen, die sich auf dem Tempelgelände befinden und von den Gläubigen als heilig angesehen werden. Diese drei Wasserstellen gelten als unversiegbar und werden mit Reinheit, Glück und Heilkraft in Verbindung gebracht. So entsteht im Jahr 770 ein eigenständiger buddhistischer Tempel, der in seiner offiziellen Bezeichnung Kimiisan Gōhōji Gokokuin heißt, aber im Volksmund einfach Kimii-dera genannt wird. Siehe auch kanpai-japan
  • Kokawa-dera (Tempel)
    Der Legende nach ist in der Provinz Kii ein Jäger namens Otomo no Kujiko in den Bergen unterwegs und empfindet einem bestimmten Ort als von überirdischem Licht erfüllt; er erkennt ihn als heiligen Ort und beginnt, an genau dieser Stelle eine erste bescheidene Kultstätte zu errichten, die als Keimzelle des späteren Tempels Kokawa-dera gilt.
  • Fortsetzung 772

QUELLEN

Blaue Stichwörter verweisen stets direkt auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel; alle anderen Links sind nach der jeweiligen Quelle benannt.

12.09.2023 Artikel eröffnet

09.10.2023 Grundstock erstellt

17.02.2026 Grundstock ergänzt

767 | 768 | 769 | 770 | 771 | 772 | 773