-375
Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCLXXIX = 379)
- Lucius Sextius Lateranus wird zusammen mit Gaius Licinius Stolo zum Volkstribun gewählt, und beide beginnen sofort damit, eine Reihe von Gesetzen vorzuschlagen, die später als Licinisch‑Sextische Gesetze bekannt sind: Die Schuldenlast armer Bürger wird begrenzt, die Nutzung des öffentlichen Landes reguliert und den Plebejern den Zugang zum Konsulat zu eröffnet. Die patrizische Oberschicht sperrt sich gegen diese Vorlagen und verhindert zunächst, dass die vorgeschlagenen Gesetze überhaupt im Senat und in den Versammlungen ernsthaft beraten werden. Daraufhin nutzen Sextius und Licinius ihr tribunizisches Vetorecht und blockieren über mehrere Jahre hinweg die Wahl der militärischen Tribunen mit konsularischer Gewalt, um die Patrizier unter Druck zu setzen. Sie lassen sich jedes Jahr erneut zum Volkstribun wählen, sodass sie ihr Amt insgesamt zehn Jahre in Folge ausüben und so einen dauerhaften Hebel gegen die patrizische Führung behalten.
- Fortsetzung 370
GRIECHEN
(1./2. Jahr der 101. Olympiade)
Syrakus
- Tyrann Dionysios I. (405–367)
- Oxybeles (Waffe)
um 375: In Syrakus wird die Oxybeles, eine Pfeilgeschützwaffe, entwickelt. Sie entsteht unter der Herrschaft von Dionysios I., der frühere Mechanismen wie den Gastraphes perfektioniert, um leistungsfähigere Belagerungswaffen zu schaffen. - Fortsetzung 374
Molosser / Epirus
Makedonien
Pherai
- Tyrann Jason (390-370)
Bis 375 gelingt Jason, was Lykophron vergeblich angestrebt hat: Er vereinigt ganz Thessalien unter seiner Herrschaft; er stützt sich auf eine ausgewählte Truppe von 6000 Söldnern, die er persönlich ausgebildet und diszipliniert hat. Ausserdem gewinnt er die Oberhand über die großen thessalischen Adelsfamilien, zwingt sie zur Anerkennung seiner Führungsrolle und bindet sie durch Druck, Vorteile und militärische Überlegenheit an sein Regime. - Fortsetzung 374
Attischer Seebund
- Platon (53)
Politeia (Dialog)
Historischer Hintergrund: Im 5. Jahrhundert v. Chr. ist Athen eine mächtige Polis mit entwickelter Demokratie, die das politische Denken der Zeit prägt und später als Erfahrungsraum für die Politeia dient. Die Bürgerversammlung, der Rat und zahlreiche Ämter bestimmen den Kurs des Stadtstaats; gleichzeitig verschärfen innenpolitische Konflikte und soziale Spannungen das Nachdenken über gerechte Ordnung. Der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta beginnt 431 und erschüttert das Selbstverständnis der Athener, denn Niederlagen, Besatzung und wechselnde Regime zeigen, wie labil politische Ordnungen sind. Die Erfahrung von Kriegsnot, inneren Umstürzen und Machtkämpfen erzeugt in intellektuellen Kreisen ein Bedürfnis nach grundlegender Reflexion über die beste Verfassung und die wahre Gerechtigkeit, auf das Platon später mit seinem Staatsentwurf reagiert. Im späten 5. und frühen 4. Jahrhundert wirkt Sokrates in Athen als philosophische Leitfigur, die durch ihre Gesprächspraxis eine neue Form des Nachdenkens über Tugend und staatliches Leben etabliert. Sokrates diskutiert mit Politikern, Rednern und jungen Bürgern über den Sinn von Gerechtigkeit, Tapferkeit und Weisheit und stellt die Selbstsicherheit herkömmlicher Meinungen in Frage; diese dialogische Methode bildet später das literarische Gerüst der Politeia. Nach dem politischen Umbruch und der Herrschaft der Dreißig Tyrannen wird Sokrates 399 von einem Athener Gericht verurteilt und hingerichtet, was Platon tief prägt und sein Misstrauen gegenüber der demokratischen Mehrheitsentscheidung verstärkt. In der Erinnerung an Sokrates zeichnet Platon in der Politeia das Ideal eines philosophisch geleiteten Staates, in dem nicht Mehrheitsstimmung, sondern Einsicht in das Gute herrscht, und macht seinen Lehrer zur Hauptfigur des Dialogs.
Fiktive Handlungszeit: Die erzählte Handlung der Politeia ist rückdatiert und spielt in der Epoche des Peloponnesischen Krieges, in der reale historische Personen wie Glaukon und Adeimantos an einer Schlacht bei Megara teilnehmen. Im Text ist von dieser Schlacht die Rede, was eine Einordnung der Dialogsituation in die Zeit um 409 nahelegt und den philosophischen Gesprächen einen konkreten politischen Hintergrund gibt. Platon lässt die Figuren in einer Phase militärischer Bedrohung und politischer Unsicherheit über Gerechtigkeit und Staatsordnung sprechen, so dass die theoretischen Überlegungen als Antwort auf ganz aktuelle Krisenerfahrungen erscheinen. Die genaue Schilderung von Anwesenden und ihrer Biographien zeigt, dass Platon das historisch-politische Umfeld sorgfältig auswählt, um die Entstehung des Denkens über einen idealen Staat in einer Zeit äußerster Belastung Athens zu verankern.
Ungefähr um 380–375 verfasst Platon die Politeia als umfassenden philosophischen Dialog über Gerechtigkeit und den idealen Staat. Der Text entsteht in einem Athen, das zwar politisch geschwächt ist, zugleich aber ein Zentrum lebendiger intellektueller Debatten bleibt, in deren Rahmen Platon frühere Erfahrungen mit der Demokratie, dem Krieg und dem Schicksal des Sokrates theoretisch verarbeitet. Der Titel Politeia knüpft an den griechischen Begriff für Staatswesen und Verfassung an, wie er seit der Mitte des 5. Jahrhunderts die politische Ordnung einer Polis bezeichnet; damit markiert Platon sein Werk bewusst als Beitrag zur grundlegenden Verfassungstheorie. Indem er einen dialogischen Rahmen mit Sokrates und weiteren historischen Personen wählt, gestaltet Platon die Entstehung seiner Staatslehre als Gespräch, in dem der Weg von alltäglichen Meinungen hin zu einer philosophisch begründeten Auffassung von Gerechtigkeit und idealer Ordnung nachvollzogen wird.
getAbstract 2005: "Der Ehrliche ist der Dumme", heißt ein bekanntes Sprichwort. Diese Vorstellung muss es auch schon gut 350 Jahre v. Chr. gegeben haben, denn sie bildet den Ausgangspunkt für eine der wirkungsreichsten politischen Theorien des Abendlandes: Platons Staat. In seiner unverwechselbaren Dialogtechnik lässt der Philosoph seinen Mentor Sokrates das Wesen der Gerechtigkeit sowie die Eigenschaften des idealen Herrschers und Staates erläutern. Vieles davon muss den Athenern geradezu revolutionär vorgekommen sein: die Dreiteilung der Staatsglieder, Gleichheit von Männern und Frauen, Abschaffung des Privateigentums und gar die Herrschaft von Philosophen. Wer Platons Ideen mit dem weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte vergleicht, wird allerdings unwillkürlich zusammenzucken, wenn er seine Vorschläge zu Euthanasie, Rassenauswahl und strenger Staatsräson liest. Eine kritische Distanz bei der Lektüre ist also angebracht. Davon abgesehen liefert Platon mit diesem Werk einen tiefen Einblick in seine Erkenntnistheorie (u. a. mit dem berühmten Höhlengleichnis) und eine bedeutende Staatsutopie, in der Gerechtigkeit und Moral einen festen Sitz haben und Politik zum Wohle des Volkes gemacht wird - statt für den Geldbeutel der Politiker oder der Reichen. Dies ist auch mehr als 2000 Jahre nach Platon noch ein Thema. - Fortsetzung 374
Sparta
Bosporanisches Reich
Bithynien
Salamis
ODRYSEN
- König Kotys I. (384–360)
In den frühen 370er‑Jahren verstärken sich die Spannungen zwischen Kotys und Athen, weil Kotys sein Königreich Richtung Ägäis und in die thrakische Chersones ausdehnt. Als Abwehr entsteht der Zweite Attische Seebund, dem sich zahlreiche Städte und Inseln anschließen, um sich unter anderem gegen die Bedrohung durch Kotys zu schützen. Um 375 unterstützt Kotys vermutlich Hales, den Anführer der Triballer, eines mächtigen thrakischen Stammes im Nordwesten, bei seinem Angriff auf Abdera. Gemäss Diodor kann die Stadt erst durch das Eingreifen des athenischen Feldherrn Chabrias gerettet werden, dessen Truppen Abdera anschließend besetzt halten. - Fortsetzung 365
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Artaxerxes II. (404–358)
Die griechischen Stadtstaaten erneuern auf Initiative des persischen Großkönigs den Königsfrieden, der 382 zerbrochen ist. Obwohl es sich dabei um einen Allgemeinen Frieden handelt, der die Souveränität aller Städte vorsieht, weigert sich Theben, den Böotischen Bund aufzulösen. Nachdem die Westgrenze durch den Königsfrieden konsolidiert scheint, richtet Artaxerxes seinen Blick auf das verlorene Ägypten, dessen Rückgewinnung für ihn höchste Priorität hat; er setzt Datames, den Satrapen von Kilikien, als Oberbefehlshaber einer persischen Streitmacht ein, die Ägypten zurückerobern soll. Da Datames in Kleinasien seine eigene Macht stark ausweitet, entzieht Artaxerxes ihm das Kommando über den Ägyptenfeldzug wieder und beauftragt Pharnabazos und den athenischen Feldherrn Iphikrates mit dem Feldzug, doch dieser scheitert am erbitterten Widerstand der Ägypter, die sich auf griechische Hilfstruppen stützen. - Satrap Mithridates I. (Kios, 401-362)
- Satrap Ariobarzanes (Phrygien, 388-362)
- Satrap Datames (Kappadokien, 380-362)
- Satrap Mausolus (Karien, 377–353)
- Fortsetzung 373
ÄGYPTEN
Spätzeit, 30. Dynastie
KUSCH
KARTHAGO
- Schofet Mago II. (396-375)
Gegen Ende von Magos Herrschaft bricht der Krieg mit Syrakus erneut aus. Er fällt in der Schlacht bei Kabala, die für Karthago mit einer Niederlage endet. Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn, ebenfalls Mago "Himilko Mago" genannt, die Führung und erringt einen großen Sieg über Dionysios in der Schlacht bei Kronion. Der Ältestenrat wandelt Karthago danach in eine oligarchische Republik um. - Fortsetzung 350
INDIEN
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Feuer-Pferdes; am Beginn des Jahres Holz-Schlange)
Qin
Zhou
- König Lie (375–369)
Zhou Lie Wang, persönlicher Name Ji Xi, ist König der Zhou-Dynastie und regiert bis zu seinem Tod 369. Sein Vater ist König An, der bis 376 geherrscht hat und im Jahr vor Lies Thronbesteigung gestorben ist. Im Jahr 375 v. Chr. besteigt Ji Xi als König Lie von Zhou den Thron der Zhou-Dynastie. Mit seiner Thronbesteigung übernimmt er eine bereits stark geschwächte Zentralmacht, während die großen Feudalstaaten der Zeit der Streitenden Reiche immer einflussreicher werden. In dieser Situation stützt sich seine Autorität weitgehend auf zeremonielle und traditionelle Vorrangstellung, während die tatsächliche militärische und politische Macht zunehmend bei den regionalen Fürsten liegt. - Fortsetzung 371
Zheng
- Der chinesische Staat Zheng wird von Han annektiert.
Zhao
- Markgraf Jing (400–375)
Jing stirbt; nach seinem Tod übernimmt sein Sohn Cheng die Herrschaft über den Staat Zhao. - Fortsetzung 374
Wei
Qi
- Herzog Yan (383–375)
Tian Wu ermordet seinen älteren Bruder Yan und usurpiert den Thron. Im selben Jahr wird Yans Sohn, Prinz Xi, ebenfalls getötet. - Fortsetzung 374
Chu
- König Su (380–370)
Der Staat Han erobert den schon lange mit Chu verbündeten Staat Zheng und löscht ihn als eigenständige Macht aus. Für König Su bedeutet dieser Verlust eines traditionellen Verbündeten einen schweren strategischen Rückschlag, weil Chu damit einen wichtigen Pufferstaat und politischen Partner in der Region einbüßt. - Fortsetzung 370
JAPAN
QUELLEN
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02.07.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt
26.02.2026 Grundstock ergänzt