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Erscheinungsbild
KELTEN
- Die Mittellatènezeit wird von der Spätlatènezeit abgelöst.
- Fortsetzung 80
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita DLXIV = 564)
- Konsul Lucius Cornelius Scipio (später Asiaticus)
Die Quellen erklären übereinstimmend, dass beide Konsuln Griechenland als Provinz beanspruchen und dass der ausschlaggebende Faktor das Versprechen Scipios Africanus ist, als Legat an der Seite seines wenig erfahrenen und wenig fähigen Bruders zu dienen. Es existieren drei Versionen des Geschehens: Nach Livius schlägt Laelius, der im Senat die stärkere Unterstützung hat, vor, auf das Losverfahren zu verzichten und die Entscheidung den Senatoren zu überlassen; in diesem Moment gibt Publius Scipio seine Erklärung ab, und der Senat entscheidet zugunsten der Brüder. Nach Valerius Maximus findet die Auslosung doch statt, und das Los fällt auf Laelius, doch Scipio Africanus, obwohl „aufs engste mit Laelius verbunden“, gibt sein Versprechen, um den Senat zu bewegen, Griechenland dem Freund wegzunehmen und dem Bruder zu übertragen. Schließlich berichtet eine der Philippiken Ciceros, das Los sei auf Lucius gefallen; im Senat bilde sich jedoch eine Opposition gegen diese Ernennung, weil Lucius Scipio als wenig befähigter Mann gilt, und erst dann hält Publius es für nötig, „die Familie vor dieser Schande zu schützen“. In der Forschung werden diese Berichte bezweifelt: Laelius verdankt alle seine Erfolge der Familie der Scipionen, Lucius Cornelius besitzt im Senat offenbar die stärkere Unterstützung, und die Freundschaft zwischen Laelius und Scipio Africanus ist sehr eng und wird nie in Frage gestellt. Möglicherweise verzichtet Laelius einfach zugunsten seines Kollegen auf Griechenland.
Die Brüder Scipionen stellen in Italien 800 Infanteristen und 300 Reiter auf; außerdem treten mindestens 400 Veteranen des Zweiten Punischen Krieges freiwillig in die Armee ein, sobald sie erfahren, dass Scipio Africanus am Feldzug teilnehmen wird. Das 13'000 Mann starke Heer des Lucius und des Publius befindet sich bereits am 15. Juli in Brundisium und setzt von dort nach Apollonia in Illyrien über. Über Epirus ziehen die Römer nach Thessalien. An den die Vorhut führenden Publius wenden sich die Bundesgenossen des Antiochos – die Ätolier – mit einem Friedensgesuch; er macht ihnen Hoffnung, doch Lucius erklärt den Gesandten später, sie müssten entweder kapitulieren oder eine Kontribution von tausend Talenten zahlen. Schließlich erhalten die Ätolier einen Waffenstillstand von sechs Monaten, und damit enden die Kampfhandlungen in Griechenland.
Die Scipionen schließen zu ihren Kräften zwei Legionen Glabrios an, die bisher Amphissa belagern, und ziehen weiter zum Hellespont. Philipp V. von Makedonien, dessen Reich nach der jüngsten Niederlage geschwächt ist, „führt sie durch Thrakien und Makedonien auf schwerem Weg auf eigene Kosten, liefert Verpflegung, legt Straßen an, schlägt an schwer passierbaren Flüssen Brücken und zerschlägt die angreifenden Thraker, bis er sie zum Hellespont gebracht hat“. Inzwischen erringen die Flotten der römischen Bundesgenossen Pergamon und Rhodos eine Reihe von Siegen über die Flottenführer des Antiochos, sodass der König seinen Rückzug fortsetzt und das römische Heer ohne Hindernis nach Asien übersetzen kann. Antiochos, der mit einer solchen Entwicklung der Ereignisse nicht rechnet, bietet den Römern Frieden unter der Bedingung seines Rückzugs aus Ionien und Aiolis an, doch diese fordern den Verzicht auf sämtliche Gebiete jenseits des Taurus und die Bezahlung der Kriegskosten. Der königliche Gesandte Herakleides beginnt geheime Verhandlungen mit Publius Cornelius, doch dieser weist das Friedensangebot zurück und rät, „allen Bedingungen zuzustimmen und auf keinen Fall gegen die Römer Krieg zu führen“.
Nach dieser Antwort wagt Antiochos, den Römern eine große Schlacht zu liefern. Die entscheidende Schlacht des Krieges findet im Winter 190/189 bei der Stadt Magnesia statt; eine genaue Datierung existiert nicht. Livius berichtet von einem 60'000 Mann starken Heer des Königs, Appian von 70'000; einige Historiker halten diese Angaben für übertrieben, andere nehmen an, Antiochos könne 70'000 bis 80'000 Krieger aufbieten. Den Scipionen stehen 3000 Mann zur Verfügung, darunter starke Hilfskontingente der Pergamener und Achäer sowie afrikanische Elefanten, die allerdings in Reserve gehalten werden, da sie offensichtlich schwächer sind als die indischen Elefanten im Heer des Antiochos. Die Schlacht beginnt mit einem großen Erfolg der Römer. Die auf ihrem rechten Flügel unter Führung des pergamenischen Königs Eumenes II. aufgestellte Reiterei schlägt die Kampfwagen des Gegners in die Flucht und zerstört anschließend den gesamten linken Flügel des Antiochos. Die im Zentrum des königlichen Heeres stehende Phalanx gerät von allen Seiten unter Beschuss, erleidet Verluste und kann nicht zum Gegenangriff übergehen. Gleichzeitig erringt der König selbst, der auf dem rechten Flügel die Reiterei befehligt, auf seinem Abschnitt den Sieg: Er stößt bei nur schwachem Widerstand bis zum römischen Lager vor, kann es aber nicht nehmen, da der Militärtribun Marcus Aemilius Lepidus dort eine wirkungsvolle Verteidigung organisiert. Als die Römer Verstärkungen an diesen Abschnitt verlegen und Antiochos vom Zustand des Zentrums und des linken Flügels erfährt, flieht er vom Schlachtfeld. Livius berichtet von angeblich 53'000 Gefallenen, von denen nur 349 Römer und Pergamener sind; diese Zahlen können stark übertrieben sein, doch in jedem Fall ist der Sieg der Römer „außergewöhnlich leicht“. Nach Livius und Appian ist Publius Cornelius während dieser Schlacht krank und hält sich in Elaea auf; er ernennt Gnaeus Domitius Ahenobarbus zum Berater seines Bruders, der dann das Heer befehligt. T. Bobrownikowa bezweifelt dies und verweist auf die frühere Weigerung des römischen Kommandos, ohne Scipio Africanus irgendetwas zu unternehmen, auf Frontins Zeugnis, Publius Cornelius habe den Ort der Schlacht gewählt, und auf die Rede Nasicas, deren Text wiederum Livius überliefert. Nasica sagt, „damit die Größe und der Glanz eines solchen Legaten den Ruhm des Konsuls dort nicht verdunkeln, habe es sich wie absichtlich so gefügt, dass an eben jenem Tag, an dem Lucius Scipio bei Magnesia Antiochos in offener Feldschlacht besiegt, Publius Scipio krank ist und sich in Elaea im Abstand von mehreren Tagesreisen befindet“. Daraus ergibt sich, dass Publius Cornelius sich formell zurückzieht und dennoch weiter im Namen des Bruders die Führung ausübt. B. Liddell Hart bemerkt jedoch, dass den Römern dem Verlauf der Schlacht nach „offensichtlich das taktische Können Scipios Africanus“ fehlt.
Unmittelbar nach der Niederlage bittet Antiochos um Frieden. Publius Cornelius verliest die Bedingungen vor den Gesandten des Königs und verlangt dasselbe wie unmittelbar nach der Landung in Asien: den Verzicht des Antiochos auf die Gebiete jenseits des Taurus, die Zahlung einer Kontribution von fünfzehntausend Talenten – fünfhundert davon sofort – und die Auslieferung einer Reihe von Feinden Roms, darunter Hannibal. Der König ist gezwungen, zuzustimmen. - Konsul Gaius Laelius
Im Jahr 190 dauert seine Tätigkeit in Gallien aufgrund der verlängerten Befugnisse an. Laelius führt weiterhin die vom Senat übertragenen Maßnahmen in dieser Region durch und bleibt mit den Kolonisations- und Siedlungsprojekten befasst. Im selben Jahr wird sein Konsulat zum Höhepunkt seiner Karriere; in späteren Quellen erscheint er als ehemaliger Konsul dieses Jahres. - Prokonsul Manius Acilius Glabrio
Die Friedensverhandlungen mt den Ätolern enden ergebnislos. Manius Acilius, der den Winter in Griechenland verbringt, nimmt mit Beginn des Frühjahrs 190 die Stadt Lamia durch einen Überraschungsangriff und beginnt anschließend die Belagerung von Amphissa, deren Verteidiger aktiven Widerstand leisten. Zu dieser Zeit landet in Epirus einer der Konsuln des Jahres, Lucius Cornelius Scipio, dessen Heer faktisch von seinem Bruder Publius Scipio Africanus geführt wird. Nach einem Beschluss des Senats hat Glabrio die Wahl, entweder in Ätolien zu bleiben oder das Kommando niederzulegen und nach Rom zurückzukehren. Er entscheidet sich für die Rückkehr und übergibt das Kommando. Nach seiner Rückkehr nach Rom feiert Manius Acilius mit Senatsgenehmigung einen Triumph, den Livius als „prächtig sowohl als Schauspiel wie auch als Verherrlichung der Taten“ bezeichnet. Danach bestimmt er den Platz für den Bau eines Tempels, um ein von ihm während des Konsulats abgelegtes Gelübde zu erfüllen. Nach der Vermutung des Althistorikers A. Smortschkow bekleidet Glabrio eigens zu diesem Zweck das Amt eines Duumvirn. - Legat Gnaeus Domitius Ahenobarbus
Gnaeus Domitius setzt seine militärische Laufbahn fort und dient als Legat im Krieg gegen Antiochos III. Formell führt Lucius Cornelius Scipio das römische Heer, das von den Balkanländern nach Kleinasien übergesetzt ist, tatsächlich aber sein älterer Bruder Publius Cornelius Scipio Africanus. Letzterer erkrankt jedoch unmittelbar vor der entscheidenden Schlacht bei Magnesia schwer; nach Appian stellt er seinem Bruder Gnaeus Domitius als Ratgeber zur Seite, und in der Folge spricht Appian von Ahenobarbus als dem Befehlshaber des Heeres. Zu Beginn der Schlacht bringen die Römer den Angriff der feindlichen Phalanx zum Stehen und erzielen am rechten Flügel Erfolge, während am linken Flügel der Gegner bis zu ihrem Lager durchbricht. Antiochos flieht, als er vom Zusammenbruch seines linken Flügels erfährt, und die Römer erringen einen vollständigen Sieg. Gleichwohl stellt der britische Forscher B. Liddell Hart fest, dass den Römern gemessen am Verlauf der Schlacht offenbar die taktische Meisterschaft des Scipio Africanus fehlt. - Publius Cornelius Scipio Africanus
Rom erklärt dem Seleukidenkönig Antiochos III. von Syrien den Krieg, und Scipio Africanus, der nach zunehmender Opposition im Senat eigentlich seinen endgültigen Rückzug aus der Politik geplant hat, übernimmt gemeinsam mit seinem Bruder Lucius Cornelius Scipio noch einmal eine führende Rolle. Obwohl der Senat ihm aus Furcht vor einem weiteren übergroßen Ruhm nicht den Oberbefehl gewährt, dient er als Organisator und Taktiker der römischen Legionen und trägt maßgeblich zum Sieg in der Schlacht bei Magnesia bei, der den Krieg rasch zugunsten Roms entscheidet und dem Bruder den Ehrennamen Asiaticus einbringt. - Triumvir Lucius Valerius Flaccus
Flaccus gehört einer dreiköpfigen Kommission (triumviri coloniis deducendis) an, die geschaffen wird, um die Kolonien Placentia und Cremona zu stärken. Seine Mitkommissare sind Marcus Atilius Serranus und Lucius Valerius Tappo. 189 gründet die Kommission Bononia, das sptätere Bologna, als römische Kolonie. - Erster Keltiberischer Krieg (193-178)
- Nach dem Sieg der Römer über keltische Stämme im Rahmen der römisch-gallischen Kriege wird der Norden Italiens endgültig an das Römische Reich angeschlossen.
- Fortsetzung 189
ILLYRER
GRIECHEN
(2./3. Jahr der 147. Olympiade)
Makedonien
Bosporanisches Reich
Pergamon
- König Eumenes II. (197–158)
Pergamon unterstützt Rom im Krieg gegen Antiochos III. von Syrien. Eumenes II. ist ein wichtiger Bundesgenosse der Römer in Kleinasien - Fortsetzung 188
Pontos
Bithynien
- König Prusias I. (228–182)
Als die Römer gegen den Seleukiden-König Antiochos III. kämpfen, verhält sich Prusias neutral. Führende Vertreter der bedeutenden römischen Patrizierfamilie der Scipionen garantieren ihm nämlich die Wahrung seines Besitzstandes. - Fortsetzung 189
Kappadokien
- König Ariarathes IV. (220-163)
Teilnahme an der Seite des Seleukiden Antiochos III. an der Schlacht bei Magnesia gegen die Römer. - Fortsetzung 189
Seleukidenreich
- König Antiochos III. (223–187)
- Römisch-Syrischer Krieg (192-188)
Schlacht bei Magnesia
Winter 190/189: Niederlage in der Seeschlacht bei Chios und entscheidende Niederlage bei Magnesia - Satrap Ptolemaios (Kommagene, 201-163)
- Fortsetzung 189
Indo-Griechisches Reich
- König Pantaleon und König Agathokles (190-180)
Pantaleon und Agathokles (Beiname: „der Gerechte“, Dikaios) gegieren nacheinander zwischen 190 und 180, wobei unbekannt ist, wann der Wechsel stattgefunden hat. Agathokles ist vor allem für seine außergewöhnlichen Münzprägungen bekannt. Er lässt sogenannte Erinnerungsmünzen prägen, die ihn zusammen mit anderen bedeutenden griechischen Herrschern wie Alexander dem Großen, Antiochos (wohl Antiochos II.), Diodotos I. und II., Euthydemos I., Pantaleon und Demetrios I. zeigen. Der Zweck dieser Prägungen wird als Versuch zur Legitimation seiner Herrschaft interpretiert, was auf eine möglicherweise unsichere Position oder Usurpation hindeutet. Pantaleon und Agathokles prägen Münzen mit griechischen und indischen (Kharoshti oder Brahmi) Inschriften, was auf eine Herrschaft über multiethnische Gebiete hinweist. Diese Münzen zeigen erstmals hinduistische Gottheiten und buddhistische Symbole – das früheste erhaltene Bildmaterial dieser Art. Bemerkenswert sind auch Münzprägungen aus Nickel, was für die Zeit ungewöhnlich ist. - Fortsetzung 180
Griechisch-Baktrisches Königreich
- König Demetrios I. (200–182)
nach 190: Nach der Niederlage Antiochos' III. gegen die Römer (Schlacht bei Magnesia 190) nutzt Demetrios I. die Schwäche der Seleukiden, um sich von deren Oberherrschaft zu lösen und sein Reich zu erweitern - Fortsetzung 185
Ägypten
- König Ptolemaios V. (204-180)
- Königin Kleopatra I. (193-180)
- König Anchwennefer (199-186)
190–186: Weitere Kämpfe und Widerstand der Aufständischen im Süden, Verwüstungen in Oberägypten - Fortsetzung 186
IBERIA
ARMENIEN
- König Artaxias I. (190-160)
190/189: Artaxias ist als Satrap (Statthalter) unter der Oberhoheit der Seleukiden in Großarmenien eingesetzt. Die Seleukiden erleiden eine entscheidende Niederlage gegen die Römer in der Schlacht bei Magnesia. Artaxias nutzt die Schwäche der Seleukiden und macht sich gemeinsam mit Zariadris (Sophene) unabhängig - Fortsetzung 188
PARTHERREICH
(122/123)
MASSYLIER
INDIEN
Maurya-Reich
Anuradhapura
Ruhuna
- König Kavantissa (205–161)
um 190: Strategische Vorbereitung auf die Bedrohung durch den tamilischen König Elara im Norden; Aufbau einer starken Armee und Rekrutierung der „Zehn Riesen“ (Dasa Maha Yodayo) - Fortsetzung 180
VIETNAM
Triệu-Dynastie
XIONGNU
- Chanyu Mao-tun (209-174)
bis 190: Sieg über die Donghu; Eingliederung der Ostmongolei - Fortsetzung 177
CHINA
(41/42. Zyklus - Jahr des Metall-Schweins; am Beginn des Jahres Metall-Hund)
Han-Dynastie
JAPAN
QUELLEN
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08.01.2024 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt