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WELTALL

GERMANEN

KELTEN

RÖMISCHE REPUBLIK

(ab urbe condita CCCLXXXII = 382)

  • 375: Lucius Sextius Lateranus wird zusammen mit Gaius Licinius Stolo zum Volkstribun gewählt, und beide beginnen sofort damit, eine Reihe von Gesetzen vorzuschlagen, die später als Licinisch‑Sextische Gesetze bekannt sind. Sie zielen darauf, die Schuldenlast armer Bürger zu begrenzen, die Nutzung des öffentlichen Landes zu regulieren und den Plebejern den Zugang zum Konsulat zu eröffnen. Die patrizische Oberschicht sperrt sich gegen diese Vorlagen und verhindert zunächst, dass die vorgeschlagenen Gesetze überhaupt im Senat und in den Versammlungen ernsthaft beraten werden. Daraufhin nutzen Sextius und Licinius ihr tribunizisches Vetorecht und blockieren über mehrere Jahre hinweg die Wahl der militärischen Tribunen mit konsularischer Gewalt, um die Patrizier unter Druck zu setzen. Sie lassen sich jedes Jahr erneut zum Volkstribun wählen, sodass sie ihr Amt insgesamt zehn Jahre in Folge ausüben und so einen dauerhaften Hebel gegen die patrizische Führung behalten.
  • Fortsetzung 370
  • 376: Konsulartribun Servius Sulpicius Praetextatus (2. Amtszeit) Im Jahr 376 v. Chr. übt Servius Sulpicius Praetextatus erneut das Amt eines Konsulartribunen aus und setzt damit seine politische Karriere im höchsten Führungskreis der Republik fort. Die Fasti Capitolini schreiben ihm für dieses Jahr eine zweite Amtszeit als Konsulartribun zu und zählen ihn damit wiederum zu den maßgeblichen Trägern der Staatsgewalt. Die antiken Annalisten Titus Livius und Diodor nennen den Konsulartribunen dieser Jahre nur mit Praenomen und Gentilnamen als Servius Sulpicius, ohne das Cognomen Praetextatus, behandeln ihn aber als dieselbe Person, die mehrfach dieses Amt bekleidet. Konkrete militärische oder innenpolitische Taten für das Jahr 376 v. Chr. sind im erhaltenen Text nicht ausführlich überliefert, doch deutet die wiederholte Wahl zum Konsulartribun auf anhaltendes Vertrauen in seine Fähigkeiten und seinen Einfluss hin. So steht Praetextatus auch 376 v. Chr. als erfahrener patrizischer Magistrat im Zentrum der römischen Politik.
  • 376: Gaius Licinius Calvus Stolo stammt aus einer plebejischen Familie und heiratet die jüngere Tochter des Patriziers Marcus Fabius Ambustus, was ihm eine einflussreiche Verbindung zur patrizischen Oberschicht verschafft und seine politische Laufbahn entscheidend erleichtert. 376 wird Licinius Stolo zusammen mit Lucius Sextius Lateranus zum Volkstribun gewählt, wobei ihn die Unterstützung seines Schwiegervaters Fabius begünstigt. Als Tribunen legen Licinius und Sextius ein Paket von Gesetzesvorschlägen vor, das die Lage der Plebejer verbessern soll: Sie wollen bei den Schulden die bereits gezahlten Zinsen vom Kapital abziehen, die Rückzahlung der Restschuld über drei Jahre strecken und das nexum abschaffen, also das Recht des Gläubigers, einen zahlungsunfähigen Schuldner in Ketten zu legen und als Sklaven zu verkaufen. Zugleich schlagen sie vor, den Zugriff der Patrizier auf das neugewonnene Staatsland einzuschränken, indem niemand mehr als 500 Iugera des ager publicus innehaben darf, und sie verlangen die Wiederherstellung des Konsulats anstelle des militärtribunizischen Kollegiums, wobei unter den beiden Konsuln künftig mindestens ein Plebejer sein muss. Die patrizische Führungsschicht verhindert zunächst die Volksabstimmung über diese Gesetze, indem sie andere Volkstribunen, die ihr nahestehen, deren Veto einlegen lässt. Darauf nutzen Licinius Stolo und Sextius ihrerseits ihr Tribunenveto, um alle übrigen Wahlen außer denen der Volkstribunen zu blockieren, sodass keine anderen Magistrate gewählt werden können. Die beiden werden Jahr für Jahr erneut zu Volkstribunen gewählt und halten ihre Blockadepolitik konsequent aufrecht; nach der Darstellung des Livius kann über mehrere Jahre hinweg kein regulärer Magistrat gewählt werden, solange ihre Gesetzesvorlagen blockiert bleiben.
  • 376: Konsulartribun Servius Sulpicius Praetextatus (2.Amtszeit)
    Im Jahr 376 v. Chr. bekleidet Servius Sulpicius Praetextatus erneut das Amt eines Konsulartribunen und bestätigt damit seinen Status als bewährter Magistrat. Seine wiederholte Wahl zeigt, dass er sich bereits einen Ruf als verlässlicher aristokratischer Führungskopf erarbeitet hat, dem man sowohl militärische als auch politische Verantwortung zutraut. Innerhalb der Nobilität gilt er nun als Mann, der mehrfach an der Spitze des Staates steht und in den jährlich wechselnden Kollegien der hohen Amtsträger kontinuierlich präsent ist. Gleichzeitig setzt sich im Hintergrund ein familiäres Spannungsverhältnis in Szene, das die spätere Überlieferung zu einer berühmten Anekdote verdichtet. Seine Schwägerin, die jüngere Tochter des Marcus Fabius Ambustus, ist mit dem Plebeier Gaius Licinius Stolo verheiratet, der im Vergleich zu Praetextatus und dessen patrizischem Rang zunächst geringere Ehren erfährt. Der Kontrast zwischen dem aristokratischen Ansehen des Servius Sulpicius Praetextatus und der noch nicht erreichten höchsten Würden ihres eigenen Mannes bildet nach der Überlieferung den emotionalen Hintergrund der weiteren Ereignisse.
  • 377: Konsulartribun Servius Sulpicius Praetextatus (1. Amtszeit) Servius Sulpicius Praetextatus stammt aus dem patrizischen Geschlecht der Sulpicier und bekleidet erstmals das Amt eines Konsulartribunen, eines Kollegialamtes, das anstelle von Konsuln mit mehreren gleichrangigen Amtsinhabern besetzt wird. In dieser Amtszeit führt er gemeinsam mit seinem Amtskollegen Lucius Quinctius Cincinnatus ein römisches Heer, um den Einwohnern der mit Rom verbündeten Stadt Tusculum zu Hilfe zu kommen. Tusculum ist von Latinern erobert worden; die tuskulischen Bewohner haben sich in die angrenzende Zitadelle zurückgezogen, um dort weiter Widerstand zu leisten. Praetextatus und Cincinnatus rücken mit der römischen Armee heran, schließen die Latiner in Tusculum ein und koordinieren ihren Angriff mit den Verteidigern in der Zitadelle. Während die Latiner von außen durch die römischen Truppen bedrängt werden, unternehmen die in der Zitadelle verschanzten Tusculaner gleichzeitig einen Ausfall. Durch diesen kombinierten Angriff geraten die Latiner in die Zange und werden schließlich vollständig aufgerieben. Der erfolgreiche militärische Einsatz festigt den Ruf des Praetextatus als fähigen Feldherrn und verankert ihn weiter im Kreis der führenden patrizischen Politiker Roms. Ebenfalls in dieses Jahr 377 v. Chr. verlegt der römische Geschichtsschreiber Livius einen Familienzwist, der als Anlass für die später sogenannten leges Liciniae Sextiae dient, also jene Gesetzesvorhaben, die Plebejern den Zugang zum Konsulat eröffnen. Marcus Fabius Ambustus, ein Patrizier, hat zwei Töchter mit dem Namen Fabia; die ältere Fabia ist mit dem Patrizier Sulpicius verheiratet, während die jüngere Fabia den Plebejer Gaius Licinius Stolo zum Ehemann hat. Als die jüngere Fabia ihre ältere Schwester im Haus des Sulpicius besucht, unterhalten sich die beiden, als plötzlich die Heimkehr des Sulpicius durch das Schlagen der Rutenbündel des Liktors an die Tür angekündigt wird – ein Zeichen für das hohe Amt des Hausherrn. Die jüngere Fabia, die diesen Brauch aus ihrem eigenen Haushalt nicht kennt, erschrickt über das laute Geräusch, worauf die ältere Fabia sie auslacht, weil sie mit der Würde und den Insignien eines hohen Magistrats nicht vertraut ist. Die jüngere Fabia fühlt sich dadurch gedemütigt und erkennt, dass sie als geborene Patrizierin durch ihre Heirat mit einem Plebejer an gesellschaftlichem Prestige eingebüßt hat. Sie beklagt diesen Statusverlust gegenüber ihrem Vater Marcus Fabius Ambustus und macht ihm ihren Kummer deutlich. Ambustus nimmt sich die Beschwerden seiner Tochter zu Herzen und beginnt zusammen mit seinem plebejischen Schwiegersohn Licinius Stolo sowie Lucius Sextius Lateranus darauf hinzuarbeiten, gesetzliche Regelungen durchzusetzen, die Plebejern den Zugang zum Konsulat ermöglichen. Aus dieser Konstellation erwachsen die hartnäckig verfolgten leges Liciniae Sextiae, die sich gegen das patrizische Monopol auf die höchsten Staatsämter richten.
  • 377: Lucius Aemilius Mamercinus ist ein römischer Politiker der Republik und gehört zur patrizischen Familie der Ämilier, genauer zu dem Zweig der Aemilii Mamercini. Sein voller Name lautet Lucius Aemilius L.f. Mam.n. Mamercinus, er ist der Sohn eines Lucius Aemilius Mamercinus, der mehrfach Tribun mit konsularischer Gewalt ist, und wahrscheinlich der Enkel des Mamercus Aemilius Mamercinus. Möglicherweise ist er der Vater des Lucius Aemilius Mamercinus Privernas, der später in den Jahren 341 und 329 v. Chr. das Konsulat bekleidet. Im Jahr 377 v. Chr. erscheint Lucius Aemilius Mamercinus wohl als einer der Tribunen mit konsularischer Gewalt, die für dieses Jahr gewählt werden. Er steht dabei in einem Kollegium mit Publius Valerius Potitus, Lucius Quinctius Cincinnatus, Servius Sulpicius Praetextatus, Gaius Veturius Crassus und Gaius Quinctius Cincinnatus. In ihrer Amtszeit bedrohen die Volsker wie gewohnt Rom, doch diesmal haben sie sich mit den Latinern verbündet, was die Lage verschärft. Die tribunistische Führung beschließt, ein Heer auszuheben und in drei Teile zu gliedern: ein Teil schützt die Stadt Rom, ein weiterer den römischen Herrschaftsbereich und der größte Teil zieht gegen den Feind in den Krieg. Dieses Feldheer steht unter dem gemeinsamen Befehl von Mamercinus und Potitus, die den entscheidenden Angriff führen. Die römische Armee trifft die Volsker und Latiner bei Satricum und geht in der Schlacht in die Offensive. Mamercinus und Potitus gewinnen die Oberhand, sodass die Volsker sich schließlich nach Antium zurückziehen müssen. Dort kommt es zu Verhandlungen, in deren Folge die Volsker die Stadt Antium und ihr Territorium an Rom abtreten. Während die Volsker kapitulieren, wenden sich die Latiner gegen Satricum, setzen die Stadt in Brand und greifen Tusculum an, weil sie den Tusculanern verübeln, dass diese die römische Bürgerschaft angenommen haben. Während die Latiner die Stadt einnehmen, ziehen sich die Einwohner von Tusculum in ihre befestigte Burg zurück und rufen Rom um Hilfe an. Die römische Führung reagiert schnell und schickt ein weiteres Heer unter dem Kommando von Cincinnatus und Praetextatus nach Tusculum. Dieses Entsatzheer stößt auf die Latiner, zwingt sie zum Kampf und drängt sie schließlich von der Stadt ab. Die Belagerung endet mit der Zurückschlagung der Angreifer, sodass Tusculum befreit wird und die Stadt in römischer Hand bleibt. So tritt Lucius Aemilius in diesem Jahr als einer der militärischen Hauptakteure im Kampf gegen das Bündnis aus Volskern und Latinern hervor.
  • 377: Konsulartribun Servius Sulpicius Praetextatus (1.Amtszeit)
    Servius Sulpicius Praetextatus entstammt dem patrizischen Geschlecht der Sulpicier und steigt im Jahr 377 v. Chr. zum Konsulartribunen der römischen Republik auf. Er gehört damit zu der engen Führungsschicht Roms, die sowohl militärische als auch zivile Aufgaben wahrnimmt und die Außen- wie Innenpolitik maßgeblich prägt. Durch dieses erste bekannte hohe Amt festigt er den Rang seiner Familie innerhalb der römischen Aristokratie und positioniert sich als erfahrener Kommandeur und Entscheidungsträger im Staat. In dieser Zeit heiratet er die ältere Tochter des einflussreichen Patriziers Marcus Fabius Ambustus, womit er sich mit einer der bedeutenden Familien Roms verschwägert. Diese Ehe stärkt seine politische Hausmacht, denn über die Fabier gewinnt er zusätzlichen Zugang zu Netzwerken, Bündnissen und Informationen in der römischen Oberschicht. Die Verbindung der Sulpicier mit den Fabiern verkörpert den aristokratischen Anspruch, mehrere angesehene Geschlechter durch Heirat zu verknüpfen und so Einfluss, Prestige und Ämterlaufbahnen gegenseitig zu stützen.
  • 383: Konsulartribun Aulus Manlius Capitolinus (3. Amtszeit)
    Im Jahr 383 v. Chr. bekleidet Aulus Manlius Capitolinus zum dritten Mal das Amt eines Militärtribuns mit konsularischer Gewalt. Er sieht sich erneut mit den Volskern konfrontiert, die abermals gegen Rom in den Krieg ziehen und diesmal zusätzliche Unterstützung von weiteren Städten in Latium erhalten. Besonders Lanuvium, eine latinische Stadt, schließt sich den Gegnern Roms an und wird Teil einer breiteren antirömischen Bewegung. Aulus Manlius nimmt an Feldzügen teil, in denen er gegen diese rebellischen Städte vorgeht und versucht, die römische Vorherrschaft in Latium wiederherzustellen. Er rückt mit Truppen gegen die Volsker vor, überwacht Operationen gegen die mit ihnen verbündeten Städte und wirkt an Belagerungen oder Gefechten mit, die auf eine Niederschlagung des Aufstands zielen. Im politischen Bereich setzt er sich für eine straffe Linie gegenüber abtrünnigen Gemeinden ein, um ein abschreckendes Beispiel zu geben und weitere Abfallbewegungen zu verhindern. Damit bleibt er einer der zentralen militärischen Akteure Roms in den wiederkehrenden Kriegen gegen die Volsker und die unruhigen Städte Latiums.
  • 385: Konsulartribun Aulus Manlius Capitolinus (2. Amtszeit)
    Im Jahr 385 v. Chr. tritt Aulus Manlius Capitolinus erneut als Militärtribun mit konsularischer Gewalt auf und übernimmt wieder eine der höchsten militärisch‑politischen Funktionen des Staates. Rom steht in diesem Jahr im Konflikt mit den Volskern, einem seit langem verfeindeten italischen Volk südlich von Latium. Die Volsker erhalten diesmal Unterstützung von den Hernikern und anderen latinischen Gemeinden, sodass sich ein größerer Bund gegen Rom bildet. Aulus Manlius führt als Tribun römische Truppen gegen diese Koalition und beteiligt sich an Feldzügen, die darauf abzielen, die Allianz der Volsker, Herniker und Latiner zu schwächen. Er marschiert mit seinen Soldaten in feindliches Gebiet, sichert römische Verbündete und versucht, Aufstände in Latium zu verhindern. In den Beratungen mit seinen Mittribunen setzt er auf eine energische Kriegsführung, um die Autorität Roms über die latinischen Städte aufrechtzuerhalten und ein Übergreifen des Konflikts auf das römische Kerngebiet zu verhindern. Durch diese Aktivitäten festigt er seinen Ruf als verlässlicher Feldherr, der mehrfach in Krisenjahren Verantwortung übernimmt.
  • 389: Konsulartribun Aulus Manlius Capitolinus (1. Amtszeit)
    Im Jahr 389 v. Chr. ist Aulus Manlius Capitolinus Militärtribun mit konsularischer Gewalt und gehört damit zu den führenden Amtsträgern der römischen Republik. Er tritt als Bruder des berühmten Marcus Manlius Capitolinus auf und steht in der Tradition der alteingesessenen patrizischen gens Manlia, die in diesen Jahren eine wichtige Rolle in der römischen Politik spielt. In diesem Jahr herrscht in Rom noch immer Unruhe nach den gallischen Einfällen, und die Stadt stützt sich stark auf erfahrene Feldherren wie Marcus Furius Camillus, unter dessen Oberbefehl Aulus Manlius dient. Während der Diktatur des Marcus Furius Camillus übernimmt Aulus Manlius Capitolinus die Aufgabe, Rom selbst zu schützen, während Camillus gegen die Feinde im Feld operiert. Als es zur Schlacht bei ad Maecium kommt, zieht Camillus mit einem Teil des Heeres aus, während Aulus Manlius mit anderen Tribunen die Verteidigung der Stadt organisiert und die Zugänge sowie die Mauern sichern lässt. Er koordiniert die Truppenverteilung innerhalb der Stadt, sichert die strategisch wichtigen Hügel und sorgt dafür, dass Rom bei einem etwaigen gegnerischen Vorstoß nicht ungeschützt bleibt. Auf diese Weise trägt er dazu bei, dass Rom trotz äußerer Bedrohung funktionsfähig bleibt und die römische Führung ohne innere Schwächung gegen die Feinde vorgehen kann.
  • 493: Foedus Cassianum
    Im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. rücken die Äquer und Volsker aus den Bergregionen in die latinische Ebene vor und bedrohen die Städte Latiums. Die latinischen Gemeinden sehen sich einer andauernden militärischen Gefahr ausgesetzt und suchen nach Wegen, ihre Verteidigung zu koordinieren. In dieser Situation beginnt sich ein lockerer Städtebund der Latiner herauszubilden, in dem Rom allmählich an Gewicht gewinnt. Bereits jetzt erscheint Rom innerhalb dieses Bündnisses als militärischer Hauptfaktor, auch wenn die Gleichrangigkeit der Partner formell betont wird. Gleichzeitig entwickelt sich in dieser Epoche die römische Republik nach dem Sturz der Könige zu einem Gemeinwesen, das seine Position in Latium sichern und ausbauen will. Die römische Führung schätzt ein, dass sie die latinischen Nachbarn nicht dauerhaft beherrschen kann, ohne ihre militärischen Ressourcen in ein einheitliches System einzubinden. Das wiederkehrende Aufeinandertreffen mit den latinischen Städten, mal als Rivalen, mal als Verbündete, macht vertragliche Regelungen immer dringlicher. 499–493 v. Chr. (traditioneller Kontext des Vertrages): Um 499 v. Chr. eskaliert ein Konflikt zwischen Rom und den latinischen Gemeinden, der in der berühmten Schlacht am Regillus-See gipfelt. Die römische Seite setzt alle verfügbaren Kräfte ein, um ihre Vorrangstellung in Latium zu behaupten; die Latiner kämpfen wiederum dafür, ihre Eigenständigkeit zu bewahren. Die Schlacht endet nach traditioneller Überlieferung mit einem römischen Sieg, aber dieser Triumph erweist sich politisch als weniger eindeutig, als es der römische Stolz gerne darstellt. Nach dem Kampf steht fest, dass weder Rom noch der latinische Bund eine endgültige militärische Entscheidung erzwingen können, die alle Gegensätze ein für alle Mal beseitigt. In den Jahren nach der Regillus-Schlacht erkennen beide Seiten, dass eine institutionalisierte Zusammenarbeit langfristig vorteilhafter ist als ein fortgesetzter Abnutzungskrieg. Die römische Führung und die maßgeblichen Kräfte im latinischen Bund beginnen, über einen Vertrag zu verhandeln, der Rechte und Pflichten klar festlegt. Das Ziel besteht darin, die Kräfte gegen äußere Feinde – vor allem Äquer, Volsker, Etrusker und Herniker – zu bündeln und zugleich die gegenseitigen Beziehungen rechtlich zu ordnen. In dieser Atmosphäre reifen die Bedingungen für den später sogenannten Foedus Cassianum heran. 493 v. Chr. (traditionelles Abschlussdatum des Foedus Cassianum): Im Jahr 493 v. Chr. übernimmt der Magistrat Spurius Cassius Vecillinus in Rom eine führende Rolle und tritt als Initiator eines umfassenden Bündnisvertrags mit den Latinern auf. Er nutzt sein Amt, um den Interessen Roms und zugleich den Sicherheitsbedürfnissen der latinischen Städte Rechnung zu tragen. Rom und ungefähr dreißig latinische Städte schließen nach antiker Auffassung nun den Foedus Cassianum als formelles Bündnis zweier unabhängiger Kräfte. Der Vertrag trägt den Namen des römischen Verhandlungsführers Cassius und erhält durch seine Autorität und seine Vermittlung politisches Gewicht. Der Vertrag legt fest, dass Römer und Latiner in Zukunft eine gemeinsame Verteidigungsgemeinschaft bilden. Beide Seiten verpflichten sich, ihre Truppen gegenseitig zu unterstützen und gegen äußere Feinde koordinierte Feldzüge zu führen. Der Text sieht vor, dass die Kriegsbeute aus gemeinsamen Unternehmungen gleichmäßig zwischen den Partnern verteilt wird. Damit sichert der Vertrag den Latinern einen materiellen Anteil an den Erfolgen Roms, während Rom seinerseits von den zusätzlichen Kontingenten und Stützpunkten profitiert. Ein weiterer zentraler Punkt des Vertrages betrifft private Rechtsstreitigkeiten im Handel zwischen Bürgern Roms und der latinischen Städte. Die Vereinbarung schreibt vor, dass solche Fälle am Ort des Vertragsabschlusses innerhalb von zehn Tagen zu entscheiden sind, eine Regelung, die als lex contractus bekannt ist. Sie schafft einen gemeinsamen rechtlichen Rahmen für den wirtschaftlichen Verkehr und verhindert willkürliche Entscheidungen zu Lasten der jeweils fremden Bürger. Außerdem bestimmt der Vertrag, dass Änderungen oder Ergänzungen nur mit Zustimmung beider Seiten vorgenommen werden dürfen. Auf diese Weise fixiert das Bündnis eine formale Gleichberechtigung der Vertragspartner, auch wenn Rom faktisch bereits eine führende Position einnimmt. In römischer Überlieferung wird eine bronzene Abschrift des Vertrages im Forum aufgestellt, wo sie bis in die Zeit Ciceros sichtbar bleibt. Die Präsenz dieser Tafel stärkt das Bewusstsein der Römer für die eigene Bündnispolitik und dient zugleich als öffentliches Symbol der vertraglichen Bindung an die latinischen Nachbarn. Antike Autoren wie Dionysios von Halikarnassos bieten später eine Version des Vertragstextes und sichern damit einige der wichtigsten Klauseln für die Nachwelt. 5. Jahrhundert v. Chr. nach 493 (Wirkung des Bündnisses): In den Jahrzehnten nach 493 v. Chr. setzt sich das gemeinsame Verteidigungsbündnis faktisch in der Kriegführung gegen verschiedene italische Gegner um. Römer und Latiner bündeln ihre Truppen, koordinieren ihre Feldzüge und treten den Etruskern sowie den Hernikern mit vereinter militärischer Kraft entgegen. Die Erfolge dieser Kooperation festigen Rom in seiner Rolle als führende Macht, zumal immer mehr Operationen über die engeren Grenzen der alten latinischen Ebene hinausreichen. Innerhalb des Bündnisses wird Rom zunehmend als Zentrum der Entscheidung und als Hauptorganisator wahrgenommen. Gleichzeitig stabilisiert der Vertrag die Binnenordnung Latiums. Die latinischen Städte arrangieren sich mit der römischen Dominanz, solange sie am militärischen Schutz und an der Beute partizipieren. Die festgelegte Gleichverteilung der Kriegsbeute reduziert Konflikte um materielle Vorteile und gibt der Kooperation eine verlässliche Grundlage. Zugleich wirken die geregelten privaten Rechtsbeziehungen zwischen den Bürgern Roms und der latinischen Städte integrierend, weil sie Handel, Migration und Kontakte rechtlich absichern.

GRIECHEN

(4. Jahr der 101. / 1. Jahr der 102. Olympiade)

Tarent

  • 388: Archytas: Während seiner politischen Karriere pflegt [Archytas enge Beziehungen zu anderen führenden Griechen der Zeit. Um 388 v. Chr. begegnet er Platon auf dessen erster Italienreise, nimmt ihn als Gastfreund auf und begründet eine persönliche Freundschaft.
  • Fortsetzung 350

Syrakus

  • 374: Dionysios I.: Nach einem karthagischen Sieg bei Kronion sind beide Seiten kriegsmüde, und 374 v. Chr. schließen sie erneut Frieden. Dionysios muss aufgrund der letzten Niederlage bedeutende Zugeständnisse machen. Als Grenze zwischen den Machtbereichen wird der Fluss Halykos (Platani) festgelegt, eine Grenzziehung, die sich dauerhaft behauptet.
  • Fortsetzung 368
  • 380: Dionysios II.: Um 380–375 v. Chr. verheiratet Dionysios I. seine Tochter Arete mit Dion, dem jüngeren Bruder der Aristomache, der so mütterlicherseits Onkel seiner Frau ist, und etwa fünf Jahre früher hat er bereits Sophrosyne mit Dionysios II. verheiratet, der damit seine Halbschwester und zugleich Dions Nichte zur Frau nimmt. Durch diese Verbindungen knüpft Dionysios I. die beiden Zweige seiner Nachkommenschaft eng aneinander und verbindet sie zugleich mit der Familie Dions. Dion gehört wie einst sein Vater Hipparinos zum engsten Kreis des misstrauischen Tyrannen Dionysios I. und sammelt politische Erfahrung, während Dionysios II. von den Staatsgeschäften ferngehalten und nicht auf eine künftige Herrscherrolle vorbereitet wird. Dionysios I. misstraut seinem ältesten Sohn so sehr, dass er ihn nicht einmal von der Vorschrift ausnimmt, Besucher erst nach einer Waffenprobe vorzulassen.
  • 380: Dionysios II.: 398 heiratet er gleichzeitig Doris aus Lokroi in Unteritalien und Aristomache, die Tochter seines Vertrauten Hipparinos, was bei den Griechen als ungewöhnliche Bigamie gilt. Aus beiden Ehen gehen mehrere Kinder hervor: Aus der Ehe mit Doris stammt der älteste Sohn Dionysios II., während Aristomache die Söhne Nysaios und Hipparinos sowie die Töchter Arete und Sophrosyne gebiert.
  • 382: Dionysios I.: Dionysios betrachtet den Frieden mit Karthago nur als Waffenstillstand und beginnt, Städte im karthagischen Einflussbereich zu unterstützen, die bereit sind, sich gegen Karthago zu erheben. Diese Politik bedroht die karthagische Präsenz auf Sizilien, und 382 v. Chr. bricht der dritte Krieg aus. Diesmal verbündet sich Karthago mit Feinden der Syrakuser in Unteritalien und entsendet erstmals ein Heer auf das italienische Festland. Dionysios gelingt es, Kroton zu erobern, das Zentrum seiner Gegner auf dem Festland. Auf Sizilien erringt er bei Kabala einen wichtigen Sieg und fordert Karthago auf, die Insel vollständig zu räumen, was für die Gegenseite unannehmbar ist.
  • 384: Dionysios I.: 384/383 v. Chr. unternimmt Dionysios einen Vorstoß an der Westküste Italiens gegen die Etrusker, traditionelle Gegner der Griechen und Verbündete Karthagos. Seine Streitkräfte nehmen Pyrgi ein, den Hafen der Stadt Caere, besiegen das etruskische Heer und machen reiche Beute. Auf diesem Raubzug erreichen sie sogar das damals etruskische Korsika.
  • 385: Hipparinos wird um 385 v. Chr. in Syrakus geboren und ist Sohn des Tyrannen Dionysios I. und der Adligen Aristomache. Sein mütterlicher Großvater Hipparinos, nach dem er wahrscheinlich benannt ist, gehört zuvor als syrakusanischer Adliger zu den Mitkämpfern Dionysios’ I. Dionysios I. hat aus der Ehe mit Aristomache neben Hipparinos den jüngeren Sohn Nysaios sowie die älteren Töchter Sophrosyne und Arete. Aus einer anderen Ehe mit der Adligen Doris aus Lokroi stammen weitere Kinder, darunter der älteste Sohn Dionysios II., der später Sophrosyne heiratet und damit Schwager von Hipparinos und Nysaios wird. Zu den wichtigsten Vertrauten des Dynastiegründers Dionysios I. zählt Dions Bruder Aristomache, Hipparinos’ Onkel Dion, der durch die Ehe mit Arete zugleich Schwiegersohn von Dionysios I. ist. Dion steht in enger Freundschaft zum Philosophen Platon und wird von dessen Gedankengut geprägt.
  • 386: Dionysios I.: Den Abschluss der Operationen bildet die elfmonatige Belagerung und schließlich die Eroberung und völlige Zerstörung von Rhegion im Jahr 386 v. Chr.; die Bürger der Stadt werden versklavt, sofern sie sich nicht freikaufen können. Dionysios sichert damit dauerhaft seinen Einfluss auf dem Festland, und der Süden Kalabriens bis zu den Golfen von Squillace und Sant’ Eufemia gehört fortan in seinen Macht- und Einflussbereich, was wegen der Kontrolle der Meerenge auch wirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Die Erfolge in Unteritalien ermöglichen Dionysios ein Vordringen in die Adria. Er strebt die Kontrolle des Seewegs nach Epirus über die Straße von Otranto und den Besitz von Häfen an der Adriaküste an. In diesem Raum erzielt er beachtliche Erfolge, kann aber nicht weiter nach Nordwestgriechenland vorstoßen, da dort mit dem entschlossenen Widerstand Spartas zu rechnen ist, mit dem er weiterhin verbündet bleibt.
  • 388: Dionysios I.: 388 v. Chr. führt er einen weiteren Feldzug; er belagert zunächst Kaulonia nördlich der Mündung des Flusses Elleporos. Ein Bundesheer der gegnerischen Städte eilt Kaulonia zu Hilfe, wird aber am Elleporos entscheidend geschlagen. Nach der Einnahme zerstört Dionysios Kaulonia und siedelt deren Einwohner nach Syrakus um, wo er ihnen für fünf Jahre Steuerfreiheit gewährt. Er erobert außerdem Skylletion und behandelt die Unterlegenen vergleichsweise milde, indem er zehn­tausend Gefangene ohne Lösegeld freilässt. Die Städte Kaulonia, Skylletion und Hipponion überlässt er seinen Verbündeten in Lokroi; Lokroi bleibt formal autonom, steht aber faktisch unter seiner Oberhoheit. Die weiter nördlich gelegenen Städte bleiben unabhängig und schließen Frieden mit ihm.
  • 388: Dion: Dionysios I. führt unterdessen wechselhafte Kriege gegen die Karthager und bringt einen Großteil Siziliens unter seine Herrschaft, während Dion (21) in seiner Nähe aufwächst. Um 388 v. Chr. kommt Platon nach Syrakus, Dion verschafft ihm vermutlich eine Audienz beim Tyrannen, das Gespräch verläuft unerfreulich, und Platon reist bald wieder ab. Dion wird nach späterer Darstellung des siebten platonischen Briefes zu einem überzeugten Anhänger der platonischen Philosophie, missbilligt innerlich die Tyrannis und ist bei Hofleuten verhasst, steht aber faktisch in bestem Verhältnis zu Dionysios I. Der Tyrann betraut ihn mit wichtigen Gesandtschaften, darunter nach Karthago, gewährt ihm freien Zugriff auf seinen Schatz und ermöglicht ihm so den Erwerb eines außerordentlichen Vermögens, aus dem Dion später Söldner finanzieren kann.
  • 390: Dionysios I.: In Unteritalien haben sich die meisten Griechenstädte zu einem Bund verpflichtet, um sich gegenseitig militärisch zu unterstützen, sowohl gegen die lukanische Bevölkerung als auch gegen ein befürchtetes Ausgreifen des Dionysios. Im Herbst 390 v. Chr. greift Dionysios die Stadt Rhegion an, um die Meerenge von Messina zu kontrollieren, und stützt sich dabei auf sein Bündnis mit Lokroi, der Heimat seiner Frau Doris. Der erste Angriff misslingt, und der Herrscher sucht daraufhin das Bündnis mit den Lukaniern.
  • 397: Dionysios I.: Im Frühjahr 397 beginnt die karthagische Gegenoffensive unter Himilkon, der eine zahlen- und schiffsmäßig überlegene Streitmacht führt. Die Karthager landen in Panormos, erobern rasch mehrere Städte zurück, darunter Motye, während Dionysios Westsizilien aufgibt und sich nach Osten zurückzieht. Himilkon sichert den Westen und rückt dann an der Nordküste vor, erobert Messana und schneidet Dionysios vom italienischen Festland ab, worauf zahlreiche Verbündete der Syrakuser die Seiten wechseln. Der Tyrann muss Tausende von Sklaven freilassen, um seine Flotte zu bemannen, und zieht sich mit einem stark verkleinerten Heer in die Nähe von Syrakus zurück. Als seine Flotte bei Katane eine schwere Niederlage mit dem Verlust von hundert Schiffen erleidet, muss er sich hinter die Mauern von Syrakus zurückziehen und eine Belagerung hinnehmen, die sich bis in den Sommer 396 hinzieht. Während der Belagerung schwächen Seuchen das karthagische Heer und untergraben seine Moral. Dionysios wirbt neue Söldner an und erhält erneut Unterstützung aus Sparta. Mit einem überraschenden Ausfall gelingt es ihm, das karthagische Landheer weitgehend zu vernichten, während die Syrakuser zugleich einen Seesieg erringen. Himilkon entkommt mit dem Rest seiner Flotte nach Afrika. Dionysios geht wieder zur Offensive über; nach wechselvollen Kämpfen entsendet Karthago 392 v. Chr. eine weitere große Flotte, doch beide Seiten sind erschöpft, und in Afrika erschüttert zusätzlich ein Aufstand Karthago. Man vermeidet eine Entscheidungsschlacht und schließt 392 Frieden, der die traditionelle Aufteilung Siziliens bestätigt, Dionysios jedoch außerhalb des karthagischen Gebietes freie Hand lässt und im Detail deutlich günstiger ist als der Vertrag von 405.
  • 398: Dionysios I.: In dieser Phase zeigt sich auch seine Heiratspolitik als Instrument der Herrschaftssicherung und Bündnispolitik. Zunächst ist er mit einer Tochter des Hermokrates verheiratet, die sich 405 v. Chr. nach Misshandlung im Zusammenhang mit einem gescheiterten Aufstand gegen Dionysios das Leben nimmt. Um 398 oder nach anderer Datierung erst 393 v. Chr. heiratet er erneut und verbindet sich gleichzeitig oder kurz nacheinander mit zwei adligen Frauen: Doris aus Lokroi und Aristomache, der Tochter des Hipparinos. Diese Bigamie ist im griechischen Raum ungewöhnlich, scheint aber keinen Skandal auszulösen. Die Ehe mit Doris folgt vor allem bündnispolitischen Erwägungen: Dionysios will verhindern, dass die Griechenstädte Unteritaliens sich im Kampf gegen Karthago mit seinem Feind verbünden, bietet zunächst Rhegion ein Bündnis und eine Heirat an, wendet sich nach der Ablehnung durch die Rhegier aber an Lokroi und heiratet die Lokrerin Doris im Rahmen dieses Bündnisses. Aus der Ehe mit Doris gehen Dionysios II., der spätere Nachfolger, sowie ein jüngerer Sohn Hermokritos hervor. Aus der Verbindung mit Aristomache stammen die Söhne Hipparinos und Nysaios, die später ebenfalls kurzzeitig über Syrakus herrschen, sowie die Tochter Arete, die Dionysios mit dem Sohn des Hipparinos, Dion, verheiratet. Dion, der später Freund Platons wird, genießt das volle Vertrauen des Tyrannen. Mit Aristomache hat Dionysios zudem eine Tochter namens Sophrosyne, die ihren Halbbruder Dionysios II. heiratet. So schafft der Herrscher ein eng verflochtenes Netzwerk von Familienbindungen innerhalb der neuen Oberschicht. Im Frühjahr 398 v. Chr. fordert Dionysios Karthago zur Kapitulation auf, nachdem er jahrelang den Friedensvertrag verletzt und seine Rüstungen betrieben hat. Er marschiert mit einem Heer von angeblich 80.000 Mann ohne Widerstand bis an die Westspitze Siziliens und belagert die karthagische Stadt Motye auf einer kleinen Insel. Der Bau eines Damms, über den seine Truppen zur Insel vordringen, stellt eine bedeutende technische Leistung dar; nach schweren und verlustreichen Kämpfen gelingt die Einnahme der Stadt.
  • 398: Dion von Syrakus (13) wird 409 in Syrakus geboren und wächst nach dem frühen Tod seines Vaters Hipparinos am Hof des Tyrannen Dionysios I. auf, der die Vormundschaft über ihn und seine Geschwister übernimmt. Sein Vater hat bereits vor der Machtergreifung des Dionysios I. als dessen Gefährte und Vertrauter gegolten. 398 v. Chr. heiratet Dionysios I. Dions Schwester Aristomache und gleichzeitig Doris aus Lokroi; aus der Ehe mit Aristomache gehen Arete, Sophrosyne, Hipparinos und Nysaios hervor. Arete wird zunächst mit Thearides verheiratet und um 375 v. Chr. nach dessen Tod Dions Frau, so dass Dion zugleich Schwager und Schwiegersohn des Dionysios I. ist.
  • 403: Dionysios I.: Nach der Niederschlagung der Rebellion beginnt Dionysios bereits 403 v. Chr. erneut mit seiner Expansionspolitik. Er führt Feldzüge gegen autonome Städte in Zentral- und Nordostsizilien, verwüstet deren Gebiete und verkauft einen Teil der Bevölkerung eroberter Städte in die Sklaverei. Diese fortgesetzten Vertragsverletzungen dienen zugleich als Vorbereitung eines neuen Krieges gegen Karthago. In Syrakus lässt er ein gewaltiges Befestigungssystem errichten: Er ummauert die Hochfläche von Epipolai im Nordwesten und bezieht sie in den Mauerring ein, errichtet dort das Fort Euryalos, das zu einem Höhepunkt der griechischen Festungsbaukunst wird. Angeblich setzt er rund 60.000 Arbeiter ein, überwacht die Arbeiten täglich persönlich und arbeitet auch selbst mit. Parallel dazu rüstet er seine Streitkräfte massiv auf: Er erweitert die Flotte um mehr als 200 Schiffe, darunter Fünfruderer, und lässt neue Belagerungsmaschinen entwickeln. Ingenieure in seinem Auftrag erfinden das Katapult, das die Belagerungstechnik grundlegend verändert. Außerdem wirbt er zahlreiche Söldner an, besonders in Griechenland, wo nach dem Peloponnesischen Krieg viele erfahrene Kämpfer ohne Beschäftigung sind. Nach Abschluss dieser Rüstungen beruft Dionysios eine Volksversammlung ein, lässt sich den Angriff auf Karthago formell genehmigen und begründet den Krieg mit dem Ziel, alle Griechenstädte von karthagischer Herrschaft zu befreien.
  • 404: Dionysios I.: Dionysios akzeptiert die Vertragsklausel zur Autonomie der Nachbarstädte nicht und bricht 404 v. Chr. den Frieden, indem er die Stadt Herbessos angreift. Während dieses Feldzuges meutern Teile seines Heeres; Dionysios wagt es nicht, mit seinen loyalen Söldnern gegen die Aufständischen im Gebiet des unbesiegten Herbessos vorzugehen, sondern eilt zurück nach Syrakus, um einer Ausweitung der Revolte zuvorzukommen. Die meuternden Truppen verbünden sich mit oligarchischen Gegnern des Tyrannen in Syrakus und mit den Städten Messana und Rhegion, die starke Seestreitkräfte besitzen. Dionysios kann Syrakus nicht halten und zieht sich auf die vorgelagerte Insel Ortygia zurück, wo er eine Festung gebaut hat, die den Hafen abschließt und seine Söldner beherbergt. Ortygia wird nun mehrere Monate lang von den Syrakusern belagert; die Lage des Tyrannen spitzt sich zu, und seine Söldner beginnen angesichts des Angebots syrakusischen Bürgerrechts zu den Gegnern überzulaufen. In dieser verzweifelten Situation fällt im Umfeld des Herrschers die später berühmte Bemerkung, die Tyrannis sei ein schönes Leichentuch. Dionysios täuscht Kapitulationsbereitschaft vor, gewinnt dadurch Zeit und wirbt in Westsizilien Söldner an, die zuvor für Karthago gekämpft haben und nun in seinen Dienst treten. Zugleich erhält er Unterstützung aus Sparta, das nach dem Sieg im Peloponnesischen Krieg die führende Macht in Griechenland ist; der spartanische Staatsmann Lysandros entsendet einen Gesandten, dessen Auftreten die Position des Tyrannen stärkt. Mit Hilfe der neuen Truppen gelingt Dionysios ein überraschender Ausfall, mit dem er das Festland zurückerobert; nach dem Sieg zeigt er sich gegenüber den Besiegten milde, und von nun an bis zu seinem Tod erhebt sich kein Aufstand mehr gegen seine Herrschaft.
  • 405: Dionysios I.: Im Frühjahr 405 v. Chr. lässt die Volksversammlung ihn zum alleinigen Feldherrn mit unbegrenzten Vollmachten (strategos autokrator) wählen, ein in Krisenzeiten verfassungsgemäßes Ausnahmeamt. Von dieser Basis aus bereitet er im Sommer 405 einen Staatsstreich vor, der die Verfassung de facto stürzt und ihn zum Tyrannen macht. Er inszeniert ein Attentat auf sich, nutzt die Erregung in der Heeresversammlung und erwirkt die Bewilligung einer persönlichen Leibgarde von 600 Mann, die er eigenmächtig auf über 1000 kampfstarke Männer erhöht. Diese nur ihm unterstellte Truppe verschafft ihm eine vom Willen der Bürgerschaft unabhängige Machtbasis. Dionysios gelingt der Machtzugriff, obwohl er formal die demokratischen Institutionen bestehen lässt; die Herrschaft nimmt aber monarchische Züge an. Schon Anfang 405 v. Chr., noch vor seiner Wahl zum Alleinfeldherrn, zieht Dionysios mit seinem Heer nach Gela, das von den Karthagern bedroht ist. In Gela unterstützt er die demokratische Partei gegen die Aristokraten, lässt reiche Angehörige der Oberschicht verurteilen und hinrichten und verwendet deren beschlagnahmte Güter zur Bezahlung seiner Söldner, was ihm in der armen Bevölkerung und im Heer Popularität einbringt. Im Juli 405 beginnt der karthagische Feldherr Himilkon mit der Belagerung von Gela; Dionysios zieht mit einer zahlenmäßig deutlich unterlegenen Streitmacht heran und entwirft einen komplexen Angriffsplan, der militärhistorisch neuartig ist, aber an der Überforderung der griechischen Befehlshaber scheitert. Nach der Niederlage lässt er Gela evakuieren und ordnet auch die Räumung von Kamarina an, womit er die gesamte Südküste Siziliens den Karthagern überlässt Noch im Jahr 405 schließen Karthager und Syrakuser Frieden, nachdem im karthagischen Heer eine Seuche ausbricht. Die Friedensbedingungen erweitern den Machtbereich Karthagos erheblich, doch Dionysios wird als Herr von Syrakus anerkannt. Viele Städte, die er seinem Reich einverleiben will, müssen nun Karthago Tribut zahlen oder unbefestigt bleiben, andere gelten als autonom; der Vertrag ordnet die Machtverhältnisse auf der gesamten Insel und wird zum Vorbild späterer Vereinbarungen zwischen Karthago und den sizilischen Griechen. Die Bestimmung, wonach auch die unmittelbaren Nachbargemeinden von Syrakus autonom sein müssen, schränkt jedoch jede Expansion des Tyrannen ein.
  • 406: Dionysios I.: Im Dezember 406 v. Chr. erobern die Karthager die Stadt Akragas (Agrigent), nachdem Dionysios dort gegen sie gekämpft hat. Er tritt jetzt als Volksredner gegen die Feldherrn auf, denen er die Verantwortung für die Niederlage zuschreibt, und verbindet diesen Angriff mit genereller Kritik an den „Mächtigen“ und „Reichen“, denen er mangelnden Patriotismus vorwirft. So profiliert er sich als Sprecher typischer demokratischer Anliegen, erhält aber wegen seiner Agitation eine Geldbuße, die der vornehme Philistos für ihn bezahlt und sich damit als enger Verbündeter erweist. Dionysios erreicht, dass die bisherigen Feldherrn abgesetzt werden; in das neue Kollegium der Feldherrn wird er selbst gewählt.
  • 407: Dionysios I.: Dionysios wird um 430 v. Chr. in Syrakus geboren. Er stammt aus einer angesehenen, aber nicht reichen syrakusischen Familie; sein Vater Hermokritos ermöglicht ihm dennoch eine gute sophistische Ausbildung. Früh schließt sich Dionysios dem Politiker und Feldherrn Hermokrates an, der sich für die Unabhängigkeit der sizilischen Griechen gegenüber äußeren Mächten einsetzt. Als Hermokrates im Jahr 407 v. Chr. mit privaten Söldnern einen Staatsstreich in Syrakus versucht, kämpft Dionysios an seiner Seite und wird dabei schwer verwundet, während Hermokrates im Kampf fällt. Die Anhänger des Hermokrates werden verbannt, doch Dionysios entgeht der Verbannung und erhält sogar eine Anstellung als Sekretär des Kollegiums der syrakusischen Feldherrn.
  • 466: Tyrann Thrasybulos (467–466)
    Die Bevölkerung von Syrakus erhebt sich gegen iThrasybulos, wirft ihm Unfähigkeit vor und vertreibt ihn aus der Stadt. Mit seinem Sturz endet in Syrakus die ältere Tyrannis, und an ihre Stelle tritt nun eine demokratische Regierungsform. Nach seiner Vertreibung aus Syrakus geht Thrasybulos ins Exil in die Stadt Lokroi in Italien; sein weiteres Schicksal und Todesjahr ist unbekannt.
  • 467: Thrasybulos stammt aus der Familie der Deinomeniden in Sizilien und gehört zur führenden Schicht von Syrakus. Er ist der Bruder von Gelon und Hieron, die als Tyrannen über Syrakus geherrscht haben. Thrasybulos stand bisher im Schatten dieser Brüder, übernimmt nun die Herrschaft über die Stadt. Er tritt damit die Nachfolge seines Bruders an und führt die ältere Tyrannis von Syrakus formal fort. Seine Regierungszeit bleibt jedoch kurz und gilt als wenig erfolgreich, sodass seine Autorität in der Stadt rasch erodiert.
  • 467: Tyrann Hieron I. (478–467) In seinen letzten Regierungsjahren behält Hieron I. die Kontrolle über Syrakus und seine abhängigen Gebiete, auch wenn die inneren Spannungen in seinem Reich zunehmen. Er hält an seiner Politik der Machtkonzentration fest und stützt sich auf sein Bündnissystem, auf die von ihm gegründeten Kolonien sowie auf die Loyalität des Militärs. Seine Maßnahmen hinterlassen eine stark zentralisierte Herrschaftsstruktur, die jedoch zugleich von den persönlichen Fähigkeiten des Tyrannen abhängt. Hieron verbringt seine letzten Jahre auch in Catana, dem von ihm in Aitna umbenannten Gebiet, das für seine Politik von besonderer Bedeutung ist. 467 (ev. 466) stirbt er in Catana und hinterlässt ein weitreichendes Machtgebilde, dessen Zusammenhalt nach seinem Tod auf die Stabilität seiner Nachfolgeregelung angewiesen ist. Er vererbt sein Reich an seinen Bruder Thrasybulos, der ihm als Tyrann von Syrakus nachfolgt und damit die Herrschaft der Deinomeniden zunächst fortsetzt.
  • 472 Hieron I.: Innenpolitisch setzt Hieron seine Machtpolitik fort, indem er Städte abhängig macht und ihre Strukturen umgestaltet. 472 v. Chr. besiegt er Thrasydaios, den Herrscher über Akragas, und zwingt Akragas in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Syrakus, wodurch er seine Vorherrschaft auf Sizilien weiter absichert. Gleichzeitig verbindet er militärische Maßnahmen mit einer aktiven Siedlungs- und Kolonialpolitik: Er gründet mehrere syrakusanische Kolonien, lässt die Einwohner von Naxos und Catana nach Lentini umsiedeln und besiedelt Catana neu mit dorischen Griechen, wobei er die Stadt in Aitna umbenennt. Hieron nutzt diese Maßnahmen, um mögliche oppositionelle Bevölkerungen zu zerstreuen und gleichzeitig loyale Gruppen an strategisch wichtigen Orten anzusiedeln. Durch die Umbenennung Catanas in Aitna betont er seine eigene Rolle als Neubegründer und verbindet die Stadt mit dem symbolträchtigen Ätna-Massiv, was seiner Herrschaft zusätzliche sakrale und mythische Ausstrahlung verleiht. Parallel zu seiner militärischen und politischen Expansion tritt Hieron I. als Förderer der griechischen Kultur hervor und gestaltet Syrakus zu einem bedeutenden geistigen Zentrum. An seinem Hof sammelt er Dichter, Philosophen und Intellektuelle, die durch seine Unterstützung nach Syrakus gezogen werden und dort wirken. Zu den von ihm geförderten Dichtern gehören Epicharmos, Simonides, Aischylos, Bakchylides und Pindar, die ihn in ihren Werken feiern oder in engem geistigem Austausch mit seinem Hof stehen. Durch diese Patronage verknüpft Hieron seine Herrschaft mit literarischem Ruhm und präsentiert sich als kulturfreundlicher Tyrann, der an der Spitze eines blühenden Hofes steht. Die Siege bei Olympia und in der Seeschlacht bei Kyme bieten Stoff für Epinikien und Siegesodes, in denen seine Macht, Frömmigkeit und Rolle als Beschützer der Griechen hervorgehoben werden. So entsteht das Bild eines Herrschers, der sowohl militärische Stärke als auch kulturelle Ausstrahlung besitzt und die griechische Welt in Sizilien und Unteritalien prägt.
  • 474 Hieron I.: 474 v. Chr. führt er gemeinsam mit Aristodemos von Kyme eine Flotte gegen die Etrusker und erringt in der Seeschlacht bei Kyme einen wichtigen Sieg, der die etruskische Expansion in diesen Raum zum Stillstand bringt und die Sicherheit der griechischen Küstenstädte stärkt.
  • 476 Hieron I.: In den 470er Jahren festigt Hieron I. seine Rolle als militärischer Führer und Schutzherr der griechischen Städte in Sizilien und Unteritalien. 476 v. Chr. nimmt er an den Olympischen Spielen in Olympia teil und gewinnt im Wagenrennen, wodurch er sein Prestige in der gesamten griechischen Welt steigert und sich als siegreicher Herrscher und Athlet inszeniert.
  • 478 Hieron I.: Hieron I. entstammt der einflussreichen deinomenidischen Familie, die in Gela und Syrakus politischen und militärischen Aufstieg anstrebt. Im Jahr 485 v. Chr. übernimmt Hieron in Gela die Alleinherrschaft und etabliert sich als Tyrann der Stadt, wobei er seine Stellung durch militärische Stärke und geschickte Bündnispolitik absichert. 478 v. Chr. folgt er seinem Bruder Gelon nach dessen Tod oder Abtritt als tyrannischer Herrscher von Syrakus und verlegt damit das Machtzentrum der Familie in diese bedeutende Metropole an der Ostküste Siziliens. Hieron herrscht nun gleichzeitig über Gela und Syrakus, was seine Stellung im griechischen Sizilien massiv stärkt und ihm erlaubt, in die inneren Verhältnisse anderer Städte einzugreifen. Er schließt ein Bündnis mit Akragas, dem reichen Agrigent, und strebt damit die politische Vereinigung fast ganz Siziliens unter sein Übergewicht an. Zugleich beginnt er, in Unteritalien in die Konflikte der griechischen Poleis einzugreifen, indem er die Interessen der Lokrer unterstützt und sich damit gegen Anaxilaos, den Tyrannen von Rhegion, positioniert. Tyrann Gelon (485–478)

Molosser / Epirus

  • 390/385: Alketas: Um 410 v. Chr. kommt Alketas in Epirus zur Welt, als Sohn des Königs Tharypas aus der Dynastie der Aiakiden. Er wächst als Molosserprinz auf und gehört damit zu einem Geschlecht, das seine Abstammung mythisch auf den Helden Achilleus zurückführt. Über seinen Großvater und Urgroßvater greift seine Familie wahrscheinlich bis zu Admetos zurück, der um 470 v. Chr. als König der Molosser herrscht. Alketas wächst in einer Welt auf, in der Epirus zwischen illyrischen Stämmen, makedonischem Einfluss und den mächtigen griechischen Stadtstaaten im Süden seinen Platz behaupten muss. Schon früh lernt er, dass seine Herrschaft später nicht nur von dynastischer Legitimation, sondern auch vom Wohlwollen der eigenen Untertanen und von wechselnden Bündnissen abhängt. Etwa um 390 oder 385 v. Chr. besteigt Alketas den Thron von Epirus und übernimmt formal die Königsherrschaft über die Molosser. Er tritt damit die Nachfolge seines Vaters Tharypas an und führt die Tradition der Aiakiden weiter, die Epirus über mehrere Generationen prägen. In dieser Phase stabilisiert er seine Stellung im Land, pflegt die aristokratischen Netzwerke im Molosseradel und versucht, Epirus im Geflecht der griechischen Mächte sichtbar zu machen. Seine Herrschaft ruht dabei auf der Zustimmung der Molosser, die in ihren Versammlungen und durch ihre Adelsfamilien Einfluss auf die Königsmacht ausüben. Zugleich beobachtet Alketas aufmerksam die Lage im westlichen Mittelmeerraum, insbesondere den Aufstieg des Tyrannen Dionysios des Älteren in Syrakus, dessen Machtpolitik an der Adria bald auch für Epirus wichtig wird. Im Verlauf seiner Herrschaft wenden sich die Molosser gegen ihren König, und Alketas wird von seinen eigenen Untertanen vom Thron vertrieben. Er sieht sich gezwungen, Epirus zu verlassen und sucht als Exilkönig Zuflucht am Hof des Tyrannen Dionysios I. von Syrakus auf Sizilien. In Syrakus tritt Alketas als verbannter Herrscher auf, der seine Rückkehr vorbereitet und um militärische Hilfe bittet, um seine Stellung in Epirus wiederzugewinnen. Dionysios erkennt in der Anwesenheit des Molosserkönigs eine strategische Chance und beginnt, seine Pläne zur Ausdehnung des syrakusanischen Einflusses an der Adria zu konkretisieren. Für Alketas bedeutet diese Zeit, dass sein persönliches Schicksal eng mit den Machtinteressen eines westgriechischen Tyrannen verknüpft wird, der Epirus weniger aus Loyalität als aus geopolitischem Kalkül unterstützt. Dionysios nutzt die Anwesenheit von Alketas, um sein Projekt voranzutreiben, entlang der adriatischen Küstenlinie neue Städte in Abhängigkeit von Syrakus zu gründen. Er will sichere Stationen schaffen, die seinen Flotten den Übergang über das Ionische Meer nach Epirus ermöglichen und ihm dort Häfen bieten, in denen er starke Seestreitkräfte stationieren kann. Ziel dieser Strategie ist es, eine solide militärische Basis zu errichten, von der aus Dionysios einen Raubzug gegen das reiche Heiligtum von Delphi unternehmen kann, dessen Schätze er im Auge hat. Um dieses Ziel zu erreichen, sucht er die Kooperation mit den nördlich von Epirus lebenden Illyrern, die bereits mit Alketas verbündet sind und seine Flucht nach Syrakus unterstützt haben. Dionysios verbindet also die Wiederherstellung von Alketas auf dem Molosserthron mit seinen eigenen Plänen, im Adriaraum eine syrakusanisch dominierte Machtsphäre aufzubauen. Um Alketas wieder als König der Molosser einzusetzen, stellt Dionysios den verbündeten Illyrern ein Kontingent von 2 000 Soldaten zur Verfügung. Zusätzlich liefert er ihnen 500 vollständige Hoplitenrüstungen „nach griechischer Art“, die eine deutliche Aufrüstung ihrer Kampfkraft darstellen. Die illyrischen Führer wählen aus ihren Reihen die tapfersten Krieger aus und statten genau diese mit den schwereren griechischen Rüstungen aus, um einen Elitekern in ihren Reihen zu bilden. Die 2 000 von Dionysios entsandten Männer werden auf die verschiedenen Truppenteile der Illyrer verteilt, sodass sie als Verstärkung und taktischer Rückhalt in das Heer integriert sind. In dieser vorbereitenden Phase verbindet sich der persönliche Anspruch des exilierten Königs Alketas mit einer professionell ausgerüsteten illyrisch‑syrakusanischen Streitmacht, die direkt auf eine Rückeroberung des Molosserreiches zielt. Nachdem die Illyrer alle ihre Kräfte gesammelt haben, setzen sie ihren Feldzug in Richtung Epirus in Gang. Sie durchqueren das Land und dringen in das Gebiet der Molosser vor, ohne zunächst auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Auf ihrem Marsch plündern sie das Land der Molosser und weiten die Verwüstungen auf das gesamte Gebiet von Epirus aus, sodass die Bevölkerung schwere Verluste und materielle Zerstörungen erleidet. Inmitten dieses Einfalls gelingt es ihnen, Alketas bis in seinen ehemaligen Königssitz zurückzubringen und ihn wieder in seinen Palast einzusetzen. Damit erlangt Alketas nominell seine Königswürde zurück, doch der Preis dafür ist eine tief verwüstete Heimat, deren Wunden noch lange nach dem Einfall der illyrischen und syrakusanischen Streitkräfte sichtbar bleiben. Nachdem Alketas wieder in seinem Palast sitzt, sammeln sich die Molosser zu einem Feldheer, um den Illyrern entgegenzutreten und ihre Heimat zu verteidigen. Es kommt zur offenen Schlacht, in der die Illyrer, unterstützt durch die griechische Bewaffnung und das syrakusanische Kontingent, den Sieg davontragen. In diesem Gefecht verlieren die molossischen und epeirotischen Truppen mehr als 15 000 Männer, was das Land militärisch und demographisch schwer erschüttert. Die Nachricht von den Verwüstungen in Epirus und den enormen Verlusten dringt bis nach Sparta, wo die Spartiaten auf die Notlage im Nordwesten der griechischen Welt reagieren. Sparta entsendet Hilfstruppen, die es schließlich schaffen, den Vorstoß der Illyrer zu stoppen und deren weitere Einfälle in Epirus zurückzuschlagen, sodass das Land allmählich wieder zu einer gewissen Stabilität findet. König Tharyps (430–385)
  • Fortsetzung 370

Makedonien

  • 379: Amyntas III.: Nach 379 v. Chr. Nach der Zerschlagung Olynths kann Amyntas nun einen Vertrag mit Athen schließen, bei dem er das lukrative Holzgeschäft wieder unter seine eigene Kontrolle bringt. Die makedonischen Holzlieferungen gehen jetzt direkt an den Athener Timotheos in den Hafen von Piräus, sodass die Einnahmen nicht mehr über Olynth fließen. Damit verschafft sich Amyntas neue finanzielle Mittel, um seine Herrschaft zu stabilisieren und militärische Strukturen zu konsolidieren. Parallel dazu sucht Amyntas die Nähe des thessalischen Machthabers Jason von Pherai und tritt in ein Bündnis mit ihm ein. Zugleich pflegt er aktiv die Freundschaft mit Athen, beteiligt sich an gemeinsamen diplomatischen Initiativen und befestigt so Makedoniens Stellung im Gefüge der griechischen Staatenwelt. Trotz dieser Erfolge bleibt Makedonien wirtschaftlich und militärisch nur eine Nebenmacht, doch die von Amyntas geschaffenen Strukturen bereiten den späteren Aufstieg unter seinem Sohn Philipp II. vor.
  • Fortsetzung 371
  • 382-380: Amyntas III.: Gegen Ende der 380er Jahre nutzt Olynth seine gestärkte Position, um sein Territorium massiv auszudehnen, und verweigert die Rückgabe der ehemals makedonischen Regionen. Der Chalkidische Bund besetzt sogar Pella, die Hauptstadt Makedoniens, und dehnt seine Kontrolle bis etwa zum Axios aus, sodass Amyntas einen Teil seines Kernlandes faktisch verliert. Unter dem Druck dieser Entwicklung erkennt Amyntas, dass Olynth von einem Schutz- zu einem Bedrohungsfaktor geworden ist. Um das Überleben seiner Herrschaft zu sichern, sucht Amyntas nach neuen Partnern und richtet sich an Sparta, das nach dem Königsfrieden von 387 v. Chr. seine Macht in Nordgriechenland wieder festigen will. Die Tatsache, dass Athen und Theben Olynth unterstützen, verschafft den Spartanern einen zusätzlichen Anreiz, diesen nördlichen Machtblock zu zerschlagen, und macht die Zusammenarbeit mit Amyntas politisch attraktiv. Amyntas nutzt diese Konstellation, um ein Bündnis mit Sparta zu schließen und militärische Hilfe gegen Olynth zu erbitten. 382–379 v. Chr. (Spartanisch-makedonischer Krieg gegen Olynth): Nachdem Amyntas Sparta um Beistand gegen Olynth ersucht, entsenden die Spartaner nacheinander mehrere Feldherren nach Nordgriechenland, darunter Phoibidas, Eudamidas, Teleutias, Agesipolis und schließlich Polybiades. Die ersten Unternehmungen der spartanisch-makedonischen Kräfte verlaufen unglücklich, und die Truppen erleiden zwei Niederlagen gegen die Olynthier. Teleutias fordert Amyntas auf, sich zusätzliche Söldner zu beschaffen, was den schlechten Zustand der makedonischen Infanterie und die militärische Schwäche des Königreichs in dieser Phase verdeutlicht. Im weiteren Verlauf des Krieges verstärkt Sparta sein Engagement, und Polybiades übernimmt das Kommando über die spartanischen Streitkräfte. 379 v. Chr. gelingt es Polybiades, Olynth entscheidend zu schlagen und die Stadt zu unterwerfen, womit die Vormachtstellung Makedoniens in der Region wiederhergestellt wird. Amyntas profitiert von diesem Sieg, da der Chalkidische Bund zerschlagen und die unmittelbare Bedrohung an der Ostgrenze beseitigt wird.
  • 382-335: Antigonos wird um 382 als Sohn von Philippos geboren und wächst vermutlich im Haus seines Stiefvaters Periandros in Pella auf. Er hat mindestens zwei Brüder und einen Halbbruder (Marsyas). Er heiratet Stratonike, die möglicherweise aus dem makedonischen Königsgeschlecht der Argeaden stammt. Sie bringt ihm die Söhne Demetrios I. Poliorketes und Philippos. Antigonos gehört zur Altersgeneration von Philipp II., dem makedonischen König, und dient diesem als Feldherr und Gefährte (hetairos). Er verliert ein Auge, wodurch er den Beinamen „der Einäugige“ erhält. Laut Plutarch duldet Antigonos keine Respektlosigkeiten gegenüber seiner Sehbehinderung. Als der Sophist Theokritos von Chios ihn beleidigt, sperrt Antigonos ihn ein und verhängt das Todesurteil, das schließlich vollstreckt wird, da Theokritos die geforderte Bußhaltung verweigert.
  • 383: Amyntas III.: Um 383 v. Chr. erfolgt eine weitere, schwerwiegende illyrische Invasion in Makedonien, die möglicherweise eine Wiederholung beziehungsweise „Dublette“ einer früheren Überlieferung darstellt, aber in der Forschung meist als eigener Angriff gewertet wird. Die Illyrer überrennen das makedonische Gebiet, und Amyntas muss erneut fliehen, während Argaios II. die Herrschaft übernimmt und etwa zwei Jahre lang als König regiert. Die innere Stabilität Makedoniens gerät abermals ins Wanken, und Amyntas ist auf externe Hilfe angewiesen, um seine Position zurückzugewinnen. Während dieser Krisen nutzt Olynth die Schwäche des makedonischen Königtums aus und erweitert seinen Einflussbereich an der Ostgrenze. Der Chalkidische Bund weigert sich später, Gebiete zurückzugeben, die vor dem zweiten illyrischen Angriff noch zu Makedonien gehören, und tritt zunehmend als machtvoller Rival auf. In dieser Lage wird deutlich, dass das frühere Defensivbündnis mit Olynth zwar kurzfristige Sicherheiten bringt, langfristig aber die Abhängigkeit und Schwäche Makedoniens verstärkt.
  • 384: Aristoteles wird in Stageira, Chalkidike, östlich von Thessaloniki, geboren. Sein Vater, Nikomachos, ist Leibarzt von König Amyntas von Makedonien und gehört vermutlich der medizinischen Gilde der Asklepiaden an, was Aristoteles früh für Biologie und Medizin interessiert. Seine Mutter, Phéstias, stammt aus Chalkis auf der Insel Euböa und arbeitet als Hebamme.
  • 385: Amyntas III.: Im Jahr 385 v. Chr. greift der illyrische Herrscher Bardylis mit seinen Truppen Epirus an, angefeuert und unterstützt von Dionysios I. von Syrakus, der damit die Rückkehr des molossischen Königs Alketas I. auf den Thron von Epirus anstrebt. Diese Vorgänge zeigen, wie sehr der nordwestgriechische Raum von illyrischen und sizilisch-griechischen Machtinteressen durchdrungen ist, was auch die Sicherheitslage Makedoniens betrifft. Angesichts der zunehmenden illyrischen Aktivität und der wachsenden Macht Olynths intensiviert Amyntas seine Bemühungen, spartanische Unterstützung zu gewinnen.
  • 386: Amyntas III.: In den 380er Jahren knüpft Amyntas III. zusätzlich Kontakte zum thrakischen Herrscher Kotys I., der bereits seine Tochter mit dem athenischen Feldherrn Iphikrates verheiratet hat. Da Amyntas nicht mehr in die Familie des Kotys einheiraten kann, adoptiert er den Athener Iphikrates um 386 v. Chr. als Sohn, um sich einen einflussreichen militärischen Verbündeten mit engen Beziehungen nach Thrakien und Athen zu sichern. Diese Adoption trägt den doppelten Charakter einer persönlichen Ehrung und eines politischen Bündnisses, das Makedoniens Position in der Region stärken soll.
  • 392: Amyntas III.: Im Jahr 392 v. Chr. kehrt Amyntas III. mithilfe thessalischer Truppen nach Makedonien zurück und erlangt seinen Thron wieder, den er durch die erste illyrische Invasion verloren hat. Medios von Larissa tritt als entscheidender Unterstützer auf und bestätigt damit die enge Verbindung zwischen den Argeaden und den Aleuaden, die bereits seit der Zeit des Archelaos besteht. Nach seiner Rückkehr beginnt Amyntas, sein Reich gegenüber den Illyrern abzusichern, indem er die politische Landschaft an der Ostgrenze neu ordnet. Er wendet sich dem Chalkidischen Bund unter Führung von Olynth zu und schließt ein Defensivbündnis, das den Bund zum Schutz Makedoniens heranziehen soll. Als Gegenleistung gewährt er Olynth umfangreiche Rechte an makedonischem Holz, das von dort nach Athen exportiert wird, wo es der Flotte der Athener zugutekommt. Die Einnahmen aus dem Holzhandel stärken die wirtschaftliche und militärische Position Olynths und verschaffen dem Bund wachsende Macht in Nordgriechenland. Makedonien bleibt wirtschaftlich angeschlagen, und Amyntas ist gezwungen, hohe politische und wirtschaftliche Preise zu zahlen, um sein Überleben als König zu sichern.
  • 392: König Argaios II. (393–392)
  • 393: König Amyntas III. (1. Amtszeit 393) Im Jahr 393 v. Chr. ergreift Amyntas III. durch die Ermordung seines Vorgängers Pausanias gewaltsam die Königswürde von Makedonien. Er besteigt den Thron nach einem Jahrzehnt der Konfusion, das auf den Tod Archelaos’ gefolgt ist, und präsentiert sich als Herrscher, der Ordnung und Kontinuität wiederherstellen will. Noch im selben Zeitraum heiratet er Eurydike, Tochter des Sirras und mütterliche Enkelin des lynkestischen Königs Arrabaios, um durch diese dynastische Verbindung die Beziehungen zu den Lynkestern und Illyrern zu verbessern oder sie zumindest voneinander zu lösen. Makedonien ist zu diesem Zeitpunkt politisch beinahe bedeutungslos und wirtschaftlich stark geschwächt, sodass Amyntas III. von Beginn an vor der Aufgabe steht, äußere Bedrohungen und interne Schwächen zu meistern. Kurz nach seiner Thronbesteigung dringen Illyrer in das makedonische Reich ein und schlagen seine Truppen, sodass Amyntas gezwungen ist, das Land zu verlassen. In der Not wendet er sich an Thessalien und gewinnt die Unterstützung des einflussreichen Hauses der Aleuaden von Larissa, insbesondere des vornehmen Medios, der ihm militärisch beisteht. Um seinen italienischen und nördlichen Nachbarn zu begegnen und sich abzusichern, beginnt Amyntas bereits jetzt, Bündnisse mit benachbarten Dynasten und griechischen Stadtstaaten auszuloten. - Seit etwa 393 v. Chr. ist Eurydike die erste Ehefrau von Amyntas, und aus dieser Verbindung gehen drei Söhne hervor, die später nacheinander Könige von Makedonien werden: Alexander II., Perdikkas III. und Philipp II., dazu die Tochter Eurynoe. Eurydikes Kinder gelten als älter als die Nachkommen der zweiten Frau, was ihre Vorrangstellung in der Thronfolge erklärt. In späterer Überlieferung berichtet der Historiker Justin, Eurynoe verhindere einen Anschlag ihrer Mutter Eurydike und deren Liebhaber – wahrscheinlich Ptolemaios von Aloros – auf das Leben von Amyntas, indem sie den Plan ihrem Vater offenlegt; die Historizität dieser Erzählung bleibt jedoch umstritten. Neben Eurydike nimmt Amyntas eine zweite Frau, Gygaia, zur Gattin, wahrscheinlich bald nach der ersten Ehe, und zeugt mit ihr drei Söhne: Archelaos, Arrhidaios und Menelaos. Diese Söhne beanspruchen den Thron nicht und bleiben im Hintergrund, bis sie später von ihrem Halbbruder Philipp II. getötet werden, um mögliche Thronrivalen auszuschalten. Die beiden Ehen illustrieren die Praxis der makedonischen Könige, durch Polygamie Bündnisse zu knüpfen und für zahlreiche Erben zu sorgen, um das Risiko innerdynastischer Konflikte zu mindern.

Pherai

  • 373: Jason: Im Jahr 373 v. Chr. knüpft Jason seine wichtigsten außenpolitischen Bündnisse und erweitert sein diplomatisches Netzwerk entscheidend. Er verbündet sich mit dem Königreich Makedonien, das damals von König Amyntas III. regiert wird, was ihm im Norden Rückendeckung und neue Handlungsspielräume verschafft. Gleichzeitig geht er ein Bündnis mit Theben ein, das in dieser Zeit zur führenden Landmacht aufsteigt, und steht vermutlich auch mit Athen in einem Vertragsverhältnis, ohne sich jedoch dem Zweiten Attischen Seebund anzuschließen. Stattdessen hält Jason mit Athen ein separates Bündnis aufrecht, das ihm Flexibilität sichert und verhindert, dass er in die starren Strukturen eines attischen Seebundes eingebunden wird. In diesem Jahr reist er gemeinsam mit Alketas I., dem König der Molosser, nach Athen, um für den angeklagten Feldherrn Timotheos zu sprechen, der maßgeblich dank ihrer Fürsprache freigesprochen wird, was Jasons politisches Gewicht in der athenischen Öffentlichkeit sichtbar macht.
  • Fortsetzung 370
  • 374: Jason: Im Jahr 374 v. Chr. kommt es zu einem entscheidenden Schritt in Jasons Aufstieg, als sich ein thessalischer Adliger, der zuvor mit Sparta verbündet ist und von dort keine Hilfe mehr erhält, schließlich Jason anschließt. Diese Entwicklung zeigt, dass Spartas Einfluss in Thessalien nachlässt, während Jason als verlässlicher und mächtiger Patron auftreten kann, der militärischen Schutz und politischen Aufstieg verspricht. In der Folge wird Jason zum Anführer, zum Tagos, des thessalischen Bundes gewählt und erhält damit auch formal das Oberkommando über die vereinten Kräfte Thessaliens. Er legt Tribute fest, die seine Untertanen zu zahlen haben, und baut darauf eine riesige Armee auf, die aus 20.000 schwerbewaffneten Fußsoldaten und 8.000 Reitern besteht und zu dieser Zeit die größte Streitmacht in ganz Griechenland darstellt. Mit dieser Machtbasis tritt Jason nun offen als Anwärter auf die Hegemonie über Griechenland auf und richtet seine Außenpolitik konsequent auf den Ausbau dieses Einflusses aus.
  • 375: Jason: Bis 375 v. Chr. gelingt Jason, was Lykophron vergeblich anstrebt: Er vereinigt ganz Thessalien unter seiner Herrschaft und setzt sich damit als dominierende Kraft der Region durch. Zu diesem Zweck stützt er sich auf eine ausgewählte Truppe von 6.000 Söldnern, die er persönlich ausbildet und diszipliniert, wodurch er eine schlagkräftige Kernarmee schafft, die ihm direkt loyal ist. Parallel gewinnt er die Oberhand über die großen thessalischen Adelsfamilien, zwingt sie zur Anerkennung seiner Führungsrolle und bindet sie durch Druck, Vorteile und militärische Überlegenheit an sein Regime. Seine erfolgreiche Einigung Thessaliens macht ihn zu einem Machtfaktor ersten Ranges in Mittelgriechenland und bildet die Grundlage dafür, dass er nun verstärkt in die überregionale Politik eingreift.
  • 379: Jason: Um 379 v. Chr. wendet Jason seinen Einfluss über Thessalien hinaus nach Euböa und unterstützt dort seinen Parteigänger Neogenes bei der Erringung der Tyrannis in der Stadt Oreos. Er setzt dabei auf das Prinzip, lokale Verbündete in Schlüsselstädten zu installieren, um Abhängigkeiten zu schaffen und seinen eigenen Machtbereich indirekt zu erweitern. Doch das Projekt in Oreos scheitert rasch, denn Neogenes wird bald wieder entmachtet, was Jason zeigt, dass äußere Tyrannisgründungen ohne stabile innere Grundlage politisch riskant und schwer dauerhaft zu sichern sind.
  • 380: Jason: Etwa seit 380 v. Chr. regiert Jason gefestigt als Tyrann von Pherai und drängt mit wachsender Energie auf die politische Einigung Thessaliens unter seiner Führung. Er baut seine Herrschaft militärisch aus und beginnt, eine Berufsarmee zu organisieren, die nicht nur dem Schutz seines Regimes dient, sondern gezielt für offensive Unternehmungen vorbereitet wird. In dieser Zeit entwickelt er auch den Anspruch, nicht nur regionaler Machthaber zu sein, sondern als künftiger Hegemon eine führende Rolle im gesamten Griechenland zu übernehmen.
  • 390: Jason: Um 390 v. Chr. übernimmt Jason in Pherai die Herrschaft und folgt damit seinem Vater oder Schwiegervater Lykophron als Tyrann nach, wobei die genaue verwandtschaftliche Beziehung in der Überlieferung unsicher bleibt. Mit dem Machtantritt Jasons geht ein Generationswechsel innerhalb der lokalen Tyrannis einher, denn er gehört zur sogenannten „Jüngeren Tyrannis“ in Griechenland, die energischer und professioneller auftritt als ihre Vorgänger. Jason nutzt die bestehende Machtbasis Lykophrons, führt sie aber in eine neue Phase, indem er seine Herrschaft systematischer organisiert, auf militärische Schlagkraft setzt und klare hegemoniale Ziele innerhalb Thessaliens und darüber hinaus formuliert. Tyrann Lykophron (?-390)

Böotischer Bund (seit 379)

  • Die benachbarte griechische Stadt Plataiai wird vonTheben zerstört. Der Angriff erfolgt im Widerspruch zu dem Allgemeinen Frieden, der erst drei Jahre zuvor geschlossen worden ist.
  • Fortsetzung 371

Attischer Seebund

Platon geb. 428

  • 375: Politeia (Platon)
    Historischer Hintergrund: Im 5. Jahrhundert v. Chr. ist Athen eine mächtige Polis mit entwickelter Demokratie, die das politische Denken der Zeit prägt und später als Erfahrungsraum für die Politeia dient. Die Bürgerversammlung, der Rat und zahlreiche Ämter bestimmen den Kurs des Stadtstaats; gleichzeitig verschärfen innenpolitische Konflikte und soziale Spannungen das Nachdenken über gerechte Ordnung. Der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta beginnt 431 und erschüttert das Selbstverständnis der Athener, denn Niederlagen, Besatzung und wechselnde Regime zeigen, wie labil politische Ordnungen sind. Die Erfahrung von Kriegsnot, inneren Umstürzen und Machtkämpfen erzeugt in intellektuellen Kreisen ein Bedürfnis nach grundlegender Reflexion über die beste Verfassung und die wahre Gerechtigkeit, auf das Platon später mit seinem Staatsentwurf reagiert. Im späten 5. und frühen 4. Jahrhundert wirkt Sokrates in Athen als philosophische Leitfigur, die durch ihre Gesprächspraxis eine neue Form des Nachdenkens über Tugend und staatliches Leben etabliert. Sokrates diskutiert mit Politikern, Rednern und jungen Bürgern über den Sinn von Gerechtigkeit, Tapferkeit und Weisheit und stellt die Selbstsicherheit herkömmlicher Meinungen in Frage; diese dialogische Methode bildet später das literarische Gerüst der Politeia. Nach dem politischen Umbruch und der Herrschaft der Dreißig Tyrannen wird Sokrates 399 von einem Athener Gericht verurteilt und hingerichtet, was Platon tief prägt und sein Misstrauen gegenüber der demokratischen Mehrheitsentscheidung verstärkt. In der Erinnerung an Sokrates zeichnet Platon in der Politeia das Ideal eines philosophisch geleiteten Staates, in dem nicht Mehrheitsstimmung, sondern Einsicht in das Gute herrscht, und macht seinen Lehrer zur Hauptfigur des Dialogs.
    Fiktive Handlungszeit: Die erzählte Handlung der Politeia ist rückdatiert und spielt in der Epoche des Peloponnesischen Krieges, in der reale historische Personen wie Glaukon und Adeimantos an einer Schlacht bei Megara teilnehmen. Im Text ist von dieser Schlacht die Rede, was eine Einordnung der Dialogsituation in die Zeit um 409 nahelegt und den philosophischen Gesprächen einen konkreten politischen Hintergrund gibt. Platon lässt die Figuren in einer Phase militärischer Bedrohung und politischer Unsicherheit über Gerechtigkeit und Staatsordnung sprechen, so dass die theoretischen Überlegungen als Antwort auf ganz aktuelle Krisenerfahrungen erscheinen. Die genaue Schilderung von Anwesenden und ihrer Biographien zeigt, dass Platon das historisch-politische Umfeld sorgfältig auswählt, um die Entstehung des Denkens über einen idealen Staat in einer Zeit äußerster Belastung Athens zu verankern.
    Ungefähr um 380–375 verfasst Platon die Politeia als umfassenden philosophischen Dialog über Gerechtigkeit und den idealen Staat. Der Text entsteht in einem Athen, das zwar politisch geschwächt ist, zugleich aber ein Zentrum lebendiger intellektueller Debatten bleibt, in deren Rahmen Platon frühere Erfahrungen mit der Demokratie, dem Krieg und dem Schicksal des Sokrates theoretisch verarbeitet. Der Titel Politeia knüpft an den griechischen Begriff für Staatswesen und Verfassung an, wie er seit der Mitte des 5. Jahrhunderts die politische Ordnung einer Polis bezeichnet; damit markiert Platon sein Werk bewusst als Beitrag zur grundlegenden Verfassungstheorie. Indem er einen dialogischen Rahmen mit Sokrates und weiteren historischen Personen wählt, gestaltet Platon die Entstehung seiner Staatslehre als Gespräch, in dem der Weg von alltäglichen Meinungen hin zu einer philosophisch begründeten Auffassung von Gerechtigkeit und idealer Ordnung nachvollzogen wird.
    getAbstract 2005: "Der Ehrliche ist der Dumme", heißt ein bekanntes Sprichwort. Diese Vorstellung muss es auch schon gut 350 Jahre v. Chr. gegeben haben, denn sie bildet den Ausgangspunkt für eine der wirkungsreichsten politischen Theorien des Abendlandes: Platons Staat. In seiner unverwechselbaren Dialogtechnik lässt der Philosoph seinen Mentor Sokrates das Wesen der Gerechtigkeit sowie die Eigenschaften des idealen Herrschers und Staates erläutern. Vieles davon muss den Athenern geradezu revolutionär vorgekommen sein: die Dreiteilung der Staatsglieder, Gleichheit von Männern und Frauen, Abschaffung des Privateigentums und gar die Herrschaft von Philosophen. Wer Platons Ideen mit dem weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte vergleicht, wird allerdings unwillkürlich zusammenzucken, wenn er seine Vorschläge zu Euthanasie, Rassenauswahl und strenger Staatsräson liest. Eine kritische Distanz bei der Lektüre ist also angebracht. Davon abgesehen liefert Platon mit diesem Werk einen tiefen Einblick in seine Erkenntnistheorie (u. a. mit dem berühmten Höhlengleichnis) und eine bedeutende Staatsutopie, in der Gerechtigkeit und Moral einen festen Sitz haben und Politik zum Wohle des Volkes gemacht wird - statt für den Geldbeutel der Politiker oder der Reichen. Dies ist auch mehr als 2000 Jahre nach Platon noch ein Thema.
  • Fortsetzung 372
  • 387: Platon: Nach seiner Rückkehr erwirbt Platon bei dem Hain des Heros Akademos nordwestlich von Athen ein Grundstück und beginnt dort Unterricht und Forschung. Aus dieser Tätigkeit entsteht die Akademie, die erste institutionelle Philosophenschule Griechenlands, deren Mitglieder sich nun „Akademiker“ nennen und die sich am Vorbild der pythagoreischen Gemeinschaft orientiert. Platon lehrt und lebt auf dem Gelände der Akademie, arbeitet mit Gastphilosophen und fortgeschrittenen Schülern zusammen und steht in Konkurrenz zum Rhetoriklehrer Isokrates, dessen Bestrebungen er kritisch sieht. In dieser Phase verfasst er zahlreiche Dialoge, in denen er in der Form des sokratischen Dialogs seine frühe Ethik, später die Ideenlehre und seine Staatstheorie entfaltet.
  • 399: Platon in Megara: Nach dem Tod des Sokrates zieht Platon mit anderen Sokratikern nach Megara zu Euklid von Megara und gestaltet ihn später als Gesprächspartner in den Dialogen Phaidon und Theaitetos. In der Folgezeit unternimmt er eine große Bildungsreise, deren genaue Route umstritten ist; nach späteren Quellen führt sie ihn nach Kyrene zu Theodoros, nach Ägypten und nach Süditalien, wobei insbesondere der Ägyptenaufenthalt wahrscheinlich legendär ist.
  • 399: Platon: die Hinrichtung des Sokrates 399 v. Chr. erschüttert ihn tief und bestätigt ihn in der Überzeugung von einem grundlegenden Mangel des politischen Systems.
  • 403: Platon: Nach der Wiederherstellung der Demokratie 403 v. Chr. missfallen ihm auch die neuen politischen Verhältnisse
  • 404: Platon: Nach dem Kriegsende 404 v. Chr. beginnt in Athen die Terrorherrschaft der Dreißig, zu denen auch Verwandte Platons gehören; Platon wird zur Beteiligung am Regime eingeladen, lehnt aber ab, weil er es als verbrecherisch einschätzt.
  • 410: Platon: Platon wird 428 oder 427 v. Chr. zur Zeit der Attischen Seuche in Athen oder auf Aigina geboren. Er entstammt einer vornehmen und wohlhabenden Familie; sein Vater Ariston führt sich auf den mythischen König Kodros zurück, seine Mutter Periktione ist mit dem Gesetzgeber Solon verwandt. Er wächst während des Peloponnesischen Kriegs auf und erhält als Sohn aus gutem Hause Unterricht in Sport, Grammatik, Malerei, Musik und Dichtung. In seiner Jugend nimmt er an den Isthmischen Spielen teil und ist ein preisgekrönter Ringer. Kratylos, ein Anhänger Heraklits, führt Platon in die Philosophie ein. Etwa mit zwanzig Jahren begegnet Platon Sokrates, schließt sich ihm als Schüler an und bleibt rund ein Jahrzehnt bis zu dessen Tod bei ihm; Sokrates prägt seine geistige Entwicklung.

Korinth

Messenien

Arkadischer Bund

Sparta

  • 374: Kleombrotos: Im Frühjahr 374 v. Chr. dringen die Thebaner in Phokis ein und bedrohen damit einen wichtigen Verbündeten Spartas auf dem griechischen Festland. Kleombrotos reagiert, indem er mit vier spartanischen Regimentern und den entsprechenden Kontingenten der Verbündeten über den Golf von Korinth setzt. Seine Ankunft in der Region beeindruckt die Thebaner so sehr, dass sie den Einfall abbrechen und sich wieder nach Böotien zurückziehen, um einer offenen Feldschlacht auszuweichen. Kleombrotos bleibt mit seinen Kräften in diesem Raum präsent und hält die Stellung bis zum Jahr 371 v. Chr., wodurch Sparta seinen Einfluss in Mittelgriechenland behauptet.
  • Fortsetzung 371
  • 376: Kleombrotos: Im Jahr 376 v. Chr. erkrankt Agesilaos II., und deshalb überträgt man Kleombrotos erneut die Führung des spartanischen Heeres. Kleombrotos rückt mit seinen Truppen bis zum Kithairon vor, wo erneut ein Pass den Zugang nach Böotien kontrolliert. Er beauftragt die Peltasten, also leicht bewaffnete Fußsoldaten, die Wachposten am Pass zu beseitigen und damit den Weg für das Heer freizumachen. Die Peltasten stoßen jedoch auf starken Widerstand, geraten in schwere Kämpfe und erleiden hohe Verluste. Als vierzig dieser Peltasten gefallen sind, entscheidet Kleombrotos, den Vorstoß abzubrechen und mit dem Heer nach Sparta zurückzukehren, anstatt den Pass um jeden Preis zu erzwingen. Dieser Rückzug ohne Erfolg verstärkt in Sparta den Argwohn gegenüber seiner militärischen Leistungsfähigkeit und seinem Mut. In den führenden Kreisen der Stadt wächst der Zweifel, ob Kleombrotos der richtige Mann für entscheidende Operationen gegen Theben ist.
  • 378: Kleombrotos: Im Frühjahr 378 v. Chr. beschließen die Ephoren, Kleombrotos als Heerführer gegen Theben einzusetzen, nachdem die Stadt Sparta militärisch herausfordert und die griechische Machtbalance gefährdet. Kleombrotos zieht mit dem spartanischen Heer an den Kithairon, wo ein thebanisches Kontingent den Pass bewacht. Es gelingt ihm ohne größere Schwierigkeiten, diese Wachtruppe zu überwältigen und damit den Weg nach Böotien zu öffnen. Anschließend dringt er in das thebanische Gebiet ein und schlägt für sechzehn Tage sein Lager dort auf, ohne jedoch entscheidende Operationen gegen die Stadt selbst zu unternehmen. Nach dieser Phase der Untätigkeit marschiert Kleombrotos weiter nach Thespiai und belässt dort Sphoridas mit einem Teil der Streitmacht als Harmost, also als spartanischen Statthalter und militärischen Befehlshaber. Die Soldaten rätseln angesichts dieses zögerlichen Vorgehens, ob Sparta sich im Krieg oder bereits im Frieden mit Theben befindet, da man trotz einer erfolgreichen Invasion keine entschlossene Offensive führt. Auf dem Rückzug des Heeres gerät der Tross in ein schweres Unwetter im Gebirge, wobei zahlreiche Packesel zu Tode kommen und der Nachschub empfindliche Verluste erleidet. In Sparta selbst stößt die Tatenlosigkeit des Kleombrotos auf Unverständnis, und als Folge vertraut man für die nächsten beiden Feldzüge gegen Theben wieder Agesilaos II. das Oberkommando an.
  • 380: Kleombrotos: Im Jahr 380 v. Chr. stirbt Agesipolis kinderlos, und dadurch geht die Königswürde innerhalb des agiadischen Hauses auf Kleombrotos über. Kleombrotos wird nun selbst König von Sparta, bleibt aber politisch im Schatten seines erfahrenen Mitkönigs Agesilaos II., der aus dem anderen spartanischen Königshaus, dem der Eurypontiden, stammt. Über eigenständige politische Initiativen oder richtungsweisende Entscheidungen des Kleombrotos erfährt man nichts; er tritt nicht als prägende Gestalt der spartanischen Innenpolitik hervor. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint er vielmehr als formeller Herrscher, während Agesilaos II. das eigentliche Gewicht in der spartanischen Politik trägt.
  • 387: Agesilaos II.: Der Krieg endet 387 v. Chr. mit dem sogenannten Königsfrieden (Frieden des Antalkidas), den Persien diktiert und den Agesilaos nachdrücklich unterstützt, weil er Spartas Vormachtstellung gegenüber den anderen Griechen sichert, auch wenn er die Rückgabe der kleinasiatischen Griechenstädte an den Perserkönig einschließt. Nach dem Königsfrieden verlagern sich die Konflikte auf die Frage, wie die Bestimmungen zur Unabhängigkeit der Poleis auszulegen sind. Agesilaos nutzt die Vertragsklauseln, um die Auflösung gegnerischer Bündnisse zu betreiben, insbesondere der böotischen Föderation unter Führung Thebens, und trägt damit zu einer Verschärfung der Rivalität zwischen Sparta und Theben bei. In den 380er und frühen 370er Jahren setzt er wiederholt militärische Mittel ein, um Theben zu isolieren und seine Bündnisse zu sprengen, und befürwortet ein hartes Vorgehen gegen Städte, die sich Spartas Hegemonie entziehen wollen.
  • 391: Agesilaos II.: Ab 391 v. Chr. erzwingt Spartanlands militärische Präsenz unter seiner Führung die Auflösung mehrerer spartafeindlicher Bündnisse und bedrängt vor allem Korinth und Theben, deren Festungen und Umland in mehreren Feldzügen verwüstet werden.
  • 394: Agesilaos II.: Im Jahr 395 beginnt der sogenannte Korinthische Krieg, in dem Theben, Athen, Korinth und Argos, unterstützt von persischen Mitteln, gegen Sparta kämpfen. Agesilaos kehrt aus Asien zurück, um in Griechenland selbst das Kommando zu übernehmen, und stellt sich der Koalition im Inland entgegen. Im Jahr 394 v. Chr. erringt er bei Koroneia in Böotien einen wichtigen Sieg über die antispartanischen Verbündeten, was seine Reputation als erfolgreicher Feldherr weiter steigert, auch wenn Sparta zur gleichen Zeit bei Knidos zur See eine schwere Niederlage erleidet. In den folgenden Jahren führt Agesilaos immer wieder spartanische Heere in Mittelgriechenland, um der Koalition entgegenzutreten und Spartas Hegemonialstellung zu verteidigen.
  • 395: Kleombrotos: Im Jahr 395 v. Chr. flieht König Pausanias aus Sparta, weil man ihm Bestechlichkeit vorwirft. Kleombrotos ist zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind und gehört wie sein Bruder Agesipolis dem Königshaus der Agiaden an. Nach der Flucht des Vaters erhebt man den Bruder Agesipolis zum König, weil die Nachfolge im königlichen Haus gesichert bleiben soll. Da sowohl Agesipolis als auch Kleombrotos minderjährig sind, stellt man sie unter die Vormundschaft des Aristodemos, der die Regierungsgeschäfte führt und damit die königliche Autorität im Namen der beiden Knaben wahrnimmt.
  • 396: Agesilaos II.: Kurz nach seiner Thronbesteigung steht die Sicherung und Ausweitung der spartanischen Hegemonie im Vordergrund, sowohl gegenüber anderen griechischen Poleis als auch gegenüber dem Perserreich, das nach dem Peloponnesischen Krieg wieder verstärkt in die griechischen Angelegenheiten eingreift. Um die griechischen Städte in Kleinasien vom persischen Großkönig zu lösen und Spartas Einfluss dort zu festigen, übernimmt Agesilaos von 396 bis 394 v. Chr. das Feldherrenamt im Krieg gegen Persien. Agesilaos führt ein Heer nach Kleinasien, dringt über Ephesos und Phrygien bis nach Sardes vor und erzielt dort militärische Erfolge, die den ionischen Küstenstädten zeitweilig die Lösung aus dem persischen Staatsverband ermöglichen. Er tritt dabei als König auf, der erstmals in der spartanischen Geschichte zugleich Land- und Seestreitkräfte in Asien kommandiert, und stärkt den Ruf Spartas als Führungsmacht der Griechen. Seine Unternehmung muss jedoch abgebrochen werden, als sich in Griechenland eine breite, von persischem Geld unterstützte Koalition gegen Sparta formiert, die einen neuen Krieg im Mutterland auslöst.
  • 399: Agesilaos II.: Im Jahr 400 v. Chr. stirbt Agis II., und nach spartanischer Tradition soll eigentlich sein Sohn Leotychidas den Thron besteigen. Dessen Legitimität ist aber umstritten, weil Agis Leotychidas zeitweise als Sohn des athenischen Politikers Alkibiades betrachtet und ihn daher zurückweist, bevor er ihn kurz vor seinem Tod doch wieder anerkennt. Ein Teil der spartanischen Führung bezweifelt, dass Leotychidas wirklich aus königlichem Geblüt stammt, und im Machtkampf um die Nachfolge setzt sich schließlich Agesilaos durch, der als vollgültiger Sohn des Archidamos II. gilt und nun König von Sparta wird. - Im Inneren Spartas gewinnt Agesilaos durch seine konsequente Unterordnung unter Gesetze und Institutionen eine besondere Autorität. Er gibt sich als König, der den Ephoren gehorcht, sich der spartanischen Einfachheit verpflichtet und keine fremdländischen Luxusgewohnheiten übernimmt, obwohl er große Auslandskommandos geführt hat. Dieses Verhalten verschafft ihm einen Einfluss auf die spartanische Politik, wie ihn seit dem Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. kein König mehr erreicht, und lässt ihn nicht nur als Feldherr, sondern auch als Staatsmann hervortreten, der viele Entscheidungen des Gemeinwesens prägt.
  • 443: Agesilaos ist um 443 v. Chr. in Sparta geboren und gehört zum Königshaus der Eurypontiden. Er ist der jüngere Sohn des Königs Archidamos II., sein älterer Stiefbruder ist Agis II., der aus einer früheren Ehe des Vaters stammt. Da Agis II. einen Sohn namens Leotychidas hat, gilt Agesilaos zunächst nicht als Thronanwärter, sondern wächst als Angehöriger der königlichen Familie ohne unmittelbare Aussicht auf die Königswürde auf. In seinen Jugend- und frühen Erwachsenenjahren erlebt Agesilaos die Endphase des Peloponnesischen Krieges, in dem Sparta gegen Athen um die Vorherrschaft in Griechenland kämpft. Er lernt das Kriegshandwerk in dieser von Feldzügen und Machtkämpfen geprägten Zeit und eignet sich den Ruf eines tapferen, körperlich anspruchslosen und persönlich bescheiden lebenden Spartiatens an. Diese persönliche Strenge und Gesetzestreue entspricht dem spartanischen Ideal und bereitet den Boden dafür, dass er später als König eine ungewöhnlich starke Stellung innerhalb des spartanischen Gemeinwesens einnimmt.

Kos

Bosporanisches Reich

  • 389: Leukon: Leukon I. wird um 410 v. Chr. oder früher als Sohn des bosporanischen Königs Satyrus I und Enkel von Spartokos I geboren, der die frühere griechische Archaianaktiden-Dynastie gewaltsam abgesetzt hat. Spartokos I ist thrakischer Herkunft und hat möglicherweise Verbindungen zur königlichen Dynastie der Odrysen. Leukon wächst in einem Reich auf, in dem sein Vater bereits Kriege gegen Nachbarn führt, insbesondere gegen die Ixomaten unter ihrer Königin Tirgatao. Leukon nimmt als junger Mann am Krieg seines Vaters gegen Tirgatao teil und erlebt, wie sein Bruder Metrodoros als Geisel getötet wird. Zu seinen griechischen Untertanen gilt Leukon formal nur als „Archon“, während ihn die einheimischen Stämme als König ansehen. Die Athener betrachten ihn trotz dieser Stellung als Tyrannen, sehen ihn aber zugleich als Freund Athens. Satyrus I führt einen Angriffskrieg gegen die griechische Stadt Theodosia, der mit einer erfolglosen Belagerung endet und bei dem er den Tod findet. Nach dem Tod des Vaters um 389 v. Chr. übernimmt Leukon gemeinsam mit seinem Bruder Gorgippos die Herrschaft über das Bosporanische Reich; Gorgippos richtet seinen Sitz auf der asiatischen Seite in der Stadt Gorgippia ein, die er nach sich benennt. Leukon führt zugleich die von seinem Vater begonnenen Kriege fort, unter anderem gegen Theodosia und Chersones mit dem Ziel, alle griechischen Kolonien am Bosporos einzugliedern. Kurz nach seinem Regierungsantritt greift Leukon Theodosia erneut an und beginnt eine erste eigene Belagerung, die jedoch scheitert, weil der von Herakleia Pontike entsandte Feldherr Tynnichos durch eine List mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen die Stadt entsetzt. Leukon erbt außerdem den Krieg gegen die Ixomaten, macht aber bald darauf mit seiner Bruder Gorgippos Frieden mit diesem Volk und richtet seine Aufmerksamkeit nun stärker nach Westen. In der Frühphase seiner Herrschaft hat er mit inneren Unruhen zu kämpfen, muss eine von Höflingen und sogar vertrauten Freunden angezettelte Verschwörung niederschlagen und stützt sich dabei auf die Unterstützung von Kaufleuten. Leukon heiratet irgendwann während seiner Regierungszeit eine Frau namens Theodosia, die vermutlich eine Tochter des einflussreichen Diplomaten Sopaios ist. Aus dieser Ehe gehen die Söhne Spartokos II, Apollonios und Paerisades I hervor, die später die Dynastie fortsetzen. Um seine Finanzpolitik zu stärken, führt Leukon eine halb-betrügerische Münzreform durch, bei der er alle Münzen einziehen lässt und zu neuen Stücken mit dem doppelten Nennwert umprägen lässt. In einem weiteren frühen Schritt zur inneren Sicherung entlässt Leukon gemäß dem Bericht des Aineas Taktikos alle Gardisten, die Spielschulden haben, da ihre Loyalität im Fall einer Belagerung fraglich erscheint. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass seine unmittelbare Leibwache nur aus unverschuldeten, verlässlichen Männern besteht. Parallel dazu setzt er seine Expansionspolitik gegen benachbarte griechische Städte fort.
  • 389: Georgippos: Gorgippos ist Sohn des Satyros I. und gehört zur spartokidischen Dynastie des Bosporanischen Reiches. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er gemeinsam mit seinem Bruder Leukon die Herrschaft über das Bosporanische Reich und regiert von 389 bis 349 v. Chr. als Mitkönig. Er richtet seinen Herrschersitz auf der asiatischen Seite des Reiches ein, in der Stadt Sindia, der Hauptstadt des Sindike‑Königreichs, und benennt sie nach sich selbst in Gorgippia um. Im Rahmen der bosporanischen Expansionskriege tritt Gorgippos als wichtige Figur hervor, nachdem er Mitregent geworden ist. Er beendet offenbar den Krieg, den sein Vater Satyrus I zuvor erfolglos gegen die Königin Tirgatao der Maeotier begonnen hat, die Satyrus in früheren diplomatischen Beziehungen mit Hekataios verletzt hat. Während seiner Regierungszeit liefert Gorgippos dem athenischen Redner Demosthenes jährlich tausend Scheffel Getreide, wie eine gegen Demosthenes gerichtete Rede behauptet. In derselben Rede gilt Gorgippos, zusammen mit Paerisades I und Satyrus I, als einer der „verhassten Tyrannen“, denen Demosthenes wegen der Beziehung seines Großvaters zu den Spartokiden Statuen in Athen errichtet hat. Gorgippos hat eine Tochter namens Komosarye, die möglicherweise sindischer Herkunft ist. Komosarye heiratet ihren Cousin Paerisades, den Sohn Leukons, der später selbst Herrscher des Bosporanischen Reiches wird.
  • 389: König Satyros I. (432-389)
  • Fortsetzung 365

Bithynien

  • 378: Bas, 397 oder 396 als Sohn des bithynischen Herrschers Boteiras geboren, übernimmt 378/377 die Herrschaft über Bithynien, vermutlich noch in lockerer Abhängigkeit vom Perserreich. Fortsetzung 334

Salamis

  • 374: Im Jahr 374/373 tritt Nikokles die Nachfolge seines vermutlich Vater Evagoras I. als König von Salamis an. Die Quellen erwähnen ihn ausdrücklich als alten zyprisch-griechischen Herrscher und ordnen seine Thronbesteigung in diese Jahresangabe ein. Nikokles übernimmt ein Reich, dessen Staatskasse durch die Kriege seines Vaters stark erschöpft ist. Er entscheidet sich dennoch dafür, die philhellenische, also griechenfreundliche, Politik Evagoras’ I. weiterzuführen und knüpft damit bewusst an dessen außenpolitische Linie an. In der Regierungszeit des Nikokles herrscht im Königreich Salamis weitgehend Frieden, und das Land erlebt eine Phase des Wohlstands. Es wird berichtet, dass unter seiner Herrschaft das Königreich blüht und sich wirtschaftlich erholt. Nikokles füllt die durch die Kriege seines Vaters geleerte Staatskasse wieder auf, ohne seine Untertanen mit übermäßigen Steuern zu belasten. Zeitgenössische und spätere Darstellungen zeichnen ihn als milden und gerechten Herrscher, der seine Macht maßvoll ausübt und soziale Stabilität wahrt. Der Redner Isokrates, der zwei Reden direkt an Nikokles richtet und ihn in einer weiteren Rede zum Thema macht, lobt seinen starken Sinn für Literatur und Philosophie. Als Beweis für die Wertschätzung des Königs gilt, dass Nikokles Isokrates für eine Lobrede ein Geschenk von zwanzig Talenten überreicht, was als außergewöhnlich großzügige Geste beschrieben wird. Isokrates preist außerdem die Reinheit der häuslichen Verhältnisse des Nikokles und stellt ihn als vorbildlichen Familienmann dar. Demgegenüber schildern Theopompos und Anaximenes von Lampsakos Nikokles als Mann üppiger Lebensweise, der mit Straton von Sidon in Pracht, Festgelagen und sinnlichen Genüssen wetteifert. Diese Berichte betonen die luxuriöse Hofkultur und stellen seine Person weniger asketisch dar als die idealisierende Darstellung bei Isokrates. Einige spätere Autoren vertreten die Vermutung, Nikokles sei an der Verschwörung beteiligt gewesen, der sein Vater Euagoras zum Opfer gedallen ist. Es wird jedoch ausdrücklich festgestellt, dass es hierfür keine belastbare antike Autorität gibt und diese Vermutung eher eine nachträgliche Erklärungstheorie ist. Der Gedanke, Nikokles sei der Eunuch gewesen, der Evagoras ermordete, geht auf einen Fehler des Historikers Diodoros zurück.
  • Fortsetzung 361

ODRYSEN

  • 375: Kotys I.: In den frühen 370er‑Jahren v. Chr. verstärken sich die Spannungen zwischen Kotys und Athen, weil Kotys sein Königreich Richtung Ägäis und in die thrakische Chersones ausdehnt. Als Reaktion darauf entsteht in den frühen 370er‑Jahren die Zweite Attische Seebund‑Konföderation, der sich zahlreiche Städte und Inseln anschließen, um sich unter anderem gegen die Bedrohung durch Kotys zu schützen. Um 375 v. Chr. unterstützt Kotys vermutlich Hales, den Anführer der Triballer, eines mächtigen thrakischen Stammes im Nordwesten, bei seinem Angriff auf Abdera. Nach Diodor kann die Stadt erst durch das Eingreifen des athenischen Feldherrn Chabrias gerettet werden, dessen Truppen Abdera anschließend besetzt halten.
  • Fortsetzung 365
  • 384: Kotys I.: Im Jahr 384 v. Chr. beginnt die eigentliche Herrschaftszeit des Kotys I, die 24 Jahre dauert. Er gelangt vermutlich zunächst im thrakischen Binnenland zur Königswürde und setzt sich mit Hilfe seines Schwiegersohns Iphikrates als Erbe des Hebryzelmis durch. In diesem Machtkampf beseitigt er die Opposition rivalisierender Linien, möglicherweise einschließlich Amadokos II und Saratokos. Archäologische Funde mit der Aufschrift von Kotys nach Norden und Westen deuten darauf hin, dass er seine Einflusssphäre in diese Richtungen ausdehnt und Kontakte knüpft, die in den erzählenden Quellen keine Erwähnung finden. Sein Name erscheint mehrfach auf Gefäßen des Rogozen‑Schatzes; in einem Fall wird er sogar als Sohn des Gottes Apollon bezeichnet, was seinen königlichen Anspruch mythologisch überhöht, auch wenn unklar bleibt, wie dieser Schatz in das Gebiet der Triballer gelangt.
  • 390: Kotys I.: Seine Abstammung ist lange unklar, doch eine attische Inschrift von 330 v. Chr. nennt einen Reboulas als Bruder des Kotys und Sohn eines Königs Seuthes, was Kotys als Sohn des Seuthes I ausweist. Da Seuthes II bei der Abdankung des Seuthes I im Jahr 411 v. Chr. erst etwa sieben Jahre alt ist, erkennt die heutige Forschung Seuthes I als Vater des Kotys an. In diese Zeit fällt wohl auch die Geburt der Tochter des Kotys, die später den athenischen Feldherrn Iphikrates heiratet, sowie die Geburt ihres Sohnes Menestheus, sodass Kotys bereits vor 400 v. Chr. als erwachsener Angehöriger des Königshauses präsent ist. Im Jahr 390 v. Chr. kommt der athenische Feldherr Iphikrates nach Thrakien, unterstützt seinen Kollegen Thrasybulos und vermittelt Frieden zwischen den thrakischen Herrschern Amadokos I und Seuthes II; beide werden Verbündete Athens. Iphikrates bleibt etwa zwei Jahre in Thrakien und heiratet in prunkvollem Rahmen eine Tochter des Kotys, was zeigt, dass Kotys bereits damals eine herausgehobene, wenn auch politisch noch nicht voll greifbare Stellung im odrysischen Königshaus innehat. In dieser Phase wird Kotys von der modernen Forschung vorsichtig als Bruder des Hebryzelmis gedeutet, jenes Königs, der 386/385 v. Chr. in einem athenischen Ehrendekret als odrysischer Herrscher erscheint.

ACHÄMENIDENREICH

Aristoteles geb. 384

  • 375: Artaxerxes II.: Nachdem die Westgrenze durch den Königsfrieden konsolidiert scheint, richtet Artaxerxes seinen Blick auf das verlorene Ägypten, dessen Rückgewinnung für ihn höchste Priorität hat. Um 375 v. Chr. setzt er Datames, den Satrapen von Kilikien, als Oberbefehlshaber einer persischen Streitmacht ein, die Ägypten zurückerobern soll. Da Datames in Kleinasien seine eigene Macht stark ausweitet, wächst das Misstrauen des Großkönigs, und Artaxerxes entzieht ihm schließlich das Kommando über den Ägyptenfeldzug. Statt Datames beauftragt er Pharnabazos und den athenischen Feldherrn Iphikrates mit der Führung des Unternehmens, doch der Feldzug scheitert am erbitterten Widerstand der Ägypter, die sich auf griechische Hilfstruppen stützen, was für Artaxerxes einen schweren Rückschlag bedeutet.
  • Fortsetzung 371
  • 377: Mausolos ist der älteste Sohn des Karers Hekatomnos, der kurz nach dem Tod des Tissaphernes um 395–392 zum Satrapen von Karien im Achämenidenreich aufsteigt und damit die Dynastie der Hekatomniden begründet. Zwischen den frühen 370er Jahren und 377 teilt Mausolos möglicherweise bereits faktisch die Herrschaft über Karien mit seinem Vater; beide erscheinen gemeinsam auf dem Sarkophag des Hekatomnos und in einer Statuengruppe aus Kaunos. Nach dem Tod des Hekatomnos 377/376 übernimmt Mausolos offiziell das Satrapenamt in Karien. Früh in seiner Regierungszeit heiratet Mausolos seine Schwester Artemisia II. und bildet mit ihr ein Herrscherpaar ohne Kinder, was als symbolische Geschwisterehe gedeutet wird. Obwohl nur Mausolos formell Satrap genannt wird, übt Artemisia zugleich politische Autorität als gemeinsame Dynastin aus. Etwa in dieselbe frühe Phase fällt der Entschluss, die Hauptstadt von Mylasa nach Halikarnassos zu verlegen, wo Mausolos die Stadt auf einem neuen Rasterplan wiedergründet und durch Zusammenlegung umliegender karischer Dörfer (Theangela, Sibde, Medmasa, Euralium, Pedasos, Telmissos) stark vergrößert. Nach dem Korinthischen Krieg und dem Königsfrieden von Antalkidas 387 der die kleinasiatischen Griechenstädte den persischen Satrapen zuweist und zugleich die Autonomie der griechischen Inseln garantiert, wächst der Einfluss der Satrapen im Westen des Reiches. In den 370er und frühen 360er Jahren dominiert der Dynast Perikles von Limyra zeitweise ein unabhängiges Lykien und stellt sich offen gegen persische Herrschaft, wodurch er Teil der später sogenannten Satrapenrevolte ist. Diese eigenständige lykische Herrschaft endet um 362, als Autophradates von Lydien Lykien wieder für den Großkönig unterwirft und sich dort kurzzeitig selbst als König und Satrap einsetzt.
  • 380: Datames wird um 407 in eine hochrangige persische Familie geboren. Sein Vater ist Camisares, ein iranischer Satrap, der unter Großkönig Artaxerxes II. die Provinz Kilikien verwaltet und zu den Adligen gehört, die im Streit zwischen Artaxerxes II. und Kyros dem Jüngeren auf Seiten des Königs stehen. Seine Mutter ist die paphlagonische Prinzessin Skytissa, die Camisares vermutlich kurz vor oder um 401 v. Chr. heiratet, sodass Datames von Geburt an sowohl in die persische Adelsschicht als auch in die paphlagonische Oberschicht eingebunden ist. Datames trägt verschiedene Namensformen: In Altpersisch heißt er Dātama oder Dātāma, im Aramäischen erscheint er als Tadanmu, die griechische Form lautet Datames, und zusätzlich ist der Name Tarkamuwa belegt, der luwischen Ursprungs ist und „mächtiger Eroberer“ bedeutet. In den 380er Jahren v. Chr. dient Datames am Hof von Artaxerxes II. und gehört zur Leibgarde des Großkönigs. In dieser Funktion nimmt er am Feldzug gegen die Kadusier teil, ein schwieriger Bergkrieg im Nordwesten des Reiches, in dem er sich militärisch auszeichnet und das besondere Vertrauen des Königs gewinnt. Während dieses Krieges fällt sein Vater Camisares, der bisher als Satrap von Kilikien amtiert und im Ansehen des Herrschers sehr hoch steht. Artaxerxes II. überträgt daraufhin Datames die Nachfolge im Satrapenamt über die Provinz seines Vaters – die Überlieferung schwankt, ob es sich dabei um Kappadokien oder Kilikien handelt, doch in jedem Fall übernimmt Datames in den 380er Jahren die höchste Zivil- und Militärgewalt einer wichtigen Satrapie im westlichen Teil des Achämenidenreiches. In seinem neuen Amt zeigt Datames weiterhin außerordentliche militärische Fähigkeiten und Loyalität gegenüber dem Großkönig. Er führt Feldzüge gegen aufständische oder abtrünnige Provinzfürsten: Thyos, den Gouverneur von Paphlagonien, sowie Aspis von Katanien, die sich von Artaxerxes abgewandt haben, bringt er wieder unter die Oberhoheit des Königs. Diese Erfolge festigen seinen Ruf als tatkräftiger und zuverlässiger Satrap, der sowohl die Interessen des Zentrums durchsetzt als auch seine Provinz militärisch sichern kann.
  • 387: Artaxerxes II.: Als Sparta auf dem griechischen Festland militärisch die Oberhand zurückgewinnt, sich aber gegen die persischen Kräfte nicht durchsetzen kann, wird 387 v. Chr. in Sardes der sogenannte Königsfrieden ausgehandelt, dessen Bestimmungen Artaxerxes im Folgejahr allen griechischen Parteien verkünden lässt. Der Vertrag, den der spartanische Unterhändler Antalkidas mit ausgehandelt hat, legt fest, dass die Städte in Kleinasien sowie Klazomenai und Zypern dem Großkönig gehören, während die übrigen griechischen Städte – mit Ausnahme der athenischen Kleruchien Lemnos, Imbros und Skyros – autonom sein sollen. Artaxerxes tritt als Garant des Friedens auf und droht jedem, der den Vertrag nicht annimmt, Krieg zu Lande und zur See mit Schiffen und Geld an, wobei Sparta praktisch als Vollstrecker seiner Politik fungiert und für einige Jahre noch einmal als Hegemon bestätigt wird.
  • 388: Ariobarzanes: Im Jahr 388 v. Chr. unterstützt Ariobarzanes den spartanischen Politiker und Feldherrn Antalkidas, der als persisch gestützter Vermittler den sogenannten Königsfrieden vorbereitet, der später den Peloponnesischen Krieg und seine Nachfolgekonflikte beendet. Diese Unterstützung zeigt, dass Ariobarzanes auch als Satrap aktiv in die griechische Politik eingreift und persische Interessen durch gezielte Kooperation mit spartanischen Akteuren verfolgt. Bis 368 v. Chr. behält Ariobarzanes eine hohe Stellung im persischen Machtgefüge und verfügt offenbar über genügend Einfluss, um im Namen des Königs diplomatische Missionen zu organisieren. In diesem Jahr entsendet er eine Gesandtschaft nach Griechenland, die von Philiskos von Abydos geleitet wird. Die Mission dient dazu, die griechischen Angelegenheiten im Sinne des Perserreiches zu ordnen und Allianzen zu festigen oder zu überprüfen. Sowohl Philiskos als auch Ariobarzanes und drei seiner Söhne werden in Athen zu Bürgern erhoben, was eine außergewöhnliche Ehrung darstellt und auf bedeutende Dienste zugunsten der Stadt schließen lässt. Diese Verleihung des Bürgerrechts macht deutlich, wie eng Ariobarzanes mit Athen verbunden ist und wie sehr die Athener seine Rolle als Vermittler und Unterstützer schätzen.
  • 399: Artaxerxes II.: In den Jahren unmittelbar nach dem Bruderkrieg kommt es zu einer neuen Konfrontation mit Sparta, dessen Politik eng mit Kyros verbunden gewesen war. Mehrere griechische Städte in Kleinasien, die zuvor die gleiche Linie verfolgt hatten, sehen sich durch die Politik des neuen persischen Generalgouverneurs Tissaphernes bedroht und wenden sich Hilfe suchend an Sparta. Sparta reagiert mit einem Feldzug: Von 399 bis 394 v. Chr. zieht sich der Kampf hin, bis die Spartaner sich zurückziehen müssen, nachdem die persische Flotte unter dem aus Athen stammenden Nauarchen Konon mehrfach siegt und schließlich sogar die spartanische Hegemonie in Griechenland selbst in Frage stellt. Artaxerxes misst den Entwicklungen im Ägäisraum deutlich mehr Gewicht bei als seine Vorgänger und nutzt die Seemacht seines Reiches, um Sparta zu schwächen. Im sogenannten Korinthischen Krieg von 399 bis 386 v. Chr. verbündet sich Artaxerxes mit Athen und Theben gegen Sparta und unterstützt seine Verbündeten finanziell und militärisch.
  • 401: Artaxerxes II.: Kyros, der sich mit dem Thronverlust in Ägypten nicht abfindet, beginnt in Kleinasien, Truppen zu sammeln, darunter mehrere tausend griechische Söldner, und plant im Frühjahr 401 v. Chr. einen Feldzug gegen seinen Bruder. Als Vorwand dient Kyros der angebliche Zug zur Niederschlagung eines Aufstands in Kleinasien; tatsächlich marschiert er von Sardes aus nach Osten und zählt auf die Unterstützung Spartas, das ihm wegen seiner Hilfe im Peloponnesischen Krieg dankbar ist und Schiffe in Aussicht stellt. Unter den Griechen im Heer des Kyros befindet sich auch Xenophon, dessen Werk Anabasis die Ereignisse des Feldzuges und insbesondere den Rückzug der Griechen später detailliert schildert. Der Satrap Tissaphernes warnt Artaxerxes rechtzeitig vor der Rebellion, sodass der Großkönig Truppen sammeln kann und es im Herbst 401 v. Chr. in Babylonien bei Kunaxa zur Entscheidungsschlacht kommt. Kyros’ Truppen scheinen anfangs zu siegen, doch Kyros unternimmt einen waghalsigen Angriff, um seinen Bruder persönlich zu töten, wird dabei schwer verwundet und stirbt kurz darauf, womit der Aufstand zusammenbricht. Die griechischen Söldner, die auf dem Schlachtfeld militärisch erfolgreich sind, geraten nun in die feindliche Tiefe und müssen sich, wie Xenophon berichtet, unter wechselnden Angriffen persischer Statthalter, aber ohne entscheidende Verluste, mühsam nach Griechenland durchschlagen. Nach dem Sieg lässt Artaxerxes die engsten Anhänger des Kyros bestrafen, während er loyale Würdenträger reich belohnt und damit seine Herrschaft im Inneren rasch wieder stabilisiert.
  • 401: Mithridates I. gehört dem persischen Adel an und steigt zu einem Dynasten im Einflussbereich des Achämenidenreiches auf (Die französische Wikipedia führt ihn als Satrapen). In der späteren Forschung besteht die verbreitete Auffassung, dass er als Herrscher der Stadt Kios am Marmarameer regiert, doch lässt sich diese Zuordnung in den überlieferten Quellen nicht eindeutig nachweisen. Die Vorstellung, er sei "Herrscher von Kios", beruht vor allem auf nachträglichen Rekonstruktionen der Geschichtswissenschaft, nicht auf direkter antiker Bezeugung. Möglicherweise steht Mithridates I. in Verbindung mit den von Gobryas, einem Sohn Dareios’ I., abstammenden Besitzungen in Mariandynien, deren Erbverhältnisse später in einer modernen Studie mit seiner Person in Verbindung gebracht werden. Mithridates I. könnte mit einem namensgleichen Gefährten des Prinzen Kyros (Kyros des Jüngeren), der 401 stirbt, identisch sein; dieser Mithridates tritt in Xenophons Anabasis im Umfeld der Unternehmung des Kyros gegen seinen Bruder Artaxerxes II. auf. Ebenfalls wird erwogen, ob Mithridates I. mit einem gleichnamigen Satrapen von Kappadokien und Lykaonien identisch ist, der ebenfalls aus der Anabasis bekannt ist. Diodor berichtet, dass nach seinem Tod der Satrap von Phrygien, Ariobarzanes, dieses Reich übernimmt. Diodor stellt diese Notiz in den Zusammenhang des beginnenden Satrapenaufstandes im Jahr 362 v. Chr., in welchem der Archon Molon in Athen amtiert, doch bleibt unklar, ob Mithridates tatsächlich in diesem Jahr stirbt. Ebenso ist unbekannt, ob Ariobarzanes als sein Sohn zu gelten hat und in welcher geographischen Ausdehnung dieses „Königreich“ besteht. Die Forschung hat lange versucht, die von Diodor erwähnte Nachfolge mit anderen Überlieferungen über angebliche Familienangehörige des Mithridates in Einklang zu bringen, ohne zu einer widerspruchsfreien Rekonstruktion zu gelangen. Satrap Ariobarzanes (Kios, 420/419-401)
  • 404: Artaxerxes II.: Als Dareios im Winter 405/404 v. Chr. im Sterben liegt, bemüht sich Parysatis, ihren Lieblingssohn Kyros nach dem Recht der Purpurgeburt zum Thronfolger zu machen, doch Dareios lehnt dies ab. Er bestimmt den erstgeborenen Arsakes zum Nachfolger, lässt Kyros aber seine Stellung als Satrap von Lydien und Oberbefehlshaber (karanos) in Kleinasien behalten. Nach babylonischen Quellen beginnt das erste Regierungsjahr des Artaxerxes offiziell am 1. Nisannu (8. April) 404 v. Chr., sodass er nach dem Tod Dareios’ II. in Pasargadai als Artaxerxes II. zum Großkönig gekrönt wird. Unmittelbar nach der Thronbesteigung des Artaxerxes verliert das Perserreich 404 v. Chr. Ägypten nach längeren Unruhen und Kämpfen, was die innere Lage zusätzlich belastet. Großkönig Dareios II. (423–404)
  • 404: Während der Regierungszeit von Artaxerxes II. (404–358) dient Ariarathes' Familie als kleine Beamte in der Satrapie Kappadokien. Zu dieser Zeit verwaltet Datames das Gebiet.
  • 405: Ariarathes I. wird 405/404 als Sohn von Ariamnes geboren. Er hat einen Bruder mit dem Namen Orophernes (auch Holophernes genannt). Er stammt aus einer iranischen Familie, die ihre Herkunft auf Kyros den Großen und Anaphas, einen der sieben persischen Verschwörer gegen den Pseudo-Smerdis, zurückführt.
  • 405: Ariobarzanes begleitet athenische Gesandte, die zuvor auf Befehl des jüngeren Kyros drei Jahre lang festgehalten worden sind, in seine Hafenstadt Kios in Mysien. Kios fungiert in diesem Zusammenhang als sicherer Stützpunkt und Seestadt des Satrapenkreises, von dem aus Ariobarzanes seine Kontakte zu den griechischen Staaten organisiert. Diese Episode zeigt, dass er bereits vor seiner formellen Satrapenzeit einflussreiche Aufgaben im persischen Verwaltungs- und Diplomatiesystem übernimmt und zugleich die Rolle von Kios als Machtbasis seiner Linie festigt. Im späten 5. Jahrhundert v. Chr. teilt Pharnabazos, Satrap von Phrygien und Sohn des Pharnakes, seine Herrschaft und seine Territorien mit seinen Brüdern, um die pharnakidische Kontrolle über das Gebiet zu sichern. In diesem Zusammenhang erscheint Mithridates, Satrap von Kappadokien, wahrscheinlich als einer dieser Brüder, und Ariobarzanes von Kios könnte gleichfalls zu diesem Bruderkreis gehören. In den Quellen wird Ariobarzanes zunächst als Unter‑Satrap in Anatolien erwähnt, was bedeutet, dass er in der zweiten Führungsebene der persischen Provinzverwaltung tätig ist und Aufgaben im Namen des hauptverantwortlichen Satrapen wahrnimmt. Als Pharnabazos später an den Hof des Großkönigs geht, um Apama, eine Tochter des persischen Königs, zu heiraten, überträgt er nach den Berichten die Satrapie über Phrygien und Lydien an Ariobarzanes. Dadurch steigt Ariobarzanes zum Satrapen der hellespontischen Phrygien auf, einem Gebiet im Nordwesten des heutigen Anatolien, das die strategisch bedeutsame Region am Hellespont umfasst. Pharnabazos lebt noch bis weit in die 370er‑Jahre v. Chr. hinein und bekleidet in der persischen Monarchie höhere Ämter als das der lokalen Satrapie, sodass Ariobarzanes gewissermaßen als sein Stellvertreter und Nachfolger in der Region wirkt.
  • 407: Ariobarzanes stammt aus der Pharnakiden‑Dynastie, einer persischen Satrapenfamilie, die seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. die Satrapie der hellespontischen Phrygien von Das­ky­lion am Hellespont aus beherrscht. Diese Familie siedelt sich in den 470er‑Jahren in Das­ky­lion an, und die nahe gelegene griechische Stadt Kios (griechisch Kios, lateinisch Cius) gehört offenbar zum Familienbesitz der Linie des Ariobarzanes. Ariobarzanes gilt als „kollaterales“ oder Nebenlinien‑Mitglied der achämenidischen Dynastie und ist möglicherweise ein Sohn des Satrapen Pharnabazos II. Um 407 wird Ariobarzanes als persischer Gesandter zu den griechischen Stadtstaaten entsandt. In dieser Funktion pflegt er diplomatische Beziehungen sowohl zu Athen als auch zu Sparta und versucht, die Interessen des Perserreiches in den Wirren des Peloponnesischen Krieges auszuloten.
  • 453: Artaxerxes II. (griechisch Mnemon) wird um 453 v. Chr. geboren und regiert von 404 v. Chr. bis zu seinem Tod 359/358 v. Chr. als persischer Großkönig der Achämeniden. Artaxerxes trägt vor seiner Thronbesteigung den Namen Arsakes und ist der älteste Sohn des späteren Großkönigs Dareios II. und dessen Frau Parysatis. Ktesias berichtet, dass Dareios mit Parysatis insgesamt dreizehn Kinder zeugt, während Dareios außerdem noch weitere Ehefrauen hat. In seiner Jugend zeigt Arsakes einen sanftmütigen und großzügigen Charakter, den die griechischen Autoren als Gegensatz zu seinem aufbrausenden und ehrgeizigen Bruder Kyros schildern. Auf Wunsch seiner Eltern heiratet Arsakes Stateira; als deren Bruder bei Dareios in Ungnade fällt und ermordet werden soll, versucht Dareios auch Stateira zu beseitigen, doch Arsakes kann seine Mutter Parysatis überzeugen, Stateira zu verschonen und die Ehe fortbestehen zu lassen.

ÄGYPTEN

Spätzeit, 30. Dynastie

  • 373: Artaxerxes II. von Persien bereitet im Verlauf der 370er Jahre eine große Invasion vor, um das seit Jahrzehnten verlorene Ägypten zurückzugewinnen; das Heer umfasst Berichten zufolge über 200.000 Mann, persische Truppen, zahlreiche griechische Söldner und mehr als 500 Schiffe. Nektanebos reagiert mit umfangreichen Verteidigungsmaßnahmen und befiehlt die Verstärkung der Befestigungen am pelusischen Nilarm, der als traditioneller Einfallspunkt gilt. Die persische Flotte muss wegen der starken Befestigung den Kurs ändern und den weniger gut gesicherten mendesischen Nilarm nehmen, was die ägyptische Verteidigung überrascht und zunächst in Schwierigkeiten bringt. Die persischen Führer Pharnabazos und der Athener Iphikrates geraten jedoch in gegenseitiges Misstrauen, wodurch ein entschlossenes Vordringen nach Memphis ausbleibt, obwohl Nektanebos’ Position zwischenzeitlich kritisch erscheint. Mit Einsetzen der jährlichen Nilflut, die das Gelände für den Angreifer unübersichtlich und schwierig macht, und dank der Entschlossenheit der ägyptischen Truppen wendet sich das Blatt, sodass sich eine anfänglich drohende Niederlage Nektanebos’ in einen klaren Sieg verwandelt. Ägypten behauptet seine Unabhängigkeit, und die gescheiterte Invasion schwächt das Ansehen des Achämenidenreiches, während Nektanebos außenpolitisch gestärkt aus der Krise hervorgeht.
  • Fortsetzung 368
  • 376: Nektanebos entfaltet im ganzen Reich eine rege Bautätigkeit und belebt damit nach krisenreichen Jahrzehnten wieder großangelegte sakrale Projekte. Auf der Insel Philae nahe Assuan lässt er die Vorhalle des Isis-Tempels beginnen, deren Anlage später zu einer der wichtigsten Kultstätten Ägyptens wird und seinen Namen dauerhaft mit dem Isis-Kult verbindet. Im Amun-Bezirk von Karnak initiiert er den Bau eines ersten Pylons und gibt weitere Tempelbauten und Erweiterungen in Auftrag, wodurch traditionelle Kultzentren gestärkt werden. In Dendera entsteht vermutlich das früheste bekannte Mammisi, ein Geburtsheiligtum, dessen Konzeption den späteren ptolemäischen Bauten als Vorbild dient und die theologische Betonung des königlichen Kindes unterstreicht. Archäologische Funde aus Hermopolis, Hermopolis Parva, Saft el-Hinna und Mendes belegen, dass er den in der Perserzeit verbreiteten Kult heiliger Tiere intensiv fördert und dadurch regionale Heiligtümer stärkt. Weitere Tempel und Kultanlagen in Memphis, Tanis und Elkab werden während seiner Herrschaft erweitert oder erneuert, was den Eindruck eines weithin sichtbaren sakralen Wiederaufbaus vermittelt.
  • 379: Nektanebos I. wird als Cheperkare Nechetnebef in eine Soldatenfamilie geboren; sein Vater Tachos ist ein hochrangiger Offizier, und Nektanebos erhält eine militärische Ausbildung, durch die er zum General von Sebennytos im Nildelta aufsteigt. Er dient in der Spätzeit unter den Herrschern der 29. Dynastie und steht vermutlich in verwandtschaftlicher Beziehung zu Nepherites I., auch wenn die genaue Abstammung aufgrund unsicherer Deutungen der demotischen Chronik unklar bleibt. In Hermopolis entsteht eine Stele, deren Text schildert, dass Nektanebos durch einen Staatsstreich gegen den letzten König der 29. Dynastie, Nepherites II., an die Macht gelangt und den Vorgänger möglicherweise töten lässt. Bei diesem Umsturz erhält er wohl Unterstützung des athenischen Generals Chabrias, was zeigt, dass er sich früh auf griechische Militärhilfe stützt, um seine Position zu sichern. Nach dem erfolgreichen Putsch beansprucht Nektanebos die Königswürde und lässt seine Krönungszeremonie 379/378 v. Chr. sowohl in Sais als auch in Memphis vollziehen, um sich religiös und politisch im ganzen Land zu legitimieren. Er verlegt anschließend die Hauptstadt von Mendes nach Sebennytos und begründet damit die 30. Dynastie, die letzte einheimische Dynastie im alten Ägypten. In den ersten Regierungsjahren herrscht im Land relative Ruhe, und ein bescheidener Wohlstand prägt die wirtschaftliche Lage, weil Nektanebos innenpolitisch auf Ausgleich setzt. Er zeigt sich gegenüber der Priesterschaft besonders großzügig, gewährt reiche Stiftungen und Steuerprivilegien und gewinnt so die einflussreichen Tempeleliten als tragende Stütze seiner Herrschaft.

KUSCH

  • 379–370: In der späten Phase seiner Herrschaft konzentriert sich Harsiotef zunehmend darauf, seine Nachfolge zu sichern. Da die Quellenlage begrenzt ist, bleiben viele Details offen, doch es zeichnet sich ab, dass er mehrere mögliche Erben hat. Vermutlich ist Akhraten einer seiner Söhne, der an den Hof herangezogen und in königlichen Aufgaben unterrichtet wird. Ebenso wahrscheinlich ist, dass der spätere König Nastasen sein Sohn ist, sofern Königin Pelkha tatsächlich als Gemahlin Harsiotefs anzusehen ist. Auch seine Tochter Sakhmakh, die später als Gemahlin von Nastasen erscheint, gehört wahrscheinlich zu seinen Kindern. Diese Verknüpfung von Geschwister- oder Verwandtenehen innerhalb der Dynastie soll die Kontinuität der königlichen Linie sichern und die Ansprüche auf den Thron bündeln. Am Hof entstehen damit dichte familiäre Netze, in denen Frauen als Königinnen und Königsmütter eine zentrale Rolle in der Repräsentation und im Kult spielen. Harsiotef achtet darauf, dass die königliche Ideologie, die sich in Titeln, Ritualen und Bildprogrammen ausdrückt, seine Nachfolger klar als legitime Fortsetzung seiner eigenen Herrschaft erscheinen lässt.
  • Fortsetzung 369
  • 394–380: Während der mittleren Phase seiner Regierungszeit stabilisiert Harsiotef das Verhältnis zu den nördlichen Nachbarn, insbesondere zu Ägypten, das nach dem Ende der persischen Herrschaft erneut von einheimischen Dynastien geprägt ist. Er beobachtet aufmerksam die Machtverschiebungen im Nildelta und in Oberägypten, da sie direkten Einfluss auf den Handel und die Sicherheit seiner nördlichen Grenzen haben. Seine ägyptisch geprägte Titulatur und die Übernahme pharaonischer Traditionen dienen auch dazu, in dieser Konkurrenzlage Legitimität zu beanspruchen. Im Inneren setzt er auf Kontinuität in Verwaltung und Kult. Die Beamten in den Provinzen erheben Steuern und Naturalabgaben, die für den Hof, für das Heer und für den Tempelkult bestimmt sind. Harsiotef fördert Bau- und Stiftungsaktivitäten an Heiligtümern, auch wenn die meisten dieser Maßnahmen heute nur indirekt aus späteren Zeugnissen und aus der allgemeinen Entwicklung der Region erschlossen werden können. Seine Regierung steht für die Fortführung einer bereits etablierten Tradition, in der König und Gottheiten in enger Verbindung gedacht werden und die Stabilität des Reiches als Ergebnis göttlicher Ordnung gilt.
  • 403–395: In den folgenden Jahren regiert Harsiotef von Meroë aus ein Reich, das sich entlang des mittleren Nils erstreckt und an die südliche Grenze des ägyptischen Einflussbereichs stößt. Er pflegt die Rolle des Königs als oberster Priester und sorgt dafür, dass die großen Tempel regelmäßige Opfer erhalten und die wichtigen Feste gefeiert werden. Die Inschriften seiner Zeit greifen Formeln und Bildsprache der späten ägyptischen Tradition auf, passen sie aber an die politische Wirklichkeit von Kusch an. Harsiotef festigt in diesen Jahren sein dynastisches Netzwerk. Er ist mit Königin Batahaliye verheiratet, die als seine Hauptgemahlin an der Spitze des Hofes steht und in der Kultpraxis eine wichtige Rolle einnimmt. Möglicherweise nimmt er zusätzlich Königin Pelkha zur Frau, was seine dynastischen Verbindungen innerhalb der königlichen Familie und des Adels noch erweitert. Durch die Eheschließungen bindet er lokale Eliten enger an den Hof und stärkt seine Herrschaft gegenüber möglichen Rivalen.
  • 404: Im Jahr 404 v. Chr. besteigt Harsiotef als König von Kusch den Thron von Meroë. Er wächst als Sohn der Königin Atasamale und sehr wahrscheinlich des Königs Amanineteyerike auf und gehört damit zur herrschenden Dynastie der kuschitischen Könige. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft übernimmt er die vollständige Titulatur eines ägyptischen Pharaos, er wählt also Thronname, Geburtsname und die weiteren Bestandteile der fünfteiligen Königstitulatur nach ägyptischem Vorbild. Damit zeigt er seinem Hof, seinen Untertanen und den Nachbarreichen, dass er in der Tradition der Pharaonen steht und dass sein Reich kulturell eng an Ägypten anknüpft. Noch in den ersten Regierungsjahren festigt er seine Position im Kernland von Kusch und stützt sich dabei auf den Adel von Napata und Meroë sowie auf die Priesterschaft der großen Reichsgottheiten. Er regelt die Verwaltung, überwacht die Abgaben aus den fruchtbaren Niltälern und sichert die Kontrolle über die wichtigen Handelsrouten, die Gold, Elfenbein und andere Waren aus dem Inneren Afrikas nach Norden bringen. Die Übernahme ägyptischer Formen zeigt sich nicht nur in der Titulatur, sondern auch in der Hofkultur, in der Kunst und in der Religion, wo ägyptische Götter mit kuschitischen Traditionen verschmelzen.

KARTHAGO

INDIEN

Anuradhapura

  • 437: Pandukabhaya ist der erste König des Reiches von Anuradhapura in Sri Lanka und regiert von 437 v. Chr. bis 367 v. Chr. Pandukabhaya ist das einzige Kind der Prinzessin Unmadachitra, Tochter von König Panduvasdeva und Königin Baddhakachchana, und des Prinzen Dighagamini, Sohn von Prinz Digayu und Prinzessin Disala. Astrologen des Reiches von Anuradhapura sagen voraus, dass Unmadachitra einen Sohn zur Welt bringen wird, der ihre Brüder töten wird. Um dies zu verhindern, lässt König Panduvasdeva seine Tochter in einem Gebäude einschließen und vollständig von der Außenwelt isolieren. Prinz Dighagamini kommt nach Upatissa Gama, hört von der eingeschlossenen Prinzessin, bricht in das Gebäude ein, trifft sie heimlich, und aus dieser Verbindung geht Prinz Pandukabhaya hervor. Aufgrund der Warnung der Astrologen und zu seinem eigenen Schutz wird Pandukabhaya kurz nach der Geburt mit einer Prinzessin vertauscht und in dem Dorf Doramadalawa aufgezogen. Seine Onkel erfahren später von seiner Existenz und schicken wiederholt Truppen aus, um ihn zu töten, doch er entkommt jedes Mal knapp mit dem Leben. Ein Brahmane namens Pandula kennt die wahre Identität des Prinzen und nimmt ihn unter seine Obhut. Pandula bringt Pandukabhaya alle Fähigkeiten bei, die ein König benötigt, und stellt ihm sogar ein Heer zur Verfügung, das der Prinz in Kasagala stationiert. Der Brahmane Pandula sagt voraus, dass Prinzessin Pali, die Tochter von Pandukabhayas Onkel Girikandasiva, später seine Königin sein wird. Pandukabhaya begibt sich in das Gebiet seines Onkels, wo Pali Reis zu Bauern bringt, und nähert sich ihr. Als Girikandasiva hört, dass Pandukabhaya seine Tochter an sich genommen hat, wird er zornig, sammelt seine Soldaten und zieht in den Krieg, doch Pandukabhaya besiegt ihn. Fünf weitere Onkel erheben sich mit ihren Truppen gegen ihn, aber auch sie werden geschlagen. Die Brüder von Prinzessin Unmadachitra stellen weitere Heere auf und lagern an einem Ort namens Dhooma Rakha. Pandukabhaya stellt sich ihnen, zwingt sie zum Rückzug auf die andere Seite eines Flusses, und nach mehreren Rückschlägen erklärt sich einer der Brüder bereit, ihm das Ostufer des Flusses zu überlassen. Weitere Brüder Unmadachitras greifen zu den Waffen, während Pandukabhaya seine Lager an verschiedenen Orten wie Dhooma Rakha und Ritigala aufschlägt und den Kampf gegen seine Onkel fortsetzt. Schließlich gelingt es ihm mit der Hilfe der Yaksha-Stammesfrau Chathiya, alle Onkel zu besiegen und damit die lange Fehde innerhalb der Familie zu beenden. Nach seinen Siegen zieht Prinz Pandukabhaya nach Anuradhagama, einer Siedlung, die von Vijayas Minister Anuradha gegründet und benannt worden ist. Dort richtet er seine Residenz ein und begründet das Reich von Anuradhapura, das sich zum zentralen Königreich der Insel entwickelt. Chandra, der Sohn des Brahmanen Pandula, wird zu seinem wichtigsten Ratgeber am Hof ernannt, und andere enge Verbündete erhalten hohe Ämter im Staatsaufbau. Pandukabhaya führt eine klar organisierte Form der Herrschaft ein und strukturiert die Bevölkerung neu, wodurch er als erster „wirklich sri-lankischer“ König nach der Einwanderung Vijayas gilt. Er beauftragt Müllsammler und anderes Personal, um die Stadt sauber zu halten, und lässt eines der ältesten bekannten Krankenhäuser sowie das erste große Wasserreservoir des Reiches, die Abaya Wewa, anlegen. Zur Verwaltung der Hauptstadt schafft er das Amt des „nagara gutthika“, des Stadtverwalters, und überträgt dieses seinem Onkel Abhaya. In seinem zehnten Regierungsjahr ordnet er die Vermessung und Abgrenzung aller Dörfer auf der Insel an und ist damit der erste König Sri Lankas, der eine vollständige territoriale Einteilung vornimmt. Pandukabhayas Gemahlin ist Königin Swanapali, auch Swarnamali Devi genannt, geborene Pali. Sie ist die Tochter des Prinzen Girikandasiva, eines mächtigen Sohnes von König Panduvasdeva, der acht Brüder hat. Der Legende nach reicht Pali dem jungen Prinzen Pandukabhaya bei ihrer ersten Begegnung Speisen auf einem Lotusblatt, und dieses Blatt verwandelt sich in Gold. Aufgrund dieses Wunders erhält sie den Namen Swarnapali, wobei „swarna“ „Gold“ bedeutet, und sie tritt fortan als Königin an Pandukabhayas Seite auf.
  • Fortsetzung 367

CHINA

Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Erde-Hahns; am Beginn des Jahres Erde-Affe)

Qin

  • 382: Herzog Xiao von Qin (persönlicher Name Ying Quliang) wird am 6. Dezember 382 v. Chr. im 4. Regierungsjahr seines Vaters Herzog Xian geboren.
  • Fortsetzung 366
  • 383: Xian: Im Jahr 383 v. Chr., dem zweiten Jahr seiner Regierungszeit, verlegt Herzog Xian die Hauptstadt des Staates Qin. Die traditionelle Residenz Yong, im Gebiet des heutigen Fengxiang in der Provinz Shaanxi, wird aufgegeben, und der Hof zieht mehrere hundert Kilometer nach Osten in die neue Hauptstadt Yueyang, im Gebiet des heutigen Stadtbezirks Yanliang von Xi’an. Mit diesem Schritt verlagert Herzog Xian das politische Zentrum seines Staates näher an die Nachbarstaaten Wei, Han und Zhao, was den Handel erleichtert. Zugleich schwächt der Umzug die alteingesessenen Adelsclans, die in der bisherigen Hauptstadt Yong fest verwurzelt und politisch sehr einflussreich sind. In den folgenden Jahren weitet Herzog Xian die Einrichtung von Landkreisen (Bezirken) aus, die direkt von Beamten der Zentralregierung verwaltet werden. Diese Verwaltungsform unterscheidet sich deutlich von der bis dahin üblichen Praxis, Land als Lehen an erblich herrschende Adelige zu vergeben, die ihre Territorien wie kleine eigenständige Staaten führen. Herzog Xian richtet mehrere solcher Landkreise ein, unter anderem in Pu, Lantian, Pumingshi und auch in der neuen Hauptstadt Yueyang. Diese Reform stärkt die zentrale Staatsgewalt und bereitet das System vor, das unter dem späteren Reformer Shang Yang unter Herzog Xians Nachfolger Herzog Xiao auf den gesamten Staat Qin ausgedehnt wird; diese Entwicklung trägt maßgeblich zum Aufstieg Qins und schließlich zur Einigung Chinas bei.
  • 384: Xian: Im Jahr 384 v. Chr., dem ersten Jahr seiner Herrschaft, beginnt Herzog Xian sofort mit tiefgreifenden Reformen. Eine zentrale Maßnahme ist die Abschaffung der Menschenopfer bei Begräbnissen, die fast drei Jahrhunderte zuvor von Herzog Wu von Qin eingeführt worden sind. Herzog Wu ließ 678 v. Chr. 66 Menschen mit sich begraben, und Herzog Mu, der vierzehnte Herrscher von Qin, ließ 621 v. Chr. sogar 177 Menschen mit sich in das Grab folgen, darunter hohe Beamte. Das Volk von Qin dichtet damals das berühmte Gedicht „Gelber Vogel“ (Yellow Bird), das später in den konfuzianischen Klassiker Schriften der Lieder (Classic of Poetry) aufgenommen wird und diesen Brauch anklagt. Dennoch besteht diese Praxis noch über zwei Jahrhunderte fort, bis Herzog Xian sie 384 v. Chr. endgültig verbietet; der moderne Historiker Ma Feibai bewertet die Bedeutung dieser Abschaffung für die chinesische Geschichte als vergleichbar mit der Abschaffung der Sklaverei in den USA durch Abraham Lincoln.
  • 385: Herzog Chuzi II. (386–385)
  • 385: Xian: Im Jahr 385 v. Chr., im zweiten Regierungsjahr von Chuzi II., erhebt sich der Minister Jun Gai gegen Chuzi und die Herzogswitwe. Er führt ein Heer, um den im Staat Wei lebenden Prinzen Ying Shixi zurück nach Qin zu geleiten. Bei diesem Staatsstreich werden Chuzi II. und seine Mutter getötet, und [Ying Shixi wird als Herzog Xian von Qin auf den Thron gesetzt. Seine offizielle Regierungszeit beginnt 384 v. Chr., doch faktisch hat der Machtwechsel bereits 385 v. Chr. seinen Höhepunkt.
  • 415: Nach dem Tod Ling von Qins im Jahr 415 geht der Thron jedoch nicht an seinen Sohn Ying Shixi, sondern an Lings Onkel Herzog Jian von Qin. Herzog Jian regiert fünfzehn Jahre und stirbt, worauf sein Sohn Herzog Hui II. von Qin die Herrschaft übernimmt. Nach dreizehn Jahren Herrschaft Hui II.s folgt dessen Sohn Chuzi II. auf den Thron, doch da Chuzi noch ein Säugling ist, übt seine Mutter, die Herzogswitwe Qin Xiaozhu, faktisch die Macht aus. Während dieser Zeit lebt Ying Shixi im Exil im Staat Wei.
  • 424: Xian: [Ying Shixi (auch Ying Lian) wird aus dem Haus Ying geboren, sein Vater ist Herzog Ling von Qin, der 25. Herrscher des Staates Qin.

Zhou

  • 375: König Lie von Zhou (Zhou Lie Wang, persönlicher Name Ji Xi) ist König der Zhou-Dynastie und regiert von 375 v. Chr. bis zu seinem Tod 369 v. Chr. Sein Vater ist König An von Zhou, der bis 376 v. Chr. herrscht und im Jahr vor Lies Thronbesteigung stirbt. König Lie von Zhou gehört zur Linie von König Kao von Zhou und König Weilie von Zhou; er steht damit in einer fortlaufenden Königsdynastie, die die späte Östliche Zhou-Zeit prägt. Im Jahr 375 v. Chr. besteigt Ji Xi als König Lie von Zhou den Thron der Zhou-Dynastie. Mit seiner Thronbesteigung übernimmt er eine bereits stark geschwächte Zentralmacht, während die großen Feudalstaaten der Zeit der Streitenden Reiche immer einflussreicher werden. In dieser Situation stützt sich seine Autorität weitgehend auf zeremonielle und traditionelle Vorrangstellung, während die tatsächliche militärische und politische Macht zunehmend bei den regionalen Fürsten liegt.
  • 376: König An (401–376)

Zhao

  • Markgraf Cheng (374–350)
    Cheng lässt bei Xingdi, dem Gebiet des heutigen Xingtai in der Provinz Hebei, einen hölzernen Aussichtsturm errichten, der "Tantai" heißt. Dieser Turm dient als erhöhter Beobachtungs‑ und Repräsentationspunkt, von dem aus er auf die übrigen Staaten der Streitenden Reiche blickt; der Ort erhält später nach diesem Bauwerk den Namen "Xingtai". In den folgenden Jahren verschärft sich die Rivalität zwischen Zhao und dem mächtigen Nachbarn Wei unter König Hui, der seine militärische Überlegenheit auszuspielen versucht. Wei greift wiederholt in die Auseinandersetzungen unter den nordchinesischen Staaten ein und sieht im wachsenden Zhao einen wichtigen Gegner.
  • Fortsetzung 353
  • 374: Cheng: Marquess Cheng von Zhao, mit persönlichem Namen Zhao Zhong, ist Markgraf des Staates Zhao und Sohn des Markgrafen Jing, den er nach dessen Tod als Herrscher von Zhao ablöst. Seine Regierungszeit liegt in der mittleren Phase der Streitenden Reiche, etwa von der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. bis zu seinem Tod im Jahr 350 v. Chr. Zu Beginn seiner Herrschaft übernimmt Zhao Zhong – nun Marquess Cheng – den Thron des Staates Zhao von seinem Vater Marquess Jing und stabilisiert zunächst die Nachfolge im Herrscherhaus. In dieser Zeit festigt er die Stellung Zhaos in der durch Rivalität zwischen Zhao, Wei, Han und anderen Staaten geprägten politischen Ordnung.
  • Fortsetzung 372
  • 375: Markgraf Jing (386–375)

Wei

  • 395/396–370: (Regierungszeit von Markgraf Wu) Nach dem Tod von Markgraf Wen von Wei übernimmt Wei Ji die Regierung des Staates Wei und führt fortan den Titel Markgraf Wu von Wei. Er tritt die Nachfolge seines Vaters an und regiert den Staat Wei während der frühen Phase der Zeit der Streitenden Reiche. Seine Regierungszeit erstreckt sich ungefähr von 396/395 bis 370 v. Chr., wobei die Quellen sich geringfügig in der Datierung des Beginns unterscheiden.
  • Fortsetzung 370
  • 396: Markgraf Wen (424-396) Im Jahr 396 v. Chr. stirbt Markgraf Wen von Wei (Wei Si) als Herrscher des Staates Wei. Mit seinem Tod endet seine lange Regierungszeit, und sein Sohn Wei Ji steht als nächster Inhaber der Herrschaftsrechte bereit.
  • 403: Im Jahr 403 v. Chr. erkennt König Weilie von Zhou Wei Si feierlich als Markgrafen von Wei an. Zugleich bestätigt er mit der Verleihung gleichartiger Titel an die Führer von Han und Zhao die Teilung des alten Staates Jin in drei selbständige Reiche.
  • 424: Im Jahr 424 v. Chr. führt Wei Si den Adelstitel „Markgraf“ (Hou) ein und nimmt als Herrscher des Staats Wei offiziell den Rang eines Markgrafen an. Gleichzeitig ist er damit der erste Träger dieses Titels im Staat Wei und begründet die Markgrafen‑Herrschaft seiner Familie.
  • 446: Im Jahr 446 v. Chr. herrscht im Staat Wei Wei Huan‑zi, der Vater von Wei Si, der später als Marquess Wen von Wei bekannt ist. In diesem Jahr stirbt Wei Huan‑zi, und sein Sohn Wei Si übernimmt die Führung des Hauses Wei und tritt damit als neuer Oberhaupt der Sippe hervor.

Qi

  • 374: Huan: Herzog Huan von Tian-Qi, 400 geboren, mit persönlichem Namen Tian Wu, gehört zum Haus Tian (Tian-Qi-Dynastie) und ist Sohn von Herzog Tai von Tian-Qi und dessen Gemahlin Konsort Xiao. 375 lässt Tian Wu seinen älteren Bruder Tian Yan sowie dessen Sohn Tian Xi ermorden und reißt damit die Macht an sich. Er usurpiert den Thron und regiert 374 als Herzog Huan von Tian-Qi. In den ersten fünf Jahren seiner Herrschaft wird Qi nacheinander von den Nachbarstaaten Lu, Wei, Wey und Zhao angegriffen.
  • Fortsetzung 363
  • 376: Wei wird um 378 geboren. Er gehört zur Tian-Dynastie des Staates Qi, als Sohn von Herzog Huan von Tian Qi. Seine Vorfahren sind Viscount Xiang, Viscount Zhuang, Herzog Tai und Herzog Huan von Tian Qi sowie Consort Xiao.​

Chu

  • 375: Im Jahr 375 v. Chr. erobert der Staat Han den schon lange mit Chu verbündeten Staat Zheng und löscht ihn als eigenständige Macht aus. Für König Su bedeutet dieser Verlust eines traditionellen Verbündeten einen schweren strategischen Rückschlag, weil Chu damit einen wichtigen Pufferstaat und politischen Partner in der Region einbüßt. Die Eroberung Zhengs durch Han zeigt ihm deutlich, wie schnell sich das Kräfteverhältnis in der Zeit der Streitenden Reiche zugunsten der nördlichen Konkurrenten verschiebt. In den Jahren nach dem Fall Zhengs setzt König Su seine Politik gegenüber Han und Wei fort und bleibt in die militärischen Spannungen mit diesen Staaten verwickelt. Innerhalb seines Reiches regiert er ohne die systematischen Reformen Wu Qis, wodurch die frühere Reformdynamik nachlässt und die Regierung stärker auf traditionelle Strukturen und persönliche Herrschaft gestützt ist. Der König hält dennoch die Stellung Chu als südliche Großmacht, auch wenn sich abzeichnet, dass die nördlichen Staaten immer aggressiver und erfolgreicher auftreten.
  • Fortsetzung 370
  • 380: Im Jahr 380 v. Chr. besteigt Xiong Zang nach dem Tod seines Vaters als König Su den Thron des Staates Chu. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft lässt er mehr als siebzig Familien hinrichten, die an der Ermordung des Reformators Wu Qi und an der Schändung des Leichnams von König Dao beteiligt sind. Mit diesen harten Maßnahmen demonstriert er, dass er die Ehre seines Vaters und die Autorität der königlichen Familie entschlossen verteidigt. Zugleich hebt er die von Wu Qi eingeführten Reformen wieder auf und beendet damit eine Phase tiefgreifender militärischer und administrativer Veränderungen in Chu. In den folgenden Jahren nach seinem Herrschaftsantritt führt König Su den Staat Chu durch eine von Rivalität und Kriegen geprägte Zeit. Chu steht im Wettbewerb mit den Mächten Han und Wei, zwei Nachfolgestaaten des einst mächtigen Jin, und beteiligt sich an militärischen Auseinandersetzungen gegen sie. Der König versucht, mit militärischer Stärke und gezielten Feldzügen den Einfluss seines Reiches zu sichern und zu erweitern, auch wenn die inneren Reformen Wu Qis nicht mehr gelten.
  • 381: König Dao (401–381) Im Jahr 381 v. Chr. herrscht noch König Dao von Chu über den Staat Chu während der Zeit der Streitenden Reiche. Gegen Ende dieses Jahres wird König Dao von Banditen getötet, wodurch im Machtzentrum des Staates eine gefährliche Lücke entsteht. Mit dem gewaltsamen Tod des Herrschers ist klar, dass sein Sohn Xiong Zang, der spätere König Su, als Thronfolger bereitsteht und dass ein Machtwechsel unmittelbar bevorsteht.

JAPAN

  • 392: Nach dem Tod seines Vaters besteigt Kōan am 27. Tag des 1. Mondmonats des Folgejahrs den Thron. Er gilt nach den Chroniken Kojiki und Nihonshoki als 6. Tennō von Japan. Die historische Existenz Kōans bleibt zweifelhaft, da er zu den "acht undokumentierten Kaisern" gehört, über die es nur knappe Überlieferungen gibt. Sein Eigenname lautet nach dem Nihonshoki Yamato-tarashi-hiko-kuni-oshi-hito no mikoto, seine Mutter ist Yoso-tarashi-hime; laut Kojiki heißt er Ō-yamato-tarashi-hiko-kuni-oshi-hito no mikoto, seine Mutter Yoso-taho-hime no mikoto. Fortsetzung 342
  • 393: Tennō Kōshō (475–393)
  • 408: Am 14. Tag des 1. Mondmonats im 68. Regierungsjahr seines Vaters Kōshō wird Kōan im Alter von 20 Jahren zum Kronprinzen ernannt.

QUELLEN

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21.02.2026 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt

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