-359
Erscheinungsbild
RÖMISCHE REPUBLIK
(ab urbe condita CCCXCV = 395)
- Konsul Gnaeus Manlius Capitolinus Imperiosus (1. Amtszeit)
Gnaeus Manlius Capitolinus Imperiosus stammt aus der patrizischen Familie der Manlier, einer der alteingesessenen römischen Adelsfamilien. Sein Vater trägt nach den Fasti Capitolini den Vornamen Lucius, sein Großvater heißt nach derselben Quelle Aulus. Im Jahr 359 v. Chr. erreicht Gnaeus Manlius Capitolinus Imperiosus zusammen mit Marcus Popillius Laenas das Konsulat. In diesem Jahr wehren die beiden Konsuln nach der Überlieferung einen kleineren, als unbedeutend geschilderten Handstreich der Tiburtiner gegen Rom ab. - Konsul Marcus Popillius Laenas (1. Amtszeit)
Marcus Popillius Laenas erreicht zum ersten Mal das Konsulat und teilt es mit Gnaeus Manlius Capitolinus Imperiosus. Beide Konsuln wehren gemeinsam einen plötzlichen nächtlichen Angriff der Tiburtiner auf Rom erfolgreich ab. Er bekleidet außerdem das Priesteramt eines flamen Carmentalis. Während seines ersten Konsulats führt er in dieser priesterlichen Funktion gerade ein Staatsopfer durch, als er von einem Aufruhr der Volksmenge gegen den Senat erfährt. Noch in seinen priesterlichen Mantel, die laena, gehüllt, eilt er zur rebellischen Plebs und beruhigt sie durch seine Autorität und Redegabe. Cicero erklärt aus dieser Episode irrtümlich die Entstehung des Beinamens Laenas, während dieser Name in Wirklichkeit wohl ein ursprünglich etruskischer Gentilname ist, der sich im Laufe der Zeit zu einem Cognomen wandelt. - Fortsetzung 358
GRIECHEN
(1./2. Jahr der 105. Olympiade)
Syrakus
Epirus
Makedonien
- König Perdikkas III. (369–359)
Perdikkas startet einen Feldzug, um Obermakedonien von den Illyrern zurückzuerobern, die unter ihrem Anführer Bardylis eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Der Feldzug endet jedoch in einer schweren Katastrophe: Perdikkas fällt in der Schlacht, und der Historiker Diodor berichtet, dass etwa 4000 makedonische Soldaten sterben und die Überlebenden von Angst und Mutlosigkeit erfüllt sind, sodass sie den Illyrern militärisch kaum noch Widerstand leisten wollen. - König Amyntas IV. (359-356)
- König (Usurpator) Philipp II. (359–336)
Der etwa dreijährige Amyntas folgt seinem Vater formal als König von Makedonien nach; sein Onkel Philipp II. übernimmt als Vormund und Regent die Leitung des Reiches. Noch im selben Jahr erklärt sich Philipp II. selbst zum König und drängt Amyntas damit politisch zur Seite. Philipp usurpiert den Thron vollständig etwa um 356. - Regent Lyppeion (Paionien, 359/8–335)
Lyppeios folgt um 359/8 auf König Agis und übernimmt das peionische Königtum. Kurz nach Philipps Machtübernahme in Makedonien wird Peionien militärisch geschlagen und teils unterworfen, Lyppeios bleibt aber als untergeordneter König im Amt. In den folgenden Jahren prägt Lyppeios Silbermünzen (z.B. Tetradrachmen) mit griechischen Legenden und Bildern von Zeus und Herakles, was eine starke makedonisch‑griechische Prägung des Reiches zeigt. Spätere antike und neuzeitliche Belege (Münzen, Inschriften, Nachschlagewerke) identifizieren die Namensvarianten Lyppeios/Lycceius/Lykkeios als dieselbe historische Person. - Fortsetzung 358
Pherai
Attischer Seebund
Sparta
- König der Eurypontiden: Agesilaos II. (399–359/358)
359/358 nimmt Agesilaos nach 364 erneut mit seinen Truppen Söldnerdienste an, diesmal im Rahmen eines Bündnisses mit dem athenischen Feldherrn Chabrias und dem ägyptischen Pharao Tachos gegen den persischen König Artaxerxes II. in Phönizien. Auf dem Rückweg von diesem Feldzug stirbt Agesilaos auf Kreta beziehungsweise in der Region Cyrenaika. Sein Leichnam wird in Wachs konserviert und nach Sparta überführt, wo er beigesetzt wird. Rückblickend erscheint er in der spartanischen Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. als Ausnahmeerscheinung: ein König und Feldherr, der trotz zahlreicher auswärtiger Unternehmungen persönlich bescheiden und gesetzestreu bleibt, durch diese Haltung großen politischen Einfluss gewinnt, aber mit seiner konservativen Politik zugleich Reformen verhindert und so zum langfristigen Niedergang der spartanischen Hegemonie beiträgt. - König der Agiaden: Kleomenes II. (370–309)
- König der Eurypontiden: Archidamos III. (359/358–338)
Um 359/358 folgt Archidamos seinem Vater Agesilaos II. als König von Sparta nach. Beim Ausbruch des Dritten Heiligen Krieges 356 v. Chr. unterstützt er den phokischen Führer Philomelos privat mit 15 Talenten bei dessen Widerstand gegen den Beschluss der Amphiktyonie, wobei Philomelos diese Hilfe angeblich durch Bestechungsgelder und die Übergabe eines Teils der in Delphi geraubten Schätze erkauft. - Fortsetzung 352
Bosporanisches Reich
Bithynien
Salamis
ODRYSEN
ACHÄMENIDENREICH
- Großkönig Artaxerxes II. (404–358)
- Satrap Ariobarzanes II. (Kios, 362-336)
- Satrap Ariamnes (Kappadokien, 362-350)
- Satrap Mausolus (Karien, 377–353)
ÄGYPTEN
Spätzeit, 30. Dynastie
- Pharao Tachos (360-359)
Im 46. Regierungsjahr des Artaxerxes II., beginnt Tachos nun selbst aktiv einen Angriff auf das Perserreich, nachdem die bisherigen Satrapenaufstände nicht den erhofften Erfolg erbracht haben. Babylonische Quellen verorten den Angriff in ein Schaltjahr des babylonischen Kalenders, in dem der Schaltmonat Addaru II am 23. März und der Monat Nisannu am 22. April beginnen. Die ägyptische Armee marschiert in die Richtung Syrien‑Phönizien, während der athenische Stratege Chabrias mit der Flotte seewärts vorgeht und Nektanebos (II.) mit den einheimischen Machimoi‑Truppen über Land in die Region Chor vorrückt, um dort mit dem Hauptheer zusammenzutreffen. Tachos beansprucht für sich – wie traditionell üblich – den Oberbefehl über alle Truppen, was Agesilaos enttäuscht, der sich selbst im Hauptkommando sieht, aber zunächst die Führung nur über die griechischen Kontingente akzeptiert. Während die Armee nahe Phönizien lagert, nutzt Tjaihepimu, der Bruder von Tachos und Statthalter in Ägypten, die Abwesenheit des Königs. Mit Zustimmung der Priester lässt er seinen Sohn Nektanebos II. zum neuen Pharao ausrufen und stellt ihn damit in offenen Gegensatz zu Tachos. Agesilaos nimmt das Angebot an, die Seite zu wechseln und Nektanebos II. zu unterstützen, während Chabrias vertragstreu bei Tachos bleibt, bis dieser flieht. Die Gründe für den inneren Aufstand sind aus den Quellen nicht eindeutig zu entnehmen. Möglich sind Unzufriedenheit der Priesterschaft mit der Abgabenpolitik, der Druck auf die unteren Bevölkerungsschichten durch neue Steuern oder Unmut über Verluste im Feldzug gegen Persien. Zusätzlich könnte der persische Prinz Ochos mit Gegenoffensiven das militärische Blatt gegen Tachos wenden und so Tjaihepimu den Entschluss erleichtern, die Macht an seinen Sohn zu ziehen.
Die antiken Autoren stimmen darin überein, dass Tachos durch eine erfolgreiche Rebellion gestürzt wird, aber sie weichen in den Details erheblich voneinander ab. Xenophon schildert, wie Tachos, von Desertionen in seinem Heer getroffen, nach Sidon in ein phönizisches Exil flieht, während die gespaltene Armee zwischen ihm und dem Gegenkönig wählen muss. Agesilaos entscheidet sich dort für den ägyptischen Herrscher, den er für einen verlässlichen Verbündeten Spartas hält, hilft ihm gegen seinen Rivalen und verhilft diesem, der große Geldsummen für Sparta bereitstellt, zum Thron. Cornelius Nepos erwähnt den Feldzug selbst kaum, berichtet aber, dass der betagte Agesilaos zu Tachos nach Ägypten zieht, Geschenke großenteils zurückweist und schließlich Ägypten mit 220 Talenten verlässt, die König Nektanabis ihm schenkt. Auf dem Rückweg stirbt Agesilaos im Menelaos‑Hafen zwischen Kyrene und Ägypten und sein Leichnam wird nach Sparta überführt. Diodor zeichnet ein anderes Bild: Tachos zieht mit 10'000 ausgewählten griechischen Söldnern und 80'000 ägyptischen Infanteristen aus, obwohl Agesilaos ihm rät, selbst in Ägypten zu bleiben und nur seine Feldherren kämpfen zu lassen. Während der Belagerung "syrischer Städte" rebelliert in Ägypten ein General, den die Forschung mit Tjaihepimu identifiziert, und sein Sohn Nektanebos übernimmt durch Bestechungen und Geschenke das Oberkommando über das Heer. Nektanebos zieht mit diesen Truppen nach Ägypten zurück, um das Land zu erobern, während Tachos über Arabien zum Hof des Artaxerxes II. reist, sich entschuldigt und von diesem als General zur Rückeroberung Ägyptens eingesetzt wird. Gemäss Diodor stirbt Artaxerxes II. kurz darauf, Nektanebos sammelt unter Artaxerxes III. in Syrien eine Armee von über 100'000 Mann und fordert Tachos zum Entscheidungskampf um die Königswürde heraus. Nachdem Tachos den Rat des Agesilaos ignoriert und sich in eine befestigte Stadt zurückzieht, schlägt Agesilaos bei einem nächtlichen Ausfall die Truppen des Nektanebos II., Tachos behält den Thron und beschenkt Agesilaos reich. Diese Version widerspricht allerdings anderen Traditionen, die von einem definitiven Sturz des Tachos sprechen, und wird von der Forschung wegen zahlreicher Widersprüche und Anachronismen kritisch beurteilt. Plutarch wiederum berichtet, dass Tachos und Nektanebos II. zunächst gemeinsam am Feldzug teilnehmen und Agesilaos Tachos als hochmütig und eitel empfindet. Nektanebos II., als Cousin des Tachos bezeichnet, fällt mit seinem Heer ab, nachdem er in Ägypten zum König ausgerufen ist, und wirbt Agesilaos durch Geschenke für einen Seitenwechsel, während Chabrias bei Tachos bleibt. Plutarch schildert anschließend, ähnlich wie Diodor, einen weiteren Krieg, in dem eine große Armee von etwa 100'000 Mann – diesmal unter einem König aus Mendes – Nektanebos bedroht, dieser aber, wiederum dank eines Ausfalls des Agesilaos aus einer belagerten Stadt, seinen Thron retten kann. Die antiken Berichte über Tachos erweisen sich insgesamt als tendenziös und widersprüchlich. Diodor verharmlost oder verzerrt anti‑persische Vorgänge, verherrlicht griechische Feldherren und Söldner und liefert unklare geographische Begriffe wie "Syrien‑Phönizien", die archäologisch kaum zu zerstörten Städten passen. Xenophon verfasst ein Lobschrift auf Agesilaos, während andere zeitgenössische Informationen fehlen, sodass die tatsächliche Abfolge der Ereignisse nur annähernd zu rekonstruieren ist. Eine spätere exegetische Ergänzung der demotischen Chronik formuliert rückblickend eine Orakelaussage, wonach ein Pharao nach Syrien‑Palästina zieht und während seiner Abwesenheit „im Tausch“ gegen einen anderen Pharao ersetzt wird. Ob dieses Orakel konkret auf die Absetzung von Tachos zielt oder allgemeiner die Gefahr der Abwesenheit des Königs illustriert, lässt sich nicht sicher entscheiden, zumal auch Nektanebos II. am Ende seiner Herrschaft aus Ägypten flieht. Der weitere Lebensweg und der Tod von Tachos bleiben im Dunkeln. Wahrscheinlich flieht er zunächst zum phönizischen Fürsten Straton von Sidon und sucht später am Hof von Artaxerxes II. oder Artaxerxes III. Asyl, doch die Quellen sind bruchstückhaft. Eine autobiographische Inschrift des Priesters Wennefer, der an einem Feldzug gegen die Perser in Phönizien teilnimmt, verweist eventuell auf Kontakte zum persischen Königshof, doch ist unklar, ob Wennefer gemeinsam mit Tachos reist oder unabhängig von ihm wirkt. Archäologisch bleiben Tachos’ Spuren spärlich: Nachweise gibt es in Form einer Kapelle und Restaurierungsinschriften im Chons‑Tempel in Karnak, Fragmenten eines Naos, Inschriften aus Athribis, Tanis, Tura, einem Steinblock aus Matarije, einer Schale aus Memphis, einem Topfdeckel und seinen Münzen. Grab, Sarkophag oder Mumie des Tachos sind bislang nicht gefunden, sodass sein Ende weiterhin offen bleibt. - Pharao Nektanebos II. (359-341)
Nektanebos II. besteigt den Thron und ist damit der dritte und letzte Herrscher der 30. Dynastie. Zu Beginn seiner Regierungszeit leitet Nektanebos in Memphis die Bestattungszeremonie eines Apis-Stieres und lässt an den östlichen und westlichen Apis-Tempeln neue Reliefdekorationen anbringen. Er errichtet unter anderem einen Tempel des Khnum auf der Insel Abu (Elephantine) und einen Amun-Tempel in Sekhtam und stiftet ein Diorit-Naos für Anhur-Schu, dessen Fragment in Tjebnutjer gefunden wird. Unter seiner Herrschaft gewinnt der Buchis-Kult stark an Popularität, und er erlässt ein Dekret, das Steinbrucharbeiten in den "Geheimnisvollen Bergen" bei Abydos verbietet.
Nektanebos entfaltet eine sehr umfangreiche Bautätigkeit im ganzen Land, die an das Niveau großer Könige des Neuen Reiches heranreicht. Sein Name erscheint an zahlreichen bedeutenden Kultorten wie Heliopolis, Athribis und Bubastis, während er in seinem Heimatgebiet Sebennytos und am heutigen Behbeit el-Hagar besonders intensiv baut. Die Reliefs der Tempel von Sebennytos prägen später deutlich den Stil der ptolemäischen Kunst. Seine starke religiöse Bautätigkeit dient neben persönlicher Frömmigkeit wahrscheinlich auch dazu, seine Stellung als Usurpator durch religiöse Legitimation zu festigen. - Fortsetzung 351
INDIEN
Anuradhapura
CHINA
Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Wasser-Hundes; am Beginn des Jahres Metall-Hahn)
Qin
Zhou
Zhao
Wei
Qi
Chu
JAPAN
QUELLEN
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07.06.2023 Artikel eröffnet
11.07.2023 Grundstock erstellt
21.01.2026 Grundstock ergänzt