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RÖMISCHE REPUBLIK

(ab urbe condita CCCXCII = 392)

  • Konsul Quintus Servilius Ahala (2. Amtszeit)
    Quintus Servilius Ahala bekleidet nach 365 erneut das Konsulat, wiederum gemeinsam mit Lucius Genucius. Im Krieg gegen die Herniker fällt das Los über den Oberbefehl an Lucius Genucius, der im Feldzug gegen diesen italischen Stamm zu Tode kommt. Nach dessen Tod muss Ahala einen Diktator ernennen und wählt Appius Claudius Crassus Inregillensis, um den Krieg gegen die Herniker mit außerordentlichen Vollmachten fortzuführen.
  • Konsul Lucius Genucius Aventinensis (2. Amstzeit)
    Lucius Genucius Aventinensis übernimmt nach 365 erneut das Konsulat und steht abermals zusammen mit Quintus Servilius Ahala an der Spitze des Staates. Zwischen 362 und 358 nimmt Lucius Genucius Aventinensis an den Kämpfen im Zuge der römischen Eroberung des Gebietes der Herniker teil. Während dieser militärischen Auseinandersetzungen fällt er in einer Schlacht und endet so sein politischer und militärischer Werdegang auf dem Schlachtfeld; das Todesjahr ist unbekannt, möglicherweise widersprüchlich (die französiche Wikipedia gibt das konkrete Todesjahr 362 an. In späterer Überlieferung wird er häufig mit einem anderen Lucius Genucius verwechselt, der 342 als Volkstribun amtiert, was die Unterscheidung der Quellenlage erschwert.
  • Diktator Appius Claudius Crassus
    Nach dem Tod des plebejischen Konsuls des Jahres wird Claudius zum Diktator ernannt. Er führt Feldzüge gegen die Herniker, erzielt einige Erfolge, erleidet dabei aber selbst schwere Verluste; Oakley hält auch diese Diktatur für zweifelhaft, während Ferenczy sowohl das Amt als auch den Feldzug für historisch akzeptiert.
  • Legat Gaius Sulpicius Peticus
    Der ehemalige Konsul Sulpicius wirkt gemäss der wohl zutreffenden livianischen Überlieferung als Legat des plebejischen Konsuls Lucius Genucius Aventinensis im Krieg gegen die Herniker. Als der Konsul im Kampf fällt, schlägt Sulpicius einer Tradition zufolge einen Angriff der Herniker auf das römische Lager zurück, noch bevor der Diktator Appius Claudius Crassus Inregillensis mit seinen Truppen eintrifft.
  • Opfertod des Marcus Curtius
    Im Jahr 362 erschüttert ein starkes Erdbeben – oder eine andere übernatürliche Kraft – das Forum in Rom, dem politischen und religiösen Zentrum der Stadt. Mitten auf diesem Platz öffnet sich ein breiter und tiefer Spalt im Boden, der die Bürger in Angst und Bestürzung versetzt. Trotz großer Anstrengungen gelingt es den Römern nicht, den Spalt mit Erde, Schutt oder anderen Materialien zu füllen, denn er nimmt alles auf, ohne sich zu schließen. Die Lage erscheint aussichtslos, und die Menschen fragen sich, welches Unheil Rom droht. In dieser Situation treten die Auguren auf, die römischen Priester und Zeichendeuter, und verkünden nach ihrer Deutung, dass der Spalt erst dann schließen wird, wenn Rom an dieser Stelle das opfert, "wovon die Macht Roms am meisten abhängt". Diese geheimnisvolle Forderung sorgt für Ratlosigkeit, denn niemand weiß zunächst sicher zu sagen, was damit gemeint ist. Marcus Curtius, ein junger Soldat aus adligem Haus, tritt nun hervor und erklärt, dass das Wichtigste für die Macht Roms die Tapferkeit und der Mut eines römischen Kriegers sind. Er fasst den Beschluss, sich selbst als Opfer hinzugeben, um die Stadt zu retten, und vollzieht damit eine Devotio, also eine feierliche Selbstweihe an die Unterweltmächte zum Wohl der Gemeinschaft. In voller Rüstung besteigt er sein Pferd, bereit, sein Leben für Rom hinzugeben. Vor den Augen der versammelten Menge reitet Marcus Curtius auf den Rand des Spalts zu. Er weiht sich und seine Waffen den Göttern und stürzt sich dann mit Pferd und Bewaffnung in die Tiefe des Abgrunds. Die Männer und Frauen, die sich auf dem Forum eingefunden haben, werfen Gaben und Früchte hinter ihm her in den Spalt, um sein Opfer zu ehren und zu ergänzen. Sobald dieses Opfer vollzogen ist, schließt sich der Erdspalt und die unmittelbare Gefahr ist gebannt. Später heißt es in der Erzählung jedoch, dass sich der Spalt danach erneut öffnet, was die wunderhafte und unheimliche Dimension der Sage zusätzlich unterstreicht. Der Ort dieses Geschehens auf dem Forum wird später Lacus Curtius genannt, und die Sage erklärt aitiologisch, also ursprungsdeutend, wie dieser Platz zu seinem Namen kommt. Der Name "Lacus" (See) erinnert möglicherweise an eine frühere Senke oder Wasserstelle, die mit der Legende des Marcus Curtius verbunden wird. Der römische Geschichtsschreiber Livius übernimmt die Erzählung in sein Werk "Ab urbe condita" und gestaltet sie ausführlich als Beispiel altrömischer Tapferkeit und Opferbereitschaft. Zugleich deutet Livius an, dass der tatsächliche historische Wahrheitsgehalt der Geschichte unklar ist, betont aber ihren Wert als moralisches Vorbild für römische Tugenden. Der Gelehrte Varro erwähnt die Sage bereits früher, wenn auch nur kurz, was zeigt, dass die Tradition um Marcus Curtius schon vor Livius im Umlauf ist. In der späteren Gelehrtenwelt und Kunstgeschichte bleibt Marcus Curtius ein Symbol für bürgerliche Selbstaufopferung und römische Tugend; so widmen sich etwa wissenschaftliche Arbeiten der Darstellung dieser Figur in der Renaissance und in der Kunst. In der frühen Neuzeit trägt auch ein auffälliges Loch auf einem Platz in Wien den Namen des römischen Helden. Auf dem Lugeck, einem Platz in der Wiener Altstadt, befindet sich damals ein kreisrundes Loch mitten auf dem Platz, das im Scherz "Marcus-Curtius-Loch" genannt wird. Die Bezeichnung spielt humorvoll auf die römische Sage an und zeigt, dass die Geschichte von Marcus Curtius lange über die Antike hinaus bekannt bleibt und in der Stadtkultur der Neuzeit weiterlebt.
  • Fortsetzung 361

GRIECHEN

(2./3. Jahr der 104. Olympiade)

Syrakus

Epirus

Makedonien

Pherai

Attischer Seebund

Zweite Schlacht von Mantineia

  • 0703D: Die Schlacht bei Mantineia findet am 4. Juli in der Ebene bei Mantineia auf der Peloponnes statt. Auf der einen Seite stehen Theben unter Epameinondas mit seinen Verbündeten aus Arkadien, Argos, Messenien, Thessalien, Euböa und dem böotischen Bund, auf der anderen Seite Sparta, Elis, Athen und Mantineia sowie kleinere Kontingente aus Achäa und Euböa.
  • Vorgeschichte: Im Peloponnesischen Krieg von 431 bis 404 verbündet sich Theben zunächst mit Sparta gegen Athen. Nach Spartas Sieg verlangt Sparta jedoch, thebanische Festungen durch spartanische Garnisonen zu besetzen, wodurch aus dem Bündnisverhältnis faktisch eine spartanische Besatzung in Böotien wird. Der thebanische Feldherr und Staatsmann Epameinondas führt 378 einen Aufstand gegen die spartanischen Garnisonen in böotischem Gebiet an. Ein entscheidender Schlag gegen die spartanische Hegemonie erfolgt 371 in der Schlacht von Leuktra. Der Arkadische Bund, ein Zusammenschluss der Stadtstaaten auf dem zentralen peloponnesischen Hochland, wird gegründet, und auf Bitten des Arkadischen Bundes führt Epameinondas 370 einen erfolgreichen Winterfeldzug gegen Sparta. In den Jahren vor der Schlacht von Mantineia verbündet sich Sparta mit den Eleern, einem kleineren peloponnesischen Volk, das territoriale Streitigkeiten mit den Arkadiern hat, um den Arkadischen Bund zu untergraben. Als die Arkadier 364 das panhellenische Zeus-Heiligtum in Olympia besetzen und dort eigenmächtig die Olympischen Spiele abhalten, greifen die Eleer an und versetzen die Arkadier in Unruhe. In der Folge beschließt Mantineia als Mitglied des Bundes, die Finanzierung der arkadischen Eliteeinheit der Epariten aus den Heiligtums­geldern einzustellen, was einen Ausschlussversuch Mantineias aus dem Bund und eine zunehmende Entfremdung Mantineias von Arkadischem Bund und Theben nach sich zieht. Diplomatisch isoliert entsendet Mantineia Gesandte nach Athen und Sparta, um militärische Unterstützung gegen den Arkadischen Bund zu gewinnen. Athen schließt sich dem spartanisch‑mantineischen Lager an, weil es die wachsende Macht Thebens misstrauisch betrachtet und sich zudem daran erinnert, dass Theben nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges die völlige Zerstörung Athens und die Versklavung seiner Bürger gefordert hatte, was Sparta damals verhindert hat. Eine athenische Armee bricht per Schiff auf, um sich dem spartanisch geführten Heer auf der Peloponnes anzuschließen und einer möglichen Abfangung durch thebanische Truppen auf dem Landweg zu entgehen. Die Truppen Spartas, Athens, Elis und Mantineias samt kleineren Kontingenten sammeln sich schließlich bei Mantineia. Epameinondas führt ein thebanisches Heer auf die Peloponnes, um die Ordnung im Sinne Thebens wiederherzustellen und die thebanisch‑arkadische Hegemonie zu sichern. Er nutzt die Tatsache, dass Sparta selbst ungeschützt ist, weil seine Truppen bei Mantineia lagern, und unternimmt 362 einen Überraschungsangriff auf Sparta, der jedoch scheitert. Ein kretischer Beobachter erkennt den Marsch der Thebaner und trifft auf Agesilaos II., den er vor dem Angriff warnt, sodass Sparta rechtzeitig reagieren kann. Nach dem Fehlschlag zieht sich Epameinondas nach Tegea zurück, wo sich die Verbündeten Thebens sammeln und das Heer für die Entscheidungsschlacht formiert.
  • Die Schlacht: Während sein Heer bei Tegea lagert, entsendet Epameinondas die thebanische Reiterei in das Gebiet von Mantineia mit dem Auftrag, das Umland der Stadt zu verwüsten. Die Mantineier bitten die athenische Reiterei, die sich gerade im nahegelegenen Kleonai von Strapazen erholt, um Hilfe, obwohl diese erschöpft und hungrig ist. Die Athener Kavallerie reitet dennoch nach Mantineia aus und gerät in ein hartes Gefecht mit der thebanischen Reiterei, in dem viele Athener, darunter Gryllos, der Sohn Xenophons, fallen, bevor es ihr gelingt, die Thebaner zu schlagen und zu vertreiben. Die Rückschläge in Sparta und nun bei der Reiterschlacht lassen Epameinondas zu der Überzeugung kommen, dass er seine Ehre nur durch einen entscheidenden Sieg wiederherstellen kann. Xenophon überliefert, Epameinondas sei überzeugt, im Falle eines Sieges alle bisherigen Misserfolge auszugleichen und im Falle des Todes ehrenvoll zu sterben, da er für die Herrschaft seiner Heimat über die Peloponnes kämpft. Die Hauptheere treffen sich auf einer flachen Ebene in der Nähe Mantineias, die von zwei Bergzügen begrenzt wird. Das spartanisch geführte Bündnis aus Spartanern, Athenern, Eleern und Mantineiern sowie kleineren achäischen und euböischen Kontingenten steht unter den Befehlshabern Podares aus Mantineia und Kephisodoros aus Marathon, dem Kommandeur der athenischen Reiterei. Das spartanische Bündnis verfügt über etwa 20'000 Fußsoldaten und 2000 Reiter, wovon Athen 6000 Infanteristen und Sparta 1000 Infanteristen stellt. Auf thebanischer Seite kämpft neben Theben der Teil der Arkadier, der dem Bund treu bleibt – besonders die Städte Megalopolis, das als arkadische Bundes­hauptstadt von Theben gegründet worden ist, und Tegea als traditionelle Führungsstadt Arkadiens – unterstützt von den meisten Achäern, Argivern, Messeniern, Thessaliern und weiteren Städten des böotischen Bundes. Die thebanische Reiterei wird von leichtbewaffneten mitlaufenden Infanteristen, den Hamippoi, begleitet, die in die Reiterei-Formation integriert sind. Epameinondas manövriert sein Heer nach Westen an die Hänge eines Gebirges, wahrscheinlich beim späteren Skopi, und vermittelt dem Gegner den Eindruck, er werde an diesem Tag nicht mehr kämpfen und mit dem Lagerbau beginnen. Im Verborgenen beginnt er jedoch, seine Formation umzugliedern, indem er Truppen hinter anderen Einheiten verschiebt, sodass der Gegner die Umstellung nicht erkennt. Er konzentriert seine besten böotischen Truppen auf dem linken Flügel in einer tiefen Phalanx von vermutlich fünfzig Gliedern, während die Arkadier unmittelbar rechts daneben stehen, die Argiver den rechten Flügel halten und die übrigen Verbündeten die Mitte besetzen, flankiert von der Reiterei. Epameinondas befiehlt den Vormarsch in schräger Ordnung, wobei die linke Flanke schneller vorgeht als die rechte, sodass sich ein schiefer Angriffskeil bildet, der mit der starken böotischen Masse die rechte Seite der gegnerischen Phalanx durchbrechen soll, während die Gegner noch mit einem kampflosen Tag rechnen. Er führt diesen linken Flügel persönlich in vorderster Linie, und Xenophon beschreibt diese Formation bildhaft wie eine Triere, deren Vordersteven als "Rammbock" nach vorn vorspringt. Die thebanische Reiterei und die leichten Infanteristen vertreiben die gegnerische Kavallerie von den Flanken. Die keilförmig vorstoßenden böotischen Hopliten prallen mit großer Wucht auf den rechten Flügel der Gegner, wo die Mantineier stehen. Der mantineische Anführer Podares leistet erbitterten Widerstand, doch nach seinem Tod bricht die mantineische Phalanx und flieht vom Schlachtfeld. Während die Mantineier zurückweichen, versuchen Spartaner in einem letzten verzweifelten Angriff, Epameinondas durch Speerwürfe zu töten, wobei mehrere Geschosse seinen Körper treffen. Epameinondas erleidet eine tödliche Verwundung durch einen Angreifer, der in den Quellen verschieden als Antikrates, Machärion oder Gryllos, der Sohn Xenophons, bezeichnet wird, wird von seinen Soldaten vom Schlachtfeld getragen und auf die Höhe von Skopi gebracht, von der aus er den weiteren Verlauf der Schlacht beobachtet. Die von Epameinondas vorgesehenen Nachfolger Iolaidas und Daiphantos fallen ebenfalls in der Schlacht, sodass die thebanische Führungsspitze ausfällt. Nach der tödlichen Verwundung ihres Feldherrn kommt der siegreiche linke Flügel der Thebaner zum Stillstand und verfolgt die fliehenden Spartaner und Mantineier nicht weiter. Auf dem rechten Flügel gelingt der thebanischen Reiterei zwar ebenfalls ein Sieg über die spartanische Kavallerie, die sie verfolgt, doch die euphorisierten Hamippoi greifen unbesonnen die athenische Phalanx an und werden von den Athenern niedergemacht. Die Athener halten als einzige Einheit des spartanischen Bündnisses ihre Stellung und weichen nicht vom Feld. Gemäss Polyaenos denken die Mantineier zunächst darüber nach, Herolde zu den Thebanern zu schicken, um über die Bergung der Gefallenen zu verhandeln, werden aber vom Ratgeber Kineas davon abgebracht. Obwohl die Thebaner auf dem Schlachtfeld gesiegt haben, erleidet Theben durch den Tod Epameinondas einen schweren Schlag gegen seine Vormachtstellung. Auf dem Sterbebett, nachdem er vom Tod seiner engsten Führungsfiguren gehört hat, ordnet Epameinondas an, dass Theben Frieden schließen soll, obwohl es die Schlacht gewonnen hat. Ohne seine militärische und politische Führung schwindet die Aussicht Thebens, eine dauerhafte Hegemonie über Griechenland aufzubauen. Sparta wiederum, bereits durch frühere Niederlagen geschwächt, kann nach der erneuten Schlappe seine Verluste nicht ersetzen, da viele seiner Elitekrieger fallen und ihre Ausbildung und Erfahrung nur über Jahre hinweg zu ersetzen wären, was die spartanische Militärkraft dauerhaft mindert. Zeitgenössische Historiker wie Xenophon und Ephoros zeigen sich von der Unentschiedenheit des Ergebnisses enttäuscht, da die größte Ansammlung griechischer Städte keine klaren politischen oder territorialen Veränderungen hervorbringt. Die traditionelle Einteilung der griechischen Geschichtsschreibung in klar voneinander abgegrenzte Epochen kann die Bedeutung dieser Schlacht schlecht einordnen, weil nach Mantineia kein eindeutiger Hegemon hervorgeht. Für Autoren wie Xenophon bestätigt das Ergebnis den Eindruck, dass Griechenland grundsätzlich in einem Zustand der Unordnung existiert und keine Stadt dauerhaft die Vorherrschaft erlangen kann.
  • Folgen der Schlacht: Langfristig öffnet das Patt von Mantineia den Weg für den Aufstieg Makedoniens zur führenden Macht in Griechenland. Zwischen 368 und 365 hielt Theben den makedonischen Prinzen Philipp, den späteren König Philipp II., als Geisel, wobei er unter dem Einfluss Epameinondas eine gründliche militärische Ausbildung in dessen unkonventioneller Kriegsführung erhielt. 364 kehrte Philipp nach Makedonien zurück und nutzt seither die erlernten taktischen Konzepte, um mit einer reformierten makedonischen Armee die geschwächten griechischen Stadtstaaten zu unterwerfen und die makedonische Vorherrschaft zu etablieren. Im Anschluss an die Schlacht von Mantineia kommt es zu einer Erneuerung des Allgemeinen Friedens der griechischen Städte. Messenien bleibt unabhängig, der Arkadische Bund bleibt in eine Nord- und eine Südhälfte gespalten, im Übrigen wird am Status quo festgehalten. Sparta tritt dem Frieden nicht bei. Das erste Mal seit mehreren Jahrzehnten erlebt Griechenland eine längere Phase ohne Kriegshandlungen.

Sparta

  • König der Eurypontiden: Agesilaos II. (399–359/358)
    Agesilaos leitet zusammen mit seinem Sohn Archidamos (später Archidamos III.) die spartanischen Verteidigungsmaßnahmen gegen die thebanische Allianz. Dennoch kann er den Zerfall des Peloponnesischen Bundes, die Befreiung Messeniens und die Gründung neuer Städte wie Messene und Megalopolis, die der Eindämmung Spartas dienen, nicht verhindern und auch später nicht rückgängig machen. 362 kämpft Sparta gemeinsam mit Athen in der zweiten Schlacht von Mantineia gegen Theben; Sparta und seine Verbündeten können zwar den Tod Epameinondas herbeiführen, aber keine Wiederherstellung der eigenen Hegemonie erreichen. Ob Agesilaos bei Mantineia selbst das Oberkommando führt, lässt sich aus den überlieferten Quellen nicht mehr sicher feststellen.
  • Archidamos verteidigt Sparta mit großer Tapferkeit gegen Epaminondas' Angriff. Xenophon berichtet übertrieben, Archidamos halte mit nur 180 Mann der gesamten thebanischen Armee stand, bis Agesilaos rechtzeitig zurückkehrt und die bereits teilweise eroberte Stadt endgültig rettet.​ Die sechste Rede des Isokrates trägt den Namen Archidamos und ist wohl im Zusammenhang mit in Sparta geführten Friedensverhandlungen 366/365 gedacht, wird aber vielleicht erst einige Jahre später verfasst. In dieser Rede begründet Archidamos den Anspruch Spartas auf Messene und ermutigt seine Mitbürger, in dieser Frage nicht nachzugeben, was auch der tatsächlichen Stimmung in den Verhandlungen entspricht.
  • König der Agiaden: Kleomenes II. (370–309)
  • Fortsetzung 361

Bosporanisches Reich

Bithynien

Salamis

ODRYSEN

  • König Kotys I. (384–360)
    363 oder 362 entsendet Kotys den Feldherrn Miltokythes auf die thrakische Chersones, um Sestos für ihn zu erobern. Miltokythes belagert die Stadt, hungert sie aus und zwingt sie zur Kapitulation; danach greift er auch Krithote an, und herbeigeeilte athenische Feldherren können die bedrohten Städte nicht retten. Noch 362 erhebt sich Miltokythes gegen Kotys, bemächtigt sich des königlichen Schatzes im Hieron Oros und sieht sich dort bald von Kotys belagert.
  • Fortsetzung 361

ACHÄMENIDENREICH

  • Großkönig Artaxerxes II. (404–358)
  • Satrap Mithridates I. (Kios, 401-362)
    Ariobarzanes, der Satrap von Phrygien, wird von seinem eigenen Sohn verraten, der ebenfalls Mithridates heißt und in der Forschung häufig mit "Mithridates von Kios" bezeichnet wird. Dieser Sohn setzt den Vater fest und liefert ihn aus, sodass Ariobarzanes im Anschluss durch Kreuzigung hingerichtet wird. Die Namensgleichheit und die politische Nähe der handelnden Personen führen in der modernen Forschung zu der Annahme, dass hier eine dynastische Kontinuität besteht, doch bleibt die genaue genealogische Verbindung unsicher. Aus Diodor wird hergeleitet, dass zwischen dem älteren Mithridates (dem verstorbenen Dynasten), Ariobarzanes und dem jüngeren Mithridates (dem Verräter) eine Abfolge von Herrschaftsrechten angenommen werden kann. Diese Konstruktion wird jedoch von neueren Studien kritisch hinterfragt. Über viele Jahrzehnte akzeptiert die Forschung die Darstellung Diodors, wonach nach dem Tod eines Mithridates der Satrap von Phrygien dessen Reich übernimmt, weitgehend ohne Zweifel. Man versucht, unterschiedliche Überlieferungen zu Familienangehörigen des Mithridates so zu deuten, dass sie mit dieser Aussage vereinbar sind, doch bleibt das Ergebnis widersprüchlich. Eine neuere Studie von A. B. Bosworth und P. V. Wheatley kommt zu dem Schluss, dass Diodors Darstellung problematisch ist und möglicherweise zwei verschiedene Dynastien mit dem Namen Mithridates zu Unrecht zu einer einzigen Familie verschmolzen worden sind. Nach dieser Hypothese übernimmt nicht Ariobarzanes von Phrygien, sondern ein anderer Herrscher mit demselben Namen wie dieser Satrap – nämlich der Herrscher über Mariandynien und Mysien – die Nachfolge von Mithridates I. In diesem Modell ist der mariandynische und mysische Herrscher Mithridates der Sohn von Mithridates I., der wiederum als Herrscher über Mariandynien gilt, ein Reich, das auf die Familie des Gobryas, eines Sohnes Dareios’ I., zurückgeht.
  • Satrap Ariobarzanes II. (Kios, 362 bis 336)
    Ariobarzanes II. tritt die Nachfolge seines Vaters Mithridates I. an und übernimmt die Herrschaft über Mariandynien an der Südküste des Schwarzen Meeres. In den Jahren nach seinem Regierungsantritt schließt sich Ariobarzanes II. vermutlich dem sogenannten Satrapenaufstand in Kleinasien an, in dem mehrere persische Statthalter gegen die Zentralmacht rebellieren. Unter den führenden Gestalten dieses Aufstandes befindet sich ein anderer Ariobarzanes, der Satrap von Phrygien, mit dem er den Namen teilt und an dessen Seite er sich politisch positioniert. Trotz der Niederlage der Satrapen gelingt es Ariobarzanes II., seine Stellung zu bewahren, sodass seine Herrschaft in Mariandynien nicht angetastet wird und er weiterhin als loyaler, wenn auch zeitweise aufständischer Regionalherrscher im persischen Machtgefüge verbleibt. In einer späteren Phase seiner Herrschaft erhält Ariobarzanes II. zusätzlich zu Mariandynien auch Mysien und erweitert damit seinen Einfluss erheblich. Er übernimmt Mysien als Nachfolger von Orontes I., der zuvor als persischer Satrap über dieses Gebiet geherrscht hat und in Konflikt mit der Zentralmacht geraten ist. Wahrscheinlich verleiht Artaxerxes II. ihm Mysien als eine Art Belohnung für seine Unterstützung gegen den rebellierenden Satrapen aus Phrygien, sodass Ariobarzanes II. nun als zuverlässiger Verbündeter des Großkönigs erscheint und seine regionale Machtbasis deutlich stärkt.
    Anmerkung Rk: die französische Wikipedia bezeichnet Ariobarzanes II. als Satrapen; auf jeden Fall scheint er eindeutig im Einflussbereich des Achämenidenreichs zu sein.
  • Satrap Datames (Kappadokien, 380-362)
    In den frühen 360er Jahren kämpft Datames, der sich gegen Artaxerxes erhoben hat, weiterhin erfolgreich gegen die regulären Truppen des Großkönigs und dessen Verbündete. Auf dem offenen Schlachtfeld bleibt er ungeschlagen und wehrt mehrere Unternehmungen ab, die seine Satrapie und seine Stellung schwächen sollen. Gerade dieser anhaltende Erfolg führt dazu, dass seine Gegner nicht mehr auf direkte militärische Konfrontation setzen, sondern auf List und Verrat. Nach mehreren gescheiterten Attentaten und Komplotten gegen sein Leben gelingt es schließlich Mithridates, dem Sohn des Ariobarzanes, ihn zu täuschen. Mithridates gibt sich als Gegner des Königs und als Verbündeter des Datames aus, gewinnt damit sein Vertrauen; bei einer Unterredung nutzt Mithridates die Gelegenheit und lässt Datames ermorden. Die Chronologie der Ereignisse ist in den überlieferten Quellen nicht immer klar, doch die antiken Autoren Cornelius Nepos und Diodor legen nahe, dass Datames vor Artaxerxes II. stirbt, also wahrscheinlich im Jahr 362. Schon zu Lebzeiten und erst recht nach seinem Tod genießt Datames einen außergewöhnlichen Ruf als Feldherr. Seine Erfolge sprechen sich über die Grenzen des Perserreiches hinaus bis in die griechische Welt herum, obwohl er nie direkt gegen griechische Staaten in den Krieg gezogen ist. Der römische Autor Cornelius Nepos, dem die einzige zusammenhängende Biographie des Datames zu verdanken ist, bezeichnet ihn – mit Ausnahme der Karthager Hamilkar und Hannibal – als den tapfersten und fähigsten Heerführer unter den Nichtgriechen und Nichtrömern. Allerdings sind die Einzelberichte, insbesondere bei Polyainos, teilweise schwer einzuordnen, und die genaue zeitliche Einordnung einzelner Episoden bleibt unsicher. Dennoch gilt Datames in der historischen Forschung als einer der bedeutendsten Militärführer und Satrapen des 4. Jahrhunderts im Achämenidenreich, dessen Karriere exemplarisch die Spannungen zwischen zentraler königlicher Macht und mächtigen Provinzfürsten zeigt.
  • Satrap Ariamnes (Kappadokien, 362-350)
    Ariamnes I ist der Sohn des Satrapen Datames und regiert Kappadokien als Satrap im Zeitraum von 362–350; er ist der Vater von Ariarathes I und von dessen Bruder Orophernes (auch Holophernes genannt).
  • Satrap Mausolus (Karien, 377–353)
  • Fortsetzung 361

ÄGYPTEN

Spätzeit, 30. Dynastie

INDIEN

Anuradhapura

CHINA

Zeit der Streitenden Reiche
(38./39. Zyklus, Jahr des Erde-Schafes; am Beginn des Jahres Erde-Pferd)

Qin

  • Herzog Xian (384–362)
    Qin greift den Staat Wei nach 364 erneut an, diesmal bei Shaoliang (Shao-liang), im Gebiet des späteren Hancheng in der Provinz Shaanxi. In diesem Feldzug gelingt es dem Heer von Qin, den General Gongsun Cuo aus Wei gefangen zu nehmen. Im selben Jahr stirbt Xian im Alter von etwa 62 Jahren, nach insgesamt 23 Regierungsjahren. Er wird in Xiaoyu bestattet, in der Nähe seiner Hauptstadt Yueyang. Aus seiner Familie ist vor allem sein ältester Sohn bekannt, Kronprinz Quliang (Taizi Quliang), 381 geboren, der von 361 bis 338 als Herzog Xiao von Qin regiert. Ein zweiter Sohn, Prinz Jichang, wird genannt, ebenso Prinz Qian, der später als Großlehrer (Großtutor) des Königs Huiwen von Qin dient. 2009 erscheint Xian in der chinesischen Fernsehserie "Das Qin-Reich" (The Qin Empire), in der ihn der Schauspieler Xu Huanshan darstellt.
  • Fortsetzung 361

Zhou

Zhao

Wei

  • Markgraf Hui (369–344)
    Zwischen 362 und 359 tauscht Hui Gebiete mit Zhao im Norden und Han im Süden aus. Dadurch schafft er sinnvollere Staatsgrenzen, sichert die neue Hauptstadt und erhält mehr Kontrolle über wichtige Handelswege.
  • Fortsetzung 361

Qi

Chu

JAPAN

QUELLEN

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10.07.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt

26.01.2026 Grundstock ergänzt

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