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796 Chronik

WELTALL

  • 993–994: Miyake-Ereignis In den Jahren 993–994 n. Chr. ereignet sich ein weiteres starkes Miyake‑Ereignis, das erneut zu einem klar erkennbaren Anstieg kosmogener Isotope führt. Energieträchtige Teilchen aus dem Weltraum verstärken die Bildung von C14 in der Erdatmosphäre und verursachen so einen charakteristischen Peak im Radiokohlenstoff‑Profil von Baumringen, der für diese Jahre deutlich hervortritt. Bei Untersuchungen japanischer Zedern identifizieren Forschende einen zweiten, vom Ereignis 774–775 n. Chr. unabhängigen Peak, der die Jahre 993–994 n. Chr. markiert und damit ein weiteres, zeitlich scharf begrenztes Strahlungssignal liefert. Dieses Ereignis ergänzt die wachsende Liste bekannter Miyake‑Ereignisse und bestätigt, dass solche Ausbrüche in der jüngeren Erdgeschichte wiederholt und mit erheblicher Intensität auftreten. Für die heutige Forschung bildet der Peak von 993–994 n. Chr. zusammen mit dem von 774–775 n. Chr. ein wichtiges Instrument der Feindatierung, da sich archäologische Hölzer an zwei verschiedenen, unabhängig überprüfbaren Radiokohlenstoff‑Signaturen ausrichten lassen.
  • Fortsetzung 2012
  • 2012: Miyake-Ereignis Im Jahr 2012 veröffentlicht die japanische Astronomin Fusa Miyake an der Universität Nagoya erste Ergebnisse über derartige Strahlungsausbrüche in der Fachzeitschrift Nature und etabliert damit den Begriff Miyake‑Ereignis. Sie analysiert den C14‑Gehalt in den Jahresringen japanischer Zedern und entdeckt dabei starke Anstiege für die Jahre 774–775 n. Chr. und 993–994 n. Chr., die sich deutlich von der Hintergrundvariation abheben. Mit Hilfe der Beschleuniger‑Massenspektrometrie weist sie die winzigen Mengen an Radiokohlenstoff nach und rekonstruiert den zeitlichen Verlauf der Peaks mit hoher Genauigkeit. In der Folge setzen sich die Bezeichnungen Miyake‑Ereignis und Miyake event als Fachtermini für solche kurzzeitigen, extremen Anstiege kosmogener Isotopproduktion durch, die in Baumringen und Eisbohrkernen erkennbar sind. Die Veröffentlichung löst eine Reihe weiterer Studien aus, in denen Forschende zusätzliche Ereignisse identifizieren und die Bedeutung dieser Strahlungsausbrüche für die Chronologie‑Forschung und das Verständnis der Sonnen‑ und Weltraumphysik untersuchen.
  • 2022: Miyake-Ereignis Im Jahr 2022 legt Fusa Miyake mit ihrem Team eine weitere Studie vor, in der sie hochpräzise C14‑Daten aus Baumringen eines Alaskanischen Baumes für den Zeitraum 1844–1876 n. Chr. auswertet und darin keine Signatur eines extremen solaren Teilchenereignisses findet. Diese Ergebnisse erscheinen unter dem Titel „No signature of extreme solar energetic particle events in high‑precision 14C data from the Alaskan tree for 1844–1876 CE“ und dienen als wichtiger Referenzdatensatz für die Abgrenzung normaler solaren Aktivität von extremen Ausbrüchen. Parallel dazu untersucht die Arbeitsgruppe Eisbohrkerne aus Alaska und der Antarktis sowie weitere Baumring‑Serien und identifiziert zusätzliche Ausbrüche kosmischer Strahlung um 7176 v. Chr., 5410 v. Chr. und 5259 v. Chr. Diese Funde erweitern die bekannte Liste der Miyake‑Ereignisse deutlich in die ferne Vergangenheit und zeigen, dass solche Ereignisse im Mittel ungefähr alle tausend Jahre auftreten, auch wenn die tatsächlichen Abstände stark schwanken können.
  • 2023: Miyake-Ereignis Im Jahr 2023 wird ein weiteres, besonders extremes Ereignis beschrieben, das um das Jahr 12 350 v. Chr. stattfindet und sich im Nachhinein als das stärkste bekannte Miyake‑Ereignis herausstellt. Neue hochauflösende Analysen von Baumringen und anderen natürlichen Archiven machen den außergewöhnlich hohen Peak in der C14‑Konzentration sichtbar und erlauben eine genauere Rekonstruktion von Dauer und Intensität des Ausbruchs. Forschende erkennen, dass dieses Ereignis alle zuvor dokumentierten Miyake‑Ereignisse an Stärke übertrifft und damit neue Fragen nach den zugrunde liegenden astrophysikalischen Mechanismen aufwirft. Die Veröffentlichung des Ergebnisses verankert 12 350 v. Chr. als neuen Extremfall in der Statistik solcher Strahlungsausbrüche und verdeutlicht, welches Potential Miyake‑Ereignisse als natürliche Experimente für das Verständnis kosmischer Strahlung besitzen.
  • zuletzt 786

KLIMA

  • zuletzt 764

MAYA

Palenque

Talol

  • 801: Im Jahr 801 endet das Leben von Ukit Kan Lek Tok, der als bedeutendster Herrscher von Ek Balam in der Späten Klassik gilt. Spätere Herrscher der Stadt, darunter Kan Bohb Tok, der 814 stirbt, Ukit Jol Ahkul, der 830 stirbt, und Kinich Junpik Tok Kuh, der 870 stirbt, verehren ihn offensichtlich als Dynastiestifter. Seine Regierungszeit bleibt als Neuanfang in Erinnerung, an dem sich die nachfolgenden Fürsten orientieren und mit dem sie ihre eigene Legitimität verbinden. Die späteren Inschriften der Stadt greifen seinen Namen und seine Taten auf und verankern ihn dauerhaft im kollektiven Gedächtnis von Ek Balam. So lebt die Erinnerung an Ukit Kan Lek Tok als zentrale Figur der Geschichte Talols in den Monumenten, Inschriften und dem städtischen Layout von Ek Balam fort.

Tikal

Xunantunich

  • 820: Aus dem Jahr 820 berichtet die Stele 8 von einem Ritual, das gemeinsam in Xunantunich von den Herrschern Xunantunichs und des Naranjos ausgeführt wird. Als möglicher letzter Herrscher Naranjos wird Waaklajuun Ub’aah K’awiil genannt.
  • Fortsetzung 830
  • 830: Die Stele 9 in Xunantunich aus dem Jahr 830 ist der Stele 8 überaus ähnlich. Sie lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass derselbe Regent zu dieser Zeit noch Xunantunich regiert.
  • 849: Stele 1 und Altar 1 in Xunantunich sind auf das Jahr 849 datiert. Der zu dieser Zeit herrschende Regent ist nicht mehr identisch mit dem der Jahre 820 und 830. Möglicherweise werden die beiden Monumente als Widmung im Zuge einer Renovierung der Struktur A-1 in Anwesenheit eines weiteren Herrschers errichtet. Sie sind die letzten bekannten datierbaren Inschriften Xunantunichs. Zwischen 849 und 890 wird Katuutzwitz im Zuge des allmählichen Zusammenbruchs der Maya-Zivilisation endgültig verlassen. Damit endet die nachweisbare Nutzung des Ortes als besiedeltes Zentrum.

Copan

  • 810: In den Quellen wird Yax Pasaj Chan Yopaat bis 810 oder sogar noch etwas länger als Herrscher aufgeführt. Nach seinem Tod gerät Copán in eine Phase des Niedergangs; Teile der Bevölkerung verlassen Copán wandern und in andere Stadtstaaten ab.
  • Fortsetzung 822
  • 822: Ajaw Ukit Took (822-830) (letzter Herrscher von Copán)
  • zuletzt 763

PRÄ-INKAS

  • zuletzt 700

NORDGERMANEN

  • Die ersten Wikingerüberfälle auf Irland: Iona, Inisbofin und Inismurray werden geplündert.

PIKTEN

  • 805: Conall: Conall ist von 805 bis 807 König der Schotten von Dál Riata. In einer anderen Fassung wird Conall mac Taidg als König von Dál Riata von 805 bis zu seinem Tod um 807 genannt. Nach einer französischsprachigen Darstellung scheint Conall mac Teigd, aus dem piktischen Reich vertrieben, sich auf Dál Riata zurückzuziehen, wo er König wird.
  • Fortsetzung 807
  • 807: Conall: Im Jahr 807 verzeichnen die Annalen die Tötung Conalls, Sohn von Tadc, durch Conall, Sohn von Aedacán, in Cenn Tíre. Cenn Tíre ist die altirische Bezeichnung für die Halbinsel Kintyre, und Conall, Sohn von Aedacán, wird üblicherweise Conall mac Áedáin genannt. In der griechischen Fassung wird „der Tod Conalls, Sohn von Tánd, durch Conall, Sohn von Aéndakan im Cen Tír“ vermerkt, wobei Cen Tír eine alte irische Bezeichnung für Kintyre ist, und Conall, Sohn von Aéndakan, identisch ist mit Conall mac Aendain, König von Dál Riata. Eine weitere Fassung hält fest, dass 807 „die Ermordung Conalls mac Tadg durch Conall mac Áedáin in Cenne Tire“ erfolgt.
  • 807: Conall mac Taidg erscheint später noch einmal in Kintyre, wo er 807 getötet wird. Dieser spätere Tod steht im Zusammenhang mit der früheren Schlacht, wird aber als eigener Jahrespunkt erwähnt.
  • 811: Causantíns Sohn Domnall wird nach der Darstellung im Text von etwa 811 an König von Dál Riata. Der Text nennt diesen Zeitraum als ungefähr von 811 bis 835.
  • 815: Andrew von Wyntoun datiert die Gründung von Dunkeld auf 815. Er sagt zugleich, dass dies nach dem Tod von Karl dem Großen und Papst Leo III. geschehe, was die Datierung auf 816 oder später verschiebt.
  • 818: Für 818 verweist der Text auf einen Eintrag im Chronicon Scotorum. Auf dieser Grundlage wird die Vorstellung gestützt, dass die Reliquien des Heiligen Kolumba schon zur Zeit Causantíns nach Dunkeld gelangen, also nicht erst dreißig Jahre später zur Zeit von Cináed mac Ailpín.
  • 820: Im Jahr 820 liegt der zweite Bericht über Causantín vor: Sein Tod wird in diesem Jahr vermerkt. Nach ihm folgt sein Bruder Óengus als Herrscher der Pikten.
  • zuletzt 789

KELTEN

  • Reihenfolge der Irischen Königreiche:
    Ulster (Northern Uí Néill)
    Ulaid
    Argyll / Oriel
    Brefni
    Connacht
    Meath (Southern Uí Néill)
    Dubh Linn
    Leinster
    Wexford
    Waterford
    Ossory
    Munster
    Limerick
    Cork

Uí Néill

  • 797: Donnchad Midi: Seine Herrschaft endet am 6. Februar 797, als er in Clonard stirbt, nachdem er fast drei Jahrzehnte lang zuerst als König von Mide und dann als Hochkönig die irische Politik geprägt hat. Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn Domnall als König von Mide nach, wird aber schon 799 von Verwandten ermordet, während andere Söhne wie Conchobar und Máel Ruanaid in der Folgezeit selbst Könige von Mide und Vorfahren späterer Hochkönige werden, sodass Donnchads Dynastie bis zu Máel Sechnaill mac Máele Ruanaid und weiter zu Máel Sechnaill mac Domnaill im 10.–11. Jahrhundert an der Spitze Irlands bleibt.
  • Fortsetzung 797
  • Liste der Hochkönige
  • Zuletzt 779

Ailech

  • 797: Nach dem Tod von Donnchad Midi am 6. Februar 797 sorgt Áed dafür, als König von Tara anerkannt zu werden. Er besiegt bei Druim Ríg zwei Brüder Donnchads sowie einen weiteren Fínsnechta und verwüstet später im Jahr Mide; die Annalen von Ulster setzen damit den Beginn seiner Herrschaft an.
  • Fortsetzung 802
  • 802: 802 stirbt Muiredach, König von Mide. Áed zieht nach Mide, teilt die Gebiete von Clann Cholmáin zwischen Ailill und Conchobar, den Söhnen Donnchads, und versucht so offenbar, mögliche Gegner zu schwächen.
  • 803: 803 treffen Ailill und Conchobar bei Rath Conaill aufeinander. Ailill fällt, und Conchobar bleibt als alleiniger König von Mide zurück.
  • 804: 804 richtet Áed seine Aufmerksamkeit auf Leinster und verwüstet das Gebiet zweimal in einem Monat. Fínsnechta Cethardec unterwirft sich ihm im selben Jahr. Ebenfalls 804 findet in Dún Cuair eine Versammlung der Synoden der Uí Néill statt, bei der die Geistlichkeit von militärischen Pflichten befreit wird; dort wird Áed möglicherweise auch als König geweiht.
  • 805: 805 zieht Áed nach Dún Cuair und setzt Muiredach mac Ruadrach sowie Muiredach mac Brain als gemeinsame Könige von Leinster ein.
  • 806: 806 hilft Muirgius mac Tommaltaig dem geflohenen Fínsnechta, seinen Thron wiederzugewinnen. Im selben Jahr lässt Áed das Gesetz des heiligen Patrick verkünden.
  • 808: 808 erhebt Conchobar von Mide Anspruch auf die Hohe Königswürde und geht mit Muirgius von Connacht bis zu den Versammlungsplätzen von Tailtiu vor, zerstreut sich aber angesichts von Áeds Heer. Áed verfolgt sie und brennt die Grenzen von Mide nieder.
  • 809: 809 zieht Áed gegen die Ulaid und besiegt sie; dabei verwüstet er das Gebiet vom Bann bis Strangford Lough. Der Anlass ist offenbar die Tötung von Dúnchú, dem Vorsteher des Klosters von Tulach Léis. Im selben Jahr greift Áed erneut Leinster an und wird an den Ufern des Liffey geschlagen.
  • 811: 811 verhindert ein Boykott des Klerus die Abhaltung des Marktes von Tailtiu. Hintergrund ist die Kränkung der Gemeinschaft von Tallaght während Áeds Feldzug gegen Leinster im Jahr 809; Áed gleicht den Vorfall später aus.
  • 815: 815 wird einer von Áeds Brüdern, Colmán mac Néill, von Cenél Conaill getötet. Áed führt daraufhin einen Vergeltungszug gegen sie.
  • 817: 817 kommt es zu einem weiteren Konflikt mit der Kirche: Die Columbanische Kirche geht nach Tara und exkommuniziert Áed. Anlass ist offenbar die Tötung von Mael Dúin, dem Vorsteher von Ráith Both, und der Vorgang steht wahrscheinlich mit Áeds Feldzug gegen Cenél Conaill im Jahr 815 in Zusammenhang.
  • 818: 818 sammelt Áed seine Truppen erneut in Dún Cuair und greift Leinster an; er teilt das Land zwischen seinen beiden Kandidaten, doch beide können ihre Stellung nicht halten. Ebenfalls 818 wird der Vizeabt von Cell Mór Enir von den Laigin getötet, und Cuanu, Abt von Lugmad, flieht mit dem Schrein des heiligen Mochtae ins Exil nach Munster. Áed zieht daraufhin erneut gegen Leinster und verwüstet das Land von Cualu bis Glenn dá Locha.
  • 819: 819 stirbt Áed nahe Áth dá Ferta im Gebiet von Conaille Muirtheimne im heutigen County Louth. König Murchad mac Máele Dúin (819–823)
  • Könige von Ailech
  • zuletzt 794

Ulaid

  • 801: Die Ulaid ziehen gegen die Uí Echach Cobo im westlichen Teil von County Down in den Krieg, wahrscheinlich um ihre Autorität durchzusetzen. Die Ulaid siegen und töten den König von Coba, Eochu mac Aililla. Auf Seiten der Ulaid fällt Cairell mac Cathail aus dem Zweig der Leth Cathail.
  • Fortsetzung 809
  • 809: Der Hochkönig Áed Oirdnide zieht gegen die Ulaid zu Felde und besiegt sie; dabei verwüstet er das Gebiet von der Bann bis zum Strangford Lough. Als Anlass für diesen Konflikt wird offenbar die Tötung von Dúnchú, dem Vorsteher von Tulach Léis in Tullylisk, County Down, durch die Ulaid genannt. Danach folgt ein Bürgerkrieg, in dem Eochaid von seinem Bruder Cairell mac Fiachnai besiegt wird. Die Annalen berichten, dass Eochaid aus dieser Schlacht entkommt, und Historiker setzen seinen Tod auf 810 an.
  • 810: Eochaid mac Fiachnai stirbt. Er gilt als Dal-Fiatach-König von Ulaid und als Herrscher, der von 790 bis 810 regiert. Mit ihm verbinden sich außerdem die Gründung von Dún Echdach, das später zum Königssitz des Dál Fiatach wird, sowie die Söhne Muiredach mac Eochada, der ebenfalls König von Ulaid wird, und Áed mac Eochada, der drei Könige von Ulaid zeugt. König Cairell mac Fiachnai (810–819)
  • Liste der Könige
  • zuletzt 789

Connacht

  • König Colla mac Fergusso (792–796)
    Colla mac Fergusso stirbt 796. In den Annalen von Inisfallen wird er bei seinem Todesnachruf als König von Connacht bezeichnet, während die Annalen von Ulster ihn nur als „König der Uí Briúin“ anführen. Der Text sagt außerdem, dass Colla der letzte König aus dem Síl-Cellaig-Sept ist. Dieses Sept wird später aus seinem Siedlungsgebiet durch die Uí Briúin Seóla verdrängt.
  • König Muirgius mac Tommaltach (796–815)
  • Fortsetzung 815

Meath

Leinster

  • 803: Fínsnechta Cethardec: Im Jahr 803 wird Óengus mac Mugróin, König der Uí Fhailgi, von Leuten Finsnechtas treulos getötet. Zugleich verschärft Finsnechta seinen Einfluss auf die Kirche von Kildare und gerät dadurch in Feindschaft mit den Uí Failghe von Offaly.
  • Fortsetzung 804
  • 804: Fínsnechta Cethardec: Im Jahr 804 zieht der Oberkönig Áed Oirdnide mac Neill mit dem Cenél nEógain nach Leinster und bringt Finsnechta zur Unterwerfung. Áed sammelt außerdem die Kräfte des Leath Cuinn in Dún Cuair an der Grenze von Leinster und greift Leinster zweimal innerhalb eines Monats an.
  • 805: Fínsnechta Cethardec: Im Jahr 805 kehrt der Oberkönig zurück und setzt Finsnechta ab. Er setzt Muiredach mac Ruadrach von den Uí Fáeláin und Muiredach mac Brain von den Uí Muiredaig als Mitkönige ein.
  • 806: Fínsnechta Cethardec: Im Jahr 806 findet Finsnechta bei Muirgius mac Tommaltaig, dem König von Connacht, Zuflucht, und Muirgius hilft ihm, seinen Thron zurückzugewinnen. Finsnechta besiegt dabei die Söhne von Ruaidrí mac Fáeláin, Muiredach und Diarmait, und er gewinnt nach seiner Rückkehr nach Leinster wieder die Herrschaft. Ebenfalls im Jahr 806 wird der Uí-Failghe-König Flaithnia mac Cináeda in seinem Fort in Rathangan getötet.
  • 808: Fínsnechta Cethardec: Im Jahr 808 stirbt Finsnechta Cethardec mac Cellaig in Kildare laut den Annalen an einer Hämorrhoidenkrise. König Muiredach mac Brain (808–818)
  • 818: 818–834: Muiredach mac Brain, Sohn Brans und Ethnes, stirbt im Jahr 818, nachdem er zuvor als König oder Mitkönig von Leinster regiert hat. Cellach mac Brain, ein weiterer Sohn Brans, ist im Zeitraum von 829 bis 834 als König von Leinster überliefert und stirbt im Jahr 834, womit die von Bran Ardchenn ausgehende Linie der Uí Muiredaig in den Quellen fortgeführt wird.
  • Könige von Leinster
  • zuletzt 795

Uí Mháine

Dalriada

Gwynedd

  • König Caradog ap Meirion (754-798)
    Bei den Rhuddlan‑Mooren (walisisch Morfa Rhuddlan) kommt es zu einer Schlacht, deren Parteien wie auch deren Ausgang in den Quellen nicht genannt werden. Das Werk Brut Aberpergwm, das lange als mittelalterlicher walisischer Text gilt und deshalb von den Herausgebern der Myvyrian Archaiology als echt akzeptiert wird, berichtet, Caradog falle in dieser Schlacht. Später stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei Brut Aberpergwm um eine Fälschung von Iolo Morganwg handelt, wobei Thomas Stephens als Erster die Echtheit dieses Textes anzweifelt.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Die einzigen gesicherten Hinweise auf Caradog in der historischen Überlieferung sind zum einen das Auftauchen seines Namens in Genealogien, etwa in der Handschrift Jesus College MS. 20, und zum anderen der Eintrag zu seinem Tod in den Annales Cambriae (bei Phillimore unter dem Jahr 798), der berichtet, dass er von Angelsachsen, vermutlich den Merciern, getötet bzw. "die Kehle durchgeschnitten" wird. Die Genealogie in Jesus College MS. 20 hält fest, dass der spätere König Hywel (Regierungszeit etwa 816 bis 825) der Sohn Caradogs ist. Demgegenüber vertreten historische Darstellungen wie die von John Edward Lloyd die Auffassung, Hywel sei der Sohn von Caradogs Vorgänger und der Bruder seines Nachfolgers, König Cynan (Regierungszeit etwa 798 bis 816), ohne dass Lloyd für diese Behauptung Quellen nennt. König Cynan Dindaethwy (798-816)
  • Fortsetzung 798
  • Zuletzt 768

Königreich Powys

  • König Cadell ap Brochfael (773–808)
    Im Jahr 796 wird ein weiterer Feldzug Offas gegen Wales überliefert, der erneut Powys stark belastet. Cadell regiert nun bereits über zwei Jahrzehnte und erlebt, wie Mercia seine Machtposition im angelsächsischen Raum konsolidiert, während Powys als unmittelbarer westlicher Nachbar besonders oft Ziel von Vorstößen wird. Die Grenzkonflikte bleiben dabei wechselseitig, denn neben Landverlusten der Powysier zeigen die Berichte auch, dass Überfälle und Angriffe von walisischer Seite auf mercische Gebiete stattfinden. In dieser späten Phase von Offas Herrschaft entsteht der große Grenzwall, der als Offa’s Dyke bekannt wird und gegen Ende des 8. Jahrhunderts die Grenze zwischen England und Wales – mit gewissen Abweichungen – langfristig vorgibt. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts lässt Offa von Mercia einen langen Grenzwall anlegen, der später Offa’s Dyke genannt wird und die Trennlinie zwischen Mercia und den walisischen Königreichen markiert. Cadell herrscht während der Errichtung dieses Walles in Powys und erlebt, wie eine bauliche Grenze entsteht, die militärische, politische und symbolische Bedeutung besitzt und den jahrzehntelangen Druck Mercia auf Wales in eine dauerhafte Linie aus Erdwällen und Gräben übersetzt. Der Dyke verläuft über weite Strecken entlang der späteren Grenze zwischen England und Wales und spiegelt die Ergebnisse der Grenzkonflikte wider, bei denen Powys Land verliert, aber als eigenständiges Königreich bestehen bleibt. Für Cadell bedeutet diese Entwicklung, dass die Konfliktlinie zu Mercia zwar befestigt, sein Reich jedoch nicht vollständig unterworfen wird, sodass er seine innere Herrschaft und die Beziehung zu den übrigen walisischen Fürstentümern weiterhin aktiv gestalten kann.
  • Fortsetzung 808
  • 808: Tod Cadells und dynastischer Übergang: Im Jahr 808 verzeichnen die Annales Cambriae den Tod Cadells, den die Forschung über eine Rekonstruktion der Chronologie dorthin datiert. Er stirbt nach einer mehr als dreißigjährigen Herrschaft, in der er die Unabhängigkeit von Powys trotz ständiger Rivalität mit den walisischen Nachbarn und des massiven Drucks durch Mercia wahrt. Auf Cadell folgt sein Sohn Cyngen ap Cadell als König von Powys, der bis 855 regiert und als letzter Herrscher der Cadelling‑Dynastie – also der Linie des Vortigern – gilt, die seit dem 5. Jahrhundert die Geschicke Powys’ bestimmt hat. In der Erinnerung an Cadell spiegelt sich ein Herrscher, der in einer von Machtkämpfen geprägten Zeit sein Reich behauptet und dessen Name sogar auf der Säule des Eliseg (als „Cattell“) eingraviert wird, die sein Sohn um 850 zu Ehren des Großvaters Elisedd errichten lässt.
  • Fortsetzung 820
  • 820: (Lebenszeit des Enkels Rhodri Mawr) Um 820 wird Rhodri Mawr, der Enkel Cadells über dessen Tochter Nest, geboren, der später als König von Gwynedd und Erbe von Powys eine herausragende Stellung in Wales einnimmt. Nest, Cadells Tochter, heiratet Merfyn Frych, König von Gwynedd von 825 bis 844, und verbindet dadurch das Haus Powys mit der Dynastie von Gwynedd. Rhodri wächst somit in einem Umfeld auf, in dem die Tradition Powys’ und Gwynedds zusammenfließen, und erlangt später als „der Große“ bedeutende Macht über große Teile von Wales. Diese Entwicklung zeigt, dass Cadells Herrschaft und seine Nachkommen langfristig die politische Landschaft von Wales prägen, indem sie durch Heirat und Erbfolge Königreiche verbinden, die zuvor Rivalen gewesen sind.
  • 850: Säule des Eliseg als dynastisches Denkmal: Um das Jahr 850 lässt Cyngen ap Cadell, Sohn Cadells und damaliger König von Powys, die Säule des Eliseg errichten, die seinem Großvater Elisedd ap Gwylog gewidmet ist. Dieses Monument trägt eine Inschrift, in der auch Cadell unter der Namensform „Cattell“ erwähnt wird und die die Abstammungslinie der Herrscher von Powys bis zurück zu Vortigern und darüber hinaus zu Magnus Maximus nachzeichnet. Cyngen nutzt die Säule, um den dynastischen Anspruch seiner Familie zu betonen und die Kontinuität der Herrschaft von Powys trotz der andauernden Bedrohungen durch Mercia und interne walisische Konflikte sichtbar zu machen. Damit setzt er dem Wirken seines Vaters Cadell und dessen Vorfahren ein dauerhaftes Zeichen in der Landschaft, das zugleich politische Propaganda und Familiendenkmal ist.
  • 855: Ende der Cadelling‑Herrschaft über Powys: Im Jahr 855 stirbt Cyngen ap Cadell im Exil in Rom, und mit seinem Tod endet die direkte Herrschaft der Cadelling‑Dynastie über Powys. Das Königreich geht an Rhodri Mawr, den Sohn von Nest ferch Cadell und Merfyn Frych, über, der bereits König von Gwynedd ist und nun auch die Herrschaft über Powys übernimmt. Rhodri vereinigt damit zentrale walisische Herrschaftsgebiete in einer Hand und gilt als erster Herrscher in Wales, der den Beinamen „der Große“ erhält, was die langfristige Bedeutung der von Cadell ausgehenden Linie für die Geschichte des Landes unterstreicht. Die Ereignisse von 855 zeigen rückblickend, dass Cadells Politik der Bewahrung der Unabhängigkeit Powys’ und die dynastischen Verbindungen seiner Nachkommen die Grundlage für eine spätere größere Einheit innerhalb Wales bilden.
  • zuletzt 784

ANGELSACHSEN

Northumbria

  • König Æthelred I. (2. Amtszeit 790–796)
    Am 18. April erreicht eine von den Ealdormen Ealdred und Wada angeführte Verschwörung ihr Ziel, denn Æthelred fällt in Cobre (dem späteren Corbridge) einem Attentat zum Opfer. Nach seiner Ermordung zieht sich seine Witwe Ælfflæd in ein Kloster zurück, während in den anschließenden Wirren Osbald, vermutlich ein Angehöriger des northumbrischen Königshauses, zum neuen König erhoben wird.
  • König Osbald (796)
    Nach Æthelred Tod wird a 18. April zunächst Osbald dessen Nachfolger als König von Northumbria. Bereits nach 27 Tagen wird er abgesetzt und muss zunächst ins Kloster Lindisfarne fliehen. Wenig später erhält er Asyl bei den Pikten unter König Caustantín mac Fergusa.
  • König Eardwulf (1. Amtszeit 796-806)
    Eardwulf kehrt aus dem Exil zurück und besteigt am 14. Mai den Thron. Am 26. Mai 796 wird er in York von Erzbischof Eanbald I. und den Bischöfen Æthelberht von Hexham, Higbald von Lindisfarne und Baldwulf von Whithorn gekrönt. Alkuin kritisiert, dass Eardwulf bald nach seiner Krönung seine Frau verstößt und mit einer Konkubine zusammenlebt. Eanbald II. wird Erzbischof von York und gerät mit Eardwulf in Konflikt.
  • Erzbischof Eanbald I. (York, 780-796)
    Am 26. Mai weiht Eanbald in York Ælfwald von Northumbria zum König. Am 10. August stirbt Eanbald im Kloster Etlete oder Edete, dessen genaue Lage nicht bestimmt ist. Er wird im York Minster begraben.
  • Erzbischof Eanbald II. (York, 796–808) 7
    Eanbald II. zum Nachfolger seines Namensvetters für das Erzbistum York geweiht. Er ist zuvor von Alkuin unterrichtet worden, als Alkuin Lehrer an der Schule von York ist, und Alkuin nennt ihn liebevoll „Simeon“. Eanbald wird am 14. August konsekriert. Alkuin schreibt Eanbald häufig und legt viele Regeln für die Leitung seiner Provinz fest. Er sendet viele Geschenke nach York, darunter eine Schiffsladung Metall für das Dach des Glockenturms von York Minster. Eanbald entfremdet sich von Eardwulf, dem König von Northumbria, nachdem er Eardwulfs Ehebrüche anprangert und Eardwulfs Gegner in kirchlichem Schutz aufnimmt.
  • Higbald (Lindisfarne, 780–802)
    Higbald beteiligt sich in York an der Krönungszeremonie des Königs Eardwulf von Northumbria. Neben Erzbischof Eanbald I. nehmen auch die Bischöfe Æthelberht von Hexham und Beadwulf (Baldulf) von Whithorn daran teil.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Eardwulf: Im Jahr 798 führt der Ealdorman Wada, der sich den Mördern König Æthelreds angeschlossen hatte, eine Revolte gegen Eardwulf an. Die Revolte wird möglicherweise von Osbald unterstützt. In der Schlacht von Billingahoth bei Walalege in Lancashire besiegt Eardwulf am 2. April die Aufständischen. Die Schlacht ist für beide Seiten verlustreich. Eardwulfs königliche Macht erhält zunächst wieder Geltung.
  • 798: Eanbald: 798 versammelt Eanbald seinen Klerus zu einer Synode in Finchale bei Durham. Dort erlässt er mehrere Regelungen zu den kirchlichen Gerichten und zur Osterfeier. Er unterstützt Æthelhard, den Erzbischof von Canterbury, bei der Wiedererlangung der Rechte des Bischofssitzes von Canterbury, die von Offa enteignet worden sind. Er schreibt möglicherweise als Erster das Römische Ritus in der Kirche von York ein.
  • Fortsetzung 799
  • 799: Eardwulf: Im Jahr 799 lässt Eardwulf den Ealdorman „Moll“ hinrichten. Moll ist wahrscheinlich ein Nachfahre des ehemaligen Königs Æthelwald Moll. Eardwulf hat zur Kirche ein ambivalentes Verhältnis. Erzbischof Eanbald II. von York gewährt Eardwulfs Feinden Asyl und eignet sich einige Ländereien an, worauf Eardwulf schließlich militärisch vorgeht. Die Klöster in Ripon und Hexham scheinen Eardwulf zu unterstützen.
  • 800: Eardwulf: Im Jahr 800 wird Alcmund von den Wachen Eardwulfs ermordet. Alcmund ist angeblich ein Sohn des ehemaligen Königs Ealchred. Alcmund wird in Derby beigesetzt und als Heiliger verehrt. Die Bestattung in Mercia weist auf eine Einmischung Cenwulfs von Mercia in die northumbrische Politik hin.
  • 801: Eardwulf: Nachdem König Cenwulf northumbrische Exilanten an seinem Hof aufgenommen hat, fällt König Eardwulf im Jahr 801 in Mercia ein. Durch Vermittlung englischer Bischöfe wird jedoch ein für beide Seiten akzeptables Friedensabkommen geschlossen.
  • 802: Higbald: Nach der Angabe von Florentius von Worcester stirbt Higbald im Jahr 802, möglicherweise aber auch erst am 25. Mai 803. Abweichend davon wird auch der 24. Juni 803 genannt. Bischof Egbert (802–821)
  • 806: Eardwulf: Im Jahr 806 wird Eardwulf aus Northumbria vertrieben. Möglicherweise zieht Cenwulf von Mercia im Hintergrund die Fäden. Ælfwald II. usurpiert den Thron. Eardwulf flieht nach Nijmegen an den Hof Karls des Großen und schließt mit ihm eine Allianz. Mit seinem Sturz beginnt die Zeit seines Exils. König Ælfwald II. (806808)
  • 808: König Eardwulf (2. Amtszeit 808-810/812/830): Im Jahr 808 fährt Eardwulf nach Rom, um sich die Unterstützung des Papstes Leo III. zu sichern. Er kehrt wohl auch im Jahr 808 in Begleitung des Diakons Aldulfus und der Äbte Hruotfridus und Nantharius nach Northumbria zurück. Durch die Intervention der fränkischen Gesandten gelangt er wieder auf den Thron. Die Frankische Quelle sagt ausdrücklich, dass Eardwulf „in sein Königreich zurückgebracht“ wird.
  • 808: Eanbald: Um 808 stirbt Eanbald. In der Überlieferung wird auch ein späteres Todesjahr bis etwa 830 genannt, wenn numismatische Belege richtig sind. Erzbischof Wulfsige (York, 808-837)
  • 810: Eardwulf: Für das Jahr 810 nennt der Text den Sohn Eanred als Nachfolger auf dem Thron nach Roger von Wendover. Außerdem wird Eardwulfs Sterbedatum um 810 angesetzt. Weitere Ereignisse werden für dieses Jahr im Text nicht genannt.
  • 813: Bischof Tidfrith (Hexham, 813-821/822)
  • 830: Eardwulf: Für das Jahr 830 nennt der Text eine mögliche zweite zeitliche Grenze für Eardwulfs Tod. Nach einer neueren Deutung endet Eardwulfs zweite Herrschaft um 830. In derselben Deutung werden auch die Regierungszeiten der späteren Könige von Northumbria entsprechend verschoben. Eardwulf wird im Kloster von Breedon on the Hill beigesetzt, wo ihm die Church of St Mary and St Hardulph geweiht wird.
  • 875: Mönche fliehen wegen Wikingerüberfällen aus Lindisfarne und nehmen Cuthberts Gebeine mit.
  • 995: Nach einer langen Odyssee ruhen Cuthberts Gebeine in der Kathedrale von Durham.
  • 998: Weihe einer steinernen Kirche in Durham als Ruhestätte der Heiligen
  • 'Zuletzt 796

Mercia

Leicester 52° 38′ N, Lichfield 52° 41′ N

  • König Offa (757–796)
    Am 26. Juli stirbt Offa nach fast vierzigjähriger Regierung als König von Mercia. König Ecgfrith (787–796)
    Offas Sohn Ecgfrith tritt die Nachfolge an, stirbt jedoch bereits am 14./17. Dezember.
  • König Cenwulf (796–821)
    Cenwulf wird im Dezember nach dem Tod seines Vorgängers Ecgfrith zum König von Mercia erhoben. Zu Beginn seiner Herrschaft hält er sich mit dem Aufstand in Kent auseinander, der schon kurz vor Offas Tod ausgebrochen ist und sich in den ersten beiden Jahren seiner Herrschaft fortsetzt. In East Anglia endet mit dem Machtwechsel bei Mercia die bisherige Bindung an Mercia offenbar nicht sofort, denn dort prägt man zu dieser Zeit Münzen mit dem Bildnis des aufständischen Königs Eadberht III. In Northumbria endet der Einfluss Mercias bereits 796 mit der Ermordung König Æthelreds.
  • Erzbischof Æthelhard (1. Amtszeit, Canterbury 793–796)
    Um das Jahr 796 verschärft sich die politische Lage: König Offa stirbt, und in Kent gewinnt Eadberht III. Præn die Macht. Eadberht betrachtet Æthelhard als Vertreter der von Offa geprägten Kirchenpolitik und setzt ihn deshalb als Erzbischof von Canterbury ab. Æthelhard sieht sich gezwungen, aus Canterbury zu fliehen und sucht Zuflucht am Hof von Offas Sohn Ecgfrith von Mercia. Ecgfrith stirbt jedoch noch im Jahr 796, sodass ein entfernter Verwandter, Coenwulf, den merzischen Thron besteigt. Während Æthelhard im Exil bleibt, überlegt Alkuin von York, wie die Spannungen um Lichfield und Canterbury zu lösen sind, und er schlägt einen Kompromiss vor: Hygberht soll seinen Rang als Erzbischof lebenslang lediglich ehrenhalber behalten, während Canterbury wieder alleiniger Metropolitensitz südlich des Humber wird und Æthelhard dorthin zurückkehrt. Dieser Plan lässt sich jedoch nicht umsetzen, solange Eadberht in Kent an der Macht bleibt, weshalb Æthelhard weiter nicht nach Canterbury zurückkehren kann. Alkuin kritisiert Æthelhard für seine Flucht aus Canterbury, doch in Rom beurteilt man sein Verhalten anders. Papst Leo III. lobt Æthelhard dafür, dass er sich Eadberht nicht unterwirft und den Konflikt nicht eskalieren lässt; der Papst vergleicht Eadberht sogar mit dem römischen Kaiser Julian Apostata, einem Feind des Christentums. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass die kirchliche Gemeinschaft in Kent während Æthelhards Exil erwägt, einen anderen Erzbischof zu wählen, was seine Position zusätzlich gefährdet. Fortsetzung des Erzbistums siehe Kent
  • Bischof Unwona (Leicester, 781/785-801/803)
  • Erzbischof Hygeberht (Lichfield, 787–799)
  • Fortsetzung 797
  • 797: Cenwulf: Im Jahr 797 richtet Alcuin einen Brief an die Menschen in Kent und beklagt, dass kaum noch jemand vom alten Königsgeschlecht übrig sei. Der Aufstand in Kent besteht weiterhin, und Eadberht Præn tritt als Exilant von Karls Hof als Anspruchsteller auf den Kentischen Thron auf.
  • 797: Hygeberht: Coenwulf schickt 797 und 798 Gesandte nach Rom zu Papst Leo III. und schlägt vor, für Æthelhard ein neues Erzbistum in London zu schaffen. Die Gesandten machen die Probleme mit dem Erzbistum Lichfield für die Unfähigkeit Papst Hadrians I. verantwortlich, doch Leo III. verwirft den Plan.
  • 797: Unwona: Im Jahr 797 wird möglicherweise Unwona mit dem Decknamen „Speratus“ Adressat eines Briefes von Alkuin von York. In diesem Brief mahnt Alkuin zum angemessenen Verhalten beim bischöflichen Mahltisch und formuliert die berühmte Mahnung: „verba Dei legantur in sacerdotali convivio: ibi decet lectorem audiri, non citharistam, sermones patrum, non carmina gentilium. Quid Hinieldus cum Christo?“ („Es sollen Gottes Worte beim bischöflichen Mahl verlesen werden. Es ziemt sich, dass ein Leser gehört wird, nicht ein Harfenspieler, väterliche Predigten, nicht heidnische Lieder. Was hat Hinield mit Christus zu tun?“).
  • Fortsetzung 798
  • 798: Cenwulf: Im Jahr 798 erhält Cenwulf die päpstliche Ermächtigung, gegen Eadberht vorzugehen, nachdem Papst Leo III. Eadberht als Thronprätendenten verurteilt. Cenwulf greift daraufhin Kent an, erobert das Königreich zurück und lässt Eadberht gefangen nehmen, blenden und die Hände abschlagen. Im selben Jahr wird die päpstliche Zustimmung zur Absetzung Eadberhts wirksam, und Cenwulf setzt seinen Bruder Cuthred als König von Kent ein. Ebenfalls 798 führt Cenwulf mit Papst Leo III. einen Briefwechsel über das von Offa eingerichtete Erzbistum Lichfield und über die Verlegung des südlichen Erzbistums nach London. In Wales kommt es 796 oder 797 zu Kämpfen bei Rhuddlan; 798 ist Cenwulf dann in der Lage, zurückzuschlagen und Caradog ap Meirion, den König von Gwynedd, zu töten.
  • 799: Cenwulf: Im Jahr 799 zeigt eine Urkunde, dass Wessex und Mercia schon seit einiger Zeit voneinander entfremdet sind, auch wenn diese Urkunde nicht als sicher echt gilt. Im selben Jahr liegt eine gefälschte Urkunde vor, die eine Ehefrau Cenwulfs namens Cynegyth nennt.
  • 799: Hygeberht: Hygeberht wird in Urkunden weiterhin als Erzbischof genannt, doch Hinweise deuten darauf, dass er nicht mehr alle Suffraganbischöfe kontrolliert, die ihm früher unterstellt sind. Bei Hygeberhts Nachfolgern ist nur der Name und die ungefähre Amtszeit bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt; erst 1053 tritt wieder ein Bischof an, über den mehr bekannt ist (Leofwin)
  • 800: Cenwulf: Im Jahr 800 lässt Eardwulf von Northumbria Alhmund töten, den Sohn des früheren nordumbrischen Königs Alhred. Alhmunds Tod wird später als Märtyrertod angesehen, und sein Kult entwickelt sich in Derby, das zu merzischem Gebiet gehört.
  • 800: Unwona: Um das Jahr 800 enden die bekannten Zeugeneinträge Unwonas in den überlieferten Synodalakten und merzischen Königsurkunden.
  • 801: Cenwulf: Im Jahr 801 fällt Northumbria unter König Eardwulf in Mercia ein, nachdem Cenwulf Exilanten aus Northumbria an seinem Hof aufgenommen hat. Der Einfall bleibt ergebnislos, und beide Seiten einigen sich auf Frieden. In diesem Jahr setzt Cenwulf spätestens seinen Bruder Cuthred auf den Thron von Kent. Ebenfalls 801 wird von einem Konflikt bei Kempsford berichtet, als der ealdorman Æthelmund mit einer Streitmacht über die Themse zieht und von Männern aus Wiltshire unter Führung von Weohstan geschlagen wird.
  • 801: Hygeberht: Coenwulf schlägt einen Aufstand in Kent nieder und kann seine Autorität in Canterbury und über das dortige Erzbistum erneut durchsetzen. Ealdwulf nimmt an einer Synode teil und wird in den Synodenakten als Bischof bezeichnet, sodass er als Hygeberhts Nachfolger in Lichfield erscheint.
  • 801: Unwona: Zwischen 801 und 803 stirbt Unwona in seinem Amt als Bischof von Leicester. Über die Nachfolger ist fast immer nur noch der Name und die ungefähre Amtszeit bekannt, sodass sich eine Aufnahme in diese Chronik nicht lohnt.
  • 802: Cenwulf: Im Jahr 802 endet der abhängige Status von Wessex mit dem Tod Beorhtrics. Sein Nachfolger wird Egbert, der wie Eadberht zuvor am Hof Karls des Großen im Exil gewesen ist. Mit Egberts Thronbesteigung kann sich Wessex aus dem Einflussbereich Cenwulfs lösen. Im selben Jahr erhält Æthelheard am 18. Januar ein päpstliches Privileg, das seine Autorität über alle Kirchen in der Erzdiözese Lichfield sowie über Canterbury wiederherstellt.
  • 802: Hygeberht: Papst Leo III. erklärt die Entscheidung Hadrians für ungültig, nachdem der englische Klerus ihm darlegt, dass sie durch Offas Falschdarstellungen zustande gekommen ist. Leo überträgt die gesamte Jurisdiktion an Canterbury zurück.
  • 803: Cenwulf: Im Jahr 803 löst Cenwulf das unter Offa 786 errichtete Erzbistum Lichfield ohne nennenswerten Widerstand auf. Am 12. Oktober 803 hält Æthelheard in Clovesho ein Konzil ab, das Lichfield endgültig seinen erzbischöflichen Status entzieht.
  • 803: Hygeberht: Æthelhard verkündet auf der Synode von Clovesho die Entscheidung Leos III., dass alle Jurisdiktion an Canterbury zurückkehrt. Hygeberht erscheint auf dieser Synode nicht mehr als Bischof, sondern als Abt. Zu diesem Zeitpunkt ist Lichfield wieder ein einfaches Bistum, und Hygeberht hat seine Diözese bereits vor der Herabstufung aufgegeben.
  • 804: Cenwulf: Im Jahr 804 ist Ælfthryth durch Urkundenbelege als Cenwulfs Frau belegt; sie erscheint in den überlieferten Urkunden zwischen 804 und 817.
  • 805: Cenwulf: Im Jahr 805 erscheint Cenwulfs Münzprägung wieder in East Anglia, was darauf hinweist, dass das Königreich erneut unter merzischer Kontrolle steht. Ebenfalls um 805 wird eine neue Porträtprägung in den südlichen Münzstätten eingeführt. Im selben Jahr stirbt Erzbischof Æthelheard und Wulfred folgt ihm nach.
  • 807: Cenwulf: Im Jahr 807 stirbt Cuthred, woraufhin Cenwulf Kent nicht nur dem Namen nach, sondern auch tatsächlich kontrolliert.
  • 808: Cenwulf: Im Jahr 808 zeigt ein Brief von Papst Leo an Karl den Großen, dass Cenwulf mit Wulfred noch nicht Frieden geschlossen hat.
  • 805: Eadwald: Um 805 prägt Coenwulf in East Anglia Münzen unter seinem eigenen Namen. Damit ist die Zeit genannt, in der Eadwalds Herrschaft spätestens beendet ist, auch wenn die genauen Daten seiner Regierung unbekannt bleiben.
  • 809: Cenwulf: Im Jahr 809 bezeichnet sich Cenwulf in einer Urkunde als „König der Merzier und der Provinz Kent“.
  • 810: Cenwulf: Nach etwa 810 werden auf den Münzen verschiedene Rückseitenmuster eingeführt, die für mehrere oder alle Geldwechsler gemeinsam sind.
  • 811: Cenwulf: Im Jahr 811 erscheint Sigered in Urkunden Cenwulfs noch als König von Essex, wird danach aber in seinem Titel herabgestuft. Im selben Jahr sind die Könige von Essex und ihr Gebiet vollständig in Mercia eingegliedert.
  • 816: Cenwulf: Im Jahr 816 setzt in Wessex und im Süden erneut Spannung ein, und Wulfred leitet ein Konzil in Chelsea, das sich gegen den weltlichen Einfluss auf geistliche Häuser richtet. Cenwulf hat zuvor seine Tochter Cwoenthryth zur Äbtissin von Minster-in-Thanet ernannt. In diesem Jahr stirbt Papst Leo, und sein Nachfolger bestätigt Cenwulfs Privilegien, ohne den Streit zu beenden. Im selben Zeitraum beginnt auch die merzische Westexpansion wieder stärker: Zwischen 816 und 818 dringen merzische Truppen tief in die walisischen Königreiche vor.
  • 817: Cenwulf: Im Jahr 817 bezeugt Wulfred zwei Urkunden, in denen Cenwulf Land an Deneberht, den Bischof von Worcester, verleiht. Im selben Jahr oder im Jahr 818 ist ein Kampf bei Anglesey überliefert, dessen Beteiligung der Merzier aber nicht sicher ist.
  • 818: Cenwulf: Im Jahr 818 führen merzische Truppen die westliche Expansion weiter und verwüsten Dyfed. Der Feldzug steht im Zusammenhang mit den zwischen 816 und 818 vorgerückten Angriffen auf Powys, Gwynedd und Dyfed.
  • 821: Cenwulf: Im Jahr 821 endet Cenwulfs Herrschaft mit seinem Tod. In diesem Jahr hält Cenwulf in London ein Konzil ab, auf dem er Wulfred mit Verbannung droht, falls dieser ein Gut von 300 Hides nicht herausgibt und 120 Pfund an den König zahlt. Ebenfalls 821 soll die Expansion nach Westen weitergehen, wird Cenwulf selbst aber nicht mehr erlebt. Cenwulf stirbt in Basingwerk bei Holywell und wird nach Winchcombe überführt und dort in St Mary’s Abbey bestattet.
  • 928: Bischof Koenwald (Worcester, 928/929–958/959)
  • 1046: Bischof Ealdred (Hereford 1056–1060, Worcester 1046–1062), Erzbischof Ealdred (York, 1060–1069)
  • 1053: Bischof Leofwin (Lichfield, 1053-1070)
  • Zuletzt 796

East Anglia

  • König Eadwald (796–798)
    Eadwald ist ab etwa 796 König des kleinen angelsächsischen Königreichs East Anglia. East Anglia ist zu dieser Zeit von seinem mächtigeren Nachbarn Mercia überschattet, und Eadwalds kurze Herrschaft ist fast nur durch die wenigen erhaltenen Münzen bekannt, die auf seinen Namen geprägt sind. Über sein Leben oder seine Herrschaft sind keine Details bekannt.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Eadwald: Im Jahr 798 wird Coenwulf König von Mercia, und die East Angles werden danach erneut unter mercische Herrschaft gebracht. Die East Angles haben zuvor nach dem Tod von Ecgfrith für kurze Zeit ihre Unabhängigkeit wiedererlangt, mit Eadwald als ihrem König. Zur selben Zeit wird auch das Königreich Kent im Rahmen eines Feldzugs wieder unter mercische Kontrolle gebracht. Fortsetzung unter Mercia
  • Zuletzt 796

Königreich Wessex

  • König Beorhtric (786–802)
    Im Sommer stirbt König Offa von Mercia. Nach seinem Tod pflegen Beorhtric und seine Frau Eadburh weiterhin gute Kontakte zu Offas Sohn und Nachfolger Ecgfrith, der jedoch nur ein halbes Jahr regiert. Als Gegenleistung für seine Unterstützung erhält Beorhtric vermutlich einige bei Malmesbury gelegene Ländereien zurück, die Offa zuvor annektiert hat. Etwa seit 796 lässt Beorhtric wieder Silbermünzen, pæneġas, nach mercischem Vorbild prägen. Ob sich die Prägestätte in Hamwic (Southampton) oder in Winchester befindet, bleibt umstritten. Die Münzprägung erfolgt nur in geringer Auflage und dient eher dazu, seinen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren, als ökonomischen Zwecken. Es sind drei Münzen Beorhtrics erhalten, die zwei unterschiedliche Prägevarianten zeigen. In diesem Jahr unterschreibt Beorhtric außerdem zwei Chartas des mercischen Königs Ecgfrith als Zeuge. Dies unterstreicht seine fortbestehende enge Verbindung zu der mercischen Königsfamilie. Nach Offas Tod schwächt sich die Herrschaft Mercias über angelsächsisches Britannien ab, und Beorhtric scheint von diesem Zeitpunkt an unabhängiger zu regieren. Unter ihm werden in Wessex eigene Münzen geprägt, was nahelegt, dass er eine neue Münzstätte gründet. Insgesamt sind nur zwei westsächsische Münzen aus seiner Regierungszeit erhalten, was auf die kurze Dauer dieser Prägung hindeutet.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Beorhtric: Im Jahr 798 stimmt Beorhtric zu, dass Cynehelm, ein Sohn Cenwulfs von Mercia, die Herrschaft über Glastonbury Abbey übernimmt. Die näheren Umstände dieses Vorgangs sind unklar, und es erscheint unwahrscheinlich, dass Beorhtric dies aus freien Stücken bewilligt. Dennoch bleibt seine Macht in Somerset unbeeinträchtigt, wie Urkunden belegen, in denen er über dortige Ländereien verfügt, ohne Bezug auf Mercia zu nehmen.
  • Fortsetzung 799
  • 799: Beorhtric: Für die späten 790er Jahre wird erwogen, dass der vertriebene Ecgberht möglicherweise nach Wessex zurückkehrt und dort zumindest in Teilen des Königreiches als König anerkannt wird. Gleichzeitig gewinnt Cenwulf, der nachfolgende König von Mercia, im Laufe einiger Jahre die Vorherrschaft Mercias zurück. Ab 799 scheinen die Beziehungen Beorhtrics zu den Merzianern wieder der Situation zu ähneln, wie sie vor Offas Tod besteht, sodass Beorhtric erneut in eine gewisse Abhängigkeit von Cenwulf gerät.
  • 801: Beorhtric: Im Jahr 801 überträgt Beorhtric Ländereien an den princeps Lulla. Diese Urkunde ergänzt die wenigen erhaltenen Chartas, die seine Herrschaft dokumentieren. Beorhtric gilt zwar als „sehr fromm“, doch sind keine Schenkungen oder Privilegien bekannt, die er Klöstern oder Kirchen gewährt. Dass die wenigen überlieferten Chartas ausschließlich Laien als Begünstigte nennen, wird als wahrscheinlich zufälliger Befund angesehen.
  • 802: Beorhtric: Im Jahr 802 berichten die Quellen vom Tod Beorhtrics. Gemäss Asser (Vita Alfredi; The Life of King Alfred) hat Beorhtrics Frau Eadburh, sobald sie Königin geworden ist, begonnen, in despotischer Weise zu herrschen, wie ihr Vater Offa. Sie entfremdet Beorhtric jeden Menschen, den er liebt, und beschuldigt vor ihm jeden, den sie kann, sodass sie diese Personen hinterlistig ihres Lebens oder ihrer Macht beraubt. Wo sie keine königliche Erlaubnis zur Tötung erhält, greift sie zum Gift. Ein von Beorhtric besonders geliebter junger Höfling, gegen den der König auf ihre Anschuldigungen nicht hört, wird von ihr vergiftet. Asser zufolge probiert der König unabsichtlich von dem für den Höfling bestimmten Gift, sodass schließlich beide sterben. Der des Mordes beschuldigten Königin ist es daraufhin nicht mehr möglich, unter den Westsachsen zu bleiben, und sie flieht mit großen Schätzen über das Meer an den Hof Karls des Großen. Das negative Bild Eadburhs, der Asser zahlreiche Intrigen und mehrfachen Giftmord zuschreibt, dürfte eher auf die Propaganda ihres Gegners Ecgberht zurückgehen, der mit Beorhtric und ihrem Vater Offa verfeindet ist, als auf gesicherte historische Tatsachen. Möglicherweise vertritt die selbstbewusst auftretende Eadburh auch einseitig mercische Interessen. Die Angelsächsische Chronik berichtet dagegen, dass „Beorhtric und der Ealdorman Worr sterben und Ecgberht den Thron besteigt“. Zugleich überschreitet der Ealdorman Æthelmund von Hwicce bei Kempsford in Gloucestershire die Themse, wird aber vom westsächsischen Ealdorman Wiohstan in einer Schlacht besiegt. Als wahrscheinlichste Deutung gilt, dass Ecgberht mit seinen Anhängern in Wessex einfällt und Beorhtric im Kampf fällt. Ob das von Mercia abhängige Hwicce auf der Seite Beorhtrics in die Kämpfe eingreift oder aus eigenem Nutzen die Wirren in Wessex auszubeuten versucht, bleibt Spekulation. Beorhtric wird in Wareham beigesetzt.
  • 852: Bischof Swithun (852–862)
  • Zuletzt 796

Königreich Essex

  • 798: Sigerich Im Jahr 798 legt Sigerich sein Königsamt nieder; diese Abdankung wird ausdrücklich erwähnt und bildet den wichtigsten überlieferten Einschnitt in seinem Leben. Nach der Abdankung bricht er als Pilger nach Rom auf, das heißt, er gibt die weltliche Herrschaft auf, um eine religiös motivierte Reise in die Hauptstadt der lateinischen Christenheit zu unternehmen; sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Nach Sigerichs Abdankung übernimmt Sigered die Königswürde in Essex und führt die Herrschaft in diesem angelsächsischen Teilreich fort. König Sigered (798?–nach 823)
  • Fortsetzung 823
  • Zuletzt 758

Königreich Kent

  • König Eadberht III. Præn (796–798)
    Seit 785 ist Kent unter der Herrschaft des Königs Offa von Mercien. Eadberht hat offenbar als Priester im Exil am Hof Karls des Großen gelebt, bevor er um 795/796 er nach Rom reist, um seinen Fall von Papst Leo III. entscheiden zu lassen. Erzbischof Æthelheard von Canterbury wird von Offa nach Rom gesandt, um die Seite Mercias zu vertreten. Kurz vor Offas Tod bricht in Kent eine Revolte aus, an deren Spitze sich Eadberht Præn stellt. Er wird wahrscheinlich von Karl dem Großen unterstützt oder zumindest wohlwollend geduldet, als er sich in Kent zum König proklamieren lässt. Eadwald, König von East Anglia, löst sich offenbar ebenfalls von Mercia und verbündet sich mit Kent, was sich darin zeigt, dass beide aufständischen Könige gleichartige eigene Münzen prägen. Erzbischof Æthelheard von Canterbury flieht nach Mercia. Dessen König Cenwulf tritt in Briefwechsel mit Papst Leo III., der Eadberht exkommuniziert und Cenwulf sein Einverständnis zur Rückeroberung Kents gibt.
  • Fortsetzung 797
  • 797: Æthelhard: Da der Rang Lichfields als Erzbistum auf päpstlicher Entscheidung beruht, sind Änderungen nur mit Zustimmung des Papstes möglich. Coenwulf entsendet im Jahr 797 eine Gesandtschaft zu Papst Leo III., um die Herabstufung Lichfields zu erreichen und die kirchenpolitischen Probleme zwischen Lichfield und Canterbury zu lösen. In einem Schreiben an den Papst erinnert Coenwulf an einen älteren Plan Papst Gregors des Großen, der zwei Metropolitansitze in Britannien vorsieht, einen im Norden und einen im Süden, wobei der südliche Sitz in London liegen soll. Das Schreiben deutet an, dass Coenwulf überlegt, Æthelhards Metropolitansitz von Canterbury nach London zu verlegen, zugleich aber die grundsätzliche Ordnung der Kirche klären will. Die Gesandtschaft überbringt außerdem einen Brief Æthelhards, der jedoch nicht erhalten geblieben ist. Papst Leo III. lehnt die vorgeschlagene Lösung ab; in seiner Antwort betont er, dass der südliche Erzbischofssitz in Canterbury bleiben muss, und exkommuniziert Eadberht, wobei er auch dessen gewaltsame Entfernung aus Kent billigt, falls Eadberht weiter Æthelhards Rückkehr verhindert.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Eadberht: Cenwulf marschiert mit seiner Armee plündernd und zerstörend in Kent ein. Er nimmt König Eadberht gefangen und bringt ihn in Ketten nach Mercia. Eadberht wird verstümmelt, indem ihm die Hände abgehackt und die Augen herausgerissen werden, doch sein Leben bleibt verschont. Spätere Überlieferungen berichten, dass er in Winchcombe bei Tewkesbury in Klosterhaft gehalten wird. Nachdem die Rebellion niedergeschlagen ist, setzt Cenwulf seinen Bruder Cuthred als Unterkönig in Kent ein. König Cuthred (798–807)
  • 798: Erzbischof Æthelhard (Canterbury, 2. Amtszeit 798–805) Im Jahr 798 greift Coenwulf Kent an, nimmt Eadberht gefangen, blendet ihn und lässt ihn einkerkern. Nach diesem Eingriff in die weltliche Herrschaft Kents wird Æthelhard als Erzbischof nach Canterbury zurückgeführt und beginnt damit, die Besitzungen und Rechte seines Erzbistums wiederherzustellen. Er sichert sich Gehorsamserklärungen mehrerer südlicher Bischöfe, darunter Eadwulf von Lindsey und Tidferth von Dummoc, um die kirchliche Ordnung in seinem Sprengel neu zu festigen. Dennoch führt Hygberht auch im Jahr 799 weiterhin den Titel eines Erzbischofs, was zeigt, dass die Frage um Lichfield noch nicht abschließend geregelt ist. Da Papst Leo in den Jahren 799 und 800 durch Konflikte in Rom stark gebunden ist, unterbleiben vorerst weitere päpstliche Entscheidungen zu der englischen Streitfrage. Æthelhard entschließt sich schließlich, persönlich nach Rom zu reisen, um die Lage seiner Erzdiözese direkt mit dem Papst zu klären. Er begibt sich zusammen mit Bischof Cyneberht von Winchester nach Rom und nimmt zwei weitere Schreiben Coenwulfs an den Papst mit, in denen die Lage ausführlich geschildert wird. Nach Verhandlungen entscheidet sich Papst Leo III. für Canterbury: Er erkennt Æthelhards Vorrang an und stuft Lichfield wieder zu einem einfachen Bistum herab. Es gibt Hinweise, dass das Domkapitel von Canterbury die Erhebung Lichfields zum Erzbistum niemals wirklich akzeptiert hat und stets an der besonderen Stellung Canterburys festhält. Damit bereitet diese päpstliche Entscheidung die endgültige Wiederherstellung Canterburys als einzigem Metropolitensitz südlich des Humber vor.
  • 800: Æthelhard: Während Papst Leo 799 und 800 in Streitigkeiten in Rom gebunden ist und keine Zeit für englische Angelegenheiten erübrigen kann, können in der Streitfrage keine päpstlichen Entscheidungen getroffen werden.
  • 803: Æthelhard: Im Jahr 803 kehrt Æthelhard aus dem Ausland nach England zurück und nimmt seine Tätigkeit als Erzbischof von Canterbury voll wieder auf. Er beruft das Konzil von Clovesho ein, eine bedeutende Synode, auf der die kirchliche Ordnung im Süden Englands neu geregelt wird. Das Konzil beschließt, dass künftig kein weiterer erzbischöflicher Sitz im südlichen Britannien bestehen darf außer Canterbury, womit die Sonderstellung dieses Erzbistums dauerhaft festgeschrieben wird. Hygberht nimmt an dieser Synode teil, jedoch nicht mehr als Erzbischof, sondern als Abt, was deutlich macht, dass er vor dem Konzil auf sein Amt verzichtet hat. Æthelhard legt auf dem Konzil außerdem eine päpstliche Entscheidung vor, die die Freiheit der Kirchen von weltlicher Einmischung bekräftigt und so die Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen gegenüber der weltlichen Herrschaft stärkt. Er betont zugleich, dass die Papstkirche bei der Erhebung Lichfields getäuscht worden sei und bezeichnet die dahinterstehende Macht als „tyrannische“ Kraft, womit er Offas kirchenpolitisches Vorgehen kritisiert. Während seiner Amtszeit leitet Æthelhard mindestens elf, möglicherweise sogar zwölf Synoden, auf denen Fragen der Kirchenordnung, der Disziplin und der Besitzrechte beraten werden. Er tritt als aktiver Gestalter der kirchlichen Strukturen im südlichen England auf und setzt durch, dass Canterbury als geistliches Zentrum gestärkt aus den Auseinandersetzungen mit Lichfield und Kent hervorgeht. Seine letzten Amtsjahre stehen im Zeichen der Konsolidierung der erzbischöflichen Autorität und der Durchsetzung der neuen Ordnung, die das Konzil von Clovesho festgelegt hat.
  • 805: Æthelhard: Æthelhard stirbt am 12. Mai 805 und wird in Canterbury bestattet, wo er seine wichtigste Wirkungsstätte gehabt hat. In den Jahren und Jahrhunderten nach seinem Tod verehrt man ihn als Heiligen und setzt seinen Gedenktag auf den 12. Mai. Nach der normannischen Eroberung und den kirchlichen Reformen des 11. Jahrhunderts unterdrückt jedoch der römisch-katholische Erzbischof Lanfrank seinen Kult, der danach nicht wieder aufgenommen wird. In der Orthodoxen Kirche in England bleibt die Verehrung Æthelhards bestehen. Mehrere orthodoxe Gemeinden in England wählen ihn als Patron und erinnern an ihn als standhaften Erzbischof, der die Vorrangstellung Canterburys gegenüber politischen und kirchlichen Rivalen behauptet. So wirkt Æthelhards Lebenswerk über seinen Tod hinaus in liturgischer Erinnerung und in der Struktur der englischen Kirche weiter. Erzbischof Wulfred (Canterbury, 805-832)
  • 811: Eadberht Præn Wilhelm von Malmesbury überliefert, dass der ehemalige König Eadberht Præn im Jahr 811 von Cenwulf begnadigt und freigelassen wird.
  • 1058: Bischof Siward (Rochester, 1058–1075)
  • zuletzt 796

FRÄNKISCHES REICH

Sortierung der Städte: Utrecht, Niederlande (~52° 05′ N) (Friesland) Metz, Frankreich (~49° 07′ N) (Austrasien) Lüttich, Belgien (Liège, ~50° 38′ N) (Austrasien) Köln, Nordrhein-Westfalen (~50° 56′ N) (Austrasien) Paris (Neustrien) Reims (49° 16′ N) (Neustrien) Bremen, ~53° 5′ N (Sachsen) Büraburg, Hessen (bei Fritzlar, ~51° 08′ N) Lorsch, Hessen [~49° 39′ N) Erfurt, Thüringen (~50° 58′ N) Erzbistum Mainz: Mainz, Rheinland-Pfalz (~50° 00′ N) Kloster Hersfeld Bistum Trier

  • Trier, Rheinland.Pfalz (~49° 45′ N)
  • Worms, Rheinland-Pfalz (49° 38′ N)

Bistum Würzburg

  • Würzburg, Bayern, Unterfranken damals noch Herrschaft der Hedenen (~49° 47′ N)
  • Reichskloster Lorsch

Konstanz, Baden-Württemberg (47° 40′ N)

Karl der Große geb. 748 (48)

  • 797: Karl: Kaiserin Irene von Byzanz ist alleinige Herrscherin des Oströmischen Reiches. Zwischen Karl und dem Kalifen von Bagdad, Harun-al-Raschid, werden diplomatische Beziehungen aufgenommen. Dadurch erhält Karl die Erlaubnis, den Christen in Palästina Hilfsgelder zu senden.
  • 797: Pippin: 797 verwüstet Pippin mit den Bajuwaren und Langobarden das Land der Slawen.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Richulf: Im Jahr 798 erhält Richulf das Amt des Abtes des Klosters Hersfeld. Er verwaltet dieses Amt als Abt des Klosters Hersfeld bis zu seinem Tod.
  • 798: Liudger: Zum Ende der Sachsenkriege begleitet Liudger 798 Karl den Großen einmal auf einem Feldzug nach Minden, bleibt ansonsten aber einer friedlichen Missionsweise verpflichtet.
  • 798: In einer urkundlichen Nachricht aus dem Jahr 798 erscheint der alte Name der Stadt Minden als Mimthum oder Minithum.
  • 798: Richbod: Vier Jahre nach der Synode von Frankfurt 794 kommt der Glaubensstreit mit Vertretern des Adoptianismus erneut auf. Alkuin veranlasst, dass auch Richbod ein Exemplar einer Streitschrift des katalanischen Bischofs Felix von Urgell erhält, um eine Widerlegung zu verfassen. Es ist nicht bekannt, ob Richbod diesem Aufruf folgt.
  • 799: Karl der Jüngere: 799 hält Karl der Große in Paderborn eine Reichsversammlung ab und schickt seinen Sohn Karl mit der Hälfte des Heeres weiter in den Bardengau, um die Lage dort zu stabilisieren.
  • 799: Pippin: 799 zieht Pippin mit seinem Vater gegen die Sachsen. Noch im selben Jahr kommt es zu Kämpfen der Bayern mit den Awaren. Daher entsteht die Awarenmark als Grenzsicherung.
  • 799: Hildebold: Im Jahr 799 führt Hildebold Papst Leo III. zu Karl dem Großen nach Paderborn. Er begleitet den Papst an den Hof und wirkt als Vermittler zwischen Papsttum und König. Seine Vertrauensstellung bei Karl und seine Rolle im kirchlichen Gefüge treten hierbei deutlich hervor. Er bestätigt damit seine Bedeutung als zentrale Figur im Reichskirchensystem Karls des Großen.
  • 799: Gerbald: Um 799 lässt Gerbald in Visé die Kirche Saint-Martin errichten. Nach späteren, von Historikern als wenig zuverlässig bewerteten Berichten soll Papst Leo III. auf Bitten Gerbalds am 4. Oktober 799 in Anwesenheit Karls des Großen Suitbert in den Heiligenstand erheben.
  • 800: Karl der Jüngere, bisher Unterkönig, nun König: Im Jahr 800 begleitet Karl seinen Vater bei der Sichtung von Land und Befestigungen in Neustrien, wo dänische Piraten Überfälle verüben, bevor beide gemeinsam nach Rom reisen. Karl der Große reist nach Rom, um die Wiedereinsetzung Papst Leos III. zu begleiten; an Weihnachten, am 25. Dezember 800, krönt Leo Karl den Großen zum Kaiser und salbt Karl als König.
  • 800: Pippin: Die Töchter Adalhaid, Gundrada, Berthaid und Theodrada werden nach 800 geboren. Im Jahr 800 liegt zudem die Krönung Karls I. zugrunde, mit der er im Streit um die Kaiserfrage steht.
  • 800: Richulf: Im Jahr 800 ist Richulf im Auftrag Karls des Großen im Zusammenhang mit dem Kloster Fulda tätig. Auf einer Synode in Aachen im Jahr 800 wirkt er daran mit, einen Eingriff des Bischofs Berowelf von Würzburg in die Rechte des Klosters Fulda abzuwehren, der durch eine Weihe ohne vorherige „invitatio“ von Abt und Konvent das Zachariasprivileg verletzt.
  • 800: Richbod: Um 800 wird im Lorscher Arzneibuch die „Rechtfertigung der Heilkunde“ genannt, die Gundolf Keil Richbod als Verfasser zuschreibt. Walter Berschin und Klaus-Dietrich Fischer sehen dies kritisch. Der Text hält zugleich fest, dass weder Lorsch als Entstehungsort der „Rechtfertigung“ gesichert ist, noch eine Abfassung dieser und des ganzen Arzneibuches zur Lebenszeit von Richbod.
  • 800: Liudger: Um 800 gründet der Priester Liudger auf seinem erworbenen Besitz das Eigenkloster Werden, das lange von seinen Verwandten, den Liudgeriden, geleitet wird; er ist zugleich der erste Abt des Klosters
  • 800: Baugulf: Um 800: Auf Initiative Karls des Großen wird die Bildungsreform der karolingischen Renaissance in Fulda eingeführt. Der Mönch Hrabanus Maurus, der zuvor an der Hofschule Karls des Großen und in Tours bei Alkuin ausgebildet wird, wirkt nun als Lehrer an der Klosterschule. In dieser Zeit entstehen auch die Anfänge der Klosterbibliothek, deren Bestände über biblisch-monastische Schriften hinausgehen. Außerdem beginnt im Kloster Fulda die annalistische Geschichtsschreibung.
  • 800: Um 800 gründet Karl der Große in Minden ein Bistum, das dem Kölner Metropolitanverband zugeschlagen wird. Die Diözese umfasst den Raum zwischen Osnabrück und Hannover in west-östlicher und zwischen Verden an der Aller und Holzminden an der Weser in nord-südlicher Richtung.
  • 801: Ludwig der Fromme: In den Jahren 801/803 gelingt Ludwig zusammen mit Wilhelm von Aquitanien und dessen Sohn Berà die Eroberung des von den Mauren besetzten Barcelona.
  • Fortsetzung 806
  • 801: Hildebold: Im Jahr 801 erscheint Hildebold als Abt des Stifts St. Cassius und Florentius in Bonn. Er übernimmt die Leitung dieses bedeutenden Stifts und verbindet so bischöfliche und abbatiale Funktionen. Seine Verantwortung erstreckt sich damit auf weitere kirchliche Institutionen im Rheinland. Er festigt seinen Einflussbereich in der Region, indem er mehrere geistliche Zentren unter seiner Führung vereint.
  • 801: Gerbald: Im Jahr 801 wird Lüttich von einer Pestepidemie schwer getroffen, der ersten in dieser Region. Dieses Unglück fällt in die Zeit des Pontifikats Gerbalds und gehört zu einer ganzen Reihe von Katastrophen, die das Bistum Lüttich treffen.
  • 802: Richulf: Spätestens ab 802 ist Richulf Abt des Klosters Hersfeld, wahrscheinlich aber bereits seit 786. Er fördert das von Lul gegründete Kloster Hersfeld.
  • 802: Hildebold: Im Jahr 802 wird Hildebold als Abt des Klosters Mondsee genannt. Er erweitert seinen Wirkungskreis auf dieses Kloster und übernimmt die geistliche und organisatorische Leitung. Zusammen mit seinen Aufgaben in Köln, Bonn und am Hof Karls zeigt sich sein breites Verantwortungsfeld. Er bleibt zugleich Gründer und Förderer der Kölner Domschule und der Dombibliothek, deren Bestände er mit theologischen, rechtlichen und naturkundlichen Werken bereichert.
  • 802: Baugulf: Baugulf legt sein Amt als Abt von Fulda nieder. Zwischen ihm und dem Konvent sind Konflikte ausgebrochen. Ihm wird vorgeworfen, sich von den strengen Consuetudines des Klosters dispensiert zu haben. Trotz der Vermittlungsversuche Alkuins resigniert Baugulf und zieht sich ins Nebenkloster Wolfsmünster bei Gemünden am Main zurück. Abt Ratgar (Fulda, 802–817)
  • 802: Bischof Egilwart (Würzburg, 802–809)
  • 803: Pippin: Ein letzter Awarenaufstand wird 803 niedergeschlagen.
  • 803: ehemaliger Herzog Anselm: Am 3. März 803 stirbt der Abt Anselm in seinem Kloster Nonantola. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger und als Schutzpatron der Stadt Nonantola verehrt, sein Gedenktag ist der 3. März
  • '803: Bischof Erkanbert (Minden, 803-813) Erkanbert wird im Jahr 803 als der erste Mindener Bischof namentlich genannt. Um diese Zeit entsteht an der Stelle des heutigen Mindener Domes die erste Kathedralkirche; der Hauptaltar dieser und aller folgenden Domkirchen wird über einem vorchristlichen Brunnenheiligtum errichtet, an welches der alte Name der Stadt Minden, Mimthum oder Minithum in einer urkundlichen Nachricht aus dem Jahr 798, erinnert.
  • 804: Karl der Jüngere: 804 erhält Karl das Privileg, Leo III. auf dessen letztem Besuch in Franken nach Norden zu begleiten.
  • 804: Gerbald: Im Winter 804/805 hält sich Papst Leo III. in Aachen auf, und Gerbald befindet sich in der Begleitung Karls des Großen. Es gibt Zeugnisse, dass Gerbald vom Kaiser der Franken reiche Schenkungen für seine Diözese erhält, darunter Ländereien, die unter Karl Martell dem Bistum Lüttich entzogen worden waren. In erhaltenen Briefen fordert Karl der Große den Bischof von Lüttich auf, Kinder aus seiner Gemeinde nicht zu taufen, wenn ihre Angehörigen das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht auswendig gelernt haben. Auf diese Weise versucht der Kaiser, für die religiöse Bildung seiner Untertanen zu sorgen. In diesen Schreiben werden die Orte genannt, über die sich die Gewalt des Lütticher Bischofs erstreckt: Condroz, Lomme, Esby und der Pagus Ardennen.
  • 804: Richbod: Richbod stirbt am 1. Oktober 804 in Trier, nur wenige Monate nach seinem Lehrer Alkuin. Er wird im Kloster Lorsch begraben. Erzbischof Wizzo (Trier, 804–809)
  • 805: Karl der Jüngere: Anfang 805 reist Papst Leo III. an den fränkischen Hof, und Karl der Jüngere wird ihm bis zu den Alpen entgegengesandt, um den Herrscher zu vertreten; anschließend begleitet er den Papst nach Reims. Im selben Jahr schickt der Kaiser ein Heer unter seinem Sohn Karl nach Böhmen. Dieses verwüstet das Land und tötet dessen Herzog Lecho.
  • 805: Richulf: Richulf beginnt den Neubau der Klosterkirche von St. Alban in Mainz. Am 1. Dezember 805 wird die Klosterkirche von St. Alban in Mainz geweiht. In der Bonifatiuskapelle richtet Richulf die Grablege der Mainzer Erzbischöfe ein.
  • 805: Gerbald: Im Jahr 805 leidet Lüttich, wie viele andere Gebiete des Reiches, unter Missernten. Die daraus entstehende Hungersnot fordert zahlreiche Menschenleben. Kaiser Karl, in seinen Möglichkeiten zur materiellen Hilfe begrenzt, ruft Gerbald und seine Gemeinde zu einem dreitägigen Fasten auf, um mit Gottes Hilfe dieses Unglück abzuwenden.
  • 805: Hildebold: Am 30. März 805 weiht Hildebold in Köln den Friesen- und Sachsenmissionar Liudger zum ersten Bischof von Münster. Er spendet ihm die Bischofsweihe und begründet damit das Bistum Münster. Hildebold handelt als Metropolit und nimmt seine Rechte gegenüber dem neuen Suffraganbistum wahr. Er stärkt auf diese Weise die kirchliche Organisation im Norden und Westen des Reiches.
  • 805: Bischof Willerich (Willerich, 805–837)
  • 805: Bischof Liudger (805–809) Parallel dazu entwickelt sich das künftige Bistum Münster weiter, und am 30. März 805 weiht Erzbischof Hildebold von Köln den Abt Liudger zum ersten Bischof von Münster, womit das Bistum sichtbar der Kölner Kirchenprovinz eingegliedert ist. In seiner Mission im westlichen Sachsen, dem Gebiet des heutigen westlichen Westfalen mit vielen kleinen Stämmen, setzt Liudger auf Predigt und Überzeugungsarbeit statt auf Zwangsbekehrung. Er vermeidet Kriegshandlungen, kehrt aber nach Eroberung neuer Gebiete dorthin zurück, um missionarisch zu wirken und so das christliche Territorium ohne Gewalt zu vergrößern. Sein Missionsstil unterscheidet sich damit deutlich von den zwangsweisen Maßnahmen Karls des Großen, der teilweise „mit Feuer und Schwert“ missionieren lässt. In seinen letzten Lebensjahren bereist Liudger seinen Bistumssprengel mehrfach.
  • 806: Karl der Jüngere: Auch 806 tritt Karl als militärischer Befehlshaber gegen die Sorben unter ihrem dux Miliduoch erfolgreich hervor. Auf der Versammlung in Diedenhofen verkündet Karl der Große 806 seine Nachfolgeregelung, die Divisio Regnorum, und lässt sie von den Großen beschwören. Karl der Jüngere erhält den fränkischen Kernraum von der Loire bis an den Rhein sowie die Erwerbungen zwischen Elbe und Donau; außerdem soll er alleiniger Inhaber des Familienbesitzes sein und den überwiegenden Teil der Königspfalzen, Klöster und Güter erhalten. Eine Regelung des Kaisertitels wird damals nicht getroffen, unter anderem wohl auch deshalb, weil Karl als einziger der erwachsen gewordenen ehelichen Kaisersöhne unverheiratet und ohne Erben ist.
  • 806: Ludwig der Fromme: Im Jahr 806 entwirft Karl der Große die Divisio Regnorum, in der Ludwig lediglich eine mögliche spätere Erweiterung seines Unterkönigtums auf Septimanien, die Provence und Burgund erhoffen kann, solange dieser Plan Bestand hätte.
  • 806: Pippin: 806 teilt Karl der Große in Diedenhofen sein Reich unter seine Söhne auf. Pippin erhält Bayern und Italien sowie das südliche Alemannien-Rätien. Er sucht das Kloster Schienen auf, wie die Reichenauer Genesiusgeschichte berichtet, und im Kloster St. Gallen werden Urkunden nach ihm datiert.
  • 806: Waldo: 806 wird Waldo zum Reichsabt und Hausbischof der Abtei Saint-Denis bei Paris ernannt.
  • 807: Pippin: Pippin schickt eine Flotte nach Korsika contra Mauros. Die Mauren sollen die Insel verlassen haben, als die Flotte anrückt. Dennoch kommt im Kampf gegen diese Männer, die die Insel plündern, Hademarus, der Graf von Genua, ums Leben, weil er unvorsichtig vorgeht. Schon 807 muss sein Vater eingreifen und eine Flotte unter dem Befehl seines Marschalls Burchard aussenden. Diese Flotte erleidet jedoch eine schwere Niederlage, verliert dreizehn Schiffe und zahlreiche Männer, und die Überlebenden müssen fliehen. Im Sommer 807 kehrt Niketas mit seiner Flotte nach Konstantinopel zurück.
  • 807: Gerbald: Im Jahr 807 feiert der Kaiser der Franken in Lüttich das Fest der Erscheinung des Herrn. Er erlaubt Gerbald, in der Stadt Huy einen Jahrmarkt abzuhalten, auf dem nicht nur Waren, sondern auch Sklaven verkauft werden. Alle Lütticher Chronisten schreiben Gerbald das Verdienst zu, den Reichtum seiner Diözese während seines Pontifikats deutlich vermehrt zu haben.
  • 808: Karl der Jüngere: 808 greift der dänische König Gudfred die von Karl dem Großen zum Schutz der fränkischen Nordgrenze in Wagrien angesiedelten Abodriten an. Karl der Jüngere führt daraufhin einen Vergeltungsfeldzug gegen die mit den Dänen verbündeten Linonen und Smeldinger und verwüstet deren Land.
  • 809: Pippin: Schon 809 führt Paulus, Duca von Kephalonia, eine weitere Flotte in venezianische Gewässer. Mit den Franken von Comacchio kommt es zu Kämpfen, nach denen sich die dort gescheiterten Byzantiner um ein neues Abkommen bemühen. Die beiden Dogen bleiben indifferent, sodass Pippin nach dem Abzug der Flotte eine Invasion vorbereitet.
  • 809: Liudger: Am Passionssonntag 809 feiert er in Billerbeck seine letzte heilige Messe, nachdem er von Coesfeld kommend auf dem Weg dorthin das Münsterland gesegnet hat, an einer Stelle, die später Ludgerirast heißt. In der Nacht zum 26. März 809 stirbt er in Billerbeck im Kreis seiner Brüder an der Stelle, wo sich heute der Südturm der Propsteikirche St. Ludgerus erhebt. Sein Leichnam wird zunächst nach Münster überführt und dort aufgebahrt. Am 28. April wird Liudger gemäß seinem letzten Willen nach Werden überführt und östlich der ersten Abteikirche außerhalb der Kirche in der Nähe des Hauptaltars bestattet. Ein inzwischen gefällter Baum markiert nach der Altfrid-Vita jene Stelle, von der aus Liudger zuvor die Bauarbeiten verfolgt hat, und im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts entsteht über diesem Grabort, dem locus arboris, die Krypta der Abteikirche.
  • 809: Gerbald: Am 18. Oktober 809 stirbt Bischof Gerbald. Sein Nachfolger auf dem Lütticher Bischofsstuhl wird Waltgaud.
  • 809: Richulf: Im Jahr 809 ist Richulf erneut im Auftrag Karls des Großen im Kloster Fulda tätig, um Konflikte zwischen Abt Ratgar und dem Konvent zu schlichten. In diesem Zusammenhang wird im Jahr 809 eine Kirchweihe im Kloster Frauenberg bei Fulda vollzogen, die symbolisch die Beendigung des Streits sinnfällig machen soll, der jedoch weiter schwelt.
  • 810: Karl der Jüngere: 810 wird die von Karl dem Großen vorgesehene Erbschaftsregelung gegenstandslos. Am 8. Juli 810 stirbt Pippin von Italien.
  • 810: Ludwig der Fromme: Im Jahr 810 stirbt Pippin, der ältere Bruder Ludwigs, überraschend, was die Nachfolgeordnung im Reich verändert.
  • 810: Pippin: 810 greift Pippin die Städte rund um die Lagune von Venedig an. Er unterwirft die Herzöge „Wilheran“ und „Beatus“, die die spätere Überlieferung als Obelerius oder Obelerio Antenoreo und seinen Bruder Beatus oder Beato kennt. Der byzantinische Kaiser Nikephoros I. hat eine Flotte in die nördliche Adria geschickt, die von dem Patrizier Niketas kommandiert wird. Da den Franken keine Flotte zur Verfügung steht, bringt Niketas zunächst ohne Widerstand Dalmatien unter seine Kontrolle. Als die Flotte an der Einfahrt zur Lagune von Venedig erscheint, flieht Fortunatus, während sich Obelerius und sein Bruder Beatus unterwerfen. Obelerius erhält den Titel eines Spatharius, womit er äußerlich dem byzantinischen Herrschaftsbereich unterstellt ist. Niketas schließt zudem ein Abkommen mit König Pippin. Doch Pippin stirbt überraschend bereits am 8. Juli 810 in Mailand und wird dort begraben.
  • 810: Richulf: Im Jahr 810 erhält Richulf von Papst Leo III. Reliquien des Märtyrers Caesarius von Terracina für St. Alban in Mainz.
  • 810: Bischof Waltcaud (810/811-831)
  • 811: Karl der Jüngere: 811 stirbt zunächst Pippin der Bucklige als Mönch in Prüm, und am 4. Dezember 811 stirbt schließlich Karl der Jüngere. Damit erlebt von den erwachsenen Söhnen des Kaisers nur der jüngste, Ludwig, die letzten Jahre seines Vaters. Nach diesen Todesfällen erklärt Karl der Große Pippins Sohn Bernhard zum Herrscher Italiens und seinen einzigen noch lebenden Sohn Ludwig zum Erben des restlichen Reiches. Ludwig wird 813 zum Kaiser gekrönt und tritt 814 nach Karls Tod die Nachfolge vollständig an.
  • 811: Ludwig der Fromme: Im Jahr 811 folgt der überraschende Tod von Karl dem Jüngeren, sodass Ludwig als einziger legitimer Sohn und Erbe Karls des Großen übrig bleibt.
  • 811: Hildebold: Im Jahr 811 unterzeichnet Hildebold das Testament Kaiser Karls als erster Zeuge. In diesem Testament wird Köln an erster Stelle unter den fränkischen Erzbistümern genannt. Hildebold bestätigt mit seiner Unterschrift die letztwilligen Verfügungen des Kaisers. Karl erhält aus seinen Händen die Kommunion und die Krankensalbung, wenn Hildebold ihm die Sterbesakramente spendet. Hildebold steht damit in unmittelbarer Nähe zum sterbenden Kaiser und übt seine priesterlichen Aufgaben bis zum Ende von Karls Leben aus.
  • 811: Richulf: Im Jahr 811 erscheint Richulf in der exklusiven Zeugenliste des Testaments Karls des Großen.
  • 811: Bischof Wolfleoz (Konstanz, 811–838/39) (ab 812 Abt von St. Gallen bis 816)
  • 812: Ludwig der Fromme: Im Jahr 812 setzt Karl der Große zunächst Bernhard, den Sohn des verstorbenen Pippin, als Unterkönig in Italien ein, während zugleich Ludwig in Aquitanien einen Aufstand der Basken niederschlagen muss.
  • 812: Richulf: Im Jahr 812 wird im von Lul gegründeten Kloster Bleidenstadt ein Neubau geweiht, den Richulf errichten lässt. Die Weihe des Neubaus in Bleidenstadt erfolgt am 6. Juni 812. Richulf erweitert den Besitz und die Einkünfte der Abtei Bleidenstadt. Ebenfalls im Zusammenhang mit der Schlichtung der Konflikte zwischen Abt Ratgar und dem Konvent in Fulda wird im Jahr 812 eine Kirchweihe in der Propstei Johannesberg vollzogen, die wie die Kirchweihe 809 symbolisch die Beendigung des Streits sinnfällig machen soll, der Streit jedoch weiter schwelt und 817 zur Absetzung Abt Ratgars durch Ludwig den Frommen führt.
  • 813: Ludwig der Fromme: Im Jahr 813 lässt Ludwig auf einer Synode den Michaelstag anstelle eines Festes des germanischen Gottes Wotan festlegen, wodurch der Erzengel Michael zum Schutzpatron des sich bildenden Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands wird, und am 11. September 813 krönt Karl der Große seinen Sohn Ludwig in Aachen während einer Reichsversammlung zum Mitkaiser.
  • 813: Richulf: Im Jahr 813 ist Richulf an der Vorbereitung der Kirchenreformsynoden beteiligt, die im Jahr 813 parallel in Mainz, Reims, Tours, Chalon-sur-Saône und Arles stattfinden. Am 9. Juni 813 leitet Richulf gemeinsam mit Erzbischof Hildebold von Köln die Synode von Mainz. Am 9. August 813 stirbt Richulf in Mainz. Er wird im Stift St. Alban vor Mainz bestattet, dem von ihm neu erbauten und geweihten Gotteshaus, in dem sich die Grablege der Mainzer Erzbischöfe befindet.
  • 813: Hildebold: Im Jahr 813 leitet Hildebold gemeinsam mit Erzbischof Richulf die Synode im Stift St. Alban vor Mainz. Er führt die Beratungen mit und wirkt an den kirchlichen Entscheidungen der Synode mit. Im selben Jahr salbt er Ludwig den Frommen, den Erben Kaiser Karls, zum fränkischen König. Er vollzieht die Salbung und Anerkennung des neuen Herrschers und trägt somit zur geordneten Nachfolge im Frankenreich bei. Zugleich bleibt er als Erzbischof von Köln und Vertrauter der Herrscherfamilie im Zentrum des politischen und kirchlichen Geschehens.
  • 814: Ludwig der Fromme: Kaiser Ludwig der Fromme (814–840) Nach dem Tod Karls des Großen am 28. Januar 814 zieht Ludwig unverzüglich nach Aachen, übernimmt die Herrschaft im Gesamtreich, benötigt keine erneute Kaiserkrönung, da er bereits Kaiser ist, und beginnt seine Herrschaftsübernahme, die mühelos, aber nicht bruchlos verläuft.
  • 814: Adalhard Nach dem Regierungsantritt Ludwigs des Frommen entfernt dieser die Berater seines Vaters. Adalard wird deshalb im Jahr in das von Abt Arnoul geleitete Kloster Noirmoutier verbannt.
  • 814: Hildebold: Im Jahr 814 spendet Erzbischof Hildebold seinem Freund Kaiser Karl in Aachen die Sterbesakramente. Er erteilt ihm die Krankensalbung und reicht ihm die Kommunion. In dieser Situation begleitet er den Kaiser in den letzten Stunden seines Lebens. Kurz zuvor hat er bereits als erster Zeuge das Testament des Kaisers unterzeichnet und bestätigt damit dessen Bestimmungen.
  • 814: Waldo: Waldo stirbt am 29. oder 30. März 814 in der Abtei Saint-Denis bei Paris.
  • 815: Adalhard Im Jahr 821 wird Adalard nach dem Tod des heiligen Benedikt von Aniane wieder begnadigt. Er kehrt daraufhin in seine Abtei Corbie zurück.
  • 815: Baugulf Am 8. Juli stirbt der ehemalige Abt Baugulf in Wolfsmünster und wird dort bestattet. Abt Eigil lässt seine Vita durch den Fuldaer Mönch Brun Candidus verfassen. Dieses Werk ist in den späteren Bücherverzeichnissen des Klosters Fulda bereits nicht mehr erwähnt und geht spätestens bei der Zerstörung der Fuldaer Bibliothek im Dreißigjährigen Krieg verloren.
  • 816: Ludwig der Fromme: Im Jahr 816 beschließt eine große Aachener Reichssynode, dass die benediktinischen Regeln für alle Mönche und Nonnen im Frankenreich verbindlich sind, und die Institutio canonicorum Aquisgranensis legt für alle nichtmonastischen Kleriker- und Frauengemeinschaften eine einheitliche Norm in Liturgie und Lebensführung fest, während Ludwig im selben Jahr, wohl am 5. Oktober, in Reims von Papst Stephan IV. gesalbt und nochmals gekrönt wird, um die Sakralität seiner Herrschaft zu betonen.
  • 816: Erzbischof Ebo (Reims, 816–835, Bischof von Hildesheim 845–851)
  • 816: Hildebold: Im Jahr 816 holt Hildebold feierlich Papst Stephan V. nach Reims ein, wo die Krönung König Ludwigs des Frommen zum römischen Kaiser vorbereitet wird. Er empfängt den Papst und begleitet ihn an den Ort der künftigen Krönung. Auch nach dem Tod Karls des Großen wahrt er seine Stellung und bleibt eine einflussreiche Figur in Reich und Kirche. Er wirkt weiterhin an der Verbindung zwischen Papsttum und fränkischer Herrschaft mit.
  • 816: Bischof Gondulf (Metz, 816–823)
  • 817: Ludwig der Fromme: Im Jahr 817 greift Ludwig in die monastische Reform im Kloster Fulda ein, lässt auf Bitte des Konvents im Supplex Libellus Abt Ratgar absetzen und stellt das Kloster für ein Jahr unter kommissarische Leitung zweier Mönche aus dem Westen, und im selben Jahr, möglicherweise durch einen Unfall veranlasst, ordnet er in der Ordinatio imperii die Nachfolge so, dass Lothar in Aachen zum Mitkaiser gekrönt wird und die außenpolitische Hoheit über das Gesamtreich erhält, während Pippin Aquitanien und Ludwig den östlichen Teil des Fränkischen Reiches bekommt, was Theodor Schieffer als absoluten Höhepunkt des karolingischen Zeitalters bezeichnet.
  • 818: Ludwig der Fromme: Im Jahr 818 zwingt Ludwig nach der Rebellion seines Neffen Bernhard von Italien seine illegitimen Halbbrüder Hugo, Drogo und Theoderich in den Dienst der Kirche.
  • 818: Hildebold: Am 3. September 818 stirbt Erzbischof Hildebold in Köln. Er wird in St. Gereon zur letzten Ruhe gebettet. Noch im 14. Jahrhundert gilt er als der Stifter des dortigen Hochaltars. In der Nähe von St. Gereon ist später ein Platz nach Hildebold benannt, der an seine Person erinnert.
  • 818: Abt Eigil (Fulda, 818–822) Eigils Leben bis 818: Eigil wird um 750 in Bayern in eine bairische Adelsfamilie geboren, Er ist mit Abt Sturmius verwandt, der sein Onkel ist. Noch im Kindesalter übergeben ihn seine Eltern als Oblaten dem Kloster Fulda, wo er unter Sturmius Schüler wird. Er wird Propst und fungiert als Schöffe im Abtsgericht. Unter Abt Ratgar entsteht im Kloster Fulda eine existenzbedrohende Krise. Ratgar führt ein hartes, kompromissloses Regiment, greift in die überlieferten Consuetudines ein und betreibt ein forciertes Bauprogramm. Eigil gehört in dieser Krise zu den Gegnern Ratgars. Er zählt zu den Verfassern des gegen Ratgars Amtsführung gerichteten Beschwerdebriefs, des Supplex Libellus, und gehört zu einer Gruppe von Mönchen, die auf dem Höhepunkt des Streits aus dem Kloster flieht. Nach der Absetzung Ratgars beginnt ein Interregnum in Fulda. Auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen wird in dieser Zeit die Reform Benedikts von Aniane im Kloster eingeführt. Er folgt ihr jedoch nicht in allen Einzelheiten und lässt zum Beispiel weiterhin die Außenposten des Klosters von Mönchen und nicht – wie vorgeschrieben – von Laien verwalten. - Im Jahr 818 wird Eigil vierter Abt des Klosters Fulda. Er entwickelt einen kooperativen Führungsstil und setzt ausgleichende Maßnahmen ein. Eigil greift auf die integrativen Reformideen Benedikts von Aniane zurück. Er verbindet altmonastische Spiritualität, Askese, benediktinische Tradition und Reformgedanken und trägt so zur Überwindung der Krise bei. Unter seiner Leitung kommt es zu einer Versöhnung zweier Gruppen: der an einem idealen, asketischen Einsamkeitskloster festhaltenden Traditionalisten und der gegenüber den Neuerungen der karolingischen Renaissance in Bildung, Kunst und Kultur aufgeschlossenen Gruppierung. Obwohl er zuvor Gegner Ratgars ist, setzt sich Eigil als Abt später für dessen Begnadigung ein. Er bewirkt, dass Ratgar in das Fuldaer Nebenkloster Frauenberg zurückkehren darf. Wahrscheinlich ernennt Eigil den Leiter der Klosterschule, Hrabanus Maurus, mit dem er bei Bau- und liturgischen Projekten eng zusammenarbeitet, zum Propst und präsumptiven Nachfolger. Hrabanus repräsentiert den neuen geistigen Aufbruch im Kloster. Unter Eigils kurzem Abbatiat blüht das Klosterleben auf. Es entstehen die Voraussetzungen dafür, dass Fulda unter seinem Nachfolger Hrabanus Maurus zu einem der bedeutendsten Zentren geistiger Kultur aufsteigt. - Eigil verfasst im Vorfeld der 820 durchgeführten Translation der Gebeine des Gründerabtes Sturmi dessen Biographie. Dieses Werk trägt den Titel Vita Sturmi primi abbatis et fundatoris Fuldensis coenobii. Er veranlasst den Fuldaer Mönch Brun Candidus zur Abfassung der Vita des zweiten Fuldaer Abtes Baugulf. Damit begründet Eigil die Fuldaer Vitenreihe, die die ersten fünf Äbte Sturmi, Baugulf, Ratgar, Eigil und Rabanus Maurus sowie die Fuldaer Heiligen Bonifatius und Lioba umfasst. Fuldaschüler, die aus diesem geistigen Umfeld hervorgehen, sind unter anderem Ermenrich von Ellwangen, der den Sermo de Vita B. Soli über den Einsiedler Sola von Solnhofen verfasst, der Kaiserbiograf Einhard und Walahfrid Strabo. Walahfrid Strabo verfasst und ediert zahlreiche Viten wie die Vita S. Galli, Vita Mammae, Vita Blaithmaic, Vita S. Otmari sowie Einhards Vita Karoli und Thegans Gesta Hludowici. - Eigil vollendet die von seinen beiden Vorgängern begonnene Salvator-Basilika in Fulda. Diese Kirche heißt nach ihrem Erbauer später meist Ratgar-Basilika. Er lässt in diese Basilika nachträglich zwei Krypten einbauen, die zu den frühesten Hallenkrypten zählen. Zugleich fördert er damit die klösterliche Memoria und die liturgische Nutzung des Kirchenraums. Außerdem lässt Eigil eine Friedhofskapelle errichten, die Hrabanus Maurus konzipiert. Es entsteht die Michaelskirche, ein Zentralbau über acht Säulen mit Schlussstein in der Kuppel oder im Gewölbe und einer Krypta, die über einer Mittelsäule mit jonisierendem Kapitell gewölbt ist. - Um den Kult des Gründerabtes Sturmius, seines Verwandten, kümmert sich Eigil besonders. Er lässt dessen Grab im südlichen Seitenschiff der Salvator-Basilika neu anlegen, ordnet seine Translation und gestaltet seine liturgische Memoria neu. Zu dieser erneuerten Memoria zählt auch die Lesung der von Eigil verfassten Vita Sturmi während der Liturgie. Wahrscheinlich steht diese Einzelmaßnahme im Zusammenhang mit einer Liturgiereform, in deren Rahmen ein von Hrabanus Maurus kompiliertes Sakramentar, ein Gregorio-Gelasianum mixtum, in Fulda eingeführt wird. - Eigil beginnt außerdem mit dem Bau eines neuen Konventsgebäudes. Dieses Gebäude kann er jedoch vor seinem Tod nicht mehr fertigstellen.
  • 821: Ludwig der Fromme: Im Jahr 821 stirbt Benedikt von Aniane, Ludwigs wichtigster Berater, wodurch die kirchliche Reformbewegung erlahmt.
  • 822: Ludwig der Fromme: Im Jahr 822 vollzieht Ludwig der Fromme auf dem Reichstag von Attigny einen öffentlichen Bußakt für sein hartes Vorgehen gegen Familienangehörige, insbesondere gegen Bernhard, erfüllt damit den Wunsch führender Geistlicher, erleidet aber zugleich einen Prestigeverlust, während Hugo 822/23 Abt von Saint-Quentin wird.
  • 822: Abt Adalhard (Corvey, 822-826) Im Jahr 822 beteiligt sich Adalard zusammen mit seinem Bruder Wala an der Gründung der Neuen Corbie, der Abtei Corvey an der Weser in Sachsen. Wala wird dort Abt. Im selben Jahr verfasst Adalard die Statuten der Abtei Corbie (Statuta antiqua abbatiae sancti Petri Corbeiensis), die später als Vorbild für andere Abteien dienen.
  • 823: Ludwig der Fromme: Im Jahr 823 wird Drogo Bischof von Metz, und im selben Jahr wird Karl, der Sohn Ludwigs aus zweiter Ehe mit Judith, geboren, für den später ein neues Teilreich Schwaben geschaffen werden soll.
  • 824: Ludwig der Fromme: Im Jahr 824 gewährt Ludwig den Juden im Frankenreich mehrere Privilegien, darunter das Recht des inländischen Sklavenhandels, wobei die Versklavten in das Kalifat von Córdoba exportiert werden, gegen was der Erzbischof Agobard von Lyon vergeblich protestiert.
  • 825: Ludwig der Fromme: Von 825 bis 829 wirkt Lothar als offizieller Mitregent, und 826 empfängt Ludwig den entmachteten Dänenkönig Harald Klak und dessen Gefolge zur Reichsversammlung in Ingelheim, bei der Harald sich im Stift St. Alban vor Mainz taufen lässt und Ansgar in der Folge in Skandinavien missioniert, während Ludwig zugleich sein Itinerar ausweitet und häufiger etwa nach Frankfurt und Ingelheim reist.
  • 826: Adalhard: Am 2. Januar 826 stirbt Adalard im Alter von 75 Jahren. Sein Bruder Wala folgt ihm als Abt von Corbie nach. Eine Vita wird von Radbertus wohl schon kurz nach dem Tod Adalhards verfasst.Im Jahr 1024 wird Adalhard heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 2. Januar. Abt Wala (826–831)
  • 826: Bischof Friedrich I. (Utrecht, 826-838)
  • 829: Ludwig der Fromme: Im Jahr 829 schickt Ludwig, vermutlich auf Drängen von Kaiserin Judith, seinen ältesten Sohn und Mitkaiser Lothar nach Italien und verweist Wala, den Abt von Corbie, vom Hof.
  • 830: Ludwig der Fromme: Im Jahr 830 ruft Ludwig während der Fastenzeit zu einem nicht akut notwendigen Feldzug gegen die Bretonen auf, was im April zu einem offenen Aufstand führt, den Mühlbacher, Theodor Schieffer und Boshof als loyale Revolution deuten, bei der Lothar aus Italien zurückgeholt und wieder Mitregent wird, Ludwig in leichte Haft gerät, Judith der Ehebruchs mit Bernhard von Septimanien beschuldigt und in ein Kloster bei Poitiers verbannt wird, bevor im Oktober 830 auf der Reichsversammlung von Nimwegen ein Umschwung erfolgt, Ludwig wieder in seine Herrschaft eingesetzt, die Verschworenen verhaftet oder verbannt, Judith nach Aachen zurückgeholt und Lothar 831 erneut nach Italien geschickt wird.
  • 830: Erkanbert Der ehemalige Bischof Erkanbert stirbt am 7. Juni 830 in Minden. Sein Gedenktag ist sein Todestag, der 7. Juni, und er wird als Heiliger verehrt.
  • 831: Ludwig der Fromme: Im Jahr 831 gründet Ludwig das Erzbistum Hamburg, von dem aus ganz Skandinavien missioniert werden soll, und beauftragt Ebo von Reims sowie Ansgar, Bischof von Bremen-Hamburg, mit der nordischen Mission, während Lothar nach Italien zurückgeschickt wird.
  • 832: Ludwig der Fromme: Im Jahr 832 zwingt Ludwig der Fromme seine aufständischen Söhne Ludwig den Deutschen und Pippin zur Unterwerfung.
  • 833: Ludwig der Fromme: Ende Juni 833 stehen sich Ludwig und seine Söhne aus erster Ehe auf dem Rotfeld bei Colmar gegenüber, wo durch Druck und Versprechungen Ludwigs Getreue und Soldaten abfallen, sodass Ludwig am 30. Juni zur Ergebung und faktischen Abdankung gezwungen wird, das Feld als Lügenfeld bekannt wird, Ludwig in das Kloster Saint-Médard bei Soissons verbannt wird, dort eine demütigende öffentliche Buße mit Übergabe eines Sündenregisters, Waffenabgabe und Büßergewand leisten muss, während Judith nach Tortona verbannt und Karl der Kahle in strenge Haft in das Kloster Prüm gebracht wird.
  • 834: Ludwig der Fromme: Anfang 834 wenden sich Pippin und Ludwig der Deutsche von Westen und Osten gegen Lothar, der keine Unterstützung mehr findet und nach Italien flieht, und am 1. März 834 wird Ludwig der Fromme in der Abteikirche von Saint-Denis mit Waffen und Krone geschmückt und erneut als Kaiser anerkannt, während Lothars Macht auf Italien beschränkt und Judith aus Italien nach Aachen zurückgeholt wird.
  • 837: Ludwig der Fromme: Im Jahr 837 plant Ludwig einen neuen Reichsteilungsplan zugunsten Karls des Kahlen, der diesem die Herrschaft über Friesland und das Gebiet zwischen Maas und Seine zuspricht und neue Unruhen auslöst, die später erst mit der Teilung durch den Vertrag von Verdun beendet werden.
  • 838: Ludwig der Fromme: Im Jahr 838 stirbt Ludwigs Sohn Pippin plötzlich, wodurch der Weg zu einer einigermaßen ausgewogenen Dreiteilung des Reiches unter Lothar, Ludwig den Deutschen und Karl den Kahlen geebnet wird.
  • 840: Ludwig der Fromme: Im Jahr 840 versucht Ludwig der Fromme, seinem Sohn Ludwig dem Deutschen nur noch Bayern als Herrschaftsgebiet zuzuweisen, provoziert dessen Widerstand, unternimmt eine Strafexpedition und stirbt schließlich am 20. Juni 840 auf einer Rheininsel bei Ingelheim vermutlich an Magen- oder Speiseröhrenkrebs in Verbindung mit Bronchitis, nachdem er laut Astronomus’ Vita Hludowici mit den Worten „Huz, huz“ einen bösen Geist zu sehen glaubt, dann heiter zum Himmel blickt und lächelnd stirbt.
  • 864: Überführung der Gebeine Rigoberts nach Reims.
  • 872: Beisetzung der Gebeine Rigoberts in der Kirche Saint-Thierry zu Reims; Teile der Reliquien gelangen später nach Paris. Gedenktag: 4. Januar.
  • zuletzt 796

Herzogtum Gascogne

Grafschaft Toulouse

  • 801: Wilhelm: Im Jahr 801 führt Wilhelm gemeinsam mit Ludwig dem Frommen ein großes Heer aus Franken, Burgundern, Provenzalen, Aquitaniern, Gascognern und Goten an. Diese Truppen erobern Barcelona von den Umayyaden. Danach übt Wilhelm für kurze Zeit die Herrschaft in Katalonien aus.
  • Fortsetzung 804
  • 804: Wilhelm: Im Jahr 804 gründet Wilhelm die Abtei Gellone bei Lodève in der Diözese Maguelonne. Er stattet das Kloster mit Besitz aus, unterstellt es der allgemeinen Aufsicht Benedikts von Aniane und erhält als Gabe ein Stück des Wahren Kreuzes, das ihm sein Vetter Karl der Große aus Jerusalem hat zukommen lassen. Im Dezember 804 wird die Abtei mit Mönchen aus dem nahegelegenen Aniane besiedelt. Sein am 28. Januar 804 abgefasstes Testament nennt seine Frauen Kunigunde und Witburgis, seine verstorbenen Eltern Theoderich/Theodorich und Aldana, seine Brüder Theodino und Adalelmo, seine Schwestern Abbana und Bertana, vier Kinder, einen Neffen sowie weitere namentlich genannte Angehörige.
  • 806: Wilhelm: Im Jahr 806 zieht sich Wilhelm als Mönch nach Gellone zurück. Am 29. Juni 806 tritt er dort selbst in das Kloster ein, allerdings nicht in führender Stellung, sondern bleibt bis zu seinem Tod Einsiedler. Das Kloster trägt anfangs den Namen St. Crucis nach der Kreuzreliquie, die Karl der Große Wilhelm bei seinem Eintritt schenkt. Graf Beggo I. (806-811)
  • 811: Im Jahr 811 wird Beggo I. mit der Grafschaft Paris betraut, nachdem er bereits Wilhelms Nachfolger in Toulouse geworden ist. Damit wird deutlich, dass Wilhelm zuvor von 790 bis 806 Graf von Toulouse gewesen ist.
  • 812: Wilhelm von Aquitanien Der ehemalige Graf Wilhelm stirbt wohl am 28. Mai 812 in Gellone, dem heutigen Saint-Guilhem-le-Désert bei Montpellier in Frankreich. Nach seinem Tod heißt es, die Glocken von Orange hätten von selbst geläutet. Im 10. oder 11. Jahrhundert wird die lateinische Hagiographie Vita sancti Willelmi verfasst. Im 12. Jahrhundert wächst Wilhelms Legende weiter an; er wird zum Helden eines ganzen Zyklus von chansons de geste, deren frühestes Werk die Chanson de Guillaume um 1140 ist. In diesen Dichtungen trägt er die Beinamen Fièrebrace und marquis au court nez. 1066 wird er von Papst Alexander II. heiliggesprochen.
  • Zuletzt 793

Abodriten

  • 798: 798 erringen die Abodriten unter ihrem nunmehr auch in den Quellen als dux bezeichneten Heerführer in der Schlacht auf dem Sventanafeld in der Nähe von Bornhöved den entscheidenden Sieg über die in Nordalbingien lebenden Sachsen. Den rechten Flügel des abodritischen Heeres befehligt der Drasco unterstellte fränkische Militärberater Eburis, möglicherweise mit fränkischen Hilfstruppen. Nach dem Sieg über die Sachsen wird Drasco ins nördliche Thüringen befohlen, wo Karl den siegreichen Feldherrn für seine Verdienste auszeichnet. Die Außergewöhnlichkeit dieser Ehrung zeigt sich in den Lorscher Annalen, wenn es für 798 heißt, Drasco habe sie erhalten, obwohl er Heide sei.
  • Fortsetzung 804
  • 804: 804 erhält Drasco im Sommerlager Karls des Großen bei Hollenstedt die Königswürde über den abodritischen Stammesverband. Ob die Einsetzung nur die Anerkennung einer bereits zuvor durch die einzelnen Fürsten der Kleinstämme getroffenen Entscheidung ist oder eine originäre Verleihung darstellt, bleibt umstritten. Die Metzer Annalen schildern, Karl der Große habe mit der Einsetzung Drascos einen Streit unter den abodritischen Fürsten um die Führung beendet. Zugleich unterstellt Karl die sächsischen Gaue in Nordalbingien, also Dithmarschen, Holstein und Stormarn, Drascos Herrschaft. Mit der Zuweisung des vordem sächsischen Siedlungsgebietes und einer, wenn auch archäologisch nur in Teilbereichen nachweisbaren, Ansiedlung der Abodriten will Karl die fränkische Nordgrenze vor den Dänen schützen und vor allem den Sachsen für den Fall einer erneuten Erhebung die Rückzugsmöglichkeit zu den Dänen abschneiden.
  • 808: Bereits 808 scheitern Karls Pläne. In einem blitzartigen Überfall landen die Dänen unter Göttrik an der abodritischen Ostseeküste im Raum Wismar und zerstören binnen weniger Tage mehrere Dörfer und Burgen sowie den Handelsplatz Reric. Gleichzeitig greifen die verfeindeten Wilzen sowie die Smeldinger und Linonen die Abodriten an. Das Ausmaß der Niederlage ist enorm: Zwei Drittel der abodritischen Stämme fallen von Drasco ab, erkennen Göttriks Oberhoheit an und werden ihm tributpflichtig. Godelaib, ein mit den Abodriten verbündeter Herzog mit dänischem Namen, wird von Göttrik in Reric als Verräter gehängt. Die dänischen Kaufleute Rerics müssen den Handelsplatz verlassen und werden in Haithabu angesiedelt. Da Drasco befürchtet, von seinen eigenen Leuten an Göttrik ausgeliefert zu werden, sucht er sein Heil in der Flucht.
  • 809: 809 muss Drasco seinen Sohn Ceadrag dem Dänenkönig Göttrik als Geisel überlassen. Das ist zugleich Eingeständnis der Niederlage und Zeichen der Unterwerfung. Die herbeieilenden Franken unter Karl dem Jüngeren kommen zu spät, um noch auf der Seite der Abodriten einzugreifen, weil die Dänen sich mit reicher Beute, aber auch unter schweren Verlusten ebenso schnell wieder zurückziehen, wie sie zugeschlagen haben. Angesichts der Überlegenheit des Dänenkönigs kündigen Teile des abodritischen Stammesverbandes Drasco die Gefolgschaft und erkennen entweder Göttrik als Herrscher an oder verfolgen wieder eigene Partikularinteressen. Der Stammesverband droht sich aufzulösen. Dennoch gelingt es Drasco, bereits ein Jahr später ein neues Heer aufzustellen, bestehend aus den Männern seines Stammes und sächsischen Hilfstruppen. Mit diesem zieht er jedoch nicht gegen die Dänen, denen er eben erst den Treueeid geleistet hat, sondern fällt in die Gebiete der mit diesen verbündeten Wilzen ein, verheert ihre Gebiete mit Feuer und Schwert und kehrt dann siegreich und mit reicher Beute zurück. Durch diese Erfolge kann er weitere Sachsen anwerben, erobert bei Friedrichsruhe die größte Burg der Smeldinger und nötigt durch diese Erfolge die von ihm abgefallenen Stämme, sich ihm wieder anzuschließen.
  • 810: Im Jahre 810 wird Drasco in Reric von einem Vasallen des dänischen Königs Göttrik ermordet. Aufgrund der Bezeichnung als Vasall und dem Ort des Todes inmitten des eigenen Herrschaftsgebietes spricht viel dafür, dass es sich bei dem Attentäter um einen abodritischen Gefolgsmann Göttriks handelt. Im Gegensatz zur Chronik von Moissac halten die Annales regni Francorum den Tod Drascos für 809 fest, doch der Verweis auf den 15. März lässt das Ereignis im Folgejahr 810 einordnen. Nach Drascos Tod bestimmt Karl der Große dessen Bruder Sclaomir zum Herrscher der Abodriten. Das Bündnis überdauert Karls Tod 814 nur noch um wenige Jahre. Samtherrscher Sclaomir (810–819)
  • Zuletzt 795

​ Herzogtum Sachsen

  • Karl der Große erreicht bei einer Strafexpedition gegen die Sachsen die Elbe bei dem Orte Lüne (Reichsannalen 795).
  • Fortsetzung 799
  • 799: Im Jahr 799 stirbt Gerold von Schwaben, der Schwager Karls des Großen, auf einem Feldzug gegen die Awaren; die Kaiserchronik sagt, Widukind sei von Gerold von Schwaben erschlagen worden.
  • Fortsetzung 804
  • 804: Im Jahr 804 endet die Zeit der Sachsenkriege, an denen Widukind vermutlich von Anfang an beteiligt ist.
  • zuletzt 796

​ Herzogtum Baiern

Reihenfolge der Städte: Regensburg, Bayern, Oberpfalz (49° 01′ N) Eichstätt, Bayern, Oberbayern (48° 53′ N) Freising, Bayern, Oberbayern (48° 24′ N) Passau, Bayern, Niederbayern (48° 34′ N) Augsburg, Bayern, Schwaben (48° 22′ N)

  • 797: Arn: 797 reist Arn im Auftrag des Frankenkönigs nach Rom zu Papst Leo III.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Arn: Am 20. April 798 erreicht er die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum; er selbst wird erster Erzbischof der neuen Erzdiözese. Der neuen Kirchenprovinz unterstehen als Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben. Arn lässt um 798/800 noch ein weiteres Güterverzeichnis, die Breves Notitiae, anfertigen. Über die bloße Aufstellung der Güter hinaus finden sich darin weiterführende historische Informationen zu den bayerischen Herzögen und zu den Salzburger Bischöfen.
  • 798: Gerhoh: Mit der Auflösung des Bistums Neuburg an der Donau im Jahr 798 werden die Bistumsgrenzen neu festgesetzt. In diesem Zusammenhang kann Gerhoh den nördlich der Donau gelegenen Sualafeldgau in sein Bistum Eichstätt einverleiben. Während seiner späteren Amtsjahren baut Gerhoh wahrscheinlich den ersten Eichstätter Dom. Innerhalb seiner Mauern verfügt das Willibaldinische Kloster über einen eigenen Sakralraum.
  • 799: Arn: 799 begleitet Arn Papst Leo III., der vor seinen Gegnern zu Karl dem Großen geflohen ist, zurück nach Rom.
  • 799: Simpert: Im Jahr 799 nimmt Simpert als persönlicher Beauftragter Karls des Großen an der Provinzialsynode in Reisbach in Niederbayern teil. Auf dieser Synode diskutieren die Anwesenden unter anderem rechtliche Fragen des Klerus sowie die Teilnahme von Laien am Gottesdienst. In dieser Zeit wächst Simperts Ansehen, sodass er in Kirche und Reichspolitik als wichtige Persönlichkeit gilt.
  • 800: Arn: Am 25. Dezember 800 ist Arn bei der Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom anwesend.
  • 802: Simpert: Um 802 integriert Simpert das Bistum Neuburg‑Staffelsee in das Bistum Augsburg, das dadurch territorial und institutionell gestärkt wird. Unter seiner Amtsführung wird der Augsburger Dom vollendet und geweiht, was die religiöse Bedeutung der Stadt sichtbar erhöht. Simpert bestattet als Bischof den Abt Waldram des Klosters Benediktbeuern und weiht Eliland zu dessen Nachfolger. Er kümmert sich ebenso um das Gedeihen des Klosters Sankt Mang in Füssen und fördert so das monastische Leben im süddeutschen Raum. In den Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Franken wird Augsburg schwer in Mitleidenschaft gezogen, und Simpert trägt viel zum Wiederaufbau der Stadt bei. Er gilt in dieser Phase vermutlich als enger Vertrauter Karls des Großen, während Augsburg unter dessen Herrschaft massiv gefördert wird.
  • 804: Waldrich: Im Jahr 804 endet seine Amtszeit als Bischof von Passau. Am 22. August 804 stirbt Waldrich. Bischof Urolf (Passau, 804–806)
  • 805: Gerhoh: Im Jahr 805 ist Gerhoh noch in einer Urkunde des Klosters Murbach erwähnt. Aus dieser indirekten Überlieferung ergibt sich, dass er zu diesem Zeitpunkt noch lebt. Gegen Lebensende vermacht Gerhoh nach einer mittelalterlichen Quelle seinen Privatbesitz der Bischofskirche. Zu diesem Privatbesitz gehören wertvolle Gegenstände wie ein goldener Tragaltar, der sich nicht erhalten hat.
  • 806: Gerhoh: Gerhoh stirbt an einem 2. Februar, vermutlich im Jahr 806. Seine Amtszeit als Bischof von Eichstätt endet zu diesem Zeitpunkt. Bischof Agan (Eichstätt, 806–822)
  • 807: Simpert: Simpert stirbt an einem 13. Oktober, vermutlich im Jahr 807, in Augsburg, nachdem er von 778 bis 807 als Bischof von Augsburg wirkt. Sein offizielles Sterbedatum wird später mit „13. Oktober 807“ angegeben, obwohl die Jahreszahl ursprünglich nicht sicher überliefert ist. Seit 1492 ruhen seine Reliquien in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg, nachdem Abt Konrad Mörlin sich nachhaltig für die Überführung eingesetzt und den Kult des Heiligen gefördert hat. In dieser Kirche entsteht später ein barockes Grabdenkmal Simperts, das dem Bildhauer Johann Jakob Herkomer (1652–1717) zugeschrieben wird. Der Gedenktag Simperts ist der 13. Oktober, der sich an seinem Sterbetag orientiert. Er ist dritter Schutzpatron von Stadt und Bistum Augsburg neben Ulrich und Afra.
  • 808: Atto von Freising: Gegen das Jahr 808 vergrößert Atto den territorialen Besitz seines Bistums durch den Erwerb der späteren Herrschaft Burgrain. Er erwirbt dieses Gebiet im Tauschgeschäft von dessen Inhaber Riphwin, der dem uradeligen Fagana‑Clan angehört. Mit diesem Tausch fügt Atto dem bischöflichen Territorium ein weiteres Herrschaftsgebiet hinzu und stärkt zugleich die wirtschaftliche und politische Basis des Bistums Freising, wobei die Verbindung zum Adel der Fagana erneut sichtbar wird. Nach dem Erwerb der Herrschaft Burgrain führt Atto sein Amt als Bischof von Freising weiter und bleibt zugleich Träger verschiedener Herkunftsbezeichnungen, die sich auf Kienberg, Schlehdorf und Freising beziehen. Seine Zugehörigkeit zu den Huosi und Fagana, seine Klostergründungen in Scharnitz, Schlehdorf und Innichen, seine Missionsarbeit unter den Slawen im Pustertal und seine bischöfliche Bautätigkeit auf dem Freisinger Domberg prägen diese letzte Phase seines Lebens. Er wirkt bis zu seinem Tod als fünfter Bischof von Freising und vereint in seiner Person die Funktionen als Adliger, Abt, Missionsgründer und Diözesanbischof.
  • 809: Arn: ​Er nimmt 809 am Konzil von Aachen teil und formuliert dort Beschlüsse, die Kaiser Karl annimmt und an den Papst weiterleitet.
  • 810: Atto von Freising: Atto von Freising, auch Atto der Kienberger genannt, stirbt im Jahr 810 oder 811 und beendet damit seine Amtszeit als fünfter Bischof von Freising, die von 783/784 bis 810/811 reicht. Mit seinem Tod schließt sich eine Bischofsepoche, in der Mitglieder des Huosi‑Clans – nach Arbeo – die Leitung des Bistums innehaben und zugleich durch Klostergründungen, Missionstätigkeit und Gebietserwerbungen die kirchliche und adlige Landschaft Altbayerns und der angrenzenden Regionen nachhaltig mitgestalten. Bischof Hitto (810/12–835)
  • 816: Adalwin stirbt am 4. Oktober 816. Damit endet seine Amtszeit als vierter Bischof von Regensburg, die von 791 bis 816 reicht.
  • 817: Bischof Baturich (Regensburg, 817–847)
  • 821: Arn stirbt am 24. Januar 821 in Salzburg. Die römisch-katholische Kirche verehrt ihn als Seligen; sein Gedenktag ist der 24. Januar.
  • 822: Eigil stirbt 822 hochbetagt im Kreis seiner Brüder im Kloster Fulda, wahrscheinlich am 15. Juni oder alternativ am 6. August. Sein Sterbeort ist Fulda. Sein Grab befindet sich in der als Abtsgrablege konzipierten Krypta der von ihm in Auftrag gegebenen Michaelskirche. Der Überlieferung nach gräbt Eigil dieses Grab nach dem Vorbild Benedikts von Nursia mit eigenen Händen. Um 840 verfasst der Fuldaer Mönch Brun Candidus eine Biographie Eigils. Dieses Werk entsteht als opus geminum in zwei Büchern, eines in Prosa (Buch I) und eines in Versen (Buch II). Der katholische Gedenktag Eigils ist am 15. Juni.
  • zuletzt 796

Herzogzum Mailand

Herzogtum Treviso

  • 804: Fortunatus II: Zunächst versucht Fortunatus, die beiden Dogen Johannes Galbaius und seinen Sohn Mauritius (II.) zu stürzen, um Rache an den Mördern seines Vorgängers zu nehmen. Doch scheitert der Plan. Stattdessen muss er zusammen mit seinem Verwandten und Verbündeten Obelerius nach Treviso fliehen, um sich dort unter den Schutz der Franken zu stellen. Nachdem die beiden Dogen 804 schließlich mit fränkischer Unterstützung gestürzt worden sind, tritt Fortunatus’ Vertrauter Obelerius das Amt des Dogen an. Fortunatus begibt sich nach dem venezianischen Militärschlag nach Istrien, wo er 804 zusammen mit fünf Bischöfen und anderen Vertretern aus seinem Geburtsort Triest, sowie von Istrien, den Beschluss von Risano, das Placito del Risano, initiiert. Der Patriarch und sein Gefolge legen den Königsboten (Missi Dominici) Kaiser Karls ihre Forderungen vor, die zum Großteil anerkannt werden. Der Region wird weitgehende Zollfreiheit gewährt, und – was im fränkischen Feudalsystem ein ungewöhnliches Recht ist – die Erlaubnis, seine inneren Angelegenheiten selbst zu regeln und seine Bischöfe und Beamten eigenständig zu wählen.
  • Fortsetzung 805
  • 805: Fortunatus II: Fortunatus muss Grado zum ersten Mal verlassen. Er wird durch den Diakon Johannes ersetzt, von dem eine Inschrift in Grado erhalten ist. Sie lautet: „Iohannes siquidem patriarcha, qui per quattuor annorum spacia Gradensem sedem vivente pastore usurpavit, sinodali censura depositu est“.
  • 806: Fortunatus II: Im Zuge dieser „Usurpation“ wird Fortunatus auf Initiative Karls, der sich an den Papst wendet, zum Bischof von Pula auf Istrien erhoben, ein Amt, das er bis 810 ausfüllt. Da Fortunatus formal weiterhin das Amt des Patriarchen von Grado innehatte, lehnt Papst Leo III. dessen Ernennung zum Bischof von Pola zunächst ab. Erst nach der Vereinbarung, den Bischofsstuhl in Pola wieder zu räumen, sobald er seinen Sitz in Grado, den er „propter persecutionem Grecorum seu Veneticorum“ eingebüßt hat, wieder einnehmen kann, bestätigt der Papst Fortunatus in seinem Amt als Bischof von Pola. Karl soll sich, nach einer Anspielung des Verfassers der Chronica de singulis patriarchis Nove Aquileie, Fortunatus als spirituellen Vater gewünscht haben. Der Papst hingegen ermahnt den Kaiser, nicht auf die Apologeten des Fortunatus zu hören, denn sein ganzes Verhalten sei eines Erzbischofs unwürdig, und die besagten Apologeten seien korrumpiert worden. Diesen Vorwurf bestätigt wohl die Zurückgewinnung von Gütern durch den Nachfolger des Fortunatus, den Patriarchen Venerius, der die besagten Güter seinem Neffen Domenico vermacht hat.
  • 810: Fortunatus II: König Pippin von Italien, einer der Söhne Karls des Großen, erobert eine Reihe von Orten in der Lagune von Venedig. Obwohl sich die Venezianer der fränkischen Invasion erfolgreich widersetzen und Obelerio aufgrund seines Bündnisses mit den Franken von seinem Dogenamt zurücktreten muss, kann Fortunatus nach Grado zurückkehren. Karl erkennt 810 an, dass die Lagune zum östlichen Kaiserreich gehört. Damit verlieren die ehrgeizigen Pläne des Fortunatus ihre Grundlage, auch wenn noch eine Quelle aus dem Jahr 819 ihn als ‚Patriarchen der Kirche von Aquileia und von Grado‘ bezeichnet. Im Patriarchat Grado wächst in den folgenden Jahren der kulturelle Einfluss der Franken, wie sich an Kunstwerken der Zeit erweisen lässt.
  • 815: Fortunatus II: Karls Sohn Ludwig der Fromme erneuert auf Veranlassung von Fortunatus das Recht für die istrische Region, ihre Bischöfe und Beamten selbst zu erheben.
  • 820: Fortunatus II: Fortunatus beteiligt sich an einer Verschwörung zum Sturz des neuen Dogen von Venedig, des Agnello Particiaco. Das Komplott fliegt jedoch auf und Fortunatus wird verbannt; wie der venezianische Chronist Johannes Diaconus behauptet, nach 27 Jahren der Herrschaft. Sein Amt als Patriarch von Grado übernimmt der Abt von San Servolo als Johannes V.
  • 821: Fortunatus II: Nach fränkischen Quellen wird Fortunatus aus ganz anderen Gründen gestürzt. Er soll 821 eine Rebellion in Pannonia inferior unter Führung des Ljudewit unterstützt haben, dessen Herrschaftskern um das kroatische Sisak lag. Es kommt zu einem Krieg, den die Franken siegreich beenden; Konstantinopel ist wohl nicht in der Lage, die Rebellion zu unterstützen. Dieser Sieg lässt sich auch archäologisch nachweisen, denn im Westen Kroatiens verschwindet eine eigenwillige archäologische Kultur mit Beziehungen nach Böhmen.
  • 824: Fortunatus II: Nach einer Aufforderung, sich an den kaiserlichen Hof zu begeben, reist Fortunatus nach Istrien, um Gehorsam vorzutäuschen – immerhin ist er als Abt von Moyenmoutier dem Kaiser zu Gehorsam verpflichtet –, flieht jedoch bald darauf nach Zara, also in den byzantinischen Machtbereich. Der dortige Präfekt der Provinz Dalmatien lässt den Geflohenen sogleich nach Konstantinopel bringen. Fortunatus hält sich bis 824 in der byzantinischen Hauptstadt auf. Ob er den Aufenthalt, über den nichts weiter bekannt ist, nutzt, um Reliquien oder Schmuck für seine Gradeser Kirche zu erwerben, ist aus den erzählenden Quellen nicht zu belegen. Im Dezember 824 hält sich der Patriarch in seinem fränkischen Kloster Moyenmoutier auf. Ein Chronist des frühen 11. Jahrhunderts, der in seinem Liber de sancti Hidulfi successoribus über die Nachfolger des hl. Idulfo oder Hydulphe von Moyenmoutier († 707) schreibt: „Mira autem dispositione divinitatis repertus est ibidem Fortunatus patriarcha venerabilis, qui gratia salutandi famosum principem, ab Hierosalimis peregre disgressus erat“, Fortunatus ist also aus Jerusalem zurückgekehrt. Derselbe Chronist berichtet zudem, wie Fortunatus einige Jahre zuvor eine Gesandtschaft im Auftrag Kaiser Karls an Harun ar-Raschid geschickt hat, wobei unklar bleibt, ob er womöglich selbst an dieser Gesandtschaft teilgenommen hat. Fortunatus kehrt mit einer Gruppe von byzantinischen Gesandten an den fränkischen Hof zurück, wohl um seine Rückkehr auf den Patriarchensitz zu betreiben. Doch Ludwig verweist den abgesetzten Patriarchen an Rom.
  • 825: Fortunatus II: Nach den Nekrologien des Klosters Moyenmoutier stirbt Fortunatus am 12. März, wohl spätestens im Jahr 825 oder 826, auch der 26. Februar wird angegeben. Er wird im Kloster nahe dem Altar Gregors des Großen beigesetzt. In einer Art Brief, möglicherweise aus dem byzantinischen Exil, den er an seine Kleriker in Grado gesandt hat, und der einem Testament ähnelt, listet Fortunatus seine Verdienste um die Gradenser Kirche auf, und er gibt seiner Hoffnung auf eine baldige Rückkehr Ausdruck. Das Dokument ist nicht datiert. Inzwischen wird diese Quelle eher als Exzerpt einer Gerichtsakte aufgefasst, in der der Patriarch versucht, seine Verdienste in den Vordergrund zu rücken, während er beschuldigt wird, die Gradeser Kirche bestohlen zu haben. Ein archäologischer Fund spricht für einen Aufenthalt Fortunatus’ in Jerusalem. Während der Ausgrabungen an der Gradeser Kirche S. Maria delle Grazie kommt 1925 an einem Ziborium eine Inschrift zu Tage, die stark fragmentiert war (Grado, Museo Lapidario). Ihren Sinn zu entschlüsseln gelingt aufgrund dessen über Jahrzehnte nicht, zumal einige Buchstaben fehlen, und die nachträgliche Reihung der Fragmente keinen sinnvollen Text ergibt. Maurizio Buora schlägt 2017 als Lesung „GLORIO(sis) TEMPORIB(u)S TER B – caput – EATI M[VN]ER(a) Q(uae) E SION [DVX]IT SE(cum)“ vor, wobei auch „[tul]IT“ denkbar sei. Dabei steht „Sion“ für „Jerusalem“ (S. 36–38), die Inschrift erinnert also an besagten Aufenthalt in Jerusalem und die „munera“, die Fortunatus mitgebracht hat. Dies ist insofern von Bedeutung, als bekannt ist, dass Harun ar-Raschid ein Stück des Kreuzes Christi an den Frankenkaiser schicken lässt, das Helena, die Mutter Konstantins des Großen, erhalten hat. Auch in Grado befindet sich ein Stück des besagten Kreuzes, und damit eine der bedeutendsten Reliquien. Obwohl das Behältnis deutlich jünger ist, mag es sich um eine Reliquie handeln, die Fortunatus beschafft hat. Die zeitliche Nähe zum Raub der Reliquien des Evangelisten Markus im Jahr 829 aus Alexandria macht dieses Szenario, so Maurizio Buora, noch wahrscheinlicher. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass Fortunatus mit diesen Stiftungen an die Gradeser Kirche seine Rückkehr vorbereiten wollte.
  • zuletzt 783

Herzogtum Spoleto

  • 799: Winigis: Winigis ist von Karl dem Großen zum missus dominicus im Ducatus Romae bestellt und befindet sich am 25. April 799 in der Basilika des Heiligen Petrus, als Papst Leo III. angegriffen wird. Er bringt den Papst danach nach Spoleto in Sicherheit, bis dieser wieder gefahrlos nach Rom zurückkehren kann.
  • Fortsetzung 801
  • 801: Winigis: Winigis erobert die Gebiete von Chieti und verschiebt damit die Südgrenze seines Herzogtums vom Pescara bis zum Sangro. Im selben Zusammenhang entwickelt sich der Konflikt mit Grimoald III. von Benevent zu einem offenen Krieg zwischen dem Fürstentum Benevent und dem Herzogtum Spoleto.
  • 802: Winigis: Winigis nimmt auch die Burg Lucera ein, muss sie aber anschließend gegen die Gegenoffensive der Truppen Grimoalds verteidigen. Er wird belagert, erkrankt, besiegt und gefangen genommen und als Geisel an den Hof Grimoalds gebracht, wo er mit allen Ehren behandelt wird.
  • 803: Winigis: Winigis wird von seinem Gefangenen freigelassen, offenbar ohne dass ein Lösegeld gezahlt wird.
  • 815: Winigis: Papst Leo III. erkrankt schwer, und die Verschwörer von 799 versuchen erneut, ihn zu stürzen. Winigis wird von König Bernhard von Italien nach Rom geschickt, um den Papst zu schützen, und lässt dort mehrere Verschwörer festnehmen und hinrichten, wodurch der Aufstand im Keim erstickt wird.
  • 821: Winigis: Winigis gerät mit der Abtei Farfa in Streit um den Besitz einiger Ländereien, die einst einem Adligen namens Paolo gehört haben sollen. Der Text erklärt, dass die Auseinandersetzung am Ende zugunsten der Abtei endet.
  • 822: Winigis: Winigis legt sein weltliches Amt als Herzog von Spoleto nieder und zieht sich ins Kloster zurück. Dort stirbt er kurze Zeit später an Krankheit; der Text nennt außerdem seinen Nachfolger Suppo I.
  • zuletzt 789

Herzogtum Benevent

  • 800: Grimoald: Im Spätsommer 800 schickt König Karl seinen Sohn Pippin erneut zu einem Feldzug ins Beneventer Gebiet, der ebenfalls ergebnislos verläuft.
  • Fortsetzung 802
  • 802: Grimoald: Im Jahr 802 belagert Grimoald den fränkischen comes oder dux Winnigis von Spoleto in Luceria, nimmt ihn gefangen und lässt ihn nach einem Jahr wieder frei.
  • 806: Grimoald: Grimoald stirbt im April 806 und wird in der Kathedrale von Salerno neben seinem Vater und seinen Brüdern beigesetzt. Herzog Grimoald IV. (806–817)
  • Zuletzt 792

SPANIEN

Königreich Asturien

  • 797: Bermudo: Bermudo I. stirbt um das Jahr 797 in Oviedo. Nach seiner Abdankung lebt er noch mehrere Jahre; in einer Überlieferung heißt es sogar, er habe danach als Mönch weitergelebt.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Alfons: Es gibt zwei weitere Gesandtschaften an die Franken: eine im Frühjahr 798 und eine im Winter 798. Im Frühjahr geht es um die adoptionistische Häresie, im Winter um den Bericht über die Plünderung von Lissabon und um die Übergabe von Beute.
  • 800: Im Jahr 800 findet das Konzil von Aachen statt, in dem die Lehren Elipands und des Felix von Urgell durch Alkuin von York endgültig verworfen werden. Diese Verurteilung bildet einen wichtigen Abschluss der theologisch-politischen Auseinandersetzung, die bereits während Mauregatos Herrschaft ihren Anfang nimmt.
  • 801: Alfons: Zwischen 801 und 808 gerät die innere Lage des Reiches in eine schwere Krise. Alfons wird zur Rückkehr ins Kloster Ablaña gezwungen, gewinnt den Thron aber mit Hilfe des Adligen Teudano zurück und beginnt danach mit einer Reorganisation des Reiches unter Rückgriff auf die westgotische Überlieferung.
  • 802: Alfons: Um 802 wird Alfons durch eine Verschwörung entthront und eine Zeit lang in einem Kloster festgehalten.
  • 808: Alfons: Spätestens 808 bringen ihn seine Anhänger wieder an die Macht. Danach kämpft er weiter erfolgreich gegen die Mauren.
  • 816: Alfons: Im Jahr 816 kämpft Alfons am Fluss Orón; das Gefecht endet unentschieden.
  • 825: Alfons: Im Jahr 825 siegt Alfons bei Anceo gegen die Mauren.
  • 830: Alfons: Um 830 wird in Compostela der Fund der Grabstätte des Apostels Santiago überliefert. Dieser Vorgang macht den Ort zu einem wichtigen Zentrum der Wallfahrt.
  • 842: Alfons: Alfons stirbt 842. Nach seinem Tod wird sein Leichnam im Pantheon der Könige der Kirche Nuestra Señora del Rey Casto in Oviedo beigesetzt. König Ramiro I. (842–850)
  • zuletzt 795

KIRCHENSTAAT

  • 797: Im Jahr 797 steigt Irene von Athen auf den Thron des Byzantinischen Reiches und erklärt sich zur basilissa dei Romei, also zur Kaiserin der Römer. Weil in Konstantinopel eine Frau den „römischen“ Thron innehat, betrachtet Leo III. den römischen Thron als vakant. Irene ist die erste Frau mit voller Macht über das Byzantinische Reich und nimmt zusätzlich den männlichen Kaisertitel basileus dei Romei an.
  • Fortsetzung 798
  • 798: Schon 798 greift Karl der Große in den kirchlichen Bereich ein und sendet eine Gesandtschaft nach Rom. Dort wird dem Papst der Plan zur Neuordnung der Kirche in Bayern vorgelegt, mit der Erhebung der Diözese Salzburg zu einem erzbischöflichen Sitz und der Ernennung des Bischofs Arno zum Inhaber dieses Sitzes. Leo III. nimmt dies zur Kenntnis und setzt den Plan Karls einfach um.
  • 799: Am 25. April 799 wird Leo III. bei der Prozession der Großen Litaneien auf dem Weg zur Flaminischen Pforte von bewaffneten Männern angegriffen. Er wird zu Boden geworfen, man versucht, ihm die Augen auszureißen und die Zunge abzuschneiden; anschließend wird er in das Kloster Sant’Erasmo auf dem Cälius gebracht, entkommt aber mit Hilfe seiner Unterstützer. Der Anschlag wird durch die Hilfe des Herzogs von Spoleto, Guinigiso, und der missi dominici Karls des Großen abgewehrt. Leo III. begibt sich daraufhin mit einem Gefolge von 200 Personen vorübergehend nach Paderborn, wo Karl der Große sich aufhält. Dort beraten sich Karl und der Theologe Alkuin von York über die gegen den Papst erhobenen Vorwürfe; Alkuin mahnt größte Vorsicht an und betont, dass kein irdisches Machtzentrum den Papst richten könne. Am 29. November 799 kehrt Leo III. unter Begleitung fränkischer Bischöfe und Adliger nach Rom zurück und wird triumphal empfangen. Die begleitenden Bischöfe sammeln Dokumente und Zeugenaussagen zu den Vorwürfen und senden sie zusammen mit den Verantwortlichen des Angriffs an Karl den Großen. Ebenfalls 799 findet in Aachen ein Konzil statt, das Karl der Große selbst leitet. Dort widerlegt Alkuin von York die Thesen des Bischofs Felice von Urgell zur wieder aufkommenden adoptionistischen Lehre; Felice erkennt die Niederlage an, widerruft und legt ein Glaubensbekenntnis ab. Danach wird eine Kommission nach Südfrankreich geschickt, um die Gehorsamkeit gegenüber der Kirche von Rom wiederherzustellen.
  • 800: Im August 800 teilt Karl der Große auf der jährlichen Versammlung in Mainz den Großen des Reiches mit, dass er nach Italien hinabziehen will. Im November 800 kommt er nach Rom, offiziell um den Streit zwischen dem Papst und den Erben Adrians I. zu klären. Am 23. November gehen Leo III. und Karl der Große sich in Mentana entgegen und ziehen feierlich in die Stadt ein. Am 1. Dezember 800 beruft Karl der Große in San Pietro Bürger, Adlige sowie fränkischen und römischen Klerus zusammen, um Ordnung herzustellen und die Wahrheit zu klären. Die Debatte dauert drei Wochen; die Ankläger können keine stichhaltigen Beweise vorlegen, und die bereits von Alkuin vertretene Position setzt sich durch, dass der Papst von Menschen nicht gerichtet werden kann. Am 23. Dezember 800 legt Leo III. vor Karl dem Großen und einer großen Menschenmenge auf das Evangelium einen Reinigungseid ab und bekundet seine Unschuld. Damit wird seine Stellung als rechtmäßiger Inhaber des päpstlichen Stuhls bestätigt, während Pascale und Campolo wegen lesa maestà zum Tode verurteilt werden; auf Leos Fürsprache wird die Strafe in Exil umgewandelt. Am Weihnachtstag 800 setzt Leo III. Karl dem Großen während der Nachtmesse in der Basilika San Pietro eine goldene Krone auf und krönt ihn zum Kaiser. Der Text beschreibt, dass damit die Kirche von Rom als einzige Autorität erscheint, die weltliche Macht sakral legitimieren kann, und dass sich zugleich die kaiserliche Stellung auch auf die inneren Angelegenheiten der Kirche auswirkt. Im Zusammenhang mit dem Besuch in Rom wird Karls Sohn Pipino zum König von Italien gekrönt. Die Frage der an die Kirche zurückzugebenden Gebiete bleibt damit weiterhin offen.
  • 803: Im Jahr 803 ist Lichfield wieder eine reguläre Diözese. Dies geschieht, nachdem Leo III. die Entscheidung Adrians I. zur Verleihung des Palliums an den Bischof Hygeberht von Lichfield rückgängig gemacht und den Zustand der englischen Bischofskirche neu geregelt hat.
  • 804: Für das Jahr 804 wird berichtet, dass ein späterer Besuch Papst Leos beim Kaiser keine überlieferten Entscheidungen oder Motivationen erkennen lässt. Der Text nennt diesen Besuch, ohne weitere Einzelheiten zu liefern.
  • 808: Im Jahr 808 übergibt Leo III. Korsika zur sicheren Verwahrung an Karl den Großen, weil die Insel von muslimischen Überfällen aus al-Andalus bedroht ist.
  • 809: Im November 809 beruft Karl der Große in Aachen ein Konzil der fränkischen Kirche ein. Dieses erklärt das Filioque zur Lehre der Kirche und ordnet den Credo-Gesang mit dieser Einfügung in der Messe an. Leo III. beruft im Folgejahr selbst eine Bischofsversammlung ein und nimmt das Ergebnis nicht an.
  • 800: Für 810 nennt der Text, dass Korsika zusammen mit Sardinien weiterhin von muslimischen Kräften besetzt wird.
  • 813: Im Jahr 813 ist Leo III. bei der Kaiserkrönung Ludwigs des Frommen in Aachen nicht anwesend. Der Text verbindet dies mit seiner Haltung, die Macht der fränkischen Kaiser über Rom nicht uneingeschränkt anzuerkennen.
  • 814: Nach dem Tod Karls des Großen im Jahr 814 wird die antipäpstliche Gruppe der verbannten Pascale und Campolo erneut aktiv und plant einen weiteren Anschlag gegen den Papst. Die Verantwortlichen werden jedoch entdeckt und sofort abgeurteilt und hingerichtet. Ludwig schickt den König von Italien, Bernardo, nach Rom, um die Lage zu untersuchen; Bernardo beendet die Angelegenheit, indem er weitere Unruhen unterdrückt. Danach wird die Situation dem Herzog Guinigisio I. von Spoleto anvertraut, der mit seinen Truppen in der Stadt Stellung bezieht und neue Todesurteile vollstreckt.
  • 816: Am 12. Juni 816 stirbt Leo III. Sein Todestag ist zugleich sein liturgischer Gedenktag. Der Text nennt außerdem, dass er nach mehr als 20 Jahren Pontifikat stirbt und zunächst in seinem eigenen Monument bestattet wird. Papst Stephan IV. (816–817)
  • zuletzt 795

REPUBLIK VENEDIG

  • 797: In der modernen Forschung wird die auf Andrea Dandolo zurückgehende Dauer der Regierungszeiten nicht mehr akzeptiert, stattdessen wird die Chronik des Johannes Diaconus herangezogen. Auf dieser Grundlage kommt die Forschung zu der Auffassung, dass Doge Johannes erst 797 und damit zehn Jahre später als von Andrea Dandolo behauptet sein Amt als alleinregierender Doge antritt.
  • Fortsetzung 800
  • 800: Im Jahr 800 kulminiert der Konflikt zwischen dem Frankenreich und Byzanz, als Karl zum Kaiser gekrönt wird. Die Kaiserkrönung Karls verschärft das sogenannte Zweikaiserproblem, den Streit der Großmächte Frankenreich und Byzantinisches Reich, zu denen die Lagune von Venedig mit ihren städtischen Zentren formal noch gehört.
  • 801: Nachdem Karl I. zum Kaiser gekrönt ist, spitzt sich ab 801 der Streit zwischen den beiden Kaiserreichen zu, und zugleich verschärft sich der Konflikt zwischen dem Dogenhaus und Grado. In einer Urkunde vom 29. Mai 801, ausgestellt unweit von Bologna, beansprucht Karl den Titel „Romanum gubernans imperium“ und damit den Anspruch auf das Römerreich, was in Byzanz zunächst wenig Widerstand auslöst, zumal Kaiserin Eirene 802 gestürzt wird. Der neue byzantinische Kaiser Nikephoros I. lehnt jedoch den Anspruch Karls ab, und es kommt zum offenen Konflikt. Die gegen Karl gerichtete Politik des Dogen Johannes und seine Gegnerschaft zu Papst Leo III. eskalieren nun deutlich.
  • 802: Im Jahr 802 erreicht die Feindschaft zwischen Doge Johannes und dem gleichnamigen Patriarchen von Grado ihren Höhepunkt. In diesem Jahr weist der Doge seinen Sohn Mauritius an, an der Spitze einer Flotte eine Strafexpedition gegen Grado zu führen. Grado wird zerstört, und der gefangene Patriarch wird von einem sehr hohen Turm, möglicherweise einem der Türme des Castrums, in dem er residiert, gestürzt und getötet. Kaiserin Eirene wird 802 gestürzt, wodurch sich das Kräfteverhältnis im Byzantinischen Reich ändert und der neue Kaiser Nikephoros I. Karls Reichsanspruch nun offen zurückweist.
  • 803: Im Jahr 803 erweist sich die Gunst des Frankenkaisers gegenüber Fortunatus, dem Nachfolger des ermordeten Patriarchen Johannes von Grado. Fortunatus, ein Verwandter und vielleicht Neffe des Ermordeten, erhält nicht nur die Bestätigung seiner Besitztümer, sondern auch Immunitäten und Privilegien durch den Frankenkaiser. Im selben Jahr muss der Doge Johannes fliehen, möglicherweise nach Mantua, während sein Sohn Mauritius auf fränkisches Gebiet, nach „Francia“, flieht, wie Johannes Diaconus vermerkt. Die Spuren von Vater und Sohn verlieren sich in den Quellen, und ihr weiterer Verbleib sowie der Zeitpunkt ihres Todes bleiben unbekannt. In der Lagune wählen die Gegner der Galbaii Obelerius von Metamaucum zum neuen Dogen, der seinerseits seinen Bruder Beatus als Mitdogen an seine Seite stellt. Die Galbaii-Dogendynastie ist damit im Jahr 803 beendet. Doge Obelerio Antenoreo (804–810)
  • zuletzt 795

WESTSLAWEN

Sorben

  • 805: Im Jahr 805 beginnt König Karl der Jüngere einen Feldzug gegen die Slawen in Böhmen. In diesem Zusammenhang tötet er den böhmischen Herzog Lecho, bevor sich die Ereignisse im folgenden Jahr weiter zuspitzen.
  • Fortsetzung 806
  • 806: Im Jahr 806 überschreitet Karl der Jüngere mit seinem Heer die Saale und gerät bei dem heutigen Weißenfels mit polabischen Slawen aneinander. Dabei erringt er den Sieg, und der slawische Herzog Miliduch fällt in der Schlacht. Danach wird das Gebiet verwüstet, woraufhin sich die übrigen slawischen Anführer unterwerfen und Geiseln stellen.

SÜDSLAWEN

Kroatien

  • 799: Im Jahr 799 nimmt Višeslav als militärischer Befehlshaber am Belagerungskrieg um Tersatto (Trsat) teil. Dieser Belagerungskrieg dient dem Schutz des Hafens von Rijeka. Auf der einen Seite stehen die Verteidiger unter der Führung von Višeslav, auf der anderen Seite das fränkische Invasionsheer des Karolingerreiches. Während dieser Belagerung wird der fränkische Heerführer Erik von Friaul getötet.
  • Fortsetzung 802
  • 802: Um das Jahr 802 endet die Herrschaft von Višeslav, etwa in dieser Zeit stirbt er. Nach seinem Tod setzen die Kroaten den Krieg gegen die Franken fort. Sie vermeiden weiterhin die endgültige Niederlage und halten ihre Position noch über den Tod des Fürsten hinaus.
  • 803: Im Jahr 803, ein Jahr nach dem Tod von Višeslav, endet der erfolgreiche Widerstand der Kroaten gegen die Franken. Nun gelingt es den Franken, ihre Oberherrschaft durchzusetzen. Damit ist die Phase beendet, in der die Kroaten unter Višeslav und unmittelbar nach seinem Tod die fränkische Vorherrschaft verhindern.
  • 804: Schließlich akzeptiert das Herzogtum, in dem Višeslav zuvor herrscht, durch den Frieden von Nikephoros (Pax Nicephorii) die fränkische Oberhoheit. Mit diesem Vertrag wird die fränkische Suzerenität über das Gebiet formell anerkannt. Das Herzogtum tritt damit in ein Verhältnis der Unterordnung gegenüber den Franken ein.
  • 810: Fürst Borna (810–821)

ERSTES BULGARISCHES REICH

  • Khan Kardam (777–803)
    Der byzantinische Kaiser Konstantin VI. weigert sich, den vereinbarten Jahres-Tribut zu zahlen. Kardam droht mit der Verwüstung Thrakiens und der Belagerung von Konstantinopel. Der Kaiser antwortet mit der Drohung eines Sieges bei Marcellai. Als er Konstantinopel verlässt und gegen Bulgarien zieht, stehen die bulgarischen Truppen bereits bei Adrianopel. Beide Armeen stehen sich siebzehn Tage gegenüber, ohne zu kämpfen. Vermutlich nutzen beide Seiten diese Zeit zu Verhandlungen. Kurz darauf wird der Friedensvertrag von 792 erneuert. Weitere Ereignisse aus Kardams Leben sind nicht überliefert. Es wird angenommen, dass er eines natürlichen Todes stirbt. Kardam befriedet die Boilenfraktionen, die bei seinen Vorgängern häufig Verschwörungen auslösen. Unter seiner Herrschaft stabilisiert sich das bulgarische Reich nach innen. Gegen Byzanz verfolgt Kardam eine aktive Angriffspolitik statt der bisherigen Verteidigungsstrategie und legt damit die Grundlage für die militärischen Erfolge seiner Nachfolger.
  • Fortsetzung 803

BYZANTINISCHES REICH

  • 797: Konstantin: Am 19. August 797 wird Konstantin von den Anhängern seiner Mutter gefangen genommen, geblendet und inhaftiert, nachdem Irene eine Verschwörung organisiert hat. Irene lässt sich als erste regierende Kaiserin von Konstantinopel krönen. Der genaue Todeszeitpunkt Konstantins ist unbekannt, doch stirbt er sicher vor 805; möglicherweise erliegt er bald nach der Blendung seinen Verletzungen. Die Blendung kann in besonders brutaler Weise ausgeführt sein, um sein Überleben zu verhindern. Er wird im von Irene gegründeten Kloster der heiligen Euphrosyne bestattet.
  • 797: Irene: 797 lässt Irene eine Verschwörung gegen Konstantin durchführen; der Kaiser wird gefangen genommen, geblendet und stirbt später an den Folgen, wodurch Irene alleinige Herrscherin wird. Nach 797 lässt sie sich auf Münzen und Siegeln mit eigenen Titeln darstellen, meist als Basilissa oder Augusta, und verzichtet offiziell auf den männlichen Titel Basileus, auch wenn einige Quellen ihr die Form „Irene Basileus“ zuschreiben. Um 797 beginnt Irene, die Steuern zu senken, um Popularität bei Volk und Hauptstadtbevölkerung zu gewinnen, was jedoch die Finanzen des Reiches belastet. In den folgenden Jahren verschlechtern sich die Staatsfinanzen; Irene muss wertvolle Kirchenschätze und kaiserliche Güter veräußern, um Einnahmen zu erzielen. Zwischen ihren wichtigsten Höflingen, insbesondere Staurakios und Aëtios, entstehen heftige Rivalitäten um Einfluss, die die Regierungspolitik der Kaiserin schwächen. Einflussreiche Kreise des Hofes versuchen mehrmals, ihren Schwager Nikephoros, einen Sohn Konstantins V., auf den Thron zu bringen; Irene kann diese Pläne zunächst vereiteln.
  • 797: Johannes: Nach dem Tod des Dogen Mauritius I. im Jahr 797 führt dessen Sohn und Nachfolger Johannes die Auseinandersetzung mit dem Patriarchen Johannes von Grado konsequent fort. Die Ablehnung der Einsetzung des Griechen Cristoforo auf den Bischofssitz von Olivolo durch den Patriarchen gilt in Venedig als unzulässige Einmischung in die inneren Verhältnisse des Herzogtums. In einem Klima wachsenden fränkischen Drucks und innerer Spannungen zwischen Grado, dem Dogen und den Laguneninseln kulminiert der Konflikt nun in Gewalt. Der neue Doge Johannes verfolgt eine klare Anlehnungspolitik an das Frankenreich und versucht zugleich, stärker in die kirchlichen und politischen Verhältnisse der Lagune hineinzuregieren. Um den Widerstand des Patriarchen zu brechen, beauftragt er seinen Sohn Mauritius (II.) mit einem militärischen Unternehmen gegen Grado. Mauritius (II.) führt eine Flotte gegen die Stadt, besetzt sie und greift damit direkt die Person des Patriarchen an.
  • Fortsetzung 800
  • 800: Irene: 800 erklärt Papst Leo III., dass in Rom der Kaiserthron vakant sei, da Irene als Frau nach römischem Recht kein legitimes Oberkommando über das Heer führen kann, und krönt Karl den Großen am 25. Dezember in Rom zum Kaiser. Um 800 prüft Irene zeitweise Heiratspläne mit Karl dem Großen, die eine Vereinigung der beiden Reichshälften ermöglichen sollen, doch diese Pläne bleiben unausgeführt. In den letzten Regierungsjahren verschärft sich der innenpolitische Widerstand gegen Irene, vor allem im Heer und unter den Finanzbeamten, die ihre Politik als ruinös empfinden.
  • 802: Irene: 802 schmiedet der Logothete Nikephoros, der Finanzminister, einen Plan, Irene zu stürzen, und gewinnt dazu Unterstützung im Militär und in der Verwaltung. Am Morgen des 31. Oktober 802 dringt Nikephoros mit Anhängern in den Palast von Eleutherios ein, nimmt Irene gefangen und setzt sie ab. Noch am selben Tag wird Nikephoros ohne Blutvergießen in Konstantinopel zum neuen Kaiser gekrönt, während Irene in die Verbannung geschickt wird. 802/803 wird Irene auf die Insel Lesbos gebracht, wo sie in bescheidenen Verhältnissen lebt und keine politische Rolle mehr spielt. Kaiser Nikephoros I. (802–811)
  • 802: Johannes: Im Zuge dieses Überfalls lässt Mauritius (II.) den Patriarchen Johannes von Grado töten, indem er ihn von einem hohen Turm stürzen lässt. Johannes erleidet so im Jahr 802 in Grado den Tod und wird als Märtyrer der politischen und kirchlichen Auseinandersetzungen zwischen Grado, Venedig, Rom und dem Frankenreich erinnert. Sein Tod markiert den vorläufigen Sieg der dogalen Politik über das traditionsreiche Patriarchat, dessen Einfluss im venezianischen Raum stark beschädigt wird. Die ältesten venezianischen Chroniken berichten übereinstimmend von der Beisetzung des ermordeten Patriarchen in der Gradenser Kirche Sant’Eufemia. Dazu gehören die „Chronica patriarcharum Gradensium“, die „Chronica de singulis patriarchis“, die „Origo civitatum“ und das „Chronicon Gradense“, die sein Begräbnis in der lokalen Hauptkirche verorten. Im 14. Jahrhundert schreibt hingegen Andrea Dandolo in seiner Chronik, der Patriarch sei in der Markusbasilika in Venedig bestattet, was eine spätere, stärker venezianisch geprägte Tradition widerspiegelt. Nach dem Tod des Johannes kann sein Neffe Fortunatus, der am 21. März 803 das Pallium erhält, das Patriarchenamt zunächst nicht antreten. Er flieht vor der Gefahr durch den Dogen und dessen Anhänger nach Treviso und stellt sich dort unter den Schutz des Frankenkönigs Karl. Erst im Jahr 810, sieben Jahre nach dem Sturz der beiden Dogen, gelingt Fortunatus die Rückkehr nach Grado, womit sich die Nachwirkungen der gewaltsamen Beseitigung des Patriarchen Johannes von Grado über ein ganzes Jahrzehnt hinziehen. Patriarch Fortunatus II. (803–820)
  • 803: Irene: Am 9. August 803 stirbt die ehemalige Kaiserin Irene auf Lesbos; die orthodoxe Kirche verehrt sie wegen ihrer Rolle in der Wiederherstellung der Ikonenverehrung später als Heilige.
  • 806: Tarasios: Nach seinem Tod wird Tarasios trotz mancher Kritik an seiner Schwäche gegenüber der kaiserlichen Macht in den Ostkirchen als Heiliger verehrt, weil er die Ikonen verteidigt und sich für Frieden und Einheit der Kirche einsetzt. Sein Gedenktag wird in den Ostkirchen am 25. Februar (nach julianischem Kalender mit entsprechendem gregorianischem Datum) und in der lateinischen Kirche am 18. Februar gefeiert.
  • Zuletzt 795

IBERIEN

ARABER

(179/180 - 15./16. März)

Abbasiden

  • Kalif Hārūn ar-Raschīd (786-809)
    Hārūn verlegt den gesamten Hof an den mittleren Euphrat nach ar-Raqqa, wo er den Großteil seiner Regierungszeit, insgesamt zwölf Jahre, verbringt. Von dort aus nutzt er die Nähe zur byzantinischen Grenze, die guten Verkehrsverbindungen über Euphrat und Balīch sowie über Palmyra nach Damaskus, die fruchtbaren Ackerflächen und den strategischen Vorteil gegenüber möglichen Aufständen in Syrien und im mittleren Euphratgebiet. In ar-Raqqa führen die Barmakiden die Geschicke des Reiches, während die Thronerben al-Amin und al-Maʾmun dort aufwachsen und der Hof am Euphrat ein prunkvolles Leben führt, wie Abu l-Faradsch al-Isfahānī in seiner Gedichtanthologie schildert. Spätestens 798 entsendet Harun eine Gesandtschaft an den Hof der Tang-Dynastie nach Changʿan und knüpft ein Bündnis mit China, das sich gegen das Tibetische Reich richtet; die chinesischen Annalen nennen ihn dabei „A-lun“. In diesen Jahren erreicht der Einfluss der Perser am abbasidischen Hof seinen Höhepunkt, vor allem durch die Position der Barmakiden.
  • Imam der Ismailiten: Muhammad ibn Isma'il (775-813)
  • Imam der Zwölferschiiten: Mūsā al-Kāzim (765–799)
  • Patriarch Elias II. (Jerusalem, 770–797)
  • Papst und Patriarch Johannes IV. (Alexandria, 777–799)
  • Griechisch-orthodoxer Patriarch Politianos (Alexandria, 768–813)
    Nach seiner Tätigkeit in Bagdad bleibt Politianus weiterhin Patriarch von Alexandria und steht bis zu seinem Tod im Jahr 813 an der Spitze des Patriarchats und lebt in engem Kontakt mit den politischen und kulturellen Entwicklungen im Abbasidenkalifat. Durch seine doppelte Rolle als Geistlicher und Arzt sowie als griechisch–arabischer Übersetzer ist er ein Beispiel für die Verflechtung von kirchlicher Führung, Wissenschaft und Kulturtransfer in dieser Epoche. Während seiner langen Amtszeit wirkt er als Vermittler zwischen den griechischen Traditionen Alexandrias und der arabischsprachigen Welt des Kalifats, in der er als Patriarch, Arzt und Gelehrter präsent ist.
  • Fortsetzung 797
  • 797: Elias: Gegen Ende der 790er Jahre verschärft sich die Lage der Mönche und Kirchen im Heiligen Land. Am 19. März 797 werden im Kloster des heiligen Sabas (Mar Saba) bei Jerusalem zwanzig Mönche getötet, während Elias II. das Patriarchenamt innehat. Dieses Ereignis macht deutlich, dass die Klöster Gewalt und Druck durch muslimische Machthaber oder lokale Gegner ausgesetzt sind. In derselben Zeit sucht Elias II. über seinen Synkellos Georgios Unterstützung im Westen. Georgios leitet eine Gesandtschaft an Karl den Großen, um Hilfe und einen gewissen Schutz der Franken für die Christen im Heiligen Land zu erbitten. Diese diplomatische Initiative stellt eine bewusste Öffnung des Jerusalemer Patriarchats zum fränkischen Reich dar und verknüpft die Lage der orientalischen Christen mit der Politik Karls des Großen. Im Jahr 797 endet das Patriarchat von Elias II., und er stirbt um dieses Jahr herum. Nach seinem Tod wird sein Synkellos Georgios zum neuen Patriarchen von Jerusalem gewählt, was die enge Zusammenarbeit der beiden im späten 8. Jahrhundert unterstreicht. In den Listen der griechisch-orthodoxen Patriarchen erscheint Elias II. daher als Patriarch von etwa 770 bis 797, gefolgt von Georgios als seinem unmittelbaren Nachfolger. Patriarch Georgios II. (797–807)
  • Fortsetzung 799
  • 799: Hārūn ar-Raschīd: 799 (Fränkische Gesandtschaft) Im Jahr 799 trifft eine fränkische Gesandtschaft bei Harun ein, um ihm Freundschaft anzutragen. Harun nimmt die Mission der Franken an und pflegt damit den diplomatischen Kontakt zu Karl dem Großen, wobei die Atmosphäre von Geschenkaustausch und höfischer Pracht an seinem Hof mit den späteren legendären Darstellungen korrespondiert. Die fränkische Gesandtschaft leitet eine Phase gegenseitiger Beziehungen ein, die später durch Geschenke, Verhandlungen über den Zugang zu heiligen Stätten und gemeinsame Gegnerschaft zu Byzanz vertieft werden.
  • 799: Mūsā: Am 1. September 799 stirbt Mūsā in Bagdad, ohne dass einer seiner Anhänger seinem Tod beiwohnt, was die Situation für die Gemeinde besonders unsicher macht. Bei seinem Tod hinterlässt er nach den Angaben der Überlieferung 18 Söhne und 15 Töchter, die alle von Sklavinnen stammen. Seine Bestattung erfolgt in al-Kazimiyya, einem später nach ihm benannten Vorort im Nordosten Bagdads, wo er zusammen mit seinem Enkel, dem späteren Imam Muhammad at-Taqī, begraben wird. Der Tod Mūsā al-Kāzims löst in der imamitischen Gemeinde eine erneute, tiefe Nachfolgekrise aus, weil viele Anhänger den Verlust des Imams nicht akzeptieren wollen. Eine große Zahl seiner Anhänger und Vertreter in verschiedenen Regionen ist der Überzeugung, dass Mūsā in Wahrheit nicht gestorben ist, sondern sich nur verborgen hält, um als Qāʾim bald in die Welt zurückzukehren. In diesem Umfeld tritt ein Klient der Banū Asad namens Muhammad ibn Baschīr hervor und behauptet, er sei der Stellvertreter und Bevollmächtigte Mūsās, also sein waṣī, und verfüge über besondere Vollmachten. Der imamitische Doxograph al-Qummī, der vor 905 sein Werk „Buch der Lehren und Sekten“ (Kitāb al-Maqālāt wa-l-firaq) verfasst, berichtet, dass Muhammad ibn Baschīr Taschenspielertricks und Gaukeleien einsetzt und sogar behauptet, Mūsā al-Kāzim sei Gott, der sich erst den Menschen gezeigt und sich dann ihren Blicken entzogen habe, obwohl er weiterhin unter ihnen weile. Diese Sichtweise führt zu einer Sektenbildung, die den Tod Mūsās leugnet und ihn zur göttlichen Gestalt erhebt. Parallel dazu erkennen einige von Mūsās Anhängern seinen Sohn ʿAlī ar-Ridā als rechtmäßigen Nachfolger und neuen Imam an. Die Anhänger Muhammad ibn Baschīrs bestreiten jedoch das Imamat ʿAlīs und bezeichnen seinen Anspruch als Lüge, da sie weiterhin an der fortdauernden Autorität Mūsās festhalten. Sie vertreten die Auffassung, Mūsā habe während seiner Abwesenheit Muhammad ibn Baschīr zu seinem Stellvertreter mit allen Vollmachten eingesetzt, weshalb dieser der wahre Imam nach ihm sei. Imamitische Autoren versuchen später, diese Spaltung ökonomisch zu erklären und argumentieren, dass Mūsās Vertreter in verschiedenen Städten zum Zeitpunkt seines Todes große Geldsummen angesammelt haben, die sie wegen seiner Gefangenschaft nicht an ihn übergeben konnten. Um diese Gelder behalten zu können, leugnen sie den Tod Mūsās und behaupten, er werde eines Tages zurückkehren, sodass jede Abrechnung mit einem neuen Imam hinausgeschoben wird. Imam der Zwölferschiiten: ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (799-818)
  • 799: Johannes: Als sich sein Lebensende nähert, ruft Johannes die Priester zu sich. Er sagt ihnen, dass er am 16. Tubah geboren, an diesem Tag zum Papst geweiht worden sei und an eben diesem Tag auch aus dieser Welt scheiden werde. Die Priester und Bischöfe weinen und fragen, wer nach ihm ihr Vater werden soll. Johannes antwortet, dass der Herr Jesus Christus seinen Schüler, Priester Markus, für dieses Amt erwählt hat. Papst und Patriarch Markus II. (Alexandria, 799–819)
  • 800: Hārūn ar-Raschīd: 800 (Anerkennung der Aghlabiden, Beginn der Dezentralisierung) Im Jahr 800 erkennt Harun die faktische Unabhängigkeit der Aghlabiden in Ifrīqiya, dem Gebiet des heutigen Tunesien, an und bestätigt damit die wachsende Autonomie entfernter Provinzen. Gleichzeitig setzen sich die Zersetzungstendenzen im Reich fort, da bereits zuvor die Rustamiden in Algerien eigenständig auftreten und in Spanien die Umayyaden etabliert sind. Während Harun weiterhin erfolgreiche Feldzüge gegen Byzanz führt und monumentale Bauten wie das Siegesmonument Heraqla nahe ar-Raqqa nach dem Sieg über Herakleia errichten lässt, werden die Ränder des Reiches zunehmend von halbautonomen Dynastien beherrscht.
  • 802: Hārūn ar-Raschīd: 802 (Pilgerfahrt, Geschenke an Karl den Großen) Im Jahr 802 unternimmt Harun erneut eine Pilgerfahrt nach Mekka und verbindet seine religiösen Pflichten mit der repräsentativen Darstellung seiner Macht. Im selben Jahr sendet er Karl dem Großen eine reiche Gesandtschaft mit Geschenken, darunter Seidenstoffe, bronzene Leuchter, Parfüm, Balsam von Mekka, Elfenbeinschachfiguren, ein riesiges Zelt mit buntfarbigen Vorhängen, einen Elefanten namens Abul-Abbas und eine Wasseruhr, die die Stunden durch fallende bronzene Kugeln und mechanische Ritter anzeigt. Diese Geschenke sind im westlichen Europa beispiellos und beeinflussen wahrscheinlich die karolingische Kunst. Die Verbindung mit Karl dem Großen stützt sich auf das gemeinsame Interesse, die Umayyaden-Emire von Córdoba zu schwächen, sowie auf die gemeinsame Feindschaft gegenüber Byzanz.
  • 803: Hārūn ar-Raschīd: 803 (Letzte Pilgerfahrt, Bruch mit den Barmakiden, Entlassung al‑Schaybanis) Im Jahr 803 unternimmt Harun seine letzte Pilgerfahrt nach Mekka und setzt die Tradition mehrfacher Wallfahrten fort. In diesem Jahr entlässt er den hanafitischen Rechtsgelehrten Muhammad asch-Schaybani aus dem Amt des Qadi, den er zuvor in ar-Raqqa eingesetzt hatte. Nach der Darstellung at-Tabaris fällt in diese Zeit auch der Sturz der Barmakiden: Yahyā ibn Chālid und seine Söhne, insbesondere Dschaʿfar, werden in Ungnade gestürzt, inhaftiert und ihre Güter eingezogen, nachdem sie bis dahin siebzehn Jahre lang als Wesire mit weitreichender Vollmacht dem Kalifen gedient haben. Als Gründe nennt at-Tabari unter anderem Yahyās Betreten der Gegenwart des Kalifen ohne Erlaubnis, seine Opposition gegen Muhammad ibn al-Laith, der später Haruns Gunst gewinnt, sowie Dschaʿfars Freilassung Yahyā ibn Abdallah ibn Hasan, den Harun zuvor hatte inhaftieren lassen. Der Bruch mit der Barmakidenfamilie beendet die Phase ihrer nahezu unumschränkten Einflussnahme, und al-Fadl ibn ar-Rabī tritt als neuer Hauptminister an ihre Stelle.
  • 804: Hārūn ar-Raschīd: 804 (Rückkehr des Hofes nach ar-Ray, Tod al‑Schaybanis und al‑Kisāʾīs) Um 804 verlegt Harun den Hof aus ar-Raqqa zeitweilig erneut nach ar-Ray, die Hauptstadt von Chorasan; damit kehrt er in die Region seiner Kindheit zurück. Während dieses Aufenthaltes begleitet ihn der berühmte Philologe und Leiter der Kufaner Schule, al-Kisāʾī, mit seinem Gefolge. In ar-Ray werden der Gelehrte al-Kisāʾī und der zuvor als Qadi eingesetzte, in ar-Raqqa entlassene Muhammad asch-Schaybani krank, und Harun besucht den erkrankten al-Kisāʾī täglich. Beide Gelehrten sterben schließlich am gleichen Tag in ar-Ray, was den Verlust zweier bedeutender Persönlichkeiten aus Rechtswissenschaft und Philologie markiert.
  • 805: Hārūn ar-Raschīd 805–806 (Zypernfeldzug, Sieg über Herakleia, Herakla, Feldzug gegen Nikephoros) Im Jahr 805 erobert Harun Zypern und setzt damit seine Offensive im byzantinischen Anatolien fort. Nach einem Sieg über die byzantinische Stadt Herakleia, das heutige Ereğli, lässt er in der Nähe seiner damaligen Hauptstadt ar-Raqqa das Siegesmonument Herakla errichten. Im Jahr 806 reagiert Harun auf die Verweigerung der Tributzahlungen durch Kaiser Nikephoros I., der nach der Absetzung Irenes die Thronbesteigung nutzt, um die Huldigung an Harun zu bestreiten. Harun antwortet mit einem Schreiben, in dem er Nikephoros als „Hund der Römer“ bezeichnet und ankündigt, dass der Kaiser seine Antwort nicht nur hören, sondern sehen wird. Es folgen Feldzüge in Kleinasien, die Nikephoros zwingen, einen Vertrag zu schließen, dessen Bedingungen für Byzanz demütigend ausfallen und die Versuche des Reiches, unter Harun die Abbasiden erneut zu provozieren, für längere Zeit unterbinden.
  • 806: Hārūn ar-Raschīd 806–808 (Weitere Feldzüge, griechische Konkubine, wachsende Unruhen) Nach dem Fall von Herakleia im Jahr 806 nimmt Harun die Tochter eines griechischen Kirchenmannes aus dieser Stadt als Konkubine in seinen Harem auf. Zugleich setzt er seine militärischen Aktivitäten gegen Byzanz und gegen innere Aufstände fort, während er sich weiter auf seine zentralasiatischen Provinzen konzentriert. In den folgenden Jahren verstärken sich in Syrien, Ägypten, Jemen, in Regionen wie Dailam, Kerman, Fars, Sistan und in Chorasan Unruhen und Aufstände, vielfach ausgelöst durch schlechte Verwaltungspraxis, willkürliche Besteuerung und die Bemühungen zentraler Statthalter wie ʿAli ibn ʿIsa ibn Mahān, den Einfluss des Kalifats gegenüber lokalen Fürsten zu behaupten.
  • 808: Hārūn ar-Raschīd (Ostfeldzug gegen Rafi ibn al-Lais, Absetzung ʿAli ibn ʿIsa ibn Mahāns) Im Jahr 808 bricht Harun persönlich mit einem Heer nach Osten auf, um eine große Revolte unter Rafi ibn al-Lais in Samarqand niederzuschlagen. Zuvor enthebt er ʿAli ibn ʿIsa ibn Mahān des Amtes als Gouverneur von Chorasan und lässt ihn verhaften, nachdem dessen harte Politik gegenüber den lokalen Fürsten zahlreiche Aufstände provoziert hat. Harun ersetzt ihn durch Harthama ibn Aʿyan und marschiert selbst nach Chorasan, um die Aufstände zu unterdrücken und die Autorität der Zentralregierung zu erneuern. Während dieses Feldzuges führt Harun auch Teile seines Hofes und seines Harems nach Osten mit, darunter die Konkubine ʿInān, die ihn begleitet.
  • 809: Hārūn ar-Raschīd (Tod in Tus, Nachfolge al-Amins, Beginn der Zersplitterung) Im März 809 erkrankt Harun während des Feldzuges gegen Rafi ibn al-Lais und stirbt kurz nach seiner Ankunft im Dorf Sanabad bei Tus. Er wird im Dar al-Imāra, dem Sommerpalast von Humayd ibn Qahtaba, dem abbasidischen Gouverneur Chorasan, beigesetzt, der seitdem als Mausoleum von Haruniyya bekannt ist. Mit der späteren Märtyrertod-Imam al-Ridas im Jahr 818 erhält der Ort den Namen Maschhad, „Stätte des Martyriums“. Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn al-Amin, der bereits als erster Erbe bestimmt ist, das Kalifat, während al-Maʾmun als zweiter und al-Qasim als dritter Erbe vorgesehen sind. At-Tabari berichtet, dass sich beim Tod Haruns mehr als neunhundert Millionen Dirham im Staatsschatz befinden und unterstreicht damit den Reichtum des Reiches. Haruns Regierungszeit leitet zugleich den Beginn der politischen Auflösung des abbasidischen Kalifats ein, obwohl sein Hof in Bagdad und ar-Raqqa als Inbegriff von Glanz, Kunstförderung und Gelehrsamkeit gilt. - Nach 809 (Tod Zubaidas und späteres Schicksal von Angehörigen) Im Jahr 831 stirbt Zubaida, Haruns erste Frau und Mutter des Kalifen al-Amin, die in ihrer Lebenszeit eine bedeutende Rolle im dynastischen Gefüge spielt und sowohl Maradschils Sohn al-Maʾmun adoptiert als auch dem Kalifen Harun Konkubinen und Dienerinnen zuführt. In den Jahren nach Haruns Tod setzen die Kinder und Nachkommen seiner zahlreichen Frauen und Konkubinen die innerdynastischen Verflechtungen fort, indem sie etwa die Söhne al-Hadis heiraten und so die verschiedenen Linien der Abbasidenfamilie eng miteinander verbinden.
  • 813: Imam der Ismailiten: Ahmad al-Wafi (813–828)
  • 813: Griechisch-orthodoxer Patriarch Eustatios (Alexandria, 813–817)
  • 843: Patriarch Sergios I. (Jerusalem, 843–850)]
  • Zuletzt 796

Rustamiden

  • 811: Abd al-Wahhab: Im Jahr 811 bricht ein Konflikt zwischen den Ibāditen von Tahert und ihren zénetischen Nachbarn aus, die den Mu'tazilismus in seiner wāṣilitischen Form vertreten, vor allem bei den Houaras und den Louata. Die zénetische Koalition beschränkt Abd al-Wahhabs Macht in der Region Tlemcen und ist besonders in den Bergen aktiv. Im Norden setzt sich der Ibādismus jedoch fest und beherrscht die gesamte Küstenzone nördlich von Tahert sowie den Norden des heutigen Marokko bis nach Ceuta und Tanger. Die Nukkar, die sich in der Umgebung des heutigen Al-Hoceïma zurückgezogen haben, besetzen ein für das Imamat lebenswichtiges Gebiet. Abd al-Wahhab bekämpft sie mit besonderer Härte und versucht, jede Opposition im Westen zu zerschlagen.
  • Fortsetzung 812
  • 812: Abd al-Wahhab: Durch den Vertrag von 812 überlässt Abd al-Wahhab den Aghlabiden die Stadt Tripoli und das Meer und begnügt sich mit dem Hinterland. Er versucht zwar, Tripoli den Aghlabiden zu entreißen, bleibt dabei aber erfolglos. Trotzdem kontrolliert er mit Hilfe ibaditischer Berberstämme den gesamten Süden Ifriqiyas von Zouara bis zum Land Kastilia, dem Jerid.
  • 822: Abd al-Wahhab: Im Jahr 822 werden drei Söhne des Imams Abd al-Wahhab als Gesandte nach Córdoba geschickt, wo sie von Kalif Abd al-Rahman II. herzlich empfangen werden.
  • 823: Abd al-Wahhab: Abd al-Wahhab stirbt vermutlich 823/824. Sein Mandat reicht bis zu seinem Tod im Jahr 208 der Hidschra, und danach folgen die Imame in direkter Linie bis zum Ende des Reiches aufeinander. Imam Aflah ibn Abd al-Wahhab (823–872)
  • zuletzt 789

Emirat Noukour

  • 803: Saʿid stirbt

Idrisiden

  • 803: Idris II.: Im Jahr 803 wird Idris II. in der Moschee von Walila als Imam ausgerufen und folgt damit seinem Vater nach. Zu diesem Zeitpunkt gehört er zu den bestgebildeten Herrschern der Idrisiden. In den überlieferten Briefen wird ein schriftlicher Austausch zwischen Idris II. und dem zeitgenössischen Aghlabiden-Emir Ibrahim I. ibn al-Aghlab erwähnt.
  • Fortsetzung 818
  • 818: Idris II.: Im Jahr 818 erlebt Idris II. die Ankunft von zwei Wellen arabischer Flüchtlinge aus al-Andalus. Diese Gruppen lassen sich vor allem in der Hauptstadt Fès nieder. Dadurch beginnt während seiner Herrschaft die Arabisierung Marokkos, und Fès wird überwiegend arabischsprachig. Zugleich fördert Idris II. die Einwanderung arabischer Gruppen nach Nordmarokko.
  • 824: Idris II.: In den Jahren 824 bis 826 erreicht eine weitere Gruppe arabischer Flüchtlinge aus Ifriqiya Fès. Auch diese Ansiedlung verstärkt die arabische Prägung der Stadt. Idris II. wird in dieser Zeit von einer arabischen Leibwache geschützt und hat einen arabischen Minister namens Umair bin Mus'ab.
  • 828: Idris II.: Im Jahr 828 stirbt Idris II. in Fès beziehungsweise in Walila. Nach seinem Tod wird das Idrisidenreich in neun Fürstentümer geteilt, die von seinen Söhnen regiert werden; der älteste Sohn Muhammad ibn Idris herrscht von Fès aus als Emir. Sein Grab befindet sich in der Zawiyya Mulai Idris II in Fès; es wird 1437 unter Abdalhaqq II. wiederentdeckt und entwickelt sich im 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Emir Muhammad ibn Idris (828 – 836)
  • Zuletzt 791

Emirat von Córdoba

  • Emir Hischam I. (788–796)
    Hischam stirbt nach acht Jahren Herrschaft im Alter von vierzig Jahren. Ihm wird ein frommes, einfaches und gerechtes Leben zugeschrieben; nach seinem Tod kehrt Abd Allah aus dem Exil zurück und erhebt Anspruch auf Valencia, während Sulaiman Tanger gegenüber Hischams Sohn al-Hakam I. beansprucht.
  • Emir al-Hakam I. (796–822)
    al-Hakam I. tritt die Nachfolge seines Vaters Hischam I. im Emirat von Córdoba an. Zu Beginn seiner Herrschaft kommt es erneut zu Machtkämpfen mit seinen Onkeln Sulayman und Abdallah. Diese verbünden sich mit den Franken unter Karl dem Großen, doch wird den Anwärtern bei einem Vergleich der östliche Teil des Emirats zwischen Huesca und Murcia überlassen. Zugleich setzt sich unter seiner Regierung die Rechtsschule der Malikiten in Andalusien weitgehend durch, und die Verwendung indischer Dezimalzahlen wird durch Abbas ibn Firnas in Andalusien eingeführt und verbreitet. Im selben Jahr beginnen auch weitere Unruhen: Die Menschen von Toledo vertreiben ihren Gouverneur Bahlul ibn Marzuk, der daraufhin nach Saragossa und in die nördlichen Grenzgebiete von al-Andalus zieht und dort seine Unabhängigkeit erklärt.
  • Fortsetzung 797
  • 797: al-Hakam: Im Jahr 797 kommt al-Hakam I. in Toledo gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Stadt vor. ‘Amrus ibn Yusuf trifft dort ein, gewinnt das Vertrauen der örtlichen Notablen und kündigt ein Festmahl zu Ehren des vierzehnjährigen Erben ‘Abd ar-Rahman an. Beim anschließenden Fest wird die Aristokratie nach und nach in das Gebäude gelockt und dort in einem Hinterhalt getötet; der Bericht beschreibt, dass siebenhundert führende Bürger unwissentlich in den Tod gehen. Der Text betont zugleich, dass die Erzählung vom „Tag des Grabens“ wohl fiktiv ist, aber die Entschlossenheit des Emirs zeigt, die lokale Elite zu unterwerfen.
  • Fortsetzung 798
  • 798: al-Hakam: Seit dem Jahr 798 sind die Balearen zwischen Muslimen und Franken umkämpft. Al-Hakam I. kann wegen der inneren Unruhen nicht aktiv gegen die Franken vorgehen.
  • 800: al-Hakam: Im Jahr 800 nähern sich führende Beamte und Rechtsgelehrte in Córdoba heimlich al-Hakams Cousin Muhammad ibn Qasim, um ihn als Emir einzusetzen. Muhammad bleibt jedoch loyal und verrät die Verschwörer. Daraufhin werden zweiundsiebzig von ihnen, darunter viele von hohem Rang, verhaftet und hingerichtet; ihre Kreuze säumen die Ufer des Guadalquivir als Warnung an weitere Verschwörer. Al-Hakam I. verstärkt daraufhin die Befestigungen der Stadt und lässt seine Onkel Maslama und Umayya töten, die seit der Herrschaft Hischams I. im Gefängnis festgehalten worden waren.
  • 801: al-Hakam: Im Jahr 801 erobern die Franken Barcelona. Der Text verknüpft dies mit der Tatsache, dass al-Hakam I. wegen der Unruhen nicht wirksam gegen die Franken vorgehen kann.
  • 805: al-Hakam: Im Jahr 805 wird in Córdoba eine Verschwörung aufgedeckt. Im Zuge dieser Ereignisse niederschlägt al-Hakam I. auch eine Verschwörung in Córdoba. Der deutschsprachige Text nennt ausdrücklich, dass 5000 Edle bei einem Festmahl im Alcázar im Auftrag al-Hakams ermordet werden, um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Stadt zu brechen.
  • 806: al-Hakam: Im Jahr 806 gründen die Franken die Spanische Mark. Zugleich ist Toledo nach den früheren Maßnahmen al-Hakams befriedet, und ‘Amrus wird in die Obermark geschickt, wo die Banu Qasi nun gemeinsam mit den kleineren christlichen Herrschern von Pamplona, Álava und der Cerdanya aufgestanden sind. In den englischen Textpassagen wird außerdem erwähnt, dass am 16. November 806 72 Adlige und ihre Begleiter bei einem Bankett massakriert, gekreuzigt und an den Ufern des Guadalquivir zur Schau gestellt werden.
  • 814: al-Hakam: Im Jahr 814 übernehmen andere Gruppen zeitweise in Alexandria die Macht. Der Text nennt dies als Teil der Folge von Vertreibungen und Wanderungen nach den Unruhen in al-Andalus.
  • 818: al-Hakam: Im Jahr 818 unterdrückt al-Hakam I. einen Aufstand in der Vorstadt rabaḍ von Córdoba gegen Steuererhöhungen blutig. Der Text beschreibt, dass viele Gegner der Umayyaden danach nach Marokko zu den Idrisiden fliehen, die die Andalusier in Fès ansiedeln. Im englischen Text wird der Aufstand als von Klerikern im Vorort al-Ribad am südlichen Ufer des Guadalquivir angeführt dargestellt; etwa 300 Notable werden gefangen genommen und gekreuzigt, während der Rest der Bewohner ins Exil geht.
  • 822: al-Hakam: Am 21. Mai 822 stirbt al-Hakam I.. Nach seinem Tod übernimmt sein Sohn Abd ar-Rahman II. die Regierung des Emirats. Der Text nennt zudem, dass al-Hakam I. bis 822 regiert und 26 Jahre an der Macht war. Emir Abd ar-Rahman II. (822–852)
  • zuletzt 796

CHASAREN

UIGURISCHES KAGANAT

  • 798: Im Jahr 798 werden Karashar und Kucha erobert .
  • Fortsetzung 804
  • 804: Im Jahr 804 stellt er den Manichäismus nach einem Besuch in einem manichäischen Tempel in Qocho wieder als Staatsreligion her .
  • 805: Nach Colin Mackerras und Takao Moriyasu hat er bis 805 keine Beziehungen zu China, weshalb chinesische Historiker glauben, dass Qutluq Bilge im Jahr 805 gestorben sei .
  • 806: Im Jahr 806 ist der chinesische Hof überrascht, als Manichäer unter der Gesandtschaft erscheinen. Qutluq II fordert, dass die manichäischen Tempel in China wieder geöffnet werden .
  • 806: Er stirbt irgendwann nach März 808 und wird von Baoyi Qaghan abgelöst . Kagan Baoyi (808–821)
  • zuletzt 795

INDIEN

Pratihara

  • 800: Vatsaraja: Die Herrschaft Vatsarajas endet. In späteren Darstellungen, etwa in der Gwalior‑Inschrift seines Nachfahren Bhoja, wird berichtet, Vatsaraja habe „die ganze Welt unterworfen“ und sei der „hervorragendste unter den bedeutendsten Kshatriyas“. Die Inschrift erwähnt außerdem die Niederlage des berühmten Bhandi‑Clans durch Vatsaraja. Der Chahamana‑König Durlabharaja, der im Prithviraja Vijaya als derjenige beschrieben wird, der sein Schwert am Zusammenfluss von Ganga und Ozean wäscht, erscheint darin als ein Untergebener Vatsarajas. König Nagabhata II. (800–833)
  • Fortsetzung 800
  • zuletzt 795

Malla

Chauhan-Dynastie

Östliche Chalukya

  • 808: Im Jahr 808 endet die Regierungszeit Vishnuvardhanas IV, und sein Nachfolger Vijayaditya II übernimmt die Herrschaft über das Reich der östlichen Chalukyas von Vengi. Zu diesem Zeitpunkt hat Vishnuvardhana IV mit seiner 36-jährigen Regierung seit 772 eine Phase relativer Kontinuität geschaffen, in der er das Königshaus durch geschickte Heiratspolitik mit den Rashtrakutas verknüpft. Der Übergang der Macht an Vijayaditya II sichert die Fortführung der Dynastie und zeigt, dass seine Herrschaft nicht in einer dynastischen Krise endet, sondern in einer geordneten Nachfolge. Damit hinterlässt er ein Reich, das in den größeren politischen Zusammenhang Südindiens eingebunden ist und in dem sein Name als zehnter König der östlichen Chalukyas weiterlebt. Über die nachfolgenden Könige ist kein Wikipedia-Artikel vorhanden, erst im Jahr 848 regiert ein König, über den Informationen vorhanden sind.
  • Fortsetzung 848
  • 848: König Vijayaditya III. (848–892)
  • Zuletzt 784

Rashtrakuta

  • 800: Im Jahr 800 CE führt Govinda III von seiner Hauptstadt Mayurakhandi im heutigen Distrikt Bidar aus seinen Nordfeldzug. Er erreicht die Unterwerfung des Gurjara-Pratihara-Kaisers Nagabhata II, des Pala-Kaisers Dharmapala und des amtierenden Marionettenherrschers von Kanyakubja, Chakrayudha. Die Sanjan-Platten berichten, dass das Pferd Govindas III das eisige Wasser eines Himalaya-Bachs trinkt und seine Kriegselefanten das heilige Wasser des Ganges kosten. Auch die Herrscher von Magadha und Bengalen unterwerfen sich ihm. Nach der Eroberung von Malwa sorgt Govinda III im Jahr 800 CE dafür, dass die Paramara-Dynastie als Vasallen der Rashtrakutas herrscht. Zu diesem Zeitpunkt kontrolliert er die Regionen zwischen Vindhyas und Malwa im Norden und Kanchi im Süden, während sich das Kerngebiet seines Reiches vom Narmada- bis zum Tungabhadra-Fluss erstreckt.
  • Fortsetzung 804
  • 804: Aus der Someshvara-Inschrift von 804 geht hervor, dass „Gamundabbe“ seine Hauptkönigin ist.
  • 813: Eine Inschrift aus dem Jahr 813 CE erklärt, dass Govinda III Lata, also südliches und zentrales Gujarat, erobert und seinen Bruder Indra als Herrscher dieses Gebietes eingesetzt hat. Dadurch wird das Gebiet faktisch zu einem Zweig des Rashtrakuta-Reiches.
  • 814: Govinda III stirbt im Jahr 814. In seiner Regierungszeit werden die Grenzen des Rashtrakuta-Reiches erweitert und seine politische Macht gestärkt. Er ist für Religionstoleranz und die Unterstützung mehrerer Glaubensrichtungen bekannt. In seinen Inschriften erscheinen königliche Titel wie „Prithvivallabha“, „Shrivallabha“, „Vimaladitya“ und „Atishayadhavala“, die im Jain-Kontext gebräuchlich sind und häufig in Jain-Stifter- und Herrscherinschriften vorkommen. Das verweist auf die lange Tradition der Rashtrakutas, sowohl Hinduismus als auch Jainismus zu fördern. Zahlreiche Schenkungen an Jain-Mönche und Jain-Tempel gehen unter ihrer Herrschaft weiter. Während der Herrschaft Govindas III verfassen Jain-Mönche wie Acharya Virasena und Acharya Jinasena mit seiner Unterstützung wichtige Jain-Texte, darunter die berühmte „Dhavala“, einen Kommentar zum „Shatakhandagama“. Auch die Arbeit an der „Jayadhavala“ beginnt unter ihnen und wird später von ihren Schülern vollendet. Govinda III erhält auch die Unterwerfung des Königs von Ceylon ohne Kampf; dieser soll ihm zwei Statuen gesandt haben, eine von sich selbst und eine seines Ministers, als Zeichen der Unterwerfung. Der Nasari-Bericht sagt außerdem, dass nun alle Königreiche des Tamilenlandes, also die Cholas, Pandyas und Keralas, ihren Tribut an Govinda III entrichten. Das Rashtrakuta-Reich erreicht nie zuvor ein solches Maß an militärischem Erfolg und glanzvoller Höhe. Sein Bruder Indra gründet in dieser Zeit den Gujarat- oder Lata-Zweig. Auf Govinda III folgt sein Sohn Amoghavarsha I. König Amoghavarsha (814-878)
  • zuletzt 793

Westliche Ganga-Dynastie

  • 816: Im Jahr 816 stirbt Shivamara II. im Kampf gegen die Rashtrakuta. Damit endet seine Herrschaft über die Westliche-Ganga-Dynastie. Über seine Nachfolger sind keine Wikipediaartikel vorhanden, erst im Jahr 938 folgt ein König, über den Informationen vorhanden sind.
  • Fortsetzung 938
  • 938: König Butuga II. (938-961)
  • zuletzt 788

Pallava

  • 803: Im Jahr 803 n. Chr. besiegt der Rashtrakuta-Kaiser Govinda III. Dantivarman und betritt Kanchi.
  • Fortsetzung 818
  • 818: Zwischen dem 21. und dem 49. Regierungsjahr Dantivarmans liegen keine Inschriften vor; dies entspricht ungefähr den Jahren 818 bis 845 n. Chr. Während dieses Zeitraums ist Dantivarman aus seinem Herrschaftsgebiet vertrieben, flieht und sucht Zuflucht im Kadamba-Reich, mit dem er durch Heirat verwandt ist.
  • 845: Im 49. Regierungsjahr Dantivarmans endet das durch die Telugu-Chola verursachte Interregnum. Dantivarman wird dabei von seinem Kronprinzen Nandivarman III. unterstützt, der durch die Kadamba-Prinzessin Aggalanimmadi geboren ist, und er gewinnt sein verlorenes Gebiet zurück. Die südlichen Regionen des Pallava-Reiches bleiben jedoch weiterhin unter pandyanischer Kontrolle.
  • 846: Dantivarman herrscht insgesamt 51 Jahre lang über das Pallava-Reich und regiert bis 846 n. Chr.. König Nandivarman III. (846–869)
  • Fortsetzung 796
  • Zuletzt 796

Anuradhapura

  • 806: Königin Sangha hat Mahinda II einen Sohn geboren, der als Unterkönig fungiert, doch dieser Sohn stirbt vor seinem Vater. Daraufhin ernennt Mahinda II einen weiteren Sohn aus einer früheren Ehe, die vor seiner Königsherrschaft geschlossen worden ist, zum Unterkönig; dieser Sohn trägt ebenfalls den Namen Dappula und hat sich in den Kämpfen gegen den rebellischen Dappula hervorgetan.
  • Fortsetzung 807
  • 807: Mahinda II, auch Silamegha genannt, herrscht bis zu seinem Tod als König von Anuradhapura; seine Regierungszeit erstreckt sich damit vom Jahr 787 bis zum Jahr 807. Nach seinem Tod folgt ihm sein Sohn als König Dappula II auf den Thron von Anuradhapura und setzt die Dynastie fort.
  • Zuletzt 793

TIBET

  • 797: Trisong: Trisong Detsen hat drei Söhne: Mutri, Muné Tsenpo (Murub) und Mutik Tsenpo (Sadnalegs); der älteste, Mutri Tsenpo, stirbt früh. 797 zieht sich Trisong Detsen in den Palast von Zungkar zurück, verfasst Dharmatexte und übergibt den Thron an seinen zweiten Sohn Muné Tsenpo. Muné Tsenpo verfolgt in etwa eineinhalb Jahren zahlreiche spirituelle und weltliche Ziele und besteht laut Testament von Ba darauf, dass das Begräbnis seines Vaters nach buddhistischen, nicht nach traditionellen Riten abläuft.
  • Fortsetzung 797
  • Zuletzt 794

KHMER

Chenla

  • Zuletzt 716

CHAMPA

  • Zuletzt 686

CHINA

(58./59. Zyklus - Jahr der Feuer-Ratte; am Beginn des Jahres Holz-Schwein)

Tang-Dynastie

  • 799: Dezong: 799 beginnt Wu Shaocheng, der nun Zhangyi (früher Huaixi) beherrscht, sein Umland zu plündern, ohne dass die Quellen klare Motive nennen. Dezong befiehlt die Militärgouverneure der Nachbarregionen – Yu Di (Shannan Ost), Han Hong (Xuanwu), Yi Shen (Anhuang) und Shangguan Shui (Chenxu) – zum gemeinsamen Angriff. Anfangs haben sie Erfolg, scheitern aber an mangelnder Koordination und brechen um die Jahreswende 800 plötzlich zusammen, wodurch Wu große Vorräte erbeutet. Darauf überträgt Dezong Han Quanyi von Xiasui den Oberbefehl, doch dieser wird mehrfach von Wu geschlagen. Auf Rat des Xichuan‑Gouverneurs Wei Gao und des Kanzlers Jia Dan stellt Dezong Wu Shaocheng Ende 800 eine Begnadigung in Aussicht und beendet so den erfolglosen Feldzug. Um diese Zeit haben Wei Gao und der Nanzhao‑König Yimouxun, der nach der Schlacht von Shenchuan wieder in das chinesische Tributsystem eingetreten ist, den Tibetern mehrere Niederlagen beigebracht. Tibet stellt nun eine deutlich geringere Bedrohung für die Sicherheit der Tang‑Grenzen dar.
  • Fortsetzung 805
  • 805: Dezong: Währenddessen ist der älteste Sohn Dezongs, Kronprinz Li Song, eng mit den jungen Beamten Wang Pi und Wang Shuwen befreundet. Wang Pi, Wang Shuwen und ihre Kreise – darunter Wei Zhiyi, Lu Chun, Lü Wen, Li Jingjian, Han Ye, Han Tai, Chen Jian, Liu Zongyuan und Liu Yuxi – entwerfen Reformpläne für die Zeit nach Li Songs Thronbesteigung und bilden faktisch eine Schattenregierung. Im Winter 804 erleidet Li Song einen Schlaganfall, wird teilweise gelähmt und stumm. Im Frühjahr 805 führt Li Songs Krankheit bei Dezong zu tiefer Depression und schließlich schwerer Erkrankung. Dezong stirbt am 25. Februar 805 in Chang’an, und trotz Spekulationen über die Regierungsfähigkeit des kranken Kronprinzen besteigt Li Song den Thron als Kaiser Shunzong.
  • Zuletzt 794

KOREA

Silla

Balhae

JAPAN

KALINGGA

  • Zuletzt 725

QUELLEN

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13.09.2023 Artikel eröffnet und Grundstock erstellt

28.04.2026 Grundstock ergänzt

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